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FuldaerM Zeitung

Inserate: Merts spalt. Garmond, »eile ober derer. Raum 1b Pf., Re- kamen die Petit- »eile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechmv Rabatt gewährt

mit Unterhaltungs-Anlage „Zltustrirte Sonntags-Zeitung" PeterezaTe Nr. 2 (»armonte).

Erscheint täglich, m. Ausnahme der gönn- und Feier­tage. Vierteljahrs ze,ugsprei, ohne Brio aerlohn und Bestellgeld in »ulda und aus« »ärts 1M. 50 Pf.

JuLöct, Freitag, den 15. Dezember 1899.

A 287.

26. JahrgMg.

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0 Was kostet der neue Flottenplan?

Eine Antwort auf die Frage, was denn die Ausführung des neuen Flottenplanes nach der Ansicht der Regierung kosten würde, bat schon am letzten Montag der Herr Schatzsekrelär Freiherr von Thielmann im Reichstage gegeben. Der Herr Schatzsekretär ist auf der Tnbüne der Presfe schwer zu verstehen, und da­her ist es gekommen, daß gerade diese wichtigen Mittheilungen nur recht lückenhaft oder gar nicht in den vorläufigen Berichten über die Montags­sitzung des Reichstages enthalten waren. Ge­naueres darüber erfährt man nun erst nachträglich aus dem amtlichen Stenogramm der Montags- Sitzung. Staatssekretär v. Thielmann hat eine ganz bestimmte Summe angegeben: 783 Millionen Mark soll nach seiner Angabe insgesammt die Ausführung der neuen Flottenpläne kosten. Also hatten schon nach dieser Angabe diejenigen nicht unrecht, die die Kosteri der neuen Pläne auf an­nähernd eine Milliarde schätzten. Nun aber ist es doch sehr d?e Frage, ob denn diese Berechnung schon heute in irgendwie zuverlässiger Weise sich aufmachen läßt. Die Kostenanschläge des gegen­wärtigen Flottengesches haben sich schon nach Verlauf von noch nicht achtzehn Monaten als zu klein erw esen, wie man leider aus dem vorliegen­den Etatsenlwmf ersieht. Man hat also vollkommen die Berechtigung zu der Annahme, daß sich heute schon Kostenanfchläge für neue Schiffsbauten auf einen Zellraum von etwa sechsz-hn Jahren hinaus überhaupt nicht mit irgend welcher Sicherheit machen lassen. Und wenn man heute sagt, die Ausführung der neuen Flottenp äne wird im ganzen genommen, eine volle Milliarde kosten, so kann man damit ebenso recht haben, wie der Herr Schatzsekretär, wenn dieser jetzt von 783 Millionen spricht. Diese Z ff-r ist berechnet nach den Preisen von heute. Niemand kann wissen, wie die Preise schon nach wenigen Jahren sich gestalten werden. Wie fürchterlich unsicher über­haupt alle solche Berechnungen sind, kann man schon daraus ersehen, daß bis vor wenigen Wochen die Ueberschüffe, die sich aus dem laufenden Rechnungsjahre voraussichtlich ergeben werden, nach der Mittheilung des Herrn Schatzsekretärs viel zu hoch eingeschätzt worden sind.

Die nothwendigen Summen sollen nach der Mittheilung des Reichskanzlers durch neue An­leihen beschafft werden. Eine Milliarde neue Reichsschuld — das ist ein sehr inhaltschweres und bedenkliches Wort. Auch der konservative Etatsredner, Graf von Limburg-Stirum, empfand Unbehagen bei diesem Gedanken und mahnte in der Sitzung am Dienstag zu größerer Sparsamkeit; und ebenfalls sonst in den Kreisen der Konservativen ist man durchaus nicht überall erfreut durch diese neuen Flottenpläne. Der Miliiärschriststeller Oberstleutnant Rogalla von Bieberstein weist in der ,Deutschen Agrarkorrespondenz' auf die „unerhört angeschwol­lene Schuldenlast des Reiches' hin und spricht

Der SLiefelrunge.

Auch eine Weihnachts-Geschichte von M. Herbert.

Es war ein rauchiges Lokal — sehr rauchig. Aus den Herrenzimmern drang der scharfe Qualm in den für Damen und Nichtraucher reservirten Hauptsalon.

Man begriff nicht, weshalb die Leute so sehr gern hier saßen, da doch an der Thür die herr­liche, mit alten Bäumen bestandene Promenade sich dehnte, da sie doch daheim gut gelüftete, hübsche, behagliche Zimmer hatten. Aber sie saßen da — und vermehrten eines der vielen Räthsel unseres Daseins.

Wie durch einen Nebel sah man die auf Wein- fäffern reitenden Gnomen, die unmotivirten N xen und schilfbekränzten Nickelmänner, die ein „Kunst­maler" an die Wand gezaubert hatte. Wie durch einen Nebel sah man die schwarz-weißen Gestal­ten der Kellner, die großen ZeitungSblälter der Herren und dort und hier die aufdringlich rothe Bandschleife eines modernen Damenhutes. Es war aber das erste Cafe der biederen Stadt Blankenburg, und es gehörte zum guten Tone, dort bei der Lektüre des neuesten Witzblattes seinen - Mokka zu schlürfen oder seinen Skat zu spielen oder, wenn man dem weiblichen Thei'e der Hono­ratioren anzugehöeen die Auszeichnung hatte, sein Kaffee-Kränzchen abzuhalten.

In der Mitte des Saales stand ein großer, runder, immer reservirter Tisch, und um den Tisch gruppirte sich eine Anzahl jüngerer und älterer Damen — alle mit Stickereien oder Häke­leien bewaffnet.

gleichzeitig die Befürchtung aus, daß eine Flotte ersten Ranges dem Landheere 25000 allerkcäftigste Mannschaften entziehen werde. „Bleiben wir daher bei dem Flottenplane von 1897/98 . . . vermeiden wir den unvermittelten Sprung zu einer Flotte ersten Ranges, der uns in vielen Richtungen nur ein Treibhaus-Produkt bringen würde. Vermeiden wir es, uns wirthschaftlich mit einem neuen enormen Budgetfaktor. . . für eine nur höchst unsichere Ergebnisse versprechende maritime Weltpolitik festzulegen I"

Nur die Preffe derer, die die Größten in der Großindustrie sind und einen hübschen Antheil der neuen Milliarde Reichsschuld als eigenen Verdienst für sich gewinnen würden, geht mit leichter Tonart und lächelnder Miene an der Thatsache vorbei, daß nach dem Plane der ver­bündeten Regierungen die Reichsschuld von neuem so erheblich vergrößert werden müßte. Ganz ver­gnügt schreibt das Berliner Organ der Krupp- Gruppe: „ . . . man wird sich sagen müssen, daß eine Vermehrung der Reicksschuld um 783 Millionen Mark angesichts der Finanzverhältnrffe des Reiches im ganzen zu keinerlei Bedenken An­laß geben kann". Mag es nun mit den neuen Fiottenplänen gehen, wie es wolle, mit dieser leichtfertigen Anschauung werden die Herren, die an neuen Flottenvergrößerungen ein so reges eigenes Interesse haben, im Reichstage kein Glück machen; auch bei den Konservativen nicht. Und daß zunächst das Cent rum von neuen Anleihen zu Flottenbauten überhaupt nichts wissen will, sondern den einzig richtigen Standpunkt vertritt, daß neue Flottenbauten nur dann unternommen werden sollien, wenn das nöthige Geld dazu ickon vorhanden ist, darüber hat Abg. Dr. Lieber in seiner glänzenden Etatsrede am letzten Dienstag keinen Zweifel gelassen.

r-rdkrL«ismiMiiddasWch»lichtM.

Die Märkische Volkszeitung' in Berlin ver­öffentlicht nachstehendes, an alle Kaufleute ge­richtetes offenes Schreiben eines für die Christ- bescheerung armer Waisenkinder sich interessierenden Kaufmannes. Wir geben dem Schreiben hiermit eine weitere Verbreiterung mit dem Wunsche, daß es auch in unserem Leierkreise die gehörige Be­achtung finden möge: Es gibt ja nicht bloß in Berlin, sondern auch hier in Fulda und ander­wärts Waisenkinder und andere arme Kinder ge­nug. Die Barmherzigen Schwestern im Mutter­hause und im Waisenhause, sowie die Damen des Elisabethenvereins können darüber nähere Auskunft geben. Der oben erwähnte Brief lautet:

„So, lieber Kollege! ich habe meine Weih­nachtskisten für die lieben Waisenkinder gepackt und bereits expedirt, nun gehe hin und thue des­gleichen; ein desto fröhlicheres Christfest wirst du feiern. Eigentlich hätte ich zu dem diesjährigen Christfest gar nicht nöthig gehabt, solche Kisten für die Waisenkinder abzuschicken, da das Geschäft im Monat November sehr schlecht ging und mein Monatsabschluß gegen das Vorjahr einen großen Rückgang zu verzeichnen halte; aber da dachte ich, jetzt thust du es erst recht, dann geht das Geschäft zum Weihnachtsfest um so besser. Und nicht ge­fehlt! nachdem die ersten Kisten für das kathol.

Das war der Kaffee-Kranz der ersten Damen von Blankenburg, ein sehr exklusiver Kranz, der seine Rosen und Dornen hatte.

Man klatschte nicht in diesem Kranze — nein — wirklich — allen Ernstes, man that es nicht. Man erörterte weder Dlenstboten- noch Toilette- Fragen, man hatte höhere Interessen. Man sprach über philosophische Probleme, über Spiritismus und Hypnotismus, Über den Stand der Frauen­frage, Gerhard Hauptmanns „Versunkene Glocke" und die Gemälde von Franz Stuck, und man sprach auch Über Wohlthätigkeit, diese Tugend, die mit dem heiligsten Rechte im Leben der modernenFrau einen so breiten Platz beansprucht und doch so oft falsch gehandhabt wird.

Der Srnn für Wohlthätigkeit war bei den Damen des Kaffee - Kranzes scheinbar sehr stark entwickelt. Jede Dame hatte ihre besonderen Armen, und jede erzählte von ihren Erfahrungen. Es waren keineswegs vorwiegend angenehme Er­fahrungen, und man konnte den Damen getrost aus's Wort glauben, wenn sie von Männern er­zählten, welche die Familie darben ließen, weil sie ihren halben Wochenlohn vertranken, von Frauen, die ihren Haushalt im Schmutze verkom­men ließen und ihre Betten versetzten, um sich einen neuen Hut zu kaufen, von Kindern, welche verwahrlost auf der Straße lungerten und nach gutgekleideten Vorübergehenden mit Steinen und häßlichen Worten warfen.

Die Wohlthätigkeit der Damen war wie ein Tropfen Wasser auf einen heißen Stein, stets nur eine Hilfe für heute, niemals für morgen und übermorgen. Unter den wissenden Müttern der besten Gesellschaft saß ein junges, blondes.

Mentana-Waisenhaus in Oschersleben (Sachsen) abgeschickt waren, fing das Geschäft an, sich zu heben; auch das Wetter schlug um, und nun müssen sie doch endlich kommen, unsere lieben Kunden, um das Versäumte nachzuholen, nämlich die Bestellungen für den Weihnachtstisch.

Ich hoffe, die Berliner Waisenkinder werden nicht schlechter beten können, damit es nun auch noch ein gutes Weihnachtsgeschenk gibt, denn die zweite, gar nicht so kleine Kiste, ist an die lieben Waisenkinder des St. Katharinenstiftes in Berlin, Greifswalderstr. 18, abgegangen, da deren Noth- glocke in der Märkischen Volkszeitung' so kläglich erklang. Wenn Du, lieber Kollege, meinst, Du hättest nichts Entbehrliches in Deinem Lager, so glaube ich Dir das einfach, als schon ergrauter Jünger Merkurs, nicht. Denn sogenannte Laden­hüter, die die lieben Waisenkinder noch ganz gern acceptiren, finden sich bei dem tüchtigsten Kollegen und deshalb halte mal gründlich Umschau auf Deinem Lager und besonders laß mal die Darnen- Konfekttons-Stäader gründlich säubern, da hängt gewiß noch so mancher schon ergraute Sommer­oder Wintermantel, Jacke und dergleichen, den Dir doch keiner Deiner Kunden abnimmt; Du genierst Dich vielmehr, solche Ju ilare überhaupt vorzu­führen — mir geht's wenigstens so — also hervor damit, in ein Packet geschnürt und abgeschickt an das kalh. Waisenhaus, das Dir am nächsten liegt oder das es am nöthigsten hat. Die ehrwürdigen Waisenhausschwestern nehmen alles mit offenen Armen an und verstehen es schon, solche Exemplare für ihre Schutzbefohlenen passend zu machen. Du bist sie los und hast Platz für Neues.

Auch wirst Du manche Kleiderstoffe haben, die vom Zahne der Zeit mitgenommen sind, schneide schnell einige Meter davon ab; in den verschiedenen Schubläden triffst Du alte unmoderne Kapotten, Tücher, Unterröcke, Schürzen re., also schnell das Zeug zusammengelesen und an irgend ein Waisen­haus, deren es so viele gibt, abgeschickt. Es wird Dich nicht gereuen! Du bekommst ein frischeres Lager und mehr Luft und sollst sehen, es geht bald besser. Sollte es Kollegen geben, die sich nicht so leicht von solchen Ladenhütern trennen können, so richte ich hiermit noch die Bitte an die Frau und Tochter des Hauses, den eisigen Papa zu erweichen. Auch ihr Jünger Merkurs, sucht euren Chef breit zu schlagen, daß er euch mal von so manchem alten Kram befreie. Also nun schnell ans Werk, noch ist es Zeit und Du bereitet Dir dadurch ein glückliches, fröhliches Christfest, welches Dir von ganzem Herzen wünscht

Dein alter Kollege

X. A- Z- aus der Priegnitz."

Vermischtes.

* Koudo«, 14. Die bekannten politischen Männer Dille und Laboucheres haben Reden gegen den K r i e g gehalten. Letzterer stellte fest, daß der Krieg bis jetzt 400 MillionenFranks gekostet und mindestens das Doppelte kosten würde, ehe er beendet sei. Er gab der Anficht Ausdruck, daß das Geld hätte besser ver­wendet werden tönnen, um die Roth in England zu lindern. Der Krieg werde vom Volke nicht gewollt und finde nur Beifall in den Börsenkreisen und bei der Ber- waliung der Golrminen.

LÄl*»LrleineNa<Lri<Lte«. Eine furchtbare Kälte herrscht in ganz Ungarn. Von Steinamanger werden

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elegantes Frauchen mit einem weichen unberühr­ten Kinbergefichte. Je weniger Erfahrungen man besitzt, um so stolzer ist man auf dir, -welche man wirklich gemacht hat. Die Kleine war von Grund auf gütig, sehr freundlich und sehr beliebt, und doch hatte sie etwas von ihren Erfahrungen in Beziehung auf die Undankbarkeit armer Leute zu erzählen. „Kennen die Damen den Stiefeljungen?" fragte sie lachend, als ob sie etwas sehr Lustiges aus's Tapet bringen wolle.

„Denken Sie, vor ein paar Wochen — es war schon gegen Ende des Oktober — schellt es bei uns an, die Köchin öffnet, und draußen steht ein Junge von ungefähr 10 Jahren, ein hübscher Krauskopf mit einem blassen, verfrorenen Gesichte, ganz in Lumpen, ohne Schuhe und Strümpfe; er hatte ganz blaurothe Zehen."

„Ach, schenken Sie mir doch ein Paar alte Stiefel, gnäd'ge Frau, ich friere so sehr an die Füße."

Ich glaubte es ihm gern und suchte ein Paar wollene Strümpfe und ein Paar Hausschuhe von mir herbei. Alles paßte ihm, und ich war froh, ihn so gut versorgt zu wissen.

Das war vor etwa vier Wochen.

Heute erscheint der Junge abermals vor der Thür, ebenso zerlumpt, noch verfrorener, ohne Schuh und Strümpfe, mit vor Kälte schwarz­blauen Füßen.

„Gnädige Frau, ach schenken Sie mir doch ein Paar Stiesel, ich habe ganz erfrorene Füße."

„Ja, wo sind denn die Schuhe, die ich dir neulich erst gab?"

„Mutter hat sie angezogen, Mutter hat auch keine Schuh."

Minus 38 Grad Celstus, von Neusohl Minus 21 Grad Reaumur gemeldet. Der Plattensee ist vollständig zuge­froren, was seit vielen Jahren nicht geschehen ist. — Wegen starken Eisganges aus der Donau wurde die gesammte Schifffahrt auch auf den unteren Strecken eingestellt. — Im ganzen Karstgebiet herrschen ungeheuere Schneefälle mit orkanartiger Bora; der in den Gärten angerichtete Schaden ist unabsehbar groß. Bahn- und Schiffsverkehr erleiden Verspätungen um viele Stunden. — Von außergewöhnlicher Kälte ist auch ganz Ober- und Mittel-Italien heimgesucht. Venedig und Bologna melden Schneestürme. Die Eisenbabnzüge treffen überall mit großen Verspätungen ein, und theilweise find die Verbindungen gänzlich unterbrochen. — Kiel. Die Stettiner Frachtdampfer „Wolga" und „Liebau" sind zusammengestoßen. Tie „Wolga" ist gesunken. Die nach Frankreich bestimmte Haferladung ist verloren. — Bamberg. Infolge Radreifenbruches entgleisten 3 Wagen eines Güterzuges. Der Zugführer ist tobt, der Packmeister des Zuges schwer verletzt. — Posen. Prinz Seinrich von Sachsen-Weimar, der verschiedene üter im Kreise Kosten und bei Stenschewo besitzt, hat

12,000 Mark ausgeworfen, damit seinen dortigen Do- minialleuten der Wochenlohn erhöht werde. Die­selbe Summe bestimmte Prinz Heinrich zur Aufbesserung der Lohnverhältnisse der Wirthschaftsbeamten. — Berlin. Das Berliner Adreßbuch enthält über 450,000 Adressen von Einwohnern. Mehr als 50,000 Firmen sind m den etwa 1000 verschiedenen Zweigen des Gewerbenachweises vertreten. — Düsseldorf. Bei der Gewerbegerichtswahl hat die christliche Ar­beiterpartei glänzend gesiegt in Düffeldorf, Ben­rath, Gerresheim und Ratingen. — Bord eck. Auf der Strecke Caternberg-Osterfeld stießen zwei Güterzüge aufeinander. Zwei Beamte vom Zugpersonal sind schwer verletzt. Der Materialschaden soll bedeutend sein. — München. Eine große Gasexplosion ereignete sich in der Vorstadt Schwabing. Eine Frau wurde ge- lödtet, zwei weitere Personen find schwer verletzt. Das betreffende Haus ist vollständig demolirt. — Frankfurt a. M. Für das neue Schauspielhaus, dessen Bau vor eint en Monaten begonnen wurde, find >900000 Mark vorgesehen. Die Fertigstellung soll innerhalb drei Jahren geschehen. — Brüssel. Die Prinzessin Agnes von Salm-Salm reist als Kranken­pflegerin in das Lager der Buren. — Apolda. Die Glockengießerei der Firma K. F. Ulrich hier, hat in ben letzten 20 Jahren über 2000 Kirchenglocken hergestellt. — Bischweiler. Bei einer dieser Tage da­hier abgehaltenen Versteigerung des Mobiliars eines alten Sonderlings kaufte unter den vorher bekannt gegebenen Bedingungen ein Bauersmann eine Kommode. Die Bedingungen besagten, daß nach dem Verkauf Re­klamationen nicht mehr fiattgegeben würde und die Gegenstände so anzunehmen seien, wie fie find. Als der Steigerer die Kommode zu Hause öffnen ließ — Schlüssel waren keine vorhanden — war die eine Schublade mit goldenen Schmuckfachen, Silbergeschirr und werth- vollen Mümen angefüllt. Ein gutes Geschäft! — B e r li n. Der Ansichtspoftkarten-Verkehr geht stark zurück. Wie die ,Voss. Ztg.' an der Hand der amtlichen Daten über den Postkarlenversand konstatirt, hat eine wett um sich greifende Uebersätligung stattgefunden,her­vorgerufen einmal durch die gar zu große Ueberschwem- mung des Marktes mit Ansichtspostkarten, andererseits durch die ungemeine Belästigung, die die Pflicht, über­allhin Ansichtspostkarten zu senden, für das reisende Publikum mit sich bringt.

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Ich war eben im Begriff, ihm noch einmal zu Schuhen und Strümpfen zu verhelfen, aber meine Köchin, die sich besser auskennt als ich, gab es nicht zu.

„Das ist schlechtes Volk, gnä' Frau, die bringen alles aufs Versatzamt. Dem Jungen können Sie jeden Tag ein Paar Schuhe geben, er kommt doch wieder barfuß. Er ist daraus abgerichtet. Die Leute wissen, so 'was greift die Herrschaften an, und dem Bengel ist es ganz egal, ob er Schuhe an hat oder nicht. Der spürt nichts, gar nichts, gnä' Frau."

Der Junge hörte alles mit an, sperrte den Mund auf, trat von einem Fuß auf den anderen und schaute mir flehend ins Gesicht. Er sah doch aus, als ob er seine starren Füße spüre.

„Es ist so kalt, gnädige Frau!" winselte er.

„Ja, es war kalt und zog schrecklick auf dem Vorplatz, aber Minna mochte wohl recht haben, solche Leute sind es gewöhnt, sie spüren es nicht, es läuft alles auf Bettelei hinaus.

Ich gab ihm zwei Pfennige und schickte ihn fort.

„Da haben Frau Assessor sehr recht gethan," meinte eine der Damen, „ich kenne den Jungen. Von uns erhielt er ebenfalls ein Paar Stiefeln —"

„Von uns auch!"

„Von uns auch!"

So tönte es im Kreise, und ein Sturm der Entrüstung wurde laut über den nichtsnutzigen Stiefeljungen, der jedenfalls einen schwunghaften Handel mit altem Leder betrieb und vielleicht be­reits den Wohlthätigkeitssi-in von halb Blanken­burg mißbraucht hatte.

(Schluß folgt.)