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Inserate: Die ei» spalk. Garmond­zeile ode- deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entfvrecheno. Rabatt gewährt.

perautwortlich: Air die Redaktion Jos. San«, für Inserate I. parzeller in Fulda.

mit Zlnlerhaltungs-Meikage „Muflrirte Sonntags-Zeitung:' petersgasse Nr. s CBormonit).

JuLöcr, Samstag, den 30. September 1899.

Jti 224

26. Jahrgang.

f Die Berliner Krise.

Wenn es sich nicht um einen so außerordent­lich ernsthaften Gegenstand handelte, könnte das Wirrwarr, wie es gegenwärtig in Berlin herrscht, lustig genannt werden. Man könnte dann von t>em lustigen Kriege zwischen der Regierung und den Konservativen reden, umrahmt und durch­zogen von einigen geheimen Winkelzügen, die ganz im geheimen innerhalb der innersten Regierungs­kreise angezettelt worden sind, von dem Kriege, der mit so hitzigen Ausdrücken begann, daß er von einigen naiven Leuten wirklich ernst genommen wurde. Als dann aber die Parteien merkten, daß man im Lande ihren Theaterkrieg ernst zu nehmen beginne, wurde ihnen selbst unheimlich davor, und sie suchten sich schleunigst wieder zu vertragen. Die Offiziösen traten zuerst den Rück­zug an, unter ganz übermäßig höflichen Ver­beugungen. Aber bte Konservativen, vorher ver­wöhnt durch die Schwäche der Regierung, kamen darauf hin noch nicht sofort aus ihrem Schmoll­winkel hervor. Die parteikonservative .Kreuz- Zeitung' wollte von zuverlässiger Seite gehört haben, Herr von Miquel sei es gewesen, der vor allen anderen die Maßregelung der kanal­gegnerischen politischen Beamten betrieben hätte; und gleichzeitig schrieb die ,Deutsche Tages­zeitung' des Bundes der Landwirthe: auch dann, wenn es so wäre, würde ihr Lerhältniß zu Herrn von Miquel „keiner Revision bedürfen"; denn „getraut hätte sie ihm niemals".

An übermäßiger Empfindlichkeit dürfen Staats­minister unserer Tage nicht leiden; sonst würden, ihnen niemals Tage der Rosen blühen. Und namentlich Herr v. Miquel dürfte am aller­wenigsten von dieser Schwäche angekränkelt sein. Allem Anschein nach haben ihn nun auch diese Ausfälle konfervativer Blätter weniger entrüstet, als ihm die Ueberzeugung beigebracht, daß er noch etwas Weiteres thun müsse, um sich wieder den Frieden der empörten konservativen Leibgarde zu verschaffen; denn d ren Kriegsrufe gegen ihren bisherigen Freund und Gönner sind auf einmal wie durch einen Zauber wieder verstummt, und sie wollen es nun gar 'nicht gewesen sein. Die ,Kreuzztg.' zieht sich zurück mit der Versicherung, sie sei über die Haltung des Herrn v. Miquel zu der Frage der Beamten-Maßregelungen mcht ge­nau unterrichtet gewesen — es könne ja auch „bei der im Staatsministerium einheitlich beschlos­senen Maßnahme von einer besonderen Verant­wortlichkeit eines einzelnen Mitgliedes nicht die Rede sein . . . Und die,Deutsche Tagesztg.' versteigt sich sogar im Uebereifer zu der drolligen Behauptung, sie habe es ja immer gesagt, daß es „leere Salbaderei" sei, wenn man von einem Gegensätze zwischen dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten des Staatsministeriums, also zwischen dem Fürsten Hohenlohe und dem Minister v. Miquel, redete. Mit scheinbarer Entrüstung versichert dasselbe Blatt des Bundes

der Landwirthe, es wolle sich nicht „als Statisten in dem Jntriguenspiele verwenden lassen . . .!"

Ohne besondere Veranlassung ist ein so plötz­licher und vollkommener Stimmungswechsel nicht denkbar. Man hat also nach einem ganz ein­fachen Vernunstsgrunde unzweifelhaft anzu- nehmen, daß vom Kastanienwäldchen in Berlin aus, in dessen Schatten das Finanzmi­nisterium liegt, in aller Eile ganz besondere Versöhnungsanstrengungen gemacht, und daß diese weiter westlich in Berlin, so etwa in der Gegend der Wilhelmstraße, wo das Reichskanzler- Amt sich befindet, nicht ohne Erfolg geblieben sind, worauf dann gemeinsam eine Versöhnungs- Aktion mit konservativen Größen ange­bahnt worden ist. Schade, daß man nicht weiß, um welchen Preis diese letztere abgeschlossen worden ist.

Alle die Versicherungen der Beschwichtigungs- Hofräthe aber, als ob „niemals" Meinungsver­schiedenheiten und Krisen innerhalb der Berliner Regierung bestanden hätten, sind doch eigentlich zu — wenig geistvoll, als daß man sich dadurch unponiren lassen könnte. Und man kann das, was .Norddeutsche', »Berliner Korr.' und alle die Uebrigrn dazu schreiben, ganz ruhig auf sich be­ruhen lassen. Auch daß, wie geschehen, Fürst Hohenlohe und Minister von Miquel ein­ander besuchen, beweist nichts für das, was voraufgegangen ist, und noch weniger für die Zukunft. Schrieb doch sogar in diesen Tagen die Münchener .Allgemeine Zei i un g', deren amtliche Beziehungen in Berlin bekannt genug sind: „Von vertrauenswerther Seite wird uns aus der Reichshauptstadt gemel­det, daß die Stellung des Herrn von Miquel erschüttert ist . . . Jedenfalls be­finde! man sich in Berlin wieder einmal in­mitten einer hochgradigen Periode. . .*

Ob diese „hochkritlsche Periode" jetzt vorüber ist, mag dahingestellt sein. Und wäre sie es, dann würde damit noch lange nicht der Stoff und die Grundlage beseitigt fein, aus dem diese neueste Krise hervorging. Diese letzteren wer en bleiben, so lange Herr von Mique'l Minister bleiben wird.

Deutsches Deich*

Berlin, 29. September.

0 Jür die ArvettsrviMge«-Workage, bekannter unter dem Namen der Zuchthaus-Vor­lage, werden innerhalb dernationalliberalen Partei besondere Anträge vorbereitet, von denen man sagt, sie sollten eine Verbesserung des § 153 der Gewerbe-Ordnung (Strafparagraph oerselben) im Auge haben. Nach der Mitlheilung eines nationalliberalen Berliner Börsenblattes ist der Bassermann'sche Flügel der Partei nicht an diesen Anträgen betheiligt. DieserTheil der Partei ist, wie bekannt, für einfache Ablehnung der Vorlage.

• Die Jleichstagswahk im sächsische» Wahlkreise ^ir»a ist bekanntlich, entgegen der anfänglichen Erwartung, zu Gunsten des antisemitischen Wahlbewerbers Lotze ausgefallen, obwohl in der Hauptwahl der Sozialdemokrat

Fräßdorf jenem um etwa 1000 Stimmen voraus war: In der Hauptwahl haben die Freisinnigen ziemlich viele Stimmen für ihren Kandidaten erhalten, und es besteht kein Zweifel daran, daß diese bei der Stichwahl den Ausschlag für den Antisemiten gegeben haben. Nach dem Pirnaer Amtsblatts haben die Freisinnigen „in hellen Haufen, in manchen Orten sogar Mann für Mann" für Herrn Lotze gestimmt — sehr zum Verdruffe der .Berliner Freisinnigen Zeitung', welche sich ver­gebens Mühe gibt, diese Thatsache zu ver­schleiern.

* Seit Jahren ist man es gewohnt, daß, wenn die Reichstagssession naht und neue Militär- und Marineforderung en zu befürchten sind, von preußisch-offiziöser Seite die Ii«a«zkage im rosigsten Lichte geschildert wird. Dann haben wir stets so heidenmäßig viel Geld, daß man nicht weiß, wohin damit, und daß es gewissermaßen als eine Wohlthat hingestellt wird, wenn ein Aderlaß zu Gunsten des Militarismus am Reichsfinanzsäckel vorge­nommen werde. So wird auch eben wieder ver­fahren. Das Organ des Herrn v. Miquel, die Schweinburg'schen ,Berl. polit. Nachr.' müht sich ab an dem Nachweis, wie schrecklich viel Geld wir jetzt schon in der Reichskaffe haben, und wie viel mehr noch wir bis zum Ende des Jahres zu erwarten haben. Zölle und Verbrauchssteuern hätten int Jahre 1898 rund 80 Millionen Mark mehr eingebracht, als im Etat vorgesehen ge­wesen, und auch in diesem Jahre fei ein nicht geringerer Ueberschuß zu erwarten, denn schon die vorliegenden Ergebnisse der ersten fünf Monate dieses Jahres ließen mit Sicherheit da­rauf schließen. Alle Zweige der Reichsverwaltung hätten in dieser Zett erhebliche Ueberschüffe ge­liefert, die sich bei Zöllen, Post und Telegraph und Stempelabgaben allein schon auf nahezu 20 Millionen bezifferten. Natt wird zwar nicht direkt die Anwendung gemacht, daß man bei einer so günstigen Finanzlage für Militär und Marine lustig darauf los bewilligen könne; diese Schlußfolgerung aber wird im nächsten Winter um so sicher Seitens der Hurrah-Patrioten, Militaristen und Marinisten im Reichstag wie in der Presse gezogen werden, und ihnen daher soll die Unterlage dazu durch die offiziöse Schön­färberei geliefert werden. Zu seltsamen Ge­danken aber wird man angeregt bei der Erin­nerung an die Thatsache, daß derartig glänzende Schilderungen aus der Umgebung gerade des Ministers stammen, der, wenn es in Preußen um die Förderung von Kulturaufgab en sich handelt, der zäheste von allen ist: des Herrn v. Miquel. Man wird sich erinnern, wie er bei der Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Ver­sorgung von Lehrer-Hinterbliebenen, gegen die geringe Erhöhung der bezüglichen Pensions­sätze, die der Landtag vornahm, sich wehrte, weil der Staat sie nicht leisten könne. Und heute noch besteht die Gefahr, daß wegen seines Wider­standes das Gesetz nicht zu Stande kommt. Für den Militarismus stets volle offene Hände, für bedürftige Lehrerwittwen und -Waisen nur kümmerliche Brocken — das ist Miquel 'sche Finanzpolitik.

x Die portugiesische« Mesitzttuge« i» Hkafrik« sollen nach englischen Meldungen, die auch in einen Theil der deutschen Preffe überge­gangen sind, als Pfandgegenstände an England und Deutschland gegeben werden für ein großes Darleben, das Portugal erhalten sollte. Nament­lich sollte die Delagoa-Bucht an England ver­pachtet werden. Diese Meldungen treffen aber, wie so viele Vorgängerinnen, nicht das Richtige, sondern werden von Portugal und von Berlin aus gleichzeitig als unrichtig bezeichnet. Man wird sich eben noch eine W°ile gedulden müssen, bis man den Inhalt des englisch-deutschen Geheim­vertrages kennen lernen wird.

+ Die greift in Portugal, wie Drahtmeldungen von dort berichten, in schreck­licher Weise um sich. Fast alle Ortschaften in der Nähe der Hafenstadt Oporto sind nach diesen Angaben verseucht; sogar unter den Sanitäts­truppen sollen schon Pestfälle vorgekommen sein. Berichte, die über Madrid eintreffen, fügen hinzu, daß man den amtlichen Angaben über die Aus­breitung der Pest und der Zahl der Todesfälle durchaus nicht trauen kann — eine wenig ange­nehme, aber nicht ganz unwahrscheinliche Ver­sicherung. Auch im Londoner Hafengebiete sind bereits vereinzelte Pestfälle vorgekommen; jedoch ist es dort den Behörden gelungen, die Kenntniß dieser Fälle der Oeffentlichkeit vor­zuenthalten.

* Magdeburg, 29. Sept. Die Strafkammer verurtheilte den R eichs t a g s a bgeordneten Schmidt wegen Majestätsbeleidigung zu drei Jahren Gefängniß; außerdem wurde, wie die ,Magdeburgische Zeitung' meldet, auf Aber­kennung der aus öffentlichen Wahlen hervor­gegangenen Rechte erkannt; dagegen wurde der Antrag des Staatsanwalts auf sofortige Ver­haftung abgelehnt. — Wegen desselben Artikels ist s. Z. der verantwortliche Redakteur der ,Volks- stimme' zu vier Jahren Gefängniß verur- theilt worden, trotzdem er versicherte, und Schmidt und Andere es als Zeugen bestätigten, daß ohne sein Wissen während eines Erholungsurlaubes die Notiz ins Blatt gebracht fei. Die Thatsache, daß der Reichstagsabgeordnete Schmidt sich selbst freiwillig dem Staatsanwalt als alleiniger Thäter stellte und auch durch einen Reichstagsbeschluß die Aushebung seiner Immunität erlangte, hat nur den Erfolg gehabt, daß er selbst als Mit- thäter unter Anklage gestellt wurde.

* Mönche«, 29. Sept. In der Kammer wurde heute Dr. Orterer (Centr.) mit 154 Stimmen zum ersten und Keller (liberal) mit 157 Stimmen zum zweiten Präsidenten gewählt. Laut der Budget-Rede des Finarizministers schloß die Finanz-Periode 1896—97 ab mit 30 und 34 Millionen Mark Ueberschüffen, wovon noch 40 Millionen verfügbar sind. Andern überraschend günstigen Ergebnisse sind betheiligt: Die Staats­bahnen mit 23, die Pfälzer Bahnen mit fast 2, Post und Telegraphen 2, Malzaufschlag 5, Reichs- Überweisungen 8, Erbschafts-Steuer und Gebühren- Stempel ll1/», Forstverwaltung 10 und direkte Steuern P/t Millionen Mark. — Der Abg. SD aller übernimmt den Vorsitz des Finanz-Aus­schusses, Schädler das gesamrnte Kultus-Refe­rat. Der Vorstand der Centrums-Frak-

Die Rase »om Wkiterchc.

Historischer Roman von Philipp La icns.

9 ------ (Nachdruck verboten.)

Der junge Mann trat rasch auf das Mäd­chen zu.

„Jst's wahr, Notburga, daß Dein Vater uns trennen will?" fragte er so leise, daß keiner der Dienstleute die Worte verstehen konnte.

»Ich fürchte es", flüsterte Notburga noch leiser.

„Du fürchtest es nicht nur", bemerkte Erik düsteren Blickes, „Du weißt es".

„Mein Vater beabsichtigt es; noch aber sind wir nicht getrennt."

„Noch nicht? Wie lange wird es währen?" fragte Erik mit zuckender Unterlippe.

„Bis er sieht, daß ich auf seine Pläne nie­mals eingehen werde", erwiderte Notburga, ruhig ihrem Bräutigam in die Augen schauend.

Aller Unmulh schwand von dem Gesichte des jungen Mannes.

„Ah, diese Rede war Balsam in meine Wunde! Du also hältst mir Wort?"

„Hast Du daran gezweifelt?" fragte Not­burga, stolz das Haupt erhebend.

„An Deinem Willen nicht; Deine Kraft muß sich erproben."

„Sie mag sich erproben!"

„Fordere das Schicksal nicht heraus, Mäd­chen! Du bist wohlgeborgen unter dem Schutze Deines Vaters, aber wehrlos gegen denselben."

.Hab' ich nicht Dich?" fragte Notburga "lächelnd.

„Nein", erwiderte Erik sehr ernst. „Man wird mir das Thor schließen; hier bin ich ohn­mächtig. Aber vertraue Dich mir, und ich schütze Dich gegen eine Welt."

„Und hab' ich nicht den Himmel?"

„Ruse seinen Schutz an, ehe man Dich zwingt, von mir abzulassen!"

„Wie verstehe ich das?"

Der junge Mann schwang sich auf das Pferd, das seither regungslos hinter ihm ge­standen, und beugte dann seinen Kopf flüsternd herab.

„Habe Muth, Mädchen! Habe Vertrauen zu mir! Ich führe Dich zur Äebtisstn von Wad- stena."

„Mißtraust Du mir ? In ihrer Obhut weiß ich Dich sicher. Man wird nicht wagen, Dich den Mauern des Klosters zu entreißen. Ich rufe die Gerechtigkeit des Erzbischofs von Upsala an; er muß unser Verlöbniß schützen."

„Aber was sollte mir denn hier unter dem Schutze meiner Mutter drohen?"

„Weiß ich es? Kann ich ahnen, welche Künste der Ueberrebung, der Verleumdung man anwen­den wird, uns auseinanderzubrinaen? Nur Eines weiß ich: daß ich verzweifeln würde, wüßte ich Dich hier, ohne daß ich bei Dir wäre!"

„Schwärmer!"

„Nenne es, wie Du willst! Nenne es Raserei; aber entscheide Dich; vertraue meinem Arme, so lange er noch die Macht hat. Dich zu schützen."

„Ich weiß nicht, was Du fürchtest!"

„Willst Du mein Weib werden? Ja oder Nein!"

„Ja, gewiß will ich Dein Weib werden."

„Nun, bann wirst Du mir auch verzeihen, wenn ich Gewalt übe, um Dich gegen Gewalt zu schützen!"

Mit diesen Worten hatte sich der Jarl zu dem neben ihm stehenden Mädchen herabgebeugt, und ehe sich Notburga dessen versah, hatte er sie um die Hüften gepackt unh vor sich aufs Pferd gehoben.

Dies war der Augenblick, in welchem Frau Christierna vom Hofe herauf Geschrei hörte. Die Dünstleute hatten die ganze Sache wohl nach den Anschauungen der damaligen Zeit für einen etwas derben Witz gehalten, den sich ja übrigens ein Bräutigam wohl erlauben durfte. Auf keinen Fall hätten sie Veranlassung genommen, dagegen einzuschreiten. Aber Peder Bragge war zu tief in die Absichten seines Herrn eingeweiht, um das plötzliche Hinausschwingen auf das Roß als einen bloßen Scherz zu betrachten. Er schrie den Leuten zu, das Thor zu schließen, und ergriff eine an der Mauer l-hnende Streitaxt, um den Jarl an­zugreifen. Da gab's Geschrei und wirres Durch­einander; aber es kam weder zum Kampfe, noch zum Thorschließen.

„Fatma! Rette deinen Herrn!"

Das Roß, auf dies Wort dressirt, schlug einen Moment vorn und hinten aus, so daß Jeder, der beikommen wollte, scheu zurücksprang. Im nächsten Augenblick schoß es mit seiner doppelten Last zum Thor hinaus und jagte mit wehender Mähne über den Grat.

„Nach! Nach! Ihr Schlaf Hauben !" donnerte Peder Bragge. „Am Steig muß er herunter, und bis er oben auf der Klippe ist, haben wir ihn eingeholt!"

Ein halbes Dutzend Männer, die sich eiligst bewehrt hatten, stürzten, Peder sau der Spitze, hinaus, dem Flüchtigen nach.

Plötzlich blieben die Verfolger stehen, als ob ein Zauber ihren Fuß gebannt. Großes Ent­setzen lähmte jede Bewegung. Der Jarl bog, ohne abzusitzen, auf den schmalen Felssteg ein, der längs der Klippe aufwärts führte. Erik klopfte nur beruhigend auf den schlanken Hals des Pferdes und ließ dann Zaum und Zügel fahren; das Pferd folgte feinem eigenen Instinkte.

Ruhig schritt es von Stein zu Stein, an der schwindelnden Tiefe vorüber. Notburga schloß das Auge und klammerte sich mit beiden Händen an den Geliebten, der regungslos im Sattel saß, bald seinem Roffe schmeichelhafte Namen gebend, bald Notburga beruhigend, die halb ohnmächtig an seinem Halse hing.

Jetzt hatte das Roß die Hochebene erreicht und der junge Mann ergriff wiederum die Zügel. Einen Blick warf er nach dem Grat hinüber, wo eben feine Verfolger sich anschickten, nach Hause zurückzukehren; denn an ein Einholen war ja doch nicht mehr zu denken. Drüben am Fenster des Thurmgemaches standen Frau Christierna und der Pater, die sich jetzt erst wieder von dem Entsetzen erholen konnten, das auch sie beim An­blick des Wagestückes befallen. Erik schwang grüßend sein Barett hinüber und verschwand dann in den Wald, welchen er zu durchreiten hatte, um zum Kloster zu gelangen.

Eine Stunde später kehrte auch der Pater Heribert nach Wadstena zurück und fand den Jarl der Dalarnen, der bereits unter dem Portale des