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^iTjT^raifj.Sakzni"7intttti ttttgs-^SdCcifle „Ijku^nrle Sonnlags-Adlung" peUregage Nr. 2 (Harmonie).

26. Jahrgang

IuLöa, Samstag, den 24. Juni 1899.

M 142.

[8 IweiLes WLcrlt. W

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 24. Juni.

Langsam, aber sicher — auf die Entwickelungs­geschichte des Gesetzentwurfes zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses, ehedem gemeinhin ZuchthauS-Borlage genannt, paßt der alte Satz wahrlich nicht; oder aber nur so, daß die Entwickelung langsam vor sich ging und das Ende schon vor begonnener Berathung im Reichstage sichere Ablehnung war. In erster Lesung wird ja freilich nichts angenommen oder abgelehnt; denn die ersten Lesungen sollen nur allgemein grundsätzliche Aus­einandersetzungen sein ohne darauf folgende Abstim­mung. Aber hier ist die Ablehnung auch ohne Ab­stimmung so außerordentlich klar und entschieden aus­gesprochen, wie es klarer und entschiedener nicht möglich ist; und dann ist ja auch thatsächlich etwas abgelehnt worden, nämlich die Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission, und das ist eine doch deutlichere Sprache. Denn die Mehrheit des Reichstages hat diesen Gesetz­entwurf gar nicht erst der Ehre einer kommissarischen Berathung werth erachtet, und diese Mehrheit setzte sich zusammen aus dem Centrum, dem größern Theil der Nationalliberalen, den Freisinnigen, Polen, Elsässern und Sozialdemokraten. Die Antisemiten, die für die Ueberweisung an eine Kommission stimmten, hatten vorher erklärt, daß sie nichtsdestoweniger Gegner der Vorlage sind, und so blieben als Freunde des Gesetz­entwurfes nur die Konservativen, Freikonservativen und einige Nationalliberale übrig. Von diesen wieder­um haben die Konservativen durch den Abg. v o n L e- vetzow eine ganz kurze Erklärung abgeben lassen, ohne sich sonderlich auf die einzelnen Bestimmungen des Entwurfes einzulassen, so daß vom ganzen Reichs­tage einzig und allein der Redner der Freikonserva­tiven wirklich für die Vorlage eingetreten ist. Die Freikonservativen hatten indessen als Redner auch nicht einen ihrer Hauptmannen vorgeschickt, Herrn v. Stumm oder Herrn v. Kardorff, oder Herrn Gamp; sondern Herr Arendt hatte diese undankbare Aufgabe über­nommen. Und was Herr Arendt erntete, war nichts als Heiterkeit. Desto unbarmherziger wurde die Vor­lage von dem Redner des Centrums, Dr. Lieber, und demjenigen der Nationalliberalen zerpflückt, dem Abg. Dr. B a s s e r m a n n; und sehr kleinlaut klangen die Ausführungen des Staatssekretärs des Reichs- Justizamtes, Nieberding, mit denen dieser auf die wuchtigen Worthiebe der beiden vorher genannten Redner antwortete. Die Rede des Staatssekretärs Nieberding war ein Rückzug in aller Form — und weder der Reichskanzler noch Staatssekretär Graf Posadowsky haben nach den Rednern der Opposition noch einmal das Wort ergriffen. Das Centrum wird sich nun an die Arbeit machen und einen Ent­wurf nach eigenen Grundsätzen ausarbeiten, das heißt einen Entwurf, der vor allen Dingen ein wirkliches Koalitionsrecht schaffen soll, was ja noch gar nicht da ist; und dann werden wir sehen, wie die Dinge sich weiter entwickeln werden.

Nicht viel mehr Glück hat bekanntlich die preu­ßische Staatsregierung mit ihrer Kanal-Borlage im preußischen Abgeordnetenhause gehabt. Dort ist auf den Antrag des Centrums diese Vorlage an die Kom­mission zurückgesandt worden, und niemand weiß vor­läufig, wie das Ende aller Kanaldinge sein wird. Die Freunde des Kanals sagen nach wie vor: das Ende der Kanaldinge wird gut sein. Die Gegner bleiben dabei: der Kanal wird abgelehnt werden, und so sieht noch alles ebenso aus wie zuvor. Nur erheben sich von allen Seiten und aus allen Theilen des preußischen Landes Ansprüche auf „Kompensationen", d. h. also auf Maßnahmen, die durch Anlage von neuen Wasserstraßen allen preußischen Landestheilen ähnliche Vortheile bringen soll wie dem rheinisch-westfälischen Jndustrierevier an der Ruhr der von der Regierung geplante Mittelland-Kanal. Schon jetzt ist ein ganzer Riesenwald solcher Ansprüche auf Kompensationen emporgeschossen, so daß man sich kaum mehr darin zurechtfinden kann; und aller Vermuthung nach wird der Wald auch noch viel größer werden. Es könnte sein, daß schließlich die ganze Vorlage inmitten dieses Riesenwaldes ein stilles Begräbniß finde. Aber man weiß das, wie gesagt, noch nicht.

Es ist gerade, als befänden wir uns wieder ein­mal in e'ner Zeit, von der man nach altem Muster sagen sollte: es gelingt nichts mehr. Denn auch mit der internationalen Friedenskonferenz im Haag und mit dem Fortgänge ihrer Arbeiten sieht es recht windig aus. Nicht deswegen, weil die Aufgaben, die diese Konferenz sich gestellt hatte, zur Zeit als unlösbar sich erwiesen hätten, sondern aus dem andern Grunde, weil gewisse Mächte nicht mitthun wollen. Offen gestehen sie das nicht zu; aber sie handeln doch so, daß nichts Ordentliches zu Stande kommen soll; und daß diese Mächte, an deren Spitze England steht, üoerhaupt die Oeffentlichkeit fürchten, das geht daraus hervor, daß sie durchaus nicht auf das Verlangen Deutschlands eingehen wollen, der Preffe zuverlässige Mittheilungen über den Gang der Verhandlungen zu­kommen zu lassen. Desto mehr arbeitet die englische Preffe in entstellten und zum Theil geradezu falschen Berichten über den Kongreß. Selbst das Sine ist neuerdings fraglich geworden, ob in der Frage der Einsetzung von Schiedsgerichten etwas Ordent­liches herauskommen wird. Auf die Abrüstung hatte ja ohnehin niemand große Hoffnungen gesetzt.

Die Ministerkrise in Frankreich ist noch immer nicht gelöst. Herr Präsident Loubet hat sich nach­

einander an einen gemäßigten Republikaner, Herrn Poincare, an einen Opportunisten Gambetta'scher Schule, HerrnWaldeck-Rousseau, und zuletztan den radikalen Abgeordneten Bourgeois gewandt; aber bisher hatte er nur Mißerfolge zu verzeichnen. Und nun beginnen bereits die nattonalisfischen Blätter zu jubeln, aus der Ministerkrise werde eine Präsi­dentenkrise werden, und nächstens würden die franzö­sischen Deputirten und Senatoren wiederum nach Ver­sailles ziehen können, um der Republik einen neuen Präsidenten geben zu können. Frau Loubet soll ihren Gatten auf den Knieen angefleht haben, die Präsident­schaft niederzulegen. Sie fürchtet Wiederholung der Auftritte von Auteuil und alsdann schlimmere Folgen für ihren Eheherrn. Inzwischen bereitet sich eine Völkerwanderung nach Rennes vor, wo das Kriegs­gericht von neuem über Herrn Dreyfus urtheilen soll. Schon jetzt sind mehr als 1OOOO Fremde für die Tage angemeldet, in denen das Kriegsgericht bei­sammen sein wird, und die Zimmerpreise in Rennes erreichen eine schwindelhafte Höhe. Den guten Bür­gern von Rennes wird das sicherlich keine unliebe Ueberraschung sein. Aber die Regierung wird ver- muthlich umfangreiche Vorkehrungen treffen müssen, um die Ordnung dort aufrecht zu erhalten.

In Spanien hat man schnelle Arbeit gemacht mit der Abtretung der Südsee-Jnseln an Deutschland. Und somit konnte auch noch der Deutsche Reichstag am letzten Tage, bevor er in die langen Sommerferien ging, diese Angelegenheit erledigen. Spanien hat damit sicherlich kein schlechtes Geschäft gemacht.

Arge Schwierigkeiten sind der italienischen Re­gierung in der Obstruktion ihrer parlamentarischen Gegner erwachsen. Diese haben aber bisher trotz aller Heftigkeit, oder vielleicht gerade wegen dieser über­mäßigen Heftigkeit ihrer Ausfälle keine Erfolge er­rungen, und Herr Pelloux mit seinem neuen Mini­sterium steht vorläufig noch als Sieger da.

uk. Dars *ich das lesen.

(Nachdruck verboten.)

„Was halten Sie von Coloma's „Lappalien"? Kann man sie zur Lektüre empfehlen?"

Die Zeit und Umstände, unter welchen diese Frage einmal an mich gestellt wurde, waren so außergewöhn­lich, daß ich eine deckende Antwort nicht gleich zu geben vermochte. Ich mußte mich selbst erst besinnen und antwortete ausweichend.

„Die Urtheile über die „Lappalien" gehen sehr auseinander, die Einen loben sie über Maßen, die Anderen haben Bedenken. Mir scheint in der That neben dem bösen Hauptcharakter der Currita fehlt ein gleichwerthiges Korrelat und die Bekehrung der Currita selbst kommt ein bischen spät und ist zu kurz abge- than. Es sollte ein guter Charakter daneben stehen, damit kein Leser in seinem Urtheil irre wird. Freilich, der Verfasser selbst ist Jesuit geworden; wer sich das stets vor Augen hält, hat ein Gegengewicht, aber der gewöhnliche Leser will das auch ausgesprochen haben . . . Auch Einzel-Schilderungen in dem Roman sind der­art, daß wir sie in einer deutschen katholischen Zeitung nicht bringen ^dürften; das spanische Original steht dagegen sogar im ,Herz-Jesu-Boten'. Wir Deutschen sind in dieser Beziehung vielleicht etwas zu prüde . .."

„Ja, das glaube ich auch," erwiderte mir hier der Fragesteller. „Ich kann mir auch nicht denken, daß die alten Künstler, welche in ihren Darstellungen viel freier waren, blos der Sinnlichkeit gefröhnt hätten. Sie haben's doch zur Ehre Gottes gethan, was die Hauptsache ist."

Es war ein alter, erfahrener Ordenspater, ein berühmter Prediger und vielgesuchter Beichtvater, mit dem ich dieses Zwiegespräch hatte. Am meisten er­staunte ich aber, zu hören, daß ein solcher Mann sich für Romane, wie die „Lappalien", interessirte. Später sagte er mir sogar, daß er sehr viel lese, weil so oft die Frage an ihn gerichtet würde, ob die Lektüre des einen oder andern Buches Hu empfehlen sei ober nicht.

Also gegen die „Lappalien" hatte der Pater nichts Besonderes einzuwenden, wohl aber war er sehr auf­gebracht gegen einen anderen Roman einer sonst sehr empfohlenen Schriftstellerin — den Namen will ich nicht nennen. Was war der Grund? Eine Bekehrungs­geschichte: ein alter Lebemann schießt sich eine Kugel in den Kopf. Als aber der verhängnißvolle Schuß gefallen ist, bekehrt er sich und ist gleich ein halber Heiliger. „Wie kann man so etwas lesen, es ist ja durch und durch unwahr!"

So der Pater — aber wie oft geht man der Wahrheit aus dem Wege und empfiehlt die Unwahr­heit, weil sie ein bequemes Mäntelchen anhat!

Ein anderer Fall! Neulich las ich, daß „liberale" Blätter Anstoß an einem katholischen Katechismus nahmen, weil darin das sechste Gebot erklärt wird. Und dabei geniren sich dieselben Leute kein bischen, wenn sie ihren Lesern Tag um Tag die schlimmsten Ehebruchsgeschichten vorsetzen. Manche Nichtkatho­liken nehmen schon Anstoß am katholischen „Gegrüßet seist Du Maria" und am „Engel des Herrn". Und welche Tugendboldigkeit verbirgt sich manchmal hinter dieser Prüderie. Daß Gott erbarm — aber eS darf nicht darüber gesprochen werden! Wenigstens nicht laut und nicht öffentlich, was unter vier Augen ge­schieht und nicht in die Oeffentlichkeit kommt, o, das gilt alles als erlaubt. — Ja, wir haben's in der That weit gebracht in Allem, was Anstand und Sittlichkeit angeht!

Aber wie liesest du? Die Frage des Paters gab mir Veranlassung, meinerseits diese Frage an ver­schiedene Leser zu stellen.

„Wenn mir ein Buch gefällt, habe ich keine Ruhe, bis ich es zu Ende habe — bis Mitternacht und noch länger wird gelesen an einem Stück." »Das war die

Antwort, die mir mehr als einmal wurde. So liest der halbreife Schüler und vergißt darüber die Schul­aufgaben; so liest der angehende Backfisch und ver­nachlässigt Strickstrumpf und Kochtopf; und so liest ost genug selbst der ausgewachsene Mann. Wenn er dabei die Lampe ans Bett stellt und die brennende Cigarre int Munde behält, bis er einschläft, wird die Sache nur noch bedenklicher.

Wer es so treibt, gleicht dem Wassersüchtigen, für den der unschuldigste Trank zum Gifte wird. Wenn es sich um den äußeren Leib handelte, würde man den Arzt rufen, und die schwierigste Entziehungskur durchwachen, da es sich aber „nur" um's Lesen und das Geistesfutter handelt, läßt man die Sache ruhig laufen — so lange bis der Krach kommt. Der Schüler heißt gewöhnlich eines Tages des Vaters Pistolen und Goldfüchse mitgehen und tritt heimlich die Reise nach den Gefilden des freien Amerika zur Jndianerjagd an. Dann gibts natürlich viel Geschrei. Die Eltern begeben sich beschämt zur Polizei, welche die fteiheitsdurstigen Jungen wieder einfangen muß. Die Zeitungen berichten den Fall mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die hohe Schulbehörde erläßt eine strenge Warnung vor diesen Jndianer- geschichten, — in Bayern hat sich neuerdings das hohe Ministerium selbst auf die Pürsche gegen Karl May begeben — und im klebrigen wird mit derselben Maß­losigkeit und Leidenschaft weitergelesen.

Bei den Mädchen ist es nicht üblich, daß die Lese- wuth so temperamentvoll abschließt, wie bei unfern thatendurstigen Jungens. Deshalb pflegt ihr hier noch weniger entgegengetreten zu werden wie dort. Ihre Wirkungen sind aber hier nicht minder ver­heerend wie dort: wieviel bleichsüchtige Gesichter, wie viel überspannte Ideen und — wie viel unglückliche Ehen haben nur ihren Grund in einer ungeregelten und ungesunden Lektüre.

Daß die beste Medizin mit der größten Peinlich­keit abgewogen werden muß, weiß jedes Kind; und tote und wann sie einzunehmen ist, steht deutlich sicht­bar auf jeder Medizinflasche. Aber wie die Lektüre zu handhaben ist, darüber macht sich kein Mensch Ge­danken. Was da gerade gefällt, das wird gelesen, bis es alle ist; und wenn es hernach nicht gut wirkt, so wird über das Gift raifonnirt. Was würde aber der Hausarzt sagen, wenn man dem Patienten die Medizinflasche zum Austrinken an den Mund setzen wollte, statt genau nach Vorschrift Morgens, Mittags und Abends so und soviel Tropfen zu nehmen?

Auch die Bücher find eine Medizin, die zur Un­zeit und unmäßig genommen, zum Gifte wird, wie das, was man in der Apotheke kauft. Deshalb müssen auch dieselben Vorsichtsmaßregeln beim Genuß ange­wendet werden.

Aber welches sind solche Maßregeln? Nun, die erste Regel beim Lesen ist dieselbe, welche für unser ganzes Handeln und Wirken Platz greifen soll: erst das Nothweudige, bann bas Nützliche unb zum Schluß bas Angenehme.

Gibt es benn auch eine nothwenbige Lektüre? O ja, gewiß! Unb babei meine ich nicht einmal etwa bte Geschästskorrespvnbenz, welche zu ben täglichen Be­rufsarten gehört. Sonbern tote dem Leib täglich Nahrung nothweubig ist, so hat auch bie Seele unb ber Geist nothweubig, sich über seine Pflichten unb Ausgaben zu orientiren unb neue Kraft zu schöpfen. Das thut er am besten burch eine passende Lektüre, welche fich mit biefen Sachen befaßt. Dieselbe soll, wenn irgenb möglich, Morgens vor Beginn ber Be­rufsarbeit vorgenommen werben.

Das Zweite ist bie nützliche Lektüre, bas ist bie- jenige, durch welche sich ber Geist bitbet unb seinen Gesichtskreis weiter ausbehnt, ohne baß gerabe eine zwingenbe Nothwendigkeit hierzu vorliegt. Unb an britter Stelle kommt bann erst biejenige Lektüre, welche baju bient, eine müßige Stunde auszufüllen. Auch eine solche mag hie unb ba gestattet unb sogar angebracht fein, um ben durch bie Berufsarbeiten ab­gespannten Nerven toieber neue Frische unb Spann­kraft zu geben. Für sie gilt bas alte Sprichwort: nach gethaner Arbeit ist gut ruhen — sie kommt zuletzt an bie Reihe, am besten in ben Abenbstunben, unb wenn sie im trauten Familienkreise gemeinschaft­lich verrichtet wirb, kann sie sehr gut wirken.

Wer nach biefen Regeln feine Lektüre einrichtet unb babei sich stets ben Zweck vor Augen hält, zu bem er das Buch in bie Hanb genommen hat; babei auch von vorn herein sich jebesmal bie Zeit ober bas Maß festsetzt, welches er durchlesen will, und bas nicht überschritten werben darf zum Schaden der Leibes- und Geistesruhe: der darf getrost Manches lesen, was einem Anderen, der maßlos darauf hinein­liest, zum Gifte wird und den Kopf verdreht.

Vermischtes.

♦ Wie spricht man in das Pekephon? Im Telephonverkehr herrscht vielfach die Sitte, mit kräftiger Stimme in das Telephon zu sprechen, wodurch aber immer ein sehr undeutlicher Ton erzielt wird. Hört man beim Sprachrohr den mit kräftigster Stimme und dabei deutlich gesprochenen Ton recht gut, so ist beim Telephon immer das Gegentheil der Fall. Schrecklich aber ist, daß mancher Laie, trotz vieler Belehrung auf diesem Gebiete, nicht von dem Glauben abzubringen ist, es bedürfe, um sich mit dem Telephon verständlich zu machen, einer recht kräftigen Stimme, welche mit der Entfernung des mit ihm Sprechenden verstärkt werden müsse. Hat man nun im Ge­spräch am Telephon die ersten Worte solcher Leute nicht gleich verstanden, so führen sie dies auf ihre vielleicht zu teife Stimme zurück und aus der

Gottesdienstordnung in Fulda.

Sonntag, 25. Juni. Dom. 5, 8,6»/« und 7'/,Uhr hl. Meffen, 9 Uhr Amt und Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, l11 Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. (Dompfarrl. Mütteroerem. Während der 6 Uhr-Messe Kommunion und 2*/« Uhr Predigt unb Andacht.) — Htadlpsarrkirche. 5 Uhr hl. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe und Kommunion der Mttgl. des Müttervereins, 7 Uhr hl. Messe, 8 Uhr hl. Messe mit Predigt, 9'/. Uhr Hochamt und Predigt, 11 und 1 Uhr Chnstenlehre, 2 Uhr Predigt und Andacht für den Mütterverein, 3 Uhr Michaelsbruderschast. Wichartskirche. 10 Uhr Hochamt mit Exposition, 2 Uhr Predigt und Bruderschaft von den 7 Schmerzen^^Marras.

Pfarrkirche?um hl. Meiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — J.-S. 6’/« und 2 /- Uhr. — Srmienbtra. 8 Uhr hl- Messe für bte Verstorbenen der Bruderschaft, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr feiert Vesper, >8 Uhr Herz-Jesu-Andacht.

ohnehin für das Telephon viel zu kräftigen Stimme wird eine aus vollster Lungenkraft brüllende. Der Ton, welcher einem dann entgegenschallt, hat nichts mit einer menschlichen Stimme gemein und gleicht dem einer schmetternden Trompete. Also für die Zukunft nicht mehr in das Telephon gebrüllt, sondern gesprochen, wie man es bei einer gewöhn­lichen Unterhaltung im Gespräch mit seinen Mit­menschen gewohnt ist, dabei klar und deutlich und nicht mit zu großer Eile. Endlich sei noch daran erinnert, daß der Sprechende den Mund nicht ganz dicht an die Schallöffnung des Apparates bringen, sondern etwas entfernt davon sprechen soll.

* Der Vapfl als SouverS«. Wenn ein Katholik von bem Oberhaupt seiner Kirche in Audienz empfangen wird, so hat er durch dreimaliges Niederknieen, beim Eintritt in das Gemach, in dessen Mitte, und endlich vor den Füßen des Papstes seine Ehrfurcht zu bezeugen. Das Ceremonial des Vatikans enthält eigenthümlicher Weife keinerlei Bestimmungen für den Fall, daß ein Nichtkatholik zur Audienz zugelassen wird, was bekannt­lich von Leo XIII. sehr häufig geschieht. Bor einiger Zeit erkundigte sich ein amerikanischer Staatsmann, welche Vorschriften er bei der Audienz zu befolgen habe. Leo XIII. ließ antworten: „Sagen Sie dem Herrn, er solle sich genau so benehmen, als ob ihn der Präsident der Bereinigten Staaten in Audienz empfängt."

• Das Ende des Hirstus Zteuz. Bor wenigen Tagen hat sich der von einem Konsortium von Berliner Geschäftsleuten mangelhaft fundirt gewesene Cirkus Renz, dem der Enkel des „alten Renz", Herr Ernst Renz, nominell als Direktor vorstand, in Brüssel aufgelöst. Die zuletzt engagirt gewesenen Mitglieder des Unter­nehmens stehen plötzlich erwerblos da—alle die kleinen Leute, die bet diesem Zirkus als Kutscher, Pferdewärter, Garderobeschneider rc. bedienstet waren, find brodlos! Das ist das Ende eines Cirkus, der früher ein Welt­renommee genoß, das sogar jenes des amerikanischen „Gauklerkrösus" Mr. Barnum überstrahlte. Der letzte Direktor Renz besaß bei seiner Jugend nicht die nöthrge Eignung als Leiter eines so großen Geschäftes tm circensischen Genre und dieser Mangel machte sich als­bald in bedeutenden Geldverlusten der Direktion geltend.

♦ Wohin die Kumpe« «ander«. Man sollte bei Ausstellungen, Schützenfesten u.f.w. endlich dazu kommen, keine sogenannten Werthpreise, sondern für dieselbe ent­weder das baare Geld, oder eine Medaille zu geben, denn ein Blick auf die Bersteigerung der Silbersachen i« einem Pfandhause lehrt, wohin bie silbernen Pokale, Humpen u. s. w. wandern. Der durch einen Preis aus­gezeichnete Aussteller, Schütze u. s. w. zieht bas baare Geld vor. So gelangte unter Anderem ein großer silberner Humpen, 973 Gr. Silber schwer, welcher einer der ersten Preise aus einer in der Gegend abgehaltenen Geflügelausstellung war, und s. Z. mit 200 Mk. bezahlt wurde, zur Versteigerung und wurde behufs Einschmelzen für 50 Mark erstanden. Am Abend lag er bereits im Tiegel.

* Hin reizendes Idyll von de« „schwävische Hisendahne", das selbst die verwegensten Vizmalbahn- witze der „Fliegenden" in den Schatten stellen durfte, macht gegenwärtig viel von fich reden. Als rmeS Abends der Zug auf ber sogenannten Filderbahn von Nordhausen gegen Degerloch bei Stuttgart »sauste, mußte er verschiedentlich seinen Laus hemmen, angeblich, weil die Bremse etwas in Unordnung gerathen war. Eben hatte das „Zügle" wieder auf freiem Felde ge­halten, und das Personal rannte eilfertig den Zug ent­lang, unter jeden Wagen blickend und nach dem Schaden suchend. Die Passagiere verloren die Geduld und so fehlte es nicht an Sticheleien auf das „Bähnle", die von dem Zugspersonal mit schwäbischer Derbheit erwidert wurden. Bald aber kam es zu ernsthafterem Streit und ehe man fich's versah, waren die Passagiere ausgestiegen, und balgten fich mit dem Zugspersonal neben dem Bahndamm herum. Nachdem man fich gegenseitig genug durchgeprügelt, stieg man wieder ein und nun dampfte das „Zügle" der schwäbischen Residenz zu. Dort mußte der Lokomotivführer, welcher den Löwenantheil an den Prügeln abgekriegt hatte, ins Krankenhaus verbracht werden.

* Der dumme Johann. Frau zu ihrem Manne, der soeben von der Jagd heimgekehrt ist: „Nun, Hugo, wo hast Du Deine Jagdbeute?" — Mann: „War mir zu schwer, wollte mich mit den Hasen nicht schleppen und sagte daher zum Hausknecht vom Hotel Germama, er solle sie mir ins Haus tragen. Sieh', da kommt er gerade mit meiner Tasche. Nun, wo haben Sie die Hasen. — Hausknecht: „Entschuldigen Sie, Hasen waren nicht mehr da, und da habe ich deshalb geräucherte Aale gekauft."

• Dein» Trödler. „Kaufen Sie vielleicht diesen Pfeifenständer?" — „Bedauere, ich kaufe nur ganze Zimmer-Einrichtungen." — „Nun, bas ist ja meine ganze Zimmer-Einrichtung."

Zucker ist ei« billigt» Nahrungsmittel,

benn er ha» hohen Nährwerth.