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Intelligenz-Blatt der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 3. Dienstag den 5. Januar 1869.

den Krieg auf eine bestimmte Gegend zu begrenzen? Auch ohnZ an diese äußerste Fälle zu denken, ist das Uebel, das bereits geschehen ist, groß genug. Die Forderungen der Pforte haben den Haß der beiden Racm erbittert und wenn ein bewaffneter Conflikt zwischen Griechenland und der Türkei ausbricht, würden sich die Mächte in der Verlegenheit befinden, im Voraus jeden Sieg des Sultans als nicht geschehen zu betrachten, wenn sie nicht gegen sich selbst handeln und sich 40 Jahre zurückversetzen wollten. Glücklicherweise hat sich die Diplomatie bei Zeiten überzeugt, daß die orientalische Frage nicht zu denen gehört, die nach Privatabsichten entschieden werden können. Die bestimmten und zugleich versöhnlichen Worte, die sie zu Konstantinopel und zu Athen hat hören lassen, haben die Gefahr beschworen und Alles läßt hoffen, daß kein Blut vergoffen werben wirb. Aber nachdem sie den Krieg beseitigt, ist ihre Rolle noch nicht ausge­spielt, es wird noch moralische Wunden zu heilen geben und die Zeit der Beruhigung wird um so länger und schwerer sein, je länger man die Politik der Auswege und des Privatehrgeizes über die der Prinzipien und des allgemeinen Vortheils hat herrschen lassen.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

MK»kfnrt, 5. Januar. Die „officiöse russische Correspondenz" schreibt „über Herrn von Beust und die orientalische Frage": Alle die Folgen, die die Maßregeln nach sich ziehen können, welche die ottomanische Re­gierung zur Bekämpfung ihrer chronischen Krankheit ergriffen hat, sind nicht gut vorauszuseheu, aber die immer wachsende Wichtigkeit der Beschlüsse, welche sie glaubt fassen zu müssen, um aus ihrer schon alten Lage herauszukommen, und ihre den Nachbaren gegenüber ganz neue Kraft beweisen, daß sie nicht mehr ihren Eingebungen allein folgt. Sicherlich ist der Urheber der Adressen, die zu gleicher Zeit nach Bucharest und nach Athen befördert wurden, nicht in Konstantinopel zu suchen. Ist denn der Augenblick da, um auf Abenteuer loszuqehm? Herr von Beust hat es geglaubt. Die WestmâHte sind der Sta- tistenrolle mâde, die man sie spielen läßt zwischen einer Macht, für die sie als Bürgen einzetreten sind und den Völkerschaften, die immer und mit Recht die Erfüllung der bis jetzt nicht ge­haltenen Versprechen verlangen. England blickt auf den verhäng- nißvollen AuSgang mit zu viel Philosophie, um ihn nicht schon zum Voraus ein wenig discontirt zu haben und Preußen kann nicht unzufrieden sein, seine Gegnerin von gestern, gleichgültig gegen die deutschen Angelegenheiten, und nach einer anderen Seite hin beschäftigt zu sehen. Uebrigens hatten die von Herrn von Beust von einigen Höfen verlangten Aufklärungen, zu dem Zwecke, die Meinung zu erforschen, seine Berechnungen, scheint es, gerechtfertigt und ließen ihm die Gelegenheit als günstig er­scheinen, um aus der abwartenden Stellung herauszutreten, die er in Fole der Mißgeschicke von 1866 sich hatte auserlesen müssen. Und was war am Ende dabei zu wagen? Der Prinz Karl hatte ein erstes Mal nachgeben und seine Minister ändern müssen, er würde wohl auch ein zweites Mal nachgeben. In Bezug auf Griechenland, so hätte man, wenn es nachgibt, das Vertrauen des Sultans gewonnen und seinen Dank verdient, bis sich inzwischen eine andere Gelegenheit zum Handeln findet; widersteht es, so bricht die Aufregung der Christenbeoölkerung los und ein Vorwand ist am Ende gefunden, um zu intervmkev und Rumänien zu besetzen. Aber die orientalische Frage ist zu zusammengesetzt, um auf so enge Schranken sich zurückfâhren zu lassen, es gibt tausend mögliche Kom­binationen, welche die Gewandtheit des Herrn von Beust nicht hat voraussehen können. Hat er zum Beispiel vorausge­setzt, daß eine Besetzung der Fürstenthümer durch österreichische Truppen keine Protestarion hervorrufen würde und hat er wohl in Rechnung gebracht die Kraft des Widerstandes, den eine Er­hebung in Masse von Seiten der Christenvölker der Türkei seinen Plänen entgegensetzen würde, in einem Falle, daß eS nicht gelänge,

Aus der Nähe.

* Wiesbaden, 1. Januar. Zur Regelung eines gleich­mäßigen Verfahrens ist von der K. Staatsregierung bestimmt worden, daß in Ausführung der Allerhöchsten Statuten vom 18. Octo der 1864 und 20. September 1866 das Düppeler Sturmkreuz, das Alsenkreuz, die Kriegsdenkmânze von 1864 und das Ecinnerungskreuz von 1866 verstorbener berechtigter In­haber entweder in der Pfarrkirche oder in der Sakristei ver Pfarrkirche, in deren Bezirk die Letzteren zur Zeit ihres Ab­lebens ihren Wohnsitz hatten, aufbewahrt werden.

Die K. Regierung hat dem Verwaltungsrath der Hessischen Ludwigsbahn zu Mainz gestattet, zu dem projecttrten Baue einer Etsenbühn von Mainz über Wiesbaden, Schwalbach nnd Diez nach Betzdorf die nöthigen Vorarbeiten innerhalb des hiesigen Regierungsbezirks auszuführen und die betreffenden Lokal-Ver- walmngsbehörden angewiesen, den beabsichtigten Arbeiten und Aufnahme« kein Hinderniß entgegenzustellen, sondern solche n. - gestört zur Ausführung zu bringen.

Seit heute sind die alten Briefkasten an den Straßenecken durch neue eiserne ersetzt; auch ist ihre Anzahl vermehrt ur: dadurch wiederholt ausgesprochenen Wünschen Gewährung ge­worden.

* Weilburg, 2. Januar. Herr Schauspielbirector Kern, früher in Bockenhetm und zuletzt in Friedberg, wird dieser Tage seine TheatervorstellungM im hiesigen Görz'schen Saale eröffnen.