Intelligenz- Blatt der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. *
(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 55. . Samstag dm 6. März 1869.
Veberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und rung ersehnt und erstrebt haben. Als jedoch unter der Gewalt materiellen Interessen der jüngsten Ereignisse di« Verwirklichung dieser Wünsche ein-
' trat, da haben selbst jene Männer unter den empfindlichen Ein-
WrsAkfmrI, 6. März. Die „Prow-Corresp." schreibt: drücken deS Augenblickes an dem Umschwünge zunächst ~ ' ' " " ' " - — • xâM freudigen Anthell genommen, — vollends aber
vermochten sie in der Bevölkerung der Stadt nicht den Einfluß zu gewinnen, um dieselbe z« neuer Zuversicht zu erheben und zu frischem Hanbaulegen an eine ersprießliche Gestaltung der neuen Lage zu bestimmen. Dagegen sanden die Widersacher der neuen Ordnung der Dinge in der gedrückten Stimmung der Frankfurter Bevölkerung eine willkommene Handhabe für verwerfliche Partekzwecke. Der Regierung unseres Königs mußte im Interesse der Stadt Frankfurt ebenso, wie auS allgemeinen politischen Rücksichten daran gelegen sein, dieser unnatürliche« und peinlichen Stellung ein Ende zu mache«: sie hat deßhalb bei der jetzigen Lösung der AuseinandersetzuNgSfrage ein unver-
Die Frankfurter Angelegenheit hat durch einen hochherzigem
Entschluß unseres Königs einen Abschluß gefunden, welcher voraussichtlich dazu beitragen wird, auch in der alten Reichsstadt eine Versöhnung der Gemüther herbeizuführen. Unter den
Bevölkerungen der Staaten, welche in Folge deS Krieges von
1866 ihre Selbstständigkeit verloren haben, hat keine bisher dem
neuen StastZverbande mit solcher Entfremdung gegenüber gestände«, wie die Bevölkerung von Frankfurt; eS vereinigten sich
Gründe der verschiedensten Art, um den Uebergaug in die neue
Stellung dort tief und schwer empfinden zu lassen Vor Allem
war eS daS stolze Bewußtsein, welches die Frankfurter Bevölkerung im Hinblick auf die geschichtliche Bedeutung ihrer altehr- ,. „ „ . . _ . _ würdigen Stadt erfüllte: Frankfurt war nicht blos tu der Zeit kmnbareS Entgegenkommen walten lassen. Nicht bloS waS nach des früheren deutschen Kaiserreiches dis erste und vornehmste sorgfältiger Prüfung als Recht der «Stabt anerkannt war, sollte unter den Reichsstädten gewesen, auch in dem deutschen Bunde, der vom Jahre 1815 ab die deutschen Staaten von Neuem vereinigte, war Frankfurt wiederum der äußere Mittelpunkt und Bundrssitz. Der Bevölkerung einer Stadt, welche Jahrhunderte laug eine solche Stellung eingenommen, kann es an und für sich nicht verargt werden, wenn sie nicht ohne eine gewisse Ueberwindung in Verhältnisse eintritt, welche jenes Glanzes für sie entbehren. Mag auch die frühere Bedeutung mehr auf âuße> rer Ehre, als auf wirklicher Macht und innerer Größe beruht haben, so ist es doch erklärlich, daß die Stadt Frankfurt eine durch Jahrhunderte geweihrte Ehrenßellung ihrerseits hoch hielt und den Verlust derselben nicht als gleichgültig erachtete, zumal da dieser Verlust in Folge eines Kampfes eintrat, in welchem Frankfurt mit seinen Neigungen, Wünschen und Handlungen ans der Seite der Gegner des jetzigen Siegers und Herrschers Öden hatte. ES kam dazu, daß der Untergang der Sèlbst- gkeit und der bevorzugten Stellung der früheren Reichsstadt für dm ersten Augenblick mit fühlbaren Opfern auch in Betreff der äußeren Verhältnisse, mit einer Beeinträchtigung des städtischen Verkehrs verknüpft war, welche alle bürgerlichen Kreise tief berührte. Die Verstimmung über diese unmittelbaren Verluste ließ eine unbefangene Hingabe an die großen nationalen Hoffnungen, welche sich an die neue Gestaltung der Dinge in Deutschland knüpfen und in welchen auch Frankfurt bald reichen Ersatz für alle verlorenen Ehren und Vortheile finden wird, fürs Erste nicht auskommen. Die Bevölkerung Frankfurts zählt, wie frühere Erfahrungen bekundet haben, eine große Zahl erleuchteter und hochherziger Männer, welche für die Sache deS ,„...,„.. »^..», ----- - -.....— ™—° , „ ~
putschen Vaterlandes ein warmes Herz und eine opferfähige legen, um die Keime der Macht und Wohlfahrt, welche daS ?ÄSEbung besitzen, und welche großeutheils lange vor dem Jahresneue norddeutsche Staatswesen in sich birgt, entwickeln zu tzelferr- 1866 ein mächtiges deutsches Staatswesen unter Preußens Füh-
ihr (schon nach der ursp ünglichm Vorlage) zu Theil werde», auK die Ansprüche der Billigkeit waren auf Grund der Verständigung mit den Vertretern der Stadt berücksichtigt worden. Weil aber unter dem Einflüsse von Parteibestrebungen noch weitergehende Ansvrüchr erhoben waren, faßte König Wilhelm dm hochherzigen Entschluß, auS eigenen Mitteln zu gewâhrm, was auS Staatsmitteln nach Recht und Billigkeit nicht bewilligt werden konnte, um auf diese Weise der Bevölkerung vou Frsnk- furt ein unmittelbares Zeichen seines Königlichen WohlwollmS und seiner Fürsorge für das weitere Erblühen der Stadt zu geben. So große Anstrengungen die feindlichen Parteien machM, um die Bedeutung dieser Vorgänge abzusch Bächen, so wird es ihnen doch schwerlich auf die Dauer gelingen. Nicht als ob die Regierung unseres Königs meinte, die Herzen einer Stadt wie Frankfurt erkaufen zu köanen; aber die endliche Beseitigung des peinlichen Streites über das Eigenthum der Stadt und die Bethätigung einer warmen persönlichen Theilnahme deS Königs werden gewiß dazu beitrage», den Boden für eine neue Eul- wickrlang, für eine vertrauensvollere Stellung der Bürgerst^â zu bereiten. Indem die Stadt jetzt mit erneuter Zuversicht Lie reiche« Quellen ihres Gedeihens benutzen kann, wird dir einsichtige Bevölkerung sich mehr und mehr den großen Aussichten »er neuen nationalen Entwicklung zuwenden, welche gerade für -tue Stadt von Frankfurts glücklicher Lage und fest begründeter Bedeutung eine Bürgschaft weiteren glänzenden Aufschwung in sich schließt. Der Patriotismus der Frankfurter wird sich ebenso für ihr Gemeinwesen, wie für daS Vaterland am wirksamsten bewähren, wenn sie mit voller Hingebung Hand an-