Einzelbild herunterladen
 

Inserat«: Die et» spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechens. Rabatt gewährt.

Erscheint täglich, «.Ausnahme der ßoun- und Feier­tage. Bierteljährl. z»,«g»prri, ohne Bringerloh« «,d Bestellgeld in «ulda und aus* LLts1M.5VPf.

26. Jahrgang.

Jutta, Montag, den 30. Oktober 1899.

"■SMSSSiär- mit Zlnterhattungs-Aeilage „Zllustrirte Sonntags-Zeitungs PrterogaSe Ri. 2 (fcannoiut).

Ihr Euch am Wetternsee mit der Jagd vergnügtet, habe ich Tag und Nacht darüber nachgesonnen, wie man über die Forderungen der Lübecker hinauskommt, und keinen Ausweg gefunden. Nunmehr, da die Privilegien festgestellt sind, denke ich nur darüber nach, wie man die Geld­forderungen der Lübecker' befriedigt, damit die Privilegien wieder aufgehoben werden können."

Der Streich faß, und der Jarl biß sich auf die Lippen. Er wußte nichts zu entgegnen.

Der Kanzler that, als ob er die Verlegenheit seines Gegners nicht bemerke, sondern fuhr ruhig fort:

„Die Sache muß also jetzt zum Austrage kommen. Willigt der Papst ein, so ist Schweden und die Religion gerettet, willigt der Papst nicht ein, so gehen mir furchtbaren Drangsalen entgegen."

„Soll ich etwa in geheimer Sendung nach Rom gehen?"

„Das wäre das Beste, wenn wir Zeit übrig hätten."

„Also, was soll ich?"

„Wir haben hier den päpstlichen Legaten; er hat ausgedehnte Vollmachten und kann nament­lich in der Frage, die besonders drängt, in der Kirchensteuerfrage, Zugeständnisse machen. Das Uebrige könnte auf den Weg langsamer Unter­handlungen verwiesen werden."

„Ich kenne den Legaten nicht. Auch sehe ich für Euch kein Hinderniß, direkt zu unterhandeln. Ja, es bedarf seiner nicht einmal. Darüber könnt ihr Euch, wie Ihr wohl wißt, geradezu an die Bischöfe wenden."

„Die Sache hat aber einen anderen Klang, wenn sie von dem päpstlichen Legaten ausgehk.

0 Allgemeines, gleiches, unmittel­bares und geheimes Wahlrecht.

In Deutschland muß Preußen moralische Er­oberungen machen — wahrlich ein schönes Wort! Und es gewinnt noch dadurch, daß derjenige preußische König es gesprochen hat, der berufen war, als erster Kaiser an die Spitze des neu geeinten deutschen Reiches zu treten. Aber die Worte, die Kaiser Wilhelm I. sprach, sind sie nun nach ihm in die That umgesetzt worden? Fürst Bismarck hat einmal gesagt: Wir — nämlich wir in Preußen! — sind dem Süden (Deutschlands) viel zu liberal. Wer möchte heut­zutage dieses Wort wiederholen? Große Heiter­keit ringsum, aber das Lachen des Spottes würde die Folge davon sein. Und davon kann jeden­falls keine Rede sein, daß Preußen in dem Sinne volksthümlicher Politik im deutschen Reiche Er­oberungen mache. Jetzt ist der Süden der preu­ßischen Regierung zu liberal geworden, und im Süden gewinnt in immer weiteren Volkskreisen die Anschauung Boden, daß der Wind, der von Berlin her weht, ein reaktionärer Luftzug sei,

kanzler Vortrag zu halten. Alsdann wurde der Staatssekretär vom Großherzog von Baden empfangen. Freitag kehrte Staatssekretär Tirpitz nach Berlin zurück, und Samstags ist nun die Kundgebung „3ur Flottenfrage" in den Blättern erschienen.

Es ist recht wahrscheinlich, daß Reichs­kanzler Fürst Hohenlohe vorher von diesem neuen Flotteuplane ebenso wenig genaue Kenntniß gehabt hat wie die verbün­deten Regierungen. Herr Minister von Miquel ist augenscheinlich bester unterrichtet gewesen. Die ,Berl. Pol. Nachrichten, die ihre offiziösen Darlegungen hauptsächlich aus dem preußischen Finanz-Ministerium beziehen, bringen bereits Andeutungen darüber, wie die Kosten des neuen Flottenplanes gedeckt werden können. Dieser Offiziosus meint, die Einnahmen aus Zöllen und Steuern stiegen ja fortwährend: was wolle „gegenüber einem Mehr­ertrage allein aus Zöllen und Verbrauchssteuern von 638 Millionen eine Erhöhung der Flotten­ausgaben um höchstens 88 Millionen im Jahre bedeuten —" und dabei sei „die Mehreinnahme aus der mit 1903 zu erwartenden Erhöhung des Getreidezolles, welche mit 6 Millionen Mark im Jahre sicher nicht zu hoch berechnet ist, noch gar nicht in Betracht gezogen . . .

Wenn die Regierungen Geld haben wollen für das Hekr und für die Marine oder für ähn­liche Zwecke, dann wissen ihre Finanzkünstler es stets so einzurichten, daß man glauben möchte, wir hätten „heidenmäßig viel Geld". Dann werden Zahlen frisiert, daß man vor angeblichem Reichthume ganz schwindelig werden könnte. Also auf diese Ziffern ist zunächst nichts zu geben.

Und was nun weiter? Jeder besonnene und berufene Mann sollte nun vor allem darauf bedacht sein, einen Konflikt zu verhüten. Denn ein solcher steht wirk­lich in nächster gefährlicher Nähe.

£ Verdoppelung der deutschen Kriegsflotte.

Die .Norddeutsche Allgemeine Zei» tung' hat Samstag Abend einen hochoffiziösen Artikel „Zur Flotten frage" veröffentlicht, der gleichzeitig unter Hinweis auf das genannte halbamtliche Blatt in einigen anderen Blättern erschienen ist, so u. a. auch in der parteikonser- vattven ,Kreuz-Zeitunq". Wenn man sagt, man sei von dieser Kundgebung aufs äußerste überrascht, so schildert man damit noch nicht ganz genau den Zustand, in den man dadurch versetzt wird. Aber man könnte sagen: man muß fich bei dem Lesen dieser Flottenpläne der Zu­kunst zur Ruhe zwingen, weil diese Flotten­pläne ohne jegliche Begründung entwickelt werden, ohne jeglichen Hinweis auf die Thatsachen und Gründe, aus denen heraus dieser neue Flottenplan entstanden ist. Kurz gesagt: Dieser neue Flottenplan wirft die Bestimmungen deS Flottengesetzes von 1898 voll - kommen über den Haufen und bedeutet der Hauptsache nach, daß unsere Kriegs­flotte bis zum Jahre 1917 auf das doppelte desjenigen Bestandes gebracht wird, der von dem Flottengesetze von 1898 vorgesehen ist.

Wie sagte doch Staatssekretär Tirpitz erst am 30. Januar 1899? Damals schon gingen Gerüchte um, es solle alsbald ein n e u e r Flo t t e n- plan vorgelegt werden. Kontreadmiral Tirpitz leugnete das ganz entschieden ab; er meinte, derlei Segauptungen seien „nicht ernsthaft" zu nehmen. „Ich erkläre ausdrücklich — so sagte damals Herr Tirpitz — daß an keiner Stelle in irgend einer Weise die Absicht hervor­getreten ist. einen neuen Flottenplan Doryilegen; daß röt Gegentheil bei allen in Betracht kommenden Stellen die festeste Absicht besteht, das Flottengesetz auszuführen und die darin vorgesehene Limitirung (Begrenzung) inme zu halten. Also geschehen vor neun Monaten.

Und nun ? jetzt nach diesem kurzen Zeiträume von neun Monaten? Jetzt soll dieses soeben erst genehmigte, mit vieler Mühe und unter heftigster Erregung der Gemüther zustande gekommene Flottengesetz umgestoßen und durch einen neuen, doppelt umfangreichen Bauplan ersetzt werden, der fich bis zum Jahre 1917 erstreckt und, wie schon ttirz angedeutet, in der Hauptsache bewirken würde, daß unsere Kriegsflotte bis zum Jahre 1911 bereits auf das Doppelte des Umfanges vergrößert sein müßte, der von diesem eben erst angenommenen Flottengesetze erst festgelegt wor­den ist.

Zunächst also soll nach diesem neuen Plane die Ausführung des zuletzt angenommenen Flotten­gesetzes ganz erheblich beschleunigt werden. Da­nach sollte von 1901 bis 1903 in jedem Jahre ein Schiff gebaut werden; nach dem neuen Plane

Dir Rose vom Wkttcrnskc.

Historischer Roman von Philipp La icns.

34 ------ (Nachdruck verboten.)

„Ihr versteht es, Eure Haut in Sicherheit zu bringen, Herr Kanzler; Ihr stellt es unserer Einbildung frei, bei allem Ueblen, was ge­schieht, alles mögliche Unheil zu vermuthen, was ansonsten geschehen wäre. Doch erklärt Euch wefter!"

Der Kanzler erhob fich mit einer Geberde lebhaften Unwillens.

„Wenn Ihr von vornherein vermuthet, daß der Kanzler ein Verräther an seinem Vaterlande ist, dann habt Ihr Recht, ihm zu mißtrauen; in diesem Falle brauchen wir nicht weiter zu verhandeln, und ich bedauere. Eure Zeit in An­spruch genommen zu haben."

„Ich wollte Euch nicht beleidigen, Herr Kanzler", sagte der Jarl begütigend. „Ich wollte nur mich wahren gegen den Vorwurf der Oberflächlichkeit."

Beide setzten sich wieder.

„Der König will vor Allem die Meffe in schwedischer Sprache gelesen haben; er verlangt zum Zweiten das Bestätigungsrecht der Bischöfe und die Gerichtsbarkeit Über dieselben; zum Dritten verlangt er eine besondere Steuer auf die Kirchengüter, um die Schuld an Lübeck zu bezahlen ; zum Vierten . . ."

„Noch nicht genug?"

„Forderte er, daß kein Geistlicher um deß- willen feiner Pfründe entsetzt werde, weil er sich der neuen Lehre zuneigt."

vor dem man fich in den meisten Fällen besser in acht zu nehmen habe.

In fast verblüffender Weise wird dieser Unter­schied in der Anschauungsweise im Norden und im Süden Deutschlands von neuem durch eine Berathung dargethan, die in diesen letzten Tagen in der bayerischen Kammer der Abgeordneten statt­gefunden hat. Es handelte fich dabei um das Landtagswahlrecht, in Sonderheit um einen sozialdemokratischen Antrag auf Abänderung des bayerischen Landtags-Wahlrechtes. Der Antrag verlangt, daß das Wahlrecht für die bayerische Abgeordnetenkammer etwa so gestaltet werde wie das Wahlrecht für den Reichstag, also allgemein, gleich, unmittelbar und geheim. Geheim ist die Landtagswahl in Bayern schon jetzt, nur keine Klaffenwahl wie in Preußen; aber die Wahl ist nicht allgemein und nicht unmittelbar. Dennoch ist das bestehende Landtags wahlrecht in Bayern ganz erheblich beffer als dasjenige des König­reiches Preußen, und nichts desto weniger hat die dreitägige Verhandlung in der bayerischen Kammer bewiesen, daß alle Parteien einig sind in dem Grundsätze, das bayerische Wahlrecht müsse etwa so gestaltet werden, wie der sozialdemokratische Antrag es verlangt.

Man hat in Bayern nicht diese unmännliche Furcht vor der Sozialdemokratte, wie in manchen anderen Ländern. Und daher kommt es auch, daß in Bayern die Sozialdemokratie gar nicht so gute Geschäfte macht, wie vielfach anderwärts, namentlich in Preußen und ganz besonders in Sachsen, wo man die Sozialdemokratie nicht anders behandeln könnte, wenn man absichtlich nach dem Grundsätze handeln wollte, der Sozial- demokratte fortgesetzt so viele Anhänger wie mög­lich zuzuführen. Es ist besser — daraus hat in diesen Tagen in der bayerischen Kammer wiederum der Centrumsabgeordnete Dr. Schädler hinge- wiesen — beffer, die Forderungen der Sozial­demokraten würden offen in der Kammer vorge­bracht als in Konventikeln; und der ebenfalls dem Centrum angehörige Abgeordnete Dr. Heim hat ganz im Sinne seiner Parteigenossen in der Kammer gesprochen, als er sagte, er schrecke gar nicht davor zurück, daß noch sünfzehn bis zwanzig Sozialdemokraten mehr in die Kammer hinein- kommen.

Aber nicht nur die Centrumsredner Echaedler, Geiger und Heim haben für den sozialdemo­kratischen Antrag und damit für die Umänderung des bayerischen Landtagswahlrechtes nach dem Muster des Reichstagswahlrechtes gesprochen: dasselbe haben die liberalen Redner Wagner und Aub gethan, von denen der zuletzt Genannte ganz am rechten Flügel der Nationalliberalen marschirt, so daß er im preußischen Abgeordneten­hause wahrscheinlich der freikonseroattven Fraktion angehören würde. Dieser Herr Anb hat am Donnerstag in der bayerischen Abgeordneten­kammer erklärt: „Selbst auf die Gefahr hin, daß das neue Wahlgesetz nur den demagogischen Parteien zu Gute komme, wird die liberale Partei für den Anttag der Sozialdemokraten stimmen." Die bayerischen Nattonalliberalen haben eingesehen, daß die Umstände gebieterisch eine zeitgemäße Umgestaltung des Landtagswahlrechtes fordern, und aus dieser Einsicht heraus urtheilen sie und Nun ist der Legat unbekannt mit den örtlichen Verhältn issen und hat, wie ich sicher erfahren, von Rom die Weisung, in allen Fragen, wo es auf solche Verhältnisse ankommt, mit Eurem Oheim, dem hochwürdigsten Herrn Bischof von Linköping, fich zu benehmen."

„Und darum wäre es von Belang, einen Mann dorten zu haben, dem Schwedens Wohl nicht minder am Herzen liegt als das Wohl der Religion; einen Mann, der etwas beim Bischöfe gilt. Und wenn Ihr dieser Mann fein wollt, so glaube ich, Eurer Frömmigkeit, Eurer Vater­landsliebe und Eurem Scharfblick in dieser so unendlich wichtigen Angelegenheit vertrauen zu können."

„Wahrhaftig, Herr Kanzler", meinte der Jarl, erregt aufspringend, „das kommt mir un­erwartet. Ich gestehe Euch jetzt offen, daß ich mit großem Mißtrauen Eurem Anfinnen ent­gegengesehen habe. Die Wichtigkeit und Zweck­mäßigkeit desselben ist mir völlig klar. Wenn Schweden vor dem drohenden Unheile gerettet werden kann, dann ist es auf diesem Wege. Mein Oheim wird nichts zugeben, was der katho­lischen Religion zuwiderläuft, und Alles für das Vaterland opfern, was geopfert werden kann. Ich sthle auch, daß ich zu dieser Sendung der geeignete Mann wäre. Aber es ist schmerzlich — ich kann nicht."

„Es ist mir nicht unbekannt", erwiderte der Kanzler in ernst bewegtem Tone, „Ihr habt persönliche Gründe, Stockholm nicht zu verlassen, schwerwiegende, persönliche Gründe; ich hab in» dessen geglaubt, in einer Sache, wo das zeitliche

sollen das jährlich deren drei sein. Dann aber soll das so fort gehen bis zum Jahre 1916, ganz abgesehen von den Er- fatzbauten für diejenigen Schiffe, die in der Zwischenzeit unbrauchbar werden. Von 1904 bis 1911 sollen neben sechs Ersatzbauten nicht weniger als 18 Neubauten ausgeführt werden; von 1912 bis 1917 neben 18 Ersatzbauten drei Neubauten. In dem einen Punkte nur nimmt der neue Plan auf das bestehende Flottengesetz Rücksicht, daß die hauptsächliche Bauperiode nach dem neuen Plane erst mit dem Ablaufe des alten Planes anhebt, wenn man nämlich die Bezeich­nung „alt" auf etwas anwenden kann, das vor kaum anderthalb Jahren nach unendlich langen Berathungen zum Gesetze erhoben worden ist und das nach des Reichskanzlers eigener Erklärung am 6. Dezember 1897 auch die ver­bündeten Regierungen binden sollte. Da­mals sagte Fürst Hohenlohe wörtlich im Reichs­tage: „Nehmen Sie den Gesetzentwurf (ebendas jetzige Flottengesetz) an, so binden Sie nicht nur bis zu einem gewissen Grade die Hände, Sie binden sie auch den verbündeten Re­gierungen. Was diese erstreben, zeigt Ihnen der Gesetzentwurf in vollkommener Klarheit. Die jetzt erhobenen Forderungen find so be­messen, daß ihnen gegenüber die Aeußerungen über die angeblich uferlosen Marine­pläne endlich ein Ende finden sollten. Noch mehr: Staatssekretär Tirpitz nannte da­mals das gegenwärtige Flottengesetz „das Pro­dukt einer zehnjährigen angestrengten Arbeit der gesummten Marine."

Und jetzt? Warum gaben denn damals die berufenen Vertreter der verbündeten Regierungen überhaupt erst feierliche ©rtlärungen ab, wenn bereits ein Jahr später doch alles wieder als angeblich völlig unzureichend zum alten Eisen ge­worfen werden soll? Und wie kann man denn jetzt nach diesen Ereignissen noch verlangen, daß der Reichstag und das Volk neuen ähnlichen Er­klärungen irgendwelchen Werth beimeffen? Weiter: wie kann man einer Regierung zutrauen, daß sie einen Plan auf siebzehn Jahre hinaus richtig entwirft, wenn es aber nicht einmal möglich ist, einen Plan in ausreichender Weife auf sechs Jahre zu berechnen?

Der neue Flottenplan ist in der ,Nordd. Allgem. Zeitung' ohne ein einziges Wort der Er­läuterung gegeben. Es fehlt jeglicher Hinweis auf feine Entstehungsgeschichte, auf feinen Ur- sprungsort. Zunächst also enthält diese Zeitungs- Kundgebung keine Verpflichtung für irgendwen. Die ganze Sache geht zunächst amtlich niemanden etwas an, auch keine der verbündeten Regierungen. Die Angelegenheit ist noch nicht einmal im Bundesrathe besprochen worden.

Aber man erräth die Entstehungsgeschichte, wenn man sich die allerjüngsten Ereignisse in« Gedächtniß zurückrust. Staatssekretär Tirpitz befand sich auf einer Dienstreise. Drahtlich wurde er nach Berlin und gemeinsam mit dem Staats­sekretär Grafen von Bülow zu einer beson- dern Berathung zum Kaiser berufen. Dienstag, 24. Oktober, Abends wurden die Herren vom Kaiser empfangen. Mittwoch reiste Staatssekretär Tirpitz nach Baden-Bad en, um dem Reichs-

„Und Ihr, ein katholischer Priester, ein Mit­glied des Domkapitels von Sttengnäs, kommt mit solchen Dingen zu mir, einem einfachen Adeling, der gelernt hat, das Schwert zu schwingen und das Roß zu tummeln ?“

„Darauf verlaßt Euch, Jarl, ich weiß ganz genau, zu wem ich komme."

„Und nun, was soll ich? Soll ich etwa bei Beamwortung dieser Fragen Eurem Gewissen ein Beracher sein?"

Der Kanzler zuckte unmuthig die Achseln.

„In wie weit mein Gewissen hier mitzu­sprechen hat, darüber hoffe ich auch ohne Euern so aufrichtig angebotenen Rath mit mir in's Reine zu kommen. Für mich ist nun Folgendes klar: Alle düse Fragen können gelöst werden mit dem Papste oder ohne den Papst. Im letzteren Falle wird das Land mit dem Interdikte belegt, und wir haben höchst wahrscheinlich den Reli­gionskrieg."

„Ihr könnt das als sicher annehmen, Herr Kanzler."

»Ihr seht demnach, daß ich mich in der Be- urtheilung der Verhältniffe nicht täusche. Mir wäre es nun am liebsten, diese Fragen offen zu belassen und somit den Streit zwischen dem Papste und dem König zu vermeiden."

„Warum thut Ihr das nicht?"

„Weil die Kirchensteuerfrage gelöst werden muß. Die Lübecker müssen bezahlt werden, sonst richten die gewährten Handelsprivilegien das Land in einigen Jahren zu Grunde."

„Warum hat man sie gewährt?"

„Darüber denkt nach, Jarl, und theitt mir den Erfolg Eures Nachdenkens mit. Während

*