Intelligenz-Blatt
der MM Frankfurt a. HL, verbunden mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: >m h. Geistpförtchen, GchlachthauSgaffe 21.)
M 37. Samstag den 13. Februar 1869.
liche Integrität gerichteten Agitation in der unmittelbaren Nähe des Sitzes der Kaiserlichen Regierung suchen und diese Agitation auf den Schutz der österreichischen Gastfreundschaft grwisser- maßen geben sehen zu müssen.*
Wie man der „Alliance israelite", an deren Spitze Herr Cremievx steht, aus Tunis meldet, haben fanatische Akte, welche dort neuerdings gegen Juden verübt wurden, das Consularcorps veranlaßt, sich mit einer Collectivbeschwerde an den Bey zu wenden. Aus diesem von den Genrralconsuln von Frankreich, England dem norddeutschen Bund, Spanien und Oesterreich gezeichneten Aktenstück geht hervor, daß im Laufe des letzten Jahres 17 Israeliten ermordet worden sind, ohne daß den Mördern, von denen mehrere sogar der Polizei bekannt sind, auch nur der Proceß gemacht worden wäre. Noch kürzlich wurde der in Tunis einheimische Israelit Josua Trtusst in einem der volkreichsten Quartiere der Stadt ermordet, ohne anderen äußeren Grund, als weil mau ihn in Verdacht hatte, über den Hof der großen Moschee von Djema-Seituna geschritten zu sein.
Neberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
IrKEf«rt, 13. Februar. In Folge der jetzt übliche« Einrichtung, daß auf den Telegraphenämtern sämmtlicher Lnien der internationalen Telegraphenverbindung die für die telegraphische Rückantwort Dom Absender bezahlten Gebühren baar ausbezahlt werden, hatte die Ansicht sich geltend gemacht, daß diese Anordnung für die Üebermittelung anderer Zahlungen benutzt werden könnte. Dem gegenüber hat aber die General. Direction deS Norddeutschen Telegrophenwesens zur Verhütung deS Mißbrauches bestimmt, daß Einzahlungen für telegraphische Antwort nur biS zur dreifachen Höhe der Gebühren für die geringste Wortanzahl eines Telegramms, also den Satz für 60 Worte, an den Aufgabestationen angenommen und den Abresiaten übermittelt werden dürfen.
Die „Bayr. Ztg." vom 9. d. schreibt: „Beim Schluß unseres Blattes hören wir von einem Gerücht, wonach Graf Bismarck an die Regierungen der südwestdeutscheu Staaten die Aufforderung gerichtet habe, ihre Heere bis zum 1. April in Kriegsbereitschaft zu setzen; beigefügt wird, daß Oesterreich Frankreich zum Krieg aufstachle. Wir sind nicht im Stande, augenblicklich Erkundigungen über Grund ober Un- gruud dieses Gerüchtes einzuziehm, glauben aber annehmen zu können, daß demselben nicht mehr Werth beiznlegen ist, als anderen in den ützten Tagen anfgetauchtm Gerüchte!!, ähnlicher Art; wahrscheinlich stammt es auch aus derselben Quelle." — Das genannte Blatt nimmt hierbei Bezug auf die Gerüchte von einer französisch-italienische österreichischen Allianz, Ueber- tragnng des Portefeuilles des Auswärtigen in Paris an Drouh.i de Lhuys, auf die Nachricht der „Morning-Post", die „mit Bedauern* gehört, daß zwischen dem Kaiser Napoleon und Bismarck „auf 3 Neue unliebsame Gefühle Platz greifen", und ähnliche Alarmnachrichten. — Zum llcberfluß wird das von der „Bahr. Ldsztg." veröffentlichte Gerücht durch die offizielle bayerische „Corresp. Hoffmann" sofort für völlig grundlos erklärt.
In einigem Widerspruch mit jenem Gerüchte steht auch nach- stchende, der „KarlSr. Ztg." aus Wien gewordene Mittheilung. Dieselbe lautet: „Was daS Attentat gegen den Grafen Bismarck angeht, so ist der hiesige preußische Gesandte dem Vernehme« nach bereits angewiesen gewesen, dem Grafen Beust dm Dank für jene Mittheilung auszusprechen, der mau sich zu der Loyalität Oesterreichs nicht anders habe versehen können. Gleichzeitig erhielt er die Weisung, anzudeuten, deß die volle Wiederherstellung der alten vertrauensvollen Beziehung wesmt- lich erleichtert und gefördert werden dürfte, wenn Preußen ein- für allema aufhören könnte, die Quellen einer gegen seine staat
Aus der Nähe.
* Hanau. 10. Februar. Im hiesigen LandkrankenhauS betrug die Kcankenzahl am 30. Januar 71, bis zum 7. Februar kamen hinzu 27, entlasse« wurden 21, gestorben 1, mithin betrug der Krankenbestand am 7. d. M. im Landkrankenhaus 76.
• Hanau, 11. Febr. In einem Hause in hiesiger Stadt sind die Mer-schenblattern ausgebrochen.
* Darmstadt, 6. Februar. Die Einführung der allgemeinen Einkommensteuer soll nach dem Entwurf« der Staats- regierung bis zum 1. Januar nächsten JahreS verschoben bleiben. Die Majorität des Finanzausschusses beantragte jedoch deren Einführung für das zweite Semester dieses Jahres. Schon der frühere (19.) Landtag — erklärt der Ausschuß — habe sich gegen jede Verschiebung erklärt; solche würde ein Desiclt zur Folge haben, was ungedeckt sei, und ferner sei es wünschens- werth, aus dem bisherigen Provisorium in dieser wichtigen An- gelegenheit zu einem Definitivum zu gelange«. Der Ausschuß habe um deßwillen auch, in so weit es mit der pfliHtmâßègen Gründlichkeit der Prüfung bc8 vorgelegten Gesetzentwurfes vereinbar, die Berichterstattung befördert.
* Darmstadt, 6. Februar. Die Einführung der allgemeinen Einkommensteuer soll nach dem Entwürfe der Regierung bis zum 1. Januar nächsten Jahres verschoben bleiben.
* Darmstadt, 10. Februar. Heute fand die Entlastung der im vorigen Jahre unter demselben Datum eingetretenen „Einjährigen Freiwilligen" statt. Dieselben find sämmtlich zu Unteroffizieren ernannt worden. Von denjenigen, welche sich