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der MM Frankfurt s. M.,

verbundm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am H. Geistpförtchen, GchlachthauSgaffe 21.)

M 35.

Donnerstag den 11. Februar

1869.

Überblick der Ereignisse im Gebiete der polttischen materiellen Interessen.

Drâkfkrt, 11. Februar. (Der Violin-Birtuose Miska Hauser.) Der berühmte Weltumsegler, der am 16. b. auch hier ein Concert gibt, ist 1822 von deutschen Eltern zu Prißburg in Ungarn geboren. Schon frühzeitig führte er den Bogen und schon als Knabe bereiste er in Begleitung seines VaterS einen großen Theil Europas bis zu den Grenzen Sibiriens. MS ein Schüler Maisebers erzielte er schon damals in den meisten Hauptstädten große Erfolge und später hat er seine Kunst weit hinausgetragen nach allen Richtungen deS Erdballs bis zu den fernen Gestaden der Südsee, deren Be­wohner wohl noch niemals zuvor den Tönen einer Geige ge­lauscht. Seine bei Herbig in Leipzig erschienenen Memoiren geben von diesen Wanderungen ein sehr anmuthigeS Bild, und wer eS für bequemer erachtet, die Welt in den Blättern eines Buchs als über Berge und Meere zu durchwandern, findet darin eine sehr interessante Leetüre. Ullmann, der bekannte Jmpreflario, führte dm Virtuosen nach allen Richtungen der Windrose. Von den Schneefeldern Canadas biS zum blumenreichen Frühling der donnernden Niagarafälle, von der fernsten Ansiedelung des Westens bis zu den Orangengärten Louistana'S. Die bösartigen Fieber jedoch, dir dort zwischen den Wäldern voll Blüthen und Düsten wie tückische Dämone den Fremden auflauern, verkürzten des Virtuosen Aufenthalt auf jener Wunderinsel. Ec ging nach Ceutralamerika uuv von dort den stillen Ocean entlang nach Califomim. In San Franzisko stritten Ole Bull und Henri Herz bereits um die Palme. Auch Lola Montez, die vielver- heirathete Spanierin, tanzte aus dem Theater, dessen Direktor unseren Virtuosen für eine Reihe von Concerten engagiite. Sie sollte in einem Ballet auftreten, welches dem Concerte als Vor­spiel voranging, als sie im Hochsommer ihrer Schönheit prangend, eine wchre Muse, nur verführerischer vor den Lampen erschien, und sich zum Tanzen anschickte, erhob sich ein Sturm des Un­willens wie ein Sittengericht. Aepfel und Orangen durch­schwirrten die Last, daS Parterre drängte gegen die Bühne, das Orchester wurde übersprungen, Geigen und Bâfle zerbrochen, und alles dies geschah, um dm ungezogenen Liebling der Gra­zien wegen eines Schwâhwort:s zu züchtigen, das ihm gegen die Gentri San Franzisko's an einem vorhergehenden Abend entfuhr. Man rief nach dem Direktor. Der Gerufene kau und kündigte Häuser an, Pfeifen und Zischen empfingen auch ihn, kaum aber setzte er den Bogen in Bewegung, so lauschte alleè dem Mährcheulied- seiner Geige, bis sich daS Entzücken durch don­nernde Applause Lust machte. 3n Lima, berühmt durch „Frauen und Orangen , gab Hauser viele Concerte, ebenso in Valparaiso und «au Jago di Chili, wo fanatische Menschen gegen sein Spiel

Und! eiferten. Dort faßte er dm Entschluß nach Australien zu segeln Nach einer zweimonatlichen Fahrt erreichte er Tahiti. Dort zwischen romantischen Blumen und Palmen ruhte er ans ur componirte seine jetzt weit bekannten Lieder, und man kar sagen, der Zauber dieser idealen Natnr fand Echo in seine, Herzen unb darin die verwandten Töne. Neugierde veranlaßt Hauser den französischen Gouverneur au den er empfohlen war, zu bitten, ihn der Königin vorzuführen. Die Königin Pomm versammelte ihren Hofstaat und bald stand Hauser im Däm­merlichte unter grotesken Gestalten und Gruppen in seltsam bunten Trachten. Als er die räthselhasten Mienen uub Leibes- bewegungen sah, mit welchem sie den wildfremden Klang ihrer Sprache begleiteten, und die Neugierde auf dm blaßgelben Ge­sichtern, deren Augen wie schwarze Blumen ihn mit abentmer sicher Wehmuth anschauten, wurde ihm ganz mâhrmhaft zu Muthe. Er ließ den Boam über die Saiten schweben und ein traumhaftes Andante ertönen. Aber die Königin und ihre schnat­ternden Hofdamen hörten nicht und setzten seinem Lied die em­pörendste Gleichgiltigkeit entgegen. Da ließ er dm „Vogel" er­tönen, und die tätowèrten Diplomaten und Hofdamen über­schütteten ihn mit der abenteuerlichsten Bewunderung, Von Tahiti segelte er nach Sidney, Melbourne, Adelaide, wo er von Seiten der englischen Bevölkerung gleich einem Boten der Riesen begrüßt wurde. Mit einer Fülle schöner Erinnerungen kehrt unser Bogenkünstler 1859 direkt nach Wien zurück Von dort besuchte er den Orient, und concertirte in Constautinopel vor dem Sultan. Von Constantinopel ging Hauser nach Jtalim, wo er großes Glück machte und vom Könige zur Ritterwürde er­hoben wurde. Aber auch in dem concertüberflutheten Paris, in Hamburg, Dresden und Berlin spielte der Künstler in einer Reihe glänzender Concerte, und die kuustgebildeten Bewohner lauschten dort ebenso gefesselt seinem Saitenspiel wie der fernen Völkerschaften der Südsee. Als Virtuose von staunenerregender Technik versteht er netürlich auch, wie er in der „Vogel-Caprick" zeigt, die Menge zu bezaubern, aber nur die Mißgunst könnte behaupten, daß er wie andere in dieser und nicht vielmehr in GrfühlSausdruck und reiner Tonschönheit seinen Erfolg sucht. Mögen uns Andere durch Größe des Styles und imponirender Tonfülle in Bewunderung versetzen. Hauser ergreift uns als ein Dichter und Gefâhlsânger der edelsten Art. Gleich im Largho der Tartinischen Sonate zeigt er diese mustergültige, unseres Wissens von keinem Violinspieler übertroffene Meister­schaft. Bald in ruhigem Glanze sternartig auflsuchtend, bald im magischen Piano hinsterbend oder in elfenhaft leichten und hin- gehauchten Läufen, Passagen und Figuren verfilternd, bleibt daS Tonleben des Instruments in seiner Hand immer ideal und voll ruhiger Klarheit.