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Intelligenz Blatt der Stadt Frankfurt a. M.,

verbundm mit dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am H. GeistpfSrtchen, Schlachthausgaffe 21.)

JIS 27. Dienstag dm 2. Februar 1869.

Ueberblick der Ereignisse im] Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

gratis f»rt, 2. Februar. (Die Beschlagnahme- debatte.) Ein Antrag Bender-Dirchow's wollte eS auS drei ErwägungSgründen der K. Regierung überlassen, vom Vertrage zurückzutreten. Die Rednerliste ward durch das LooS festgestellt und ergab: 5 für, 18 gegen den Commissionsantrag. Windt- Horst (Meppen, gegen den CommisstonSantrag) berief sich auf die Gefühle der Vertreter einer ritterlichen Nation, auf die Großmuth der Sieger und verlangt Schutz für das Eigenthum und Auftechthaltung der Verträge. Die CommisstonSanträge widersprächen dem Artikel 63 der Verfassung; ein Nothstand und eine Gefahr seien nicht vorliegmd. ES sei sonderbar, nach Annahme des Vertrags zu debattirm, wie man wieder los­komme. DaS HauS sei nicht das Forum für die Lösung der Frage; eS könne nicht Kläger, Richter und Gesetzgeber gleich­zeitig sein, daS sei ein Mißbrauch der gesetzgebenden Gewalt. Die Commission mache das Haus zum Gerichtshöfe gegen den VerfaffungSarttkel 7; eS handle sich um ein Privatvermögeu, welches auS dem Domanialgut deS braunfchweig-lünebnrgischen HauseS herstamme; völkerrechtlich sei Privateigenthum unantast­bar. Der Vertrag sei für die Krone reichlich werth gewesen, waS er ihr kostete. Die Vorwürfe, welche die Regierung dem Könige Georg mache, beruhten auf Berichten, welche nicht no­torisch seien; waS werde nicht über Preußen gefabelt! Der Redner behauptet, König Georgs Rede bet der Silberhochzeit fei unverfänglich gewesen; eine Legion und ein Welfencomite existtren nicht. Die Nothwehr fei nicht geboten, daher sei der CommisstonSantrag verwerfbar. Die Rechte der Agnaten seien zu berücksichtigen. Graf Bismarck erwiderte: Der Vorredner bezweifelt daS Vorhandensein einer hannoverschen Legion; Sie erinnern sich, daß die Legion mit österreichischen Pässen nach der Schweiz, Frankreich u. s. w. alS geschloffener Körper wan­derte, worüber zwischen den Rrgierungm deS Norddeutschen Bundes und Frankreichs correspondüt wurde. Die diesseitige Botschaft berichtet, die Legion zähle 1400 Köpfe. In der Schweiz verhandelte ein Agent, der dauernd in Verbindung mit den Herren Meyer und Frese in Stuttgart steht, “ Anschluß der mißvergnügten Polen her- beizuführen; eS gelang jedoch nur, zwölf Mann zu gewinnen, welche in Paris abgenommen wurden. (Heiterkeit). Me diese Leute âdm Westen tragen, wenn sie dürften. Der Redner verliest Details über die Garnisonirung, Vertheilung, Einübung und Löhnung. Dies kostet lährllch mindestens 300,000 Thaler, und diese sollen wir bezahlen? Ich sagte nie, daß ein Mitglied der fischen Regierung Mitglied deS Welfev-Comite'S sei. Auf die juristffche und politische Seite der vorigen Rede komme ich zurück. Im weiteren V-rlayf« derDi-cysfton fühtt« Graf

BiSmarck auS, daß die Regierung beim Abschlusse des Vertrages mit dem König Georg vom Wunsche geleitet wordm sei, den Frieden zu erhalten. Da aber die Welfsu-Agitation trotzdem nicht aufhörte und König Georg die Rolle eine« kriegführenden Fürsten spielte, so befand sich Preußen im Stande der Nothwehr. Wir müffen — fuhr Graf Bismarck fort — dem frevelhaften Spiel ein Ende machen, welches auS erbärmlichen dynastischen Interessen daS Wohl des Vaterlandes auf'S Spiel setzt und selbst die Conspiration mit dem AuSlande nicht verschmäht. Bei der Ab­stimmung wurde der Antrag von Schulze (Beschreitung deS Rechtsweges) und der Antrag Virchow (Lossagung vom Ver­träge) abgelehnt, dagegen der CommisstonSantrag mit 257 gegen 70 Stimmen angenommen. Die hannover'schen Ab­geordneten enthielten sich der Abstimmung.

Aus der Mähe.

^Bockenheim, 31. Januar. Heute Nachmittag wagten sich mehrere Knaben auf die morsche Eisdecke der hiesigen Steinkaute und belustigten sich mit Schleifen und Abtreten von Etsstücken. Zwei von den Knaben, im Alter von 9—10 Jahren, wagten sich zu weit, brachen ein und konnten trotz der schnellsten Hülfe nur alS Leichm wieder herausgezogen werden.

* Darmstadt, 27. Januar. Auf dem Kranichsteiner Teich brach gestern beim Schlittschuhlaufen eine Dame daS Bein; ein Herr verletzte sich erheblich am Kopse. — Aus dem an einer Stelle zu schwachen Eis des großen Woogs brach heute ein Knabe ein; ein Civilist, der ihn retten wollte, hatte das gleiche Schicksal; diesem folgte ein einjähriger Freiwilliger und diesem ein Jnfanterielieutenant. Alle vier wurden schließlich mit Haken dem nassen Element entrissen.

* Mainz, 29. Januar. Vorgestern Abend hielt Herr Advokat-Anwalt Dr. Jung einen längeren Vortrag über das Genossenschaftswesen in dem Lokale des hiesigen Gewerbevereins.

* Wiesbaden, 30. Januar. Wir haben vor acht Tagen die Notiz von der gefährlichen Erkrankung der Fräulein Bos- chettt gebracht: ES freut uns berichten zu können, daß die Ge­fahr gehoben ist und die Befferung in dem Befinden der Künst­lerin eine stetig fortschrettende ist.

DaS niederrheinische Musikfest, welches zu Pfingsten d. I- in Düsseldorf in der städtischen Tonhalle gefeiert wir-, bringt am ersten Tage daS Oratorium „Josua" von Händel und am zweiten Tage eine „Cantate" von Bach, zwei Theile auS den „Jahreszeiten" von Haydn und den „Lobgesang" von Mendelssohn zur Aufführung.

* Kassel, 30. Januar. Der KreiSrichter Stölzel ist zum KreiSgerichtSrath ernannt worden.