IatelUgeaz.Blatt der MM Frauksurl s. M., vWZMdm Mit dm Frankfurter srnchrichten als Extrabeilage.
(Expedition) am 8. Teistpförtchen, GchlachkhauSgaffe S1.)
M 81. Dienstag dm 6. April 1869.
«LberbliS der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
WMEfsrrt, 6. April. (Die sieben Wunder bei dem Eisenbahnbrückendau) Utf« Jahrhundert dürfte nicht zu Esde gchm, ohne daß die berühmte Siebenzahl im EiievbahnörLckrnbvu, oder die GchienmvkrbNdunq von Calais nach Dover resp. von CvpBümc-Nez und S^aktspeorccliff zum! Abschluß gelangt. N-ch den Stürmen, wie sie nameatllch im letzten Semester den Bnkrhr zwischen Frankreich mb Estland so ungemein grsâhrdet und gestört, ist der Würfel hinsichtlich ' der Inangriffnahme deS Riesenwerks gefallen, urd wer die Errungenschaften unserer Tage auf b?m Gebiete der Technik in ihrem ZsvZW Umfange zu würdigen weiß, wird Mr daS Projekt der CanalNiicke nicht mehr spötteln, funsern ernster bei km. Von den vorliegenden, schon vielfach geprüften P anen wird von dem ,'Projekt deS guß- oder schmiedeeisernen genieteten Tunnels ganz ^barsehen und eine Brücke gebaut werden, die trotz der Schwie- règksttm thrrr Fundawevtirong doch kein unübersteiglicheS Hin- »erniß entgegen stellt. Die Tiefe deS CanM zwischen Cap Blanc-Nez und Shakespearecliff schwarkt nur zwischen 60 und 165' und obgleich die Länge der Brücke
nicht unter 30 Kilometer beträgt, so soll doch hre Last mit 9 Pf ist.« auf pmumatisch ve fetter, mit Beton gefüllter Eiser chllnderfundamevtirung bezwungen werde». Beide Enden der Brücke ruhen auf felsigem Boden und das Balkenwerk wird durch eiserne Kabtldrähte gebildet, die auf den Pfeilern auffliegen. Ob lab Riesenwerk ausführbar otzer nicht, werden selbst unsere Leser wenigstens anvLhernd b-m theilen könnm, wenn wir ihnen die andren sechs Wunderwerke im Eisrnbahn- v'.aduktmbau nennen, die zu den kühnsten Arbeiten der Ingenieur- kunst aller Suiten zählen. Obenan steht die Röhrenbrück? über den St. Lormzsirom von Svph'nson mit 25 Spannungen von e 353 bis 260 Fuß Weite. Daran schlicht sich die Blittannia- »rücke von SteptziSsou über den Menuta-Kalia! Bei Holyhead. Ihre Röhren, die eine G^sammtlänZ« von 1380 Fuß hoben, liegen 120 Fuß über dem Meeresspiegel und sind in ein Stück zusammengentettt. Zwischen ihre», br i Wcffrr- und zwei Lant- Pfeilern liegen zwei Spannungen von 460 Fuß Weite und zwei von 230' Länge. Di« Distanz der Pfeiler bestimmten die Felsen in der Mèuaistraße, und Stephenson HLtte Spannungen von noch gtößcrm Dimensionen überwürzen. DaS Eisengewicht der Bit- tWniabrücke beträgt nahezu 220,000 Ctr. und ihr Mauerwerk hält 1% Mill^oveu von Cuückfuß Stein. Der dritte im Bund ist die Saltash - Bröcke bei Plymouth von Bru» uel, gleich ausgezeichnet durch Künhett und Schönheit fver Konst.akttvi!; ihre Spsnnungm geben der ^ritannia- macke fast um nichts nach. Die folgmde in der Beamten
Siebrnzytzl iS bis WeichselSrücke bei Dirschau vou Levtze, eine der größten Gitterdröcken der Welt, deren Pfeile-: in dem Schlammboden des breiten Stroms wurzln Di Weite der sieben Spannunoen steigt je bis zu 428 Fuß und die Gt •» Höhe bis weit über das Maß hinaus (40 ) um die Schornstciue der Maschinen dmchzulsffm. Die Bâbâcke über den Rhâ bei Köln von Lohst uno Wridtmann reiht sich der nötigen Würdig an; sie hat vier Joche von je 343 Foß Spannung. Nicht minder großartig und berühmt wie di« vorigen ist c Brücke Eber die Göltzsch in Sachsm. D;r Göltzschthalviadnct, welcher 1,900,000 Ttzlr. kostete, steigt w t vier Reihen Boge r auf und ist mit s-iner Höhe von 284 Faß sächsisch zugleich bis höchste steinerne Eisenbahnbrücke der Welt.
A«S der Vèähe.
* Marburg, 2. April. Sicherem BermhmW nach, gßt eine kürzlich Seitens der Universität mixest llte N-chfra^ ? - geben, daß an Studkutenwohrunaen von auZreichsuder G list durchaus kein Mangel ist Die Preise berfeL en, weis vor einiger Zeit allerdings plötzlich in die Höhe gingen, scheinen nun durch vermkhrte Csvcmrenz im Angebot ein lill'geS Gleis - gewicht erregt zu haben. S 16S eine erhebliche VerwetzrL. der Fclg jMz unserer alten Hockschuse dürfte idne Berlegruh;! bezüglich der Uat«kauft der Studirenden Hervorrufen.
* Nieder-Olm, 4. April. Ein in unserer Gemeind! ansässiger Korbmacher, der so arm ist, daß er nicht im Stand: ist, sich eine Wohnung zu miethen, Hatte sich bereit« sell längte Zeit in eine Erdhöhle etagenistet, d. h. er grob sich in rinem „Rech" ein großes Loch in die Erde, fütterte boffeibe mit Moos Stroh re. aus und lebte mit seinen drei Kindern wie ein ^FuchS im Bau." Die unglücklichm VerhSltniffe, in denen der Mann sich befand, verleitete« ihn zvm Trvrk!, und so ereignete eS sich, daß er am Mittwoch N«chm!ttag total betrauten in feiner „Höhls" m kam. Bald nachher Hörle« auf dem Frlds arbeitet de Leute das schrecklich? Geheul eines HundeS uud aus der Erde, wo der Korbmacher wohnte, stieg eine Rauchsäule empor. So rasch als möglich eilten HefelSen, ein Unglück ahnend, der Stelle zu und — o Schrecken ! — am ganzm Körper verbrannt, zog man den Unglücklichen au? seinem Verstecke Httvor. Auch zwei seiner Kinder, deren Kleider Reuet gefangen, waren emsetzlich zugerichtet. Wäre eS nicht Pflicht der Gemeinde gemtfen, den Mann in der Weise zu unterstützen, daß er wentastenS nicht xanz dem Elend preis gegeben gewesen wäre! Es soll wenig Hoffnung vorhanden sein, die Unglücklichen dem Lebe« zu erhalten.