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mit Anlerhallungs-Meilage „Zllustrirte Sonntags-Zeitungi-

26. Jahrgang.

JuLöcr, Samstag, den 26. August 1899.

M 194.

L Vom Katholikentag.

(Originalbericht der „Fuldaer Zeitung".) Neisse, 25. August, Nur wenige Tage trennen uns noch vom Beginn der Katholiken-Versammlung in Neisse. Die Stadt hat ihm zu Ehren bereits ein Fest- gewand angelegt: zwar ist die Ausschmückung der Stadt bei Weitem noch nicht vollendet, aber nachdem was bereits davon zu sehen ist, darf man annehmen, daß die Besucher der diesjährigen Katholikenversammlung eine wahre Feststadt er­wartet. Sogleich beim Eintritt in die Stadt vom Breslauer Thor empfängt den Fremden ein mächtiger doppelter Triumphbogen, geschmückt in den päpstlichen, deutschen, preußischen und städtischen Farben. Bei der allgemeinen Aus­schmückung überwiegen naturgemäß die weiß­gelben und Neiffer (weißrothen)Farben-Zusammen- stellungen. An Wappen trägt die Ehrenpforte das päpstliche, das Reichswappen und — sieben Lilien auf rothem Felde — das städtische Wappen. An der dem Bahnhof zugcwandten Seite trägt die Ehrenpforte folgenden Gruß: „Willkommen, Ihr alle aus Deutschlands Gauen, versammelt, den Geistestempel zu bauen — zu künden mit freiem, mächtigen Wort der Völker Heil, des Friedens Hort!" An der Rückseite liest man die Worte: „Stätte, wo bekenntnißfreudig sich die Freunde wiederfinden, um der heißgeliebten Mutter einen neuen Kranz zu winden!" und „Deutscher Muth, deutsche Treue stärken sich hier aus's Neue". Die Innenseiten der Pforte weisen die Sprüche auf: „Ohne Gottes Gunst ist alles Werk umsonst" und „Jedem redlichen Bemühen sei Beharrlichkeit verliehen". Prächtig nimmt sich im Hintergründe der Ehrenpforte der gleich daranstoßende alte, mächtige Breslauer Thurm in seiner mittelalterlichen Bauart aus. Außer dieser Ehrenpforte befinden sich solche am Neustädter Thor, Jerusalemer Thor und am Weg zur Festhalle. Der Weg vom Bahnhof bis zur Erholung scheint ein wahrer Laubgang zu werden. Die Feststraße führt durch die Bahn­hof- und BreSlauerstraße über den Ring, die Berliner-, Neue Berliner- und Hohenzollernstraße. Auf die Ausschmückurig der Erholung und der anderen Festräume werden wir noch zurückkommen.

Der Besuch der diesjährigen Katholikenver­sammlung scheint bei Weitem stärker zu werden als man vorerst angenommen hatte. Bis heute früh waren 1450 Mitgliederkarten — die Theil- nehmerkarten nicht zu rechnen — ausgegeben. Allstündlich laufen weitere zahlreiche Anmel­dungen ein.

Von namhaften Mitgliedern heben wir fol­gende hervor: Kardinal Kopp, Graf Ballestrem, Graf Lazi Henckel - DonnerSmark, Graf Edwin Henckel-Donnersmaik, Graf Erbdroste-Vi'chenng, Graf Mcx Drostc-Vischering, Graf d'Hauffonville, Graf Hompesch, Frhr. o. Huere, Prälat Mont- bach, Prälat Nacke, Graf Harrys Sierstorpff, die Grafen Bernhard und Friedrich Stolberg-Stol-

Uoth macht erfinderisch.

Humoreske von Paul Bliß.

Herr Waldemar Wimmer stand vor dem Spiegel und machte sorgfältig Toilette.

Fritz, der alte Diener, stand am Tisch und packte einen Reisekoffer.

„Nun, Fritz, rote schaue ich aus?"

„Brillant, Herr Wimmer, man sieht Ihnen Ihre fünfzig Jahre bestimmt nicht an."

Der alte Herr nickte. „Nicht wahr, das meine ich auch. Und ich kann doch noch Eindruck auf ein junges Mädchen machen, was?" Er lächelte.

Fritz sah ihn sprachlos an.

Belustigt sagte der Alte: „Nun, staunen Sie nicht Fritz, es bereiten sich große Dinge vor. Ich reise jetzt auf die Brautschau."

„Der Herr wollen noch einmal heirathen?"

„Ja, mein Junge, das will ich. Sie sehen, ich bin noch lange nicht so vernünftig, wie ich mit meinen fünfzig von Rechtswegen sein sollte."

Der im Dienste ergraute Diener schwieg; eigentlich wollte er sagen — „wenn das nur gut geht" — aber sagte es nicht, sondern schüttelte nur bedenklich den Kopf.

„Also lassen Sie sich deshalb kein graues Haar wachsen," meinte Herr Waldemar, „sondern packen Sie schnell ein, denn in einer guten halben Stunde geht mein Zug."

Das Gespräch wurde unterbrochen, denn Karl Kühne, des alten Herrn Neffe, stürzte athemlos ins Zimmer.

„Onkelchen, Du mußt mir helfen! ich bin in der größten Verlegenheit", rief der junge Mann.

berg, die Grafen Alfred, Friedrich und Ludwig Strachwitz, Graf Anton Stolberg-Wernigerode. Von zahlreichen Abgeordneten seien erwähnt: Dr. Porsch, Dr. Bachem, Cahensly, Dasbach, Dr. Hitze, Krebs, Nadbyl, Pfarrer Langer, Dr. Opferzelt, Heuser. Sonst seien noch von be­kannten Persönlichkeiten erwähnt: Fabrikbesitzer Brandts-M. Gladbach und Dr. Triper, General­sekretär des Volksvereins für Deutschland.

Auf die an den hl. Vater eingesandte Er- qebenheitsadresse ist die Antwort zu Händen des Vorsitzenden des Lokalkomites Herrn Oberbürger­meister Warmbrunn bereits eingelaufen. Das Breve wird erst am Montag bekannt gegeben werden. Vom Episkopat sind zahlreiche Be­grüßungsschreiben eingelaufen, ]0 vom Erzbischof von Freiburg, vom Nuntius von Wien, Nuntius von München, Erzbischof von Gnesen-Posen, Erz­bischof von München, Fürsterzbischof von Salz­burg, Fürstbischof von Olwütz, von den Bischöfen von Münster, Passau, Würzburg, Mainz, Straß­burg, Luxemburg, Ermland, Speyer, Regensburg, Eichstädt, Rottenburg und von den Weihbischöfen von Breslau, Köln, Paderborn und Prag.

Von den bereits bekannten Anträgen heben wir hervor einen der Einspruch erhebt gegen die Vergewaltigung des hl. Vaters, einen gegen die Störung der sonntäglichen Gottesdienste durch Vergnügen, einen zur Förderung der Andacht zum Herzen Jesu, einen zur Förderung der Selbst­schulung in den katholischen Vereinen, einen für die allgemeine Einführung des Vereins der christ­lichen Familie, einen gegen die leichtsinnige Aus­wanderung und weitere betr. die Seelsorge für die Katholiken im Auslande, zur Empfehlung des St. FranziSka-Vereins, zur Bekämpfung der Trunksucht, eine Warnung vor dem Zuzug von Arbeitern nach der Pariser Weltausstellung, einer für die Errichtung öffentlicher Lesehallen und die Förderung der katholischen schönen Litteratur.

© Die preußische Krise wird jetzt fast ganz allgemein so beurtheilt, wie es in diesem Blatte von Anfang an geschehen ist. Das heißt also: von einem Wechsel in leiten­den Ministerftellen ist nicht die Rede; Herr von Miguel bleibt, was er ist, Vize­präsident des preußischen Staatsministeriums, Finanzminister und Vertrauensmann des Kaisers; das Abgeordnetenhaus wird nicht auf­gelöst, und wenn ein Ministerwechsel vorge­nommen wird, dann dürfte das im Ministerium des Innern geschehen.

„Den Freisinnigen — so schreibt die durchaus kanalfreundliche nationalliberale „Rhein.- Westf.-Ztg." aus Berlin — lag es weniger am Zustandekommen des Kanals, als vielmehr daran, den Konservativen eins zu versetzen, und nachdem dies geschehen, auch die Regierung hineinzulegen."

„Die Auffassung, die sich int Kronrathe geltend gemacht hat — so läßt sich die freikonser­vative „Post" vernehmen — ist eine durchaus nüchterne und kühle; sie entspricht nicht im ent­ferntesten den Schilderunaen von Ruchlosigkeit und Neigung zu großen Maßregeln, rote sie von den liberalen Organen entworfen werden. Die Kanoloorlage ist abgelehnt, die Kanaloorlage wird

Aber Onkelchen blieb ganz ruhig und saate nur: „Erstens ist es keine Art, so in das Zimmer hereinzufallen, und zweitens habe ich jetzt keine Zeit, denn, wie Du siehst, will ich eben verreisen. Also, ich bedauere —"

„Aber, lieber Onkel, eine Sache von sehr großer Wichtigkeit!"

„Bedauere, meine Sacke ist noch wichtiger." „Aber mein Lebensglück hängt davon ab!" „Ebenso das meinige," jagte der Alte, „damit Du mich aber für Dein Glück oder Unglück nicht verantwortlich machst, will ich dich trotz alledem anhören." Er winkte dem Diener zu, daß dieser hinausging.

„Also, was willst Du?"

„Lieber Onkel, ich muß in einer halben Stunde eine nothwendige Reise antreten und ich habe kein Geld. Ein Freund, dem ich 300 Mark geborgt habe, hat mich int Stich gelassen, und nun komme ich zu Dir, Dich um 30 Mark zu bitten. Am Quartals schluß, sobald ich mein Ge­halt bekomme, zahle ich Dir alles prompt zurück".

Nachdenklich fragte der Alte: „Und weshalb mußt Du verreisen?"

Und zögernd entgegnete Karl: „Eigentlich wollte ich Dich damit überraschen, wie die Sachen aber jetzt liegen, kannst Du es ja auch gleich erfahren, — ich will zu meiner Braut fahren, um mir vorn Vater das Jawort zu holen."

„Und das ist so unaufschiebbar?"

„Gewiß, Onkelchen, denn meine Martha schrieb mir, daß ich sofort fojnmen müsse, weil ihr Vater einen anderen reicheren Bräutigam be­vorzuge; es handelt sich also für mich darum.

wiederkommen, das ist als Grundgedanke festge­halten worden. Dem entsprechend ist von einem Wechselan leitender Stelle keine Rede... Für die nächste Zeit ist eine Veränderung in der Zusammensetzung des Staatsministeriums höchstens in einem Ressort wahrscheinlich, das bei Berathung der Kanalvorlage nicht unmittelbar im Vorder­gründe stand. Der Gedanke einer Auflösung des Abgeordnetenhauses ist ernstlich nicht mehr in Frage gekommen."

Und die ,93erl. Neuesten Nachr.', Organ des Centralverbandes der Industriellen, lassen sich „von nationalliberaler Seite" schreiben: „Täuschen wir uns nicht, so sind bereits Manche, die in den letzten Tagen die Auflösung des Abgeord­netenhauses als selbstverständlich betrachteten, an der Richtigkeit einer solchen Maßregel irre geworden . . . Für den unbefangen Urtheilenden ergibt sich, daß die Auflösung die Annahme des Kanals keineswegs verbürgen, wohl aber die bedenklichsten Gefahren für die ge- sammte politische Entwickelung herauf­beschwören würde."

Es klingt in demselben Sinne nicht unwahr­scheinlich, was der,Köln. Volksztg/ gemeldet wird: das Jubelgeschrei der linkslibera­len Blätter über einen angeblichen Bruch der Krone mit den Konservativen habe auf den Kaiser gerade das Gegentheil von dem ausgeübt, was man gewünscht habe, der Kaiser sei unter dem Eindrücke nach Potsdam zurückgekehrt, daß er zu diesem Bruche gedrängt werden solle und ver­schließe sich nunmehr erst recht der Erfüllung dieser Forderungen. Sehr unwahrscheinlich klingt dagegen eine andere Erzählung. Danach soll Herr v. Miquel nach dem Einbringen der Kanal-Vorlage bei Gelegenheit von zwei Wahlen bei nationalliberalen Abgeordneten in außerordent­lich scharfer Weise gegen den Kanal-Plan sich ausgesprochen haben. Das hätten die Konservativen erfahren, und deswegen hätten diese geglaubt, Herrn v. Miquel durch Ablehnung des Kanal - Planes einen Gefallen zu thun. Die Centrums-Presse hat ohne Zweifel keine Veran­lassung, für Herrn v. Miquel die Klinge zu füh­ren; aber es ist doch sehr zu bezweifeln, daß Herr v. Miquel in dieser Weise gehandelt haben sollte, namentlich bei nationalliberalen Abgeord­neten, die er als ausgesprochene Freunde des Kanalbaues kennen mußte.

Daß der preußische Landtag an diesem Sams­tag geschloffen wird, steht fest. Aber bis Freitag Abend hat noch Niemand gewußt, in welcher Form dies geschehen solle: ob durch eine Thron­rede des Kaisers im Prunksaale des Königlichen Schlosses, oder in einfacher gemeinsamer Sitzung des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses.

Deutsches R^ch»

Berlin, 25. August.

O Der konservative Landtags - Abgeordnete Armer, welcher gegen die Kanal - Vorlage ge­stimmt hat, ist aus dem Kultusministerium, in welchem er kommiffarisch beschäftigt war, entlassen worden. «*-.->•-

O Aks Nachfolger des Ministers Irhrv. v. d. Nk«ke werden genannt Ministerialdirektor früher anzukommen, respektive eher anzuhalten, als dieser andere."

Lächelnd fragte der alte Herr: „Und wenn ich nun neugierig fein darf — wohin willst Du fahren?"

„Nach Ruhheim, Onkelchen."

„Zu Herrn Direktor Wedemeier?" •

Karl starrte den Onkel an. „Du weißt es also schon?" fragte er nur.

„Noch nicht, ich ahne es eben nur. Du willst also um die Martha Wedemeier anhalten?"

„Das will ich, Onkelchen, denn wir lieben uns schon lange. Und wenn Du ein Bischen aufmerksamer gewesen wärst, hättest Du das schon merken müssen, als Martha vor vier Wochen zum Besuch hier war."

Der Onkel schwieg ein Weilchen. Dann sagte er mit sarkastischem Lächeln: „Nun denn, lieber Karl, ich würde Dir sehr gern gefällig fein, in­dessen, diesmal kann ich Dir das Geld nicht borgen, weil, — nun kurz heraus — weil ich selbst der andere bin, der heute um die Martha anhalten will."

Sprachlos sank Karl in einen Sessel.

Und der Onkel: „Der Direktor und ich haben uns bereits verständigt. Fräulein Martha weiß zwar noch nicht, daß ich der andere bin, aber sie kennt mich ja genau, und in drei Stunden bin ich ja bei ihr; Du siehst also —"

Erregt unterbrach ihn Karl: „Aber liebst Du sie denn? oder liebt sie Dich denn?"

Der Onkel lächelte. „Sieben, mein Junge, ist ein Wort, an das nur die Jugend glaubt; zur Ehe sind vor allen Dingen geregelte Verhältnisse noth- wendig, und wenn man sich sonst nur gut ver­

Bitter und Geheimrath Kelch aus dem Reichs­amte des Innern. Dieser letztere ist ein Befür­worter des Kanalplanes. Gegen die Nachfolger­schaft des Erstem sprechen verschiedene Gründe.

X General AonsulNofe, bisher in Samoa, ist nach seiner Rückkehr von dort mit dem RothenAdlerorden III. Klasse ausgezeich­net worden. Herr Legationsrath Rose hat die deutschen Interessen in Samoa gegen die engli­schen und amerikanischen Ansprüche mit Geschick und Nachdruck vertreten. Die Auszeichnung hat er sich demnach verdient, und es wird dadurch bewiesen, daß die deutsche Reichsregierung das entschiedene Auftreten Rose's auch vollkommen billigt. Von einer Mißbilligung, von welcher englische Blätter wissen wollten, kann keine Rede sein.

• ($hte Aenderung des prettßtfche« AommnnalaLgave» Gesetzes wird von der Regierung nicht beabsichtigt, wie durch eine halb­amtliche Mittheilung festgestellt wird. „Eine solche Absicht der Staatsregierung — so heißt es in der Mittheilung — besteht nicht, und zwar schon deshalb nicht, weil sich im allgemeinen das genannte Gesetz bewährt hat und in seinen Einzel­heiten noch viel zu kurze Zeit in Kraft gewesen ist, als daß nunmehr schon entschieden werden könnte, wie einige derselben eine zweckentsprechende Aenderung erfahren könnten." Aus Petitionen, die sowohl an die Regierung als auch an parla­mentarische Körperschaften gerichtet worden waren, geht hervor, daß man stellenweise glaubte, es werde eine solche Aenderung beabsichtigt; des­wegen erfolgt diese Richtigstellung.

• Die sozialdemokratische» Gewerk­schaften arveite« nicht Lillig. Allein ein Viertel der sämmtlichen Ausgaben ist dazu noth- wendig, um den ganzen Apparat in Gang zu halten, wie man aus dem soeben erstatteten Rechenschaftsberichte der genannten Gewerkschaften ersieht. Es betragen die Ausgaben des Jahres 1898 im ganzen 4’/< Millionen Mark, und davon wurden ausgegeben für die Verbandspreffe 518,949 Mark, für Konferenzen und General­versammlungen 68,693 Mark, für die General­kommission 41,665 Mark, für Gehälter 140,423 Mark, Verwaltungsmaterial 165,926 Mark. Sonstiges in dieser Richtung 107,759 Mark,— das macht alles genommen für Organisation 1,042,000 Mark oder ein Fünftel der ge­summten Einnahmen, und damit ist that- sächlich bewiesen, daß eben doch auch hier sehr viele Arbeitergroschen in die Taschen der Agitation fließen. Während der letzten 8 Jahre sind nach dem Rechenschaftsberichte her Gewerkschaften 24,3 Millionen eingenommen und 21,2 Millionen Mark ausgegeben worden, davon für Streik- Zwecke 4,5 Millionen.

x „Wir fördern die Sozialdemokratie, wo es nur angeht; aber exponiren wir uns nicht derart für sie, daß wir in ihr aufgehen oder gar . . . „sie in uns aufgeht. . ." So schreibt das Berliner „Jüdische Volks b la tt". „Denn — so fährt dasselbe fort — die Juden werden in jeder Bewegung, der sie sich rückhaltlos aus- schließen, durch ihre über das durchschnittliche Mittelmaß hinausschreitenden geistigen Fähigkeiten eine hervorragende Rolle spielen . .

steht, dann findet sich alles andere nachher von selbst."

„Nun, ich denke darüber eben anders" rief Karl erregt, auch meine Verhältnisse sind geregelt, und wenn ich auch kein solches Einkommen habe, wie Du, so reicht es doch für Menscken, die sich lieb haben und sich einzurichten verstehen. Also Du willst mir das Geld nicht borgen?"

„Bedauere, mein Jungchen, das hieße ja, mir selbst die Hände binden."

„Nun, so werde ich anderswo Hilfe finden!" Damit stürzte der junge Mann hinaus.

Mitleidig sah Herr Waldemar ihm nach, dann meinte er: „der arme Junge thut mir leid, es ist ein lieber Kerl, aber schließlich ist sich jeder selbst der nächste. Damit tröstete er sich, fuhr zur Bahn, bestieg den Personer.zug, der ihn in drei Stunden nach Ruhheim bringen sollte.

Inzwischen hatte Karl berechnet, wie viel er brauchte. Er berechnete alles genau, aber 20 Mark mußte er haben. Er lief nun von einem Freund zum andern, aber alles war umsonst, keiner konnte etwas entbehren; Karl war ganz athemlos vor Aufregung. Und all das für feine Gutmülhigkeit; denn hätte er damals dem Freunde die gesparten 300 Mark nicht geliehen, dann wäre er jetzt geborgen. Er sann und sann. Endlich ein rettender Gedanke: er versetzte seine Uhr. Zwar bekam er nur 15 Mark dafür, aber es half nichts. Man mußte sich eben einrichten. Nun eilte er zur Bahn. Aber als er ankam, fuhr der Zug eben zur Halle hinaus. Gebrochen sank er auf eine Bank hin. Was nun beginnen?

Noch macht erfinderisch! auch ihm kam ein toller Einfall.