-Blatt
Intelligenz
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 11. Donnerstag den 14. Januar 1869.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
M«vkf«rt, 14. Januar. Die „Russische Corre- spondenz" schreibt über die Conferenz wegen Kreta: , Ein unmittelbarerZusammenstoß ist nicht mehr zu fürchten und man kann sogar eine Minderung oder wenigstens einen Aufschub der von der Pforte gegen ihre griechischen Unterthanen verordneten Gewaltmatzregeln erwarten. Es handelt sich jetzt darum, wie iie Mächte ihre Aufgabe begreifen und in welchen Grenzen sie ihre Berathungen halten werden. Darin liegt die ganze Frage. In der That, je nachdem sie sich bescheiden, den griechisch-türkischen Streit, der nur eine Episode, eine einfache Folge ist, zu ordnen oder auf die Ursache deS Uebels zurückzugehm, werden sie für Europa nur einen Aufschub oder in ihrer Zusammenstimmung das Mittel finden, für lange Zeit die Gefahren zu beschwören, die von dieser Seite her den Frieden bedrohen. Die Pforte ist, wie es scheint, in ihren Ansprüchrn nur von Oesterreich und vielleicht von noch anderen Mächten unterstützt und verlangt, daß die Besprechung sich nur auf die Artikel ihres Ultimstuws erstrecke. Gewiß, dieses Verlangen zeugt von Gewandtheit. Kreta ist wahrscheinlich deS Aufstandes schuldig und ist keineswegs zu einer Sinnest äaderung geneigt, Griechenland hat seine Sympathien für die Aufständischen dargethan, alles Uarecht ist demnach auf Seiten Griechenlands und der Kan dioten. Aber darf die Anklage also gestellt werden? Ist nur in Betracht zu ziehen, die Thatsache des Aufstandes gegen eine ungerechte Regierung ohne ihrer Fehler zu gedenken? Weiß doch Jedermann, daß die Regierung der Paschas unerträglich ist, daß das Verlangen der Christen berechtigt ist. Und die Interessen der Christenheit sind unter den Schutz feierlicher Verträge gestellt. Wie aber sind diese Verträge gehalten? Die Mächte haben daS Recht und die Pflicht, Rechnung über die gemachten Versprechen von der betreffenden Regierung zu ver langen und, wenn durch bösen Willen oder Unvermögen diese Versprechen nicht erfüllt wurden, neue Garantie zum Schutz ihrer Erfüllung in Zukunft, zu stellen. Unglücklicherweise läßt sich zweifeln, ob die Unterhandlung in diesem Sinne geleitet werden wird. Die Angelegenheit ist ungelegen, man möchte sie aus's Schnellste endigen und warum noch soviel Rücksichten nehmen mit einem kleinen Staate, für den ein Wort htnretcht, um ihn zur Unbeweglichkeit zurückzufâhren. Aber die Unbeweglichkeit Griechenlands ist nicht der Frieden für den Orient. Einige Schiffe würden hinreichen, um die Griechen zu zwingen, sich ruhig zu verhalten, aber alle Geschwader der Welt werden nicht
Stande sein zu verhindern, daß sich der Aufstand in T^Ä»' EpiruS, Bulgarien ausbreite, mit einem Worte über alle Völker, die der Erwartung eines besseren Looses müde sind.
Der wegen Kreta zussmmenberufenen Conferenz müßte also eine andere wegen der andern Provinzen folgen. DaS hieße aber soviel als keine berufen. Was auch geschehe, ob nun die Konferenz die beiden Völker, die auf dem Punkte stehen, über einander herzufallen, ausgleiche oder die Frage tiefer erfassend das Nebel in seinem Ursprünge bekämpfe, Rußland kann mit Recht behaupten, daß es seinen Prinzipien treu geblieben ist. Es beharrt in dem Glauben, daß eine wahre und aufrichtige Uebereinstimmung aller Mächte den Frieden des Orients auf der einzigen festen Grundlage, der Befliebigung der Bedürfnisse der Christen der Türkei, sichern kann. Uebrigens hat die russisch- Regierung durch Aufforderungen der anderen Regierungen zu einem Einverständnisse mit Rußlands Hülfe, genügend geantwortet auf die Anklage, die sie alS den Urheber der Wirren im ottomanischen Reiche und als die Ursache seiner gegenwärtigen Verlegenheiten hinstellt."
Aus der Nahe.
* Offenbach, 8. Januar. Wsr sich des vorjährigen Maskenballs des Hiestzen Bärgervereins (früher Abendgesellschaft) noch erinnert, dem wird es angenehm sein, zu vernehmen, daß derselbe Verein beabsichtigt, auch in diesem Jahre, und zwar am 6. Februar, in den Lokalitäten der Schloflsr'schrn Liegenschaften einen Maskenball zu veranstalten. Die Vorbereitungen des betreffenden Comite'S lassen erwarten, daß der zum Ball in Aussicht genommene Abend allen Theilnehmern Vergnügen bereiten, und dabei wie früher bei ähnlichen Gelegenheiten Humor mit Anstand vereinigt wird.
* Homburg. In Sachen der Eisenbahn durchs Weilthal und Amt Usingen nach Homburg beginnt stchs wieder zu regen und diesmal wird die Ausführung des Projekts von verschiedenen Seiten in's Auge gefaßt. Ein Comite in Dillenburg steht mit der Bergisch-Merkischen-Bahn in Unterhandlung wegen Ausführung der Linie Altenhunden-Dillenburg-Weilburg-Homburg; desgleichen rühren sich die Comite's in Wetzlar und da herum, um an die Lmue-Lahnbahn einer Lahn-Main-Bahn (Wetzlar-Usingen Homburg) zu knüpfen. Die Projekte sind reicher geworden und haben zu den alten Freunden und Förderern neue gefunden. An der Rentabilität ist bet Linim, die so bedeutenden Verkehr aufnehmen, nicht wohl zu zweifeln. — Selbstverständlich ist, wie wir schon früher bemerkten, daß die durch Ausführung jener Projekte die der Linie Homburg-Friedberg, wie umgekehrt jene durch diese nicht behindert, sondern nur gefördert werden kann.
Hanau, 8. Januar. In der heutigen Sitzung des AuS- schuflès des Handels- und Gewerbevereins wurde daS Antwortschreiben des hiesigen königl. Hauptsteueramts, betreffend die den freien Wieder-Eingang von in's Ausland gesandten Goldwaaren begründeten Erfordernisse, vorgeleat und beschlossen, bei einigen