Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 5.

Donnerstag den 7. Januar

1869.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete .der politischen und materiellen Interessen.

Milizen, können wir nicht sagen; Serbien hat im ersten Aufge­bot 60,000 Mann und kann! «och 90,000 Mann Milizen auf- bringen, zusammen 150,000 Mann; Rumäniens Heereskraft ist neuesten Notizen nach 30,000 Mann stark; Setzen wir noch die Schweiz mit 1. Aufgebot, Reserve and Landwehr bei mit nahezu 215,000 Mann (gegen 203,603 Mann nach !den bisherigen Aufstellungen), so erhalten wir für diese europäischen Staaten einen Heeresaufwand im Kriegsfall von 7,682,755 Mann.

HrsEfeert, 7. Januar. (Die Heereskräfte der

ety opäisch en Staaten.) Es kann in der heutigen Zett, wo immer noch die Kriegswolken am Himmel ziehen, nicht ohne

Interesse sein, eine Zusammenstellung der Heereskräfte der ver­schiedenen Staaten zu geben. Es dienen uns hierzu, so weit vor­handen, neuere Angaben, und wo diese nicht zu finden, müssen wir uns eben mit den früheren begnügen. Wir werden uns da­bei auf die Hanptzahlen beschränken. Bei Oesterreich, Preußen

(mit dem norddeutschen Bund) und Süddeutschland, bann bei Frankreich und endlich bei der Schweiz haben wir die Mann­schafts-Skalen nach den neuesten HeereSochanisatkonen angeführt.

Wir erhalten nun für Oesterreich ein stehendes Heer (überall den Kriegsfuß angenommen) von 800,000, Milttärgrenzler

53,000 und Landwehr 200,OuO, zusammen 1,053,000 Mann;

Nutzen und br norddet t'chen Bund 843,364 Mann in stehuckem Heer und 185,552 an Landwehr, zusammen 1,028,946

Mann; für Süddeutschland an stehendem Heer 156,760, an

Landwehr 43,411, zusammen 200,171 Mann; für Frankreich

an stehendem Heer 800,000 und an mobiler Nationalgarde

550,000, zusammen 1,350,000 Mann ; für das päpstliche Heer etwa 18,000 Mann; Italien selbst hat an stehendem Heer 348,461, an mobilen Nationalgarden 132,000, zusammen

480,461 Mann ; Rußland hat ein stehendes Heer von 827,350 (mit den Truppen im Kaukasus), lokale Truppen 410,327 und

Irreguläre 229,223, zusammen 1,467,000 Mann; Dänemarks Heeresmacht gibt man jetzt zu 65,000 Mann an; diejenige

Schwedens an geworbenen Truppen, lokalen Truppen u. s. w. zu 168,013 Mann, die Norwegens, bei anderer Heeresver­fassung, zu 53,500 Mann; Spanien hatte vor der Bewegung in Spanien und Afrika, mit Marine (8500) und Milizen (63,100) zusammen 234,050 Mann (nach Umständen und je nach der NegierungSform dürfte hier die Zahl der Milizen stärker werden); Portugal, so weit eS die im Stammland ver­wendbaren Truppen betrifft, zählt mit milizähnlichen Reserven 67,581 Mann; England, ebenfalls nur die Kontinentalttuppen und Milizen (272,000) gerechnet 3 47,173 Mann; Belgien kann eS bei einem stehenden Heere von 62,000 Mann im Kriegsfall zu 100,000 Mann bringen; Holland bei 61,000 Mann stehen­dem Heer und ebenfalls nur zur Noth im Land ver­wendbarer Marine, zu 111,700 Mann; die Türkei, bei einem regulären Heere und einer Reserve von zusammen 297,360 Mann, ihren Irregulären von 61,500, der Ma­rine von 38,000 nur noch 90,000 Mann Hülfstruppen, wenn Rumänien und Serbien ihre Hülfstruppen nicht stellen, somit zusammen 486,260 Mann; Griechenland hat eS unseres Wissens _....... ..... , ,.... .........

etwa zu 25—30,000 Mann gebracht, ob noch wirklich organisirte städtischen KurfondS erübrigte Betrag eine Höhe erreichte, durch

Aus der Nähe.

* Frankfurt, 5. Dec. Nach Beendigung der heutigen Strafkammersttzung wurde das Urtheil in der von dem Heraus­geber des „ Beobachters" und dessen Redacteure gegen den hiesigen Polizeipräsidenten«). M a b a i angestrengten Verleumdung?- klage verkündigt. Hinsichtlich der Activ Legitimation erkannte das Urtheil nur den Redacteur Steegmann, nicht aber den Heraus­geber des Blattes O. Kanngießer und dessen Mitredacteur Dr. G. Kanngießer, als zur Klage berechtigt an, da die in Frage stehende Veröffentlichung des iu Sachen des Schiebkârchers Kilb aufgenommenen Protokolls nur von dem Herausgeber oder Mitredacteur des Blattes spreche. Weiterhin erklärte das Ur­theil, daß in dem betreffenden Inserate, welches blos dahin ge­richtet gewesen, Kilb als einen „charakterlosen Mann" zu kenn­zeichnen, keine Aeußerung über den Werth der Kilb'schen Aus- lassungen selbst enthalten, sondern nur ein wörtliches Referat aus dem Protokolle gegeben werde und daß die gebrauchten Worte: „in bezeichneter Weise" ebensowohl auf Kilb als auf einen anderen, dritten bezogen werden könnten, mithin zu Gunsten ses Beklagten anzunehmen sei, daß er nicht die Absicht zu be­leidigen gehabt, sondern nur ungerechtfertigte Angriffe zmückzu- weisen. Aus diesen Gründen sprach das Gericht den Beklagten frei und verurtheilte den Kläger in die Kosten.

* Heddernheim, 4. Jan. Der hiesige Bürgerausschuß hat den von dem Gemeinderath für die evangel. Kaplanei da­hier bewilligten Gehaltszuschuß von 20 fl. aus Gemeinbemitteln mit 30 gegen 8 Stimmen anerkannt, nachdem diese Zulage in :tner früheren Bürgerausschußsitzung abgelehnt, dieses Veto aber wegen eines Formfehlers für ungültig erachtet worden.

* Offenbach, 3. Jan. Heute Morgen wurde Joseph Pi- razzi zur ewigen Ruhe bestattet. Derselbe war alS Dichter in weiteren Kreisen bekannt und hat sich besonders im Anfänge der freireligiösen Bewegung in den vierziger Jahren rühmlich her­vorgethan. Heribert Rau verlieh am Grabe des Verblichenen bett Gefühlen der ganzen Stadt über den Verlust dieses Ehren­mannes beredten Ausdruck.

* Homburg V. d. H., 3. Jan. Der „Taunusbote" theilt mit, „daß der auS dem letzten halbm Jahre zu Gunsten deS