Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 91 Samstag den 17. April 1869.
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bei dieser Bewegung, so weit dies mit dem Gefühl ihrer Selbst- bestimmung verträglich ist. Wir haben uns in diese Bewegung, die wir nicht geschaffen haben, nicht zu mischen und wir werden es nicht thun, es sei denn, daß man die Grenzen überschritte, über welche hinaus unsere Ehre und unser Recht angetastet würden. Allein, da wir die Rechte der Anderen achten, haben wir keinen Grund, zu besorgen, daß die unserigen nicht ebenfalls geachtet werden würden." Nachdem der Minister fodann Die Stellung Frankreichs zu Italien und zur griechischen Frage beleuchtet hat, schließt er mit folgenden bedeutsamen Worten: „Ich glaube festgestellt.zu haben, daß unsere auswärtigen Beziehungen gut sind,, und ich glaube das Recht zu haben, der Kammer sagen zu dürfen, daß der Friede, der Gegenstand aller Wünsche, weder bedroht noch ungewiß ist. Wir werden ihn mit. allen berechtigten Mitteln aufrecht erhalten; wir werden im Westen thun, was wir im Osten unter verschiedenen Umständen gethan haben, wir werden alle unsere Anstrengungen darauf richten, den Frieden zu bewahrest. Ein Redner sprach hier jüngst von der Verantwortlichkeit der Minister. Es gibt eine Verantwortlichkeit, welcher sich Memand entziehen kann; dieser Veranwortlichkeit vor den Menschen, vor Gott und der Geschichte würde sich derjenige aussetzen, welcher, von Empfindlichkeit oder Ehrgeitz geleitet, den Frieden bedrohen und ohne eine unausweichliche Nothwendigkeit, ohne daß es die Ehre und die berechtigten Interessen erheischen, zwei bedeutende Nationen gegeneinander treiben würde. Ein Solcher würde eine strenge Rechenschaft abzulegen haben vor feinen Zeitgenossen und vor der Geschichte. Wir werden also den Frieden mit allen rechtsmäßigen Mitteln aufrecht erhalten. Man hat die Regierung beschuldigt, keine Politik zu haben. Sie hat eine Politik: es ist die Politik des Friedens; sie wird ihn vertheidigen, sie wird ihn auferlegen, wenn sie es vermag. Der Friede ist der Zweck, auf welchen alle unsere gemeinsamen Bemühungen gerichtet sind. Wir werden ihn aufrecht erhalten mit der Hülfe des Landes, unterstützt von den großen öffentlichen Gewalten und namentlich mit dem Beistände Gottes; der uns für einen solchen Zweck nicht fehlen wird." Diese Worte des französischen Ministers haben nach allen Seiten hin einen tiefen und sehr günstigen Eindruck gemacht und werden nicht verfehlen, erneu bedeutenden und segensreichen Einfluß auf die
Ueb erblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 17. März. Die „Provinzial-Cürrespondenz" schreibt: Der französische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Marquis vonLavalette, hat jüngst innerhalb der französischen Landesvertretung Erklärungen über die kaiserliche Politik abgegeben, welche vermöge ihres unumwunden friedlichen Characters als ein Ereigniß von hoher und' erfreulicher Bedeutung zu begrüßen sind. Auf die Bemerkung eines Abgeordneten, daß unter den von der Regierung jüngst veröffentlichten Aktenstücken sich keine finden, welche über die Beziehungen Frankreichs zu Deutschland Aufklärung geben, erwiderte der Minister etwa Folgendes: „Das Schweigen unserer diplomatischen Aktenstücke über die deutschen Angelegenheiten erklärt sich aus den: sehr einfachen Umstande, daß wir mit den deutschen Staaten keine besondere Unterhandlung geführt haben. Man hat hier die Besorgniß ausgesprochen, daß nicht alle Mittel angewendet worden seien, welche geeignet wären, ein Einverständniß herbeizuführen. Unsere ganze Haltung legt gerade Zeugniß ab von unserem aufrichtigen Wunsche, die freundschaftlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten, indem wir jedwede Einmischung in die rein deutschen Fragen vermeiden/ So große politische Veränderungen wie die, welche vor nun bald drei Jahren in der Mitte Europas eingetreten sind, vollziehen sich nicht, ohne tiefe Spuren zurückzulassen und ohne daß der Rückschlag lantze Zeit fühlbar ist. Zwischen dem Augenblick, wo die alte Ordnung der Dinge zusammenstürzt, und dem, wo Alles auf neuer Grundlage aufgebaut worden ist, liegt eine mehr oder minder lange, mehr" oder minder schwierige Uebergangsperiode, die von widersprechenden Strebungen, von offenen oder heimlichen Schmerzen, von mehr - oder weniger rechtmäßigen Ansprüchen und streitenden Jnte- ! reffen erfüllt ist. Deutschland macht jetzt diese Zeit durch. I Dies ist ein Grund für uns, uns jeder Einmischung in Fragen zu enthalten, die uns nicht unmittelbar berühren. Nur berech- llgte Anlässe könnten uns bestimmen, von dieser Politik der Enthaltung abzugehen; es liegt aber nichts vor, was uns einen solchen Fall in Aussicht nehmen ließe. Der Nordbund vollendet seine Organisation, die Südstaaten betheiligen sich