Einzelbild herunterladen
 

eint täglich, «»nahm« der v und Feier' KiertelMrl-

eiSringerohn Bestellgeld m da und au»-

< k MG < JS A

L lUUIU l £■ ¥kHMMS

Zn»rakr:Direts spalt. Garmond- zeile oder der« Kaum1üPf.,R^ Kamen die Petid zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend, Rabatt gewährt.

Srn« eub Verlag de» Fuldaer AciiendruckerL peterrg-S« llr. 2 tldarmouiel.

mit Anlerhaktungs-Aeikage „Zfluflrirte Sonnlags-Zeitllng:'

26. Jahrgang

IuLöa, Dienstag, den 20. Juni 1899

JKi 138

müde, über Sklaven zu herrschen. Auch die Maffenaussperrung der Berliner Maurer berührte Redner, der sich schließlich über die Einzelheiten der Vorlage verbreitete, aber erst wieder volle Aufmerksamkeit fand, als er die harten gericht­lichen Verurtheilungen schilderte, die schon jetzt über Streikposten ergangen seien. Als bei einem besonders krassen Falle auf den Bänken der Sozialdemokraten lautes „Pfui!" ertönte, rügte Präsident Graf Balle st rem unter Berufung auf seine Amtsvorgänger dies unter großer Heiter­keit als unparlamentarisch. Als Bebel die Denk­schrift zur Vorlage als ein Muster von Einseitig­keit u. Gehässigkeit bezeichnete, hätte er beinaheeinen Ordnungsruf erhalten, worauf er u. A. bemerkte daß die "Berichte der süddeutschen Fabrik-Inspek­toren mit den Angaben der Denkschrift über die Arbeiter-Organisationen in Widerspruch ständen. Er schloß mit der Bitte, die Vorlage einfach in den Papierkorb zu werfen. Würde sie Gesetz, so wäre dies eine Schmach und Schande für das deutsche Volk. Daraus wurde die Weiterberathung auf morgen 1 Uhr vertagt. Morgen wird zu­nächst Abg. v. Levetzow (kons.) und dann der Abg. Dr. Lieber sprechen.

* Die Gener al - Versammlung der chörresgesekkschaft wird in diesem Jahre in Ravensburg (Württemberg) stattfinden, und zwar vcm 15. bis 17. August.

□ Unter dem Titel: ^HoziakeGagesfrager»" wird vom Volksverein für das katholische Deutschland seit Beginn dieses Jahres eine Reihe kleiner billigster Hefte in zwangloser Folge herausgegeben, welche aktuelle sozialpolitische Fragen in kurzer gemeinverständlicher Weise be­handeln sollen und zur Verbreitung in den weitesten Kreisen bestimmt und geeignet sind. Im ersten Hefte behandelt Herr Dr. August Pieper die Volksbildungsbestrebungen. Ihre Nothwendigkeit und ihre Mittel. (22 S. 10 Pfg.) Der Gedanke, daß die Hebung der Volksbildung die unentbehrliche Grundlage sozialer Fortschritte bildet, wird in dem Schriftchen in überzeugender Weise ausgeführt; ferner sind die einzelnen Mittel, die Volksbildung zu fördern, unter Angabe von zahlreicher Literatur besprochen. — Das "zweite und dritte Heft erläutert Be­deutung und Organisation der Arbeiter­kammern (64 S. 20 Pfg.), wie sie vom Centrum (Antrag Lieber-Hitze) verlangt werden und noch kürzlich in den bemerkenswerthen sozial­politischen Debatten im Reichstage zustimmend besprochen wurden. Das Heft soll besonders in den Kreisen von Industriellen und Arbeitern auf­klärend und vorbereitend wirken für die von der Regierung gewiß nicht dauernd zu verweigernde Einrichtung von Arbeitskammern. — Im vierten Hefte Soziale Konferenzen unter dem KleruS. Ihre Nothwendigkeit, Thätigkeit und Organisation. (31 S. 10 Pfg.) ist speziell be- merkenswerth das Kapitel über die Wichtigkeit der sozialen Thätigkeit des Klerus, sodann auch eine Zu­sammenstellung sozialpolitischer Themate nebst Literatur-Angabe für die Ausarbeitung derselben. Heft 5 endlich behandelt: „Die Handwerker- Innungen und Genossenschaften. Ihre Be­deutung und Aufgaben. (64 S. 10 Pfg.)" In knapper Form und doch vollständig und anschau­

Erst Sonntag Abend hat sich Herr Waldcck- Rouffeau bestimmt dazu entschlossen, die Kabinets- bildung zu übernehmen. Er hatte diesen Ent­schluß von der Beantwortung bestimmter Fragen abhängig gemacht, die er Sonntag Vormittag an den Präsidenten Loubet gerichtet hatte. Es ist unbekannt, wie diese Fragen lauteten. Aber es wird berichtet, daß die erhaltenen Antworten ihn befriedigten und er darum bestimmt den Auftrag zur Kabinetsbildung vom Präsidenten annahm.

Von besonderer Bedeutung ist ja natürlich für das neue Kabinet, wer Kriegsminister in demselben sein wird. Drahtmeldungen besagen, Herr Kasimir Pörier sei dazu in Aussicht genommen, und zwar unter ausdrücklicher Zu­stimmung der Sozialisten. Das ist ohne Zweifel eine Ueberraschung; gerade an diesen Mann hatte vorher wohl Niemand gedacht.

Nicht ohne Interesse ist der Umstand, daß Waldeck-Rousseau seine juristische und politische Laufbahn in demselben Rennes begonnen hat, in dem das zweite Kriegsgericht über den Haupt­mann Dreysus aburtheilen soll. Waldeck-Rousseau war dort Rechtsanwalt und wurde im Jahre 1879 vom Wahlkreise Renres zum erstenmale in die Deputirtenkammer gewählt. Er ist Vertreter dieses Bezirkes geblieben, so lange er Mitglied der Deputirtenkammer war.

Vom Standpunkte des praktischen Poli­tikers aus mag es klug und angebracht sein, die Sozialisten heranzuziehen zur Be­theiligung an der Kabinetsbildung. Ja es mag sogar nothwendig sein dazu, dem Ministerium eine genügend breite Grundlage zu geben. Denn man weiß ja längst, daß die französischen Mini­sterien, die auf rein republikanischer Basis auf­gebaut sind, nicht fest stehen. Also klug und so­gar vielleicht nothwendig mag das sein. Aber auf keinen Fall ist das eine Entwickelung, die dem Katholiken die Republik ange­nehmer machen kann. (Siehe Neueste Nachr.)

Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe an der Spitze eines zahlreichen Stabes von Staatssekretären und Kommissaren, für diesen Zeitpunkt mitten im Sommer ein verhältnißmäßig großartig besetztes Haus, ganz gefüllte Tribünen auf allen Seiten des Sitzungssaales: das sind die Anzeichen eines großen Tages. Nun freilich, die sogenannte Zuchthausvorlage übt eine große Anziehungskraft aus. Aber es ist wohl doch ein wenig fraglich, ob alle, die da kamen, um ihrem Bedürfnisse nach parlamentarischer Sensation zu genügen, diesen Trieb befriedigen konnten. Zunächst mußten ich alle beinahe zwei Stunden lang gedulden, bis )ie Vorlage an die Reihe kam; denn vorher war noch die dritte Lesung des Handelsabkommens mit England tu erledigen — oder vielmehr zu be­ginnen, denn sie wurde heute noch gar nicht erledigt. Sie wurde auf den Antrag des natl. Abgeord­neten Freiherrn von Heyl an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen, in der man vor der Verabschiedung der Sache noch be- öndere Mittheilungen des Staatssekretärs Posa- lowSky erwartet. Die erste Lesung der Zucht­haus-Vorlage selbst aber gestaltete sich am heutigen ersten Berathungstage verhältnißmäßig ruhig. Wohl pflanzten sich die Herrn Genossen in aeschloffenen Reihen vor der Rednertribüne auf," mit der Absicht, an geeigneten und unge­eigneten Stellen von gegnerischen Reden in Zwischenrufe auszubrechen. Aber als die Herren dieses Mittel beim Staatssekretär Grafen Posa- dowsky anzuwenden versuchten, brachte sie Präsi­dent G r a fB a l l e st re m durch die launigeMahnung zum Schweigen: sie möchten Mitglieder des Bundesrathes nicht stören, wenn sie dann später prechen wollten, würde er ebenso dasür argen, daß sie dann auch nicht gestört würden durch — Mitglieder des Bundesrathes! Die Ausführungen des Reichskanzlers verlas liefet von einem sorgfältig vorbereiteten Manu- kript. Man erfährt nicht daraus, warum es so ange gedauert hat, bis die Vorlage an den Reichs- ag gelangte; ebenso wenig, wie aus den Worten des Staatssekretärs Grafen Posadowsky dieser sprach unstreitig so wirkungsvoll, wie die mißliche Sache dieser Vorlage es nur immer zu­ließ; und hätte der Staatssekretär nur die Auf­gabe gehabt. Andere davon zu überzeugen, daß ein sozialdemokratischer Streik-Terrorismus vor- likge, so würde er damit sicherlich glänzende Er­folge erzielt haben. Aber daß der Terrorismus da ist, das weiß Jeder. Der Streit dreht sich um die Mittel, welche man gegen diesen Terrorismus anwenden soll, und darin konnte der Staatssekretär natürlich nicht große Erfolge erzielen. Da war Herr Bebel mit dem Gegenthei! mehr in seinem Elemente — und Herr Bebel sprach ruhig: er sprach seine gewohnten zwei Stunden, ohne einen regelrechten Ordnungs­ruf zu erhalten. Das will viel sagen! Redner schilderte das bisherige V-rhalten der Behörden und Gerichte gegenüber Arbeitern bei Lohnkämpfen, um darzulhun, daß die Vorlage ganz überflüssig sei, charakterisirte die gutgesinnten Arbeiter, die 'ich Alles gefallen ließen, als „Schafsnaturen" und behavptele, die heutige Regierung wolle über Sklaven regieren, während Friedrich der Große an seinem Lebensabend gesagt habe: er sei es

„Ja, es ist so, und mein Vater sagte mir, daß es jedes Mal sich regt, bevor es an die Arbeit kommt. Es gibt viel Geheimnißvolles und. Wunderbares um uns, welches w.r nur uhnen, aber nicht erklären können. Die drohende Wolke zieht herauf, sie wird uns zerschmettern — o, daß unser unseliges Geschlecht vertilgt wäre!"

Mitternacht war längst vorüber, als Ernst sein Zimmer betrat und sich niederlegte. Laut­lose Stille ringsumher. Majestätisch spannte das dunkle Himmelsgewölbe sich über die schlummernde Erde. Nur die Sterne sunkelten hell, als wollten sie neugierig in die Wohnungen der Menschen eindringen und sehen, ob überall Frieden und Glück in den Herzen der Schlafenden herrsche.

2. Kapitel.

„Nein, mein Kind, von diesem Schritte rathe ich Dir entschieden ab, wenigstens süc jetzt, denn ich halte ihn für sehr übereilt. Welch' merk­würdige Idee, zu glauben, die Mama wünsche Dich zu verheirathen, weil Du ihr im Wege seiest. Und da Dir der von der Mama prote- girte Bewerber nicht gefällt, willst Du, wie Du sagst, „der Mama das Feld räumen" und ins Kloster gehen. Nein, Kind, widersprich nur nicht, Du bist "noch so jung, kaum zwanzig Jahre alt. Du weißt nicht, was Du so bedachtlos aufgeben willst, noch welch' schwere Pflichten Deiner im klösterlichen Stande harren."

„Es gibt noch andere Wege zum Frieden und zum Himmel, als den durchs Kloster. Deine Mama war eine glückliche und fromme Gattin, ihr Leben und Streben hat dies bewiesen. Du kennst sie noch nicht, diese heilige Flamme, die

mein altes Herz warm erhalten hat bis auf meine späten Tage und mein Leben verklärt mit süßen Erinnerungen, die mich gleich ftark mit Gott und den Menschen verknüpft haben. Denn ob er auch tobt ist, der Gatte meiner Jagend, er ist ewig mein, ewig, wie der Segen des Himmels, der in der Seele ruht. Warte noch einige Jahre, fiadel sich nicht, was ich so sehr für Dich ersehne, daß Dein Herz einem Deiner Bewerber in Liebe' ent­gegenschlägt, dann will ich Deinen Wünschen nicht entgegen fein und es Gott anheim stcklen, wohin er Dich führt. Versüche wenigstens, etwas freundlicher zu sein, nicht Allen das gleiche Miß­trauen entgegenzubringen. Du wirst dann sehen, wie reich das Leben an Freuden ist. Es ist ja nicht möglich, daß Du mit Deiner Jugend so ganz unempfindlich bist gegen diese und das Glück, gegen ein treues Gefühl und ein wärmeres In­teresse."

„Großmama," entgegnete das junge Mädchen, und ein bitterer Zug flog über das rosige Ge­sichtchen. „Du willst mir Muth emsprechen, glaubst aber selber Deinen Worten nicht. Wie kann ich freundlich gegen andere fein, wo ich nur zu gut weiß und es auch täglich hören muß, daß alles Entgegenkommen nicht mir, meiner Person, sondern meinem Gelds gilt. Wer liebt mich denn? Du, mein Bruder Hans und vielleicht der Papa ein wenig, aber er darf es mir nicht einmal zeigen. Denn so oft Papa freundlich za mir spricht, glaubt Mama meine Schwester uh zmückgedrängt und meint, ich sei reich, habe Geld und könne der armen L;li die Liebe und Freund­lichkeit des Vaters wohl allein lassen. Als ob Reichthum die Eltern- und Geschwisterliebe auf­

wiege! Interesse? Wofür? Für das unselige Geld, welches mir nur das Leben vergiftet? Kommen mir Andere freundlich entgegen, so heißt es, eine Erbin ist immer umschwärmt, werden mir von Herren Aufmerksamkeiten erwiesen, muß ich hören: das Geld zieht Freier an. Siehe, das macht mißtrauisch. Alles geschieht meines Geldes wegen, mein Herz, ich selbst bin Nichts werth; meinem Reichthum wird gehuldigt, dem liegt man zu Füßen. Selbst zwischen Lili und mir sucht Mama Mißtrauen zu säen, was aber bis jetzt, Gott sei Dank, noch nicht gelungen ist und hoffentlich auch nicht gelingen wird, denn ich habe das kleine, muntere Ding gern. Bei jeder Gelegenheit wird ihr vorgehalten. Du, ulr, mußt freundlich und zuvorkommend sein. Erna braucht das nicht, sie ist eine Erbin, der fliegen alle Herzen von selbst entgegen. Du mußt ju gefallen suchen, mußt Dir eine Stellung im Leben erringen durch Dein eigenes Verdienst.

siehst, liebe Großmama, Liebe zu mir ist's nicht, weshalb sie mich zu verheirathen wünscht, warum denn?" . „

Es ist sehr unvorsichtig von Demer Mama, antwortete kopfschüttelnd die alte Freifrau von Korni, „Lili solche Anweisungen zu geben; rey fü djte, sie erziebt ihr Töchterchen dadurch zu einer richtigen Kokette. Aber Unrecht ift e., ®td) so zu kränken. Du mußt es ihr jedoch so hoch nicht anrechnen, mein Kind. Ich kann es mir denken, wie unangenehm es sie berührt, daß die Ver- mözenSverhältniffe zwischen dm Kindern meiner Tochter und ihren eigenen so verschieden sind. Deshalb vergiß es ihr, Erna, denn ein Mutter- Herz geht in der Liebe sür feine Kinder leicht zu

+ Zur Ministerkrije in Frankreich.

Daß aus einem Kabinet Poincaro nichts -den würde, war von Anfang an zu vermuthen.

jungen in der Politik haben auch gleich Verrnuthung aufgebracht, daß Präsident o‘ ubet nur deswegen zum Scheine Herrn Pom- ~ Ja den Auftrag zur Kabinetsbildung gegeben £«■ um den Radikalen und Sozialisten recht ^..tlicb zu zeigen, auf welche Weise ein Ministerium !ickt zu Stande komme; und nach denselben S Rungen hätte Herr Poincarö die Absichten des Präsidenten auch sofort begriffen und danach gehandelt.

Dies die eine Auffassung. Nach der Ansicht Anderer, die auch nicht recht an dm Ernst der Bemühungen des Herrn Poincarö glauben wollten, follte dieser ein geheimer Anhänger der Na­tionalisten sein und die Absicht gehabt haben, durch allerhand Ränke nach und nach zu einem Ministerium nach dem Geschmacks dieser zu gelangen.

Im Augenblicks läße es sich aus der Ferne nicht frststellm, welche von den beiden Annahmen der Wahrheit am nächsten kommt; und schließlich ift das auch für alle Unbeteiligten eine nichts weniger als aufregende Frage. Für diese genügt es zu wissen, daß Herr Poincarö seine Aufgabe nicht ernst auffaßte, und daß erst jetzt der Mann gefunden zu sein scheint, der wirklich an der Spitze des neuen französischen Ministeriums treten wird: Herr Waldeck-Rousseau.

Herr Waldeck-Rousseau gehört zur alten Garde unter dm republikanischen Politikern in Frank­reich. Er war zum ersten mal Minister unter Gambetta, nämlich Minister des Innern in dessen Kabinet, und nachher bekleidete er dasselbe Amt in dem Ministerium Jules Ferry's. Später blieb er einige Jahre im Hintergründe der politischen Schaubühne, und i. I. 1894 ließ er sich anstatt in die wild bewegte Deputirtenkammer in den ruhigem Senat wählen; und seitdem ist fein Name wiederholt mit der Prästdentenwürde der Republik in Verbindung gebracht worden.

Das letzte Kabinet des Herrn Dupuy ist durch einen Schachzug der Sozialisten gestürzt wor­den. Will der neue Ministerpräsident ähnlichen Klippen aus dem Wege gehen, dann muß für ihn der Gedanke nahe liegen, in fein Kabinet auch sozialistische Elemente aufzunehmen. Nun trifft es sich, daß Herr Waldeck-Rousseau persönlich sehr befreundet ist mit dem Sozialisten Mil- l er and, Advokat wie er selbst, und thatsächlich wird berichtet, daß der Eintritt des sozialistischen Millerand in das neue Ministerium des oppor­tunistischen, also rechts-republikanischen Waldeck- Rousseau in Aussicht genommen fei. Herr Mil- leranb, von einem bekannten Zeitungsmanne da­rüber befragt, soll geantwortet haben: „Wenn das Haus brennt, hilft man zunächst löschen, unbe- kümmert darum, wer dabei mitthut." Was sagen die deutschen Herren Genossen dazu? Ist das wahr, was über Herrn Millerand be­richtet wird, dann müßten die französischen Ge­noffen noch erheblich weiter in der Mauserung vorgeschritten sein als ihre deutschen Gesinnungs­genossen.

Deutsches Deich.

Berlin, 19. Juni.

* Der Kaiser gedenkt, wie aus Metz ge­schrieben wird, an dm bei D ied en Hofen im Elsaß vom 24. bis 30. August stattfindenden Belagerungsübungen theilzunehmen. Die Hebungen werden gegen die Höhen bei Gmt- rlngen, von denen jetzt ein Theil befestigt wird, abgehalten werden. Zur Theilnahme ist außer der Diedenhofener Garnifon das Metzer Fuß­artillerieregiment Nr. 8, das Königsregiment Nr. 145 und eine Abtheilung des 16. Train- bataillons nebst der Feldbäckerei kcmmandirt worden. Man glaubt allgemein, daß die kaiser­liche Familie zu der angegebenen Zeit auf Schloß Urville wohnen und bann nach Be­endigung der BelagerungSübung der Kaiser sich bereits am 1. September nach Rastatt zu dm Schwarzwaldmanövern begeben werde. Auf Urville wird alles zur Aufnahme der hohen Gäste bereit gehalten.

x Die Iuchlhaus-Dorkage kam heute imReichstage zur ersten Berathung. Großer und hoher Besuch am Tische des Bundesrathes:

Erzählung von Klara Wilhelmi.

3 (Nachdruck verboten.)

Nach einer halben Stunde sah die Mutter ihn leichenblaß, mit dem Bück eines Verzweifelten, in den Wald stürmen, sah, wie er in namenlosem Schmerz den Stamm einer Buche umschlungen hielt und die angstersüllten Züge zum Himmel richtete. Die Mutter erkannte, daß ihr Kind nun das schreckliche Geheimniß wisse und nun für sein ganzes Leben elend und unglücklich sein werde.

Einen Schmerzensschrei ausstoßend, wollte sie zu ihm eilen, da trat ihr Gatte, ebmsalls bleich find mit glanzlosen Augen, vor sie hin. „Laß lhn, Rosa, er muß allein seinen Schmerz austoben und dos Furchtbare zu verwinden suchen. Was wolltest oder was könntest Du ihm zum Tröste sagen? Komm her, auch für Dich habe ich eine Mittheilung."

Jn angsterfülltem Schweigen folgte sie Hell­em in das Haus, der sie dann in das Zimmer führte und saft in Flüsterton sprach: „Ernst war schon oben, gleich am ersten Abend seiner Ankunft — und o — es hat sich geregt — ver­engt nach Arbeit — Ernst hat ihn gehört, den Unglück verheißenden Ton."

Wie vom Schlage getroffen, brach die Gattin bei dieser Nachricht zusammen.

„Es hat sich geregt?" fragte sie mit bebenden Rippen und rang in verzweiflangSoollem Schmerz die Hände.