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FuldaerMIertun

Znserakr: Die et» spalt. Garmond- zeile oder der« Raum 15 Pf., klamen die Petita zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

26. Jahrgang.

JuLöcr, Dienstag, den 27. Juni 1899.

JVi 144.

stir jHfwate J. Parzelle» t» Mlda. mit Nnterhattungs-Meilage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitungs peterrzaAe N». L (Tbaimonie).

0 Zur Impf-Frage.

Viele Leute sind der Ansicht, es gebe gar keine Impf-Frage. Denn die Zustände unter dem herrschenden Impf-Gesetze seien so vorzüglich, so tadellos, daß dazu kein Grund vorliege, von der Sache überhaupt zu reden.

So ganz rosig liegt die Sache denn nun doch nicht. Wir erinnern nur an die zahlreichen Jmpferkrankungen im Elsaß, über die gestern in der ,Fuldaer Zeitung' berichtet wurde. Man braucht sich auch nur einmal die Mühe zu geben und hier und da umherzuhorchen, so hört man bald diesen, bald jenen Fall erzählen von dem Tode von Kindern nach erfolgter Impfung und von schweren Kindererkrankungen unter denselben Umständen. Nun braucht man zwar nicht alles, was in dieser Weise erzählt wird, für unumstößliche Thatsache zu halten, es wird vielmehr ohne Zweifel manche Krankheit und mancher Todesfall vom Publikum der Im­pfung in Rechnung gestellt, an denen sie ganz und gar unschuldig ist.

Daß anderseits aber doch bei der Impfung lange nicht alles so ist, wie es sein sollte, und wie die Freunde vollkommenen Impfzwanges glauben zu machen suchen, weiß auch die Re­gierung recht gut. Der Jmpfgegnerbund in Berlin hat von neuem eine Petition an den Reichstag gerichtet, in der um Aufhebung des i. I. 1874 beschlossenen und eingeführten Jmpf- gesetzes oder doch wenigstens um Abänderung dieses Gesetzes und der Auslegung seiner Be­stimmungen gebeten wird. Als diese Petition in der Petitions-Kommission berathen wurde, hat der Regierungsvertreter, Geheimrath Bumm aus dem Reichsamte des Innern von Neuem zugeben müssen, daß „Störungen oder Schädigungen der Gesundheit als Folge-Erscheinungen der Impfung auftreten". Gleichzeitig hat der Herr Regierungs­vertreter gesagt, diese schädlichen Erscheinungen seien „in der Regel auf vermeidbare Versehen oder unglückliche Zufälle zurückzuführen"; und damit glaubte er augenscheinlich dieses ganze un­liebsame Kapitel wieder einmal aus der Welt schaffen zu können. Aber was heißt „unglück­licher Zufall" ? Das ist ein ganz unbestimmbarer Begriff; und daß der Satz dem Herrn Re­gierungsvertreter selbst ein wenig gewagt vor­kam, das kann man daraus ersehen, daß er sich vorsichtiger Weise ein Hinterthürchen offen ließ mit der Hinzufügung der Worte „in der Regel". Was aber außer dieser vom Herrn Regierungs­vertreter aufgestellten Regel vorkommt, hat dieser letztere wohlweislich verschwiegen.

Im Uebrigen hat Geheimrath Bumm auf die Berathungen einer Kommission verwiesen, die von den verbündeten Regierungen im Vorjahre einberufen wurde und in den Tagen vom 6. bis 8. Juli 1898 in Berlin beisammen war. Diese Kommission• hat nach den Mittheilungen des ge­nannten Rcgierungsvertreters eine Reihe von Er­gänzungen und Abänderungen der Vollzugs­vorschriften zum Jmpfgesetze in Vorschlag gebracht, die „eine Verringerung der mit der Impfung verbundenen Unannehmlichkeiten und eine Erhöhung des Schutzes gegen schädliche Nebenwirkungen der Impfung bezwecken". Jetzt

Zwei gtrßert.

Erzählung von Klara Wilhelmi.

9 ------- (Nachdruck verboten.)

Nach einer Weile sprang Ernst empor und strich mit der Hand das auf die Stirn gefallene Haar zurück. „Kann ich durch diese Grübeleien meinem Verhängniß, meiner verhaßten Erbschaft ent­fliehen, oder wird dadurch irgend Etwas ver­bessert? Bin ich vielleicht deßhalb der wohl­meinenden Einladung meines Freundes gefolgt, um hier denselben unglücklichen Gedanken nach­zuhängen? Nein, ich will ernstlich versuchen, mich diesen zu entziehen, schon um Hans' willen, der so sehnlich meinen früheren Frohsinn zurück­wünscht."

„So ists recht, lieber Ernst," ertönte eine Stimme in der Nähe, und Hans, der seinem Freunde gefolgt war und die letzten Worte des Selbstgespräches gehört hatte, reichte ihm freudig die Hand. Nun machte er ihn auf verschiedene schöne Punkte aufmerksam und in anregendem Gespräch durchstreiften sie die Höhe. Jetzt er­reichten sie wieder einen schönen Aussichtspunkt. Der Holzwuchs hörte hier auf und statt dessen zogen sich fruchtbare Felder den sanft abfallenden Berg hinunter. Unten im Thal war das schöne Gelände von saftigen, tiefgrünen, langgestreckten Wiesen begrenzt, die dann wieder von bewaldeten Höhen in verschiedenen Abstufungen beherrscht wurden. Auf den Höhenzügen bemerkte man Windmühlen, deren Flügel sich munter im frischen Morgengewinde drehten, viele größere und kleinere

beschäftigt sich der Bundesrath mit diesen Vor­schlägen, und der Erlaß neuer Vollzugsvor­schriften soll in Aussicht sehen. Darüber kann man also ernst urtheilen, wenn man diese Vor­schriften kennt. Aber eine Thatsache bleibt nach wie vor bestehen, und das ist die sehr traurige Thatsache, daß die Zahl der Kindertodes­fälle nach erfolgter Impfung sicherlich bei weitem größer ist, als man gemein­hin annimmt.

Soll man ein klares Bild bekommen von diesen Verhältnissen, so könnte das nur durch eine genaue Statistik geschehen, die ein­gehenden und zuverlässigen Aufschluß darüber gibt: 1) wie viele Kinder undErwachsene werden geimpft — 2) wie viele Kinder und Erwachsene erkranken und sterben unter den ganz bestimmten Anzeichen dafür, daß Krankheit oder Tod die Folge der Impfung sind — 3) wie viele geimpfte Kinder und Erwachsene erkranken und sterben in der Zeit der Im­pfung, ohne daß diese sicheren Anzeichen für vorhanden erachtet werden, und woran er­kranken sie. Eine solche Statistik brauchte natürlich nicht überall ausgenommen werden. Es würde genügen, sie in einzelnen Bezirken und Städten unter verschiedenartigen Verhältnissen zu veranstalten.

In den Ländern ohne Impfzwang, bei­spielsweise in Holland, Belgien und in der Schweiz, kommen nicht mehr Pockenfälle vor als bei uns in Deutschland, wo dieser Impfzwang besteht und geradezu drakonisch durchgeführt wird. Das spricht ganz und gar nicht für die Nothwendigkeit dieses Zwanges. Und in England, wo bisher dieser Zwang ebenso bestand, wie noch jetzt bei uns, hat man bereits für gut befunden, ein wenig darin nach­zulassen. Man hat nämlich bestimmt, daß die Kinder derjenigen Eltern von der Impfung verschont bleiben sollen, die an Eidesstatt er­klären, es ginge gegen ihr Gewissen, diese Prozedur mit ihren Kindern vornehmen zu lassen.

Was in England geht, warum geht das auch nicht bei uns?.....

Deutsches Weich.

Berlin, 26. Juni.

• Zur Kölner ZLischofs-MaHk erfährt die .Germania' „aus gut unterrichteter Quelle", daß die Nachricht, die Wahl des Nachfolgers des hochsel. Kardinals Krem en tz werde noch in dieser Woche stattfinden, unrichtig ist. Ver­schiedene Anzeichen deuten vielmehr darauf hin, daß dieStaatsregierung sich mit dem apo­stolischen Stuhle in Verbindung gesetzt hat, um eine Wahl des Domkapitels zu umgehen und eine ihr angenehme Persönlichkeit auf den erzbischöflichen Stuhl zu befördern. In den kirch­lichen Kreisen versieht man nicht, warum dem Metropolitan-Kapitel das freie Wahlrecht verkürzt werden soll ; man gibt sich der Hoffnung hin, daß der apostolische Stuhl den Anträgen der Staats­regierung, da sie jeglichen Grundes entbehren, keine Folge geben wird.

* Die Einführung des Soft KHeckverkeHrs und die Errichtung von Post-Checkämtern

Häuser anmuthig versteckt aus dem in der mannig­faltigsten Schattirung prangenden Laube hervor­lugen. Am Fuße des Bergwaldes, inmitten der langgedebnten Wiesen, lag ein großes Anwesen. Das schöne große Herrenhaus mit seinen vielen Thürmchen, die rothen Dächer der Wirthschafts- gebäude hoben sich recht malerisch ab zwischen dem die ganzen Anlagen des Besttzthums um­gebenden Kranz von Bäumen und dem Waldes - und Wiesengrün.

Unter einer dichtbelaubten Buche, deren breit­armige Aeste dem Stamm bis nahe an der Erde entprossen waren, lagerten die beiden Freunde in dem mit Waldblumen untermischten Waldgrase.

„Herrlich, wunderbar! Ich glaube, man wird es nie überdrüssig, dieses Bild von neuem zu schauen."

„Der Ansicht stimme ich bei, auch mich zieht es immer sogleich zu dieser Stelle hin, sobald ich die heimathlichen Fluren betrete."

lieber ihnen, in den Zweigen der Buche, raschelte es, einige reife Buchnüsse fielen auf die Köpfe und zu den Füßen der dort Lagernden. Hans schaute empor, um die Ursache des Ge­räusches zu entdecken, allein der Baum war so dicht belaubt, daß er nur Blättergewirr sah.

„Ein Eichhörnchen wird dort oben sich mit munteren Sprüngen ergötzen," meinte Hans. „Es ist auch ein so schöner Morgen!"

„Und all' diese fruchtbaren Gefilde, die Wiesen, die herrlichen reichen Forsten gehören zum Schloß Steinau, dessen Erbe Du bist?" fragte Ernst.

„Nein, dort, wo ich Dich traf, ist die Grenze; dieses hier ringsum ist Freiherrlich von Eber-

zum 1. Oktober d. I., wie sie von der Postver­waltung in Aussicht genommen war, ist durch die Vertagung des Reichstages bis zum Novem­ber unmöglich geworden. Die betreffende Etats- Vorlage liegt zur Zeit noch dem Bundesrathe vor, bei dem noch verschiedene Einzelheiten der Einrichtung festzusetzen sind. Nach dem jetzigen Stande der Vorarbeiten dürfte die Vorlage in den Reichshaushalts-Entwurf für das Rechnungs- Jahr 1900 ausgenommen werden und mit dem Inkrafttreten des Etats-Gesetzes am 1. April 1900 ihre Verwirklichung finden.

* Es wird für die sogenannte Zuchthaus- vorlage weiter agitirt. Um im Volke für die­selbe Stimmung zu machen, hat der Vaterlands­verein von Berlin die Denkschrift, welche dem Gesetzentwürfe beigegeben, in Broschürenform drucken lasten und läßt dieselbe durch die Kreis - blätter verbreiten. Diese Arbeit könnte er­spart werden, denn es nützt — doch nichts.

* Das ,Armee-Verordnungsblatt' veröffent­licht wichtige Bestimmungen über die Hrgam- satiousändernug Sei der IekdarlMerie und dem Grat«, insbesondere die Ausführungs­bestimmungen für die Unterstellung der Feldartillerie unter die General­kommandos und Divisionen. Danach wird die Feldartillerie in allen Dienstangelegenheiten den kommandirenden Generalen und den Divisions­kommandeuren unterstellt, die bei ihren jährlichen Besichtigungsreisen durch die Garnisonen hinfort auch die Feldartillerie im gefechtsmäßigen Exer- ziren, Scharfschießen und bei den Regiments­übungen zu besichtigen haben. Dem Inspekteur der Feldartillerie fällt namentlich die Fürsorge für die Entwickelung des Schießwesens zu; ins­besondere untersteht ihm die Feldartillerie-Schieß- schulr; auch soll er alljährlich möglichst vielen der von den Generalkommandos vorgenommenen Be­sichtigungen der Feldartillerie-Regimenter auf den Schießplätzen beiwohnen, sowie den Herbstübungen derjenigen Armeekorps, welche Kaisermanöoer haben. — Eine weitere Organisationsänderung tritt dadurch ein, daß die bisher den Komman­deuren der Feldartillerie-Brigaden zustehenden Befugnisse gegenüber den Trainbataillonen vom 1. Oktober d. I. ab auf die Traindepotdirektoren und den Traindepotinspekteur übergehen. Den Traindepotdircktoren, denen die innerhalb ihrer jetzigen Verwaltungsbereiche garnisonirendenTrain- bataillone unterstellt werden, liegt in Zukunft die Leitung der Ausbildung und die Ueberwachung des Dienstbetriebes der Trainbataillone ob, die von ihnen jährlich zweimal zu besichtigen sind. Auch die trainwissenschaftliche Ausbildung der Offiziere durch Winteraufgaben und dergleichen fällt in den Wirkungsbereich der Traindepot- Direktoren. Der Traindepot-Jnspekteur beauf­sichtigt die Thätigkeit der Traindepot-Direktoren und besichtigt jährlich einmal die Train-Bataillone.

* Nach kaiserlicher Anordnung erfolgt vom 1. Oktober 1899 ab die Ernennung vo« ZaHk- meifieraspiraute» z« Zahlmeister« nach dem Dienstalter in der Armee, statt wie bisher im Armeekorps. Den zur Zeit vorhandenen ge­prüften Zahlmeisteraspiranten soll jedoch gestattet sein, die Anstellung im eigenen Armeekorps ab­zuwarten.

steinsche Gerechtsame. Dort unten der schöne Landsitz ist die Wohnung der Familie, ist Schloß Eberstein. Nicht wahr, die Lage desselben paßt gar nicht zum Namen, man denkt es sich viel­mehr auf hohen, steinigen Felsen. In früheren Zeiten ist's allerdings auch so gewesen. Sieh', dort jener Bergkegel rechts,, der die ganze Berg­kette beherrscht: von jener Höhe blickte einst das Schloß Eberstein in's Thal hinab, bis ein furch­tbares Unwetter es zerstörte und. in Asche legte. Der Vaterdes jetzigen Besitzers ließ diese schöne, anmuthige Villa hier unten im Thale wieder auf­bauen."

„Wenn ich nicht ^irre, wurde mir gestern Abend die junge Dame, welche Du mit dem Namen „wilde Hummel" beehrtest, als Fräulein von Eberstein vorgestellt."

„Ganz recht," erwiderte Hans, mit prüfendem Blick den Baum betrachtend, in dessen Zweigen man wieder jenes Rascheln vernahm.

„Weßhalb hast Du ihr diesen häßlichen Namen beigelegt? Ich glaube bemerkt zu haben, daß Fräulein von Eberstein eine große Schön­heit zu werden verspricht."

„Mir ist das nicht ausgefallen."

„Nicht? Dann sieh sie Dir denn doch nur einmal genauer an."

„Wozu das? Ich mag sie nun einmal nicht, ich sehe immer nur die „wilde Hummel" in ihr. Das ist die einzig richtige Bezeichnung für das braune Mädchen, welches in seinem Wesen und Thun eher einen Knaben gleicht. Schon von weitem hört man die Hummel summen und brummen; sie läuft und fliegt bald hier, bald dorthin. Dies mag freilich größten-

* Die Iluleroffiziere, welche dasOffizier- Seitengewehr tragen, haben nach kaiserlicher Anordnung sämmtlichen übrigen Unteroffizieren gegenüber als „Höhere im Dienstrange" zu gelten. Die Ordre vom 17. November 1887 betr. das Unterordnüngsverhältniß der Unter­offiziere zu einander bleibt in Kraft.

* Der ILerkiner Maurer-Streik ist be­endet. Am Montag früh waren sämmtliche Ber­liner Bauten von arbeitsuchenden Maurern dicht belagert; es fanden auch Arbeitseinstellungen statt, obzwar nach dem Spruch des Einigungsamtes die Aussperrung erst am Dienstag früh ihr Ende nehmen sollte. Nachdem sich in einer Sonntag­versammlung auch die Allgemeinheit der Berliner Maurer durch Majoritätsbeschluß den Einigungs­bedingungen unterworfen hatte, wurde überall die Arbeit zu einem Stundenlohn von 60 Pfg. aus­genommen. Die Lohnkommisston der Arbeiter, wie auch Angehörigen derselben der Letzteren haben den abgereisten Maurern von der Beendigung der Aussperrung bereits Mittheilung gemacht. Die Zimmerer, welche bisher für ihre Leistungen stets mit dem Mauerer gleich oder noch höher ent­lohnt wurden, werden mit ihrer Streikbewegung zur Erreichung des gleichen Staffeltarifs, welcher mit 65 Pf. endet (wie bei den Maurern), nur noch bis zu Beginn nächster Woche auf sich warten lassen. Auch die Töpfer wollen in kürzester Zeit den Streik proklamiren.

* Nerrstrekitz, 26. Juni. Die Vermäh­lung des Erbprinzen Danilo von Montenegro mit der Prinzessin Jutta von Mecklenburg- Strelitz wird am 27. Juli in Cetinje stattfinden. — In Mecklenburg-Strelitz ist, wie dem.Reichs­boten' mitgetheilt wird, an sämmtliche Schulzen die Aufforderung ergangen, Geld­beiträge für die Prinzessinen Marie und Jutta einzusammeln. — Die glücklichen Mecklenburger!

* Kiek, 26. Juni. Heute Vormittag 11 Uhr fand die Binnenregatla des kaiserlichen Uacht- clubs statt, an welcher sich 27 Renn- und Kreuzeryachten von 8 bis 5 Segellängen bethei- ligten. Der Kaiser nahm an der Regatta nicht theil. Für den heute Abend stattfindenden Blumenkorso sind seitens des Nachtclubs große Vorbereitungen getroffen.

Aus dem Landtage.

•O Abgeordnetenhaus. — 82. Sitzung vom 26. Juni.

Eröffnung 11'/« Uhr.

Am Ministertische: Schönstedt.

Gegenstand der Tagesordnung: 2. Lesung der preu­ßischen Aussührungsscsetze zum Bürgerlichen Gesetzbuchs für das Deutsche Reich.

Es handelt sich im Ganzen um sechs Gesetzentwürfe: zunächst um das eigentliche Ausführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch, dann um die Ausführungsge- sctze zum (revidirten) Handelsgesetzbuch, zur Grundbuch­ordnung, zum Reichsgesetz betr. die Aenderung der Civilprozeßordnung, zum Reichsgesetz über die Zwangs­versteigerung und die Zwangsverwaltung und endlich um den Gesetzentwurf betr. die landesgesetzlichen Vor­schriften über die Gebühren der Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher.

Heute stand vorerst der Entwurf des eigentlichen Ausführungsgesetzcs zum Bürgerlichen Gesetzbuch« zur zweiten Berathung, zu der eine größere Anzahl von Ab­änderungsanträgen vorlag. Die Berathung wurde unter so großer Unruhe des Hauscs geführt, daß die Redner theils in der Art ihrer Erziehung liegen. Sie verlor recht früh die Multer, und der Vater, welcher sich immer einen Sohn wünschte, ließ sie als einen solchen erziehen, lehrte sie reiten, schwim­men, in die Bäume klettern und dergleichen mehr. Einmal jedoch hatte sich die wilde Hummel in ihrem eigenen Netze gefangen. Beim Botanisiren kam ich eines Tages auf diese Höhe und war nicht wenig erstaunt, meinen Namen rufen zu hören, obwohl ich Niemand sah. Endlich ge­wahrte ich hoch oben zwischen den Aesten dieser Buche das wilde braune Mädchen. Sein langes, lose umherflatterndes Haar hatte sich um die Zweige geringelt und es konnte dasselbe nicht entwirren. Es bat mich, es aus dieser hilflosen Lage zu befreien. „Ei, ei," sagte ich, „sind der wilden Hummel die Flügel geschnitten, daß sie nicht fort kann," stieg hinauf und löste die Fessel, was freilich keine geringe Mühe kostete. Ich er­innere mich noch, daß sie mir aus ihren schwar­zen Augen einen solch' dankbaren Blick spendete, daß er mich längere Zeit hindurch in meinen Gedanken verfolgte. Sie aber, sobald sie sich der hemmenden Fessel entledigt fühlte, flatterte und summte von dannen, und war wieder bte. wilde Hummel, welche sie auch blieb."

„Es muß dem gefangenen Vögelchen hart an­gekommen sein. Dich um Befreiung zu bitten, da es vermuthlich doch den ihm von Dir zugelegten Ehrentitel kannte."

„Das glaube ich nicht, so viel feines Gefühl traue ich ihm nicht zu und was kümmert es sich um das Unheil Anderer! Doch nun laß uns aufbrechen, man wird schon mit dem Frühstück auf uns warten."