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26. Jahrgang.

Irrlöa, Ätontag, den 25. September 1899.

M 219

davon sein!

ist abgesagt.

können.

Druck und Verlag der Luldaer Acltendrwckeret peterrgaAe N». » «ldarmollte).

o Minister von Wiqnek hat in feinem Befinden so gute Fortschritte gemacht, daß er bereits wieder das Zimmer verlassen kann — so wird von einer Seite berichtet. In der Thot ist die Besserung in dem Befinden des Ministers noch nicht wieder so weit vorgeschritten. Herr von Miquel muß noch immer das Zimmer hüten.

O Kuttnsminister Dr. Aaste soll haupt­sächlich deswegen aus dem Amte geschieden sein, weil das Lehrerrelikten-Gesetz im preuß. Landtage scheiterte — so hatte eine deutsche Lehrerzeitung behauptet. Halbamtlich wird jetzt dieser Behauptung widersprochen mit dem Hinweise darauf, daß das preußische Staats­ministerium noch gar nicht darüber berathen habe, ob es den Beschlüssen des Landtages zu- ftimmen könne oder nicht. Es ist aber nicht be­sonders rühmenswerth, daß dies noch nicht ge­schehen ist. Ä .

4- Königin Wikhekmina vo« AoAand wird, wie nunmehr feststeht, am Samstag den 7. Oktober mit ihrer Mutter in Potsdam ein- treffen. Sie wird dort bis zum 11. Oktober bleiben. Der Besuch sollte erst früher erfolgen, ist aber auf besonderen Wunsch des Kaisers ver­schoben worden. Die beiden Königinnen werden im Potsdamer Stadtschlosse wohnen. Der ganze Besuch soll den Charakter eines Familienbesuches tragen. Irgendwelche Festlichkeiten und Empfänge sind bisher also nicht in Aussicht genommen

4- Die Mapia-Ansek hören wahrschemllch sehr viele Leme heute zum ersten mal nennen. Es ist das eine kleine Inselgruppe, die von allen Geographen als zugehörig zu der großen Gruppe der Karolinen-Inseln betrachtet wird. Deswegen hat man bisher an leitender Stelle in Berlin ohne weiteres angenommen, daß diese kleine Sondergruppe mitsammt der großen Karolinen- Gruppe an Deutschland abgetreten worden sei. Nachträglich hat sich indeffen herausgestellt, daß auf diese kleine besondere Gruppe Holland schon frühere Ansprüche erhoben hat und nun natürlich auch jetzt noch erhebt, da diese Ange- ; legenheit zwischen Spanien und Holland niemals ! zum Austrage gebracht worden ist. Aber daran I ist natürlich ganz und gar nicht zu denken, daß jetzt an dieser kleinen Sache ein Streit zwischen Deutschland und Holland entstehen könnte. Es handelt sich nämlich um einige wenige und noch dazu winzige Korallen-Jnselchen, deren Besitz kaum von irgendwelchem Werthe ist. Dw Sache wird also ohne Zweifel sehr bald »n sreundschaftlicher Weise erledigt sein.

4- Die Bewegung gegen die pariser gpeit- axssteklnns ist so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen — besser gesagt: künstlich ent» facht worden war. Man vernimmt kaum noch etwas von ihr, jetzt auch nicht mehr in U n g a r n, wo sie in ihrem Anfänge am lebhaftesten sich ge­zeigt hatte. Daß es fo ist, hat Paris in erster Reihe der ruhigen und festen Haltung D e u t s ch- lands zu veroanken, voran der deutschen Rnchs- regierung. Das Beispiel der Ruhe und der Be- sonnenheü, welches Deutschland gegeben bat, ist ! von sichtlich bestem Einflüsse gewesen auf die

9 Das Schicksal der Vorlage zum Schutze der Arbeitswilligen

[J Die Krise in Oesterreich.

Am Freitag Vormittag hat in Wien ein Minister rat h stattgefunden. Freitag gegen Abend verlautete in Wien, das Robinet des Grafen Thun habe den Kaiser um seine Ent­lassung gebeten; und wenn auch am späten Abend desselben Tages das halbamtliche Wiener Drahtbureau die Meldung in die Welt hinaus­schickte, sine Verlautbarungen seien falsch, das Kabinet habe nicht um seine Entlastung gebeten, so ist damit nicht allzu viel gesagt. Denn was nicht ist, daS kann noch kommen, und daß im einberufenen Reichsrathe das Ministerium des

Für bk Kebattion 3of.S«iw, str Jeftrott 3.pa»zell«r tu Lulda.

Inserate: Dieei» spalt. Garmond- zeile ob"* deren Saum 15 Ps., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechen». Rabatt gewährt.

Grafen Thun nicht mehr erscheinen wird, mußte längst als sicher gelten. Der kommende Mann soll Prinz Alfred Lichtenstein sein, der Bruder des Prinzen Moys Lichtenstein. Nach übereinstimmenden Meldungen der Wiener Blätter \ haben sich einzelne Mitglieder des Ministeriums i bereits Prioatwohnungen gemiethet; alles also ■ ist auf den Kabinetswechsel bereits bis ins , Einzelne vorbereitet. .

Den Grafen Thun und fein Ministerium kann man ohne Schmerz scheiden sehen. Er hat nicht gehalten, was er versprochen hat. Jetzt ist der geeignete Zeitpunkt für eine Ver­ständigung mit der Opposition für ihn und fern Kabinet verpaßt und nie mehr zu gewinnen; Graf Thun und seine Ministerkollegen sind schon als Minister im Amte politisch tobte Männer geworden. Aber sehr zu bedauern ist es, daß die ebenfalls vermuthete Thatsache eingetreten und das vom Abg. v. Fuchs versuchte Ver­söhnungswerk im Voraus aussichtslos geworden ist — wenigstens in der vom Abg. v. Fuchs vorgeschlagenen Form.

Die Vereinigungen der deutschen Linken, die Sozialdemokraten und leider auch die Christlich- Sozialen haben die Theilnahme an der vom Abg. von Fuchs einbemfenen gemeinsamen Berathung abgelehnt. „Der Verband der deutschen Volks­parteien" erklärt „jede Verhandlung mit der gegenwärtigen Regierung für ausgeschlossen" und sagt weiter, daß „dieHerstellung geordneter tat* lamentarischer Verhandlungen nur durch be­dingungsloses Aufgeben aller seit dem Jahre 1897 erlassenen Sprachenverordnungen herbeige­führt werden kann." Leider treibt die deutsche Opposition ihre Ablehnung so weit, daß sie auch erklärt, sie werde niemals eine solche Einladung von einem Mitglieds der katholischen Volkspartei annehmen, da diese „stets auf der Seite der na­tionalen Gegner sich befinde". Kann man noch einiges Verständniß haben für alles Uebrige in der Erklärung der Deutschnationalen, so hört an dieser Stelle für einen sachlich urtheilenden Mann das Verständniß auf. Aber wann wären die Leute, die jetzt die Bezeichnung „deutsch- national" für sich allein in Anspruch nehmen wollen, jemals rein sachlich? Die Leidenschaft reißt sie fort, und Verbissenheit trübt ihr Urtheil und ihre Handlungen. Wird das jemals anders werden?

* *

Holm unser fein, dann kann die geheiligte Person des Königs Hand an die Kirche legen. Ja, wenn sie alle dächten wie wir drei!"

„Nun, ich dächte doch," bemerkte Biörne, daß Eure Ansichten, Herr Lars Anderson, in den Reihen Eures Standes manche Anhänger zahlt.

„Ja," erwiderte dieser schmunzelnd, „die Predigten des Herrn Olaus Petri haben mäch­tig gewirkt und Manchem über die Heuchelei und Hoffahrt des Papismus die Augen geöffnet, dre sich, wie ich, gerne zu den Schülern dcS beger- sterten Mannes rechnen. Aber das sind tm Ver­hältnisse doch nur wenige, und Wadstena steh, als eine noch unbezwungene Burg des PaprsmuS da. In den Städten gewinnt die reinere Lehre Luft und Raum, aber das Landvolk ist ganz m der Gewalt der Mönche, und sie schwören nicht höher als auf den Bischof Brask von Linköpmg!"

„Der fanatische Dummkopf!" murmelte Gustav knirschend zwischen den Zähnen.

„Die Verhältniffe beginnen sich eben bös zu­zuspitzen," bemerkte der Kanzler weiter. „Man muß die ganze Sachlage ich möchte sagen mit einem einzigen Ausbreiten der Arme umfaffen, um in diesem Gewirr den rettenden Faden der Ariadne zu ergreifen."

„Nun, Herr Kanzler, seid Ihr so spitz, fo nennt diesen Ausweg!"

„Das läßt sich nicht mit einem Worte thun, meinte dieser, den Kopf leise hin-und herneigend.

Mich jammert da vor Allem die Noth des Landes und des Volkes. Wir verbluten uns in einem fast hundertjährigen Kampfe. Alles verarmt und die Kirche sammelt Schätze auf Schätze; sie allein I könnte der allgemeinen Noth steuern, und wenn

Kaum waren diese Zeilen geschrieben, als der Draht die Meldung brachte, daß das Ministe­rium des Grafen Thun bereits Samstag Vormittags 10 Uhr in einer besonderen Audienz vom Kaiser Franz Joseph empfangen wurde und diesem das Entlassungsgesuch des gesummten Ministeriums unter­breitete. Daß das Gesuch angenommen wird, ist nicht zu bezweifeln. Die Bildung des neuen Ministeriums soll aber nicht dem Prinzen Lichtenstein übertragen werden. Möge der kom­mende Mann heißen, wie er wolle: seine ersteAufgabe wird es sein müffen, eine Verständigung mit der Opposition anzubahnen und die parlamentarischen Arbeiten wieder in geregelten Gang zu bringen. Die Berathung bei dem Abg. von Fuchs

geleistete Hilfe eingereicht und verlangen deren sofortige Bezahlung."

„Ist das Alles?" fragte Biörne erstaunt.

„Die Staatskasse ist leer," betonte der Kanzler.

„Die Klöster sind reich," warf Björne hin.

„Die kommen zu einem großen Schlage an die Reihe," erklärte der Domherr. „Sie find die Morgengabe, welche der'neue König dem mit Steuern belasteten Volke darbringt."

Dann wögen die Lübecker bis dahin warten.

"Deffen sind sie erbötig; sie verlangen aber als Entgelt dafür ausschließlichen und zollfreien Handel für sich und die Städte, denen sie das Recht dazu gewähren."

„Diese übermütige Hansa," brauste Biörne auf Welche Frechheit, uns ein solches Ansinnen zu stellen! Und wenn wir uns deffen weigern?"

Dann drohen sie, ihre Schiffe von Stock­holm zr< rückzuziehen, mit Friedrich von Dänemark sich zu verbinden und ihn auf den Thron Schwedens zu setzen. Die Calmarer Union, welche so viel des Blutes schon gekostet, soll wieder aufgerichtet werden." , „

„Siehst Du, Björne," sagte Gustav wehmuthig, „darum müssen wir uns fügen."

„Legt der Kirche die Steuern auf und befrie- digt die Lübecker!" rief Björne.

„Das geht nicht," erwiderte Gustav, leise mit dem Kopfe schüttelnd. „Thun wir das jetztz so greifen die Bauern für die Pfaffen zur Wehr, und dann ist die Sache noch schlimmer als eben. Severin Norby hält noch für Christian Gothland besetzt, und die südlichen Küstenpunkte sammt Stockholm sind in der Gewalt der Dänen.

„Ja," meinte der Kanzler, „erst muß Stock-

mit Anlerhattungs-Meilage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitung!-

Deutsches Deich.

Berlin, 23. September.

Es kommt dazu, daß die Herren vE Bun de der Industriellen in ihrem Uebereifer ihre wahren Gesinnungen gar nicht verbergen können, sondern ab und zu einen Blick thun lasten in die wahre Beschaffenheit der Gründe, die sie zu Freunden und Befürwortern dieses Gesetzentwurfes machen. Diese Freundlichkeit erweisen neuerdings ihren Mitbürgern die .Berliner Neuesten Nachrichten', ein Blatt, das vollkommen im Dienste des genannten Bundes der Industriellen steht. Da ist nun ganz deutlich zu lesen, daß der genannte Bund auf das Zustandekommen des Gesetzes hofft, um sich desselben gegen die Forderungen der Arbeiter bedienen zu können — wohlgemerkt, gegen die Forderungen, nicht etwa gegen die Vergewaltigung von Ar- beitswilliaen durch Ausständige; das scheint den Herren Nebensache zu sein. Und in diesem Sinne haßt der Bund der Industriellen die christlichen Arbeiter-Vereinigungen gerade so wie die sozialdemokratischen. „Die Erfahrung — so schreiben die,Berl. Neuesten Nachrichten' — bat gezeigt, wie auch christliche Arbeiter- Organifationen zu ganz unberechtigten Forderungen und mehr oder weniger in sozialdemokratisches Fahrwasser gekommen sind ... Dazu werden . . selbst von geistlicher Seite Prinzipien ausgestellt, die bei der thatsächlichen Lage der Dinge „geradezu destruktiv (also zerstörend) wirken müffen." Also nun wissen wir, zu welchem Zwecke der Bund der Industriellen die sogenannte Zuchthausvorlage angenommen sehen will: zur Erhöhung der Macht des Unternehmerthums gegenüber den Ar - beiter-Vereinigungen. Und damit ist der Argwohn sehr vieler Leute bewiesen, daß zur Herstellung des Gesetzentwurfes viele Gesichts­punkte mitgewirkt Haden, die dem angeblichen Kernpunkte der Sache sehr fern liegen.

Von großem Jntereffe ist endlich auch die später bekannt gewordene Thatsache, daß der Staatssekretär Graf Posadowsky die Ein­wendungen von Vertretern mehrerer Bundes­staaten gegen die Vorlage nicht mit sachlichen Darlegungen, sondern mit dem Hinweise auf die Rede des Kaisers in Oeynhausen zurück- geroiefen hat. Sollte die Reichsregierung wirklich Lust haben dazu, die Sachen der Vorlage „zum Schutze der Arbeitswilligen" im Reichstage nach dem Rezepte der Kanal-Vorlage in Preußen zu betreiben? Gott bewahre uns davor. Ver- hängnißvolle Verwicklungen könnten die Folge

•Xfint täglich, ’?8u^ne^mc &et ?'”n,uni> Seiet- Üne Siertetzährl. „rot»ringer obn A Bestellgeld m aulba und aus- Ms IM. 50 Pf.

„Warum leider, Herr Reichsverweser?" fragte Björne erstaunt. „Habt Ihr Zweifel an meiner Bereitwilligkeit?"

„Diesmal ja", erwiderte Gustav kurz.

„Stellt mich auf die Probe!"

„Herr Kanzler, theilt ihm mit, wie es mit Lübeck steht!" Der Reichsverweser nahm sich einen Sessel und bedeutete Björne, das Gleiche zu thun. Die drei Männer setzten sich um die grün behängte Tafel. .

Der Kanzler Lars Anderson war em Mann von etwas über vierzig Jahren; er trug noch das weite, violette Gewand der Domherren von Strengnäs, und darüber eine schwere goldene Kette mit einer großen Medaille, das Zeichen seiner neuen Würde. Sein Gesicht machte einen nichts weniger als angenehmen Eindruck. Sein graues blinzelndes Auge war unter der Lider halb verborgen und gab dem Gesichte den Aus­druck berechnender Schlauheit. Sonst erschien fein Antlitz fleischig und wohlgenährt, rote auch die ganze Gestalt ascetisch aussah. Doch tag etwas Entschiedenes, Kerniges in seinen Zügen, das unwillkürlich Achtung einflößte, nicht zwar jene Achtung, die man vor der Tugend empftnöet, wohl aber die Achtung vor der Kraft; man sah dem Manne an, daß er durchführte, was er wollte, mit List, und roepn es nicht anders ging, mit Gewalt. „ „ .

Jetzt zog er aus einem Stoß Pergamente eine große Urkunde heraus, die er vor sich aus dem Tische ausbreitete.

„Die Lübecker Gesandten",. so begann er mit feiner klar und scharf klingenden Stimme, „haben eine Kostenrechnung für die

aemeinhin Zuchthaus-Vorlage genannt, beschäftigt oeaenwärtig einen großen Theil der Presfe. Ein eigentlicher Grund dazu liegt nicht vor. Aber die Gegner des Koalitionsrechtes der Arbeiter und damit Freunde gerade dieser Vorlage wühlen so wacker in ihrem Sinne, daß es dennoch vöthig sst wieder einmal die wahre Sachlage festzu- ste'llen und allerhand falsche Darstellungen zu be­richtigen, die von jener Seite verbreitet werden.

Innerhalb der nationalliberalen Par­tei sollte sich angeblich ein Umschwung vollzogen haben zu Gunsten der Vorlage. Diejenigen Blatter der Partei, die dem Bunde der In­dustriellen nahe stehen, haben diese Behauptung aufgebracht; „der Bassermann'sche Fehler" sollte angeblich „wieder gut gemacht werden". Darauf hat jetzt ein süddeutsches nationalliberales Blatt aeantroottet die .Badische Landeszeitung' augen­scheinlich nicht ohne Fühlung mit dem Abgeord­neten Bassermann selbst. Die genannte Zeitung widerspricht jenen Darstellungen ganz entschieden. Sie bemerkt sehr richtig, es sei in der Zwischen­zeit „sehr viel geschehen, um diese Abneigung (eben gegen die Vorlage) zu verstärken. Die Zuchthaus- Vorlage ist zum Schiboleth der einsei­tigsten, von Egoismus beherrschten Jnteressenkreise geworden. . . Nichts aber ist mehr geeignet, der Sozialdemokratie neue Schaaren von Arbeitern in die Arme zu treiben, als engherzige Jnteressenpolitik, selbstsüchtige Zu­rückhaltung von den sozialpolitischen Aufgaben ves Staates . . ."Sehr richtig! Also man wird damit zu rechnen haben, daß die Verhältniffe innerhalb der nationalliberalen Partei bei der zweiten Lesung des Gesetzentwurfes noch genau so liegen werden wie bei der ersten.

Nun ist während der allerneueften Zeit viel­fach mit der Behauptung gearbeitet worden, der Handwerkerrag in Würzburg habe der Vorlage zugestimmt unter ausdrücklicher Zu­stimmung des Centrumsabgeordneten Baumann. Das ist "einfach nicht wahr. Außerordentlich lebhafter Widerspruch ist vielmehr von allen Seiten in Würzburg gegen den vorliegenden Gesetzentwurf erhoben worden; und nur das Eine ist wahr, daß am Schluffe der Sitzung eine Mehrheit der Versammlung für den im Verlaufe derselben ausgestellten neuen Gesichtspunkt vor­handen war, daß man nicht die Zuchthaus-Vorlage in ihrer bestehenden Form als solche, sondern vielmehr einen andern Gesetzentwurf haben wolle, der nicht den gehässigen Charakter eines Aus­nahme-Gesetzes an sich trage. Das ist doch wahrhaftig etwas ganz Anderes! Der Centrums- abgeordnete B a u m a n n aber hat in feiner Rede gegen das Gesetz klipp und klar gesagt: „Ich wie meine ganze Partei werden, wie ich hoffe, auch bei der zweiten Lesung ebenso einstimmig dagegen stimmen, wie bet der ersten." Das sind die eignen Worte des Herrn Baumann nach dem in der Versammlung auf genommenen Stenogramm; und sie sind so außerordentlich klar und unzweideutig, daß sie noch klarer und unzweideutiger gar nicht sein

Bit Rose vom Wkümskk.

Historischer Roman von Philipp Laicus.

4 ------ (Nachdruck verboten.)

„Du täuschest Dich, Björne. Das Volk ist wandelbar, der augenblickliche Erfolg besticht es."

„Das konntet Ihr vor zwei Jahren sagen, als Ihr die königliche Würde ausschluget. Heute nicht mehr."

„Du hast Recht", erwiderte träumerisch der König. „Im Herrentage von Wadstena waren es gute Leute, die mir die Krone anboten; Du warst mit darunter. Das waren die Gefährten meiner Kämpfe in Dalekarlien, bei Upsala und vor Stockholm."

„Heute ist es ganz"Schweden, das Euch als feinem Befreier zujubelt."

„Ich werde auch heute nicht mehr die Krone ausschlagen, wenn Schweden sie mit anbietet. Mein Vaterland kennt mich jetzt, und wenn es mein Geschlecht zum Throne beruft, dann werde ich in dem Rufe die Stimme Gottes erkennen und ihm Folge leisten.

Die letzten Worte sprach Gustav Wase mit einem tiefen Seufzer, als ob er sich vor der drückenden Last der Krone fürchtete. Um so be­geisterter wurde Björne.

„Damit hat es freilich gute Wege", fuhr der Reichsverweser fort, „die Sage ist so schwierig geworden, daß das Land wohl an andere Dinge denken muß, als sich einen König zu küren. -Und deshalb habe ich Dich eigentlich zu mir be­rufen. Ich bedarf Deines Rothes und leider Deiner Hilfe."

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