lüdaer
26. Jahrgang
Iuröa, Donnerstag, den 26. Oktober 1899
HZ 246
Verhaltens gegeben haben, ist außerordentlich schwach; und die wiederholte Versicherung deS Herrn Ministers v. Feilitzsch, daß ,der Gesetzentwurf die Koalitions-Freiheit nicht einschränke", kann nimmermehr die Thatsache aus der Welt schaffen, daß es m Wirklichkeit eben doch so ist.
Von besonderem Jntereffe sind die Ausführungen des Centrums-Abgeordneten D r. S ch adle r und des nationalliberalen Abgeordneten
stände, die ryn angehen, spreche, einiges erledigen, dessen Erledigung unsere Gegner eher als unsere Freunde erwarten.
Pesens»: Wen» spalt. Garmont- yitt oder bete-- Raum 15 Pf.,»» Namen die PetU- zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend Rabatt gewährt
Ileue Murgerkiche chesetzvuch, welches am 1. Januar in Kraft tritt, enthält eine ganze Reihe von Bestimmungen, die von dem bisherigen Rechte abweichen und für die bürgerlichen Verhältniffe eines Jeden von weittragender Bedeutung sind. Die .Fuldaer Zeitung bringt in jeder Woche einen oder mehrere, vou hervorragenden Fachleuten geschriebene Ociginal- artikel, in denen die wichtigsten Bestimmungen des neuen Gesetzes erklärt und sür Jedermann verständlich gemacht werden. Außerdem erhalten die Abonnenten der .Fuldaer Zeitung' b:s zum Schluffe des Jahres in besonderen Betlagen den ganzen Wortlaut des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches in Buchform gratis geliefert. Den am I. November neu hinzukommenden Abonnenten werden die bereits erschienenen Lieferungen auf Wunsch (gegen Einsendung der Abonnemer.ts- ■ quittung) nach geliefert.
Um die Mitte des Monats November wird der
Deutsche Reichstag
wieder zusammentreten, und, wie man heute schon mit Sicherheit im Voraus sagen kann, eine ganze Reihe von hochinteressanten und bedeutsamen Debatten und Erörterungen bringen. Die.Fuldaer Zeitung' bringt über jede Sitzung des Reichstags gleich am folgenden Tage einen Originalbericht, deffen Umfang der Wichtigkeit der jedesmaligen Frage entspricht. Ebenso berichtet die .Fuldaer Zeitung' über die wichtigsten Sitzungen der einzelnen Kommissionen und beleuchtet außerdem in populär geschriebenen eigenen Leitartikeln die Bedeutung der jedesmal zur Verhandlung kommenden Berathungs- gegenstände.
In der äußeren Politik ist es namentlich
der Krieg in Südafrika
zwischen England und den Buren, der augenblicklich das Interesse aller in hohem Maße in Anspruch nimmt. Die .Fuldaer Zeitung'
In demselben Augenblick trat der Angemeldete ein. dem ein Diener mit einem Packe Akren folgte.
Der Kanzler blieb stehen, als er den Ritter bemerkte.
„Hoheit sind beschäftigt?"
„Die Angelegenheiten des Reiches gehen vor. Sieh' Vetter Melen, unter allen Geschöpfen Gottes ist der König das geplagteste. Und da spricht man von dem erstrebenswerthen Gute einer Krone. Auf Wiedersehen .... Du da, lege die Akten auf den Tisch."
Melen zog sich mit einer tiefen Verbeugung zurück, während der Diener dem königlichen Befehle nachkam und dann das Gemach verließ.
..Hoheit, ich habe hier die Auszüge . . ."
Der König deutete auf einen Sessel, auf welchem sich dann der Kanzler niederlicß; gleichzeitig öffnete er das Aktenfakc.kel und kramte in den Papieren.
„Ehe wir zu dieser Arbeit kommen, Kanzler , bemerkte der König — dann hielt er einen Augenblick im».
„Was wünscht Eure Hoheit?"
„Ihr wißt, Herr Lars Anderson", erwiderte Gustav, „daß ich königliche Förmlichkeiten nicht liebe und nur im öffentlichen Verkehre dulde, weil sie da zur Atmosphäre der königlichen Wurde gehören. Ich ziehe es, vor. wenn Ihr in derselben vertraulicden Weise mit mir zu verkehren fortfahrt, wie Ihr dies mit dem Reichsverweser zu thun gewohnt wäret. Dies Diadem auf meinem noch nicht einmal gesalbten Haupte wird mir nachgerade schrecklich. Es- entfremdet mir nicht nur meine Freunde, sondern auch die besten Räche des Reiches."
ES war nicht wohl denkbar, die plumpteste Schmeichelei unter der Form eines Verweises geschickter an den Mann zu bringen, der in anderer Form sofort den Kern gemerkt. Der schlaue König benutzte häufig die Gelegenheit, sich selbst als den Bedauernswerthen darzustellen, und es gelang ihm nicht selten, Laß er damit durchsetzte, was er wollte. Auch der Reichskanzler fühlte sich äußerlich tief verletzt, innerlich tief geschmeichelt.
„Eure Hoheit", bemerkte er im Amtstore, sind" erwählter König, und dem Unterthanen kommt es zu . . ."
„Ihr habt Recht, Kanzler", meinte Gustav, Anderson's Hand ergreifend. „Wenn wir im Thronsaale vor unserem Seffel zu stehen geruhen, dann verbeuat Euch an den Stufen so tief vor mir, daß ich bequem Euern Rücken beschauen kann; aber b-er ist es nicht nöthig, daß Ihr mir verbergt, welch ein schwaches Rohr ein König ist, der keine Stützen in den besten Männern seines Reiches findet. Setzt Euch ruhig nieder und hört vor allem, was ich soeben vernommen!"
„Ich höre."
„Es scheint mir, als ob der Jarl der Da- larnen die Unzufriedenen um sich sammele."
„Nein", erwiderte der Kanzler kurz. „Der Jarl hat seit dem Zusammentreffen in Strengnäs sich nicht mehr um die öffentlichen Angelegenheiten gekümmert." .
„Ich weiß aber, daß er gestern Abend eine längere Zusammenkunft mit Sigurd Harald gehabt."
„Ich weiß es auch."
□ Der Abg. Dr. Lieber über die politische Lage.
In einer Versammlung des Volksoereins für das katholische Deutschland hat der Abg. Dr. Lieber am Sonntag in Mülheim a. Rh. eine große Rede gehalten, in der er sich über die gegenwärtige politische Lage wie folgt aussprach:
G Der Gesetzentwurf zum Schutze der Arbeitswilligen
ist in diesen Tagen Gegenstand der Verhandlungen in der bayerischen Abgeordnetenkammer gewesen. Die Veranlassung hierzu war eine sozialdemokratische Interpellation, welche Ausschlüffe darüber haben wollte, wie die bayerische Staatsregierung im Bundesrathe zu der Vorlage sich gestellt habe. Die Vertreter Bayerns haben im Bundesrathe für die Vorlage gestimmt. Aber die Auskunft, welche die Minister jetzt in der bayerischen Abgeordnetenkammer über die Gründe dieses
hätten. , , . ..
Wie gesagt, man könnte dazu versucht fein; denn solche Vermuthungen liegen nahe genug. Ob solche Vermuthungen thatsächlichen Hintergrund haben, muß sich bald genug zeigen. Zunächst werden die verbündeten Regierungen ohne Zweifel den Verlauf der zweiten Lesung des Gesetzentwurfes im Reichstage abwarten. Es haben ja auch nicht alle Nationalliberalen die Ansichten der Herren Bassermann und Caffelmann. Vor allen Dingen aber ist die Regierung begieng darauf, die angekündigten Anträge des Centrums kennen zu lernen. Denn diese Anträge werden aller Voraussicht nach der Mittelpunk der spätern Verhandlungen über diesen Gegenstand werden. __
Casselmann.
Keine Linie wird das Centrum nach der erneuten Versicherung Dr. Schädler's von dem ablehnenden Standpunkte abweichen, den im Reichstage bei der ersten Lesung des Entwurfes die Abgeordneten Dr. Lieber und Dr. Pichler dar- gelegt haben; denn der Gesetzentwurf sei „die größte Bedrohung, die größte Gefährdung für die Koalitionsrechte." Das Centrum aber will volle Koalitions-Freiheit.
Die Nationalliberalen stehen zu Bassermann und zu seiner Rede im Reichstage bei der ersten Berathung der Vorlage. Denn die bestehenden Vorschriften, dieser Ansicht ist auch Herr Caffelmann, reichen aus, um den Arbeitswilligen den erforderlichen Schutz zu gewähren; und die Mehrheit der Nationalliberalen hält nach der Versicherung des genannten Parlamentariers die Vorlage für „un- nothig und für einen politischen Fehler". Herr Caffelmann ist noch weiter gegangen in seinen Ausführungen in der bayerischen Kammer: er hat gleich "den sozialdemokratischen Rednern die Forderung erhoben, die bayerische Regierung möge im Bundesrathe erklären, daß alle bayerischen politischen Parteien den Gesetzentwurf zum Schutze der Arbeitswilligen für überflüssig und für einen Fehler ansehen.
Unter solchen Umständen gestalten sich die Aussichten der Zuchthaus-Vorlage im Reichstage erfreulich ungünstig. Wenn Herr Caffelmann recht angekündigt hat, daß die Nationalliberalen in ihrer Mehrheit gleich Herrn Bassermann die Vorlage grundsätzlich ablehnen, dann wird von dem ganzen Gesetzemwurfe bei der zweiten Berathung im Reichstage schwerlich noch irgend etwas von Wichtigkeit übrig bleiben. Unter solchen Umständen könnte man auch versucht fein, einer Notiz Glauben zu schenken, die in diesen Tagen vereinzelt in einem Blatte auftauchte: daß nämlich die verbündeten Regierungen von der Aussichtslosigkeit des Gesetzentwurfes sich überzeugt und danach bereits ihre Maßregeln getroffen
bringt jeden Tag die neuesten Depeschen vom Kriegsschauplätze und prüft dieselben auf ihre Glaubwürdigkeit, so daß die Leser in den Stand gesetzt sind, den einzelnen Phasen des Krieges mit Verständniß zu folgen. Eine Karte des Kriegsschauplatzes, die die bisherigen Abonnenten der .Fuldaer Zeitung' bereits erhalten haben, wird den am 1. November neu hinzukommenden Abonnenten auf Wunsch nachgeliefert.
So sind Redaktion und Verlag der ,Fuldaer Zeitung' unablässig bemüht, das Blatt nach jeder Richtung hin immer mehr zu vervollkommnen und den Lesern eine Zeitung zu bieten, die allen Anforderungen entspricht, welche billiger Weise an eine Provinzialzeitung gestellt werden können. Wie sehr diese Bemühungen Anerkennung finden, beweist die Thatsache, daß die
Aahk der ASouueuteu der ,Iukdaer Zeitung"
in den letzten Tagen so sehr gestiegen ist, daß täglich 4000 Exemplare der
Zeitung gedruckt werden müssen. Bei den außerordentlichen Vortheilen, die wir den neu hinzukommenden Abonnenten bieten, dürfen wir hoffen, noch vor Jahresschluß einen erheblichen Schritt in das fünfte Tausend hinein machen zu können. Wir bitten unsere Freunde und Leser, unsere Bestrebungen zu unterstützen dadurch, daß sie ihre Freunde und Bekannte, die bisher noch nicht zu den Abonnenten der ,Fuldaer Zeitung' gehörten, für dieselbe zu gewinnen suchen.
Für die Monate WovemSer ««d Dezemöer kostet die .Fuldaer Zeitung' mit der beliebten Gratisbeilage.Jllustrirte Sonntagszeitung' tt«t eine Mark.
„Um so bester. Herr Kanzler! Ihr mistet, welche Mühe es kostet und welche Mittel wir anwenden mußten, um die Stimmung der fir- nischen Herren zu erlangen."
„Der Kanzler nickte mit dem Kopfe.
„Die Beiden sind Nebenbuhler, wie Ihr wißt. Welches andere Motiv könnte sie friedlich zusemmengeführt haben, als die Politik? Sollte man nicht die Beiden verhaften lasten?"
„Ich hoffe, diesen Grund in Bälde zu erfahren. Im Uebrigen ist der Jarl so überwacht, daß er keinen Schritt im Tage thun kann, der mir nicht am Abende gemeldet würde. Der Jarl steht den öffentlicheniAngelegenheiten vollständig fern.
„Wißt Jhrzdas so genau?"
„Ich weiß, daß er mit Niemanden verkehrt, des Tages über hält er sich in seiner Herberge; allabendlich geht er hinaus an's Ufer des Meeres. Dort wandelt er bis zur Dunkelheit auf und nieder. Ich weiß genau, daß dies vor drei Tagen, vor zwei Tagen, daß es auch gestern geschah, und wahrscheinlich wird es auch heute geschehen, wenn nicht der Umstand, daß man auf den Jarl geschaffen, eine Aenderung in seiner Tagesordnung hervorbringt." ,
„Also ist daS richtig? Melen hat mir davon gesprochen." t ,
„Der kann es misten," sagte der Kanzler trocken. „Denn der eine der beiden Männer ging sofort nach dem Ueberfalle zu ihm.
Der König erbleichte.
„Man hat hoffentlich die beiden Uebelthäter ergriffen," sagte er rasch. „Ich habe dem Ritter befohlen, man solle sie hängen lasten, wenn man ihrer habhaft werde."
Die Role »am ÖJtlfttnftr.
Historischer Roman von Philipp LaicuS.
31 ------ (Nachdruck verboten.)
„Ihre Fürsprache würde mir eine gute Veranlassung geben, dem Kanzler in den Arm zu fallen."
„Ganz gewiß."
„Wenn sie sich in einem solchen Falle ihres königlichen Freundes erinnern würde . .
„Man kann sie darauf aufmerksam machen."
„Aber nur ganz im Geheimen; kein Mensch darf davon misten; wenn's der Kanzler erführe, er würde den ganzen Plan durchkreuzen."
„Der darf nichts davon erfahren."
„Und auch ihr Vater nicht; der würde es ja nicht dulden!"
„Beileibe nicht!"
„Und auch ihre Mutter nicht: die würde es ihm sagen.
„Ohne Zweifel; nur sie, sie allein darf davon wiffen."
„So ist's, Vetter Melen. Du hast mich verstanden ; ich möchte nicht, daß dem holden Kinde ein Herzeleid widerfahre", setzte der König sarkastisch hinzu. „Sie soll sich in einem der- artigen Falle ganz insgeheim und vertrauensvoll mir nahen."
Der Ritter von Melen stieß ein kurzes, heiseres Gelächter aus.
Der Page hob den Thüroorhang in die Höhe und meldete:
„Seine Gnaden, der Kanzler."
Ich habe in Mainz auf eine bestimmte Gefahr aufmerksam -macht, der wir, die im Centrum geeinten Katholiken, bei der Fortführung der parlamentarischen Verhandlungen ausgesetzt sein werden. Ich habe erttartz mehr darüb ch nicht sagen zu wollen, obgleich ich noch mehr .em Herzen hatte. Ich habe es für meine Pflicht gehalcen, darauf aufmerksam zu machen, was gegen uns im Gange ist. Daraus hat man nun eine große Jntrigue gegen den Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums, gegen den Frnanznnmster Dr v. Miquel, gemacht. Daß Herr v. Miquel darin eine Jntrigue gegen sich erblickt hat, nehme ich nicht an. Aber andere haben es geglaubt und da ist es gewiß an- gebracht, wenn ich sage: Niemanden mehr als uns kann es so vollkommen gleichgiltig sein, wer iemals auf dem einen oder anderen Ministersessel m Preußen sitzt. In einer Zeit entstanden und großgeworden, die uns gelehrt hat, mit allen Möglichkeiten von dieser Seite her zu rechnen, haben wir eine Zeit hinter uns, die bewiesen, daß wir allen Möglichkeiten gewachsen waren. So sehen wir mit großem Gleichmuthe die Herren aus diesen Sesseln komm und gehen. Nichts liegt uns so fern, als gegen eine.- von ihnen zu intriguiren, wir wünschen aber, daß keiner auch von ihnen gegen uns intriguire. wir so etwas von einem der Herren wahrnehmen, dann werden wir uns den Mund nicht verbieten lassen, unsere Freunde auf die gegen uns gesponnene Jntrigue aufmerksain zu machen.
Wenn die Herren wünschen. Näheres von mir zu hören — ich komme bald wieder nach Berlin und auf eine Bühne, von der aus jedes Wort gesprochen werden darf — so bin ich dazu bereit. In Mainz habe ich nur ein kleines Battisttüchlein gewaschen, ich bm aber bereit, die ganze schwarze Wäsche der Herren öffentlich vor dem deutschen Bolrezu waschen. (Stürmischer Beifall.)
Dr. Lieber kam dann auf die Reden des Kaisers in Hamburg und Charlottenburg zu sprechen und erklärte, daß, wenn der Kaiser die Mahnung an das Bo!! richtete, in vaterländischen Angelegenheiten ihre Parteien und deren Interessen hintanzusetzen, des Vaterlandes und besten Interessen allein zu gedenken, er in Nebereinstimmung und aus dem Herzen aller Katholiken sagen könne: Wir sind zur Stelle! Wo es gelte, die Wehrfähigkeit nach außen und die Unversehrtheit des Vaterlandes zu erhalten, sei keine Partei mehr als das Centrum bereit, alles Erforderliche bis zum letzten Pfennig und bis zum letzten Blutstropfen zu bewilligen. Den Appell und die Absicht des Kaisers habe das Zentrum auch verstanden, als es sich darum handelte, d,e Stärkling unserer Seemacht gesetzgeberisch festzulegen; von anderen Dingen, die unter achtunggebietender Mitwirkung des Centrums zustande kamen, ganz zu schweigen. Auch in Zukunft werde das Centrum sich ähnlich verhalten, trotzdem wir Katholiken viel in unserem Bater- lande sehen und fühlen, was uns den Gedanken beibringen könnte, als ob wir von vielen Leuten als Deutsche zweiter oder dritter Klasse angesehen wurden. Wir hoffen, daß der Kaiser wie in Jerusalem, so auch in Berlin sich der katholischen Unterthanen annehmen wird und uns nicht nach jene» trüben Quellen beurtheilt, welche gegen uns intriguiren wollen. (Beifall.)
Erscheint täglich, Ausnahme der
Sona-und Feier- taqe. Biertefiährl. SÄÄ
Meine sehr verehrten Herren! Ich danke Ihnen für den freundlichen Willkommen, den Sie mir geboten haben; es thut einem alten Knaben auch einmal wohl, verhätschelt zu werden, namentlich nachdem er gewohnt ist, gedroschen zu werden. Die freundliche Begeisterung ermuthigt mich, wieder einmal öffentlich zu sprechen, trotz den schlimmen Erfahrungen, die ich mit meiner Rede in Mainz gemacht habe. Die unglaublichsten Dinge haben die Blätter aus dieser meiner Rede herausgehört. Ich mühte aber eigentlich Bedenken tragen, darauf heute zu kommen, weil wir uns nicht in einer politischen, sondern in einer Versammlung des Volksvereins befinden. Der Volksverein soll nicht die Stätte vorwiegend politischer Erörterungen werden. Dazu ist uns der Volksverein zu lieb. Wir können und wollen ihn nicht in die Gefahr bringen, mit Bezugnahme auf den immer noch nicht aufgehobenen § 8 des preußischen Vereinsgesetzes wegen unerlaubter politischer Verbindungen mit dem Strafrichter in Berührung zu kommen. Nichtsdestoweniger läßt es sich kaum oder gar nicht vermeiden, wenn katholische Männer zusammenkommen, and) über Dinge zu sprechen, die man zu den politischen Dingen rechnen kann oder rechnet. So oft wir in irgend einer erheblichen Anzahl zu einer Berathung zusammenkommen, wird unwillkürlich Politik daraus. So darf ich vielleicht, ehe ich über den Volksverein und Gegen-
bie rasch und zuverlässig über alle wichtigen Ereignisse, die sich in der Welt zutragen, berichtet, ist heutzutage für Jeden, der im öffentlichen Leben steht, unentbehrlich geworden. Auch ans dem Lande, selbst in dem kleinsten Dörfchen, will man besonders in der Winterszeit die tägliche Zeitung nicht entbehren, die über alle Tagesfragen belehrt, über alle Vorgänge in der Gemeinde, in Staat und Kirche pünktlich Bericht erstattet und die in- tereffanten Vorgänge aus der Nähe, wie aus der weiten Ferne mittheilt.
In den bevorstehenden Monaten Zlovember ««d Dezemver stehen nun ganz besonders interessante und wichtige Ereignisse bevor, die das Halten eines täglich erscheinenden Blattes für Jedermann um so wünschenswerther und noih- wendiger erscheinen lassen. Das
Eine täglich erscheinende Zeitung
J. Pa*3tlltv in 5xl ba. mit Unterhaltungs-Aeilage „Jllustrirte Sonntags-Zeitung!"