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KuldaerMZeitung
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26. Jahrgang.
Iutöa, Samstag, den 9. Dezember 1899.
Dnt an» Verlas der Snld-rr >mendm«e«l pttereseSe Hi. » (Barmonie).
M 282.
mit Ilnterhaktungs-Meilage „Illullrirte Sonntags-Ieiümgi°
Römische Briese.
XII.
□ 9tom, 4. Dezember 1899.
Die garge politische und parlamentarische Woche wurde von den Skandalen ausgefüllt, welche durch den in Mailand sich abspielenden Mordprozeß Notarbartolo an's Licht gezogen werden. Da entrollt das Zeugenverhör ein trauriges Bild von den öffentlichen Zuständen Palermo's und Sizilien's, welche ganz und gar in den Händen des Geheimbundes der Mafia zu sein scheinen. Ganz offen wird bekanntlich der Deputirte Palizzolo der Anstiftung zum Morde beschuldigt. Trotzdem die gesammte Presse, seit Wochen bereits, ihm den Rath ertheilt, sein Abgeordnetenmandat niederzulegen, — dasselbe fordern auch seine Parlamentskollegen nunmehr von ihm — sitzt er ruhig in Palermo, anstatt ferne parlamentarische Unverletzlichkeit abzustreifen und sich freiwillig dem Gerichte zur Verfügung zu stellen. Inzwischen nimmt der allgemeine Unwille fo große Dimensionen an, daß sogar im gegebenen Momente das Ministerium in seiner Stellung erschüttert werden könnte. Bereits spricht man ganz offen von Baronen, Herzogen und Prinzen, welche als die Häupter der Mafia angesehen werden könnten.
Unser Land, welches ohne Sensationsanlegen- heiten nicht leben kann, jubelt über die in der afrikanischen Kolonie gemachten Goldsunde. Thatsache ist, daß die von der Regierung herbeigerufenen ausländischen Sachverständigen einige Goldadern in der Nähe Massaua's und Asmara's konstatirt haben. Ob dieselben aber ausgiebig sein werden, ist eine zweite Frage. Doch freut sich das Land und verspricht sich goldene Berge im wahrsten Sinne des Wortes.
Nur wenige Wochen trennen uns noch von der feierlichen Eröffnung der heiligen Pforte der Peterskirche durch ^en Papst und dem damit am Vorabende vor Weihnachten beginnenden Jubiläumsjahr. Der Fremdenstrom dürfte nach den bis jetzt bekannten Anmeldungen ganz bedeutend sein. In Folge dessen hat sich Rom, so gut es vermag, auf die Aufnahme der Fremden, Pilger und Touristen, vorbereitet. Aber bereits jetzt schon wimmelt Rom voller Deutscher, Engländer und Amerikaner. Die KaiserinFriedrich ist auf der Station Sarzana (Spezia) eingetroffen und fuhr zu Wagen nach San Terenzo, wo sie in der ihr zur Verfügung gestellten Villa Pearse abgestregen ist. Tie Kaiserin verbleibt längere Zeil daselbst und hat die Absicht, später mit ihrer Mutter, der Königin von Großbritannien in Bordighera an der Riviera zusammen zu treffen.
Das Leichenbegängniß des verstorbenen römischen Bürgermeisters DonRusxoli, Prinzen v. Poggio Suasa, verlief am Sonnabend großartig unter allgemeiner Betheiligung der Bevölkerung. Der Zug gebrauchte mehr als eine volle Stunde, um die Piazza Colonna zu passircn. Am Montag, Vormittags 10 Uhr fand in der Sankt Bernhards-Kirche ein feierliches Requiem
Se» Weihrchtsfchs Leg».
„Vater, ich fürchte mich sehr. Hörst du nicht da» Heulen des Sturmes und wie der Schnee an die Fensterscheiben schlägt?"
„Schlaf, mein liebes Kind, schlaf nur jetzt; morgen wird sich der Himmel schon wieder ausklären und das Unwetter vorüber sein."
„Ach, ich kann nicht schlafen, Vater, ich hab' so arge Schmerzen."
Diese Worte waren ein Stich in das Herz des armen Vaters. Er faßte die kleine Hand des Kindes und drückte sie an seine Lippen, dabei den Kopf senkend, den eigenen Schmerz zu verbergen.
Ach, schon so viele Nächte konnte die kleine Angela nicht mehr schlafen. Eine hartnäckige Krankheit, die sie von ihrer Mutter geerbt, hatte sie ans Bett gefesselt. Ein schmerzlicher Husten rang sich jeden Augenblick aus ihrer Brust, während auf dem lieblichen Gesichtchen große Schweißtropfen infolge der.Anstrengung perlten.
Armes Kind! Armer Vater! Er hatte auf der Welt nichts als seine Angela. Wie liebte er sie, wie war er um sie besorgt. Das Herz der verstorbenen Mutter schien in f-in Herz ausgegossen zu sein, denn mit doppelter Liebe hing er an dem Kinde, seitdem der Tod ihm seine Gattin geraubt. Und nun sollte auch Angela, sein Einziges, sein Letztes ihm entrissen werden. Er hatte die gelehrtesten Aerzte zu Hilfe gerufen und ihnen gesagt: Retten Sie mein Kind und die Hälfte meines Vermögens gehört Ihnen. Allein die Aerzte hatten hoffnungslos mit den Achseln gezuckt.
für den verstorbenen Bürgermeister statt. Auch der soeben erst aus Rumänien hier eingetroffene älteste Sohn des Verblichenen, nahm mit der Familie, Abordnungen des Stadt- und Gemeinde- rathes, der Behörden und vielen persönlichen Freunden der Familie an demselben theil. Die Hinterlassenschaft Ruspoli's wird auf etwa 3 Millionen Lire geschätzt. Bis zur Wahl eines neuen Bürgermeisters, welcher der Tradition nach immer ein römischer Fürst oder Patrizier sein muß, führt der Affeffor (Stadtrath) Galuppi die Geschäfte.
Das Parlament hielt gestern keine Sitzung ab. — Der König setzte seine Empfänge der auswärtigen Diplomaten fort. Diesmal hatten sich die Gesandten von Schweden und Norwegen, Baron Bildt, der Schweiz, Dr. Carlin und von Brasilien, Regis de Oliveira im Quirinak eingesunden.
Aus München ist im Vatikan die Nachricht eingetroffen, daß größere Pilgerzüge während des Jubiläumsjahres nach Rom vorbereitet werden. Besonders für den Monat Mai erwartet man eine große Anzahl bayerischer Pilger, welche der Seligsprechung der Crescentia von Kaufbeuren beiwohnen werden, welche mit großem Pomp in der großen Aula über dem Portikus der Peterßkirche durch den Papst vorgenommen werden soll.
Unterrichtsminister Baccelli ist von einem leichten Unwohlsein befallen und konnte dem gestrigen Ministerrath nickt beiwohnen. Ebenso fehlte derselbe bei dem Vortrage der Minister beim Könige, bei welcher Gelegenheit derselbe vom General Pelloux vertreten wurde.
Mas wir vo« unseren Mitarbeitern als Weihnachtsgeschenk erbitten.
(Auch für das Gesammt-Publikum nützlich und angenehm zu lesen.)
Das diesjährige Weihnachtssest ist für jeden Zeitungsmann von ganz besonderer Bedeutung: Es bringt ihm drei Feiertage statt der sonst üblichen zwei; ein Sonntag reiht sich dem Jubelfeste des Jahres an. Dreimal 24 Stunden hinter einander ausruhen dürfen, ausruhen müssen auf Grund des Gesetzes, das will etwas sagen im Leben eines Menschen, deffen Arbeit sonst überhaupt nicht aufhört. Auch das Publikum wird in diesen drei Tagen das Fehlen der Zeitung als des täglichen Hausfreundes empfinden — darum aber auch dieWeihnachts-Nummern „bis auf den letzten Buchstaben auskosten". Weil nun das sicherlich der Fall sein wird, deshalb nehmen wir die Gelegenheit wahr, gerade die vorliegende Nummer zu einer Aussprache zu benutzen, die nicht nur für uns, sondern auch für unsere Mitarbeiter, dadurch aber auch für den gesammten Leserkreis unseres Blattes von der größten Bedeutung ist.
Die Redaktion ist nichts ohne tüchtige Mitarbeiter und zuverlässige Korrespondenten. Solche zu finden, ist darum ihr erstes und ernstes Bestreben. Aber nachdem diese schon gefunden, welche Schwierigkeiten thürmen sich danach roch auf! Zeitung kommt her von „Zeit", eine Zeitung ist eine Schrift, die aus der Zsit für die Zeil geschrieben ist und die darum in möglichst kurzer Zeit auch hergestellt werden muß. Aber
Seit einigen Tagen schien die Krankheit sich zu verschlimmern. Die tief eingefallenen Wangen nahmen schon fast eine Todesfärbung an. Der Vater wich nicht mehr von dem Krankenbett.
Er hatte alle Beschäftigung verlassen und dachte an nichts anderes, als nur, wie er doch den ver- hängnißvollen Augenblick des Todes zurückhalten könnte. O, er war sehr unglücklich, der arme Vater, denn ihm mangelte der beste Trost, den die göttliche Güte dem Unglücklichen zu theil werden läßt. Ihm mangelte der Glaube.
Seit vielen Jahren hatte er den Weg zur Kirche vergessen. Ganz der Welt und ihrer verderblichen Lust hingegeben, war er vom Glaubenszweifel hinabgesunken bis zur Gottesleugnung. Die liberale Politik, der er fein Talent gewidmet, hatte nach und nach jedem religiösen Gefühle die rechte Richtung aus seinem Herzen entfernt. So trat er in das reifere Alter. Er sah sein junges Weib dahinscheiden voll Glauben und Hoffnung, aber selbst dieser Tod war nicht im Stande gewesen, die Gefühle wieder der Gnade zuzukehren. Der falsche Stolz der modernen Freiheit hielt seinen Willen im Dienst schlimmer Freundschaften. Und jetzl ließ Gott abermals seinen Mahnruf an ihn ergehen, indem er kam, um sein Kind von ihm zurückzufordern. In seinem Herzen herrschte, wie int Krankenzimmer, trauriges Schweigen.
Die Uhr schlug 11.
Da durchzitterten laute Klänge die Lust. _ Die Glocken der nahen Kirche ertönten voll und feierlich, um das freudige Ereigniß der heutigen Nacht anzukünden. „Weihnachten!" fangen die Glocken,
die meisten Korrespondenten und Mitarbeiter eines Blattes thun nur herzlich wenig, den Zeitungsmann in diesem seinem Bestreben zu unterstützen. Täglich gehen ihm Manuskripte zu, die so undeutlich geschrieben sind, daher sie nur mit allergrößter Mühe enträthseln kann. Die Eigennamen sind gewöhnlich nur zu errathen, deshalb finden sich auch auf diesem Gebiete die meisten Berichtigungen, da „Räthsel lösen" doch nicht jedes Zeitungsmannes Sache ist. Daß nur eine Seite des Papiers beschrieben sein darf, kann nicht oft genug betont werden. Warum? Weil es immer noch öfter nicht beachtet wird, nicht aus Sparsamkeitsgründen, sondern aus Nachlässigkeit oder Vergeßlichkeit. Aber „quidquid delierant reges, plectuntur Achivi,“ d. h. frei übersetzt, „was die Mitarbeiter sündigen, die Schriftsetzer haben es zu büßen" — so manches „Donnerwetter!" ist darum aber auch schon von den Setzern über jene Zeitungs-Korrespondenten in den Bart gebrummt worden, die noch immer nicht sich daran gewöhnt haben, nur eine Seite des Papiers für ihre Einsendungen zu benutzen.
Ueber „Zeitungsdeutsch" wird in unfern Tagen viel geklagt. Nicht mit Unrecht, obgleich man anderseits mit Recht behaupten darf, daß auch die Presse daran wacker mitgearbeitet hat, die Sprache, die ja nicht gletscherhaft erstarrt ist, zu pflegen und den Sprachschatz zu mehren. Gegen eine Untugend, die sich in den flehten Jahren in den Zeitungen immer mehr und mehr ausbreitet, muß aber Front gemacht werden. Ein Beispiel wird am besten Klarheit darüber geben. Kaum ein Zeitungs-Korrespondent schreibt heute noch: „Der Erfolg der Aufführung war glänzend", er wird vielmehr sich dahin äußern: „Der Erfolg der Aufführung war ein glänzender." Und fo geht es weiter. „Der Brand war ein entsetzlicher", — „der Sturm war ein gewaltiger", oder gar „der Sturm dürfte als ein gewaltiger bezeichnet werden müssen" — statt des einfachen und schönen „es herrschte ein gewaltiger Sturm". Und aus den Zeitungen ist dieser Stil schon in die Schriftsteller-Sprache Übergegangen, wir finden ihn sogar bei denen, die sich zu den Großen rechnen. Um diese falsche, ganz un- deutsche Verbindung zu illustriren: Wer würde nicht lachen, wenn er lesen würde: „Der Mann war ein großer" oder „die Frau war eine kleine", oder „daS Wetter war ein trübes." Hier wieder zu dem guten Alten zurückkehren, ist sicherlich angebracht. Mögen unsere Mitarbeiter hierbei unsere Mithelfer fein!
Ein anderes Sprach unkraut, welches immer schrecklicher sich ausbreitet, liegt in der fehlerhaften Anwendung des Wörtchens „und" als Verbindungswort zweier Sätze. Mit „und" dürfen nur solche Sätze verbunden werden, die wirklich zusammengehören, also gewissermaßen ein Ganzes ausmachen. Dann aber ist zu beachten, daß in dem mit diesem Bindeworte angefügten Satze die richtige Satzstellung beibehalten werden muß, also das Subjekl vor dem Prädikate stehen muß. Gegen diese Regel wird unsäglich oft gesündigt, und man bekommt gar häufig Sätze zu les n wie: „Die Eltern saßen im Speisesaale und aßen die Kinder im Nebenzimmer." Es ist um aus der Haut zu fahren, dieses gräßliche Gewächs jeden Tag mindesters ein Dutzend mal ausrottenzu müssen!
„Weihnachten! Christen, erwachet und eilet zum Fuße des Altars! Jesus ist uns geboren! Kommet und betet das göttliche Kindlein an! Um 12 Uhr beginnt die Christmeffe." Die Stimme der Glocken rief nicht vergebens Denn die Fenster in den öden Straßen erhellten sich eins nach dem andern und schwarze Schatte» bewegten sich hinter den Vorhängen; man machte sich bereit, zur Kirche zu eilen, um der heiligen Messe um Mitternacht beizuwohnen.
Angela seufzte tief und blickte ihren Vater lange mit unbeschreiblicher Zärtlichkeit an.
„Hörst du, Vater?" fragte sie leise.
„Ja! mein liebes Kind, die Glocken hindern dich am Schlafen 1"
,O nein, das nicht, da» nicht . . ."
Und Angela legte ihre Hand auf die Brust, die ein innerliches Feuer fast verzehrte. Dann fuhr sie fort mit schwacher Stimme: „Voriges Jahr, da war ich nicht krank und der Wind wehte nicht so stark. Die liebe Mutter war noch nicht in den Himmel eingegangen. Ach, es war eine schöne Nacht. Vater, ich erinnere mich so gut . ."
Einen Augenblick schloß Angela die Augen, gleichsam um die Erinnerung davon lebhafter in sich aufzufrischen.
„Als die Glocken ertönten," fuhr sie jetzt fort, „war die liebe Mutter aufgestanden, und sie hatte zu Therese gesagt, sie solle mich auch warm ankleiden. O wie war ich froh! Indessen schneite es draußen sehr. Aber Therese nahm mich auf den Arm, schlug ein großes Tuch um mich und trug mich bis zur Kirche. O Vater, war das
Nun kommen wir zu einigen stehenden Rede Wendungen, die den Zeitungsmann oftmals schon geradezu zur Verzweiflung gebracht haben. Wer nur das schreckliche „voll und ganz" wohl zuerst gebraucht haben mag? Jedenfalls hat er es als Lückenbüßer verwendet, dabei aber in seiner Unschuld sicherlich nicht geahnt, welch' Unheil er damit anrichtete, denn jetzt ist jeder Redner „voll und ganz" überzeugt, jeder Parlamentarier tritt voll und ganz" für feine Partei ein, jeder Sänger ober Schauspieler thut „voll und ganz" seine Schuldigkeit. . . mit einem Worte, „wer ist heute und was ist heute nicht „voll und ganz"? Darum, wer es gut meint unter unseren Mitarbeitern mit der Redaktion, er thue „voll und ganz" das Gelübde und halte es nicht minder „voll und ganz": niemals wieder in einer seiner Zuschriften dieses abscheuliche, in jeder Beziehung „voll und ganz" zu gebrauchen. Unfern Dank zuvor!
Jetzt aber, wer naht da? Trübe ist sein Antlitz, Wolken lagern auf seiner Stirn, feucht sind die Fußspuren . . . . Sei gegrüßt, „Jupiter pluvius!“ Eigentlich sollen wir ihn Haffen und verabscheuen, denn wie oft nicht schon hat et uns gekränkt, wenn er sich in die Spalten unseres Blattes zu drängen versuchte. Im Tibull tauchte er zuerst auf, Goethe aber hat ihn danach in seinem „Wanderers Sturmlied" der Allgemeinheit „vermenschlicht" — und nun droht „Jupiter pluvius“ am Himmel, wenn ein Turnfest gefeiert wird, es wird um des „Jupiter pluvius“ Gunst gebuhlt, wenn zum Wettkampfe dieSängerschaaren eilen, nun „lächelt" sogar „Jupiter pluvius“ — welch' schrecklicher Unsinn — wenn die schmucke Feuerwehr ihre Uebung hält. . . EineHekatornbe wollen wir opfern, wenn uns in ihren Berichten unsere Mitarbeiter nicht wieder den „Jupiter pluvius“ auf ben Hals laden würden. Warum nur nicht das schöne deutsche Wort: „Es regnet" ober „goldig lacht die Sonne am Himmel?" .....Zum Henker mit dem „Jupiter
pluvius!“
Tief gebückt schleicht daher ein müder Greis, die Kniee scheinen ihm zu wanken, jetzt blickt er auf, wohin er gehen soll — nun nimmt er die Richtung auf uns — was schleppt er mit sich? Keiu Jrrthum, Vögel find es . . . wehe unserer Zeitung — der Mann „trägt Eulen nach Athen". ODu, der blauäugigen Athene Wappenthier, was hast Du verbrochen, daß Du ein „passiver Ahasver" nicht zur Ruhe kommst? Jedesmal, wenn unter unserem Blaustift die „prächtige" Redewendung „Es hieße Eulen nach Athen tragen" erstirbt, hören wir im Geiste Dich krächzen, schwermüthig drohend krächzen, wie wir Dich vernahmen zur Jugendzeit, als wir in der Ruine des alten Schloßthurmes in der Heimath in später Abendstunde die ersten Rauchstudien betrieben. Em Freudenfeuer wollen wir anzünden, himmelhochsprühend — zu Ostern — aus allen Manuskripten, die inzwischen im Papierkorbe sich angesammelt haben, wenn unsere lieben Mitarbeiter sich verpflichten wollen, niemals wieder „Eulen nach Athen zu tragen". Das Wort soll gelten! . . .
Ein Anderes: Wir leben nickt nur im Zeichen des Verkehrs, nicht nur im Zeichen des Schlagworts, viel mehr noch leben wir im Zeichen des Zeitungs-Superlativs. O dieser
schön! So viele Lichter ... so viele Blumen standen um die Krippe. Und die Glocken tönten so prächtig alle zusammen und es wurde gar hübsch gesungen. Mutter und Therese gingen mit mir bis oben an die Krippe und Mutter zeigte mir ein kleines Kindchen, welches da auf bene Stroh schlief. O, bas Kindchen war so schön, so lieblich. Es sah mich lächelnd an, und von der Zeit an hatte ich es so lieb . . ., ach, ich möchte es so gerne noch einmal sehen . . ."
„aber, liebes Kind, das ist ja nicht möglich; hörst du nicht, wie es draußen stürmt und schnett?"
„Es schneite auch voriges Jahr!"
„Ja, aber damals warst du nicht krank." „Das ist wahr", seufzte Angela traurig.
Die Glocken schwiegen jetzt. Man hörte, wie draußen der Schnee unter den Füßen der Vorübergehenden knirschte. Von Zeit zu Zeit öffnete und schloß sich geräuschvoll eine HausthÜr.
„Vater", begann plötzlich Angela wieder, „ich möchte so gerne wissen, ob das liebe Jesukmbchen auch dieses Jahr wieder in der Kirche ist."
„Ganz gewiß ist es dort."
„Woher weißt du denn daS?"
„Nun, es ist doch ohne Zweifel alle Jahre dort."
„Hast du es denn auch schon gesehen, Vater?" „Gewiß, mein Kind, aber es ist lange her!" „Ach", fuhr Angela fort, indem sie die Händchen bittend faltete, „wenn du doch wolltest . . . ., wenn du doch wolltest."
„Sprich, liebes Kind, sprich schnell, waS wünschest du?"