ZwettelAusgabe
FuldaerMZertung
26. Jahrgang
IuLöa, Freitag, den 25. August 1899.
192,193.
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^M*^.?a^u”i?0äueee,, mil AnlerHatlungs-Aeilage „Sffulfritte Sonnlags-Aeilung" p-tersgaS« Nr. 2 (Harmonie).
d Das 50;ährige Jubiläum des Donifatius-Vereins d
-----am 23. und 24. August 1899 zu Julöa.-----
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Hauptpflicht des katholischen W| Deutschland ist die Unterstützung WtJz des Bonifatiusvereins — dieses Wort des Hochseligen Bischofes Konrad Martin von Paderborn gilt heutzutage noch mehr als früher. Großer, hat der Bonifatiusverein in den 50 Jahren seines Bestehens schon geleistet, aber noch viel mehr bleibt ihm zu thun übrig; immerfort noch wächst seine Aufgabe, denn immer größer wird die Zahl der unter Andersgläubigen zerstreut wohnenden Katholiken, denen regelmäßige Seelsorge mangelt und für deren Kinder die katholischen Schulen fehlen. Mehr als je gilt daher auch heute noch das Wort des Hochseligen Bischofes Konrad Martin von Paderborn: „Die Hauptpflicht des katholischen Deutschlands ist die Unterstützung des Bonifatiusvereins." Wie sehr die Erkenntniß von der hohen Bedeutung des Bonifatiusvereins alle Schichten der Bevölkerung Deutschlands durchdrungen hat, das zeigt die außerordentlich zahlreiche Betheiligung an dem goldenen Jubelfeste dieses Vereins, welches gestern hier in Fulda am Grabe des hl. Bonifatius gefeiert wurde.
Es war ein glücklicher Gedanke, dieses Jubelfest im Anschlüsse an die Konferenz der preußischen Bischöfe hier in Fulda am Grabe des hl. Bonifatius zu feiern — es wurde dadurch einer außerordentlich großen Zahl von Kirchenfürsten ermöglicht, an der Jubiläumsfeier theilzunehmen und dadurch dem Feste nach innen und außen einen Glanz und eine Bedeutung zu verleihen, die der hohen Wichtigkeit des Bonifatiusvereins für das ganze katholische Deutschland entspricht.
Wohl kaum dürfte unsere altehrwürdige Bonifatiusstadt jemals so viele hohe Kirchenfürsten zusammen in ihren Mauern gefehen haben, als in diesen Tagen. Die Hochwürdigsten Herren Bischöfe Preußens waren bekanntlich schon am Montag zur Bischofskonferenz hier eingetroffcn. Eine Anzahl weiterer Kirchenfürsten ist am Mittwoch noch zur Jubelfeier hier eingetroffen, sodaß sich im Ganzen (einschließlich unseres Fuldaer Oberhirten) 16 Bischöfe an den erhabenen Feierlichkeiten betheiligten, nämlich Se. Eminenz Kardinal-Fürstbischof Kopp-Breslau, die Erzbischöfe v. Stein-München und Nörber-Frei- burg, die Bischöfe Willi-Limburg, Hassner- Mainz, Korum-Trier, Simar-Paderborn, Dingelstad-Münster, Rosentreter-Kulm, T h i e l-Ermland, v. S ch l ö r-Würzburg, v. K e p p - ler-Rottenburg, Armeebischof Aßmann-Berlin und die apostolischen Vikare W a h l-Dresden und v. Euch-Kopenhagen.
Kein Wunder war es, daß zu einem solchen Feste Fulda's Bewohner Alles aufboten, ihrer Stadt ein festliches Gewand anzulegen, und so prangte sie denn auch in einem Flaggenschmucke, der sich schöner kaum denken ließ. In allen Straßen, bis in die entlegensten, verkündeten die wehenden Fahnen Fulda's großen Festtag Der Schmuck war in den Hauptstraßen der Stadt besonders reich. Das Denkmal des hl. Bonifatius zeigte in seinem Tannen- und Fichtengrün eine würdige Umrahmung. Eine ganz besondere Pracht zeigte natürlich der Domplatz, sowie der Weg, den die Prozession nahm, eine wahrhafte via triumphalis. Von hohen Masten wehten bunte Fahnen, während die einzelnen Masten selbst durch reiche Guirlanden verbunden waren. Recht sinnvoll waren auch an den Masten die Wappen der verschiedenen Diözesen angebracht.
Die Einleitung zu den festlichen Veranstaltungen bildete die
5- Kerreralversammlrmg des Aonifatirrs
Sammelverems,
die am Mittwoch, Nachmittag 5 Uhr, in der »Harmonie" abgehalten wurde. Der Besuch dieser Versammlung war sehr zahlreich, u. A. war auch der Hochwüro. Herr Apostol. Vikar v. Euch. Kopenhagen erschienen. Es waren vertreten die Diözesen: Fulda, Limburg, Paderborn, Münster, Köln, Trier, Mainz, Speyer, Würzburg, Breslau, Ermland, Rottenburg, Linz (Oesterreich) und Luxemburg. — Herr Prälat Nacke-Paderborn eröffnete die Versammlung mit dem christlichen Gruße und einer herzlichen Ansprache, die in eine warme Empfehlung des Bomfatius - Sammelvereins ausklang. — Freiherr v. Wendt begrüßte die Versammlung im Namen des Bonifatiusvereins, der sich freue,
zu seinem morgigen goldenen Jubiläum eines seiner jüngsten Kinder — den Sammelverein — in so herrlicher Blüthe zu sehen. — Bei der nun folgenden Bureauwahl wurde Herr Pfarrer Hagemann-Warburg zum Vorsitzenden, Herr Stadtpfarrer Rhiel-Fulda zum stellvertr. Vorsitzenden gewählt und zu Schriftführern die Herren Redakteur Baum und Geschäftsführer Parze Iler berufen. Der Vorsitzende, Herr Pfarrer Hagemann, erstattete sodann Bericht über die Thätigkeit des Bonifatius-Sammeloereins während der letzten 4 Jahre. Die Gesammteinnahme während dieser vier Jahre belief sich auf 471,346 M., die Unkosten betrugen 41,530 Mk. Die höchsten Einnahmen wurden von den Diözesen Paderborn (147,077 Mk), Münster (118,147 Mk.) und Köln (92,231 Mk.) erzielt. Die Diözese Fulda brachte mit ihren beiden Hauptstellen Fulda und Cassel 3214 Mk. (im letzten Jahre nur 258 M.) auf; sie stand von allen jenen Diözesen Deutschlands, in denen der
Bonifatiusverein organisirt ist, an letzter Stelle.
Da Se. bischöfl. Gnaden der Herr Apostolische Vikar von Euch die Versammlung verlassen mußte, um der Schlutzandacht der Bischofs-Konferenz beizuwohnen, nahm er vorher das Wort, um seiner Freude Ausdruck zu geben über das Wachsen und Gedeihen desBoni- fatius - Sammelvereins, dem namentlich auch sein Wirkungskreis (Dänemark) viel zu verdanken habe.
Sodann ertheilte er der Versammlung den bischöflichen Segen.
Der nächste Gegenstand der Tagesordnung: „Anträge" führte u. A. zu einer lebhaften Aussprache über die Aufgaben der einzelnen Sammelstellen. — Herr Pfarrer Bredemann- Erfurt hielt dann einen wirkungsvollen Vortrag über die „Beweggründe, für den Bonifatius- Sammelverein zu wirken". Der Verein verdiene unser volles Interesse 1) weil es sich dabei um die Rettung armer Kinder handele, 2) weil diese Kinder arme Waisenkinder sind, 3) weil es arme Kinder der Diaspora sind. — Endlich hielt Herr C. Planer-Halle einen instruktiven Vortrag über das Sammeln und Verwerthen von gebrauchten Briefmarken, Couverts, Postkarten, Siegel- und Stempelmarken. Zum Schluffe richtete Herr Stadtpfarrer Rhiel-Fulda einen warmen Appell an die Anwesenden, der Sache des Bonifatius-Sammeloereins stets treu zu bleiben und eifrig dafür zu wirken zum Helle der armen Kinder in der Diaspora und zur Ehre Gottes.
Die Versammlung wurde darauf mit dem christlichen Gruße geschloffen.
Um 71/» Uhr begann im rothen Saale des Orangeriegebäudes die
fettetet • des Aonisatins-
Verems.
Sämrntliche hier anwesenden Bischöfe und die Delegirten der einzelnen Diözesan-Vereine nahmen an den Berathungen Theil. Der Präsident des Bonifatius - Vereins, Freiherr v. W e n d t, begrüßte den Episkopat mit herzlichen Worten und sprach den Bischöfen für das Wohlwollen, welches sie dem Vereine entgegenbringen, den herzlichsten Dank aus. Der Hochw. Herr Bischof Simar von Paderborn theilte mit, daß der heil. Vater dem Präsidenten das Großkreuz des Gregorius- Ordens verliehen habe; er überreichte ihm das päpstliche Breve und die Ordens - Auszeichnung. Alsdann hieß derHochw. Herr Bischof Adal-
bertus von Fulda die Vertreter der einzelnen Diözesen willkommen; mit Freuden sei man an die Vorbereitungen zu dem Feste herangetreten. Er begrüßte die Anwesenden, daß sie zum Grabe des hl. Bonifatius gekommen seien, um dort ein TeDeum aus voller Seele zu singen, denn große Erfolge habe der Bonifatius - Verein in den 50 Jahren seines Bestehens erzielt. Auch für die Zukunft sollten alle nicht ablassen, bett Segen des Apostels der Deutschen für den Verein zu erflehen, denn groß und gewaltig feien die Aufgaben, welche noch zu lösen sind. Es gelte die katholische Liebe zu erwärmen und zu entflammen zur Begeisterung für den hl. Kreuzzug. DerBoni- fatius-Verein müsse in jeder einzelnen Pfarrei eingeführt werden. — Darauf verlas Herr Freiherr von Wendt ein Telegramm, das an den hl. Vater gesandt werden soll. Herr Prälat Propst Nacke begrüßte auch seinerseits den Episkopat und erstattete den Bericht über den Vermögensstand desVereins; weiter sprach er über die Ausdehnung des Vereins, die dem selbenzugeflossenen Mittel und deren Verwendung sowie über die Bedürfnisse der Zukunft. Sodann verlas er einen Begrüßungsbries des Hochw. Herrn Erzbischofes von Bamberg und ein Telegramm des Bischofes von Linz. — Der Hochw. Herr von Euch, apostol. Vikar von Dänemark, gedachte in liebevollen Worten des edlen Grasen Stolberg, eines der Gründer des Ver
eins, und berichtete bann über bie dänische Mission. Herr Prälat Propst Nacke erstattete Bericht über bie einzelnen Diözesanvereine unb Herr Propst Schröb er-Paderborn über bie Entwickelung ber Bonifatius-Druckerei. Sodann wurde der an anderer Stelle int Wortlaut mitgetheilte Aufruf des Bonifatiusvereins an bie Katholiken Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns, Luxemburgs und unb ber Schweiz verlesen. Domkapitular Mayr- Salzburg berichtete über bas Wirken bes. Bonifatiusvereins in Oesterreich unb speziell in Salzburg. — Die ausscheibenben Mitglieder bes Vorstanbes würben wiedergewählt. — Frhr. v. Wenbt schloß barauf bie Versammlung mit Worten bes Dankes an bie Hochw. Herren Bischöfe. — Se. Eminenz Karbinal Kopp bankte für bie Theilnahme Oesterreichs an bem Bonifatiusverein, ebenso bem Generaloorstanbe bes Bonifatiusvereins für feine umsichtige Thätigkeit unb insbefonbere ben beibett anroefenben bayerischen Bischöfen für ihre Betheiligung an ber Jubelfeier; schließlich ertheilte er ber Versammlung bett bischöflichen Segen.
Von 8 Uhr ab fanb in ber „Harmonie" ein gemüthliches Zusammensein ber fremben Gäste mit ber katholischen Männergesellschaft M. N. statt, wobei manches ernste unb heitere Wort gesprochen würbe.
* * *
Der gestrige Hauptfesttag würbe in ber Frühe burch feierliches Glockengeläute unb Kanonenbonner eingeleitet. Aus bem festlich geschmückten Domplatze würbe es balb nachher lebendig, immer größer würbe bie Schaar derer, die sich bei bem ehrwürbigen Gotteshause versammelten, zumal mit den Frühzügen sehr viele Personen aus der Umgegend- ankommen. Gegen */z9 Uhr trafen die Bischöfe in der Kathedrale ein und bald nachher erfolgte die feierliche Auffahrt Sr. Eminenz des Kardinals Kopp. Um 9 Uhr begann bas feierliche
ISonifatins - Denkmal z« Fulda.
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Dasselbe würbe von Sr. Eminenz celebrirt unb gestaltete sich zu einer so glänzenben Feier, wie Fulda sie wohl kaum je gesehen hat unb wie sie eben nur bie katholische Kirche zu bieten im Stanbe ist. Die vielen Kirchenfürsten, bie mit Pluoiale unb Mitra angethan, unter der gewaltigen Kuppel ihre Plätze inne hatten — auf beiden Seiten umgeben von den zahlreichen Fahnen der hiesigen und auswärtigen Vereine boten ein farbenprächtigesBild. Während desGottes- dienstes brachte der vortrefflich gefchulteStadtpfarr- Kirchenchor unter der Direktion bes Herrn Lehrers Scherer unb ber Orgelbegleitung bes Domorga- niften Rübsam bie 4stimmige Miesa aeptima von Haller (Agnus Dei 5 stimmig) in herrlicher Weise zu Gehör. Nach bem Offertorium folgte bas herrliche vierstimmige Jesu rex admirabilis von E. Stehle. Das Proprium de s. Bonifatio wurde choraliter gesungen. Den Höhepunkt erreichte bie Feier bei ber hl. Wandlung, als die tausendköpfige Menge auf den Knieen lag, die Fahnen sich neigten und der ferne Kanonendonner das Erscheinen des Heilandes unter feiner gläubigen Heerde weithin über Fulda hinaus verkündigte. Am Schluffe l des Amtes ertheilte der Herr Kardinal, angethan mit dem überreich gestickten rothen Sammtornate des ersten Fuldaer Fürstbischofes Amand von Buseck, — den Stab des hl. Bonifatius in der Hand — den feierlichen Segen. Die
Jestpr-digt
hielt der Hochw. Herr Bischof Haffner von Mainz. Einleitend bemerkte ber Hochw. Herr, daß die Bischöfe Pr ußens sich alljährlich am Grabe des hl. Bonifatius versammeln, um ihre gemeinsamen Angelegenheiten zu berathen unb ben Segen des Apostels ber Deutschen zu erflehen. Heute aber haben sich mit ben Oberhirten eine große Zahl katholischer Männer hier am Grabe bes Heiligen versammelt, ber bas Glaubenswerk geschaffen um das fünfzigjährige Jubiläum des Vereins zu feiern, ber ben Namen des großen Heiligen trägt unb bas von ihm begonnene Werk fortzufetzen bemüht ist. Se. Bischöfl. ©naben zeichnete bann ben Lebenslauf und bas apostolische Wirken bes hl. Bonifatius unb schilderte bie Ausbreitung seines Werkes, bas sich trotz gewaltiger Stürme im Laufe ber Zeiten erhalten hat. In ber Diaspora befanben sich bie Katholiken dis in bie Mitte dieses Jahrhunderts in höchst trauriger Lage; viele kannten nicht bie hl. Messe hören, noch auch bie hl. Sakramente empfangen. Um biefem traurigen liebel’ stanbe abzuhelfen, wurde im Jahre 1849 ber Bonifatiusverein gegrünbet, unb besonbers war es ber edle Graf von Stolberg, ber unermüdlich für die Ausbreitung dieses Vereines thätig war. In ben ersten fünf Jahren wurden allein schon
Million Mark zusammengebracht unb Gottes Segen ruhte sichtbar auf bem Vereine. Redner betonte besonders, daß bie Arbeit bes Bonifatiusvereins nicht nur ein religiöses, fonbern auch ein patriotisches Werk sei, benn bem Vaterlanbe könne nur ber treu bienen, ber auch seinen religiösen Pflichten genau nachkomme. Durch Almosen unb Gebete suchen bie Mitglieber bes Bonifatiusvereins bie Aufgaben zu erfüllen, bie ber Verein sich gestellt hat. Wir alle aber wollen ben Allmächtigen am Grabe des hl. Bonifatius um eines besonbers anflehen, baß er uns recht viele fromme Priester fenben möge, bie bas Werk bes Heiligen sortsetzen. Das soll unser Gebet sein heute unb alle Tage, unb ber hl. Bonifatius wird unser Flehen am Throne Gottes unterstützen: Bonifatius ist nicht tobt, er lebt unter uns in unserer Mitte, er wirb uns helfen, wenn wir ihn an« flehen.
Nach bem Pontifikalamte nahm alsbalb bie
Srozeffro«
vor bem Dome Aufstellung. Eine unabsehbare Menge von Menschen füllte ben weiten Domplatz unb bie ihn umgebenben Alleen; sie alle wollten Augenzeugen bieses herrlichen Triumphzuges bes hl. Bonifatius fein. Unter bem Geläute aller Glocken, bem Donner ber Böller unb ben begeisterten Klängen des Bonifatiusliebes zog bie Prozession langsam undseierlich zunächst hinauf nach ber uralten Michaelskirche, um von ba über die reich - geschmückte Pauluspromenabe unb bie Kastanienallee auf ben Domplatz zurückzukehren. Etwa 40 Fahnen bet verschiedenen katholischen Vereine und