Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, N Ausnahme der Sons- und Feier­tage. Bierteljährl. §r;ug»prei5 ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

I gk _ . «G ♦

mdaev ä I eimng

zri.rra»; *Jt€ nw> spalt. Garmond- et oder beres

im 15 Pf., Re- klamen di« Perir- teile 25 Pf.; bei Wiederholungen wirdentfvrechesd. Rabatt gewährt.

JuLöa, Montag, den 26. Juni 1899.

JVi 143.

mit Nnterhattungs-Meikage „IlkuKrirte Sonntags-Zeitung"

Druck uni verlas bei ffitlbaer Icnntbnuiewf peter»saSe Nr. 2 (Boraonie).

26. Jahrgang.

Bestellungen für das 3. Quartal werden schon jetzt von allen Postanstalten, Landbriefträgern und von unserer Expedition (Harmonie) entgegen- >genommen.

G Die Charfreitags - Vorlage im preußischen Abgeordnetenhause.

Am Samstag hat das preußische Abgeordneten­haus die Charsteitags-Vorlage in zweiter Lesung erledigt. Die Nationalliberalen können die Bekämpfung der katholischen Kirche so wenig unterlassen, wie die Katze das Mausen, und so haben sie sich auch diesmal wieder in einer Weise verhalten, die der preußische Kultusminister Dr. Bosse sehr richtig als einen neuen Angriff gegen der Frieden zwischen den beiden Konfessionen bezeichnete.

Den Nationalliberalen hat es nicht gefallen, daß sowohl das Herrenhaus als auch die Re­gierung ihre Aufmerksamkeit der Beunruhigung zu Thei! werden ließen, die die ursprünaliche Regierungsvorlage in der katholischen Bevölke­rung erregt und deswegen beantragten sie für die zweite Lesung der Charfreitags-Vorlage im Abgeordnetenhause die unveränderte Wiederher­stellung der ursprünglichen Regierungsvorlage — ein wunderliches für die Nationalliberalen aber kein rühmliches Schauspiel, einen Minister in scharfer Widerrede zu sehen gegen eine Partei, weil diese desselben Ministers ursprüngliche Ge­setzvorlage von neuem als Antrag eingebracht hat und nun als eigne Sache vertheidigt und durch- zubrmgen sucht! Aber die Herren von der nationalliberalen Partei haben keine Erfolge mit ihrem Anträge gehabt: ihr Antragist abgelehnt worden, und nur einige freikonservative Stimmen smd demselben außer den nationalliberalen Stim­men selbst zugefallen.

Der Kultusminister und im Namen des Zentrums die Abga. Dr. Porsch und Kirsch sind für die Wiederherstellung des Beschlusses ein­getreten, den die Kommission des Herren­hauses gefaßt hatte. Dieser Beschluß beruhte aus emer Verständigung zwischen den maßgeben­den katholischen und protestantischen Stellen und war, wie man weiß, von der Herrenhaus-Kom- Mlsslon einstimmig gefaßt worden; und da nun der Minister im Namen der Staatsreqierunq wiederhM erklärt hat, daß die Regierung mit diesen Beschlüssen ganz genau dieselben Wir­rungen hervorbringen kann wie mit ihrem ur­sprünglichen Gesetzentwürfe, so ist es eigentlich unbegreiflich, daß der Minister mit dieser seiner dringenden Befürwortung jener Kommissions-An­träge nicht durchgedrungen ist.

Er ist dies nicht, denn das Abgeordnetenhaus hat am Samstag in der zweiten Lesung nach der Ablehnung des nationalliberalen Antrages einen anderen, neu von den Konservativen gestellten Antrag angenommen, der in seinem ersten Theile von jenen Beschlüssen der Herrenhaus-Kommission ebenfalls abweicht.

Zwei Kuben.

Erzählung von Klara Wilhelmi.

------- (Nachdruck verboten.)

„Wie aber kommt es, daß wir Dich und Herrn Hellborn schon jetzt bei uns haben, da wir Dich nach Deinem heute eingetroffenen Schreiben doch erst morgen erwarten durften?" fragte Herr von Steinau seinen Sohn.

„Ja, siehe, lieber Papa," erwiderte der Ge­kragte mit einem sanften Lächeln, „je näher wir der Heimath kamen, desto mehr steigerte sich weine Sehnsucht, so daß wir einen großen Theil der vorigen Nacht zur Reise benutzten, um schon heute meine Lieben begrüßen zu können. In Ar- bach sprachen wir bei der Großmama vor. Sie Mahlte, daß Erna sie besucht und vor kurzer Zest abgefahren fei. Dann mußte ich ihr aus­führlich meinen Unfall und die Rettung durch Ernst erzählen. Damit verstrich die Zeit rascher, als wir ahnten, deshalb gab Großmama uns ihren Wagen zur Benutzung, damit wir vor Dunkelheit auf Steinau eintreffen könnten. An der Stelle, wo der Park die Landstraße berührt, stiegen wir aus, um, die vielen Windungen der­selben abschneidend, den schönen und kürzeren Weg durch den Park zu Fuß zurückzulegen."

Die Unterhaltung wurde nun allgemeiner; Wichard neckte Hermine und diese gab ihm die Neckereien doppelt zurück. Graf Felseck suchte Erna in ein längeres Gespräch zu verwickeln, was ihm jedoch nur theilweise gelang, denn Erna's Augen wanderten häufig zum Bruder und dessen

Die verschiedenen Faffungen lauten wie folgt:

Herrenhau s-Kommission: § 1: Der Charfreitag gilt in Bezug auf die Vornahme von Amtshandlungen und Rechtsgeschäften, sowie den Lauf von Fristen als bürger­licher allgemeiner Feiertag.

§ 2: Durch Provinzial- *er Bezirkspolizeiverordnungen können amCharfreitag,sofern es die konfessionellen Verhält­nisse erheischen und es die ort- lichen und gewerblichen Ge­wohnheiten zulassen, Hand­lungen verboten werden, welche geeignet sind, die äußere Feier des Charfrei­tags oder den Gottesdienst oder andere kirchliche Feier­lichkeiten zu stören. In Ge­meinden mit überwiegender katholischer Bevölkerung soll die bestehende herkömmliche Werktagsthätigkeitam Char- freitage nicht verboten wer­den, es sei denn, daß es sich um öffentlich bemerkbare oder geräuschvolle Arbeiten in der Nähe von dem Gottesdienste gewid­meten Gebäuden handelt.

Konservativer Antrag Einziger Paragraph:

Der Charfreitag hat die Geltung eines bürgerlichen allgemeinen Feiertages.

In Gemeinden mit über­wiegend katholischer Be­völkerung soll die bestehende herkömmliche Werktagsthä- tigkeit am Charfreitage nicht verboten werden; es sei denn, daß es sich um öffentlich be­merkbare oder geräuschvolle Arbeiten, in der Nähe von dem Gottesdienste gewidmetenGebäuden handelt.

Das Plenum des Herrenhauses hatte auf den Antrag des Grafen von Pfeil-Hausdorf die Worte beseitigt, „in der Nähe von dem Gottes­dienste gewidmeten Gebäuden"; und in dieser Fassung würde das Gesetz für die katholische Bevölkerung unannehmbar gewesen sein. Es ist also durchaus anzuerkennen,daß die Konservativen in dem neuen Anträge in diesem Punkte den katholischen Bedürfnissen entgegengekommen sind. Man kann aber nicht recht begreifen, weswegen sie den andern Theil des Beschlusses der Herrenhaus- Kommission und zugleich des Plenarbeschlusses des Herrenhauses umgestoßen haben. Der Kultus­minister Dr. Bosse sagte am Samstag selbst, es sei angesichts der Lage der Dinge am ein­fachsten und am richtigsten, den Antrag der Herrenhaus-Kommission unverändert wieder her- zuftellen.

Sollten die Konservativen etwa von dem Grund­sätze ausgegangen sein, daß das Centrum und daß die Katholiken nicht recht behalten sollen? Fast kommt man auf diesen Gedanken. Damit würde aber sicherlich dem konfessionel­len Frieden auch wenig gedient sein. Es ist also nur dringend zu wünschen, daß dem Ersuchen des Kultusministers Dr. Bosse gemäß schließlich der Antrag der Herrenhaus- Kommission unverändert wieder hergestellt werde.

Deutsches Deich.

Berlin, 24. Juni.

+ Auch im preußischen Abgeordneten­hause beginnt sich nunmehr die unvermeidliche Barlame«1s Müdigkeit geltend zu machen. Das Haus war am letzten Samstag von Anfang an schwach besetzt. Nach der Abstimmung über die Charfreitags - Vorlage leerte sich aber der Sitzungssaal fast vollständig, und der letzte Theil der Sitzung verlief vor fast leeren Bänken. Alles

ihm zur Seiten sitzenden Freund hinüber. Lilli schien indessen den Grafen durch ihre ungeteilte Aufmerksamkeit für Erna's Zerstreuung entschädigen zu wollen. Frau von Steinau beobachtete, wäh­rend sie sich der Unterhaltung ihres Gatten mit Hans und Ernst anschloß, unbemerkt den letzteren wie auch ihre schöne Stieftochter.

Das Gespräch nahm eine ernstere Wendung — die Gräuel der französischen Revolution warfen ihre lange Schatten bis in Deutschlands Gauen. Viele französische Edelleute hatten, ihre Besitzungen den Schreckensmännern überlassend, sich nach Deutschland geflüchtet, nur um ihr Leben zu retten. Täglich hörte man von vielen neuen Hinrichtungen, die stattgefunden. Ernsts Antlitz hatte sich, nachdem die Unterhaltung auf dieses Gebiet übergegangen, immer mehr verdunkelt und er warf mitunter einen scheuen Blick auf feine Tischgenoffen.

„Ich fürchte, es wird in Frankreich noch viel Blut fließen," sagte der Schloßherr; „die letzte Nummer der Zeitung berichtete, daß die gesetz­gebende Versammlung den Beschluß gefaßt habe, alle Ausgewanderten, die nicht innerhalb einer bestimmten Frist zurückkehren, des Todes schuldig und ihrer Güter für verlustig zu erklären; alle Geistlichen welche die neue Verfassung nicht be­schwören würden, sollten nicht nur ihre Aemter verlieren, sondern auch als Empörer und Ver- räther der Nation hingerichtet werden."

„O Papa, man sollte doch meinen, es würde sich Niemand dazu hergeben, feine Mitmenschen so hinzuschlachten", rief Erna, und Entsetzen sprach aus ihren Zügen.

„Und doch ist es so, meine Tochter," ant-

drängt zum Schluffe. Aber vorläufig ist gar nicht abzusehen, bis wann die Vorlagen über das Gemeinde-Wahlrecht und über den Rhein- Elbe-Kanal spruchreif für das Plenum sein werden. Unter solchen Umständen ist es nur sehr begreiflich, daß von neuem der Gedanke auftaucht, den Landtag nicht zu schließen, sondern nur zu vertagen und die Behandlung dieser beiden wich­tigen Vorlagen bis zum Herbste zu verschieben. Im Abgeordnetenhause würde dieser Gedanke sicherlich die Mehrheit finden. Es fragt sich nur, wie die Staatsregierung darüber denkt.

* Am Montag den 26. Juni wird im Ab- geordnetenhause das Ausfüljrnngsgesetz z«m bürgerliche« Gesetzbuchs in zweiter Lesung zur Berathung stehen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß bereits an diesem Tage die zweite Lesung beendet wird. Der meist umstrittene Punkt wird die Frage ber Mündelsicherheit für die unter Staatsaufsicht stehenden Hypothekenaktien bilden. Die Konservativen werden einen Antrag auf Streichung der Kommissionsbeschlüsse in dieser Beziehung stellen. Es ist daher erwünscht und erforderlich, daß die andern Parteien am Montag ebenso vollzählig zur Stelle sind, wie die Konser­vativen. Ob alle Justizgesetze in der nächsten Woche durchberathen werden können, ist eine offene Frage. Nach den bisherigen Dispositionen soll am 1. Juli eine Vertagung des Abgeordneten­hauses auf drei oder vier Wochen eintreten.

* Die Erklärung des Staatssekretärs von Bülow, das Kefuitevgesetz gelte für die deutschen Schutzgebiete nicht, beruht auf der Thatsache, daß die deutschen Schutzgebiete zwar völkerrechtlich einen Theildes Deutschen Reiches bilden, nicht aber staatsrechtlich. Denn Artikel 1 der Reichs Verfassung, der vom „Bun­desgebiet" handelt, zählt eben nur die 25 deutschen Staaten auf, die das Deutsche Reich bilden. Staatsrechtlich gehört außer ihnen noch Elsaß- Lothringen und Helgoland zum Bundesgebiet; die Reichslande wurden durch das Reichsgesetz vom 9. Juni 1871, Helgoland wurde durch das Reichsgesetz vom 15. Dezember 1890 mit dem Reiche vereinigt. Die Schutzgebiete aber gelten nur ausnahmsweise, soweit es durch Gesetz aus­drücklich bestimmt wird, als Bundesgebiet. Eine solche ausdrückliche Bestimmung gibt es in Bezug auf das Jesuitengesetz nicht. Da nun letzteres in seinem § 1 wörtlich lautet: „Die Orden der Gesellschaft Jesu und die ihm verwandten Orden und ordensähnlichen Kongregationen sind vom Gebiete des Deutschen Reiches ausge- schloffen" — gilt das Jesuitengesetz für die deutschen Schutzgebiete nicht.

* Im Reichsjustizamte wird gegenwärtig ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, der bestimmt ist, eine schon seit Langem fühlbar gewordene Lücke in der Gesetzgebung auszufülleu. Es handelt sich um ein Kkektrizilälsgesetz. Es soll Bestim­mungen über den Diebsiahl und die Ent- werthung elektrischer Kraft enthalten, um den auseinandergehenden Urtheilen der Gerichte auf di fern Gebiete ein Ende zu machen. Ferner dürften darin Vorschriften über die Schadenersatz­ansprüche bei Betriebsstörungen, die von der elektrischen Centrale ausgehen und alle von dieser Stelle gespeisten Betriebe zu unfreiwilliger Muße wartete der Baron ernst, „die Zeitungen berichten Szenen, vor denen das menschlicheGefühl schaudert; das Schaffot wird nicht trocken vom Blute der unglücklichen Opfer einer ungezügelten Raserei und himmelschreienden Bosheit."

„Bitte höre auf mit, Deinen Schilderungen des Entsetzlichen! Ich halte es für Barbarei, einen Verbrecher hinzurichten, geschweige denn solche Unschuldige."

Ernas Blick überflog bei diesen Worten feie Anwesenden, ob sie in deren Mienen nicht die Bestätigung ihrer Ansicht finde und als er Ernst Hellborn streifte, erschrak sie über dessen bleiches Aussehen. Seine Augen starrten wie geistes­abwesend ins Leere, als ob er eine schreckliche Vision habe; ein Zittern durchlief feinen Körper. Nicht allein Erna, sondern auch das beobachtende Auge der Mutter gewahrte die tödtliche Blässe auf Ernsts Antlitz und während Erstere sich über eine solch große Empfindlichkeit bei einem Herrn wunderte, glaubte Letztere ein furchtbares Ge- heimniß dahinter verborgen, welchem sie auf die Spur zu kommen suchen wollte.

Herr v. Steinau gab dem feroirenben Diener leise einen Befehl, worauf sich derselbe entfernte, und sich dann der Tischgesellschaft zuwendend, meinte der Freiherr, dies sei kein Gespräch an einem Abende, wo Herr Hellborn, dem er und feine Familie zu großem Dank verpflicdtet seien, zum ersten Male unter ihnen weilte. Der Diener kam mit einer Auswahl gefüllter Flaschen zurück, und bald perlte der Ungarwein in den hohen Krystallgläsern. An seinem Feuer ent­zündete sich die matt gewordene Unterhaltung; die gedrückte Stimmung wich und Lust und

verdammen, sowie eine Reihe einschlägiger An­ordnungen zu finden sein. In Fachkreisen bringt man dem neuen Gesetz großes Interesse entgegen.

* Der Ileischerlag in Posen hat folgende Resolution gefaßt:

„Angesichts der großen Schäden und Nachthetle welche die jetzt so zahlreich bestehenden Konsumvereine dem Handwerker und kleinen Gewerbetreibenden zufügen, beschließt der deutsche Fleischerverbandstag, eingedenk der königlichen Worte: „Schutz dem Handwerk", die be­treffenden Landesregierungen zu ersuchen, zur Abstellung dieses Uebelstandes folgende Maßregeln einführen zu wollen: Bestimmungen zu erlassen, welche in gesetzlicher Form das Konsumvereinswesen auf die minderbe­mittelten arbeitenden Bolksklassen be­schränken. Damit hängt zusammen, daß die großen Waarenhäufer für Beamte, die großen Ofsiziers- und Postbeamten-Vereinigungen beschränkt werden müssen. Die Postbeamten, Lehrer rc. genießen das Vorrecht festen Einkommens, einer Pension im Alter und in Krankheitsfällen desgleichen ihre Angehörigen unter ge­reiften Voraussetzungen. Sie also können auskommen und haben keine Veranlassung, an dem Ruine des Klein­handels und Kleingewerbes mitzuarbeiten. 2. Wir ver­langen eine gerechte Besteuerung der Konsumvereine und zwar die im Königreich Sachsen vielfach zur Einführung gekommene Umsatzsteuer von 3 ober 21/«p@t. 3.Daß die Konsumvereine ebenso scharf zur Gewerbesteuer her­angezogen werden wie die Gewerbetreibenden."

Abgesehen von dem letzten Punkte dürfte wenig Aussicht auf Verwirklichung dieser Beschlüsse be­stehen.

X Der Berliner Maurer-Streik darf nach aller menschlichen Berechnung als beigelegt angesehen werden. Am letzten Samstag hat darüber vor dem Einigungsamte des Berliner Gewerbegerichtes eine achtstündige Verhandlung stattgefunden, die zu vollkommener Einigung zwi­schen den anwesenden Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter führte. Es handelt stcd also nur noch darum, daß die Unternehmer und Arbeiter selbst die Abmachungen ihrer Vertrauensmänner gutheißen. Im wesentlichen besteht feer Einigungs- vorschlag, feer von feen Unternehmern aus­gegangen ist, in folgenden Punkten: der Lohn soll betragen bis Ende 1899: 60 Pfg. für die Stunde bei neunstündiger Arbeitszeit; vom l.Jan. 1900 bis 30. Sept. 1900 für die Stunde 62(/z Pfg., dann bis zum 31. März 1901 stündlich 65 Pfg. Im wesentlichen ist dieser Vorschlag angenommen worden. Im Herbst soll eine Kom­mission zusammentreten, um darüber endgiltig zu bestimmen.

* Ans dem Elsaß, 24. Juni. Vor 3-4 Wochen fanden in fast ganz Elsaß auf Anord­nung der Behörden Massenimpfungen statt, und nun sind in manchen Ortschaften die geimpften Kinder zum Theil schwer erkrankt. In dem Dorfe Hohwald erkrankten nach der Impfung eine größere Anzahl Kinder schwer. Die Entzündung breitete sich fast über den ganzen Arm aus, am Gesicht traten Beulen, an anderen Körperteilen Eiterun­gen auf. Besonders schlimm erging es der Fa­milie des Hohwalder Briefboten Zehnter. Zehn­tens jüngstes, 8 Monate altes Kind wurde Ende Mai geimpft. Kurz darauf zeigten sich bei den 9 übrigen Kindern Zehntens eitrige Ausschläge an verschiedenen Körperteilen. Zehnter selbst bekam ein großes Geschwür am Ohr, seine Frau einen eitrigen Ausschlag an feie Hand. In Folge von Unrath, der in die Wunde kam, trug Frau Zehnter eine Blutvergiftung davon, an der sie

sprudelnde Laune kehrten statt ihrer ein. Da erhob sich der Schloßherr, den gefüllten Pokal in der Rechten: „Meine Sieben, laßt uns jetzt auf bas Glück unseres neuen jungen Freundes, des Lebensretters meines Sohnes, die Gläser leeren. Glück dem Retter, wie dem Geretteten!"

Mit freundlichen und herzlichen Worten nahte Jeder sich den beiden Freunden, um sie zu be­glückwünschen und mit ihnen anzustoßen. Nur Elvira kam der Glückwunsch nicht von Herzen, denn ihre Lippen zischten leise: „Viel zu viel Ehre für diesen namenlosen Bürgerlichen."

Desto herzlicher und inniger waren Ernas Worte gemeint, als sie sich mit dem vollen Glase Ernst näherte. War es ihre Hand die zitternde? war es die des jungen Mannes? oder was war es? Die Gläser trafen sich, aber statt des hellen Klanges hörte man einen schrillen Mißton und klirrend fiel Ernsts Glas auseinander und der dunkelrothe Inhalt desselben ergoß sich auf das blüthenweife Gedeck. —

Die Freude in der Heimath zu sein, ließ Hans am folgenden Morgen früh erwachen. Nach­dem er sich rasch angekleidet, näherte er sich mit leisen Tritten dem angrenzenden Zimmer, öffnete behutsam die Thür, um zu sehen, ob Ernst noch schlafe. Zu seiner Verwunderung fand er, daß das Bett leer war und das Zimmer verlassen. „Sckon ausgeflogen! Wohin er nur gegangen ist!"

Der feen Speisesaal ordnende Diener berichtete ihm, daß der junge, fremde Herr schon beinahe vor einer Stunde den Weg nach feer hinter dem Schlöffe gelegenen Anhöhe eingeschlagen habe. Auch Hans wendete sich diesem zu, um Ernst aufzusuchen.