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26. Jahrgang

HL 275.

S Der Ladenschluß.

acht Stunden.

Die Gegner des Ladesschluffes finden sich hauptsächlich bei den Freisinnigen und bei den Freikonseroativen; und wiederum sieht man, wie so oft schon vorher bei sozialpolitischen Reformen, den Freiherrn von Stumm Arm in Arm mit den Mannen um Richter und Rickert gegen die Anträge der Kommission anmarschireu. Eine sehr eigenartige Auffasiung entwickelte der freikonser­vative Abg. von Tiedemann, der darin eine ungerechte Bevormundung von Geschäftsinhabern erblicken will, daß man ihnen die Wohlthat ver- schafft, frei zu werden von dem Drucke der Kon­kurrenz, den der Centrumsabgeordnete Profeffor Hitze außerordentlich treffend als eine Last be­zeichnete, die häusig genug bis zur Unerträglichkeil sich steigert.

Als die Kommission ihre Brschlüffe gefaßt hatte und diese bekannt geworden waren, erschien in der Presse der Regierung und in freisinnigen Blättern die Behauptung, eS würde sich bald ein Sturm von Petitionen erheben gegen diese Be­schlüsse der Kommission. Aber alle diejenigen, die derlei behaupteten, haben sich gründlich ge-

täuscht; die Sache ist ganz anders gekommen. Es ist nämlich beim Reichstage eine einzige Pe- tition in diesem Sinne eingelaufen; dagegen ist die Zahl der anderen Bittschriften ziemlich groß geworden, die im Gegentheil darum ersucht, es bei den Beschlüffen der Kommission zu belaffen. Also auch diese Erscheinung spricht für die Rom- Mission und ihre Anträge und gegen diejenigen, die aus Abneigung gegen einen strammeren Zug in der Sozialreform oder aus anderen Gründen den Geschäftsinhabern und ihren Angestellten die Wohlthaten nicht zukommen lassen wollen, die ihnen die Kommission des Reichstages in der richtigen Erkenntniß der Dinge zu Theil werden laffen will.

Bisher hatte man angenommen, die Regierung werde die Anträge der Kommission und namentlich einen allgemein gesetzlich vorgeschriebenen Laden­schluß um 9 Uhr Abends nachdrücklich als unan­nehmbar zurückweisen; und noch in der Sitzung des Reichstaaes selbst, in der über den Ladenschluß verhandelt wurde, sprach ein freikonservativer Red­ner diese Erwartung aus. Ader auch diese Er­wartung ist nicht erfüllt worden: Staatssekretär Graf Posadowskp hat zwar von neuem ver­sichert, daß er nach wie vor die Bestimmungen der Regierungsvorlage für bester halte, als die Anträge der Kommission; aber der Staatssekretär hat sich wohl gehütet, eine grundsätzliche Ablehnung der Anträge der Kommission auszusprechen. Er hat sich im Gegentheil sehr vorsichtig ausgedrückt und gesagt, die R.gierungen würden sich die Festsetzung ihrer Stellungnahme bis nach der dritten Lesung

für sich haben.

• Die Schmtztrmppe wm Ksmer«« soll verstärkt werden. Man will an einigen Plätzen im Innern feste militärische Srützpunkte errichten, und um nun an der Küste die nothwendigen Kräfte zu behalten, soll die Schutztruppe um min­dest ns 100 Manu verstärkt und auf zwei Kom­pagnien von je 250 Farbigen gebracht werden. Nach den unangenehmen Erfahrungen der letzten Zeit, namentlich der Zerstörung der Miffions- station Kribi und der Ermordung des Leutnants von Queis, ist eine solche Verstärkung ohne Zweifel zu rechtfertigen.

+ Die fach tische« Kisemöahnen werfen schlechte Erträge ab. In der sächsischen Kammer hat Finanzminister von Watzdorf die Erklärung abgegeben, daß „zwar der Ver­kehr auf den sächsischen Staatseisenbahnen und iu Folge davon deren B rutto-Srnnahmen in den letzten Jahren außerordentlich zuge­nommen haben, die Netto-Einnahmen dagegen in beständigem Rückgänge begriffen seien". Dieses Jahr werde wahrscheinlich nur eine Verzinsung von 3,97 v. H. des in den sächsischen Staats- bahnen angelegten Kapitals ergeben, und der Fmanzminister ist der Ansicht, man werde dem­nächst wohl dahin kommen, daß die Steuer­zahler für einen Fehlbetrag im Bahnbetriebe würden nuffommen müssen. Deswegen mahnt der sächsische Finanzminister, von dem Bau vieler neuer Nebenlinien abzusehen, da diese er­fahrungsgemäß nur schlechte oder gar keine. Er-

au(ba und auS-

AtSlM.bOPs.

vorbehalten.

Dem entsprechend sind nun auch im Reichstage die Anträge der Kommission in ihren wesentlichen Zügen angenommen worden. Nun die eine Be­stimmung ist gefallen, auch einen Ladenschluß zur Mittagszeit einzuführen. Wird dann der allge­meine Ladenschluß um 9 Uhr Abends Gesetz, dann wird sich das Publikum ebenso rasch daran ge­wöhnen wie ehemals an die neue Sonntagsruhe.

Dextsche» R^ch.

Berlin, 30. November.

+ Zt-Ser He ^arlaments-AuTöfuttgeu schreiben die ,Berl. Reuest. Nachrichten' genau in dem Sinne der Darauf gegangen en Aus­führungen in der,Fuld. Ztg.': „Die Spielereien einiger nationalliberaler Blätter mit einer Aus­lösung des preußischen Abgeordnetenhauses werden von der Preffe keiner Partei ernst ge­nommen. Ueberall stimmt man in der Auf­fassung überein, daß eine etwaige Ablehnung der Flottenvorlage wohl zu einer Auflösung de« Reichstages führen könnte, daß aber gerade des­halb "an eine Auflösung des Abgeordnetenhauses nicht zu denken fei." Die .Kölnische Zeitung' schwelgt aber nach wie vor in allerhand theilS grausigen, theils lächerlichen Phantasteen über die gleichzeitige Auflösung beider Parlamente.

X Der „Imkk Mremtz" ist noch immer nicht klar gestellt. Es handelt sich dabei, wie bekannt, um einen jüdischen Privatdozenten in der juristischen Fakultät der Berliner Universität, Dr. Preuß, der auch Stadtverordneter ist und als solcher in

• gsSvahwe btt S-n--°ndFe^. Lat. 8tertd}äf)tL

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Jutöa, Freitag, dm 1. Dezember 1899.

sitzen," fuhr Rink fort, „will ich Euch nicht hinran- halten, was ich hier soll."

Die Ohren Beider schienen sich zu verlängern, i „Se. Hoheit brennt vor Begierde, hiecherzu- kommen." »

„Glaub's wohl," meinte der Bogt mit der Zunae schnalzend.

, Es wird freilich noch eine Weile dauern."

,^Gott fei Dank!" feufzte Olaus Petri tief auf.

„Weshalb?" fragte Rink.

„Ach, der König hat mir da eine sehr harte Nuß zu knacken gegeben! Ich komme gar nicht zu dem Fräulein."

Rink horchte hoch auf; das »ar ihm voll­ständig neu.

„Warum nicht?"

„Die Dame läßt mich nicht vor."

„Warum denn nicht?"

„Mir scheint," polterte der Bogt heraus, „Hochwürden ist gleich mit der Thüre in’» Haus gefallen; und so bat sie etwas gemerkt!"

Olaus warf ihm einen giftigen Blick zu. „Durchaus nicht! Nein," tief er entrüstet. „Ich habe ganz im allgemeinen gesprochen, daß Jeder dem König gehorchen müffe; bann bin ich sehr vorsichtig näher gekommen, ich habe nur ange­nommen, der König begehre nach ihr, und wollte Ihr aus der Schrift beweisen . . . . "

„Was denn?"

„Daß sie sich ihm nicht widersetzen dürfe

„Ja, das war sehr plump," erwiderte Rink, den Humpen auf den Tisch stoßend, und blickte den Geistlichen mit zornfunkelnden Augen an.

- „Ihr habt ihr also in's Gewiffen reden wollen

Parlamentarische Nachrichten.

• Dir geschäftlichen Starre des Aeichs- tages für die nächste Zeit sind immer noch nicht bestimmt festgesetzt. Neuerdings gewinnt mehr der Plan an Wahrscheinlichkeit, nach der Novelle zur Gewerbe-Ordnung, noch sofort die „lex Hemtze vorzunehmen und nur am 8. und 9. Dezember die Plenarsitzungen ausfallen zu laffen. Die erste Lesung des Etats würde sodann am Montag 11. Dezember beginnen, und nach der Beendigung dieser würden die Weihnachtsferien anfangen. Diese sollen bis zum 9: Januar nächsten JahreS dauern.

ft Das Telegraphen Wege Hesetz rst am heutigen Donnerstag von der 14. Kommission des Mittags durchberathen worden. Der § 6 ist von der Kommission nach dem Vorschläge der ttntetlommiffton angenommen worden, nachdem Staatssekretär von PodbielSki erklärt hatte, er werde diesen Vorschlag den verbündeten Regie­rungen zur Annahme empfehlen. Die Paragra­phen 7 bis 9 wurden nach der Regierungsvor­lage angenommen, § U in einer nach einem An- trage des Abg. Förster-Sachsen veränderten Fassung Es handelt sich bei diesem Paragraphen um die Beaufsichtigung und vorläufigen Wieder-

der Berliner Stadtverordneten-Versammlung die bekannten Verdrehungen religiöser Citate flch leistete. Im Auftrage der Kaiserin schrieb deswegen Frei­herr von Mirbach an den Vorsteher der Stadt­verordneten-Versammlung den bekannten Bnes. Außerdem soll er aber auch ein ähnliches Schreiben an die juristische Fakultät der Berliner Universität gerichtet haben, der Dr. Preuß angehört. Und darüber besteht bis zum heutigen Tage noch immer :<tne Klarheit — als ob die ganze Berliner Uni­versität hinter chinesischen Mauern verschanzt wäre. Ein Ofsiziofus bringt zwar heute eine längere Schreiberei über den geheimnißvollen Fall ; aber darin ist nur in sehr umständlicher Redeweise dar- gelhan, daß der Fakultät das Recht zusteht, ohne weiteres einem ihrer Angehörigen einen Tadel zu geben. Dieses Letztere ist also ohne Zweifel ge- che^u, und sicherlich auch mit Recht; und daß das lefchehen kann, weiß man doch längst ganz genau. Nur darüber, ob nun eigentlich Freiherr hon Mir- bach auch an den Rektor oder an die iuriftifclje Fakultät der Universität geschrieben und zur Ver­hängung eines solchen Tadels aufgefordert hat, erfährt man auch an dieser neuesten osfiziöfen Orakelsprecherei nichts. Warum in aller Welt ver­fährt man dabei so außerordentlich geheirnnißvoll?

® Kein- WeiKmg der Stadt N-rkr» _ so versichert nochmals die ministerielle ,Berl. Korrespondenz'. „Wir sind — so schreibt das halbamtliche Organ — in der Lage, oue diese Mittheilungen (von einer geplanten Thnlung der Stadt Berlin in mehrere Kommunen) nochmals als völlig unbegründet zu bezeichnen..." In der ,Fuld. Ztg.' ist neulich schon darauf hmge- wiesen worden, daß die Gerüchte über eine Thn- lunz der Stadt Berlin wenig Wahrscheinlichkeit

träge aiwerftn. Noch andere Gründe, die ver' muthlich gerade für Sachsen zutreffend seien, führte vor einigen Tagen das konservative .Vaterland' für dieses Herabgehen der Tisen- bahnerträgr an: die preußisch e Eisenbahn- Politik, die fortgesetzt bestrebt fei, das sächsische Eisenbahnnetz auS dem Verkehr zwischen Berlm auf der einen und Süddeutschland und Oesterreich auf der anderen Seite auszuschalten. Das ge­nannte konservative Blatt fügte gleichzeitig eine allgemein politische Betrachtung an, die m sehr bitteren Worten gegen Preußen ausklang. „Sicher ist — so schrieb das /Vaterland' — daß die Abneigung gegen Preußen, die in Folge alter, nie ganz vergessener Ver­gewaltigungen im sächsischen Volke lebt . . . in letzter Zeit neue Nahrung gesunden hat . . ." Gerade in Sachsen war diese Art von Partikularismus vollkommen verschwunden. Woher mag es wohl kommen, daß sie von neuen in's Kraut schießt? .

(*)' Als Kandidaten für den Bischofssitz t* Metz hat die liberale Presse in erster Linie den Dornprsbst Dr. Scheuffgen in Trier aus- ersehen. Es ist charakteristisch für die Erfinder dieser Kandidatur, was als besondere Empfehlung dieses Herrn von den Liberalen angeführt roirb. Man höre und staune: „Herr Dr. Scheuffgen soll wissenschaftlich fortgebildet und recht umgänglich sein, ein häufiger und gern gesehener Gast tm Trierer Offizierkafino, lauter Empfehlungen, rote man sagt, für fein Fortkommen, insbesondere nach Metz. Auch in der Kleidertracht pflegt sich Scheuff­gen gewisse Freiheiten zu erlauben, indem er j. B. gern int Havelock erscheint, der die Priesterkleidung völlig verdeckt." Ob Jemand im Offizierkasino verkehrt ober nicht, ob er über der priesterlichen Kleidung einen Havelock trägt oder seine schwarze Uniform auch nach außen hervortreten läßt, — das ' ist für liberale Seelen maßgebend für die Quali­fikation zum Bischöfe!

Im Hinuntergehen rief er den Befehl tn die Küche, Wein und Humpen zu bringen, und lud Rink ein, mit ihm zu kommen. Einen Auaenblick zögerte Rmk; dann spielte ein schalkhaftes Lächeln um feinen Mund. An der Thüre des Hauses ieß ihm der Vogt den Vortritt; und er besann Ich nicht lange, sondern schritt voran, als ob er das selbstverständlich fände.

Im Gemache fand Rink bereits dre vollen Humpen auf dem Tische, und der Vogt stellte ihn dem neuen Schloßkaplan als H^rrn Rrnk, des Königs Dienstmann vor. Um die fleischigen L ppen des Herrn Olaus Petri spielte em ver- standlnßinniges Lächeln, und er verbeugte sich ijpf

Man sprach von allerlei Dingen, und Rink erwähnte dabei wie zufällig seine Fahrten m Deutschland, in Ungarn, in Italien, wo et bis nach Napoli gekommen.

„Ec ist ein Manu vom höchsten Range , flüsterte Olaus dem Vogt zu. .

Allmählig röchet en sich die Wangen, der Wem IÖfle Herr^Rink," platzte endlich der Vogt heraus. „Laßt doch die Maske fallen, Ihr s«d unter guten Freunden; gebt uns kund, wer ^hr seid damit wir Euch die Ehren erzeigen können, die Euch gebühren." __. , ,,

Ich bin Rink und hier ist des Königs Dienst- mann Wer ich sonst bin, Herr, kümmert Euch nicht darum." „„„ , _

,®r will unbekannt bleiben/' flüsterte Olaus, den Vogt unter dem Tische mit dem Bem an­stoßend. ,. ,

Aber well wir so vertraut hier zusammen-

„Ganz, wie mein Auftrag lautete . . .

„Aber es kam zu früh," sagte der Vogt bereits etwas lallend.

„Nun, da bin ich noch gerade zurecht gekommen. Ich werde die Sache zu vermitteln suchen. Ich soll mich eigentlich hier nur von dem Verhalten der Dame mit eigenen Augen überzeugen: ich soll sehen, wie weit alles ist, wie sie ihr Glück auf­nimmt, wie sie sich in die Verhältnisse schickt. Das soll ich möglichst unbemerkt, und darum kam ch als Dienstmann. Ich werde jetzt in nähere Beziehungen zu der Dame treten müssen. Ihr, i>err Vogt, möget daher der Dame gegenüber in etwa- das Geheimniß meines Standes lüften. Für alle übrigen jedoch bleibe ich der Dienstmann Rink und will als solcher behandelt fern."

„Aber Ew. Gnaden können doch kem Hol» hacken oder Pferde putzen?" .

„Ich habe für des Königs Mazestai schon öfter Holz gehackt, als er noch Reichshauptmann war und wohl einmal mit ihm Stroh gedroschen. In den Wechselfälle» des Krieges lernt sich mancherlei, was einem an der Wiege nicht vor- gefungen war."

Dabei streckte Rivk mit dem unverschämtesten Behagen seine hochbestieselten Beine hinaus und blickte mit dem bedeutsamen Kopfnicken ferne Zechgenossen rechts unv links an.

Als die Zecher sich trennten, war man über die Person Rinl's genau so klug wie zuvor, aber Rmk wußte dafür, weich' niederträchtigen Aus- , trag Herr Olaus Petri in Freedeborg auszu- ; führen übernommen, und er beschloß, ihm, wenn sich irgend eine Gelegenheit dazu böte, eine exemp- 1 larifche Zurechtweisung zukommen zu lassen. (F. f.)

Der Reichstag hat gestern, Donnerstag, über benjenigen Punkt in der Novelle zur Gewerbe- Ordnung verhandelt, dessen Bestimmungen am meisten in das allgemeine Verkehrsleben einschnei- den: über den Ladenschluß.

Die Regierungsvorlage, hat einen gesetzlich allgemein vorgeschriebenen Ladenschluß nicht. In der Regierungsvorlage heißt eS nur, daß ein Ladenschluß entweder von 8 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens, oder von 9 Uhr Abends bis 7 Uhr Morgens eingeführt werden kann an einem Orte, wenn mindestens zwei Drittheile der beteiligten Geschäftsinhaber dies beantragen. Und wenn sie es nun nicht beantragen ? Dann bleibt so ziemlich alles beim alten. Denn schon seit einer ganzen Reihe von Jahren ist die Bewegung im Gange, in einzelnen Orten einen gleichmäßigen Laden­schluß um 8 Uhr, oder doch wenigstens um 9 Uhr Abends einzuführen; aber fast nirgends haben die vielfach angestellten Bemühungen zu befriedigenden Ergebnissen geführt. Immerhin gibt es Geschäftsinhaber, die krebsen; und man hat es in vielen Städten beobachten können, daß man von dem bereits eingeführten Ladenschlüsse zu einer früheren Stunde wieder abgehen mußte, weil die Verabredung von einem Theile der Ladeninhaber durchbrochen wurde und die an­deren Ladeninhaber desselben Geschäftszweiges durch die Konkurrenz gezwungen wurden, eben« falls ihre Geschäfte länger offen zu halten. Bei­spiele für solche bedauerlichen Fälle würden sich sofort in ziemlich reicher Zahl anführen lassen. Man ersieht also daraus, daß es zu dem erstreb­ten Fortschritte niemals kommen würde, wenn nicht durch da« Gesetz ein Zwang ausgeübt wird; und man muß eS doch einen recht gelinden Zwang nennen, der nach dem Anträge der Kom- Mission auf die Ladenmhabcr anSgeübt werden soll, wenn durch das Gesetz nur die Zeit von 9 Uhr abendS bis 5 Uhr morgen« als allgemeine nächtliche Ruhezeit vorgeschrieben wird! denn daS ist eine gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von nur

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Historischer Roman von Philipp LaicuS.

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XVII. Frei!

Während Rink mit Notburga ganz andere Dinge verhandelte, als in Freedeborg angenom- men wurde, steckten der Vogt und Herr O»aus Perri über die Persönlichkeit des Neuangekom­menen die Köpfe zusammen. Das Briefchen, das er gebracht, tag auf dem Tische, und der Kanzlei der Universität Upsala behauptete, daß dasselbe von einer im Schreiben nicht ungeübten Hand herkomme. Seinerseits versicherte der Vogt, wie er dem neuen Ankömmling wohl auf den Zahn gefühlt und gesunden habe, daß er die geheimsten Fäden in der Entführungsgeschichte kenne. Es wußte also eine sehr vertraute Person sein.

Daß Rink ein königlicher Dienstmann, etwa ein Trabant oder Söldner nicht war, darüber waren Beide einig. Das deutete schon dre Fassung des Briefes: „Er wird ein königlicher Dienstmann scheinen." Offenbar war er eine Diel hoher stehende Person. . ~

„Das sieht man ihm ohnedies an in Gang, Haltung und Bewegung", versicherte der Vogt.

„Daß eS ein Adeling ist, sieht man ihm an. Habt Ihr je einen Dienstmann gesehen, der fo die Arme kreuzte? Steht er nicht da, wie em Be­fehlshaber?" m ± .

„Gewiß! Gewiß! Herr Olaus Petri, sagte der Vogt, „und ich verstehe mich darauf, ^ch will ihn holen."

mit NnterHattmtgs-Aeilage „Mflrirle Sonntags-Zeitung:' -■tfsx'rs-«.