Fuldaer
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Jutta, Montag, den 2. Oktober 1899.
HS 225.
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26. Jahrgang.
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waltthat entzogen, um solche selbst an rhr zu üben, sondern damit sie mir, dem freien schwedischen Manne, die Hand reiche als freies fchwe- disches Weib, wie unsere Väter es besprochen, und wie wir einander zugeschworen. Will sie das nicht, dann mag sie ziehen!"
Der Pater stieg den §el§weg hinan, der von dem Mönchskloster in das Nonnenkloster" führte, und verweilte lange in' demselben. Endlich sah Erik ihn den steilen Pfad herabklimmen.
Als er näher kam, sah er, daß das Antlitz des Paters um vieles heiterer war, als er da hinanstieg. Um so düsterer wurde das {einige. „Nun?" fragte er nicht ohne Bangen.
„Sie hat eingewilligt, wenn auch nach vielem Sträuben. Das'Herz zog sie zu Dir, die Pflicht zu ihren Eltern. Sie ist entschlossen, in Treue zu Dir auszuharren und zu tragen, was kommt. Ich gehe svacks nach Brankholm hinüber, um einen" freundlichen Empfang ihr dort zu sichern."
„Schade, daß Ihr Mönch geworden", bemerkte Erik sarkastisch. „Ihr hättet einen guten Unterhändler abgegeben, und die Staatskanzlei wird Euch bitter vermiffen, zumal es Euch dabei auf das Glück zweier Menschen nicht ankommt."
„Junger Mann", erwiderte der Pater sich hoch aufrichtend. „Unter dieser rauhen Kutte habe ich gelernt, daß es nur einen Weg zum Glücke gibt, den Weg der Pflicht. Er ist aller- dings mit Dornen bestreut und fordert viele Selbstverleugnung. Lerne ihn wandeln, und was immer Mr fehlschlägt, das Ziel bleibt Dir gewiß!"
Damit zog der Pater am Mönchskloster vorüber, die Straße nach Brankholm.
Erik stand eine Weile in tiefes Sinnen versunken, dann schlug er eiligst den Weg nach dem Nonnenkloster ein und verlangte die Aebtissin zu sprechen.
Er wurde zurückgewiesen.
Trotzig zog er sein Barett in die ©time. |
„War's so gemeint? Wohlan, ihr sollt mich kennen lernen!"
Festen Ganges schritt er auf den Buchenwald zu, der fast bis an den Fuß des Felskegels reichte, auf desfen Spitze das weitläufige Kloster Wad- stena gebaut war.
V. Der Sturm.
Am Eingänge des Waldes stand eine roh von Baumstämmen gezimmerte und mit Zweigen, an welchen noch das dürre Laub hing, gedeckte Hütte. Offenbar diente dieselbe nicht zu einem festen Wohnplatze; denn sie hatte weder eine Thüre, die den Eingang schloß, noch einen Herd. Letzterer war vielmehr außerhalb unter einem Baume von zusammengetragenen, lose aufeinander geschichteten Steinen errichtet. Die Hütte selbst hatte keinen anderen Hautzrath als eine Streu zum Schlafen, einen eisernen Kessel und einige Näpfe, und an den Wänden hingen zahlreiche Waffen; das Ganze machte ungefähr den Eindruck einer Lagerhülte, die nur zu vorübergehendem Zwecke aufgeschlagen wird.
So war es auch. Der Jarl der Dalarnen war mit einem Gefolge von sechs Reitern auf dem Reichstag erschienen; und als er sich auf das Anrathen seines Oheims, des Bischofs Hans
WaS nun die Tschechen thun werden? Nach der Sprache ihrer Zeitungen zu schließen, müßte man annehmen, daß nun sie geneigt seien zu dem, was die Herren von der deutschen Opposition ihnen vorgemacht haben: zur parlamentarischen Arbeitsverweigerung und planmäßigen Störung der parlamentarischen Thätigkeft. Hält aber der andere Theil der Rechten zusammen, dann wird es den Tschechen schwerlich gelingen, das ganze übrige Parlament unter ihre Gewalt zu zwingen. Daß bei ihnen überhaupt Neigung besteht zu solchen Gewaltproben, kommt nur davon her, daß sie durch die Badeni'schen Sprachenverordnungen und durch das Jahre lange Zögern, sie wieder zu beseitigen, übermäßig anspruchsvoll gemacht worden sind. Und so ist es leider nicht ausgeschloffen, daß die Fehler, die vorher gemacht worden sind, noch nachträglich sich rächen!
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Nach den letzten Meldungen hat das Amtsblatt auch am Sonntag noch nicht die Entlassung des Kabinets des Grafen Thun gebracht. Der Grund dafür wird darin vermuthet, daß die Besetzung einiger Miniflerposten in dem neuen Kabinet Schwierigkeiten mache. Man erhofft die Vervollständigung des neuen Ministeriums bis zum Dienstag. Uebrigens sollen die Polen bereits entschlossen fein, in der Opposition gegen das neue Kabinet mit den Tschechen gemeinsame Sache zu machen.
Deutsches Deich.
Berlin, 30. September.
4- „Zu Gunsten des Gevtrnms" sollen angeblich die „Gerüchte" davon in die Presse gerathen sein, daß zwischen den Konservativen und Herrn Minister von Miquel ein Zwist entstanden sei. Höchst wunderlich! Wie tarn es denn, daß dann auch die .Deutsche Tages- jeitung' des Bundes der Landwirthe so sehr von diesem nach der ,Kreuz-Ztg.' angeblich erfundenen Gerüchte erschüttert wurde, daß sie schrieb, „getraut hätte sie Herrn von Miquel niemals? Wenn die ,Kreuz-Ztg.' uns dieses Räthsel lösen kann, dann glauben wir ihr, sonst nicht. Da sie aber dieses Räthsel zu lösen niemals im Stande sein wird, werden wir ihr auch niemals glauben können. In ihrem eigenen Interesse sollte die konservative Preffe lieber schweigen, als so außerordentlich plumpe Versuche zu machen, die offenkundige Wahrheit zu verschleiern. Sehr richtig bemerkt dazu die nationalliberale Berliner ,National-Zeitung': „Die Geschichte von der angeblich klerikalen Mystifikation ist recht sonderbar . . . Das Unternehmen wäre wenigstens so ungeschickt wie möglich gewesen." Auffällig ist, daß man in den konservativen Organen vergebens nach dem Ramendes Fürsten Hohenlohe sucht. Nur Herr v. Miquel ist genannt — aber schließlich bleibt doch Fürst Hohenlohe der Präsident des preußischen Ministeriums, in dem Herr v. Miquel nur die zweite Stelle einnimmt. Von einem „Gange nach Canossa" der preußischen Regierung vor den Konservativen spricht die.Freisinnige Ztg.': „Es kann — so meint sie — einen Stein er
es etwas Böses wäre, demjenigen die Person auszuliefern, der sie ihr gebracht hat. Wenn das Mädchen will — sie hat kein Recht, es zu halten." Dann wendete sich der Pater an Erik. „Und Iroenn nun Björne Brankholm die Hilfe des Reichsverwesers fordert?"
„Unsere Thalmänner waren die Ersten, die Gustav Wasa auf den Schild hoben", erwiderte der Jarl sich stolz aufrichtend. „Wir haben den Torstenson mit seinen Reisigen geschlagen, und diesen Hosbischof Trolle, der den Heerführer zu spielen Lust hatte, nach Upsala zurückgejagt. Haben wir ihn gehoben, so mögen wir ihn auch stürzen."
„Die Leidenschaft verblendet Dich. Wohl ist dieser Gustav Wasa eine sehr ernste Gefahr für Schweden. Denn er stellt das kostbarste Gut eines Menschen, die Religion, in Zweifel. Diese Religion, die Schweden groß gemacht hat, will er stürzen, um eine unerhörte Herrschaft selbst über die Gewissen zu üben. Wer sollte seiner Tyrannei widerstehen, wenn die Kirche nicht seinem Gewiffen zurufen kann: „Hier ist der Markstein Deiner Gewalt. Das darfst Du nicht, das hat Gott verboten." Wenn er zu Grunde ginge in feiner Auflehnung gegen Gott, das wäre ein Strafgericht für die Welt. Aber einen Aufstand anzuzetteln wegen Deiner Heirath, Erik Axelfon, das wäre lächerlich, wenn es nicht uermeffen wäre. Ich will mit Notburga reden. Es wird viel Mühe kosten, dis ich Deinen unüberlegten Streich wieder gut gemacht."
„Redet mit ihr, Pater! Es steht ihr frei, zu thun, was ihr gefällt", erwitzerke der Jüngling stolz. „Nicht deshalb habe ich sie drohender Ge
barmen, wie die offiziöse Preffe die Bündler und Konservativen um Vergebung der Sünden der Staatsregierung anfleht . . . Trotziger als je hatten sie sich zur Kanal-Vorlage verhalten . . . Die bußfertigen Offiziösen verübeln dies auch gar nicht den Konservativen; im Gegentheil, sie sind angewiesen, über diese Kanal-Vorlage künftig keine Zeile mehr zu schreiben, welche die Konservativen und Bündler verdrießen könnte . . . Nun wird die amtliche .Berliner Korrespondenz' angewiesen, noch besonders um Vergebung für Herrn von Miquel zu bitten . . ." Fürwahr, ein kläglicheres Schauspiel kann man sich kaum vorstellen als dieser Frosch-Mäuse-Krieg zwischen Regierung und Konservativen in Preußen und sein Ende gewesen ist. Da Herr v. Miquel der Drahtzieher dabei gewesen ist, könnte man übrigens viel eher an ein hinterlistiges Jn- triguenspiel gegen das Centrum denken als an eine Machination zu Gunsten desselben. Das Centrum wird auf seiner Hut fein!
x „ZUM Industriestaat" soll Deutschland geworden sein, so soll Reichskanzler Fürst Hohenlohe in dem Trinkspruche sich aus- gedrückt haben, den er bei dem großen Empfange der Mitglieder des internationalen Geographen- Kongreffes ausbrachte. Nicht mit Unrecht werden in der Preffe Zweifel darüber laut, daß Fürst Hohenlohe wirklich so gesagt haben sollte. Jedenfalls hat doch erst wieder die allerneueste Berufszählung bewiesen, daß man Deutschland noch lange nicht einen Industrie-Staat nennen kann; denn im Deutschen Reiche sind nicht etwa Industrie und Landwirthschaft einander gleich entwickelt, sondern die Landwirthschaft beschäftigt noch immer mehr Arbeitskräfte als die Industrie. Jeder nicht voreingenommene Mann freut sich ohne Zweifel aufrichtig über die vor- trefflichen Fortschritte der Industrie bei uns in Deutschland. Aber es würde ungerecht sein, darüber die Wahrheit zu vergeffen und der Landwirthschaft die Bedeutung vorzuenthalten, die ihr von Rechtswegen zukommt. Es ist zu bedauern, daß der Wortlaut des Trinkspruches zur Steuer der Wahrheit nicht amtlich festgestellt worden ist.
* Der Seehandlungspräsident und freikonservative Abg. IsrHr. v. Zedlitz - Zlenüirch, der als bezahlter Mitarbeiter verschiedener Zeitungen Jahre hindurch viele Tausende neben feinem hohen Gehalt verdiente, hat erklärt, daß er feine Mitarbeit an der Stumm'schen ,P o st' einstellen werde. Das sagt nun noch nicht viel, gibt jedenfalls keine Garantie, daß der journalistische See- handlungspräsident feine Preßthätigkeit überhaupt, und darauf allein kann es doch ankommen, an den Nagel hängen werde. Daß Herr v. Zedlitz bisher auch Mitarbeiter des .Hamburger Korrespondent' war, ist in einge- weihten Kreisen längst bekannt gewesen ; und wer es nicht gewußt hätte, würde bei einiger Aufmerksamkeit den eigentümlichen geheimräthlichen Stil in dem Hamburger Blatte alsbald herausgefunden haben. Herr von Zedlitz hat aber weiter an den in offiziösem Geruch stehenden ,Berliner politischen Nachrichten' mitgearbeitet, die der Intimus des Herrn v. Miquel, der bekannte Galizier Schweinburg, herausqibt.
Mit Recht wird nunmehr die Frage aufgeworfen, ob etwa Herr von Zedlitz seine Mitarbeit an der.Post' mit einem gewissen öffentlichen Ap- plomb eingestellt habe, um sie bann vielleicht unter der Hand an den beiden genannten Blättern um so ungenirter fortsetzen zu können. In einigen Blättern ist schon direkt ausgesprochen worden, daß sie an ein vollständiges Aufgeben der Preßthätigkeit des Seehandlungspräsidenten nicht glaubten. Unseres Erachtens aber erfordert, von anderen Gründen abgesehen, schon die politische Moral dringend, daß einem Zustande gründlich ein Ende gemacht werde, der, bei Licht besehen, nichts Anderes ist, als ein Stück politischer Korruption. Oder, wie soll man anders es nennen, wenn ein Vortragender Rath eines Ministeriums eine von letzterm im Landtag eingebrachte Vorlage in der Presse bekämpft und trotzdem von dem maßgebenden Minister noch in ein höheres Amt befördert wird? Offenbar hat der Präsident der Seehandlung in seiner amtlichen Stellung zu wenig zu thun und sucht seinen Schaffenstrieb, wenn auch gegen die Regierung, in der „verdienstvollsten" Weise zu betätigen, nur sehen wir nicht ein, daß dem Manne für seine amtlichen „Arbeiten" 15,000 Mark und freie Wohnung gewährt wird. Was dem einen recht, ist dem andern billig, deshalb ist's ungerecht, bescheiden besoldeten Lehrern Schwierigkeiten zu machen, wenn sie ihr Einkommen durch eine Agentur oder durch Berichterstattung an Zeitungen ober ähnliche Einnahmen verbessern unb nach oben hin abrunben wollen, dem hochbesolbeten Seehanblungs-Präsibenten aber durch die Finger zu sehen.
* Der Mainzer,Isra<ttt', eine verbreitete Zeitschrift für das gläubige Judentum, gibt in feiner jüngsten Nummer angesichts der von der Beilage zum ,Berl. Tagebl.', dem ,Ult', gebrachten, die Katholiken so schwer verletzenden Verse folgenden Rath:
„Alle jüdischen Leser von Zeitungen, die sich in jüdischem Besitz befinden oder deren Redakteure Juden sind, habefi auf das strengste daraus zu achten, daß m diesen Blättern die Verächtlichmachung fr-mder Kulten ünd fremder Religionsgebräuche unterbleibt. Finden sie solche in den von ihnen gehaltenen Organen, so haben sie zunächst dem betreffenden Blatte eine V e r w a r n u n g »u ertheilen. Ist die Verwarnung ohne Erfolg, so haben sie mit einer Aufgabe desAbonnements zu antworten. Wir wissen ganz gut, daß die jüdischen Besitzer von Zeitungen vielfach an derartigen Dingen ganz schuldlos sind, oft haben sie vertragsmäßig auf rhre nichtjüdischen Redakteure in Bezug auf die Gestaltung des Inhalts gar keinen Einfluß, oft meinen die christlichen Redakteure solcher Blätter, ihren jüdischen Chefs, die ihre eigenen Blätter oft nur oberflächlich lesen, einen besonderen Gefallen zu erweisen, wenn sie gegen das christliche Bekenntniß gehörig lot ziehen. Das kann uns aber nicht hindern, die vorgeschlagene Maßnahme zu empfehlen. Mögen die jüdischen Herren Verleger sich vorsehen. Der, Ernst der Zeit erfordert Abhilfe."
Dieser Rath ist sehr gut unb würbe sicher helfen, wenn er ausgeführt würbe. Will man bamit Ernst machen, so mögen die zahlreichen jübischen Leser bes ,Ulk' nur gleich frischweg ben Anfang mit biefem ,Witzblatt' machen, selbst wenn sie bie Meinung teilen sollten, „baß bas Jubenthum in allen seinen Richtungen ber Firma Levysohn-Moffe & Cie. fernsteht". In ber jüngsten Nummer (39) quictirt ber ,111$' über feine ihm
Hit Rost um Wckmstt.
Historischer Roman von Philipp Laicus.
10 ------ (Nachdruck verboten.)
Statt aller Antwort legte ber junge Mann nur bie Rechte an ben Schwertgriff, unb ein leises Lächeln spielte um seine Lippen.
„Unb wo hast Du sie hingebracht?" fragte ber Pater nach einer Weile.
„Sie befinbet sich oben im Frauenkloster bei ber Aebtissin."
„Dann werbe ich mit biefer sprechen, baß sie bas Mäbchen unter sicherem Geleite nach Hause fenbe."
„Spart Euch bie Mühe, sie wirb sie nicht herausgeben."
„Weßhalb?"
„Weil sie mir bei Gott unb ber heiligen Brigitta geschworen, baß sie Notburga an Niemanden verabfolgen taffe, als an mich, ber ich sie ihr übergeben; es fei beim, daß sie selbst nach Hause gebracht werben wollte."
„Einen solchen Eib hat bie Aebtissin geleistet?" fragte ber Pater zweifelnd.
Ja, Herr Pater, die Sache war sehr einfach. Ich hielt vor ber Klosterpforte. Hätte sie den Eid nicht geleistet, bann würbe ick mein Roß ge- roenbet haben unb wäre stracks zu meinen Dalarnen geritten. Um biefem größeren Uebel vorzubeugen, schwur sie, unb sie wirb ihren Schwur halten."
„Das wird sie", sagte ber Pater für sich, grübelnb. „Sie war nicht im Zweifel darüber, was sie schwur; unb sie kann nicht sagen, baß
0 Vorläufige Lösung der Krise in Oesterreich.
Sehr erfreuliche Nachrichten kommen aus Oesterreich, Nachrichten, welche biesmal wirklich nach Hoffnung auf friedlichere Gestaltung ber verwickelten österreichischen Verhältnisse klingen. Diese Auffassung ber Dinge wirb weniger bebingt durch bieNachricht, baß Graf Clary-Albrin- gen, gegenwärtig Statthalter von Steiermark, ein neues Ministerium bilden soll; denn biefeS Kabinet soll nur ein Uebergang sein zu dem, was dann für später in Aussicht genommen ist, ein Beamten - Ministerium. Vielmehr ist das Hauptgewicht darauf zu legen, daß sofort nach ber Einsetzung dieses Uebergangs - Ministeriums die rnglücffeligen Sprach en-Derorbnungen bes Grafen Babeni aufgehoben werden sollen. Wer zur Ausführung dieser Maßregel berufen wird, ist weniger bedeutungsvoll, als daß diese Maßregel überhaupt ausgeführt wird; unb es berührt vor allen Dingen sehr angenehm, baß es Kaiser Franz Joseph persönlich ist, ber bieselbe mit erfreulichem Nachdruck in die Wege leitet. Man ersieht daraus, baß ber Widerstand gegen bie Aufhebung ber Badeni'schen Sprachen- Verordnungen gar nicht beim Kaiser selbst gelegen hat, sondern mehr in dem Einflüsse politischer Rathgeber des Kaisers; unb gerade dieser Umstand ist geeignet, ganz besonders versöhnlich auf bie erregten Gemüther ber Deutschen in Oesterreich zu wirken, soweit sie mit Slaven zusammen- wohnen, vor allen Dingen also in Böhmen. Gleichzeitig hat ber Kaiser an alle dießparlamentarischen Parteiführer, welche er am Donnerstag unb Freitag empfangen hat, bie bewegliche Mahnung gerichtet, zur Beilegung ber unversöhnlichen Verhältnisse im Reichsrathe beizutragen unb wiederum geordnete parlamentarische Arbeit zu ermöglichen; und hoffentlich werben diese Mahnungen nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen sein. Der Reichsrath soll, wie berichtet wurde, zum 12. Oktober einberufen werden.
„Mit Hoffnungssreudigkeit" — so berichtete ein halbamtliches Wiener Blatt — sollen bie vom Kaiser empfangenen Mitglieder ber beutschen Opposition ben Audienzsaal verlassen haben. Unb thatsächlich betrachtet man ben Grafen Clary- Albringen als einen gemäßigt-liberal schillernden Mann. Noch mehr nach dieser Richtung neigt Herr von Körber hin, für das neue Kabinet als Minister des Innern ausersehen; unb biefe Thatsache an sich kann natürlich nicht geeignet fein, bas neue Kabinet ber Rechten sonderlich sympatisch zu machen. Aber alle diejenigen, die es gut meinen mit Oesterreich, werden einsehen müssen, baß es im gegenwärtigen Augenblicke kaum ein anderes Mittel gab, um wieder zu geordneten Verhältnissen zu gelangen; und da die herrschenden Verhältnisse unerträglich geworden waren, wirb bie Mehrheit der Rechten zum versöhnlichen Entgegenkommen zweifelsohne bereit sein.