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mit Ztnterhattungs-Meikage „Zssullrirte Sonntags-Zeitungs P<ter#5«Se n». a (Bomraie).

M 247. Julöcr, Freitag, den 27. Oktober 1899. 26. Jahrgang.

O Was geht vor?

Die Reise des Grafen Murawiew, des russischen Ministers des Auswärtigen, nach Spanien und Frankreich, hat nothwendiqer Weise viel Beachtung gefunden. Man hat mehrfach an diese Reise die Vermuthung geknüpft, Rußland wolle den Krieg zwischen England und den Buren für seine eignen Interessen ausnützen und suche zu diesem Zwecke einen Zusammenschluß zwischen Rußland, Frankreich und Spa­nien zustande zu bringen. Diese Annahme hat aber recht wenig Wahrscheinliches in sich; und es ist bald genug wieder still geworden davon.

Nachher tauchte die Vermuthung auf, es sei eine Vermittelung der Mächte im Werke, um den Zwist zwischen England und den Buren auf friedliche Weise zu schlichten. Aber auch dieser Vermuthung haben die Thatsachm nicht recht gegeben, und ebenso wenig wird die Rede davon sein können, daß die Mächte noch nach­träglich in diesen Zwist sich einmischen. Deutsch­land, Frankreich und Rußland, so träumen einige Zeitungen, namentlich in Frankreich, sollten gemeinsam eine große Streitkraft zur See nach dem Südosten von Afrika senden, um England daran zu erinnern, daß noch andere Leute als die Buren etwas einzuwenden haben gegen die englischen Gelüste, allgemach ganz Afrika unter englische Oberhoheit zu bringen.

Merkwürdige Dinge scheinen ja vorzugehen. Oder zum Mindesten sucht man sich in England und anderwärts in umfangreichem Maße zu wappnen gegen allerhand bedrohliche Ereignisfe, die etwa eintreten könnten. In der englischen Flotte herrscht eine Bewegung und Rührigkeit, die unmöglich durch der Burenkrieg erklärt werden kann. Was sollte denn England mit Kriegs­schiffen gegen Länder unternehmen wollen, die vollkommen vom Meere abgeschlossen sind? Und doch ist nicht nur das englische Schulgeschwader aufgelöst worden, um die Mannschaften desselben zur Besatzung neuer Kriegsschiffe zu verwenden, sondern es ist auch ein stattliches Geschwader von Gibraltar aus in See gegangen in kriegs­fertigem Zustande, und aller Voraussicht nach wird sogar ein Theil der englischen Reserveflotte in Dienst gestellt werden. Das englische Ge­schwader, das von Gibraltar abgesegelt ist, hat seinen Weg nach Beirut genommen — wohin es dann weiter gehen soll, ist unbekannt.

Nun hat am letzten Dienstag Abend, wie be­kannt, der Kaiser die Staatssekretäre des Aus­wärtigen und der Marine, die Herren Graf von Bülow und Admiral Tirpitz, im Neuen Palais bei Potsdam empfangen, und Admiral Tirpitz hat vom Kaiser den Auftrag erhalten, nach Baden-Baden zu reisen, um auch dem Reichs­kanzler Fürsten Hohenlohe Bericht zu er­statten; und am Tage danach ist die Nachricht davon durch den offiziösen Draht in so auffälliger Weise verbreitet worden, daß man wohl an­nehmen muß, die Welt sollte auf diesen Vorgang

Sir Lose vom Wettervsee.

Historischer Roman von Philipp Laicus-

32 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Kanzler würde selbst mit vollgiltigen Be­weisen in der Hand einen derartigen Schritt erst dann gewagt haben, wenn er jede Hoffnung auf­gegeben hätte, den Jarl zu gewinnen oder auf andere Weise unschädlich zu macken. Nun hatte aber der Kanzler nicht nur keine Beweise, sondern außerdem die feste Ueberzeugung, daß der Jarl lediglich um sein geschwundenes Liebesglück trauere und gegen die Unabhängigkeit Schwedens nicht das Mindeste im Schilde führe.

Noch waren die Ereignisse nicht soweit vor­geschritten, daß der Jarl zu fürchten gewesen wäre, und darum lag für den Reichskanzler kein Grund vor, innere Unruhen zu wagen und den Jarl zu verhaften. Im Gegentheil mußte alles vermieden werden, was den Jarl ausbringen konnte, und deshalb kam ihm der meuchlerische Anfall sehr ungelegen. Seine Sorge mußte viel­mehr sein, der Wiederholung eines ähnlichen Vor­falles vorzubeugen. Und das beschloß er auch zu thun. Um Mittel hierzu war der schlaue Dom­herr nicht verlegen.

Während er dem Könige Zahlen um Zahlen vorlegte, die dieser ohne Besinnen genehmigte, grübelte er schon über die Art und Weife, wie er ganz insgeheim den Jarl vor etwaigen Wieder­holungen solcher Anschläge schützen könne.

Der Vortrag war zu Ende und der König trat unter die im Vorzimmer versammelten Hof­leute, um, wie er dies zu thun pflegte, einige

aufmerksam werden, und namentlich im Auslande sollte man davon Kenntniß nehmen. Dies deutet ebenfalls darauf hin, daß irgend etwas im Werke ist, oder daß man wenigstens in einem ganz be­stimmten Sinne Besorgnisse hegt. Den Empfang der Staatssekretäre mit einer neuen Flottenvorlage in Zusammenhang bringen zu wollen, ist thöricht. Erstens hätte Graf von Bülow dabei gar nichts zu thun; und zweitens würde man das wohl nicht fo außerordentlich eilig haben, daß nun Staatssekretär Tirpitz sogar nach Baden-Baden reisen müßte, um dem Reichskanzler Vortrag zu halten. Auch würde sicherlich der Reichskanzler, wenn solche deutsche Flottenpläne beständen, von ihnen vollkommen unterrichtet sein; und außerdem hat ja soeben erst die offiziöse »Norddeutsche All­gemeine Zeitung' ganz bestimmt versichert, daß an eine neue Flottenvorlage im bevorstehenden Tagungsabschnitte des Reichstages nicht zu denken sei.

Man wird also den Gegenstand dieser be­sonderen und eiligen Berathungen ebenfalls auf dem Gebiete der Auslands-Politik zu suchen haben. Aber Frankreich kommt schwerlich da­bei in Betracht. Frankreich steht vor der Pa­riser Weltausstellung von 1900, und es ist aus Rücksicht auf diese zu gegenwärtiger Zeit ganz entschieden an eine friedfertige Politik ge­bunden, so stark auch sonst in Frankreich die Mißstimmung ist gegen das Uebergewicht Eng- lands zur See und gegen die rücksichtslose Art, in der England von diesem Uebergewichte Ge­brauch macht.

Das englische Geschwader hat von Gibraltar seinen Weg zunächst nach Beirut genommen. Dadurch wird die Aufmerksamkeit wieder einmal auf Asien gelenkt und auf die Nebenbuhler - fchaft zwischen England und Rußland dort, vor allem am persischen Meerbusen. Schon lange strebt Rußland danach, am persischen Meerbusen einen Hafen zu erwerben, und ge­rade dagegen wehrt man sich in England mit aller Macht. Denn es ist klar, daß Rußland diesen Hafen haben will, um dadurch einen Stütz­punkt zu gewinnen für weitere Eroberungen im füdwestlichen Asien.

Auf einen Krieg hat es dabei Rußland sicher­lich ebenso wenig abgesehen wie England. Aber, daß die Versuchung groß ist für Rußland, die englische Verwickelung in Südafrika für die eigenen Zwecke dienstbar zu machen, liegt ebenso klar. Und da nun gerade Persien schon lange ein er­sehntes Ziel sür die russischen Wünsche ist, so ist es an sich gar nichts unwahrscheinliches, daß Rußland die Absicht hat, die günstige Lage für sich am persischen Meere auszunützen. Die Sache ist für Rußland von ungemein großer Bedeutung. Denn durch einen Hafen an der persischen Küste und unmittelbare Eisenbahnverbindung von Ruß­land dorthin würde das Zarenreich einen kurzen und bequemen Weg zu den asiatischen Meeren gewinnen und gleichzeitig die ihm unangenehmen englischen Absichten durchkreuzen, eine zusammen­hängende britische Interessensphäre herzustellen von Aegypten bis hinüber zum britischen Indien.

Wahrscheinlich klingt also die Annahme, daß die englischen Flottenrüstungen den Dingen am persischen Meere gelten. Ob sie auch wahr ist.

kann man im gegenwärtigen Augenblicke nicht bestimmt sagen. Aber man wird es ja bald sehen.

Deutsches Deich.

Berlin, 26. Oktober.

X Der Kerzog vor» Knmüerkand sollte angeblich durch die Königin Viktoria von Eng- and mit dem Kaiser während der letzten An­wesenheit in England ausgesöhnt werden. Die Meldung stimmte aber nicht, ist vielmehr halb­amtlich als unrichtig bezeichnet worden. Jetzt taucht etwas ähnliches von neuem auf. Nach dem sächsischen Militär-Wochenblatt ist der Haupt­mann Graf von Kielmannsegg vom ersten November ab auf ein Jahr beurlaubt „behufs Verwendung als militärischer Begleiter des Prin­zen Georg Wilhelm, ältesten Sohnes des Herzogs von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg". So verkündet das genannte amtliche Organ. Aber dieser Beurlaubung ist eine politische Bedeutung leider auch nicht beizulegen. Dieselbe bedeutet weiter nichts als die Einleitung dazu, daß der Hauptmann Graf von Kielmannsegg ganz und gar in die Dienste des Herzogs von Cumberland übertritt. Schon andere Mitglieder des Hauses Kielmannsegg befanden sich und be­finden sich noch zum Theil in diesen Diensten.

ft Die angekündigte Münz - Ilovelke soll, wie berichtet, den Zwanzigpsennigstücken aus Nickel und Silber und den goldenen Fünfmark­stücken ein Ende machen. Zu denjenigen Münzen, die beim Publikum ebenfalls nichts weniger als beliebt sind, gehört auch das silberne Fünfmark- stück, und sicherlich dem Herzen sehr vieler spricht eine Zuschrift der .Berliner National-Zeitung', die gegen diese unbequemen und unbeliebten Fünf­markstücke sich wendet und der Erhaltung des Thalers das Wort redet. In der That ist der Thaler eine so bequeme und handliche Münze, und man ist an ihn von alters her so außer­ordentlich gewöhnt, daß sein Verschwinden eine sehr bedauerliche Lücke in unserem ganzen Münz­wesen zurücklaffen würde. Der Thaler ist nicht -nur handlich und bequem, er empfiehlt sich auch als sehr brauchbare und angenehme Zwischen­münze zwischen dem Zweimarkstück und dem Un­geheuern Fünfmarkstück. Für die Erhaltung des Thalers würde sicherlich der allergrößte Theil des Volkes außerordentlich dankbar sein!

* Das Abgeordnetenhaus soll, wie die ,Magdeb. Ztg.' hört, in diesem Winter etwa eine Woche früher als sonst zusammentreten, also vielleicht am 9. Januar. Für diesen Ent­schluß soll die Rücksicht auf die Kanalvor­lage, die mit dem Etat den Hauptgegenstand der Berathungen bilden wird, entscheidend ge­wesen sein. Nimmt das Abgeordnetenhaus schon im ersten Drittel des Januar seine Verhand­lungen auf, so wird es möglich sein, die Be­rathungen bereits bis zum Osterfeste so weit zu fördern, daß das Schicksal der Vorlage feststeht oder sich doch mit einiger Sicherheit übersehen läßt.

-s-AeideufchafHicher Aatz gegen Aeutsch- kaud spricht aus einem Aufsatze, der in einem der angesehensten Londoner Wochenblätter ab­gedruckt wird, nämlich in der.Saturday Review'.

Krieg mit Deutschland verlangt das Blatt' „Ueberall — so lieft man da — tritt der Deutsche den Engländern zur Seite, kämpft mit ihm um den Erwerb. . . Wenn Deutschland morgen vernichtet würde, würde es übermorgen keinen Engländer mehr geben, der nicht reicher sein würde. . . Nach gethaner Arbeit können wir ohne Bedenken zu Rußland und Frankreich sagen: Sucht Kompensattonen! Nehmt in Deutschland, was euch gefällt, ihr könnt es haben ..!" Zum Schluß ruft der Verfasser aus: „Deutschland muß vernichtet werden!" In Deutschland würde man einen Menschen und ein Blatt, die derartige Gemeinheiten zu Tage fördern, entweder verachten oder für verrückt halten. In England scheinen dagegen solche Unflätigkeiten ein dank­bares Lesepublikum zu finden. Sonst würde es nicht möglich sein, daß ein so bedeutendes Blatt wie die .Saturday Review' solche wutherfüllte Ergüsse abdruckt, deren unedle Beweggründe auf nichts anderes beruhen, als auf Neid und Eifersucht. Die Sache ist im Ganzen ge­nommen eine tiefe Beschämung für England.

Römische Briese.

VI.

□ 9tom, 24. Okt. 1899.

Die geistlichen Hebungen im Vatikan, von denen ich Ihnen in meinem letzten Briefe be­richtete, find beendet. Der hl. Vater, welcher alle Empfänge und Audienzen während dieser Zeit abgesagt hatte, hat von Anfang bis zu Ende an denselben theilgenommen. Die Jesuitenpatres Zocchi und Remes predigten; am Schluffe spendete Leo XLEL allen Anwesenden den Apo­stolischen Segen, worauf in der Paulinischen Ka­pelle ein feierliches Te Deum gesungen wurde. Leo XIII. beschäftigte sich in seiner Muße, welche ihm die gegenwärtigen Ferien der Kongregationen gewähren, mit seinem vertrauten Privatsekretär Angeli. Das ist immer ein untrügliches Zeichen besten Wohlseins bei Sr. Heiligkeit. Auch dichtete der hl. Vater in allerletzter Zeit wieder einige lateinische Verse, welche in Kürze in einer Druckerei in Hdine gedruckt und veröffentlicht werden sollen. — Wie die ,Vera Roma' meldet, sind zwischen dem Vatikan und der Preußischen Regierung Verhandlungen ein­geleitet worden wegen Errichtung einer Apo­stolischen Delegatur in Berlin. Trotzdem man schon seit der Beendigung des Kulturkampfes von solchen Verhandlungen hörte, welche dann und zwar periodisch auftreten, scheint es doch jetzt Ernst damit zu sein. Bisher wurden die nöthigen diplomatischen Angelegenheiten durch den hiesigen preußischen Gesandten, sowie in wichtigsten Fällen durch den Münchener Nuntius oder auch gelegentlich durch den Kardinal-Fürst­bischof von Breslau oder einen der hiesigen deutschen Kardinäle besorgt. — Zu den viele« Festen, welche das Jubiläumsjahr uns bringen wird, kommt auch die Feier des hundertjährigen Gedenktages der Papstwahl Pius VII.,welche in der St. Georgskirche in Venedig, am 14. März 1800 stattfand. Der Kardinal Sarto Patriarch von Venedig erließ einen darauf be­züglichen Hirtenbrief. — Die englischen

freundliche Worte mit den Erschienenen zu wechseln.

Unter den reichrn Gewändern mußte ihm so­fort ein langer, faltiger, schwarzer Talar ins Auge fallen, und der König trat auf den Träger des­selben zu. Dieser war ein starkknochiger und wohl­beleibter Mann von etwa vierzig Jahren. Er hatte ein fleischiges Gesicht, so daß ihm die Wangen über die starkentwickelten Kinnladen herabzuhängen schienen. Das Kmn war glatt rasirt und zeigte auch eine ungemeine Fülle. Die grauen Augen dagegen waren klein und zwinkerten beständig. Der Haarwuchs von hellblonder Farbe war dünn, und in wenigen Jahren mußte der Mann eine bedeutende Glatze haben. Er trug den Kopf stets zurückgeworfen, als ob er mit "möglichst wenig Mühe die Augen allezeit zum Himmel gerichtet halten wollte. Der Eindruck, den der Mann im Ganzen machte, ließ sich in die Worte zusammen- fassen: Sinnlichkeit mit Salbung.

Der König ging gerade auf den Talarträger zu, der sich bei seinem Nahen tief verbeugte.

„Ihr habt auf Eurer Missionsreise mancher­lei Unglück gehabt, Herr Olaus Petti," sagte der König überaus gnädig und bot dem Genannten die Hand.

Dieser verbeugte sich nochmals tief, um ehr­furchtsvoll einen Kuß auf dieselbe zu drücken.

„Wie Gott will und des Königs Hoheit," antwortete Herr Olaus Petri mit einem frommen Aufschlagen der Augen zum Himmel. „Das Jäten im Weinberge des Herrn ist eine mühselige Arbeit."

„Ja," sagte der König treuherzig, „man muß sich viel dabei bücken!"

Ich kann meinem Könige berichten,daßGott durch mich, sein unwürdiges Werkzeug, manches gute Samenkorn hat ausstreuen lassen, das hundertfältige Frucht bringen wird. Es ist auch Manches auf den steinigen Boden des Aberglaubens^ gefallen, wo es zertreten roirb, anderes in die Disteln popistiscken Mönchsfanatismus, die es überwuchern und ersticken werden."

„Ja, von Disteln hättet Ihr viel zu leiden gehabt! Aber, gelehrter Herr! Lasset in Eurem Eifer nicht nach! Freffet die Disteln, Ihr habt das Zeug dazu! Wir werden Euch schützen und bleiben Euch wohlgeneigt!"

Abermals verbeugte sich Herr Olaus Petri tief, und da er die Hand des Königs nicht er­fassen konnte, so küßte er ehrfurchtsvoll den Rock- zipfel.

Der König wendete sich inzwischen an andere Hofleute, bis er plötzlich rief:

„Herr Olaus Petti!"

„Eure königliche Hoheit."

„Ihr müßt mir hernach noch ein Stündchen schenken."

„Mein ganzes Leben gehört dem Könige."

„Haltet doch wenigstens ein Stückchen für Euren Gott zurück!" meinte der König lächelnd.

„Ich diene Gott, indem ich dem König diene," erwiderte Olaus mit einer tiefen Verbeugung.

„Solange der König Gott dient", beeilte sich Gustav beizufügen, da er bemerkte, wie die Hof­leute verwunderte und fpötttsche Blicke sich zu- warsen.

„Der König dient stets Gott."

„Das möchte ich von unserem Vetter Christian nicht behaupten," bemerkte der König, mit einer

kurzen Handbewegung ein Gespräch abschneidend, dessen Wendung ihm offenbar nicht angenehm war. Er hielt die Zeit dazu noch nicht gekommen.

Der König unterhielt sich noch eine Weile mit den anwesenden Hofleuten und zog sich dann wieder zurück. Bald nachher gab er feinem Diener den Auftrag:

„Rufe mir Herrn Olaus Petti her und sorge, daß uns Niemand störe."

Der Diener verließ das Gemach und un­mittelbar darauf trat Herr Olaus Petti ein, der an der Thüre stehen blieb und sich auf's Neue tief verbeugte. Der König reichte ihm die rechte Hand und nachdem Herr Petri dieselbe geküßt, reichte er ihm auch die linke. Der berühmte Schüler des Doktor Martin Luther blickte ihn darob überrascht an; da aber der König ein ganz wohlwollendes Gesicht zeigte, so wagte er eS, auch die königliche Linke zu küssen.

„Ich hoffe, Herr Olaus Petri," begann der König, „Ihr habt nun Eurem Gelüste Genüge gethan; und wenn wir allein sind, sollt Ihr Euch darob durchaus keine Schranken auflegen. Den« die Aeußerung einer solchen Treue kann uns nur angenehm fein."

Das Gesicht des Angeredeten strahlte.

„Aber in Gegenwart der schwedischen Adelige« unterlaßt das; ich wünsche trotz der Krone nichts an den Formen zu ändern, die man gegen mich zu beobachten pflegte, als ich Reichsoerweser war."

„Wenn das Eurer Hoheit ausdrücklicher Be­fehl ist . . ."

»Ja."

„So werde ich mich erinnern, daß der Ge, horsam gegen die von Gott gesetzte Obrigkeit die