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26. Jahrgang.

IuLöa, L-tontag, den 10. Juli 1899.

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mit jedem weiteren (über 10 Jahre) geleisteten Dienstjahre um 15 Mark bis zum Höchstbetrage von 500 Mark steigt. Bezüge aus nichtgesetzlichen Kassen werden eingerechnet, doch so, daß der Ge- sammtbezug nicht unter 360 Mk. herabgedrückt wird.

Eine wichtige Aufgabe, welche der Stadt­gemeinde ebenfalls in ihrer Eigenschaft als un­mittelbare Arbeitgeberin obliegt, ist sodann die Sorge für Wohnungen für ihre Arbeiter und Bediensteten, und Vermischung derselben zu Preisen, welche nur die Verzinsung des aufge­wandten Kapitals gewährleisten. Auf diese Weise muß die Stadt auch zur Entlastung der Woh- nunqS-Nachsrage beitragen.

Die Fürsorge der Gemeinde ist endlich auch auszudehnen auf die Arbeiter derjenigen Be­triebe, welche für die Stadt Lieferungen und Arbeiten übernommen haben. Diesen Arbeitern gegenüber muß sich die Stadtgemeinde wenigstens mittelbar als Arbeitgeberin fühlen und darf daher nicht gestatten, daß die in ihrem Dienste stehenden Unternehmer die Ueberlegenhett, welche sie in Gestaltung der Arbeitszeit, Arbeits­löhne und sonstigen Arbeils-Bedingungen haben, bis aufs Aeußerste ausnutzen. In Karlsruhe und Leipzig z.B. ist in dieser Hinsicht durch Aufnahme von Lohn- und Arbeitszeit - Bedingungen m die Auftrags - Vereinbarung in nachahmenswerther Weise vorgegangen worden.

Eine frischere Bewegung auf dem Gebiete kommunaler Sozialpolitik, speziell in der Arbeiter- Fürsorge, ist in den letzten Jahren unverkennbar und wird bosfentlich immer mehr Stadt gemeinden veranlassen, in vorbildlicher Weise die Pflichten sozialpolitisch denkender Unternehmer zu erfüllen.

jf Soziale Aufgaben der Stadt- gemeinden als Arbeitgeber.

Neben der Wohnungsfrage ist eins der wichtigsten Gebiete städtischer Sozialpolitik das der Fürsorge für die arb eit endenK!assen, soweit dieselbe unmittelbar oder mittelbar der Stadt obliegt. Die Gemeinde ist heute meist der größte Arbeitgeber und hat deshalb in erster Lin e wenn sie auf der Höhe der Sozialpolitik stehen will, für das Wohl ihrer Arbeiter bestens zu sorgen. Diese Aufgabe hat sie, wenn sie Arbeit­geberin ist, um so mehr zu erfüllen, als ihre Pflichterfüllung in dieser Beziehung für alle übrigen Unternehmungen vorbildlich wirken muß. In guten Löhnen,zweckentsprechendenLohnzablungs- terminen, angemesfener Arbeitszeit und Beband- lung der Arbeiter, daher vor allem durch Schaffung von guten Arbeitsordnungen und Arbeiteraus- schüffen, muß die städtische Verwaltung ihr soziales Verständniß bethätigen. Sie muß ferner durch Maßnahmen für die alten und invaliden Arbeiter

MerattiDireÄ« spalt. Garmond­zeile oder beres 8taum1-)Pf.,Rr-- klamen die Petid- geilt 25 Ps.; bei Wiederholungen wird entsprechend- Rabatt gewähr!.

© Die Eifenbahn-Fahrpreise.

Seit langen Jahren hat man im Deutschen Reiche, besonders in Preußen, einer durchgreifen­den Umgestaltung der alten Fahrpreise, die nicht blos einen unübersichtlichen Wirrwarr bilden, son­dern im Vergleich mit anderen Ländern viel zu hoch sind. Es hat dann auch in diesem Jahre die Berathung des Etats des Reichseisenbahn- Amtes dem Reichstage Gelegenheit gegeben, die Frage der Tarif-Reform zum so und sovielsten Male zu erörtern und darauf hinzuweifen, daß der Artikel 45 der Reichsverfassung, wonach das Reich auf möglichste Gleichmäßigkeit und Herab­setzung der Tarife hinwirken soll, bis heule noch nicht verwirklicht ist. Der Präsident des Reichseisenbahn-Amtes erzählte zwar viel von Konferenzen, statistischen Ermittelungen und finanziellen Berechnungen, aber im Uebngen be- lonte er nur den guten Willen, die großen Schwierig­keiten zu lösen. Der preußische Eifenbahn- Mi n i st e r erklärte sich zwar für eine Vereinfachung der Personen - Tarife, weniger dagegen für eine Ermäßigung. Er bezweifelt, daß sich eine Ver­einfachung ohne Ermäßigung durchführen laste.

Was die Schwierigkeiten betrifft, so mag es allerdings nicht leicht fein, die acht größeren selbständigen Staatsbahnverwaltungen, die wir in Deutschland haben, sowie die 114 verschiedenen Eisenbahnen (einschließlich der Privat- und Neben­bahnen) unter einen Hut zu bringen; aber wes­halb macht Preußen mit der Resorm nicht den Anfang? Das preußische Staatsbahnnetz umfaßt nahezu 30000 Kilometer, gegenüber den 14671 Kilometern sämmtlicher anderen deutschen Staats­bahnen. Aber auch Bayern (5316 Kilometer), Sachsen (2571 Kilometer), Württemberg (1703 Kilometer), Baden (1547 Kilometer) können ruhig allein vorgehen, wie sie es bisher schon mit zehntägigen Retour billets, Kilometer- Heften, Landeskarten und bergt gethan und damit Preußen überflügelt haben. Soll gewartet werden, bis die Einigung der Ver­waltungen erzielt ist, so kann das Publikum sich nur mit großer Geduld wappnen. Die j tzige Generation dürfte dann die Reform und die billigen Preise, wie sie z. B. in Ungarn und selbst in Rußland bestehen, nicht mehr erleben.

Werfen wir einen Blick auf andere Länder. Die Staatsbahnen in Ungarn, Rußland, Dänemark re. haben die Konsequenzen der Verstaatlichung und Vereinheitlichung des Bahn­netzes im Gegensatz zu den deutschen Bahnen längst gezogen und Personentarife eingeführt, die oft zwei bis viermal billiger find, als die deutschen Fahrpreise. Für 1000 Kilometer Eisenbahnfahrt zahlt man in der 3. Klaffe in Preußen im Personenverkehr 40 Mk., im Schnell­zug 46,70 Mark. In Rußland dagegen nur 17,30 M., auch im Schnellzuge. In Dänemark kostet die längste Reife (ca. 675 Kilometer) 7,3q Mark, im Schnellzuge sowohl, wie im Personen­zuge. In Ungarn, wo die längsten Reisen für diesen Preis "etroa 700—800 Kilometer aus­machen, bezahlt man 6,80 M. im Personen- und 8,20 M. im Schnellzuge. In Oesterreich (Staats­bahn) sind für 1000 Kilometer 3. Klaffe 17 M. im Perfonenzuge, 25,40 Mk. im Schnellzuge zu

entrichten. In Belgien 30,80 Mk. In Süd- deutschland kosten 1000 Kilometer 3 Klaffe: Personenzug 34 Mk., Schnellzug 45 Mk., doch mit badischen Kilometerheften nur 25 M., also ast so billig, wie die 4. preußische Klaffe. 15- täqiqe Abonnementskarten für das ganze Eisen­bahnnetz gibt es in Belgien (18,60 M. 3. Klaffe), in Württemberg 20 M., in Dänemark 22,50 M. und in der Schweiz 24,30 Mk., in den beiden ehten Ländern auch mehrmonatliche Karten dieser Art. Auf diese Weise läßt sich natürlich eine Fahrt von 1000 Kilometern und mehr noch viel billiger zurücklegen, als zum Normalpreis.

Aber der Einnahmeausfall! sagen die Gegner einer Herabsetzung der Fahrpreise. Lassen wir Thatsachen sprechen. Auf dem von der ungarischen Staatsbahn verwalteten Netz wurde schon am 1. Aug. 1889 ein recht billiger 14- stufiger Zonentarif eingeführt. Und der Erfolg? Der früher stagnirende Personenverkehr stieg in Folge dessen schon in fünf Monaten um 44 °/0, die Einnahme um 6 °/o gegenüber dem Jahre 1888. Im Jahre 1896 war der Verkehr um 288 °/0, die Einnahme um 90 °/o erhöht gegen­über dem Jahre 1888. In Preußen dagegen stieg die Zahl der Fahrten in demselben Zeitraum nur um 110%, dis Einnahme nur um 48 °/o. Die Mehrausgaben in Folge des Zonentarifs waren dabei in Ungarn ganz unbeträchtlich. Auch in Rußland, woselbst am 1. Dez. 1894 ein neuer Zonen-Staffel-Tarif ein geführt wurde, stellten sich anstatt der erwarteten Mindereinnahmen schon im ersten Jahre nach der Reform Mehrein­nahmen von 7 °/0 ober 4 Million Rubeln — 8,6 Millionen Mk. ein. Dabei hat sich auch gezeigt, baß durch bessere Ausnutzung der Betriebsmittel eine große Verkehrssteigerung ohne wesentliche Mehrausgaben möglich ist.

Die vorstehenb gezogenen Vergleiche erscheinen angesichts ber jetzigen Ferienreisezeit zeitgemäß. Auf unsere Eisenbahn paßt ber alte Stubenten- Vers:

Und soll der Fortschritt recht gedeih'», So muß er nicht zu merken sein!

Neuntes Kapitel.

Wie einsam es boch jetzt im Walde war. Hier und da flog ein Vogel auf und verschwand tiefer im Blätterbunkel, ober ein Eichkätzchen lief über ben Weg, von Ernas Schritten aufgeschreckt, ben nächsten Baumstaum hinan, sich in der Baum­krone oetbergenb. Vom fernen Dorf her tönten die Miltagsglocken, bas Rauschen der alten Bäume antwortete ihnen seierlich unb bas junge Mädchen faltete betenb bie Hände. Fanb boch bie Stimmung ber Natur ein Echo in ihrem Innern.

Das Gespräch mit ber Barbe hatte wohl ihr Herz etwas erleichtert, allein es zitterte noch im Nachklangs ber Erregung, unb immer von neuem gelobte sie sich, bie Mahnung ber geliebten, ver­klärten Mama zu befolgen.

Dann nahmen ihre Gebankcn eine anbere Richtung. Sie stellte es sich vor, wie es sein würbe, wenn ihre liebe Mama am Leben geblie­ben, ob sie bann frei nach ihrem Herzen hätte wählen bürfen; beim sie fühlte nur zu gut, daß der Wunsch ihrer Verbindung mit Felseck von Elvira ausgehe. Würde sie bann ihren Geiühlen unb ihrer Neigung für ben Freund und Lebensretter ihres Bruders keinen Zwang aufzuerlegen brau­chen? Wie konnte sich überhaupt dessen Zukunft gestalten, welches Unglück über ihn kommen, baß die Mutter sie mahnte, ihn zu meiden? „Blut, .ich sehe Blut," sagte ber Geist berfelben; gewiß würbe das Leben Hellborns ein frühes und blu­tiges Ende finden. Ein schwerer Seufzer hob ihre Brust unb gewaltsam suchte sie biefen Ge- banken, ben ihre Fantasie bereits roicber auszu- malen begann, zu verbannen. Sie badjte bann an bas Mädchen, welches Barbe aufgenommen.

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Deutsches

Berlin, 8. Juli.

* Der Kaiser arbeitete, wie aus B erzen gemeldet wird, gestern Vormittag an Bord und machte in Begleitung von Herren ber Umgebung Nachmittags einen Spaziergang in ber Umgebung Bergens. Abends waren der Kommanbant, die Offiziere unb 40 Kabelten bes französischen Schulschiffes „Iphigenie" als Gäste an Bord ber „Hohenzollern" geladen, gleichfalls die Offi­ziere und Kadetten des deutschen Schulschiffes „Gneisenau". ,

x In sieben Berliner Wattrerversamm- kungen wurde gestern Abend mitgetheilt, baß seit bem Friedensschluß vor dem Einigungsamt die Behandlung der Arbeiter durch die Arbeit­geber und Poliere erheblich besser sei. Dre meisten Streitfragen würden durch die gemischte Kommission rasch erledigt. Die Akkorbmaurerei werde mehr und mehr zurückgedrängt.

X Der Ausstand i« Kerne wird von der „Scharsmacher"-Preffe noch immer für das „Zucht­haus"-Gesetz ausgenutzt, obgleich die Ruhe schon längst wieder hergestellt ist und alle unbefangenen Beobachter darin übereinstimmen, daß es sich nur um Ausschreitungen junger polnischer Hilfsarbeiter (Pferbetreiber, Schlepper rc) hanbelte, die da­rüber wild geworden waren, daß sie^zu den Knappfchastskaffen beträchtlich höhere Beitrage zahlen mußten. Die ,Hamb. Nachr/ haben es sogar fertig gebracht, bie Abgg. Dr. lieber

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Baron habe Holz genug, unb es tarnen nun andere Gesche, dann könne Jeder sich holen und nehmen, was er haben wollte. Nun drohte der Vater, mich zu schlagen, wenn ich kein Brennholz aus dem Walde holen wollte. Die Mutter ist so krank, ich kann ihr keine Suppe kochen, weil unser Holz verbraucht ist. So bin ich denn ge­gangen und glaubte, in ber Mittagsstunde würbe mich Niemand hier im Walde sehen."

„Ist ber Frembe noch in Eurem Hauses

„Ja, er und ber Vater trinken zusammen Branntwein." , , „

Einen Augenblick blieb bie junge Dame überlegend stehen, dann sagte sie: „Es wird besser sein, ich gehe jetzt nicht nach Eurer Wohnung, ich werde aber bald kommen. Deine Mutter zu besuchen. Wo wohnt Ihr?'

Das Kind bezeichnete ihr den Ort. Erna zog eine kleine, glänzende, mit Diamanten besetzte Uhr hervor. Der Zeiger zeigte noch nicht 1 Uyr, um halb drei ging man auf Schloß Steinau zu Tisch; es blieb ihr noch Zeit genug, um sich vor Tisch umgutleiben. Sie erlaubte dem Kinde die Tamienzweige aufzunehmen und mit ihr zu gehen.

Als sie kaum hundert Schritte gegangen waren, lag zur Seite desWezes noch emReistgbündel.

„Darf ich auch dieses mitnehmen? Ich habe es vorhin gebrochen," sagte das Kind.

„Du kannst ja bie beiden nicht auj einmal tragen, aber da es euch fehlt unb die Hutter traut ist, so will ich Dir helfen."

Mit diesen Worten ergriff Erna das halb unter bem Laube verborgene Reisigbündel.

„O, wie gut sind Sie doch," sagte bie Kieme bewegt.

t Erscheint täglich, E M Ausnahme bet Sonn- unb Feier­tage. Vierteljährl. «e;us»prri»

ohne Bringerlohn Kr.b Bestellgeld in »ulba und aus­wärts IM. 50 Pf.

Iwsi (Srßen.

Erzählung von Klara Wilhelmi.

19 (Nachdruck verboten.)

Als nun bas Mädchen mit scheuern Blick und flüchtigem Gruß an ben Beiden vorüber eilte, bemerkte Erna, daß das Kleid der Fremden aus grobem grauen Seinen angefertigt war.

„Barbe, liebe Barbe, fei vorsichtig, das Mädchen gefällt mir nicht; schicke sie so bald wie möglich wieder fort," mahnte die junge Dame.

„Was sollte die Person mir antbun ? Sie ist so schüchtern und scheu."

„Treibe Deine Gutmüthigkeit nicht zu weit, liebe Barbe, unb nun lebe wohl auf Wiedersehen Wann kommst Du zu uns ins Schloß? Wir erwarten Großmama zu bem Feste, möchtest Da sie nicht sehen und sprechen?

„Wenn alle die vielen Fremden wieder fort sind, werde ich kommen. Sie wiffen, liebes Herzchen, daß die Leute sagen: „Seht, da ist Barbe, des Jörgen Frau."

Unter bem Blätterbunkel am Ausgange bes Hohlweges blieben sie stehen. Die rauhe, schwielige Hand Barbes umschloß bie zarte Dame: „Gott behüte Sie mein Kind; o, wie habe ich Sie so lieb, als ob Sie mein rechtes, wirkliches Kind wären!"

„Auch ich liebe Dich innig, Barbe, hätte ich sonst bei Dir mein Herz erleichtert?"

Beide ahnten nicht, daß sie sich in diesem Sehen nicht wiedersehen würden.

„Ein fröhliches Wiedersehen, mein Schätzchen l"

ankratej. pükzeiie» in Fulda. mil Zlnterhaklungs-Meilage „Mustrirte Sonnlags-Zeitung!'

die Zukunft ihrer Angestellten bezw. ber Ange- i jörigen berfelben sichern.

Erst in ben letzten Jahren mehren sich in i Deutschlanb die Beschlüsse städtischer Verwaltungen, 1 welche ein zunehmendes Interesse für diese sozialen ! Aufgaben der Gemeinde als Arbei ge)mn be­finden. Vorbildlich wirkte, was die Regelung , ber Arbeitsbebingungen betrifft, z. B. bie Ar- : beitSorbnung für bie städtischen Arbeiter in 1 Frankfurt a. M. (1897), in ber u. a. nicht un­wesentliche Lohnerhöhung, Bezahlung ber gesetz­lichen Feiertage, Bezahlung ber Ueberftunben unb Errichtung von Arbeiterausschüssen vorgesehen sinb. Aehnlich wie für bie Beamten, ist auch für bie scimwtlichen Arbeiter eine einheitliche Lohntafel ausgestellt, wobei bie gefammte Arbeiterschaft in ünf große Gruppen getbeilt ist. — In ber Regelung ber Dienst- unb Einkommensverhältnisie nach festen Grunbsätzen burch ein Arbeiterstatut sinb nun im vergangenen bezw. in biefem Jahre Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim unb Kannstatt gefolgt. In Mannheim ist burch bieses Statut z. B. Wochenlohn mit Entlohnung ber in bie Wocke fallenden gesetzlichen Feiertage als Arbeits­tage'eingeführt, ferner bie Vergütung für lieber» ftunben unb für Sonntags- unb Nachtarbeit fest­gesetzt, ein Minbestlohn (2,70 Mk.) für alle voll arbeitsfähigen stäbtischen Arbeiter bestimmt und den Amtsvorstehern bie Befngniß zur Urlaub?» ertheilung «bis zu 8 Tagen jährlich) gegeben worben. In Kannstatt ist u. a. für eine ausreichende Dauer ber Mittagspause statutarisch gesorgt, in Stuttgart u. a. lOftünbige Arbeitszeit für alle städtischen Arbeiter eingeführt worden.

Von besonderer Wichtigkeit für die ganze soziale Stellung der Arbeiterschaft sind aber dieArbeiter- ausschüsse, und daher müssen die kommunalen Arbeitgeber gerade in dieser Beziehung durch ein die übrigen Unternehmer aneifernbes Vorgehen sich auszeichnen. Durch die Errichtung von Aus­schüssen wird mit bem Grunbsatz gebrochen, baß der Arbeiter bloß zu gehorchen habe, daß ihn außer ber richtigen Lohnzahlung nichts in der Betriebsordnung angehe. Durch sie wird ben Arbeitern grundsätzlich das Recht zuerkannt, an der Erledigung einzelner sie berührenden Fragen der Belnebsordnung mitzuwirk-n.

Häufiger find bis heute schon die Fälle, in welchen deutsche Stabtgemeinben wie für die schon länger Pensionsrechte besitzenden städtischen Angestellten, auch für ihre alt ober inoalibe ge­worbenen Arbeiter bezw. bereu Angehörigen durch Pensions-Kassen gesorgt haben, um bie un­zulänglichen Leistungen der gesetzlichen Versicherung nach Möglichkeit zu ergänzen. Frankfurt a. M., Stuttgart, München, Dresden, Darmstadt sind ay.f diesem Wege vorangegangen; Essen, Mainz, Ulm, Karlsruhe, Mannheim sinb gefolgt bezw. mit der Vorbereitung beschäftigt. In anderen Städten, z. B. in Köln, zeigen sich Anfänge einer regelrechten Pensions-Kaffe für bie bienst unfähig gewordenen Arbeiter.

In Stuttgart z.B. besteht nunmehr die Alters- und Jnvaliben-Versorgung, deren Voraussetzung 10 unur.tkrbrochene Dienst jahre als städtische Ar- baiter sind unb welche bei dauernder Invalidität ober Vollendung b«s 65. Lebensjahres ein tritt, in einem ©runbbetrage von 230 Maik, welcher Der^scheüe Blick, der eigenthümliche Anzug schweb­ten ihr immer vor ben Augen unb es flieg eine bange Besorgniß ihr auf, baß Barbes Ruhe unb Sicherheit burch dasselbe gefährdet fein könne.

Aus solchen sich hin- und herspinnenden Ge­danken wurde bie Baronesse durch ein sich immer wiederholendes Knacken in ben Zweigen erweckt; sie wcndete den Kopf zur Seite und bemerkte ein kaum zehnjähriges Mädchen, welches bie bürren Reiser ber Tannen abbrach, auf einen Haufen zusammenlegte unb zu einem Bündel banb.

„Für wen sammelst Du benn bas Holz, Kleine ?" redete sie dasselbe freundlich an.

Das Kind mochte, feine ganze Aufmerksamkeit der Beschäftigung zugewendet, die Dame nicht gesehen haben, denn erschreckt hielt es mit der Arbeit ein, wurde sehr verlegen unb heftig roeinenb bat basselbe: „Ach, liebes Fräulein, sagen Sie es boch bem Förster nicht."

„Hast Du benn keine Erlaubniß, bas Holz zu brechen?" fragte jetzt Erna in etwas strengerem Tone.

„Ach nein, gnäbiges Fräulein," lautete die zaghafte Antwort. . ,

„Ach Fräulein, bie Mutter unb em kleines Brüderchen sinb krank, wir hatten kein Holz mehr zum Brennen, ber Vater — ist oft sehr zornig — wenn er Branntwein getrunken hat. Die Matter kann nicht zum Förster gehen; zum Vater kam heule Morgen ein fremder Mann in bas Haus. Der Vater mußte ihn wohl kennen, benn sie sprachen lange miteinander, und der Fremde sagte, daß wirken Förster nicht erst zu fragen brauchten, um das Holz zu holen, es wachse frei für Jedermann im Walde und der gnädige Herr

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