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Intelligenz-Blatt

der Stabt Frankfurt a. M.,

verbunden mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 5L

Dienstag den 2. März

1869.

Neberblick der Ereiguifse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen. |

— I« und um unsere Stadt wächst gar nichts, was zu? 'st, Alles muß meilenweit aus oder seewärts importirt werden,

-Versorgung nöthig ist, AlleS muß u hem Innern herbeigeschafft oder seewärts imp - welches bei den schlechten Travspsrtverhältuiffen ;,deutende Kosten verursacht, daher sind hier Lebensmittel und in : deren Folge auch die Arbeitskräfte sehr theuer, mancher Arbeiter ! verdient hier täglich seine 2—3 Doll , ohne indeß etwas davon . ______ ■ _____„ ______ ^____^ zu erübrigen. Abends wird alles verspielt und verjubelt. Rast«

Feuchtigkeit zusammrnwirkm; man muß nämlich nicht denken, und Haarschneiden kostet zusammen 6 Realen, 1 Bad 4, das daß der Regen iraendwelHe Abkühlung hervorbringt, wie Seidel Bier 2—3 Realen (vor Kurzem gsb's sogar Dreher'schrs - - - — - auS Wien); daS beste und billigste ist noch der Kaffee. Wäsche,

viermal so viel wie drüben, von KleibungSutensilien und Stiefeln gar nicht zu reden. Ein schönes Geschäft ist hier das Hutmcher-, denn in Hüten treibt der Mexikaner einen fabelhaften LuxuL. Hüte trifft man hier von 8 bis zu 300 Doll., letztere reich mit Gold verziert. AuS vorerwähnter Scala ist deutlich zu ersehen, daß man hier sein Geld auch gut au dm Mann bringen kann, man muß über Werthverhältniffe jeden Vergleich zwischen hüben und drüben aufgrben oder den Real (6 Sgr.) nur als 1 Sgr. betrachten, dann kommt man ungefähr hin. Man kleidet siH hier sehr elegant und modern, namentlich die Herren ganz ä la Paris, bie Damen hingegen treiben nur Luxus aus Bällen und im Theater, auf Promenaden und im Hause kleiden sie sich einfach. Damen stad hier in allen Farben von schwarz bis weiß vor- râthtg, unter den letzteren gibt eS viele und hübsche Creolinuen, doch ist auch manche Mestize, obgleich ihr ein Sir fhg von Braun nicht abzustreitm ist, trotzdem schön; wie in alles, süd- i Gegenden, ist auch hier eine fehrlaxe Moral verherrs-Zmd, _______lebt hier rasch, man will genießen und sucht sich diesen Genuß auf erlaubten und unerlaubten Wegen zu versch-iffm- Allsountâglich werden hier im Circus de toroS Stiergchchte abgehaltm, die ich indeß uo$ nicht in Augenschein nahm, Za man Fremde, der großen Aufregung halber, Anfangs davor warnt. Die einzigen Vergnügungen bleiben noch daS Reiten und die Jagd, beide indeß sehr kostspielig, und kann man hiervon nur einen bescheidenen Gebrauch machen. Abends spaziert ÄS Welt aus die Piaza, welche stets das Schönste ist, was ehe spanische oder mexikanische Stadt auszuweisen hat; hier ist dieselbe auch sehr bescheiden und klein, nur durch einige Palmen, Orangen, Bananen rc. verziert.

UMukseerL, 2. Mär;. (Aus Mexiko) Einem Privat-, Briefs aus Verccrnz vom 13. Decbr. 1868 entnehmen wir folgende, Beiträge zur Schilderung von Land und Leuten in M xiko: Das Klima ist hier sehr schlecht; ich habe nur eine kurze Periode : der Regenzeit erlebt, bann ist es fürchterlich, wenn Hitze und;

drüLen; anâ die Nichte sind nur 1—2 Grad kälter als am

Tags. Vom Oktober bis Februar ist die Zeit der Nordstürm-, dann ist eS hi r sehr erträglich, dir Wärme übersteigt nicht 24 Grad im Schatten, welches man bei reiner Tropenluft wohl vertragen kann. Das gelbe Fibsr wird mich wohl bis zur heißm Jahreszeit verschonen, jeder Fremde hat gewöhnlich einen mehr oder minder starken Grad davon durchzumachen und iß man atSbaan erst akklimatissit zu betrachten. Wer hier jung herkommt, solid lebt, kann sich, trotzdem hier alles fabelhaft theuer ist, in Bälde ein nettrS Kapital für drüben ersparen und hat die besten Chancen, Partner zu werden, denn die AffoekS wechseln hier oft, da ein jsdsr seine Haut sobald wir möglich in Sicherheit zu bringen sucht. Auf gut Glück hierher zu gehen, muß ich hingegen aufs Entschiedenste wèberrathen. Vor acht Tagen hatten wir auch hier ein geringes Erdbeben, für mich das erste, welches ich erlebte; es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn mit einemmale die Erde unter unseren Füßen die gewohnte Ruhe verliert. Das Schicksal einer Reihe von Städten inSüd-

lichm

des Landes be-

amerika fällt eisern unwilltürlich hierbei ein. Auch wir haben hier in dem Vulkan von Orizaba (18000 Fuß hoch) einen bösen Nachbar, wehe wenn derselbe auS seinem jahrelangen Schlummer erwacht! Vom Lande selbst habe ich noch wenig gesehen, aber viel gehört; die Ritter der Nacht treiben im In­nern ihr Gewerbe mit einer beispiellosen Frechheit, selbst die Postreisrnden werden oft ihrer überflüssigen Bagage entledigt; so kam hier neulich noch ein Reisender für ein Newyoiker Haus aus dem Innern zurück, dem man nichts gelassen hatte, als was er trug. Aus eine Befferung ist wenig Aussicht, wenn uns nicht Bruder Jonathan gelegentlich einmal annectirt, doch hat derselbe leider noch zu viel im eigenen Hause zu schaffen. Veracruz macht für den per Steamer Ankommenden, nachdem man Havanna gesehen, einen traurigen Anblick, die Häuser sind theils wirkliche Ruinen von der letzten Belagerung, oder in einem so verwahrlosten Zustande, daß man selbst bei Tage Arm und Bein brechen kann, geschweige denn bet Nacht. ES herrscht ------------ ..... „ c . .......

hier entschieden ein sehr kaufmännischer Geist, wer hier ist, Concert, welches DisuStag Abend (den 2. d.) im großen Con­treibt Mir ein Geschäft, welches ihn rascher vorwärts bringt certsaale des SaalbaueS stattfiudet, scheint ungewöhnlich stark alS im Innern, wo man mehr dem dolce far nicnte huldigt. j

man

Aus der Nähe.

* Frankfurt, I.März. Anton Rubinstein'S großes