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26. Jahrgang.

Iuköa, Mittwoch, den 14. Juni 1899.

M 133.

•"TSw. mit Anterhaktungs-Aeikage ,,3flitflrtrfe Sonnlags-Ietttmg" peier»«aSe fif. 2 Cteanuonit).

Z Ministersturz in Frankreich.

Am Montag hat die französische Deputirten- kammer ihre Sitzungen begonnen, ohne auch nur daran zu denken, daß diese Sitzung eine Ministerkrise herbeiführen könnte; und ehe die Sitzung beendet war, hatte das Mini­sterium des Herrn Dupuy seine Entlassung vom Präsidenten der Republik erbeten und erhalten — das nennt man schnelle Arbeit machen, wie sie in dieser Weise fast allein in Frankreich möglich ist!

Aber nicht die weiße Nelke hat Herrn Dupuy zu Fall gebracht, nicht die monarchisch gesinnte Rechte der Deputirtenkammer, deren An­hänger und Freunde auf den Rennplätzen und bei ähnlichen Veranstaltungen mit einer weißen Nelke geschmückt sich zeigen; sondern der Sturz des Ministeriums ist das Werk der rothen Rose, der fortgeschrittenen Linken der Kammer. Der Draht hat über die einzelnen Vorgänge in der Deputirtenkammer und am Abend vorher bereits berichtet. Sie lassen sich in aller Kürze skizziren wie folgt:

Am Sonntag den 4. Juni, am Tage des Rennens in Auteuil, hatte die Polizei unge­nügende Vorkehrungen getroffen, und die Folge davon waren die widerwärtigen Kundgebungen gegen den Präsidenten Loubet — oder vielmehr die widerlichen Begleiterscheinungen dieser Kund­gebungen. Am Sonntag den 11. Juni, am Tage der großen Rennen in Longchamps, ist die Polizei in den entgegengesetzten Fehler verfallen: sie war allzu schneidig, und es wird berichtet, daß am Abend nach den Rennen in den Straßen von Paris auch solche Leute schon gewallthätig von der Polizei behandelt worden seien, die sich das ziemlich unschuldige Vergnügen machten, Rufe auszubringen wie „Es lebe die Republik" — „Es lebe Loubet!" Schon früher ist die Pariser Polizei mehrfach verdächtigt worden, sie arbeite sehr gern in dem Sinne der Natio­nalisten gegen die Republik, und jetzt ist sofort in mehreren Pariser Blättern der Arg­wohn laut geworden, Ministerpräsident Dupuy fei selbst ein unsicherer Kantonist in diesem Sinne geworden, und deswegen habe er auch die überscharfen Anordnungen für die Pariser Polizei erlassen. „Wir werden — so schrieb Montag früh der Pariser Siede — uns erst in Sicherheit fühlen, wenn Dupuy die Regierung verlassen haben wird; er flößt uns die lebhaftesten Besorgnisse ein . . ."

Kurz und gut, Herr Dupuy mit dem Bei­namen „die eiserne Hand" wurde den Radikalen und Sozialisten zu stark und zu mächtig, und da nun zufällig Sonntag Abend die Polizei auch gegen einen Haufen von Sozialisten vorge­gangen war, in deren Mitte der sozialdemo­kratische Abg. Vaillant und einige seiner Par­teigenossen sich befunden hatten, brachte besagter Herr Vaillant am Montag in der Deputirten­kammer eine Interpellation ein „wegen der von der Polizei begangenen Gewaltthätigkeiten". Herr Dupuy sagte sehr richtig in seiner Ant­wort, wenn man nicht Achtung vor der Ordnung herstelle, sei jedes Regieren unmöglich. Die Ordnung sei aber gestört worden, und deswegen

Die golitnt Hoffnung.

Roman von W. Clark Rüssel.

Mit Genehmigung des Verfassers frei bearbeitet von A. E. Wirz.

52 ------(Nachdruck verboten.)

35. Kapitel.

Wieder daheim.

Das Dunkel eines Herbstabends liegt über Wiesby, und doch ist das ganze Dorf, statt wie sonst um diese Zeit still von den Arbeiten des Tages zu rasten, in erwartungsvoller Aufregung- Im Forsthause sind die Fenster des Wohn- jimmers weit geöffnet, denn die Luft ist mild angenehm. Auf dem Sophatische steht die brennende Lampe, und auf dem Sopha sitzen Frau Wagner nebst ihrer Tochter Josephine, während ihre Brüder, der Oberförster sowohl als Herr Dr. Klette, voll nervöser Erregung im Zimmer auf- und abgehen, bis die alte Dame es schließ­lich nicht länger aushalten kann und ihnen ziem­lich scharf und befehlerisch zurust:

»Ich bitte Euch liebe Brüder, daß Ihr Euch hinsetzt. Wenn Ihr meinen Puls fühltet, könntet Ihr Euch überzeugen, daß er noch viel schneller schlägt, als bei Euch, meine Aufregung und Er­wartung noch viel größer ist, als die Eure, während ich doch ganz ruhig und still hier sitze."

„Schneller Pulsschlag ist noch nicht noth- wendig ein Anzeichen größerer Aufregung", Meinte der Doktor.

hätte die Polizei einschreiten müffen . . . machte dann aber einen taktischen Fehler, der ihm die Niederlage brachte. Er nahm die Polizei auch für die" Uebergriffe in Schutz, die sie sich augenscheinlich am Sonntag zu schulden kommen ließ und verlangte ausdrücklich nach einem von dem Abg. Saumando eingebrachten Anträge die Annahme einer Resolution, in der die Er­klärungen der Regierung gebilligt werden, die Regierung also eine besondere Vertrauens­kundgebung erhalten sollte. Thatsächlich wurde auch die einfache Tagesordnung mit guter und mit noch stärkerer Mehrheit die von dem Abg. Vaillant beantragte Resolution abgelehnt, in der die Haltung der Pariser Polizei getadelt werden sollte. Aber dann wurde mit der be­deutenden Mehrheit von 321 gegen 173 Stimmen eine von dem radikalen Deputirten Ruau bean­tragte Tagesordnung angenommen, die eine scharfe Spitze gegen die Regierung enthält. Sie lautet: „Die Kammer, entschlossen, nur eine Regierung zu unterstützen, die gesonnen ist, mit Entschiedenheit die republikanischen Einrichtungen zu vertheidigen und die öffentliche Ordnung auf­recht zu erhalten, geht zur Tagesordnung über".

Die Mehrheit, mit der diese Resolution an­genommen worden ist, setzte sich zusammen aus der Rechten und aus der äußersten Linken, die alte Mehrheit, die sich schon so oft zusammen­gesunden hat, wenn es galt, ein französisches Ministerium zu beseitigen. Nur Herrn Meline war es gelungen, diese Klippe zu beseitigen, in­dem er sich freundschaftlich zur Rechten zu stellen verstand, so daß diese Werth legte auf die Er­haltung des Kabinets Meline. Jetzt hat Herr Dupuy die alte Erfabrung machen müssen, daß in Frankreich ein Ministerium, das nur auf die Republikaner sich stützt, nicht von Dauer sein kann.

Nur fünf Minuten hat die Unterredung ge­dauert, in der Herr Dupuy vom Präsidenten Loubet seine Entlassung erbat — danach scheint es Herrn Loubet einen nichts weniger als schweren Entschluß gekostet zu haben, Herrn Duvuy gehen zu lassen. Wahrscheinlich wird ein Theil des Kabinets im Amte bleiben, nämlich so weit es sich um Fachminister handelt. Und im Allgemeinen wird das neue Ministerium dem alten vermuthlich ziemlich ähnlich sehen. Ver- muthlich wird es aber auch nicht viel länger am Leben bleiben als das Kabinet Dupuy!

Deutsches Deich.

Berlin, 13. Juni.

* Das Kaiserliche Auflager wird am 15. d. M. von dem Neuen Palais bei Potsdam nach Wilhelmshöhe verlegt, wo die Kaiserin mit den kaiserlichen Kindern Aufenthalt nehmen wird. Der Kronprinz mit seinen beiden Brüdern Prinz Eitel Friedrich und Albert weilen, wie bekannt, bereits in Wilhelmshöhe. Die Kaiserin begibt sich mit den drei jüngsten Prinzen und der kleinen Prinzessin Louise Viktoria am Donners­tag dieser Woche mittels Sonderzuges nach Wil­helmshöhe, während der Kaiser von Kiel aus, wo die „Hohenzollern" bereits zur Abfahrt bereit liegt, die Nordlandsreise antrnt.

„Ich bin jetzt außer Stande, mich still hin­zusetzen", rief der Oberförster.

„Ich desgleichen", stimmte sein Bruder ihm bei. „Seit vielen Monaten sind wir ohne alle Kunde von dem Schicksal unserer lieben Agathe und überzeugt, daß Forsberg das Opfer einer bedauerlichen Einbildung und Selbsttäuschung ist, und daß er, wenn er auf seiner weiten Fahrt nicht selber zu Grunde gegangen, mit einem durch bitterste Enttäuschungen gebrochenen Herzen zurückkehren wird. Statt dessen bekomme ich gestern einen Brief von ihm, worin er mittheilt, daß er nicht nur am Leben, sondern daß er sicher, und ohne Schaden genommen zu haben, wieder in Hamburg angelangt sei, daß sich Agathe bei ihm befinde, daß sie Beide wohl und gesund seien und nur noch zwecks einiger Einkäufe in Hamburg verweilten, heute Abend gegen sieben Uhr aber hier einzutreffen gedächten."

Er zog seine Uhr heraus und rief dann: „Wie kann ich dabei sitzen?"

„Ich meinte nur," entgegnete seine Schwester, „daß ich selber nur noch nervöser werde, wenn Ihr so rastlos auf und ab laust."

„Still," rief der Doktor, legte seine Hand ans Ohr und steckte seinen Köpf aus dem Fenster.

Der Oberförster sank auf einen Stuhl und rief: „Je mehr man darüber nachdenkt, desto unglaublicher und wunderbarer erscheint es einem. Daß er sie mit sich bringt, daß er sie auf der Insel gesunden hat, daraus scheint sich doch zu ergeben, daß alle Einzelheiten seiner Reise seine Vision, seinen Traum bestätigen.""

+ Heute (Dienstag) Nachmittags 4 Uhr hat im königlichen Schlöffe unter dem Vorsitze des Kaisers ein KronratH stattgefunden, nach­dem Montags Staatsminister v. Miquel vom Kaiser in besonderer Audienz zum Vortrage em­pfangen und nachher zur kaiserlichen Tafel gezogen worden war. Augenscheinlich handelt es sich um die Feststellung der Erklärung, die die Re­gierung am Donnerstag im preußischen Abge­ordnetenhause zur K a n a l - V o r l a g e ab geben soll.

+ Nachträglich hat der deutsche Antrag in der mtervatiouare« Friedenskonferenz in Haag doch noch Erfolg gehabt: am Montag sind die Vorsitzenden der Sektionen zusammen­getreten und haben beschloffen, der Presse über die Plenarsitzungen des Kongresses sowohl als auch über die Sitzungen der Sektionen und Komitees Mittheilungen zukommen zu lassen. An­fänglich schien es so, als würde der deutsche An­trag keinen Erfolg haben; nun ist es doppelt erfreulich, daß dem Anträge doch noch Folge ge­geben worden ist. Wie er verwirklicht werden wird, das muß man abwarten. Leider scheinen sich nachträglich noch tiefgehende Meinungsver­schiedenheiten auch in der Behandlung der Schiedsgerichts-Frage eingefundenzuhaben; namentlich wird von englischen Blättern berichtet, der deutsche Vertreter Prof. Zorn habe in der Schiedsgerichts-Unterkommisston durchaus der Ein­setzung eines ständigen Schiedsgerichtes wider­sprochen, und zwar auf unmittelbare Veranlassung von Berlin aus; denn die Einrichtung eines dauernden Schiedsgerichtes widerspreche der Souveränetät eines Monarchen von Gottes Gnaden. So berichten englische Blätter, ohne daß man die geringste Kontrolle darüber hat, ob der Bericht zutrifft oder nicht. Unter solchen Umständen ist es um so werthvoller, zu­verlässige Mittheilungen über die Verhandlungen zu erhalten. — Nach einer Mittheilung der ,Nordd. Allg. Ztg/ ist die Londoner Meldung über die Erklärung des Prof. Zorn in der Schiedsgerichtskommisston der internationalen Friedens-Konferenz ungenau, zum Theile sogar unmittelbar falsch. Prof. Zorn hat nach dieser halbamtlichen Mittheilung gesagt, der Ge­danke eines permanenten Tribunals zur Entscheidung von Staatsstreitigkeiten . . . enthalte gewisse Gefahren, und diese Gefahren seien unter Um­ständen geeignet, eher den Krieg als den Frieden zu fördern. Nach seiner Ueberzeugung werde die deutsche Regierung diese Gefahren als überwiegend betrachten und auf den Gedanken eines ständigen Schiedsgerichtes nicht eingehen. Wohl aber würde die kaiserliche Regierung den ursprünglichen russischen Entwurf annehmen können, in dem ein von Fall zu Fall nach Uebereinkunft der streitenden Theile zu bildendes Schiedsgericht vorgesehen ist. Prof. Zorn beantragte darum die Wiederherstellung dieses ursprünglichen russischen Vorschlages.

• Gegenwärtig tagt, wie man weiß, im Reichstagsgebäude zu Berlin der KokomakralH. Aus dem Verlaufe der bisherigen Berathungen ist nur wenig Interessantes hervorzuheben. Zu erwähnen ist, daß Major von Wißmann sich zur Führung der Tschad-See-Erpedition bereit erklärt hat. Erfreulich ist es, daß aus den vorliegenden Berichten eine Besserung des allge-

„Jch wünsche wirklich, sie kämen endlich," tief Frau Wagner ungeduldig.

Aber sie mußte warten, bis Doktor Kletke wieder nach dem Fenster zurückgekehrt war, mit lauter Stimme rief: „Ich höre die Kutsche," bar­haupt aus dem Hause lief und die klebrigen in höchster Aufregung und Erwartung im Zimmer zurückließ.

Es vergingen etwa zShn Minuten, bis sich draußen laute Stimmen hören ließen. Frau Wag­ner und Josephine laufen auf den Flur hinaus, der Oberförster geht ihnen nach, die Hausthür steht offen, ein junges Mädchen springt die Stufen hinauf, und in der nächsten Minute sind sie alle im Flur, sich gegenseitig umarmend und die Hände drückend. Ihnen nach drängten einige Dorf­bewohner und Gutsangehörige, von denen die meisten freilich draußen auf der Dorfstraße ge­blieben waren und jetzt die glückliche Rückkehr ihres jungen Herrn mit einem lauten dreifachen Hurrah begrüßten.

Etwa eine halbe Stunde später hatte sich die Aufregung im Forsthause etwas gelegt — denn besonders Agathe war außer sich vor freudiger Ueberraschung gewesen, daß sie ihren Stiefvater, den sie verloren glaubte, so unerwartet gesund und munter wiedergefunden —, und sobald sie sich zum Abendeffen niedergelaffeu hatten, begann ein eifriges Fragen und Erzählen.

„Nur eine Frage, Forsberg," begann zuerst der Oberförster in eifriger Erwartung. „Nichts weiter, darauf gebe id) Dir mein Wort, bis nach dem Abendeffen — aber — fandest Du wirklich Agathe auf der Insel?"

„Ja," antwortete Forsberg.

meinen Gesundheitszustandes in Kamerun heroor- geht. In Aussicht genommen ist die Errichtung eines tropenhygienischen Reichs-Insti­tutes in Hamburg. In Hamburg soll jeden­falls ein solches Institut errichtet werden. Sollte das Reich dieses dann nicht ganz übernehmen, so wird mindestens empfohlen, dem Reiche einen weitgehenden Einfluß auf dasselbe zu sichern.

* Der vierte Eyaritastag wird vom 17. bis 19. Juli 1899 inAugsburg stattfinden. Der Vor­stand (Dr. Herm. Jos.Sckmitz, Weihbischof vonKöln, Ehrenpräsident, Erzbischöfl. Geistlicher Rath Dr. Werthmann, Vorsitzender, Landtagsabgeordneter Oberamtsrichter Armbruster, Stellvertreter des Vorsitzenden, Bankier Dr. E. Krebs, Kaffirer, Universitätsprofeffor Dr. Heiner, päpstlicher Haus­prälat, Dr. med. Gasiert, Superior Karl Mayer, päpstl. Ehrenkämmerer, Rechtsanwalt Marbe, Reichstagsabgeordneter als Beisitzer) erläßt un­serem mit dem Lokalkommitee (Dr. Fr. Keller, Dompropst, Andr. Stoeckle, Reg.-Rath, I. Grab­herr, Verleger, Ant. Hauser, Diözesanreferent des Charitasoerbandes, M. Mayr, Kaufmann) und Vertretern der Augsburger charitativen Anstalten und Vereine einen vom 1. d. Mts datirten warmen Aufruf. Das Programm ist im wesent­lichen folgendes: 17. Juli: Sitzung des Mäßig- keitsausschufses, Sitzung des Vorstandes der Diözesanreferenten und des allgemeinen Ausschusses des Char-itasverbandes. Abends 8 Uhr: Be­grüßung der Gäste im katholischen Kasino. 18. Juli: Pontifikalamt. Generalversammlung des Charitasoerbandes, u. a. Diskussion über: Wohl­fahrtspflege auf dem Lande als Aufgabe der katholischen Charitas. Berichterstatter, Dr. M. Faßbender, Direktor der ländlichen Genossen­schaften zu Köln a. Rh. Erste Charitasoersamm- lung. (Stadtpfarrer Niedermair: Regens Wagner und seine Anstalten für Taubstumme und Epilep­tische. Diskussion über die weitere Ausbreitung des katholischen Mädchenschutzes.) Abends: Fest­oersammlung. 19. Juli: Zweite Charitasver- sammlung. (Superior Ringeisen: Die St.Josephs- kongregation und ihre Anstalten in Ursberg. Landtagsabgeordneter Pfarrer Schwarz: Die Aufgaben des Mäßigkeitsausschuffes des Charitasoerbandes. Diskussion über die Für­sorge für die schulentlassene männliche Jugend. Berichterstatter Dr. Drammer.) Dritte allge­meine Charitasoersammlung. (P. Helmig: Die Kongregation der Brüder des hl. Vincenz von Paul. Reichstagsabgeordneter Marbe: Die lokale Organisation der Wohlfahrtsbestrebungen und der Charitasverband für das katholische Deutschland Geistlicher Rath Huhn: Wesen, Weise und Werth der christlichen Charitas.)

• Der Reichstag wird voraussichtlich am Donnerstag und am Freitag keine Sitz­ungen abhalten, vorausgesetzt daß das Inva­lidenversicherungs-Gesetz am Mittwoch zu Ende berathen wird. Die Sitzungen werden also bis in die nächste Woche hinein dauern; an­dere Meldungen, die verbreitet wurden, sind falsch. Auch das Karolinen-Abkommen wird noch im Reichstage berathen werden.

* Die nächsten Plenarsitzungen des Kerrev- hauses sind auf Sonnabend den 1. Juli und die folgenden Tage anberaumt.

Der Oberförster blickte stumm mit vor Ver­wunderung und Staunen weit geöffneten Augen zur Zimmerdecke empor, seine Nichte faltete ihre Hände und sah ganz überwältigt aus.

Der Doktor rief: „Wunderbar! Höchst wunderbar!"

Und Frau Wagner rief dem Oberförster mit etwas scharfer Stimme zu: „Aber ich bitte, lieber Bruder, der Braten wird ja kalt werden, wenn Du nicht weiter schneidest."

Während des Abendessens erzählte der Doktor ausführlich seine eigenen Erlebnisse. Ec hatte zu den vierzig Insassen des großen Bootes der „Werra" gehört. Erst beim Anbruche der Morgendämmerung entdeckte er, daß er von seiner Stieftochter getrennt war, denn obgleich die Flammen auf der „Werra" hoch empor­loderten, war es ihm doch unmöglich gewesen, in der nächtlichen Verwirrung die Gesichter der zahlreichen Personen zu unterscheiden, welche sich in dem großen Boote zusammendrängten und dasselbe, fast überlastet, bis nahe an den Rand ins Wasser einsinken ließen. Ihre Leiden dauerten jedoch nicht lange; denn schon am Abend des zweiten Tages bemerklen sie eine französische nach der Insel Mauritius fahrende Brigg, welche sie sämmtlich an Bord nahm, obgleich es auf ihr bei der Kleinheit des Schiffes und der zahlreichen Besatzung sehr an Platz mangelte.

Fünf Tage später begegneten sie einem Ost­indienfahrer, welcher derselben Gesellschaft wie die „Werra" araehörte, und der Kapitän der­selben erklärte sich sofort bereit, sämmtliche Schiff­brüchige aufzunehmen.

(Fortsetzung folgt.)