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Intelligenz-Blatt

der MM Frankfurt s. M,

verbunden mit dm Frankfurter: Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am H. Geistpförtchen, GchlachthauSgaffe 21.)

_____ - Dienstag den 9. März 1869-

Veberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

FrSNksart, 9. Mârz. (General Grant.) Am vierten März ging die Präsidentschaft der großen Republik jenseits des Atlantischen Oceans auS den Händen Johnsohns in die Hände deS Generals Grant über. Die Persönlichkeit Grants sowohl als die Partelstellung, der er seine Erhebung zu der höchsten Würde in der Union verdankt, sind von der Art, daß sie dieses Ergebniß als ein besonders bedeutungsvolles erschtinen lassen und daher daS Interesse auch der übrigen Welt in höherem Grade alS sonst ein Prâstdentenwechsel daselbst auf sich ziehen. Seit Washington ist kein Bürger der Vereinigten Staaten in daS weiße Haus deS Präsidenten eingezogen, dem das Vater­land so viel Dank für die Rettung aus Kriegsgefahr, für Dienste der Tapferkeit und Klugheit im Felde schuldete, als dem jetzigen Präsidenten General Grant. Sein Antheil an der Entscheidung des mehr als vierjährigen Kampfes mit dm rebellischen Süd- staaten zu Gunsten der Union war weitaus der bedeutendste. Daß er dies« reichen Lorbeeren in einem inneren Bürgerkriege, nicht, wie Washington, tu einem Kriege zur Befreiung des Vaterlandes nach außen pflückte, war nicht seine Schuld; aber wenn es bei Washington um die Begründung der Union alS eines freien und starken Gemeinwesens sich handelte, so verdankt dieselbe den Siegen Grant's wesentlich mit ihrm Fortbestand, ihre Errettung vor innerem Verfall, vielleicht vor einer im an­deren Fall ihr drohenden Invasion eines europäischen CäsariSmus. Zu diesen Verdiensten im Felde fügte Grant daS nicht minder große und fast noch seltenere, dav er, der glorreiche Feldherr an der Spitze einer siegreichen Armee, sich sofort wieder in die gewöhnlichen friedlichen und bürgerlichen Verhältnisse einordnete, und auS dem Kriege nichts anderes mit heim brachte, als ein verstärkt s Gefühl strengster Unterwerfung deS Einzelnen unter ein Allge­meines, also auch unter die Verfassung und die Gesetze der Republik. AuS dem ernsten Soldaten der Union ward er ihr erster und bester Bürger. ES konnte ihm dies insofern nicht schwer fal- lm, alS er — dank der glücklichen Einrichtung, deren die Ver­einigten Staaten ihrer geographischen Lage nach sich erfreuen dürfen — nicht etwa sein ganzes Leben unter der Fahne abge­sondert von den eigentlichen bürgerlichen Kreisen, zugebracht, vielmehr obzwar im mexikanischen Kriege Soldat, und tapferer Soldat, doch alSdann eine längere Zeit sich rein bürgerlichen Beschäftigungen gewidmet hatte, biS die Noth deS Vaterlandes ihn wieder unter die Waffen rief. General Grant ist am 27. April 1822 geboren, also noch nicht 47 Jahre alt. Er steht somit im kräftigsten Lebensalter und bringt mit der vollen Reife deS Mannes doch auch die noch ungeschwächte Energie und

Spannkraft deS Körpers und Geistes in sein wichtiges Amt mit* Er wird sicherlich dieses Amt mit der Festigkeit deS Soldaten und der Hingebung deS Bürgers führen. Er wird die noth­wendige Kraft der Executive hochhalten, aber daS Verhältniß der Gewalten zueinander, wie es die Verfassung feststem, achten. Er wird die schroffen Parteigegensätze zu versöhnen trachte«, ohne den Prinzipien etwaS zu vergeben, auf deren Aufrechter­haltung daS Wohl der Republick beruht. Wenn sich General Grant in seiner vierjährigen Präsidentschaft als der bewährt, alS welchen man ihn bisher hat kennen und achten lernen — und daran ist wohl nicht zu zweifeln — so wirb unter seiner klugen und festen Leitung die Union einen neuen Aufschwung nehmen, ihre inneren Wunden rasch vollends heilen, ihre Ver- hältuiffe nach außen befriedigend ordnen. Uns hier in Deutsch­land verbinden mit der großen Republik im fernen Westen so viele gewichtige Interessen, wir haben uns bet der Neuge­staltung unseres Eigenen Staatswesens so herzlicher Sympathien von drüben zu erfreuen gehabt u. haben es täglich noch, daßE eben so natürlich ist als undankbar wäre, wollten wir nicht heute, an dem für sie so bedeutungsvollen Tage ihr ein aufrichtige „Glück auf!* und „Go ahead" zurufen.

Mus der Nähe.

* Offenbach, 2. März. Sicherem Vernehmen nach hat der großherzogliche Polizeicommissär Werner dahier, welcher seit 10 Jahren in dieser Eigenschaft functionirte, nm Enthebung von seinem Dienste nachgesucht und wird seine Stellung nieder- legru, sobald ein Nachfolger für ihn ernannt ist, um in einen anderen Wirkungskreis, den deS GeschäftSlebenS, ÜSerzntreten. Es wird der Rücktritt dieses Beamten von seiner Dienststelle in hiesiger Stadt allgemein bedauert, indem er eS, durch und durch mit den hiesigen Verhältniffeo bekannt, verstanden hat, seinem äußerst schwierigen Amte nach jeder Seite hin gerecht zu werden und somit nicht nur die Achtung und Zuneigung der hiesigen, Gesetz und Orduuug lieber den Einwohner, sondern auch die An­erkennung seiner Vorgesetzten zu erwerben. Möge es gelingen, einen Nachfolger zu finden, welcher die in einer Fabrikstadt, wie Offerbach, doppelt schwierige Polizeiserwaltung mit demselben Geschick zu leiten versteht, wie solche» Herr Werner ver­standen hat.

* Gießen, 2. März. Gestern verschied in Folge eines Schlaganfalls bet Großherzogliche Hofgerichtsrath Krug ein langjähriges, sehr hoch geschätztes Mitglied des hiesigen Hofgerichts

* Dietz, 4. März. Herr Coplau Dreßler ist mit der Seel­sorge für die hiesige evangelische Garnison beauftragt worben.