Intelligenz-Blatt der Stabt Frankfurt a. M., verbunden mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am H. Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)
M 43. Samstag dm 20. Februar |1869.
Neberblick der Ereianiffe im Gebiete der politischen und Datum des 15. Februars. — Die „Provinzlal-Corrrspondenz" materiellen Interessen meldet: Die Worte des Grafen BiSmarck b-t der Debatte über uimmcucii bie Beschlagnahme deS Vermögens der depoffedtrten Fürsten reichen in ihrer Bedeutung weit über den unmittelbaren Be- ratSungSgegenstand hinaus. Die Zuversicht, welche der Minister bezüglich der friedlichen Absichten der europäischen Mächte âaßnte, die entschiedene Hinweisung auf daS friedliche Streben unserer Regierung, endlich die offene und herzliche Aussprache über die „starke und krtegStâchtige, aber gleich uns friedliebende französische Nation" werden nicht verfehlen, bie Zuversicht auf den Frieden in Deutschland und Europa zu erhöhen und zu be- festigen. — Ferner sagt die „Pcovinztal-Correspoudenz": Der griechisch-türkische Streit ist beigelegt. Die Erklärung des Königs der Hellenen für die Annahme der Conferenzvorschläge dürfte bereits nach Paris überbracht sein. Die Couferenz wird in Folge dessen nächster Tage zur Schlußberathaug zufammentreten.
Frankfurt, 20. Februar. Man schreibt aus Berlin: Die wiederholte, lediglich die Frankfurter Reccharrgelegenheit betreffende Anwesenheit peS Oberpräsidenten v. Möller hier selbst, der nebenbei Berlin bereits wieder verlassen, hat von Neuem den Gerüchten über eine angebliche MinisterkristS zur willkommenen Handhab; gedient; Gerüchte, die jeder thatsächlichen Begründung entbehren. Den in dergleichen Gerüchten „arbeitenden" NeuigkeitSfabrikanten ist alS Stoff für ihre Dichtungen die bevorstehende Hierherkmft des Oberpräsidenten der Provinz Pommern, Freiherrn v. Münchhausen, zu em- pfehlen. Eine kleine Coulissenverschiebung, ein bischen geänderte Beleuchtung, und rine neue Minißerkrists kann getrost in Scene gesetzt werden. Kosten werden weiter nicht verursacht. — Im Bundeskanzleramts ist der Etat der Einnahmen des Norddeutschen Bunde» an Zöllen und Verbrauchssteuern pro 1870 ausgestellt worden. Danach wird Preußen an die Bundeèkaffs abzuführen haben: für die Hauptlande 40,896,070 Thlr, für Hohmzollern 51,130, für Lauenburg 47,280, für die vereins- lindischen Zollämter zu Lübeck 147,080, zu Bremen 65,710, zu Hamburg 798,500 Thlr. Das Königreich Sachsen hat an die Bundeèkaffr abzuführen 3,847,590 Thlr., Hessen 351,650, die beiden Mecklenburg 599,510, Sachsen-Weimar 209,710, Oldenburg 209,420, Braunschweig 1,337,420, Sachsen-Meiningen 283 970, Sachsen-Altenburg 150 230, Sachsen-Coburp-Gotba 165,390, Anhalt 1,679,140, Schwarzburg-Rudolstadt 79,930, Schwarzburg - Sondershausen 34 410, Reuß jüngere Linie 140,200, in Summa 51,110,700 Thlr. Von den süddeutschen Staaten und Lux mburg sind herauszuzahlen an die Bundes- kaffe 1,193 920 Thlr , die, zu der oben genannten Summe hin» zugerechaet, 52,304,620 Thlr. ergeben. Hiervon in Abrechnung gebracht 4,896,850 Thlr. für verschiedene Zwecke, bleibt eine Einnahme von 47,475,7 70 Thlr. Hierzu kommen noch die zu zahlenden Avrrsa von Preußen 141,980 Thlr., von Oldenburg 4160 Thlr., von Bremen 246,900 Thlr. und von Hamburg 693,960 Thaler, so daß also die gesammte Einnahme sich be- läuft auf 48 544 760 Thlr.
„ Der „St-Anz." pMicirt bereits die beiden Gesetze, betreffend die Beschlagnahme des Vermögens des ehemaligen Kurfürsten von Hessen und ein- Abänderung der Beschsagnahmeverordnung 1868, sowie eine Bekanntmachung des StaatS- mtnisteriumS, betreffend die von den Häusern des Landtages er- theilte Genehmigung zu der Verordnung vom 2. März 1868, die Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg.
Die Gesetze stad von sämmtlichen Mitgliedern des Staatsmini.' unterzeichnet und tragen wie die Bekanntmachung befleißen daF
Aus der Nähe.
* Aus dem Amte Usingen, im Februar. In Kleeberg lebt eine israelitische Wittwe, Lea Julius, welche erwiesener Maßen über 100 Jahre alt ist. Ihr Mann und ihre Kinder sind längst verstorben und ihre Enkel und Urenkel sind in alle Welt zerstreut So lebt sie nun in bitterer Armuth, aber nicht« vermag die Heiterkeit ihre« Wesens zu stören. Der Fürst von Braunfels übersandte ihr neulich ein Geschenk. Menschenfreunde, welche diesem schönen Beispiel folgen wollen, belieben ihre Gaben an Herrn Pfarrer Weigand zu Cleeberg rinzusendev.
* Mainz, 16. Februar. Der ehemalige Abgeordnete zum deutschen Parlamente, Dr. Franz Zitz, von Mainz, welcher nach zwanzigjährigem Aufenthalte in Newyork vergangenen Sommer auf einige Monate zum Besuch hierher gekommen war und wieder nach Newyork zmückkehrte, scheint seit diesem Besuche daS LrSes in Amerika müde geworden zu sein; derselbe beabsichtigt, nachdem er seine dortigen Angelegenheiten geordnet, wieder nach Deutschland zurückzukehren und feinen bleibenden Aufenthalt in Mainz zu nehmen.
* Mainz, 16. Februar. Der VerwaltungSrath der hessischen LudwigSbahn soll nach einer uns gewordenen Mittheilung in seiner letzten Sitzung den seitherigen Betriebsinspektor, Herrn Bittong, zum Ober-Betriebs-Inspektor und den Güter-Jnspector, Herrn Maschmann, zum Ober-Güterirspeetor ernannt, sowie einer Anzahl von Beamten und Bediensteten Gehaltszulage ver- willigt haben.
• Zwingenberg. Der jüngste nächtliche Sturm hat den MelibocuSthurm seines Daches beraubt und starrt der alte Geselle jetzt ohne Kopfbedeckung in die Welt.