Einzelbild herunterladen
 

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 89 Donnerstag den 15. April 1869.

Bestellungen auf das Frankfurter Intelligenz-Blatt, Amtsblatt und Anzeiger für den Stadtkreis Frankfurt a. M., Anzeige-Blatt der städtischen Behörden zu Frankfurt a. M. und die Frankfurter Nachrichten werden für dieses Quartal bei der Expedition zum Preise von fl. 1. 45 kr. fortwährend angenommen.

Durch die Post bezogen kosten dieselben für das Vierteljahr in Preußen: Thlr. 1. 15'/« Sgx. oder sl. 2. 41 kr., außerhalb Preußen: Thlr. 1. 2^4 Sgr. oder fl. 1. 53 kr.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen nnd materiellen Interessen.

Frankfurt, 15. März. (Grabhügel aus heid­nischer Vorzeit bei Frankfurt.) Kürzlich fand im hiesigen Stadtwalde (Hinkelsteinforst) die Ausgrabung von vier der dort zahlreich vorhandenen Grabhügel aus heidnischer Vorzeit statt. Die Erfolge waren freilich mcht ganz den Er­wartungen entsprechend, indem sämmtliche vier Gräber bereits irgend einmal geöffnet waren und nur noch eine, wenn auch nützliche, Nachlese gestatteten. Im Frankfurtet Stadtwalde befinden sich an vier verschiedenen Stellen solche Gräber, nämlich kurz vor dem Forsthause links nnd rechts, an der Babenhäuser Chaussee, in der Königshaide und im Hinkelstein­forst an der Schwanheimer Grenze entlang. Die meisten Gräber der erstgenannten drei Todtenfelder zeigen deutliche Spuren von früheren Oeffnungen, und sie waren deßhalb ab­sichtlich vermieden worden. Die letzten dagegen sind wenig bekannt, und mehr entlegen, boten also die größere Hoffnung auf Jntactheit. Es zeigte sich aber, daß bedeutend häufiger gegraben worden ist, als actenmäßig feststeht. — Die ersten bekannt gewordenen Urnenfunde theilt Lersner in seiner Chronik mit, nämlich 1722 einen solchen im sogenannten Erchen­lohen zwischen Oberrad und Offenbach, 1725 im Wäldchen am Sandhof, 1727 vor der Sachsenhäuser. Warte, 1728 in dem „Wahrtforst am Aspacher Wege", 1729 in der Nähe der „Schaumain-Pforte". Die Funde wurden theils zufällig ge­macht, theils waren sie Resultate von forstamtlich angestellten Grabungen. Erst hundert Jahre später wurden, so weit es actenmäßig bekannt ist, von neuem Untersuchungen angestellt. Vom Jahre 1815 wird in den Forstamtsacten die Ertheilung einer Erlaubniß erwähnt, im Jahre 1836 wurden im Beisein des jüngeren Bürgermeisters, mehrerer Senatoren, Forstbeamten und Zuschauern in der Königshaide zwei Hügel geöffnet. Im ^ahre 1853 geschah eine ähnliche Grabung. Im Jahre 1855 Würben vom Revierförster Hensel verschiedene Antiquitäten, dre sich zufällig gefunden hatten, dem Forstamte eingereicht, â ^ahre 1859 kamen sämmtliche Funostücke, die nicht an städtische Bibliothek übergegangen waren, in das Museum «es Alterthumsvereins, dem die der jüngsten Grabung zugehen

werden. — Doch kehren wir wieder zu den kürzlich angestellteU Ausgrabungen zurück. — (Dieselben fanden statt in Anwesen­heit des Revierförsters Gas, der den Forstmeister vertrat.) Das erste Grab von circa 40' Durchmesser und 6' Höhe wurde im Kreuz durchschlagen. Schon nahe der Oberfläche fanden sich zahlreiche Scherben, welche ihrer Gestalt nach theils von Schalen herrühren, theils von topfartigen Urnen von circa 1' Höhe. Die Gefäße find roh mit der Hand gefertigt oder auch auf der Töpferscheibe gedreht, sie bestehen meist aus schwärzlichem, mit Quarzsand gemischtem Thon, einige von ihnen sind ohne Farbe, andere' sind rothbraun und tragen Graphitstreifen, die einander parallel laufen oder sich in Quadraten durchschneiden. Die rohsten Gefäße sind im offe­nen Feuer gebrannt, die anderen im geschlossenen. Ebenfalls ziemlich nahe an der Oberfläche lag ein zwei Zoll langes Stück von einem einschneidigen eisernen Schwerte (Skrawasax), die anderen Theile desselben waren nicht aufzufinden. In einer Tiefe von circa 4' fanden sich unmittelbar nebeneinander eine 2^2 Zoll lange Haarzange, eine Art von Griffel mit einer Oese, spiralförmig gedreht, unten flach und kurz gespalten, endlich ein Zierrath aus vierkantigem Draht zu einem größe­ren und drei kleineren Kreisen gewunden. Alle drei Stücke sind aus Bronze und waren offenbar an demselben Riemen befestigt und wahrscheinlich am Gürtel aufgehängt. — Außer diesen genannten Dingen wurden noch zwei Stückchen von un­gebranntem Knochen gefunden. Ein zweites daneben liegendes Grab von etwa 25'" Durchmesser und 2' Höhe, war aber größtentheils mit Steinen bedeckt, 1' tief fand sich ein halber Steinkranz von circa 6' Länge in der Richtung von Nordosten nach Südwesten. Im Uebrigen war das Grab leer, und nur hin und wieder lagen unregelmäßig zerstreut Steine. Ein drittes Grab in der Gegend der Lerchenschneise und hart an der Grenze ergab nur ein einziges Stück von einer schwärz­lichen Urne und etwas Holzkohle. Ein viertes großes Grab von 45' Durchmesser und nicht weit von den beiden ersten gelegen, ergab, obgleich es ebenfalls bis auf den Kiesgrund durchschlagen wurde, durchaus kein Resultat. Es enthielt auch ebensowenig als das erste und dritte Grab irgendwelche Steine' Wie bereits vorher bemerkt wurde, scheinen also alle vier Gräber bereits früher geöffnet zu sein, die Grabungen würden