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Zutelltgenz-Blatt

der SM Frankfurt a. M.,

verbundm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

JS 39. Dienstag dm 16. Februar 1869.

Neberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Memkfrert, 16. Februar. Die spanischen Corte8 sind dieser Tage in Madrid eröffnet worden. ES erschallten auf den Tribünen lebhafte Rafe: ES lebe die Souveränität der Nation! SalustianoOlozoga rief unter großemBeifalle derVer- sammlung: ES lebe die Monarchie! und Serrano: ES lebe die Souveränetät der CorteS! Serrano hielt die Er­öffnungsrede. Nachdem er die Abgeordneten bewillkommt, äußerte er: Spanien sei erwacht und die neuen Idem hätten nach 60jâhrigem fortwährendem Kampfe gesiegt. Die Regie rung habe nur den Weg bahnen und in großen Zügen die leitenden Grundrisse des künftigen Gebäudes entwerfen wollen und habe sich dabei stets an tag Programm der Revolution gehalten. Er Cötiftotrlt die geschehene Verkündigung der Frei» heit der Religion, der Presse, des Unterrichts, deS Vereins- und BersammlungSrechteS. Den CorteS liege eS nun ob, sie in feste Regeln zu fassen, ohne sie zu verringern. Wenn die Regierung dem Anscheine nach entgegengesetzte Maßregeln ergriffen habe, so sei eS zum Heile der Revolution geschehen. ES bestanden mächtige, von dem Geiste der altm Ordnung der Dinge erfüllte Gesellschaften, die dkr Revolution Hindernisse in den Weg leg­ten. ES war geboten, sie zu entlarven. Die Regierung mußte gegen die alten Parteien ankäwpfen und sich kräftig vertheidi­gen. Nach dem Siege aber hat sie keine jener in früherer Zeit so häufigen Hinrichtungen vorgenommen. DaS Verbrechen von BurgoS, durch den Fanatismus ringrgeben, hat unS einen Ein­blick in daS Schicksal gestattet, welches unserem Vaterlande be­vorstände, wenn die unversöhnlichen Feinde der Freiheit noch einmal zur Macht gelangten. Die Unordnung in der Verwal­tung der inneren Angelegenheiten, sowie die kostspieligm Kriege haben auf die finanzielle Lage eirraewirkt. ES hängt jetzt AlleS von Ihrer Eintracht, von Ihrer Vaterlandsliebe und Thatkraft ab. Die Verzinsung der Staatsschuld, daS Heer und die Flotte bilden unsere hauptsächlichen Ausgabeposten. Die spanische Nation ist, ganz abgesehen von dem Vorthe-le der Hebung ihres Credits, zu groß, als daß sie nicht ihre Schulden bezahlen sollte, zu einsichtig, um den möglichen Falls eintreten- dm inneren und auswârtiaen Verwicklungen gegenüber unge­rüstet da zu stehen. Der Aufstand in Cuba ist daS Erbe der früheren Regierung. Wir zählen auf die Tapferkeit deS Heeres und auf die Unterstützung der Freiwilligen deS Landes, um den Sieg zu erringen. Der Friede wird auf dauernder Grundlage durch freisinnige Reformen hergestellt werden. Endlich werden die Sclaven ihre Ketten gebrochen sehen; doch wird die Sorge dahin getragen werden, daß die Perle der Antillen nicht durch überstürzende Mchregeln tbdtlich getroste« werde. Der Sturz

des hundertjährigen Throne? hat die guten Beziehungen mit den fremden Mächten nicht nur nicht getrübt, sondern es mehrten sich im Gegentheil die Sympathieen einiger derselben. Viele Souveräne, welche lange Anstand genommen hatten, die gestürzte Regierung anzuerkennen, erkannten unverzüglich den durch diese so radikale und in einem Augenblicke der Anarchie vollzogene Revolution herbeigefâhrten Wechsel der Dinge an. Die Regierung übergibt heute ehrfurchtsvoll den Cortes das ihr anvertraute geheiligte Pfand der Autorität, der Freiheit und der Ordnung. Dis Alles beweist, daß die Vorsehung das heilige Werk der Revolution gesegnet hat, welches glücklich begonnen worden ist und nun von den Cortes in gleicher Weise zu Ende geführt werden soll Schlirßlich betonte er, daß die Spanier die Mouar chie wollen.

Aus der Nähe.

* Offen« ch, 11. Februar. Die FaschingSlustbarkeiten in dem benachbarten Bieber haben dem hiesigen Landgericht Arbeit gegeben, indem dort eine Schlägerei zwischen jungen Burschen auf Leben und Tod stattgefunden. Einer der Betheiligten ist der Art übel zugerichtet, daß er heute noch sprachlos darniederliegt. Mehrere andere haben ebenfalls erhebliche Verletzungen davon getragen.

"Hanau, 13. Februar. Die erledigte dritte Pfarrstelle an der Marienkirche dahier ist dem Pfarrer Rudolph Neuber zu Mannsbach übertragen worden.

"Hanau, 14. Febr. Heute wurde in der Kinzig, ober­halb der WilhelmSbrücke, die Leiche einer seit dem Monat December v. J. vermißten Frau von hier geländet.

* Darmstadt, 9. Februar. Eine Uebersicht über Ein­und Ausfuhr deS GroßherzogthumS Reffen über Bremen (in den Mittheilungen der Centralstelle für die Landesstatistik) er­gibt, daß der Werth der Einfuhr in 1867 sich auf 287,306 L'dor. Thlr. beziffert. Die Ausfuhr von da nach Hessen dagegen auf den Werth von 718,836 L'dor. Thlr. Unter den aus Hessen auSgeführten Artikeln befinden sich in erster Linie Wein sür 75,000 Thlr., dann Leder und Lederwaaren 70,000 Thlr.; dann folgen Cigarren mit 35,000 Thlr. und Hopfen mit 32,000 Thlr. Die außerordentlich gestiegene Einfuhr auS Bremen beruhte vorzugsweise auf dem Bezug von Tabak in Folge der in Aussicht genommenen Besteuerung desselben. Der Werth für überseeischen importtrten Tabak stellte sich auf beiläufig über 500,000 Thlr. BiS jetzt hat AuS- und Einfuhr noch nicht die Höhe erreicht, wie in früheren Jahren, da z. B. 1859 daS Er­gebniß der Ein- und Ausfuhr 50 resp. 30 pCt. mehr betrug, oft im vorigen Jahre.