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26. Jahrgang.
Julöa, Samstag, den 14. Oktober 1899,
M 236
Wochen-Rundschau.
lNachdruck verböte«.)
X Fulda, 14. Oktober.
.Alle Welt, er wird wahnsinnig" — kreischt
*' - „Herr Schaffner, lassen Sie uns heraus, ein Irrer!" — schreit Alles durcheinander. Anton Bummer schreit von Neuem. „Um Gotteswillen, er verfällt in Tobsucht,"
kreischt entsetzt die hagere Dame.
„Ruhig! Ruhig!" beschwichtigt der alte Herr. Was fehlt Ihnen? Sagen Sie es doch!" wendet er sich väterlich an Anton.
„Ich kann es nicht mehr aushalten/ ächzt dieser, „sie sind ausgebrochen — alle — und sie stechen! Verlaffen Sie das Koupee — ich muß allein sein — sonst werden Sie auch gestochen!"
Keine Königin.
Eine gelungene Eisenbahn-Geschichte.
[] Hit Anlerschkidnug von Fabrik vud Haudmrk und die Seitritlspfiicht $u den Iwaugs-Iuvungku.
Große Schwierigkeiten und manche Streitig, keilen verursacht bei der Durchführung der Hand, werkerorganisation auf Grund des neuen Gesetzes fortgesetzt die Auslegung des § 100 fl der Gewerbe-Ordnung. worin von der pflichtgemäßen Zugehörigkeit zu der Zwangsinnung die Rede ist. Dort ist nämlich bestimmt, daß als Mitglieder alle diejenigen der Zwangsinnung beizutrelen haben, welche das Gewerbe, wofür die Innung errichtet ist, als stehendes Gewerbe selbständig betreiben. Ausgenommen von der Beilrütspflicht sollen diejenigen sein, welche das Gewerbe fabrikmäßig betreiben. Allerdings sind auch diese nach § 100g2 berechtigt, der Zwangsinnung beizutreten, wenn die Jnnungs- versammlung ihre Zustimmung gibt. Die Innungen kommen daher nicht selten in die tage, entscheiden zu müssen, ob sie es im einzelnen Falle mit einem fabrikmäßigen Betrieb zu thun haben oder nicht. Es wird deshalb auch hier wieder die Frage aufgeworfen, was unter Faorikbe- trieb und was unter Handwerksbetrieb zu verstehen fei.
Das Handwerkerschutzgesktz hat darüber keine Entscheidung getroffen. Wir suchen überhaupt in der deutschen Gewerbegesetzgebung vergebens nach einer allgemein gütigen Definition für den Fabrikbetrieb. Wohl finden sich in einzelnen Gr
immer handwerksmäßig. gn diesem Augenblicke fühlt Bummer einen
Bei der Beurtheilung, ob ein Betrieb als ein I ftigen Stich — er fährt zusammen und faßt handwerksmäßiger betrachtet werden muß, ist bann vorsichtig in die Tasche. Gerechter Himmel! demnach zuerst klar zu stellen, ob er zu einem Seine Ahnung hat ihn nicht betrogen — die Gewerbe gehört, welches überhaupt zum Hand- Schachtel ist beim Sturz in's Koupee zerbrochen, werk gerechnet und dann, ob er nach seiner ganzen Heckel zerplatzt — von einer Königin und Einrichtung und Arbeitsweise noch als Handwerk ^rem Hofstaat ist keine Spur mehr zu erblicken, angesehen w rden kann. Letzteres ist so lange anzu- y„d jetzt sticht es an zwei Stellen. Bummer zunehmen, als nicht klar und deutlich erkennbar I ^t einen wilden Schrei aus und fährt ver- und entschieden ist, daß man es mit einem Fabrik- zweifelt von seinem Sitz in die Höhe.
betrieb zu tbuu hat. Denn da die Fabrik sich . - . - •
doch im Großen und Ganzen auS dem Handwerk .. «Ecktersirau entwickelt und herausgebildet hat, ist das Hand. I Schlachtersfrau.
werk gewissermaßen als „im Besitz" zu betrachten, so daß die Fabrikmäßigkeit erst b e w i e s e n werden muß. Ganz unberechtigt ist die Ansicht, die man noch hier und da hört, Handwerk und Kleinbetrieb einerseits, Fabrik und Großbetrieb anderseits seien gleichbedeutend. Wir haben heut- zutage eine ganze Reihe von Großbetrieben, welche ihrem ganzen Wesen und ihrer Arbeitsweise nach unzweifelhast handwerksmäßig sind. Auch diese Großbetriebe müssen zur Organisation bezw. zur Innung herangezogen werden. Denn durch
triebsräume;
die größere oder geringere Verwendung von
Kraft- und Arbeitsmaschinen; । Bummer raste uv er oen -oayupeig, jjuijie >» vu»
die Herstellung der Gegenstände auf B e- nächste Koupee und fiel dabei über die stark aus. stellung und zum Einzelverkauf oder auf Vor- ficfa.ecften Beine eines alten Herrn, wobei er daS: rath oder zum Massenabsatz, die Herstellung von gaupt fe^r unsanft auf die spitzen Kniee einer vollständigen Gegenständen oder Halbfabrikaten; spindeldürren ältlichen Dame bettete, die laut
der Umfang und Werth der hergestellten auskreischte. Nach viel« Entschuldigungen kommt
Jahresmenge. , Anton zum Sitzen, wobei ein ziemlich deutliches:
Alle diese Merkmale sind bei federn zweifel- Mensch scheint etwas angeheitert!" an des haften Falle in ihrer Gesammtheit mehr oder Schuldlosen Ohr dringt und ihn tief erröthen
weniger zu berücksichtigen. Einzelne oder auch ma^t @r versucht durch Stillsitzen und mög-
mehrere derselben sind noch nicht entscheidend. lid)rt harmloses Aussehen diesen dunklen Verdacht So kann in einem Betriebe eine große Menge Don abzuwälzen — leider fühlt er bald ein von Hilfskräften thätig, er kann sehr ausgedehnt unheimliches Kribbeln am rechten Fuße, fein, sowohl was Zahl, Arbeitsraum und Pro- Verstohlen tastet Anton nach der betreffenden duktion anbetrifft, er kann doch ein Handwerks- Stelle, wobei er aus Versehen seine Nachbarin, mäßiger Betrieb bleiben. Auch die Verwendung eine bttfe Schlächterfrau, str ist. „Daß mir das von Kraft- und Arbeitsmaschinen, selbst in größerem nochmal vorkommt, junger Mann!" bemerkt Umfange, ist allein nicht bestimmend. Sogar die I bie kugelrunde Frau entrüstet. Anton erröthet weitest durchgeführte Arbeitstheilung schließt durch- abermals tief — fährt aber im nächsten Augen- aus noch nicht das handwerksmäßige des Betriebes 6tid unld in die Höhe. „Was will Er schon aus, wie es am deutlichsten beim Anstreicherge- ^der?" kreischte die ältliche Dame. „Sie sollten werbe zu erkennen ist. Mögen in demselben be- schämen, in so einem Zustande zu anständigen stimmte Personen nur bestimmte Sachen anstreichen, Menschen einzusteigen," bemerkt mißbilligenden mag der eine nur Buchstaben, der andere nur Vlickes der alte Herr.
Maserungen, ein anderer wieder Früchte oder „Daß so etwas gelitten wird, ist empörend!" Blumen malen, so bleibt der ganze Betrieb doch uiurmelte es aus der Ecke.
dieselben und speziell durch die Zwangsiunungea soll ja das ganze Handwerk bezw. der ganze Hand» werkSzweig vereinigt werden.
Auch schon deshalb ist es von großer Bedeutung daß der Großbetrieb, so weit als eben möglich, wenigstens in die Zwangsinnung eingegliedert wird, weil dieselbe dann finanziell leistungsfähiger ist. Außerdem wird durch die Heran» ziehung auch des Großbetriebes zur Zwangsinnung die handwerksmäßige Ausbildung der Hilfskräfte eher gewährleistet, während sonst, wie eS ja auch jetzt schon vielfach der Fall ist, die im Kleinhandwerk ausgebildeten Kräfte diesem immer mehr entzogen werden. Glaubt ein Betrieb zu Unrecht zur Innung herangezogen zu fein, so steht eS ihm ja frei, die Entscheidung der höheren Verwaltungsbehörde anzurufen. Durch deren Entscheidungen sowie durch die UrtheilSsprüche des Reichsgerichts und des Reichsversicherungsamtes und nicht zum geringsten Theil durch die Erörterungen und Beurthrilungen in den Handwerkskammern, welche sich ja auch mit dieser Frage zu befaffen haben, wird sich allmählich eine Spruchpraxis herausbilden, so daß zu erwarten steht, daß in Zukunft diese Entscheidungen leicht zu fällen sind. Sehr zu wünschen aber ist es, daß wenigstens die prinzipiellen und typischen Entscheidungen gesammelt und veröffentlicht werden, ähnlich wie die Entscheidungen der Gewerbegerichte.
von Clary-Aldringen, der neue Ministerpräsident, hat es vorgezogen, vorher noch mit einer Reihe von Politikern sich auszusprechen, die dem Reichsrathe nicht angehören. Der Einladung sind aus Böhmen Vertreter des radikalen Deutschthums gefolgt, während die Tschechen erklärten, sie würden eine solche Einladung ablehnen, wenn sie an ihre Adresse ebenfalls ergehen sollte. Vorher, beim Ministerpräsidenten Grafen Thun, war es gerade umgekehrt: Da kamen die Tschechen, aber da blieben die Deutschrad,kalen unsichtbar. Immerhin wollen die Tschechen wenigstens keine Obstruktion treiben, und das ist, wenn auch nicht viel, so doch etwas.
Durch die Presse ging in diesen Tagen tue Meldung, die Kronprinzessin-Witwe Stephanie wolle auf ihren Rang verzichten und sich von neuem vermählen mit einem um 15 Jahre jüngeren ungarischen Grafen. Die Meldung ist genau ebenso vollkommene Erfindung, wie die früher einmal verbreitete Lügenmär von der Wiederverheirathung des Kaisers Franz Joseph. ~
In Paris weilte während der letzten Tage em sehr interessanter Besuch: Graf Murawjew, der russische Minister des Auswärtigen. Der Minister ist nach Paris aus Madrid gekommen, nachdem er vorher auch der Königin-Regentin von Spanien selbst in dem Seebade San Sebastian seine Aufwartung gemacht hatte. Im Anschlüsse an diese Reise hat man in einigen Zeitungen von praktischen Unterhandlungen zwischen Rußland, Frankreich und Spanien geschrieben; aber welcher Art solche Verhandlungen sein könnten, darüber konnte man nicht einmal Vermuthungen an« stellen. Gleichzeitig ist übrigens der russische Thronfolger zu einem Besuche nach England
Auf der großen Ausstellung für Bienenzucht zu B. war eS, wo Anton Bummer seine Königin erstand. Er fand fie ideal schön, mit dem zier- sichen Küraß, den goldenen Augen und den gelb- uni) schwarzgeringelten Füßchen. Zu ihrer Ueber- führung zu seinen Völkern konstruirte er eme schwedische Streichholzschachtel, deren Holzdeckel er durch einen durchlöcherten Papierumschlag ersetzte. Da hinein sperrte er die Königin und zu ihrer Gesellschaft vier Arbeitsbienen, damit fie fich nicht bangt, wie der finnige Jüngling dachte. Wieviel versprach er fich von der zu erzielenden Kreuzung mit der Raffe seiner Menenstöcke, wie froh versenkte er die Schachtel in die Tasche seiner groß» karrirten Beinkleider! Nun noch eine kleine Depesche nach der nur zwei Stationen entfernten Stadt, wo er seine Braut nebst Schwiegermutter auf der Durchreise besuchen wollte, und dann in höchster Eile nach dem zur Abfahrt fertigen Zug!
Die Lokomotive pfiff schrill und kräftig. Anton Bummer raste über den Bahnsteig, stürzte in daL
Ein seltener Besuch weilte während der letzten \ Taae in Berlin, oder eigentlich in Potsdam: , Königin Wilhelmine der Niederlande. Dieses war ihr erster Besuch als Königin; und des- ; bald widmeten die Blätter diesem Besuche auch beson- , dere Kundgebungen, obwohl der ganze Besuch nur , Familiencharakter tragen sollte, nicht als Staatsbesuch । aufgefaßt wurde. Freundlicher wird schwerlich em ge- ■ kröntes Haupt empfangen werden können, als die : juaendliche Königin der Niederlande, die auch bei uns । in Deutschland die ungekünstelten und auftichtigen Sympathien aller besitzt.
Am Montag Abend war im Neuen Palais bet Potsdam großer Musikabend von den kaiserlichen Herrschaften veranstaltet worden. Es waren mehr als dreihundert Einladungen ergangen, darunter auch solche an sämmtliche Staatssekretäre und preußischen Minister. Unter diesen befand sich auch Herr von Miquel, so daß auf keinen Fall jemand sagen kann, der bisher allgewaltige Mann sei in Ungnade gefallen. Mehrfach hat man aus der Verabschiedung des Freiherrn von Zedlitz-Neukirch aus dem Amte des Präsidenten der preußischen Seehandlung einen Rückschlag auf den Herrn Minister ziehen wollen. Herr von Zedlitz stand von jeher bei Herrn von Miquel in besonderem Ansehen und war dessen erster Mittelmann für die Presse; und nun mochte man diese Verabschiedung als eine Unfreundlichkeit für Herrn von Miquel deuten. Aber wenn man sich die Sache genauer besieht, dann merkt man, daß sie dann auch noch eine andere Deutung zuläßt. Als Beamter sollte Herr von Zedlitz nicht mehr für die Presse thätig sein. Wenn derfelbe nun frei, seines amtlichen Postens ledig wird, dann hindett ihn niemand mehr an der journalistischen Thätigkeit; und thatsächlich wird bann Herr von Miquel mehr haben von dem pensiomtten Herrn von Zedlitz, als von dem Zedlitz im Amte. Herr von Wedlitz selbst aber hat bereits vierzig Amtsjahre hinter sich und damit die höchste Staffel des Ruhegehaltes erklommen. Er bezieht alsdann beinahe ebenso viel Pension wie jetzt Gehalt; und wenn er dann frei und ungehindert wird für die Presse arbeiten können, bann wird er erheblich höhere Einnahmen haben als bisher. Man kann als bie Amtsentlassung des Herrn Zedlitz, wenn man will, auch als ein Ereigniß deuten, das fowohl für ihn selbst als auch für Herrn von Miquel angenehm ist.
Im übrigen kann man niemals über alles das, was während der letzten Zeit als Berliner Krise sich vorstellte, getrost mit Stillschweigen hinweggehen. Ein Theil der Presse ist zwar nach wie vor voll davon. Aber hüben und brühen ist es wohl nur das Schießen zur Deckung des Rückzuges; und wenn nur irgend ein Ereigniß auf d:m Gebiete der inneren Politik sich einstellen wollte, dann würde vor diesem alsbald die ganz« Berliner Krise im Hintergrund verschwinden. Ar- allen den vielen Zeitungsauseinandersetzungen kann man nur ganz klar zwei Dinge entnehmen: die Mittelland-Kanal-Vorlage wird in veränderter Gestalt in der nächsten Tagung wieder eingebracht werden; und man bars es schon jetzt als gewiß betrachten, daß die Maßregelungen der kanalgegnerischen Beamten noch Gegenstand von Auseinandersetzungen im preußischen Abgeordnetenhause sein werben. Sonst muß man freilich der ,Köln. Ztg/ recht geben, die in diesen Tagen schrieb: „Freunde verwirrter Verhältnisse müßten sich augenblicklich in Deutschland ungemein wohl fühlen. Denn nachgerade geht bei uns alles derartig durcheinander, daß viele sich überhaupt nicht mehr zurechtfinden können."
Am Sonntag hat in Osnabrück bie Inthronisation und Konsekration des neugewählten Bischofs Hubertus Voß ftattgefunben. Wer Nachfolger des verewigten Kardinals Krementz als Erzbischof von Köln werdenwird, istnochimmer unbekannt. Jetzt endlich ist aber wenigstens bie Entschließung ber Staatsregierung erfolgt über bie Auswahl ber von bem Domkapitel vorgelegten Kandidatenliste ; und somit wird dieses letztere nunmehr am 24. Oktober die Wahl vornehmen können.
Das Centrum im bayerischen Landtage ist rüstig an der Arbeit. Auf einen Antrag hat bie Kammer zu allererst über bie Staats Unterstützung für die Ueberschwemmten berathen und den entsprechenben Antrag bes Centrums zur Vor- berathung an eine Kommission überwiesen. Außerdem hat das Centrum eine ganze Reihe von wirth- s.chaftlichen Anträgen eingebracht, die namentlich im Interesse der Landwirthschast gestellt sind, aber auch für das kleine und mittlere Gewerbe große Bedeutung haben. , , t
Ein ganz besonderer Gedenktag rst dieser letzte neunte Oktober gewesen: an diesem Tage waren 25 Jahre verflossen seit der Schaffung des Weltpostvereins. Im Jahre seiner Gründung war der Verein auf 22 Länder beschränkt. Jetzt hat der Weltpostverein mit unwiderstehlicher Gewalt alle Länder mit einigermaßen geordnetem Postwesen in seinen Sann« kreis hineingezogen.
Noch einigermaßen dunkel sind die Wege, bie die uächsteEntwicklung der Sprachenfrage in Oesterreich nehmen wird. Anfänglich glaubte man, bie Aufhebung der Sprachenverordnungen des Grafen Badeni iverde schon mit dem Ausgange der letzten Woche erfolgen. Darin hat man sich aber getäuscht. Gras
abgereift.
Die Verhandlungen in dem Pariser Prozesse gegen die angeblichen oder wirklichen Verschwörer gegen den Bestand der Republik nehmen einen langsamen und schleppenden Fortgang. Es wird noch manche Woche vergehen, bis sie beendet fein werden. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen von unbotmäßigem Geiste im Heere: in Montelimar haben sich Offiziere des 22. Infanterie - Regimentes durch Kundgebungen gegen den Präsidenten L o ub et grobe Pflichtwidrigkeiten zu schulden kommen lassen, und zwar nach einem vorher verabredeten Plane, der darauf abzielte, das Staatsoberhaupt zu beleidigen. 58er« muthlich aber werden die übermütigen Offiziere in dem Kriegsminister Gallifet einen schneidigen und sehr strengen Richter finden.
In Spanien soll angeblich nach dem ehemaligen Kriegsminister Polaviejafauch der Justizmini- st er aus dem Ministerium entfernt werden. Aber es handelt sich dabei zunächst nur um Gerüchte.
Für bie Verhandlungen der italienischen »Kammer ist als Eröffnungstag der 14. November festgesetzt; der König wird die Kammer selbst mit einer Thronrebe eröffnen.
Bulgarien hat nun endlich doch die Ministerkrise bekommen, die schon seit mehreren Wochen im Stillen vorhanden war, aber nach Außen mit großer Unverfrorenheit abgeleugnet wurde. Jetzt ist eine fernere Ableugnung nicht mehr möglich. Es handelt sich um persönliche Streitigkeiten zwischen den Ministern Grekow und Radoslawow; außerdem um die sehr schwierige Frage der Regelung der finanziellen Beklemmungen. Vermuthlich wird ein neues liberales Ministerium gebildet werden.
Zwischen England und Transvaal ist es gekommen, wie es nicht mehr anders kommen konnte: seit Mittwoch dem 11. Oktober herrscht der Kriegszustand zwifchen beiden. Die Republik Transvaal konnte sich unmöglich den immer unverschämteren englischen Zumuthungen unterordnen, und so stellten sie denn der britischen Regierung am 9. Oktober ein Ultimatum: entweder die Truppen Englands sollten von der Grenze zurück, oder die Buren würden bie Verweigerung als eine Kriegserklärung betrachten. Die Englänber antworteten gar nicht erst mehr, unb so war Krieg bie Losung. Kein Mensch kann ahnen, wie er enben wirb!
etzen bezw. in den Ausführungsbestimmungen zu I denselben, z. B. beim Unfallversicherungsgesetz Anhaltspunkte, nach denen zu beurtheilen ist, ob eine gewerbliche Anlage als Fabrik oder ein „der- elben gleichstehender Betrieb" anzusehen ist- Es handelt sich dann aber meistens um Bestimmungen, welche speziell mit Rücksichi auf den Zweck des betreffenden Gesetzes gegeben, und daher nur auf dieses anwendbar find. Für daS Handwerkergesetz hätte es noch mehr als bei den anderen Ge- etzen einer prinzipiellen Definition bedurft, wonn zrundsählich auSgedrückt wäre, was überhaupt inter Fabrik und Handwerk zu verstehen ist. Eine solche Definition ist aber augenblicklich und auch wch in unabsehbarer Zeit außerordentlich ch w i e r i g, denn unsere gewerblichen Verhalt- niffe sind noch fortwährend in der Entwicklung und Umbildung begriffen, sodaß eine Begriffsbestimmung des Handwerks, welche heute aiff Richtigkeit Anspruch machen könnte, vielleicht nach einiger Zeit nicht mehr zutreffend wäre. Wenn schon jetzt genau festgelegt würde, was unter Handwerksbetrieb zu verstehen sei, dann könnte ras für die Zukunft sogar dem Handwerke schädlich werden, da dasselbe noch sehr entwickelungsfähig und -bedürftig ist und manche Vortheile des Fabrikbetriebs in sich aufnehmen muß, wenn es konkurrenzfähig bleiben soll. Vorläufig muß daher, im Zweifel darüber, ob ein Betrieb zur Innung heranzuziehen ist, von Fall zu Fall entschieden werden. Es fragt sich nur, nach welchen Gesichtspunkten diese Entscheidnng zu fällen ist. Auf Grund der Rechtsprechung deS Reichsgerichtes und des Reichsversicherungsamtes gibt es eine ganze Reihe sachlicher Merkmale, welche hier alS Anhaltspunkte für die Beurtheilung dienen können, dahin gehören:
Die persönliche Betheiligung dejS Betriebsunternehmers an der Herstellung der Gegenstände, oder die Beschränkung seiner Thätigkeit auf die kaufmännische Leitung des Unternehmens bezw. Arbeitstheilung zwischen kaufmännischer und technischer Leitung;
die größere oder geringere Zahl d,er Gehilfen oder Arbeiter;
bie ' handwerksmäßige Ausbildung von Lehrlingen oder dieZBeschästigung unge- lerntet jugendlicher Arbeiter;
die Arbeitstheilung und die Art der- selben, die mehr mechanische oder mehr kunstge- mäße Mitwirkung der Arbeiter;
die Größe oder Ausdehnung der Be-
3. pa,z»U<» t» Filda. mit Anterhattungs-Meiülge „Illustrirte Sonntags-Ieiümgf