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mit Anterhatlungs-Aeikage „IDl^rirle Sonntags-Aeilung" prirrszaS« Hf. r CExrrmonie).

Jutöcr, Samstag, den 2. Dezember 1899.

M 276.

Kochen-Rundschau.

lRachdruck verboten.)

X Fulda, 2. Dezember.

Der Kaiserbesuch in England ist vorüber. Mittwoch früh hat die kaiserliche Yacht „Hohen- zollern" von Port Viktoria aus ihren Kiel heimwärts gekehrt, zunächst nach Vlissingen, wo die jugend­liche Königin der Niederlande mit ihrer Mutter das deutsche Kaiserpaar empfangen hat zu kurzem Be­suche. Am Donnerstag ist das kaiserliche Paar wieder in Potsdam angekommen. Die Dauer dieses Besuches ist also, wie man sieht, im Vergleiche zu dem ur­sprünglichen Reiseplane abgekürzt worden; auch der musikalische Empfangsgruß, womit Kaiser Wilhelm nach seiner Landung in Portsmouth von einer eng­lischen Regimentskapelle bewillkommnet wurde, hat ihn nicht zu längerem Bleiben bewegen können. „O Willy, du hast uns sehr gefehlt —" mit der Melodie dieses uralten englischen Volksliedes war der Kaiser in Ports­mouth empfangen worden, und man kann sich vor­stellen, daß der Kaiser mit fröhlichem Lachen über diesen Musikscherz quittirt hat. Daß alle Mühe darauf verwandt worden ist, dem Besuche den persön­lichen Charakter zu erhalten, kann nicht geleugnet wer­den; und es wird in den Blättern, die der Regierung nahe stehen und von dieser bestimmte Weisungen er­halten, wiederholt und in bündiger Form versichert, der Kaiser habe weder eine Einmischung in die Trans­vaal-Dinge versucht, noch seien irgendwelche neuen politischen Abmachungen sonst getroffen worden. Gleich­zeitig wird versichert, daß der Kaiser über die Art feinet Empfanges in England sich sehr zufrieden aus­gesprochen habe; und somit kann man die Akten über diesen Fall beruhigt mit der Empfindung schließen, daß der Besuch, so wenig volksthümlich er in Deutsch­land gewesen ist, beim deutschen Volke keine unange­nehmen Gefühle zurückläßt.

Der Reichstag hat die Novelle zur Ge­werbe-Ordnung in zweiter Lesung durchberathen. Im allgemeinen hat das Plenum des Reichstages die Vorschläge angenommen, die die Kommission nach langer und eingehender Vorberathung gemacht hatte. Namentlich zu erwähnen sind die neuen Bestimmungen über die Regelung des Geschäftsbetriebes der Gesinde- vermittler und Stellenvermittler; der Kern des Gan­zen aber — wie Staatssekretär Posadotmky sich aus­drückte — steckt in den Bestimmungen über den Be­trieb der offenen Ladengeschäfte. Auch hier hat der Reichstag die Vorschläge der Kommission gut geheißen: nach vollbrachtem Tagewerke sollen die Angestellten im Ladengewerbe eine Ruhezeit von mindestens 10 Stun­den, in Stödten von mehr als 20000 Einwohnern eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden haben, weil ja die Leute in den großen Städten im allgemeinen viel größere Entfernungen zu überwinden haben von ihren Wohnungen bis zu ihren Arbeitsstätten. Die Mittagspause soll eine Stunde betragen, wenn die An­gestellten im Hause essen, eineinhalb Stunde, wenn die Hauptmahlzeit außerhalb des Hauses eingenommen wird. Im Interesse der Angestellten kann man ja noch weitere Erleichterungen wünschen, worauf im Reichstage namentlich der Centrumsabgeordnete Prof. H>tze hrnwies. Aber es handelt sich hier um die Aenderung von Einrichtungen und Gewohnheiten, die von altersher eingewurzelt sind; und deswegen muß mit einiger Vorsicht zu Werke gegangen werden, damit man nicht etwa genöthigt werde, später den halben Weg wieder zurückzugehen.

Tie Kranken- Versicherung für Heim­arbeiter soll nach neuerlichem Beschlüße des Reichs­tages aus der Novelle zur Gewerbe-Ordnung ausgc-

□ Aus finti verhällgMvrltkn Kißiriss vssrrer Lölrnilll-vttWaltllng

lenkt die Kolonial-Zeitschrift .Kreuz und Schwert' in Nr. 3 di- Aufmer ksamkeit weiterer Kreise. Bis jetzt war die Meinung fest verbreitet, die erste Aufgabe eines christt.chen Staates fei', die Holb- und Ganzwilven unserer Kolonien zu Menschen und Christen zu machen, sie zu guten Staats« bürgern und brauchbaren Mitgliedern der mensch­lichen Gesellschaft zu erziehen. Die Vertreter dieser Anschauung finden sich aber schwer getäuscht: von äußerer Kultur beleckte, überfirnißte Götzendiener und Islamiten — das scheint das Ideal der leitenden Kreise zu sein. Die Kolomalbehörden sind nämlich thälig an der Ar­beit, neben den Missionsschulen, in denen die Religion, naturgemäß die erste Stelle eiiuümmt, religionslose Staatsschulen einzuführen. Den Anfang dazu hat die deutsche Kolonial-Ge- feuschaft gemacht. Die Reichsregierung führt das Werk weiter. In diesen Staatsschulen wird ge­lehrt: Deutsch, Lesen, Schreiben, Rechnen, neuer­dings auch Handa beiten, aber von Religion darf keine Rede sein. Die Grundlage jeder Erziehung, die Religion bleibt ausgeschlossen. Heiden und Muhamedaner bleiben, was si« sind. Niemand stört sie in ihrem Wahne. 11 ab auS den Schülern dieser Anstalten wählt man dann Schreiber bei den Behörden, OrtSvorsteher usw., auch Rrkruten der Schutztruppe. Will der Neger also eine gewiffe Karriere machen, so bietet ihm die religionslose Staatsschule dazu ein bequemes Mittel.

schieden und als eine besondere Novelle zur Kranken­versicherung verabschiedet werden. Das wird dann ein klareres gesetzgeberisches Bild geben, als wenn diese Bestimmung bei der Gewerbe-Ordnung belasten würde.

In Braunschweig haben zum ersten Mal Neuwahlen zum Landtage nach dem neuen Wahlgesetze stattgefunden, das der breiten Maste der Bevölkerung ein wenig mehr Betheiligung bei der Wahl zusichert, als das alte Gesetz. Die Sozialdemo­kraten haben große Anstrengungen gemacht, um einige der „Genossen" in den Landtag hinein zu bekommen. Aber alle Mühe ist umsonst gewesen. Nur in der Stadt Braunschweig haben sie es zu einer nennens- werthen Zahl von Wahlmännern gebracht.

Endlich hat in der belgischen Kammer die Ab­stimmung überdas neue Wahlgesetz stattgefunden. Die Mehrheit, mit der dieses neue Wahlgesetz ange­nommen worden ist, ist sehr unbedeutend: sie beträgt nur sieben Stimmen. Das Stimmenverhältniß war 70 Ja zu 63 Nein, und dabei gab es noch 8 Wahl- enthaltungen. Eine eigentliche, wirkliche Mehrheit ist also gar nicht vorhanden gewesen. Das neue Wahl­recht beruht auf dem Grundsätze der Berhältniß- wahl, ist aber noch kein vollkommen gleiches Wahl­recht; denn verschiedenen Klasten von Wählern ist es gestattet, mehrere Stimmen abzugeben. Die Sozial- vemokraten wollen auch gegen das neue Wahlgesetz in ihrer Gegnerschaft verharren, so daß man davon noch immer keine vollständige Beruhigung erwarten jkann.

In der französischen Deputirtenkammer hat Herr De lc ass s, der Minister des Auswärtigen, eine Rede über die europäische Lage gehalten, die deswegen besondere Beachtung gefunden hat, weil sie seit längerer Zeit wieder die erste Kundgebung dieser Art gewesen ist. Neue Aufschlüsse kann man aber nicht daraus entnehmen, wenn man nicht das so nennen will, daß der Herr Minister für gut befunden hat, wieder ein­mal eine Verbeugung vordem Revanche-Gedan­ken zu machen. Der russisch-französische Zweibund — so sagte der Herr Minister — gestattet die wei­testen Pläne zu fassen; sie zu Ende zu führen, ist Sache der Geduld, der Ausdauer und der Zeit. Ob Herr Delcasfö selbst dabei an die Wiedergewinnung von Elsaß-Lothringen gedacht hat, kann man nicht aus den Worten herauslesen; aber in Frankreich wer­den sich diese Worte alle Diejenigen so auslegen, denen es so gefällt. Ausiegend kann das für uns Deutsche natürlich durchaus nicht wirken.

Die Verhältnisse in Nordspanien sind noch immer nicht geklärt. Die Steuerverweigerer haben sich zwar von dem endlich energischen Vorgehen der Re­gierung beugen muffen. Aber nunmehr scheint der Generalkapitän Despujols so roh undgewaltthätig eingegriffen zu haben, daß eine neue Beunruhigung der Bevölkerung die Folge davon ist. Eine Menge von Handelsleuten sollen ins Gefängniß geworfen worden- sein, und nach wie vor wird ganz Katalonien unter dem Belagerungszustände erhalten. Der kata- lonische Abgeordnete meinte in der Kammer: der Ge­neralkapitän scheine verrückt geworden zu fein. Der Aufenthalt der Gefangenen wurde sogar geheim gehalten!

In der italienischen Kammer wird es vermuth- lich bald wieder unangenehme Ueberraschungen geben. Die Sozialdemokraten werden bald wieder zu ihrer Obstruktion zurückkehren, und andere Gegner der Re­gierung machen sich diesen Umstand zu nutze, um der Regierung Schwierigkeiten aller Art zu machen. Ein klägliches Ende hat der Plan gefunden, in China gleich anderen Mächten festen Fuß zu fassen; dieser Gedanke ist jetzt vollständig von der italienischen Re- gierung aufgegeben worden.

Das persönliche Eingreifen des Kaisers Franz Joseph hat dazu geführt, daß eine Einigung über die Beiträge dec beiden Reichshälften Oesterreich und Ungarn in dem dafür eingesetzten Ausschüsse erzielt worden ist. Aber kaum war dieses Ziel erreicht, so

WaS wird man damit nun erreichen? Man wird Leute ausbilden, die eine gewisse liebet« legenheit über tbre Landsleute erwerben, die aber in Bezug auf Moral und Sittlichkeit im alten Sumpfe stecken bleiben, ja schlimmer sein werden, als die von Europas übertünchter Höf­lichkeit nicht Berührten. Ei ist eine alte Er­fahrung, die jeder Missionar und Forscher be­stätigen wird: der urwüchsige Neger kann ver- hältnißmäßrg harmlos und zuverlässig fein, der halbziv-lisirte aber nimmt zu den bösen Eigen­schaften, die ihm von Geburt anhaften, noch jene hinzu, die er von den Weißen lernt, und je intelligenter er äußerlich wird, um so gefähr­licher, weil rasfinirter, wird et seiner Umgebung.

Nicht so febt wissenschaftliche Ausbildung, sondern vor Allem Erziehung, religiöse Erziehung tdut dem Neger noch. Ohne christliches Bewußtsein wird der Schwarze wie der Mischling nie das Stehlen, Lüaen, den un­züchtigen Verkehr lasten, Kindermord und Men­schenraub, nach seinen Begriffen erlaubt, werden ihm durch bloße Gesetze nicht abgewöhnt werden, allen Lastern wird er unbedenklich fröhnen. Und solche Subjekte sollen Bürgermeisterpoften und ähnliche Stellen erhalten! Das kann hübsch werden drüben! Sehr richtig ruft genannte Zeitschrift; „Sind wir zu den Heiden gegangen, um heidnische Schulen zu gründen? Um Heiden zu erziehen, gehen wir zu den Heiden!"

Wir dürfen wohl erwarten, daß diese total verfehlten Staatsschulen im Reichstage beim Ko- lonialetat eine gründliche Besprechung und Be­

find die Tschechen zur parlamentarischen Obstruktion übergegangen. Nach wie vor haben sie bei diesem Verhalten keine unmittelbare Unterstützung von den anderen Parteien der parlamentarischen Rechten zu er­warten, und namentlich die katholische Volkspartei und die Polen wollen davon gar nichts wissen. Aber es ist dennoch fraglich, ob es den Tschechen nicht gelingen wird, bei ernstlichem Festhalten an der Obstruktion die Beschlußfassung über die nothwendigsten Finanzgesetze vorläufig zu hintertreiben; und schon das würde ein großer Triumph für sie fein, denn alsdann würde auch das Jahr 1900 beginnen müssen ohne regelrechte parlamentarische Erledigung der grundlegenden Finanz- gesetze- Eine Verständigung über die Sprachenfrage liegt ebenso fern wie bisher schon immer.

In Serbien ist man hoch erfreut darüber, daß Rußland sich wieder dazu herbeilaffen will, eine diplomatische Vertretung in Belgrad einzusetzen. Das entschädigt ein wenig für die Niederlage, die der blöde junge König Alexander in Wien sich geholt hat. Er hatte Lust, eine österreichische Erzherzogin zu hei- rathen; aber in Wien dachte man natürlich ganz an­ders darüber, und so mußte Herr Alexander mit einem Riesenkorbe wieder nach Belgrad heimziehen.

Bei den Neuwahlen in Rumänien haben die Liberalen das Uebergewicht, das sie früher dort hatten, vollkommen eingebüßt. Man sieht, daß der Liberalismus in der ganzen Welt Fiasko macht, daß er überall auf den Aussterbe-Etat gesetzt ist.

Die hohe Pforte steht wieder einmal große Angst aus vor den Jungtürken. In großer Heim­lichkeit sind in der Nacht zum letzten Sonntag in Konstantinopel drei hohe Würdenträger verhaftet wor­den: S a i d B e y, der Präsident der juristischen Ab- theilung des Staatsrathes; F e r d i B e y, Mitglied der Civilabtheilung des Staatsraths; Zia Molla, ein hoher Würdenträger in der muhamedanischen Priesterschaft. Es ist kurzer Prozeß gemacht worden: schon am Montag sind alle drei zu lebenslänglicher Verbannung verurtheilt worden. Angeblich soll es sich um eine Verschwörung gehandelt haben, um den Sultan zu beseitigen. Es ist nicht genau bekannt, ob die Verurtheilten mit den Jungtürken in Verbindung standen; aber man vermuthet es.

Einen hübschen Erfolg hat deutscher Gewerbefleiß in der Türkei errungen: Die Konzession für den Bau der Eisenbahn nach Bagdad ist einer deutschen Finanzgruppe ertheilt worden, die in erster Reihe durch die deutsche Bank vertreten ist.

Im Sudan haben die Engländer einen neuen Sieg über die Mahdisten errungen. Der Khalif ist getöbtet toprben unb mit ihm bie meisten vornehmen Anhänger besselben. Aber Osman Digma ist ent­kommen; unb gerabe ist dieser der gefährlichste von allen. Wer weiß also, ob damit nun die Ruhe für immer hergestellt sein wird.

Römische Briefe.

XI.

□ Rom, 27. November 1899.

Papst Leo XIII. hat den Kardinal Vannu- telli zum Großpönitenziar, sowie die Kardinäle Gotti und Ferrata zu Präfekten der Kongre­gation der Bischöfe und Regularen bezüglich der Ablässe und Reliquien ernannt. Der Generalvikar von Rom wird seinen Posten erst nach dem Kon­sistorium verlassen, zu welcher Zeit dann der neue Titular,Kardinal Jacodini dies verantwortungs­volle Amt übernimmt. Der bisherige Vikar Kar­dinal P a r s e ch i ist bekanntlich für die hohe Stellung eines Vize-Kanzlers der Heiligen Kirche ausersehen worden. Dieser Wechsel in den höchsten Kirchen­ämtern zieht nun eine Unmasse Verschiebungen in den unteren Stellen mit sich, doch hat der hl. Vaier sich die Verkündigung derselben bis zum Konfisto- leuchtung finden werden; es wäre doch zu.stark, wenn man für solche Beförderung des Heiden- thums und Islams die Mtttel von unseren christlichen Steuerzahlern fordern wollte. Wert vernünftiger wäre es, wenn das Reich mit seinen Mitteln die christlichen Missionsschulen unterstützte, wie England es in den Kolonien ohne Unterschied der Konfession thut, wenn es ferner als Vorbedingung für jede öffentl.che An­stellung in den Kolonien das christliche Bekennt- niß von den Eingeborenen verlangte. Das wäre eines christlichen Staates würdig und würde gute Früchte tragen. Daß die Missionsschulen vor- trefflich wirken, ist ja oft genug amtlich an­erkannt worden, um so weniger ist es zu ver­stehen, daß die Regierung ihnen durch religions- lose Konkurrenzschulen die Zöglinge abwendig macht. Bereits bestehen in Ostafrika allein 22 dieser Anstal-en; nach einer jüngsten Verfügrng des General-Gouverneurs sollen die Bezirksämter besonders die Häuptlinge und einflußreichsten Eingeborenen veranlassen, ihre Söhne zum Be­suche anzuhalten resp. in die staatlichen Internate zu schicke». Sieht das nicht aus, als ob man beabsichtige, die Einführung des Christen- thums hintan zu halten? „Religion ist Nebensache, lernt nur Deutsch lesen, schreibe« und rechnen, dann steht Euch der Weg zu Ehren und Reichthum offen" — das verkünden die staatlichen Schulen ins La,.d hinein und prä- miiren damit geradezu das Heidrnthum und den Islam mit all' ihren Abscheulichkeiten. Einer Kolonialpolitik, die die Christianistrung jener Gr-

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26. Jahrgang,

riurn Vorbehalten. — Die Feste des 500jährigen Jubiläums der deutschen Nationalkirche ä. Maria dell’ Anima haben gestern ihren wür­digsten Abschluß gesunden. Am Tage vorher hatte man im Beisein der deutschen Kardinäle unb des österreichischen Botschafters das Fest der Kirchweihe gefeiert. Gestern früh nun spendete Kardinal Steinhuber an viele Hunderte von Deutschen die hl. Kommunion. Ein feierliches Tedeum schloß dieses ehrwürdige Jubiläum, welches Dank der vom Rektor Apostol. Protonator Dr. Nagl per­sönlich geleiteten Vorbereitungen auf das allerbeste und würdigste verlaufen ist.

Leo XIII. empfing heute den Kardinal Ja- cobini, sowie mehrere Prälaten der Kurie und arbeitete sodann mit dem Staatssekretär Kardinal Rampollo. Dieses ertheilte dem neuernannten Nuntius in Brüssel, Monfignor Granito bi Belmonte in Beisein mehrerer Kardinale und einer großen Anzahl von Mitgliedern der römischen unb neapolitanischen Aristokratie die Bischofsweihe. Eine Tafel von 300 Gedecken schloß sich der feierlichen Handlung an. Der Diplomat, welcher vorher Auditor der Pariser Nuntiatur war, wird sich in den nächsten Tagen auf seinen neuen Posten be­geben. Mgr. Belmonte war seiner Zeit mit unter den Kandidaten für den erzbischöflichen Stuhl von Neapel viel genannt worden.

Die heutigen Blätter melden, daß der der­zeitige langjährige erste Generaladjutant des Königs, PonzioVäglia, welcher nach dem Altersgrenzen-Gesetze im nächsten Monat in Nicht­aktivität übertreten muß, in dieser seiner so wich­tigen Stellung vom italienischen Botschafter in Berlin, General Lanza, abgelöst werden wird. Zum Berliner Botschafter würde dann der gegenwärtige kommandirende General des Armee­korps in Ancona, General Luchino del Mayno, ausersehen werden. Der General Ponzio Vag- lia fungirt schon seit vielen Jahren als Leiter des Ministeriums des Königl. Hauses und dürfte bal­digst zum definitiven Titular desselben ernannt werden. — Nach und nach sind jetzt fast alle Diplomaten mit ihren Familien nach Rom zurück­gekehrt. Der preußische Gesandte beim Va ikan hat seine Residenz im Palais Odescalchi am Korso aufgeschlagen und über dem Balkon prangen das päpstliche und das preußische Wappen nebenein­ander. — In der Consulta beim Minister des Aeußern Biseonti-Venssta fand gestern eine wich­tige diplomatische Besprechung statt. An derselben nahmen der Gouverneur der afrikanischen Kolonie Martini, Sir Bennell Rood, der eigens aus Kairo hierher gekommen war, sowie der großbritan­nische Botschafter Currie theil. Es handelte sich um die in Folge der Abtretung Kaffala's nothwendig gewesenen neuen Grenzen zwischen der italienischen Kolonie und den benachbarten englischen Be­sitzungen. Dieie Verhandlungen wurden bisher zwischen dem Gouverneur Martini und der diplo­matischen Agentur von Großbritannien in Kairo geführt. Die letztere benutzte aber die Anwesen­heit des Gouverneurs in Rom und sandte ihren Sekretär Sir Rennell Rood hierher. Die sen­sationslustigen Blätter benutzten bereits die An­wesenheit deS englischen Diplomaten, um Gerüchte als Ersetzung der durch den Krieg engagirten englischen Truppen durch italienische, und ähnliches mehr zu verbreiten, was natürlich alles ins Reich der Fabel gehört.

biete nicht bloß nicht fördern, sondern hemmen will, kann kein christlich denkender Mensch zu­stimmen.

In der letzten Nummer der ,Deutschen Ko- lonial-Zeitung' wird als dringend nothwendig bezeichnet, die dünn gefäete Bevölkerung zu ver­mehren, um die Bewirthschaftung rentabel zu machen. Als Grund der schwachen Bevölkerungs­ziffer werden ganz richtig der Kindermord und andere Laster und Verbrechen angeführt. Da­gegen sind die Gesetze aber so gut wie machtlos, nut bie Religion kann da helfen. Man sehe doch, wie schnell die von den Missionaren angelegten und beaufsichtigten Christen­dörfer sich bevölkern, wie dort mit zarter Sorgfalt das Leben des Kindes gehegt und ge­pflegt wird. Da liegt das Geheimniß offen zu Tage: nur christliche Ehe und christlicher Sinn sind im Stande, das zu bewirken, was in der .Kolonial-Zntung' als unerläßlich nothwendig gefordert wird. Daß unsere Kolonial-Behörden das nicht längst eingesehen haben, ist sehr be­fremdlich; hoffentlich hat man in den leitenden Berliner Kreisen befferes Verständniß und schützt unser christliches Land vor der Schmach, Vorkämpfer des Heidenthums und Islam zu werden.

Dem genannten Blatte aber gebührt das Ver­dienst, die allgemeine Aufmerksamkeit auf einen für die ganze Zukunft unserer Kolonien so folgen­schweren Mißgnff der Verwaltung gelenft zu haben.

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