26. Jahrgang.
Iutöcr, Dienstag, den 22. August^8M
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Sm« Htib Verlag feer jhtifee« ietteuferaSSew: Peter*jage te. S (TbarmeiM
Angabe des sozialdemokratischen Blattes in Zwickau soll an dieser Meldung „kein wahres Wort" sein. Die Wahrheit wird wohl in der Mitte liegen. Es mag Neigung zum Ausstande vorhanden gewesen, aber wieder unterdrückt
die Rede ist, da handelt es sich eigentlich nur um die Namen Thielen und v. d. Recke. Aber das alles gehört eben nur in das Gebiet der Vermuthungen, für die ihre Erfinder und Verbreiter voraussichtlich auf Befragen schwerlich stichhaltige Gründe wieder angeben können.
Die Sprache der Offiziösen ist gemäßigt und kühl. Was am letzten Freitag an lebhasten Aus
worden sein.
® DerafriKauifcheZleverkand Telegraph nach den Plänen des Herrn Cecil Ryodes ist aus
auch mit der portugiesischen Mosambik-Küste, aber nur in seinen westlichsten Theilen; und diese
........q lich nordwärts bis über den Nyaffa-See hinaus, u vielmehr und vermuthlich wird die Linie bald den Tan-
ausgestalten und ganjika-Seeerreicht haben. Danachistanzunehmen, . Der daß auch auf dem Gebiete von Deutsch-Ost- asrika die Vorarbeiten bald beginnen werden, und wenn sie beendet sein werden, dann wird
Erscheint täglich. N. Ausnahme der Sonu« und Feiertage. Bierteljährl.
Driug»preis ebne Sri itgerloto «nd Bestellgeld in Fulde und auS» „LrisIM.öVPs.
Der Wein stärkte Olga in der That merklich, und bald fühlte sie sich frisch genug, um den Heimweg anzutreten.
Fast mechanisch richtete sie ihre Schritte rach ihrer alten Wohnung, nnd wie dankte sie Gott, daß sie nicht dort geschlafen hatte, als sie sah, wie wüst dort alles durcheinandergeworfen war; ja hätte sie Werthsachen roch da gehabt, so roäun sie den Dieben unfehlbar in die Hände gefallen.
Ihr Erstes war, den Einbruch auf der Polizei zu melden, dann begab sie sich zu dem Rechtsanwalt.
„Wollen Sie nicht einige Wochen verreisen?" fragte dieser, „eine reiche junge Dame ist, so allein, heutzutage ihres Lebens nicht sicher. Haben Sie denn'', fügte er hinzu, „alle in dem Schreiben aufgeführten Schätze gefunden, a»ch den Siegelring und das goldene Fischchen, von denen die Rede ist? Ich besinne mich nicht, daß Sie die bei ihrem Bericht.' mit erwähnt batten."
Die S'mme cerfaate Olga fast, als sie zugeben mußte, dast die beiden Sachen fehlten.
„Dann wird sie Liner sicher mitgenommen haben," sagte der Rechtsanwalt, und Olga konnte ihm unmöglich verrathen, daß fie das fine bei Ralph gesehen.
Gegen Abend ging Olga noch einmal in Ralph's Wohnung, und mußte dort zu ihrer großen Enttäuschung hören, daß Ralph am Nachmittag in geschäftlichen Angelegenheiten verreist war. Es waltete offenbar ein Mißstern über ihren Begegnungen mit ihm.
Die Morgenpost brachte ihr am nächsten Tage einen ersehnten Brief von Ralph, in warmen
der eigenen Küste haben. Der Bau einer solchen wird nicht zu umgehen sein. Jetzt besitzt das deutsche Schutzgebiet in Ostafrika nur einen Telegraphen an der Küste. Man wird schwerlich fehl gehen mit der Vermuthung, daß die Regierung demnächst mit den entsprechenden Forderungen an den Reichstag herantreten wird.
* Kök«, 22. Aug. Eben trifft die unerwartete Nachricht ein, daß Weihbischos Schmitz gestern aus demLeben geschieden ist. Der rasche Tod wird schwerlich auf die Folgen der Amputation zurückzusühren fein. Die Heilung der Amputationswunde war fast vollständig, der Patient hatte wiederholt Gehversuche gemacht und eine in voriger Woche eingetretene starke Erkältung anscheinend bereits überwunden. Am Sonntag Morgen fühlte er sich so wohl, daß er ungeachtet ärztlicher Bedenken zum ersten Male wieder die hl. Messe lesen konnte. In wenigen Tagen gedachte er in seine Wohnung zurückzukehren. Aber schon in der Nacht trat ein Schwächezustand ein, am Montag Morgen mußte er mit den Sterbesakramenten versehen werden, I bann kam Bewußtlosigkeit und um G'/g Uhr Abends das Ende. Hermann Jeftph Schmitz entstammt einer alte», in Köln ansässigen Patricier- familie und war am 16. März 1841 geboren, hat mithin ein Alter von 58 Jahren erreicht. R. I. P. — Schon gestern Abend meldete die ,Köln. Volksztg.': Der Zustand des Herrn Weihbischofs Dr. Schmitz hat sich seit heute Nacht so verschlimmert, daß große Gefahr für das Leben des Patienten vorhanden ist, Aus diesem | Grunde erfolgte heute Morgen die Spendung der hl. Sterbesakramente. Der.Germania' wurde dazu aus zuverlässiger Quelle telegraphisch aus Köln mitgetheilt: In dem Befinden des Herrn Weihbischofs Dr. Schmitz ist in den letzten Tagen eine Wendung zum Schlimmeren eingetreten. Seit der letzten Nacht hat sich ein bedenklicher iSchwächezustand eingestellt. Heute Morgen wurde Weihbischof Dr. Schmitz mit den Sterbesakramenten versehen.WeihbischosDr. Fischer I ertheilre ihm die letzte Oelung. Dompropst Dr. Berlage, Weihbischos Dr. Fischer uno das Domkapitel statteten heute Besuche ab, um sich von dem Sterbenden zu verabschieden.
Deutsches Merch.
Berlin, 21. August.
@ Der preußische Landtag wird voraussichtlich mit dem Ende dieser Woche geschlossen werden. Die Regierung legt — wie ein Berichterstatter meldet — nur noch Werth auf die Erledigung der Justizgesetze, und diese können in der Thal bis zu dem genannten Zeitpunkte vollauf erledigt werden. Man nimmt an, daß das Herrenhaus die von seiner Kommission empfohlenen Aenderungen dieser Gesetze gulheißt und daß bann das Abgeordnetenhaus diesen Beschlüffen ebenfalls beitreten wird. Daran, daß eine Verbesserung des Gemeindewahl-Gesetzes noch zu Stande kommen könnte, denkt im Ernste Nie- wand mehr, weder bei der Regierung noch im Landtage. Die konservativen Anträge, die dazu noch in der zuständigen Kommission des Abgeordnetenhauses durch den Abg. von Heyde- braud eingebracht worden sind, sind wohl auch | mehr taktische Schachzüge der Konservativen als ernstlich gemeinte politische Thaten.
* 46. chstterakvsrsarnMkrmF der Katho- eiken Deutschlands. Der A u g u st inu s v erei n zur Pflege der katholischen Presse hält seine Generalversammlung Montag, den 28. August, Vormittags 111/a llhr im Saale der Brauerei Nütz, Breslauerstraße. — Der Verein katholischer Edelleute Deutschlands hält aus Anlaß der 46. Generalversammlung eine Versammlung zu Neisse am 29. August im Saale des Fürstblschöflichen Knabenseminars am Kirchplatze.
O Gegen die Giaschlepprmg der aus Portugal hat der Senat scharfe gesundheitliche Ueberwachung der Schiffe angeordmt, die aus Portugal und aus den benachbarten spanischen Häsen in Cuxhafen ankoinmen. Uebrigens sind auch in Südafrika neuerdings Fälle von Beulenpest beobachtet worden, so beispielsweise in Magende, zwei Tagereisen von Sanremo Marques entfernt.
G MergarZeiler Ausstände sollten nach den Meldungen mehrerer Blätter im sächsischen und böhmischen Kohlenrevier drohen. Nach der
Ausland.
* Zürich, 21. August. Das Organisations- komitee des deutschen Schriftsteller- und Journalistentages in Zürich beschloß, von dem 5500 Francs betragenden Ueberschuß der allgemeinen Rechnung 3000 Francs der Pensions- kasse des deutschen Schriftsteller- und Jvurnalisten- verbandes zu Überweiser,.
4- Mris, 21. August. Herr Guorrn, der Äntisemiten-Häuptling, der sich mit einer Schaar von Freunden in seinem Hause in der Rae Chabrol verschanzt hat und mit Erfolg der Belagerung durch Soldaten und Polizisten trotzt, kann triurnphiren: seine Frechheit ist die Ver- anlaffung geworden zu groben Ätraßen- unruhen, deren Ursprung eigentlich Herrn
Worten drückte er ihr seine Sehnsucht nach ihr aus und bat sie innig, ihm recht bald zu schreiben.
Der ganze Ton des Briefes war ein so herzlicher und aufrichtiger, daß sich Olga der Eindruck aufdrängte, so könne mir einer schreiben, der ein gutes Gewissen habe.
Um seine Bitte um eine Nachricht recht schnell zu erfüllen, telegraphirte sie ihm ihren Dank und sprach von ihrer Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.
Leichteren Herzens als seit langer Zeit unternahm sie, nachdem das Geschäft erledigt, einen Spaziergckffg. In rosigem Lichte malte sie sich die Zukunft aus und sah sich im Geiste als glückliche Frau an Ralph's Seite.
Leider sollte ihre Freude von kurzer Dauer sein, denn eben sah sie Attx Liner um die Ecke biegen, sein unwillkommenes Erscheinen riß sie unsanft aus ihren süßen Träumen.
Heute sah er wieder ordentlich und anständig aus. Er kam auf Olga zu, die sich jedoch um einer Anrede zu entgehen, zur Seite wandte. Es sollte ihr aber nichts nützen, Liner trat zu ihr und sagte nach einem höflichen Gruße: „Es freut mich. Sie zu treffen, Fräulein Bahl —"
„Ich dächte wir hätten uns in letzter Zeit öfter getroffen als nöthig," konnte sie sich nicht enthalten zu sagen.
„Es thut mir leid, wenn ich Sie durch meine Bitte kürzlich auf der Straße belästigt habe."
„Sie scheinen ein ziemlich kurzes Gedächtniß zu haben. Sie hoben oie Begegnung ober vielmehr den Ueberfall in der Droschke wohl ganz oergeffen?“
Aus dem Landtage.
Iiögeorduetenhaus. — 93. Sitzung vom 21. August.
Am Ministerlisch: Frhr. v. d. Recke.
In 3. Berathung werden die Vorlagen über die Verfassung im Konsiftorialbezirke Frankfurt a. M. und über die Landesbank in Wiesbaden ohne Erörterung angenommen. m .
Dann beginnt die 2. Berathung der Vorlage bett, die Polizeiverwaltung in den Vororten Berlins. - Z 1 verlangt für die Regierung dre Vollmacht, alle Vorortsgebiete umBerlin dem hauptstädtischen Polizeipräsidium zu unterstellen. Die Kommission dagegen schlägt vor, von den Vororten nur Charlottenburg, Schöneberg und Rixdors an die Berliner Polizei an-
„In der Droschke? Was meinen Sie eigentlich ? Ich habe Sie überhaupt noch nicht in einer Droschke gesehen." ,
„Dann leugnen Sie wohl auch, je in dem Hause in der Schreiberstraße gewesen zu sein?"
„Die Anklage mit dem Ueberfall in der Droschke muß auf einem Mlßverftanndmß beruhen," begann Siner von neuem, aber Olga unterbrach ihn: „Das Mißverständniß roirb sich wohl bald aufklären," hieraus rief sie einen Polizisten und bat ihn, den Mann zu verhaften.
„Sie werden Ihren unüberlegten Schntt selbst bereuen, Fräulein," sagte Siner, während er abgeführt wurde. —
Auf dem Polizeiamte wurde der Verhaftete einem genauen Verhör unterzogen, auch wurden seine Taschen durchsucht, und dabei sand man den Siegelring mit der Schlänge.
Wie er zu demselben gekommen, war nicht aus ihm herauszubringen, er verweigerte jegliche Auskunft darüber.
Olga befand sich unterbeffen in einer großen Aufreauna, einestdeils erfüllte sie ein Gefühl der Befriedigung, daß der gefährliche Mensch unschädlich gemacht worden war, und doch konnte sie trotz allem ein gewisses unbehagliches, ihr selbst unerklärliches Bangen nicht unterdrücken. Dieses Unbehagen sollte durch einen Brief von Ralpb nur noch verstärkt werden.
„Meine geliebte Olga," so schrieb Ralph, „zu meinem Schrecken habe ich gehört, daß Du Siner hast verhaften lassen, Du hast Dich eines großen Versehms dadurch schuldig gemacht, denn Siner ist meiner festen Urberzrugung nach aanz unschuldig. Ich habe Dir viel zu erzählen, aber
zuschließen. . , . . , .,
Abg. Dichter (freis. Volksp.) beantragt, den letztgenannten 3 Gemeinden die Wohlsahrtspolizer im bisherigen Umfange zu belassen. „
Abg. v. Keqdevrand (kons) beantragt Zuruckverweisung der Vorlage an die Kommission, ba etft Jcatieie» über die geplante Theilung des Regierungsbezirks Potsdam feststehen müsse.
Die Abg. v. Eyner« (natwnallib.) und gUalter 'chließen sich dem Vorschläge an. letzterer mit dem Bemerken, daß die Sache ja nicht dringlich ser, zumal man nicht wisse, welcher Minister des Innern die Vorlage auszuführen haben würde. ... *
Minister v. d. Wecke hat zwar gegen d-.e Zuruckverweisung nichts ei, zuwenden, erklärt über jetzt schon, daß die Theilung des Regierungsbezirks Potsdam noch nicht über vertrauliche Besprechungen hmausgekommen fer.
Nachdem auch Abg. Winteken Nimens des Centrums sein Einverständniß mit dem Antrag Heydebrand ausgesprochen hat, beschließt das £>au| in diesem «urne.
Es folgen Petitionen. Em Gesuch des Magistrats von K ö n i g s b e r g i. Pr. forbert Belast ung der Wasserbauverwaltung beim Ministerium der öffentlichen Arbeiten oder die Bildung emes besonderen Wasserbau-Ministeriums. Die Petitionekom- mrssion beantragt dazu Ueberqang zur T a g e s o r d nung. Das Haus schließt sich nach ganz kurzer Besprechung
Eine Petition betr. Entrichtung einer katho- lischen Schule in Zemblau (Westpreußen), wozu die Kommission ebenfalls Uebergang zur Tagesordnirng bean- tragt hatte, geht auf Vorschlag des Abg. Dasbach (Ctr.) an die Kommission zurück. „
Nächste Sitzung: Dienstag 11 Uhr Gerichtsverfassung für Berlin und Umgebung, kleine Vorlagen, Antrag Kanitz betr. Aenderu g des Rentengutergesetzes,
Präsident v. Kröchet theilt mit, daß noch für morgen und übermorgen Stoff Berathungen - liegt. Die Ausführungsgesetz- zum Bürgerlichen Gesetz- buch, die aus dem Herrenhause zu erwarten sind, sollen am Samstag auf die Tagesordnung kommen.
Schluß 2'/- Uhr. ™
(Der konservative Abgeordnete, dessen Mandats- niederlegung in der letzten Nummer gemeldet wurde, I der Landrath v. Hasselba ch aus Wolmirstedt der Magdeburg.)________ _
[affungen in der halbamtlichen Presst zu finben war, das soll nach übereinstimmenden Meldungen auf die unmittelbare Anweisung des Kaisers in diese Presie gebracht worden sein. Heute ent- iiält die ministerielle .Berliner Korrespondenz' zwar wieder eine längere Kundgebung zu dem Kanal-Falle; aber auch diesmal ist von jeglicher Androbuna ober Andeutung einer Auflösung des . •,------ - =• , . „ „
Abgeordnetenhauses Abstand genommen. Es heißt eine gute Strecke hin bereits fertig gestellt, nam- nur wiederum: „Die Staatsregierung wird den *r{A «^»'^ta ms «ßpr den Nvafta-Lee mnaus, Kanalplan nicht fallen lassen, denselben . . . roeiter c einer Verwirklichung entgegenführen ... Der Mittelland-Kanal muß und wird die allgemeine Anerkennung sich erobern. Die Ablehnung des . .. ... . .
Abgeordnetenhauses bedeutet in der Kanalfrage unser Schutzgebiet in Oitascika Droh Verbindung ptr-pn Nusickiub keine enbgiltige Ent- haben mit dem Kaplanbe und mit We.-asrika, , cheidu ng " Dunkel ist, was das ministerielle auch mit der portugiesischen Mosambik-Küste, aber Organ mtter btt „weitern Ausgestaltung" des nur in seinen westlichsten Theilen; und diese Kana!planes versiebt. Soll das heißen, das ähn- werden noch immer keine Verbindung mit liche Plane auch für andere Sandestheile gehegt
Das Gcheimiß des GetzhMs.
Von Arthur Marchmont.
12 ------ (Nachdruck verboten.!
12 Kapitel. Die Verhaftung.
Arn nächsten Morgen begab sich Olga nach dem Frühstück zu Ralph's Mutter.
„Mein Sohn kam gestern recht ärgerlich nach • Hause, daß er Dich nicht getroffen hatte," sagte diese, „er ist überhaupt in letzter Zeit so gereizt, ich weiß gar nicht, was in ihn gefahren ist."
„Mir ist das auch schon aufgefallen", antwortete Olga leise.
Während dieses Gespräches waren sie an Ralph's Schreibtisch getreten, da fielen Olga's Augen auf das goldene Fischchen.
Sie mußte sich Gewalt anthun, um ihre Erregung nicht zu zeigen, mit erzwungener Gleichgiltigkeit nahm sie es in die Hand und sagte: „Das ist ein hübsches Schmuckstück'.
„Ja", antwortete Frau Geth ganz harmlos, „ich bin recht froh, daß wir's wieder haben, es war lange weg und erst vor wenigen Tagen krackte Ralph es wieder."
Olga's Rniee zitterten, hätte sie sich nicht schnell wieder gesetzt, sie wäre umgefallen.
„Fehlt Dir' etwas, Kind?" fragte Frau Geth besorgt.
„Es ist eine vorübergehende Schwäche," antwortete Olga leise zitternd.
„Ich will Dir ein Glas Wein holen", meinte die gute mütterliche Frau, „das wird Dir gut thnn."
6 Der Lucanus geht um.
Der Chef des Cioilkabintts, Herr von । Lucanus, ist am heutigen Montag Mittags 12 i Uhr bei dem Reichskanzler Fürsten Hoben- I lohe vorgefahren und hatte mit diesem eine halb- ; stündige Unterredung. Nachher fuhr Herr Geheime- ratb non Lucanus zum Staatsminister von Miquel, mit dem er eine Berathung von etwa einer Stunde hatte. Später, Nachmittags 4 Uhr, haben sich alle preußischen Minister in der Amtswohnung des Fürsten Hohenlohe versammelt, um in gemeinsamer Berathung über die Sachlage und die obwaltende Krisis sich zu besprechen. , .
Wenn ehedem Herr von Sucanus tn _ solcher Sag? und unter ebensolchen Umständen bei einem Minister erschien, dann schloß man aus dem Besuche daraus, daß der von dem Ches des kaiserlichen Cwilkabinets beehrte Minister alsbald nicht mehr Minister sein würde; und wenn entsprechende Annahmen auch sitzt wieder laut werden, so kann das in anbetracht der Umstände nicht auffallend sein. Ntchtsdestoweniger kann alles bat, was in den öliktern von Ministerveränderungen, Maßregeln gegen das preußische Abgeordnetenhaus und ähnlichen Dingen sich findet, zunächst nur in das Gebiet der Vermuthungen gehörten. Bis heute herrschten noch innerhalb des preußischen Staatsministeriums, wie von unterrichteter Seite versichert wird, verschiedene Ansichten darüber, ob das Abgeordnetenhaus auszulösen sei oder nicht; und vermuthlich zu dem Zwecke, die Meinungen innerhalb des Ministeriums zu sichten und zu klären, wird Reichskanzler Fürst Hohenlohe die Mitglieder des Staatsministeriums zu sich entboten haben. Die Ent sch eidung über das, was die Regierung thun wird, steht dem Kaiser zu, und dieser trifft erst am Dienstag nach dem ursprünglichen und nun doch unverändert gebliebenen Reiseplatt wieder in Berlin ein. Auch für den Fall, daß die Regierung zu dem Be- schluffe gelangen sollte, das Abgeordnetenhaus auftutösen, würde diese Auflösung aller Wahrscheinlichkeit nach erst nach dem regelrecht erfolgtenSchlusse dieser Landtags - Tagung vorgenommen werden.
In der Presse macht sich immes mehr die Auffassung geltend, daß die Regierung von einer Auflösung des Abgeordnetenhauses absehen wird. Auch diejenigen, die eine solche Gewaltmaßregel der Regierung ganz gern sehen würden, wie Eugen Richter's .Freisinnige Zeitung', glauben nicht mehr daran, daß sie ergriffen werde. „Schwerlich — so schreibt jetzt auch die ,Freis. Ztg/ — wird es zur Auflösung kommen, wenn nicht der Träger der Krone dies auf das Entschiedenste und Bestimmteste verlangt . . . Es wird also fortgewurstelt werden . . ." Und wo in den Blättern von Ministerveränderungen
mit Aifterßaütmgs-Meffage „IMflririe Sormfags-Ieittmg.
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