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26. Jahrgang.

IuLöa, Freitag, den 30. Juni 1899.

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Sie konnte es sich nicht erklären, warum die gegen Hellborn ausgesprochenen Beschuldigungen sie am meisten erzürnten. Wie konnte Felseck eine solche Sprache führen, wie durfte er ihrem Verhalten eine solche Bedeutung unterlegell! Im Uebermaß ihrer Gefühle schluchzte sie lauf auf. Hatte Hellborn nicht ein Recht auf ihre Dank­barkeit? Und wie anders konnte sie ihm diese beweisen, als durch freundliche Zuvorkommenheit. Was konnte er dafür, daß er keinen altadeligen Namen hatte? Ging ihm dieses Vorrecht der Geburt auch ab, so wurde es doppelt ersetzt durch den Adel seiner Gesinnung. Dies war dir feste Ueberzeugung ihres Herzens. Die Thränen versiegten; da hörte Erna Stimmen und Tritte sich nähern, und einen Augenblick später traten der Baron und Elvira durch die Glasthür ein.

In dem großen, weiten Saal war es schon ziemlich dämmerig geworden und die reichen Falten der Fenstervorhänge bedeckten Ernas Gestalt so vollständig, daß die Eintretenden von ihrer Anwesenheit nichts merkten.

„Nun, liebe Elvira, zu welchem Zwecke führtest Du mich denn hierher?" fragte der Baron, bevor er die Schwelle überschritten.

„Weil dasjenige, was ich Dir mitzutheilen habe, hier am ungestörtesten geschehen kann. Es betrifft Erna und den Grafen."

Die junge Dame wollte bei den ersten Worten hervortreten, denn ihrer Aufrichtigkeit und Wahr­heitsliebe widerstrebte es, die Rolle einer Lauscherin zu übernehmen. Als sie aber ihren Namen in Verbindung mit dem des Grafen nennen hörte, blieb sie aus dem Platze, sie fühlte sich wie an ihr Versteck gefesfelt.

„Du machst mich neugierig; willst mir wohl gar die Erfüllung unseres Wunsches, ihre Ver­lobung mittheilen?" fragte der Baron in augen­scheinlicher freudiger Stimmung.

Die Worte und noch mehr der Ton derselben machten das junge Mädchen erbeben. Auch der Vater wünschte also ihre Verbindung mit Fels­eck; ihr Vater, den sie so sehr liebte, dem sie kaum einen Wunsch abschlagen mochte. Und doch war es ihr nicht möglich, diesen Wunsch des Vaters zu erfüllen und dem Grafen Herz und Hand zu schenken, trotzdem sie überzeugt war, daß Felseck sie nicht um ihres Vermögens willen liebte.

„Es scheint, daß Du Deine Tochter noch nicht mit unserem Wunsche bekannt gemacht hast, denn sie hat vorhin die Bewerbung des Grafen in schroffer Weise abgelehnt," entgegnete die Baronin schars.

„Ich habe freilich noch nicht diese Angelegen­heit mit Erna besprochen," sagte ihr Gatte recht enttäuscht, „weil in ihrem Benehmen dem Grafen gegenüber eine Veränderung sich bemerkbar machte, die eine Unterredung überflüssig erscheinen ueß. Ich glaubte, die Sache würde ohne meine Em- Wirkung sich nach unserem Wunsche gestalten, was mir auch viel angenehmer wäre."

„So hast auch Du die Ursache dieser Ver- änderung in einem wachsenden, wärmeren In­teresse für den Grafen gesucht? Wir haben uns aber getäuscht, oder vielmehr, die Listige hat uns zu täuschen gesucht, indem sie Felseck Freundlich­keiten erwies, die doch nur Hellborn galten. Du siehst, wie gefährlich und hindernd dieser unserem Plane ist."

„Wir sind in der Lage, die bestimmte

L Zur Aenderung des Gemeinde- Wahlrechtes.

In der Kommission des preußischen Ab- gevrdnetenhauses für die Vorberathung der Aenderung des Gemeinde-Wahlrechtes ist, wie bekannt, eine Unterkommission eingesetzt worden, die sich mit der Prüfung von allerhand Material beschäftigen soll, das von der Regie­rung erfordert und von dieser auch zugesagt worden ist. Das Zentrum hat eine Theilnahme an den Arbeiten dieser Unterkommisston abge­lehnt, denn die ganze Einsetzung dieser letzteren war von Anfang an überflüssig. Die Sonne kann nicht klarer fein als die Nothwendigkeit der Aenderungen in den Bestimmungen des Gemeinde­wahlrechtes, und wenn es sich zumal um so un­bedeutende Aenderungen handelt wie bei dieser Vorlage der Staatsregierung, dann begreift man nicht recht, warum der ganze umständliche Apparat der Unterkommission überhaupt erst in Bewegung gesetzt wurde. Deswegen nimmt man an, den­jenigen, die auf die Einsetzung dieser Unterkom­mission drangen, komme es nur auf eine Ver­schleppung der ganzen Sache an. Essind die Konservativ en und Nationalliberalen, die die Schuld an diesen Winkelzügen tragen; und augenscheinlich beginnt jetzt bei den National- liberalen, soweit sie nicht durch örtliche Sonder- intereffen ihrer Partei verblendet sind, die Ein­sicht dafür aufzudämmern, daß die ganze Unter» kommissions-Mache eine Dummheit ist. Wenigstens bringt das nationalliberale Fraktions-Organ, die .NationalliberaleKorrespondenz', eine weitschweifige Erklärung über diese Angelegenheit, die eine Ver- theidigung der nationalliberalen Politik sein soll.

Wir fragen: wie ist es möglich, in einem Athemzuge zu behaupten, das Centrum betreibe „Kuhhandel" mit der Wahlreform und der Kanal-Vorlage, und dem Centrum sei an der Wahlreform nichts gelegen? Wie kann man Handel treiben wollen mit etwas, auf das man gar keinenWertb legt ? Das ist ein unerhörterWiderspruch. Aber so geht es allen, die durchaus Unwahr­heiten aufrecht erhalten wollen, um andere zu verdächtigen und sich selbst rein zu waschen. Und so ist es diesmal auch der,Nationalliberalen Korre­spondenz' ergangen.

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seine Leidenschaftlichkeit erschreckte sie so sehr, daß sie sich mit Gewalt losriß.

„Nein, nein, niemals!" ries sie aus und eilte fort dem Schlosse zu.

Graf Felseck ging langsamen Schrittes zurück. In der nächsten Laube waren Herr von Steinau mit seiner Gemahlin und einigen älteren Herren und Damen. Felseck gab Elvira geheim einen Wink, und sie ging ihm entgegen. „Mein Gott, wie sehen Sie aus, was ist geschehen?" fragte diese erschreckt.

Sich scheu umsehend, legte er den Arm auf ihre Schulter: „Meine Hoffnung ist gescheitert. Erna ist mir freundlich zugethan, aber sie erklärte aufs Bestimmteste, daß Sie mich niemals lieben könnte."

Eine dunkle Zorneswelle lagerte sich über Elviras Stirne.

„Natürlich gebe ich meine Bewerbung auf," fügte der Graf bekümmert hinzu.

„Thun Sie das nicht!" rief die Baronin hastig „sie soll und wird ihre Gesinnung ändern, ich verspreche es Ihnen."

„Keine Ueberredung, keinen Zwang, ich bitte Sie inständig! Nur ihrer freien Entscheidung kann ich mein Glück verdanken."

Der große quer durch das Haus laufende Tanzsaal, zu welchem vom Parke aus eine breite Steintreppe führte, schien Erna ein geeigneter Ort, wo sie sich ungestört ihren Gedanken und Empfindungen hingeben konnte. In einer der tiefsten Fensternischen warf sie sich in den dort stehenden hochlehnigen Sesfel und barg ihr Ge­sicht zwischen den Händen.

Erklärung abzugeben, daß auf nationalliberaler Seite auch nicht die geringste Neigung be­steht, die Kommunalwahl-Reform hinaus­zuzögern." Dieser Satz richtet seine Spitze namentlich gegen die nationalliberalen Partei­genossen am Rhein, die sich so wohl fühlen unter der Herrschaft der Ungerechtigkeiten, wie sie bis jetzt seit der Aenderung unserer Steuer- Gesetzgebung bestanden haben.

Sehr wunderlich aber nehmen sich die weiteren Ausführungen in dieser Erklärung aus. Inder eignen Verlegenheit greift das nationalliberale Fraktions-Organ zu der alten Fabel, das Centrum betrachte und behandele die Vorlage über das Gemeindewahlrecht als einen geeigneten Handels­gegenstand gegenüber der Kanal-Vorlage. Dann aber schreibt die.Nationalliberale Korrespondenz': §,Das Centrum hat . . . in der Kommission . . . lebhafte Zweifel hervorgerufen, daß ihm an einer sachgemäßen Neuregelung des Kommunal-Wahlrechtes gelegen sei!" Dieser Haltung entsprach die Weigerung, sich an den Arbeiten der Subkommission zu be­theiligen ..."

Rentenguts-Gesetz falle. Die Wohnungsftage im Allgemeinen sollte nicht auf den Staat abgewälzt werden, sondern sei von örtlicher Bedeutung. Diese Frage müßte der Hauptsache nach von den Kommunen gelöst werden usw. Das ist keine erfreuliche Erklärung des Herrn Regierungs­vertreters. Wenn nicht der Staat fortgesetzt sein Interesse in thätiger Weise für diese Wohnungs­frage bekundet, so wird sie von den Kommunen, oder doch von der allergrößten Mehrzahl der­selben, sicherlich nicht in Angriff genommen werden. Auch die Kommission steht auf diesem Stand­punkte. Dies geht daraus hervor, daß sie mit allen gegen die eine Stimme des freisinnigen Abg. Dr. Hirsch den Antrag Weihe ange­nommen hat. Der Abg. Dr. Hirsch hat aber durch seinen entgegengesetzten Standpunkt von neuem bewiesen, daß bei den Freisinnigen jegliches Verständniß für die sozialpolitischen Bedürfnisse der Gegenwart fehlt. Neu ist das nicht mehr. Aber leider beweist jede Gelegenheit von neuem, daß die Freisinnigen ohne Aenderung ihrer An­schauungen eigensinnig in diesem Unverständnisse beharren.

+ Der chruveuaröeiter - Ausstand im Revier von Herne ist ohne Zweifel eine sehr wenig angenehme Erscheinung. Sind doch allein bei dem blutigen Zusammenstöße am Dienstag zwei Bergarbeiter getödtet und vierzehn verletzt worden, davon zehn schwer; und augenscheinlich wird die Bewegung noch an Ausdehnung ge- geroinnen. Aber man darf nicht vergessen, daß es sich bei den Unruhestiftern um ein ganz be­sonderes Element handelt, nämlich der Haupt­sache nach um nicht organifirte Hilfs- arbeitet, meist zugewanderte Leute polnischer Abkunft. Wenn darum die halbamtliche,Nordd. Allgem. Ztg.' in ihrer Donnerstag-Nummer sich den Ausspruch leistet: „Die Vorgänge bilden eine blutige Illustration zu der von den Gegnern der Vorlage zum Schutze der gewerblichen Arbeit vertretenen Anschauung, daß Arbeiterausstände bei uns keinen so bedenklichen Charakter trügen, wie in anderen Ländern . . .", die ähnliche Ge­setze haben — so schießt sie mit diesem Ausspruche meilenweit daneben. Die Vorgänge im Hemer Revier beweisen vielmehr von neuem, daß es zur Aufrechterhaltung der Ordnung nichts Besseres gibt als Koalition und gewerkschaftliche Organi- fation der Arbeiter. Die organisirten Ar­beiter haben sich bisher in keiner Weise an den Ausschreitungen betheiligt, vielmehr im Gegentheil fortgesetzt gewarnt vor dem Eintreten in den Ausstand. Das halbamt­liche Blatt thut durch seine Aeußemng dar, daß es für die Erscheinungen in dem beunruhigten Revier nicht das rechte Verständniß besitzt, weiter nichts. UebrigenS sind starke Militär - Aufgebote nach dem beunruhigten Bezirke abgegangen.

Parlamentarische Nachrichten.

Aanak-Konrmiskon des Avg»ordnete«tza«ses.

In der Mittwochsfitzung der Kanal-Kommission ist der Antrag des Centrumsadg. Dr. Lieber auf Ein­setzung einer Unterkommission mit 19 gegen 7 Glimmen abgelehnt worden. Mit 14 gegen 12 Stimmen ist dagegen beschlossen worden, auch über diesen zweiten Theil der Kommissions-Beralhungen schriftlichen Bericht an das Plenum des Ab-

Deutsches Reich-

Berlin, 29. Juni.

O Es ist anzunehmen, daß das preußische Avgeordnetenßans am nächsten Dienstag sich auf mehrere Wochen vertagen wird. In der Zwischenzeit wird es sich um die Beendigung der Arbeiten der Kanal-Kommission und um die Feststellung des schriftlichen Berichtes aus bet» selben handeln. Daß alsdann die Kanal-Vor­lage am 15. August auf die Tagesordnung des Abgeordnetenhauses gesetzt werden würde, wie von einigen Seiten berichtet wird, ist nichts weiter als eine vorläufig noch ziemlich halt­lose Vermuthung. Dieser Tag läßt sich etzt noch nicht bestimmen.

-f- In den Reihen der Sozialdemokratie hat sich schon mehr als einmal die sehr richtige und für die erdrückende Mehrheit des Volkes elbstoerständliche Selbsterkenntniß geäußert, daß >ie Sozialdemokratie noch nicht reif ist für b ie politische Herrschaft. Anbeter An- icht ist Herr Liebknecht. In biefen Tagen )at biefer in einer Versammlungsrede frisch weg die Behauptung aufgestellt: „Ich getraue mir, in kurzer Zeit, wie jetzt Loubet in Frankreich, ein Ministerium aus unseren Reihen zu jilben, das die Posadowsky, Brefeld u. s. w. bei weitem überragt." Rührende Bescheidenheit: nach dieftm Diktum träumt sich also Herr Lieb­knecht in feinen Mußestunden in die Rolle eines Präsidenten der Republik Deutschland hinein! Man steht, Herr Liebknecht wird alt, nicht nur an Jahren, sondern auch an Geiste.

• Auch in den Kreisen der Regierungen ist man zu der Erkenntniß gelangt, daß die Ein­richtung der Gerichtsvollzieher sich nicht bewährt hat. So hat bei Gelegenheit der Be- rathung einer Petition in der Budget-Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses der anwesende Vertreter der Regierung erklärt: in Bayern ist ja bereits von den Kammern einstimmig die Ver­staatlichung dieser Einrichtung beschloffen worden, in Preußen gebe es auf der einen Seite unbe­schäftigte Gerichtsvollzieher, denen vom Staate bis zu 1500 Mk. gegeben werden müssen, auf der anderen Seite Leute mit einem Einkommen von 20000 bis 30 000 Mk. jährlich, wovon höchstens 20 bis 30 Prozent Unkosten abgingen. Deswegen sei eine Aen derung der gegenwärtigen Einrichtung auch in Preußen dringend noth- wendig. Bestimmte Entschließungen darüber habe übrigens die Regierung noch nicht gefaßt; aber sie stehe unzweifelhaft auf dem Standpunkte, daß auch in Preußen eine Reform nothwendig

Iwei Erben.

Erzählung von Klara Wilhelmi.

11 ------ (Nachdruck verboten.)

„Und sollte es mir nicht möglich sein, Ihre Liebe zu erwerben, Erna?" fragte Felseck mit bebender Stimme.

„Ich glaube es nicht, Herr Graf," versetzte diese leise, aber bestimmt.

„So ist ihr Herz nicht mehr frei? Ha setz weiß ich es, wer mir zuvorgekommen ist!" rief er mit plötzlich auflodernder Eifersucht. „Hellborn, der Fremdling, hat mit seinen glatten, ein­schmeichelnden Worten Ihr Herz im Sturm er­obert. Ihm galt Ihr freundliches Lächeln, welches mich entzückte. Wie können Sie Ihr Herz an einen Namenlosen hängen, von deffen Vergangen­heit und dessen Familie sie nichts wissen! Wie kann er es wagen, die Gastfreundschaftschaft in solcher Weise zu verletzen und das Herz der Tochter des Hauses zu umgarnen!"

„Herr Graf, Sie haben kein Recht, den Gas unseres Hauses und den Retter meines Bruders zu schmähen, noch solche Fragen an mich zu richten!" rief die junge Dame stolz. „Zerstören Sie nicht durch solche Worte die gute Meinung, die ich von Ihnen habe."

„Erna, vergib! Was anders als meine heiße Liebe ließ mich so sprechen! Ich kann Dich ja nicht lassen! Gib mir ein Fünkchen Hoffnung, Dich einst die Meine nennen zu können!" Er ergriff ihre beiden Hände und drückte sie in der Erregung so krampfhaft, daß Erna laut aufschrie.

ei. Die Gerichtsvollzieher mit den übermäßig ;ohen Einkünften würden sich dann natürlich eine Schmälerung derselben gefallen laffen müssen usw. Man sieht ein Stück nach dem anderen kürzen von dem Gebäude der Gesetzgebung und »er Einrichtungen der traurigen sogenannten iberalen Sera.

* Eine vergleichende I»samme«stestu«g »er chemeirrdesterrer« in den Mittel- und Groß- täbten Deutschlands bringt die neueste Auflage »es statistischen Jahrbuchs deutscher Städte. Ver­gleicht man zunächst die Gesammthöhe der Ge­meindesteuern, so steht Berlin obenan (47,262,200 Mark), dann folgen Breslau (9,862,500 Mark), Frankfurt a.M. (9,551,900 Mk.),Leipzig (9,353,200 Mk.) und München (9,024,200 Mk.). Auf den Kopf der Bevölkerung wird erhoben in Berlin 28,04 Mk., in Breslau 26,26, in Frankfurt a. M. 41,26, in Leipzig 23,34, in München 22,10 Mk. Höher noch sind die Zahlen vieler fremder Groß­städte, so bezieht Wien 42,10 Gulden und Paris 77,30 Franks. An Steuer aus dem Grundbesitz­wechsel lieferte Berlin 1,596,168 Mk., Dresden 1,064,083 Mk., Hannover 547,963 Mk., Köln 596,737 Mk., Frankfurt a. M. -589,308 Mark, Leipzig 569,473 Mk., Königsberg 370,807 Mk., Düsseldorf 363,501 Mk., Breslau 362,956 Mk., Charlottenburg 361,349 Mk., Stettin 281,106 Mk., Wiesbaden 209,199 Mk., Dortmund 161,956 Mk., Danzig 152,270 Mk., Essen 119,149 Mk., Magdeburg 118,085 Mk., und Altona 103,359 Mk. Diejenigen preußischen Groß- und Mittel- täbte, welche bie höchsten Zuschläge zur Staats­einkommensteuer erheben, Duisburg 200 Prozent, Danzig 188 Prozent, Essen, Kiel, Spanbau je 180 Prozent, Elberfeld 176 Prozent, Königsberg 170 Prozent, Barmen 168 Prozent, Dortmund 158 Prozent, Frankfurt a. O. 156 Prozent, Krefeld 155 Prozent, Bochum 150 Prozent, M.-Gladbach 145 Prozent, Düsseldorf 140 Prozent — haben auch die staatlich veranlagte Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer sehr stark (mit 143 bis 230 Prozent) belastet, entsprechend der Vorschrift der neuen Kommunalsteuergesetzgebung,daß im Interesse der Verhütung einer zu starken Heranziehung der Einkommensteuer die vom Staate veranlagten Realsteuern in der Regel mindestens zu dem gleichen (und höchstens zu einem um die Hälfte höheren) Prozentsätze heranzuziehen sind, Abweichungen von dieser Vorschrift bedürfen der staatlichen Genehmi­gung.

x Die Kommission des preußischen Abge­ordnetenhauses fürVorberathungdes Antrages Weihe auf Maßnahmen zur Seßtzaflmachrmg der Arveiter hat am Montag ihre erste Sitzung abgehalten. Der Antrag nimmt be­kanntlich in Aussicht, den gedachten Zweck durch das Rentenguts-Gesetz zu erreichen: die Renten­banken sollen zur Bildung von Rentengütern kleinsten Umfanges (Haus und kleiner Garten) herangezogen werden. Der anwesende Re­gierungs-Kommissar erklärte entsprechend den Ausführungen des Ministers v. Miquel in der Plenarsitzung, daß der Gesetzgeber bei dem Rentenguts-Gesetze von 1891 ein Haus mit deinem Garten-Grundstücke nicht als Rentengut kleinsten Umfanges angesehen habe und demgemäß eine solche Rentenansiedelung nicht unter das

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