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verallwortli»: Für die Redaktion Jo {.Saarn, für J-tt-rate j.parzeller in Fulda.

mit Ztnterhaltimgs-Weilage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitung!'

M 171.

Julöcl, Samstag, den 29. Juli 1899.

26. Jahrgang.

*

*

Jene ländliche Wohlfahrtspflege indessen, die z. B. auf die Schaffung eines freundlichen eigenen Heimwesens für den Arbeiter und auf die Anwendung der Rentenguts- Gesetzgebung auch in dieser Beziehung, auf Erhaltung oder Wiedergewinnung eines den Gr- meindeverhältniffen entsprechenden Ge meinde- landes (Allmende) u. a. m. abzielt, ist hier nicht näher zu erörtern, weil sie vorzugsweise die östlichen Verhältnisse betrifft. Auch ist übrigens die Frage streitig, ob die Seßhaftmachung der Arb eiter in den Gebieten der selb­ständigen Gutsbezirke des Ostens den Zweck erfüllt, die Arbeiter zufrieden und der heimath- lichenScholle anhänglich zu machen. Im Bauern­dorfe, wo die Wahl zwischen verschiedenen Ar­beitgebern möglich ist und die Arbeiter überhaupt eine andere soziale Stellung einnehmen, ist das eine andere Sache.

Man kann die Beweggründe, welche zur Land­flucht führen, für die weit überwiegende Mehr­zahl der Abwanderer wohl in den einen zrrsam- menfaffen, daß sie glauben, anderwärts eine ihnen mehr zusagende Lebensweise führen zu können. Die Lebensbedingungen des Landarbeiters müssen sich daher so gestalten, daß er freiwillig und gern auf dem Lande bleibt. Die Möglichkeit hierzu st-ht in engstem Zusammenhangs mit der Art und Weise, wie sich die Beziehungen zwischen Arbeit­geber und Arbeitnehmer gestalten. „Ein Zug nach erhöhter Unabhängigkeit geht durch die Massen," so betonte im vorigen Jahre mit Recht eine Denkschrift der schlesischen Landwirthschafts- Kammer, „ein Drang nach höherer sozialer Stellung und Achtung der Persönlich- keit. Die Ideale der Freiheit und Menschen­würde sind im Laufe dieses Jahrhunderts bis in die untersten Schichten durchgesickert. Die Ein­drücke, welche im Militärdienste gewonnen wer­den, die neuerdings wesentlich erhöhte Schulbil­dung und die Verleihung der politischen Mitbe-

Um dieses Bewußtsein in der Landarbeiter- schast zu stärken und dadurch der „Landflucht" entgegenzuwirken, ist endlich noch besonders wichtig die Sorge für andauernde Beschäftigung auch im Winter, die Vermeidung der Härte, daß der ländliche Taglöhner im Winter einfach abgeschoben wird. Es muß ihm ein dawern - der, wenn auch im Witz ter geringerer Lohn garantirt werden. Schon durch umsichtige Ver- theilung der Arbeiten für das ganze Jahr wird sich in dieser Hinsicht manches erreichen lassen. Auch die Bekämpfung der zeitweiligen Arbeits­losigkeit durch eine den ländlichen Verhältnissen entsprechende Organisation des Arbeits- nachweises,Unterdrückung des Gesinde­maklerunwesens würde noch hierhergehören, worauf wir hier jedoch nicht mehr eingehen wollen.

Die Wohlfahrtspflege ist für die Lösung der ländlichen Arbeiterfrage um so wichtiger, als die Gesetzgebung nur mittelbar und jedenfalls nicht mit Zwangsmitteln in dem Arbeitermaugel Hilfe bringen kann.

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 29. Juli.

ß Dorn Weltparlament der Frauen.

ix.

(Schluß.)

Ich kann natürlich nicht über alle achtzig Versammlungen, die während der zehnjährigen Dauer des Kongresses stattgefunden haben, be­richten ; ich habe nur das Wichtigste hervorheben können. Die meisten dieser Zusammenkünfte hatten auch nur ein beschränktes Interesse für „Fachfrauen". Ich will nur bemerken, daß in recht vielen derselben furchtbar auf die herzlosen und tyrannischen Männer geschimpft wurde und

der in Landwirthschafts-Angelegenheiten rühmlichst bekannte badische Minister Dr. Buchenberger in seinem Werke über Agrar-Politik, „stehen unter den Mitteln zur Lösung der ländlichen Arbeiter­frage diejenigen, welche sich die Bekräftigung warmer werkthätigerAntheilnahme an der Lebensführung der Arbeiter durch Schaffung geeigneter Wohlfahrts - Einrichtungen zur Aufgabe setzen, mit in vorderster Linie."

Der zu solcher Antheilnahme unentbehrliche Gemeinsinn, dessen beste Schule gemeinsame wirth- schaftliche, insbesondere genossenschaftliche Unter­nehmungen bilden, muß sich sodann in der Pflege der Familiengemeinschast zwischen dem bäuerlichen Arbeitgeber und dem Gesinde äußern, ferner auch darin, daß es dem Arbeiter (Knecht) in angemessenem Alter erleichtert wird, wo mög­lich auf eigenem Besitz oder gesichertem Pacht­zins sich eine selbständige Häuslichkeit zu gründen. Wo das nicht geschieht und es also unter den ländlichen Tagelöhnern an Familien­vätern fehlt, wird bald der Mangel an Knechten und Mägden die natürliche Folge sein. Dem verheirateten Landarbeiter sollte weiterhin auch in Bezug auf die Verwaltung der politischen und kirchlich en Gemeinde die Gleichbe­rechtigung nicht versagt werden.

Im einzelnen muß der Arbeitgeber in Be­kundung werkthätiger Antheilnahme an der Lebens­führung des ländlichen Arbeiters noch u. a. da­rauf hinwirken, daß dieser seinen Lohn sparsam verwende und das Ersparte gut und sicher an­lege, daß er im Falle der Noth nicht Wucherern in die Hände falle (Spar- und Darlehns- f offen), daß er feine Habe, zumal seinen kleinen Viehstand, leicht und billig versichern kann (Vieh­versicherungskassen), daß vor allem auch nach der charitativen Seite für ihn gesorgt werde. Letztere Fürsorge (Krankenpflege, Be> wahrfchule, Haushaltungsunterricht rc., besonders im Interesse der Arbeiterfrauen) sollte durch die Errichtung einer Niederlassung von Kloster­schwestern, wenn nicht anders möglich durch Ver­einigung mit Nachbargemeinden, erleichtert werden. Eine solche Wohlfahrtspflege „erfüllt die arbeitende Bevölkerung mit dem Bewußtsein, daß die Be­ziehungen zu dem Arbeitgeber, über das rein privatrechtliche Verhältniß der Arbeitsleistung und Lohnzahlung hinausreichend, ihreneigenenLebens- und Wirthschaftsverhältnissen einen gewissen sichern Rückhalt verleihen." (Buchen­berger.)

stimmungsrechte haben in der gleichen Richtung gewirkt."

Durchaus verfehlt ist es daher gewiß, den ländlichen Arbeitnehmern gegenüber auf einem veralteten „Herrschafts-Standpunkte" mit schroffen Formen und äußeren Zwangsmitteln beharren zu wollen. Auf solche Weise kann man die Bauernsöhne und -Töchter der Landwirthschaft sicherlich nicht erhalten. Vielmehr müssen die Be­ziehungen zwischen ländlichen Arbeitgebern und dem Gesinde, sowie den Tagelöhnern derart wer­den, daß sie hinreichend werthvoll erscheinen, um die Vorzüge der Beschäftigung in Fabriken und den Reiz des städtischen Lebens einigermaßen auf­zuwiegen. „Aus diesem Grunde," so sagt auch

Der Kongreß fand seinen Abschluß durch einen Empfang bei der ehrwürdigen alten Königin, die nunmehr 62 Jahre lang über Großbritannien herrscht und jüngst die Achtzig überschritten hat. Und in der That, was hätte das Werk des Krongresses besser krönen können, als ein paar ermunternde Worte von dieser Frau, die, wie von Freund und Feind anerkannt wird, die höchsten und schwersten Pflichten, zu denen ein Mensch berufen werden kann, mit einer Gewissen­haftigkeit und einer unentwegten Korrektheit er­füllt hat, in der sie kein männlicher Herrscher übertreffen kann. In ihrem Reiche geht die Sonne nicht unter, aber ich glaube nicht, daß unter den Hunderten von Millionen, die ihr Szepter beherrscht, ein einziger Mensch ist, der ihr übel gesinnt ist. In ihrem Königreiche gibt es keine Majestätsbeleidigung — darauf kann sie vor allen Dingen stolz sein»

Die Gräfin von Aberdeen hatte der alten Dame den Wunsch fast aller Kongreßbesucherinnen, besonders aber der Armerikanerinnen, überbracht, sie sehen zu dürfen. Am Freitag der zweiten Kongreßwoche fuhren sie, nachdem die Königin ihre Einwilligung gegeben, in einem Extrazuge hinaus nach dem lieblichen Windsor, woselbst die Herrscherin während des größten Theiles des Jahres residirt. Es mochten über 300 Frauen sein, die gekommen waren, der ehrwürdigen Königin ihre Reverenz zu erweisen. Im Garten des mächtigen Schlosses stellten sich die Kongreß- theilnehmerinnen in Linie auf, die Präsidentin an der Spitze und, nach einer ziemlich langen Wartepause in der Sonne, für welche die Königin sich nachher entschuldigte, fuhr die Letztere in einem kleinen Ponnywägelchen, begleitet von ihrer Tochter, Prinzessin Beatrice von Battenberg, an der Linie vorbei, die sich tief verbeugenden Frauen freundlich begrüßend. Hier und da ließ sie sich von der Präsidentin eine der hervorragen­den Delegirten vorstellen und richtete ein paar freundliche Worte an dieselbe. Zum Schluß drückte sie der Gräfin Aberdeen ihre Freude darüber aus, daß die Frauen sie besucht hätten und lud sie alsdann zu einem im Schlosse unter­dessen unerwartet vorbereiteten — Kaffeekätschchen ein, das natürlich, der Sitte des Landes ent­sprechend, in Thee vor sich ging. Ueber diese echt weibliche Aufmerksamkeit seitens der greisen Königin stieg natürlich die Begeisterung der Damen bis zum denkbar möglichsten Höhepunkt, was sich nachher in verschiedenen Reden bemerk­bar machte. „Es war nicht nur aus Neugier", sagte die alte Susan Anthony, die Altersgenossin der Königin, „daß wir hierhergekommen sind, sondern weil wir fühlen, daß die Königin eine großartige Frau ist, die allen Nationen der Welt ein gutes Beispiel gesetzt und die ihren Einfluß stets für die Erhaltung des Friedens energisch geltend gemacht hat. Ferner wissen wir alle, eine wie vortreffliche Mutter und Gattin sie ge­wesen und daß sie auch hierdurch allen Frauen der Welt voranleuchtet!"

So schloß die denkwürdige Frauen-Zusammen- kunft.

Vermischtes.

* Seufzer eines Ehegatten. „Es ist merk­würdig ! Je mehr Zähne meine Frau verliert, desto bissiger wird sie!"

• Kluge Rechnung. Lieschen (an ihrem Geburts­tage) : „Wie doch die Zeit vergeht! Gestern war ich ein ganzes Jahr jünger als heute."

eine dieser streitbaren Frauen machte sogar den fürchterlichen Vorschlag, die Männer dadurch den Forderungen der Frauen geneigter zu machen, daß die Verheiratheten ihren Gesponsten den Brotkorb höher hingen, d. h. die Güte der Mahl­zeiten von dem Wohloerhalten der Männer in diesen Fragen, z. B. des politischen Stimmrechtes, abhängig zu machen. Wenn das in Deutschland durchgeführt werden sollte, würde bei manchem Parlamentarier regelmäßig Schmalhans Küchen­meister fein und nur Bebel und Stumm, die merkwürdiger Weise in dieser Frage Hand in Hand gehen, würden jeden Tag herrlich und in Freuden leben, gewissermaßen Hahn int Korbe fein. Ich will aber nicht verschweigen, daß den Männern auch wackere Vertheidiger entstanden. Gerade als eine dieser Schicksalsgöttinnen jenen Vorschlag gemacht hatte, erhob sich eine sehr be­kannte und beliebte Sängerin im Auditorium, Frau Antoinette Sterling und berührte eine Note des vollen Menschlichkeitsgefühls, die eine elektrische Wirkung auf alle Anwesenden ausübte. „Ich bin der Meinung", so sagte sie mit zittern­der Stimme, „daß Sie zu hart gegen die Männer sind!" Diese wenigen Worte brachten ihr den warmen Beifall der überwiegenden Mehrheit ein; fast Jedermann wußte, daß die Dame vor Kurzem ihren heißgeliebten Gatten verloren hatte, der sie wie ein Schiff ohne Steuer auf der See des Lebens zurückgelassen hatte.

Die „Flöte von Bergen" ist die interessanteste Erscheinung dieser jüngsten Tage gewesen. Die Flöte tion Bergen hat nach der Versicherung eines ange­sehenen politischen Schriftstellers in Frankreich, des Baron Walprey im Pariser,Figaro', einen mächtigen Lockreiz auf französische Gemüther ausgeübt. Geblasen hat sie Kaiser Wilhelm, als er im Hafen der alten norwegischen Handelsstadt Bergen an Bord des a"en französischen Kriegsschiffes „Iphigenie" französi fchen Seeoffizieren die Hand schüttelte und sie mit einer freundlichen Ansprache beehrte. Aber der größere The»! der Franzosen hat auf die Töne dieser Flöte nicht geachtet, und doch würde nach der Meinung des Barons Walprey ein Bund Frankreichs mit Deutsch­land auf dem Meere neben dem Bunde Rußlands mit Frankreich auf dem Lande das Land Frankreich mächtig wie nur je zuvor machen: die Franzosen sollten es sich überlegen und die gute Gelegenheit nicht vor­über gehe» lassen. Unklug ist es sicherlich nicht, was Baron Walprey schreibt; und auf jeden Fall ist es ein sihe gutes Zeichen, daß derlei überhaupt wieder in Frankreich geschrieben werden kann, ohne daß Pflaster- fteme von einer aufgereizten und haßerfüllten Menge geschleudert, klirrend in die Fenster der Zeitungs­redaktion sausen, die solches ihren Lesern aufzutischen toagt. Aber die Musik, die Baron Walprey seiner o «te Bergen ablauscht, ist doch noch gar zü sehr Zukunftsmusik, als daß sie uns ernstlich aufregen konnte. S,e ist schön und lieblich. Aber es ist gar mcht abzusehen, ob einmal und wann ihre Akkorde die Grundlage abgeben werden für die Musik, die Deutsch­land und Frankreich miteinander machen. Vorläufig bleibt es wohl noch bei gelegentlichem, freundlichem Händedrucke und bei einem kleinen Tänzchen, das, wie

•,« .Mannschaften des französischen Kanonenboots wGeestemündemitblondzöpfigendeutschen Mädchen wagen. Ein wunderliches, der Aufzeichnung Gerthes Zusammentreffen ist es, daß in dem Hafen von Bergen dieKaiserin-WittweEugenie von einem ^A^hA-Dampfer der Hamburger Packetfahrt- GFbllfchaft dem Besuche des Kaisers auf der „»4^196016" zusah. Still und stumm war die frühere ftatfertn Zeugin eines Schauspiels, das von auen lebenden Menschen gerade sie am allermeisten mußte, sie, deren schöne Hand einst mit den politischen Maschen der Welt spielte!

, . Das ganze Gegentheil von ihr in Erscheinung unt> Wesen ist die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria, ote letzt mit ihren Kindern in Berchtesgaden weilt, was sie dort suchte, ist ihr verwehrt: ein Fehltritt hat ihr eine Verstauchung des Fußes und fipne" des Wadenbeins zugezogen, und nun liegt Vf ^bbamit auf dem Krankenlager, anstatt in der

Bergesnatur umherzuschweifen. Sechs bis vergehen, bis die Kaiserin ihre Beweglichkeit wieder in altgewohntem Maße gewonnen Ipaben wird. Der Kaiser wird zur vorher festge- te|ten Zeit von seiner Nordlandreise zurückkehren. ,s, v,v sagt, es sei für den 6. August eine Zusammen- . n|t mit dem Zaren in Darmstadt geplant. Aber irgendwelche bestimmte Nachrichten darüber liegen noch Ä @r' ber Eröffnung des Dortmund- ^ms-Kan als in Dortmund will der Kaiser er- j?™/11, ^»dessen mußte der Zeitpunkt dieser Fest-

Leit um mehrere Wochen hinausgeschoben werden. MDag, an dem sie nunmehr stattfinden soll, ist noch nicht bestimmt. Hochwohlweise Zeitungsschreiber, solche t .. ber .Svrle, die sogar das Gras wachsen hören, tjatten ein mystisches Gebäude aufgeführt aus aller- ; °^Bermuthungen, warum der Kaiser sein Erscheinen n Dortmund abgesagt hätte — aber mit der spätern öu)age fiel plötzlich das ganze Gebäude wieder in das N'Ht.s zusammen, aus dem es erstanden war.

Die internationale Friedens -Konferenz im §5"? naht allgemach ihrem Ende. Das Schlußproto-

M ausgearbeitet und von der Konferenz qutqe- opm sf.wnrden. Aber amtlich ist es noch nicht bekannt g macht worden. Soviel weiß man indessen, daß e i n-

Vereinbarung über das internatio-

Schiedsgericht von den Vertretern der Kn • angenommen worden ist; und das ist immer, gin em Erfolg, wenn auch ein kleiner.'

In Oesterreich wird wacker mit dem Nothpara- xMen der Verfassung weiter regiert, und mit Hilfe ansParagraphen schreibt die Regierung neue Steuern obn'-^ Erhöhung der Zuckersteuer, brn. ^°v sie dabei jemand um Erlaubuiß zu fragen suchte. Ebenso ist der Ausgleich mit Ungarn et- Ä^orben' °ber fortgesetzt steigt im Volke die . bpoplwn gegen dieses unerwünschte Wiederaufleben ölt-. absoluten Regimentes, und man muß der u^^I^schen Regierung nur das Eine wünschen, daß

"Old) nicht etwa „das dicke Ende nachkommt".

August wird in der nordfranzösischen öffn« Aennes das Kriegsgericht seine Schranken IdiPn mbaä "ach dem Spruche des Obersten sranzöfi- wen Gerichtshofes von neuem über den ehemaligen khp vtttIann Drey fus urtheilen soll. Nicht unh re8 >vllte dieser nach der Betheucrung des Narren vanchehelden Döroulede den Boden Frank- nirS” getreten dürfen. Aber bis heute hat sich noch ofrnLeine Haud gerührt, hat sich noch kein Mund ge- E s zu einer Kundgebung gegen Dreyfus und die ii niX .9 des Kriegsgerichtes. Der neue Minister- win!c» ^^Walbeck-Rousseau und der Kriegs- "er Marquis Gallifet haben merken lassen,

daß sie in manchen Dingen keinen Spaß verstehen, und dieser Eindruck hat augenscheinlich sehr heilsam gewirkt auf die Gemüther der nationalistischen Radaubrüder.

Ruhe ist auch in Spanien einstweilen wieder ein­gekehrt — abgesehen von einigen kleinen Straßen­kundgebungen, die man aber bei den heißblütigen Söhnen der iberischen Halbinsel schon längst als etwas fast Alltägliches nicht allzu hoch anzuschlagen braucht. Die entsetzliche Juli-Hitze ist als unerwarteter Ver­bündeter der Regierung zu Hilfe gekommen und hat die Kammer-Opposition weich gemacht, so daß diese in den nothwendigsten Punkten den Wünschen der Regie­rung nachgab, nur um aus dem glühenden Steinkasten Madrids erlöst zu werden.

In Serbien arbeitet die Schreckensherrschaft des Herrn Milan Obrenowitsch mit dem Standrechte. Aber Oesterreich und Rußland haben durch ihre diplo­matischen Vertreter in Belgrad dafür gesorgt, daß Herr Milan nicht gar zu üppig wird, und so ver­sichern auf einmal die Belgrader Soldschreiber Milan's, die Gerechtigkeit werde mit Milde und Nachsicht ohne Ansehen der Partei gegen die Attentäter und An­stifter des Attentates vorgehen. Leider ist in Serbien schon so viel gelogen und gesündigt worden, daß manche Leute noch gar nicht einmal an ein ernsthaft vor­handenes Attentat glauben wollen.

Die Kriegsgefahr in Südafrika ist für absehbare Zeit beseitigt. Transvaal hat Zugeständnisse gemacht, mit denen es den englischen Wünschen entgegenkam, und darauf hat Minister Chamberlain im engli­schen Unterhause erklärt ober erklären müssen, er sei befriebiqt An allerhand aufreizenden Umtrieben fehlt es leibet nach wie vor nicht.

Die Bereinigten Staaten von Amerika haben einen neuen Kriegsminister in dem Advokaten Elihu Noot bekommen. Aber niemand glaubt, daß er im Stande sein werde, die philippinischen Nöthen zu beenden!

□ Arbeiterfrage und Wohlfahrtspflege auf dem Lande.

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Die in wirthschaftlichen und sozialen Miß­verhältnissen gelegenen Ursachen der übermäßigen Abwanderung vom Lande sind bekanntlich im Osten besonders wirksam und der Arbeitermangel ist dort am fühlbarsten. Aber auch im Nord- und Südwesten unseres Vaterlandes ist die That- sache der „Landflucht" unverkennbar. Zwar sind die ländlichen Arbeiter hier meistens entweder Gesinde - Personen (Knechte, Mägde), deren Ar­beitsstellung in der Regel nur eine Uebergangs- stufe bildet, oder Tagelöhner mit kleinem Grund­oder Pachtbesitz. Sie befinden sich somit weniger in einer sozial isolirten Stellung, sind schon enger mit den Interessen des Gemeindelebens verknüpft und in dieser Beziehung also mehr mit dem Lande verwachsen.

Gleichwohl bestehen für sie wie für die Land­arbeiter des Ostens viele gemeinsame wirthschaft- liche und soziale Verhältnisse, welche dort mehr, hier weniger — was das Gesinde, namentlich das weibliche, betrifft, übrigens ziemlich allgemein — die „Landflucht" fördern. Hier möglichst bessernd einzugreifeu, ist auch eine Aufgabe der ländlichen Wohlfahrtspflege.