Intelligenz Blatt der MM Frankfurt a. M.,
Lsrbmrden mit dm Frankfurter Mschrichteu als Extrabeilage.
(Expedition: am H. Seistpförtchen, GchlachLhauSgaffe 21.)
^ 63. Dienstag dm 16. März 1869.
Veberblick der Ereigmffe im Gebiete der polttischen und materiellen Interessen.
^Frankfitrt, 16. März. (Die zweite deutsche Nordpol-Expedition.) Herr A Petermann schreibt aus Gotha: Diezweite deutsche Nordpol-Expedition, für deren Zustandekommen Vorbereitungen seit vorigem Herbst im Gange gewesen find, ist bestimmt, von Bremertzaven aus in der ersten Woche des Juni, wo möglich am 1. Juni, in See zu gehen. Sie wird aas zwei Schiffen bestehen/ einem Schraubendampfer von 120 Tonnen und 30 Pferdekruft, und dem Schiff der ersten Expedition, einer Segel-Aacht von 80 Tonnen. Diese wird den Namen „Gröaland", das neue Schiff den Namen „Germania" führen. Zweck und Ziel dieser zweiten Expedition sind dieselben, wie beim vorjährigen Versuch, nâmlich: Erforschung und Entdeckung der arktischen Central-Region von 75 0 nördl. Breite an, auf der Basis der oßgröuläadischen Käste. Aber sie wird dieses Mal nicht eine bloße nautische Sommerfahrt sein und auf die Monate Juni bis September beschränkt werden, sondern sie wird /eine Verhältniß« âßig reiche wissenschaftliche Ausrüstung erhalten, in möglichst hoher Breite eine Ueber- Winterung effcktuiren und vorauè sichtlich erst im Oktober 1870 heimkehren. Die „Germania" jedoch, die als Begleit- und Transportschiff fu«gire», sowie zur Communication zwischen der Expedition und Europa dienen wird, soll schon zum kommenden Winter zurückkehren und alle biS dahin (Oktober) er- laugtru Risultat« und veranstaltrteu Sammlungen Heiwbringeo. DaS Hauptschiff, alS völlig urabhängig in sich, soll zu geeigneter Zeit im Herbst 1870 Nachfolgen. Die ganze Expedition wird unter dem Brfehl deS Ccpitän K. Kolbeway stehen, der sich im vorigen Jahre so trefflich bewährt hat, ms Seemann wie alS Mann der Wissenschaft und alS ein ausgezeichneter Charakter voll Muth, Ausdauer und Hingabe für die Sache. Außer ihm werden ein Oiersteuerwann, Untersteuirmaun, Maschinist, Heizer, Zimmermann, Koch, Steward und fünf Matrosen die Schiffsmannschaft bilden. Die wissenschaftliche Seite ist zunächst vertreten durch zwei Astronomen und Physiker, die Herren Bürgen und Copeland von der königlichen Sternwarte in Göttingen, Len ausgezeichneten HochgrbirgSforscher und Bletscherfahrer Oberlteutenant JuliuS Payer auS Wien, von der k. k. österr. Armee (für Geologie, Detail-Aufnahmen und GlttscherforsHungen), und einem Arzt (hauptsächlich Chirurg), der die Zoologie vertritt, — noch nicht definitiv ouSg, wählt. Das ganze Personal auf dem Hauptschiff wird demnach auS
Mann bestem. Die Bemannung und wissenschaftliche Be- Slestung der „Grönland" ist noch nicht genau feftgestrllt. Die wissenschaftlichen Jastrument« und Apparate sind zum Theil seit vorigem Herbst tu Arbeit, die Dampfmaschine der „Ger
mania" wird covstmirt vom Hause Waltjen in Bremen, der Bau deS Schiffes selbst geschieht auf der Werft des rühmlichst bekannten Sch Maua.eisterS Franz Telkenborg in Bremerhaven. Das neue Schiff ist nach den sorgfältigsten Berathungen und wit Rücksicht auf die reichen Erfahrungen der vorjährigen Expedition in der Eisschifffahrt big auf die geringste Einzelheiten entworfen und wird, aufgetakelt und gemalt, bis zum 1. Mai vollständig fertig geliefert. ES ist selbstverständlich auf alle Sebütfeiffi der Expedition speciell berechnet, — größtmöglichste Stärke, eingerichtet zu all den verschiedenen Forschungen und Arbeiten, wohnlich im Winter, und wird unstreitig ein dem jetzigen Standpunkt der Wiffenschaft und des Schiffbaues evt- lpre<5*8 vorzügliches Fah - zeug abgebsu. Unter den speziellen in Aussicht aenommenen wissenschaftlichen Arbeiten brfindet sich eine Giarmtssung in möglichst hoher Breite; alle bisherige« Messungen dieser Art zur Bestimmung der Größe und Gestalt unserer Erde erreichten noch nicht das europäische Nordkap in etwa 71° vörd. Br., und nachdem die Engländer seit beinahe 50 Jahren und die Schweden seit zehn Jahren die Wüstungen in Spitzbergen wo möglich BIS zum 80° nördl. Breite sortzu- führen sehnlichst getrachtet haben und von bisfes deutschen Expedition nunmehr der erste ernsthaste Versuch dazu in möglichst hohen Breiten an den zu erforschenden Polar kästen gemacht werden. Ausgedehnte und eingehende Berathungen, Unterredungen und Corrsspondevteu haben seit vorigem Herbst mit den hervorragendsten Autoritäten über alle in Frage kommenden Fächer zur Vorbereitung der Expedition Statt gefunden.
Nus der dkähe.
* Offenbach, 10. März. Der Schuldiener der hiesigen Stadtschule fand gestern in einem leeren Schulzimmer einen Knaben von 7 Jahre«, welcher sich verkrochen hatte. Da derselbe am ganzen Körper Verletzungen hatte, so brachte er thu der Polizeibehörde. Der eine Arm war dem Siebe zerschlagen und hoch geschwollen, die Nägel an den Fingern abgelockert, der Rücken aufgebracht« und bereits geeitert, erhalte Brandwunden am Körper und ein Loch im Kopfe. Dir ««gestellte Untersuchung ergab, daß der Kleine der uneheliche Sohn eines Frauenzimmers auS einem benachbarten Orte ist, die sich unlängst hierher ver- heirathet hat. Die Rabenmutter hatte das Kind seit Woche« schon malträtirt. Der Knabe wurde dem städtischen Hosp'tal zur Pflege übergeben und seine Matter, welche thu seiner Angabe nach mit einem dicken Rohre öfters gehauen unb auf eine heiße Platte gefitzt hatte, in Haft gebracht.
* Eber stadt, bei Darmstadt, 10. März. Am verflossenen Sonntag stürzte der rühmlichst bttannte Seiltänzer Franz Knie, der sich hier mit feinen Kindern produeirte, von dem drei Stock-