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26. Jchrgang.

Iukda, Samstag, den 16. Dezember 1899.

M 288.

mit Anterhaktungs-Meitage „Illnstrirte Sormtags-Ieitung"

△ Weihnachtskrippe«.

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„Der hl. Franziskus," so erzählt St. Bona­ventura, „hatte auf freiem Felde einen Stall er­richtet und so auSgeschmückt, daß, wer ihn sah sogleich an die Krippe von Bethlehem erinnert wurde und sich gleichsam an die Geburtsstätte des Erlösers versitzt glaubte. Dann ging der Heilige mit seinen Ordensbrüdern, als die heilige Nicht angebrochen war, zu der Krippe und ver­herrlichte mit dem zahlreich versammelten Volke bei Schimmer vieler Lichter durch Gebet und Ge­sang die G butt des Herrn. Um Mitternacht wurde die erste hl. Messe gefeiert, und der hl. Franziskus hielt beim Evangelium eine eindring­liche Prediat zur Ehre des Kindes von Beth­lehem." Der Gebrauch der Weihnachtskrippen verbreitete sich dann schnell und fand bei dem christlichen Volke überall freudige Aufnahme. Zuerst finden sich dieselben in den Kirchen des Franziskaner-Ordens; mit dem Orden selbst wurden sie dann beim Volke beliebt. Noch heute besteht in rein katholischen Ländern, insbesondere aus der linken Rheinseite der Gebrauch, daß in den Fa­milien von Weihnachten bis Lichtmeß eine Krippe mit dem Jesukindlein aufgestellt ist, um welche sich Abends Sie Familie versammelt.

Die älteste Darstellung zeig! eine ganz ein« suche Scene; auf Pfosten ruht ein Dach, unter

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 16. Dezember.

Statsberathnng nennt es sich, was der Reichs­tag geschafft hat, ehe er in die Weihnachtsferien ging. Aber richtiger müßte man es die Vorberathung der neuen Flotten-Borlage nennen, obwohl die Vorlage noch nicht einmal fertig ausgearbeitet ist. Die Herren von der Regierung haben es diesmal so gemacht, wie es sonst mitunter einzelne Abgeordnete machen: sie haben die erste Lesung des Etats dazu benützt, um sehr eingehend über etwas ganz anderes zu reden, von dem Etat selbst aber mit großer Ausdauer zu 'schweigen. Der greise Kanzler Fürst Hohenlohe begann den Reigen mit der Erklärung, daß eine neue Flotten-Borlage bestimmt kommen wird, und daß die Regierung die Kosten dafür durch die Aufnahme neuer Reichsschulden aufbringen will. Fürst Hohenlohe hält, wenn er es überhaupt thut, nur außerordentlich kurze Reden. Und wenn es alle so machen wollten im Reichstage, würden deffen Verhandlungen vermuthlich noch nicht den zehnten Theil der Zeit in Anspruch nehmen, die jetzt dazu gebraucht wird. Den eigent­lichen Redner der Regierung machte nach dem Kanzler der Staatssekretär Graf von Bülow, der die wei­tere Vergrößerung der Kriegsflotte politisch begründete, nach der Ansicht sehr vieler derjenigen, die ihm zu­hörten. Immerhin ist vieles in den Ausführungen des Staatssekretärs, das allgemeine» Beifall erntete : Deutschland soll nicht in das Hintertreffen gerathen; soll nicht wieder so ohnmächtig werden, daß ihm an­dere ungestraft auf die Füße treten können. Und noch etwas anderes ist an den Ausführungen der Herren ■ vom Bundesrathstische zu loben, was namentlich auch Abg. Dr. Lieber als Redner des Centrums am Dienstag hervorhob: nach den Erklärungen des Reichs­kanzlers führt die Regierung bei ihren Flottenplänen nichts int Schilde .gegen das verfassungsmäßige Be­willigungsrecht des Reichstages. Aber gegen die neue ungeheure Vermehrung der Reichsschuld wegen neuer Flottenbauten hat das Centrum die allerschwersten Bedenken und wird diese auch bei der spätem eigent­lichen Berathung der Flotten-Borlage zum kräftigen Ausdruck bringen. An einer Milliarde wird wenig fehlen, und einen sehr schwierigen Standpunkt hatte der Staatssekretär der Marine, Herr Tirpitz, dem die Aufgabe zufiel zu erklären, wie es denn kommen konnte, daß er selbst noch im Januar dieses Jahres das Vorhandensein neuer Flottenpläne leugnete, während sie doch thatsächlich schon bestanden, Herr Staatssekretär Tirpitz hatte infolgedessen gar keine guten Tage; und nur mit einem Worte fand er das allgemeine Berständniß, als er nämlich darauf hinwies, wie schwer es ihm würde, schon jetzt mit einer neuen Flotten-Borlage vor den Reichstag zu treten und diese auch zu begründen. Am 9. Januar wird der Reichstag nach den Weihnachtsferien seine Sitzungen wieder aufnehmen; und alsdann wird wohl auch die eigentliche Flotten-Borlage nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Herr Staatsminister von Miquel hat in diesen Tagen einen ungewöhnlichen Schritt unternommen: er hat sich in einem Berliner offiziösen Organ mit seiner NarnenSunterschrist gegen diejenigen Zeitungen gewandt, die ihn — nach feinem Ausdrucke — mit allerhand Verdächtigungen verfolgen. Zuletzt verur­sacht wurde diese Erklärung des Herrn Ministers durch einen Artikel der .Freisinnigen Zeitung', in dem ge­sagt war, gerade Herr von Miquel sei schuld an den Maßregelungen der Beamten, die im preußischen Ab- : gevrdnetenhause als konservative Abgeordnete gegen den Kanal gestimmt hatten. Das sollte der Reichs­kanzler Fürst Hohenlohe dem konservativen Abg. von Kröcher erzählt haben. Leider aber schweigt dieser letztere, und Herr Minister von Miquel selbst deutet auch in seiner Erklärung nicht an, wie es eigentlich gewesen ist. Vielleicht also ist die von der .Freisinnigen Zeitung' aufgeführte Thatsache im Kernpunkte richtig und nur falsch dargestellt gewesen. Aber eS scheint so, als würden wir das niemals zu­verlässig erfahren.

Die Tschechen im Ssterreichische» Abgeord­netenhause möchten gern die ganze parlamentarische Lage unter ihre Gewalt bringen durch ihre Obstruktion. Aber hoffentlich ist auch dort dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Zunächst ist es den Tschechen nicht geglückt, durch ihre Parlaments- takttk die nothwendigsteu Finanzregelungen unmöglich zu machen; denn die Ungarn sind der österreichischen Reichshälste so entgegengekommen, daß eS zunächst „auch so" gehen wird und die nöthigen Finanzgesetze erst nach Neujahr geregelt werden können. Dann aber, und das ist die Hauptsache: die anderen Parteien in der österreichischen Parlamentsrechten üben einen kräf­tigen Druck auf die Tschechen aus, um diese zur Ver­nunft zu bringen. Entweder sollen die Tschechen ihre Obstruktion unterwegs laffeu, oder aber die Rechte sagt sich von ihnen los. Und was wären die Tschechen ohne die Unterstützung der anderen Parteien der Rechten? Nichts. Und deswegen werden die heiß- spornigen Herren aus Tschechien es sich noch sehr über­legen, ob sie ihre Obstruktion fortsetzen sollen. Die sogenannten Versöhnungsderathungen zwischen Deut­schen und Tschechen sind zunächst ohne jegliches Er- gebniß verlaufen. Man will es aber nach Neujahr noch einmal damit versuchen.

Allgemeine und berechtigte Freude herrscht in Italien über die Verhaftung des Abgeordneten P a -

liz z o lo aus Palermo. Dieser dunkle Ehrenmann ist einer der Rädelsführer in der „Maffia" gewesen, einer weit verzweigten, geheimen Verbindung, die auch den Mord nicht scheut, um bestimmte Zwecke zu ver­folgen oder an Jemand Rache auszuüben. Ehren- Palizzolo soll den Maffia-Banditen denMuftrag ge­geben haben, Notarbartolo zu ermorden, den Direktor der Bank von Sizilien; und aller Wahrscheinlichkeit nach verhält es sich auch so. Palizzolo fühlte sich sicher, weil er Abgeordneter war. Aber Schlag auf Schlag wurde gehandelt: in derselben Stunde, in der die Deputirtenkammer in Rom die Verhaftung des reichen Banditenführers beschloß, wurde dieser auch schon festgenommen. Sonst würde er sicherlich ent­kommen sein. Man munkelt, daß sogar sizilianische Fürsten mit der Mordbande in Verbindung ständen. Run, hoffentlich wird einmal das Nest gründlich aus­geräumt.

Die Franzosen machen große Anstrengungen für ihre Weltausstellung im nächsten Jahre. Jetzt ist man damit beschäftigt, gekrönte Häupter zum Besuche der Ausstellung zu bewegen, namentlich den Kaiser von Oesterreich und den König von Italien. Aus Wien hat man nach Paris geant­wortet, darüber könne jetzt noch keine Entscheidung ge­troffen werden, und der italienische König will nur inkognito, als Privatmann, die Ausstellung besuchen. Daran wird aber den Parisern wenig gelegen fein.

Der Streitfall zwischen Frankreich und China wegen Kwang-tschau-wan ist durchaus noch nicht beigelegt. Frankreich hat sich noch nicht befriebigt erklärt, vielmehr jetzt die Absetzung des Bizekönigs von Kanton verlangt. Man glaubt, dies komme da­von her, daß die chinesische Regierung sich weigere, nach der französischen Forderung die Beamten hinrich­ten zu lassen, die verantwortlich sind für die Ermor­dung der französischen Offiziere. Schließlich wird aber China doch irgendwelche ernsthafte Genugthuung geben müssen.

Zwischen Rußland und Japan sollte ein Streit ausgebrochen sein. Daß beide Länder einander gar nicht grün sind, vielmehr mit eifersüchtigen Augen die gegenseitigen Thaten auf der Halbinsel Korea ver- iolgen, weiß man hinlänglich. Dennoch gibt sich die japanische Regierung alle Mühe, etwa vorhandene Er- regung und schlechte Stimmung in Rußland nicht noch mehr zu steigern. Namentlich leugnet man in Tokio durchaus, daß man Anstalten treffe, um im Kriegs­fälle genügend gerüstet gegen die Ruffen zu sein. Daß die Japaner ihre Landmacht und ihre Kriegsflotte stark vergrößern, können sie natürlich nicht leugnen; ober sie stellen sich so an, als thäten sie dies zu ihrem Privatvergnügen. Glauben wird ihnen das schwerlich Jemand.

Wieder einmal wollte der amerikanische General Otis die Philippiner endgiltig besiegt haben, sodaß ihr Führer Aginaldo Sicherheit in China gesucht habe. Aber wieder einmal müssen die Amerikaner eingestehen, daß General Otis geflunkert hat. Einen Sieg haben die Amerikaner erfochten. Aber die Philippiner liegen noch lange nicht „endgiltig besiegt" am Boden.

Noch viel schlechter geht es den Engländern im Burenlande. Viel Rühmens wurde gemacht von den Erfolgen Lord Methnen's am Modderfluffe. Aber diese sind augenscheinlich gar nicht so groß gewesen, oder haben den Engländern doch entsetzliche Verluste gebracht. Und nun kommt die Nachricht von einer schrecklichen Niederlage der Engländer unter General Gatacre bei Stormberg. Die Engländer haben sich in ein großes Kesselthal locken taffen und sind dann von den Buren von den umliegenden Höhen aus elend zugerichtet worden. Es scheint, daß dies von allen englischen Niederlagen in diesem Kriege eine der allerbedeutendsten sei; und das will gewiß viel sagen !

Q Die Stiftskirche von Hersfeld.

Bon Rr.

Es war in der letzten Februarwoche deS Jahres 1761, als allabendlich am Abhanae des WifselsbergeS, in nächster Nabe von Malges die Bewohner des genannten Ortes, sowie die Einwohner der benachbarten Dörfer Leimbach, Leibolz und Großentaft zusammenkamen, um Zeugen eines grausigen Schauspieles zu sein. Von dem Platze, wo die Leute standen, sieht man durch das Ettrathälchen gerade aus die Stiftskirche von H rsfeld. Und die Stiftskirche stand in Flammen — Am Tage zwar sah man nur einen gewaliigen Rauch über Hersfeld em­porsteigen, in dem man einen dunkelrothen Schein wahrnahm. Sobald aber die Nacht herein­gebrochen war, da röthete sich der Himmel weit­hin, die ganze Gegend war erleuchtet, und die Klosterstätte von Hersfe d glich einem großen Feuersee, der einen schauerlichen Anbl.ck ge­währte.

Die Franzosen hatten die Kirche als Magazin benutzt, und als sie den Rückzug antreten mußten, da zündeten sie die in der Stiftskirche lagernden Vorräthe an, damit sie nicht den Gegnern in die Hände fielen. So ward die Kirche in Brand gesteckt, und sie brannte 8 Tage lang, sie brannte 14 Tage lang; und die Kunde davon verbreitete sich ringsum in allen Ortschaften.

Mit Trauer und Wehmuth schauten die Leute, die am Wisielsberg bet Malges ver­sammelt waren, den Brand des ehrwürdigen Gotteshauses. Der Unterschied zwischen „Ful- disch" und „Hersfeldisch" war mit einem Male verschwunden. Sie wußten ja, daß „das Stift"

von katholischen Mönchen war erbaut worden und daß Jahrhunderte hindurch in demselben das hl. Meßopfer war dargebracht worden. Sie wußten, daß ihre Vorfahren in alten Zeiten zu der Klosterkirche gewallt waren unbj dort an den Gräbern des heil. Wigbert und des heil. Lullus gebetet hatten. Und darum wurden sie mit Trauer erfüllt über den Untergang des herr­lichen Gotteshauses, vielleicht mit mehr Trauer erfüllt, als die Bewohner von Hersfeld selbst, denen man ja jahrelang oorgeredet hatte, in der Stiftskirche sei ehemals „Götzendienst" getrieben worden.

Allmählich verglomm das Feuer und nur di- nackten Mauer» blieben stehen, und sie stehen bis auf den heutigen Tag.

Auch jetzt noch wird man von tiefer Weh­muth ergriffen, wenn man in den Ruinen der Stiftskirche umherwandelt. Noch ragt der eine der beiden Westthürme zum Himmel empor, während der andere in Trümmer sank. Noch spannt sich der gewaltige Triumphbogen vor dem Chore und läßt uns ahnen, welch großartigen Eindruck dieses Gotteshaus gemacht haben muß. Noch ragen die Umfaffungsmauern in die Höhe, aber „in den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen und des Himmels Wolken schauen hoch hinein". Noch steht abseits der Kirche, ähnlich wie in Italien, der alte Glockenthurm mit schönen romanischen Friesen geschmückt, der die Lullus- glocke, eine der ältesten Glocken Deutschlands, in sich birgt.

Erbaut wurde Sie Kirche im strengromani­schen Stile zwischen den Jahren 1040 u. 1144. Sie ist in gewaltigen Dimensionen ausgeführt, und wenn sie noch unversehrt dastände, dann würde bei Beschreibung der hervorragendsten romanischen Kirchen Deutschlands nach den Domen von Speier und WormS, vom Bamberg und Naumburg an dec Saale, nach der Abteikirche von Laach die Stiftskirche von Hersfeld ihren Platz haben. Mit Bewunderung denken wir jener großen Zeil, als die einfachen Kloster­brüder von Hersfeld dieses Riesenwerk schufen. Fürwahr, diese Männer hatten erhabene Ideen in ihrem Geiste und sie wußten diesen Ideen den rechten Ausdruck zu geben. Beredter Zeuge deffen ist ihre gewaltige Klosterkirche, die noch groß ist in ihren Trümmern.

Wird sie wieder aus dem Staube erstehen? --Der Dom von Speier war nicht minder zerstört, als die Stiftskirche von HerSfeld, und er ist aus seinen Trümmern erstanden. Die Klosterkirche von Lehnin war noch mehr ver­wüstet, als die Kirche in Hersfeld, und sie ist wieder aufgebaut worden. Die Liebfrauenkirche zu Arnstadt in Thüringen war dem Zusammen­sturz nahe, und man hat eine halbe Million ge­sammelt und die Kirche herrlich wieder hergestellt. Warum sollte in Hrrsfeld nicht möglich sein, was anderswo geschehen ist? — Aber, aber — ach! Da gibts so viele Aber. — —

Die Stiftskirche von Hersfeld wieder herzu­stellen, wäre eine Aufgabe, würdig des gesummten deutschen Volkes. Denn von hier ist Bildung und Kultur ausgegangen, die unser Volk groß und stark gemacht haben. Hier haben die deut­schen Kaiser sich frischen Muth und neue Kraft geholt, um daS Reich mit starker Hand zu regieren und lie Christenheit zu beschützen. Hier würde sich das deutsche Volk ein Denkmal setzen, das in erhabener Weise Deutschlands glorreiche Ver­gangenheit und Deutschlands ruhmvolle Gegen­wart zur Darstellung brächte. —

welchem das Christkind, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Daß das Dach einen Stall bedeckt, wird durch Ochs und Esel äuge- deutet, welche an der Krippe deS Christkindes tehen. Diese Thiere sind nicht willkürlich ge­wählt, sondern mit Beziehung auf Jsaias: „Ein Dchs kennt feinen Herrn und ein Esel die Krippe eines Herrn, aber Israel kennt es nicht, mein Volk vernimmt es nicht."

Auch die Stelle bei Habakuk: „In der Mitte Zahmer Thiere bist du erkannt worden," hat wohl auf die Darstellung Einfluß gehabt. Die Figuren von Ochs und Esel, wriche au8 dem evangelischen Berichte keine Erklärung finden, enthalten also eine sinnbildliche Beziehung auf das Verhalten Israels zu dem Messias; es wird dadurch zu­gleich die Größe der Weihnachtsfreude ausgedrückt, woran jede Kreatur Antheil nehmen soll.

Die Kunst des Mittelalters stellte die Ge- burtSstätte des Herrn wohl in der Form eines tempelartigen Gebäudes dar, um den Gedanken auszudrücken, daß der Stall zu Bethlehem die erste christliche Kirche war. Dürres GraS oder Hm und Stroh haben die Künstler in die Krippe gelegt, um die heilige Armuth Christi zu veran- chaulichen. Nach der jetzt üblichen figurenreichen Darstellung kniet neben der Krippe, in welcher das Jesuskind liegt, die allerseligste Jungfrau. Der heilige Joseph und die frommen Hirten um­geben die Strippe und erscheinen in anbetender Stellung.

Treffend werden die Hirten durch die Gestalt eines Greises und eines Jünglings dargestmt, um anzudeuten, daß Alt und Jung bei der Ge­burt des Erlösers sich freuen soll. Zweige vom grünen Tannenbaume bilden den Hintergrund, ringsum brennende Lichter, die Sinnbilder der Freude. Oft wird die Beleuchtung so eingerichtet, >aß alles Licht von dem Stmbe ausgeht, um Christus als das wahre Licht der Welt baiqu- stellen. Engel schauen von oben herab oder stehen übergebeugt vor dem Kindlein, weil es die Engel gelüstet, das Geheimniß der Erlösung zu schauen.

Als Inschrift find die Worte der Botschaft gewählt, welche die Engel den Hirten brachten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Stiebe auf Erben ben Menschen, bie eines guten Willens finb!" ...

Die Krippenaufstellung finbet meistens bi- Mariä Lichtmeß statt, und mit jebem neuen Feste wirb ein Scenrnwechsel vorgenommen. Am hl. Dreikönigsfeste erscheint über bem Stalle der Stern der Weisen und in der Gruppe der Figuren erblickt man die Gestalten der hl. drei Könige, Geschenke barbringenb.

Die hl. brei Könige erscheinen in ber Pracht morgenlänbischer Fürsten, von einander unter­schieden nach den drei verschiedenen Altersstufen (Jüngling, Mann, Greis) und nach den drei Stammvätern des Menschengeschlechtes (Sem, Cham und Japhet); wenigstens ist einer von ihnen gewöhnlich ein Neger. Wie auf den Bil­dern ber altbeutschen Maler, so erscheint auch auf den Krippenbarstellungen der Mohrenkönig nicht unmittelbar vor bem Heilande. Melchior und Balthasar knieen vor der Strippe, Kaspar, der Mohr, steht meistens in dienender Unterwürfigkeit hinter den Knieenden. Eine Vorstellung voll tief­sinniger Schriftdeutung! Von welcher Raffe der Mensch auch sei, er ist zum Heile berufen; aber der Sohn Cham's, den der Fluch des VaterS Noe traf, wird am letzten und schwersten die Erlösung sich aneignen.

Die Weihnachtskrippe übt auf bie Kinderwelt einen erhebenden Einfluß. Sie ist für sie eine reiche Quelle der Belehrung. Bei Betrachtung der Krippendarstellung können Kinder längere Zeit in Andacht und Sammlung verweilen, während auch bei ber besten belehrenden Rede ihre Auf­merksamkeit ost abirrt und ben Zerstreuungen leicht erliegt. Es ist pädagogische Weisheit, wenn bie Kirche bie besprochene Sitte gestattet und die verständige und würdige Ausschmückung der Krip­pen billigt. Wie man in früherer Zeit, als der Gebrauch ber Bücher seltener unb die Kunst bei Lesens nicht allgemein war, bie religiösen Bilder eine „Bibel ber Armen" (biblia paaperum) nannte, so kann man bie Weihnachtskrippen das Evan­gelium ber Stinberroelt nennen. — Seiber hat ber Tannenbaum und der „Weihnachts m.a n n“ die Weihnachtskrippe mit dem Christkindchen an Orten ganz verdrängt.

Reklame«- und Anzeigeritheil.

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