Intelligenz-Blatt der MM Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 17.
Donnerstag den 21. Januar
1869.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 21. Januar. Die „France" gibt die folgende Analyse der Erklärung, über welche die Mächte übereingekom- men sind, nachdem sie das Ultimatum der Türkei und die Antwort Griechenlands geprüft haben. Die Mächte erklären, die Türkei habe wohl Grund, sich über die Bildung von Freiwilligeu- banden auf dem griechischen Gebiet zu beschweren, da hierdurch offenbar bas Völkerrecht verletzt worden sei. Ungeachtet seiner Landesgesetze wäre es für Griechenland eine Pflicht gewesen, keine Angriffe auf einen Nachbarstaat sich vorbereiten zu lasten. Wenigstens habe ihm die Verpflichtung obgelegen, die Ausrüstung von Piratenschiffen in seinen Gewässern zu hindern. Griechenland habe kein Recht gehabt, sich der Rückwanderung derjenigen Cretenser zu widersetzen, welche in ihr Vaterland heimkehren wollten. In Betreff dieser drei Punkte gibt also die Conferenz die Berechtigung der Reklamation der Türken zu. Der vierte Punkt bietet keinen Anlaß, um darauf einzugehen, da die Türkei selbst erkläre, er solle vor dem ordentlichen Gerichte zum Antrag kommen. Der fünfte Punkt sei implicite in den drei ersten Punkten dos Ultimatums enthalten. Die Türkei übrigens, welche unter der Form einer Drohung daffelbe an Griechenland entbietet, was Europa unter der Form eines Rathes betont, nämlich die Einladung an Griechenland, sein Verhalten dem Völkerrecht anzubcqaemcn, sie [bie Pforte) erkläre sich bereit, daS Ultimatum zurückzuziehen, wenn Griechenland den Rath der Mächte zu würdigen wisse. Die Mächte nähmen von der Erklärung (der Türkei) Akt und sprechen die Hoffnung auS, daß Griechenland sich beeilen würde, ihren Erwägungen beizustimmen, sowie daß sodann die guten Beziehungen zwischen ihm und der Türkei baldigst wieder hergestellt sein würden. Die „France" fügt bei: wir können nicht vorauSsehen, ob Griechenland sich weigern wird, seine Haltung dieser Entscheidung anzubequemen. Sobald die Erklärung ihm offiziell zur Kenntniß gebracht ist, wird Rangabe nach Athen berichten. Die „France" sagt ferner: Die Deklaration sei von den Vertretern der Mächte unterzeichnet worden mit Ausnahme Djemil's, welcher nach Konstanti- nopel telegrophirt habe, ob er eine Erklärung, welche an die Türkei gerichtet sei, unterzeichnen solle. —Der „Constitutionnel" betrachtet die Aufgabe der Conferenz als erfüllt und sagt, man werde bald erfahren, daß die diplomatischen Arbeiten für die Sache des Friebens nicht ohne Nutzen gewesen seien. Die Deklaration wird direkt in Athen notificirt werden. Die Angabe, MÄti^ ^schäln am griechischen Neujahr des achte, wird dementirt.
Aus der Nähe.
* Darmstadt, 17. Januar. Gestern Morgen wurde in einer Scheune zu Bensheim der frühere Gerichts-Accessist Desaga aufgefunden. Derselbe war schon seit Jahren wegen seines höchst dissoluten und verschwenderischen Lebenswandels unter Curatel gestellt und von der Liste der Gerichts-Accesststen gestrichen und scheint Mangel an Subststlnzmitteln Motiv des Selbstmords gewesen zu sein.
e Darmstadt, 17. Januar. Nach unserem Gemeindevor« anschlage für 1869 wird die Stadtkasss, nach Erschöpfung der sehr bedeutenden anderweiten Annahmen aus Stiftungen, Genitalien u. s. m, die Summe von 37,000 fl. baar der Armenkasse zu- zuschießen haben.
* Darmstadt, 19 Jan. Herr Banaccffsist Müller hat einen neuen Beleg für seine Kunstfertigkeit auf dem Gebiete der Federzeichnung gegeben. Die „Quittung" für daS „Judith- fest" besteht in einem großen Bogen, in welchem in humoristischer Weise alle Gestalten des Festes, namentlich diejenigen der Produktionen über die hiesigen Real Credit-Bankgeschäfte, deren einer Eigenthümer, Herr Löb Haas, sogar persönlich erschien, trefflich abconterfeit nnd verewigt sind. Wie wir hören, ist Herr Müller von Herrn Cernin zur Illustration des berühmten Werkes über „Knopf" gewonnen worden.
* Darmstadt, 20. Jan. Im Monat December betrugen die Einnahmen der Hess. Ludwigsbahn 320,474 fl. gegen 293,603 fl, im December deS JahreS 1867, mithin beträgt die Mehreinnahme 26,871 fl.
* Mainz, 16. Jan. Zum Fasching wird wacker gerüstet. Im Theater kommt heute zum Erstenmale die bekannte burleske Offenbach'sche Oper „Die schöne Helene" zur Ausführung.
* Mainz, 16. Januar. In der Sitzung des GemeinderatHS vom 13. d. wurde die Leitung deS Mainzer Stadt-Theaters dem Herrn E> Th. L'Arrotige übertragen. Derselbe erhält von der Stadt einen Zuschuß von 10,000 fl , pachtfreies Haus, freie Wohnung und freies Inventar an Decoralionen, Bibliothek und Garderobe.
* Wiesbaden. Die durch K. Polizeidirection inEngen- hahn unter den Effekten des wegen Münzvergehens zur Haft gebrachten Trost von Schwalbach vorgenommene Visitation war von günstigem Erfolg. Es wurde eine Form über Vr-fl.- Stücke, ein Theil einer Form über Thalerstücke und ein Quantum Blei aufgefunden und erhoben. Die bei Trost erhobenen /2-fl,-Stücke sind von purem Blei und schlechtem Gepräge, so daß auf den ersten Blick deren Unächtheit zu erkennen war.
* Wiesbaden, 19. Jan. Dem Regierungskanzlisten Bott ist der Titel als Kanzlei-Secretâr verliehen worden. Die beiden Brunneumeifler Diener und Scherer zu EmS sind