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FuldaerMZertung

26. Jahrtzang.

IuLöcr, Donnerstag, den 2. November 1899

M 251

Druck und Verla« der Fuldaer »cltnidruckerei petersgaSe klr. 2 (InzHnonie).

königlichen Dragoner in England, und als solchem hatte -er Regimentskommandeur, Oberst Burn- Mardoch, dem Kaiser folgende Drahtmeldung erstattet: „Ich habe die Ehre zu melde«, daß Ew. Mas. britisches Regiment, die könylichen Dragoner, am nächsten Sonntag nach Südafrika an Bord VeS Schiffes .Manchester' abgehen wird." Darauf hatte der Kaiser geantwortet wie folgt: „Entbieten Sie dem Regiment mein Lebewohl. Mögen Sie alle unbeschädigt und wohl zurück­kehre»!" In England hat man nur das Tele­gramm des Kaisers veröffentlicht, ohne hinzuzu­fügen, daß dasselbe nur die Antwort ist auf die Meldung des Regimentskommandeurs, so daß es so aussah, als sei das Telegramm des Kaisers aus dessen Theiüiahme für die Engländer ent­sprungen. Betrachtet matt die Sache genauer, dann sieht man, daß der Depeschenwechsel nicht die geringste politische Bedeutung hat und das Telegramm des Kaisers ss farblos wie mög­lich gehalten ist. Aus dem ganzen Borgange kctnn man aber wiederum entnehmen, wie man n England einen Besuch des Kaisers dort ür englische Sonderzwecke ausbeuten würde, vorausgesetzt, daß ein solcher Besuch wirklich aus- gesthrt wird.

• Sri«; Heinrich von Frentzen wird aller Voraussicht nach im Ansange des Monats Januar seine Heimreise nach Deutschland an­treten. In den ersten Tagen dieses Monats wird der Prinz in Schanghai Wohnung nehmen, den Dezember über vermuthlich in Hongkong bleiben und von dort aus alsdann die Heimreffe antreten. , .

x Der Mesrrch des Zareupaaros berm großherzoglich badischen Ehepaare in Baden- Baden hat nun doch noch stattgefunden, und zwar am heutigen Dienstag. Das Zarenpaar, begleitet von dem großherzoglich hessischen Paare, ist' mit einem Sonderzuge Mittags in Baden- Baden eingetroffen und bis 3 Uhr Nachmittags

dort geblieben.

* Der Prinzregent Luitpold von Mayer« begeht am 1. November d. I. den Tag, an dem er vor 60 Jahren zum Oberst-Inhaber des 1. bayerischen Feldartillerieregiments ernannt worden war. Trotzdem er schon 1825 an seinem 14 Geburtstage zum Hauptmann ernannt worden war, mußte er im März 1839 nach seiner Mündig­keitserklärung den militärischen Dienst von unten auf beginnen und stand beispielsweise, wie die Reuest. Münch. Nachr.' mittheilen, am 1'. April 1839 zum erstenmale Posten vor dem Hause des Generals Frhrn. v. Zoller und zwar in der Hauptmannsuniform. Er widmete sich mit solchem Eifer seinem Dienst, daß König Ludwig I. ihn nach halbjähriger Dienstleistung, am 1. November 1839, zum Oberst-Inhaber des 1. Feldartillerie-Regiment ernannte und ihm bald darauf das Kommando einer eigenen

Transvaal-Sachen gegolten. Der Londoner ,Standard' stellt dies fest, und dieses Blatt kann das wissen infolge seiner Beziehungen zur eng­lischen Regierung. Aber Frankreich soll keine Lust verspürt haben, auf die Wünsche des Grasen Murawiew einzugehen.

über das von den verbündeten Regierungen ver- angte Maß hinaus zu erwirken."

Daßmanin gut konservativen Kr eisen etzt nichts weniger als erbaut ist von dem neuen : Plane, beweist eine Aeußerung der agrarisch- konservativen ,Deu tscden Tageszeitung am Tage nach der Veröffentlichung des Artikels „Zur Flottenfrage" durch die Presse. „Dem । ganzen Plane — so meint das genannte Blatt — fehlt die Begründung. Es ist nicht mit einem Sterbenswörtchen gesagt, welche Ereignisse- das Deutsche Rsich dazu zwingen sollten, die starke Bindung des Flottengesetzes zu lösen . , . Wenn man die Schicksale der früheren Flotten- iläne und des jetzigen Flottengesetzes erwägt, so wird man auch diesem neuen Plane mit dem größten Argwohn gegenüber treten müssen. Wenn innerhalb zweier Jahre die, politische Lage sich so geändert hat, daß das Flottengesetz . . . leichten Herzens über den Haufen geworfen werden muß, so kann sich wiederum in zwei Jahren die politische Lage ebenso ändern, so daß wir dann die Schiffs- >auten wieder beschleunigen und, statt jährlich drei, jährlich fünf neue Schiffe nehmen müssen — und so weiter ins Ungemeffen«, ins Uferlose hinaus. . . «

Eines ist klar: Die Marineverwaltung ist gar nicht in der Lage, auf viele Jahre hinaus sich auf bestimmte Flottenbau­pläne fest zu verpflichten. Das wird sich, halbamtlicher Ankündigung zufolge, auch im nächsten Marine-Etat zeigen, ganz abgefehen von der Marine-Zukunftsmusik der .Norddeutschen Allgemeinen Zeitung'. Denn Material sowohl als auch Arbeitslöhne sind inzwischen erheblich theurer geworden, so daß die Marineverwaltung auch ohne alle neue Zukunstspläne mehr Geld braucht zur Ausführung des Flottengesetzes, als in diesem vorgesehen ist für das bevorstehende Etatsjahr. , .

Der Vorgänger des Staatssekretärs Tirprtz, Admiral Hollmann, erklärte ganz in diesem Sinne am 18. März 1897 wörtlich im Reichs­tage: „Es ist ganz unmöglich, daß Ihnen heute eine Marineverwaltung sagen kann, was wir nach zehn Jahren brauchen ... Sie kann es nur für die Gegenwart Ihnen mit­theilen, und wenn sich nun die Verhältniffe ändern, dann werden sich auch die Forderungen ändern; darüber ist kein Zweifel, meine Herren . .

Was für einen Zweck sollte es nun wohl haben, einen Flottenplan auf sechzehn Jahre hin­aus zu entwerfen und festzulegen, nachdem es sich gezeigt hat, daß nicht einmal ein sechsjähriger Plan innegehalten werden kann? Jetzt bedingen, wie behauptet wird, schon die Erfahrungen iip spanisch amerikanischen Kriege Neuerungen an den Schiffen, die deren Bau vertheuern. Was alles kann sich also im Laufe von sechzehn Jahren ereignen!

R Erscheint täglich, V. M. Ausnahme der k Sonn- und Feier- F tage. Vierteljahr!.

-r,uz»prri» ohne Bringerlohn ^nd Bestellgeld in Hulda und aus- «ärtslM.öOPs.

Batterie übertrug.

X Graf Murarview, der russische Minister des Auswärtigen, ist erst in den allerletzten Tagen nach einem langen Aufenthalte in Paris nach Darmstadt gereift, um dem Zaren sich vorzu­stellen. Wie jetzt bekannt wird, hat sein Aufent­halt in Paris doch auch der Betreibung einer diplomatischen Dazwischenkunft in

werde. Ihr könnt ihm sagen, daß Ihr seine Antwort mir mittheilen werdet. Es ist also durchaus nicht von einem heimlichen Hervorlocken die Rede. Der Bischof darf und soll ganz genau wissen, um was es sich handelt." „

„Warum verweigert,Jhr mir dann die Be­glaubigung?"

„Damit unsere Gegner sich nicht darauf be­rufen können. Versteht mich, Jurl, ich will die Vor­schläge des Königs, so weit sie unzulässig er­scheinen, dem Könige gegenüber bekämpfen. Um das zu können, muß ich wissen, wie weit ich gehen darf. Aber es darf Niemand behaupten können, daß ich meine Kenntniß einer Anfrage bei dem Bischof von Linköping verdanke. Mir gibt der König nach, dem Bischöfe schwerlich. Darum ist Eure Botschaft rein vertraulicher Natur. Ihr führt keine Staatsverhandlungen, sondern Ihr holt nur insgeheim ein Gutachten über theologische Fragen ein, die Ihr dem Bischöfe vorlegt. Ich habe nichts dagegen, ja ich wünsche es sogar, daß Ihr den Bischof über diese ganze Sachlage in Kenntniß setzt.. Ich bin überzeugt, daß er mein Vorgehen billigen werde."

„Ich verstehe Euch, Herr Kanzler", erwiderte Erik. „Und wenn ich nun die Antwort meines Oheims habe, was dann?"

„Hier habe ich Wünsche, von denen ich kaum weiß, ob ich sie Eurer Opferwilligkeit zuttauen darf."

„Nun?"

„Ich wünsche, daß Ihr mich brieflich von dem" Entscheid in Kenntniß setzt und noch eine Weile dort bleibt."

41 Der neue Flottenplan soll nach der ministeriellen ,Berliner Korre­spondenz' einfach ein Artikel der.Norddeut­schen Allgemeinen Zeitung' sein, der nach der Aeußerung dieses amtlichen Organs „nichts weiter thut, als die Möglichkeit vom etatstechnischen Standpunkte aus zu beleuchten, wie Deutschland zu einer starken Flotte kommen kann, welche nach den Worten S. M. des Kaisers bitter noth thut." Auf die Möglichkeit, daß von amtlicher Stelle aus zunächst die Verantwortlichkeit für die Dar­legungen der ,Nordd. Allg. Ztg.' abgelehnt wer­den würde, ist von Anfang an hingewiesen wor­den. Immerhin ist auf dieses kleine offiziöse Fangballspiel wenig zu geben. Wir wissen jetzt genau, was wir vorher nur ahnten, daß es bei dem zuletzt beschlossenen Flottengesetze nicht allzu lange sein Bewenden haben werde; aber nur das hätte man ja auch nicht geahnt, daß der Zustand der Flottenbefriedigung der Regierung so ganz außerordentlich kurze Zeit währen würde.

Es ist sehr interessant, der muchmaßlichen Entwickelungsgeschichte dieses neuesten Flottenplanes nachzuforschen. Wenn man das thut, dann sieht man mit großer Deutlichkeit, daß vor allen anderen diejenigen Zeitungen für eine weitere Verstärkung der deutschen Kriegsflotte gearbeitet haben, die das Interesse der Groß­industrie wahrnehmen. Den Anfang machte schon im Mai dieses Jahres die, Kölnische Zeitung'. Diese empfahl zunächst nur eine Umgehung des Flottengesetzes in dem Sinne, die darm vorgesehenen Neubauten und Ersatzbauten zu beschleunigen. Baid genug aber war das Kölner Blatt von anderen Zeitungen ähnlicher Art überholt, und den Vogel schoflen die,B e r l. Meuesten Nachrichten', das Organ der Krupp-Gruppe, ab, indem sie zu der Behauptung gelangten, unsere Kriegsflotte müßte-verdreifacht werden, um den gegenwärtigen Anforderungen zu genügen.

Auch in der konservativen Parte: tft diese Flottentreiberei als eine Mache in gewinn­süchtigem Interesse derjenigen Industrie aufgefaßt worden, die von den Flottenvergrößerungen das stärkste Verdienst einheimst. Beweis dafür ist eine Aeußerung, die die ,Kreuz-Zeitung' in der ersten Hälfte des Monats Juni brachte. Dort hieß es: „Wer ein wenig hinter die Kulissen sieht, der gewahrt, daß den Schiffsbau- Interessenten in Deutschland schon jetzt bange vor der Zukunft wird. Sie fürchten, dem blanken 'Nichts gegenüber zu stehen, sobald die nach dem festgelegten Flottenplan in Auftrag gegebenen Kriegsschiffe vom Stapel gelaufen sind, da neue Aufträge nicht in naher Aussicht stehen. Mit ffeberhaftem Eifer suchen sie deshalb im Volke und im Parlamente Stimmung zu machen für eine im jetzigen Tempo anhaltende Vermehrun, unserer Kriegsflotte. . . So viel wir sehen, herrscht aber in maßgebenden Kreisen vorläufig wenig Neigung, unseren Wersten neue Aufträge

Instratr: Dir ri«- spalt. Garmond- zeile ober deren Raum 15 Pf., Re­klamen bte Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechen». Rabatt gewährt.

X Ki«e tttfereffottfe Wahl für das preu­ßische Abgeordnetenhaus Hst im fünften Magde- burgischen Wahlkreise (Neuhaldensleben-Wolmir- stedt) stattgefunden. Der bisherige Vertreter des Wahlkreises im Abgeottmetenhsuse, Landrath von Haffelbach, hatte bekanntlich sein Mandat nieder- ! gelegt, weil er nicht gegen die Kanaloorlage stimmen wollte. Bei der Ersatzwahl standen sich nun zwei konservative Wahlbewerber gegenüber, ein Kanalfreund, Bürgermeister Golz in Wolmirstedt, und ein Kanalgegner, Gutsbe­sitzer Himburg-Gogätz. Andere Parteien kommen in dem genannten Wahlkreise bei der Landtags­wahl gar nicht in Betrcht. Bei der Wahl hat der Kanalgegner mit erheblicher Mehrheit den Sieg davon getragen, und das in der Pro­vinz Sachsen, wo gerade der Mittelland-Kanal doch eine große Rolle spielen sollte.

♦ Dio neuen Driefmarkr«. Seitens des Staatssekretärs des Rerchspostamtrs wird bekannt­lich die Ausgabe neuer Postwerthzeichen beab­sichtigt. Die neuen Marken werden, dem,Kl. Journ.' zufolge, voraussichtlich am 1. Januar 1900 in Verkehr gebracht werden Dieselben werden nicht nur auf die bisherigen Beträge — 3, 5, 10, 20, 25 und 50 Pfennig — lauten, sondern sich auch in höheren Werthen bewegen. Es werden nämlich auch Briefmarken von 30, 40 und 80 Pfennig, ferner solche von 1, 2, 3 und 5 Mark zur Aus- gäbe gelangen. Was die auf kleinere Beträge lautenden Postwerthzeichen anbelangt, so werden sie anstatt bisher den Reichsadler das Bild einer Germania zeigen. Die höheren Postwerthzeichen sind mit anderen Emblemen ge­ziert. Die Fünfmark-Marke wird das bekannte große Pape'sche Bild zeigen, das den historischen Moment verewigt, in welchem der Kaiser, die Reichsfahne in der Hand, Die berühmten Worte aussprach: „Ein Reich, ein Volk, ein Gott«. Das Pape'sche Bild weist mehr als dreißig Kopfe auf. Auf den Dreimark-Marken ist die Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms des Großen zur Darstellung gebracht, und zwar ist die Repro- duktion gleichfalls nach einem bekannten Bilde erfolgt. Die Zweimark-Marke zeigt das berühmte Werner'sche Gemälde „Seid einig, einig, etmg«, während auf der Einmark-Marke das Reichspost- gebäude zur Darstellung gelangt. Der Entwurf der neuen Postwerthzeichen ist Professor Roesner zu danken. Es waren große technische Schwierig­keiten zu bewältigen, ehe die Herstellung der neuen Postwerthzeichen in Angriff genommen werden konnte. Die Marken bis zu einer Mark werden durch zwei Buchdrucke, die der höheren Werthe in zweifachem Doppelbuchdruck hergestellt.

O Die Zlovekke zur AnfaKverstcheruug soll nach erneuter Meldung, die früher voraus- gegangene Nachrichten bestätigt, erst nach Neujahr an den B u n d e s r a t h gelangen. Aus dem Rerchs- amte des Innern sollen außerdem an denBundes- ralh und Reichstag keine Vorlagen gelangen,_ so meldet ein Berichterstatter. Wenn das wahr wäre,

Deutsches

Berlin, 1. November.

h Ki«e Depesche des Kaisers wird viel besprochen. Der Kaiser ist Chef der ersten

Gemache ein wohnlicheres Aussehen. Auch befanden sich am Fenster große herabfallende Vorhänge, was in dem Vorgemach nicht der Fall war.

Der Kanzler deutete auf einen Sessel, auf den sich der Jarl niederließ; bann nahm auch er Platz hinter seinem Schreibtische.

„Nun, Jarl", fragte der Kanzler, „seid Ihr entschlossen?"

„Ich bin bereit, mich Eurem Wunsche zu fügen."

„Ich habe es nicht anders erwartet."

„Gebt mir eine Beglaubigung und meine Verhaltungsmaßregeln!"

„Eure Sendung ist keine amtliche, denn ich müßte sie fönst dem Könige mittheilen, und das würde gerade den Zweck Eurer Sendung ver­eiteln."

„Aber ich muß doch dem Bischöfe Nachweisen können, daß ich wirklich Vollmacht habe."

„Nein, das ist meine Auffassung der Dinge nicht'. Jkr begebt Euch zu Eurem Verwandten, um denselben zu besuchen."

„Dann wird auch nicht der Bischof darüber mit mir verhandeln." . ,

„Aber er wird Euch seine Ansicht, rote weit er gehen könne und werde, nicht vorenthalten. Diese Ansicht theilt Ihr mir mit." .

„Das heißt, Ihr wollt mich zum Spion: ich soll aus dem Munde meines Verwandten ver­trauliche Aeußerungen hervorlocken und diese dann heimlich Euch hinterbringeu."

Der Kanzler zuckte lächelnd.die Achseln.

„Auch das ist nicht meine Absicht. Ihr könnt Eurem Oheim mittheilen, daß ich Euch gesendet, um von ihm zu erfahren, wie weit er gehen

„Aber Ihr wollt ja nichts Geschriebenes?«

„Oh, Jarl, Ihr dürft an mich schreiben, wenn Ihr wollt. Nur nehmet darin keinen Bezug aus meinen Auftrag. Wenn ich an Euch schriebe, das wäre bedenklich."

„Hm, auch das andere . . ."

„Wenn Ihr Bedenken habt, so unterlaßt es!«

„Ich meine vielmehr, das Eine sei so unbe­denklich wie das Andere."

„Ihr irrt; daß Ihr oder Euer Oheim mir ein Memorandum über eine schwebende Frage der Reichsverwaltung einsendet, ist sehr unver­fänglich. Daß ich ein solches einhole, ist es nicht. Das Eine darf an's Licht des Tages kommen, das Andere nicht.

„Ihr sendet mich und gleichwohl mißtraut Ihr mir?"

Der Kanzler stand ärgerlich auf.

„Im Gegentheile, Ihr mißtraut mir, Ihr legt meinen Handlungen einen Sinn unter, den sie nicht haben, durchaus nicht haben können. Mein Schreiben an Euch kann in fremde Hände fallen..."

„Da sprecht Ihr es aus! Ich könnte Euch verrathen!"

„Nein, es gibt tausenderlei Zufälle . ."

„Ihr habt Recht," fiel ihm der Jarl ins Wort. „Reden wir davon nicht weiter.« Er gebaute, wie er selbst zu bem Schreiben Peber Bragge's gekommen.

„Ihr wolltet also bei dem Bischof bleiben?«

„Zu welchem Zwecke?"

„Um weitere Verhanblungen zu führen. Ich weiß nicht, ob ich allem Dem zustimmen kann, was ber Bischof aufstellt. Ich sende dann einen

\ mit Zlnlerhaltungs-Aeitage „Zlkustrirte Sonntags-Ieitungtt

Die Rist »sm Wkltnnste.

Historischer Roman von Philipp Laicus.

Zg (Nachdruck verboten.)

Der Diener öffnete eine Thür und bedeutete dem Jarl, einzutreten. Hinter ihm schloß sich die Thüre geräuschlos. Erik befand sich in einem geräumigen Gemache, an deflen Wände Regale angebracht waren, die bis zur Decke reichten. In einer Ecke lehnte eine Leiter. In der Mitte stand ein grünbehangener Tisch, und um denselben mehrere ebenso gepolsterte, mit hohen Lehnen ver­sehene Stühle von Dunklem Eichenholze. Gegen­über der Thüre, durch welche er eingetreten war, lag der Zugang zu einem anderen Gemache, das durch schwere Vorhänge oerschloflen war.

Der Jarl war allein. Doch kaum hatte er sich umgesehen, so hob sich der Vorhang und der Kanzler trat heraus. Lars Anderson trug nicht mehr das ritterliche Gewand wie am Abende vorher, sondern wie gewöhnlich die violette Soutane eines Domherrn von Strengnäs. Seinen Scheitel bedeckte ein kleines Käppchen von violetter Seide.

Ohne ein Wort zu reden, ging der Kanzler auf die Thüre zu, durch welche der Jarl einge­treten, und schob einen nach Sitte der damaligen Zeit schweren Riegel vor; dann deutete er auf das gegenüberliegende Gemach, wohin sich beide begaben. Dies Gemach war ebenso geräumig und mit derselben düsteren Einfachheit ausgestattet, wie bas vorhergehenbe. Doch »erheb ber Umstanb, daß sich Darin ein großer, mit Papieren und Pergamenten bedeckter Schreibtisch befand, dem