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26, Jahrgang.

Iutöcr, Mittwoch, den 17. Mai 1899

Zweites Blatt

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(Eigene Ueberfetzung der Germania.)

mahnt, daß die Gemüther aus ihrem Schlafe aufgerüttelt und alle jene Unbedachtsamen, welche, man kann roohl sagen zu jeder Stunde Gefahr laufen, durch ihre Sorglosigkeit und durch ihren Stolz jene unveränderlichen und himmlischen Güter zu verlieren, für welche wir, im Grunde genommen, geboren sind, daran erinnert werden. Und auch dieses Ziel hat das heilige Jahr im Auge; denn die Kirche, als besorgte Mutter, nur ihrer angeborenen Güte und Barmherzigkeit eingedenk, bemüht sich, in dieser ganzen Zeit durch Liebe und alle Mittel, welche ihr zur Verfügung stehen, die mensch­lichen Geister zur Umkehr zu bewegen und in jedem das Werk der Sühne durch die Buße als Besserin des Lebens zu fördern. Von diesem Gedanken beseelt, vervielfälttgt sre die Gebete, vermehrt deren Inbrunst, bemüht sich, die be­leidigte Majestät Gottes zu versöhnen und reichliche göttliche Gaben zu gewinnen. Sie öffnet weit die Schätze der Ablässe, deren Austheilung ihr anvertraut ist, und ladet die gesammte Christenheit ein, sich der Hoffnung auf Vergebung hinzugeben, nur darauf bedacht, durch das Uebermaß der Liebe und der Milde auch den widerspenstigsten Sinn zu überwinden. Wes­halb sollten Wir also, wenn das Golt genehm ist, nicht auf reichliche und den gegenwärtigen Zeitverhältniffen angepaßte Früchte rechnen dürfen?

Um so zeitgemäßer erscheint Unsere Anordnung, als einige außerordentliche Festlichkeiten, deren Kenntniß hinreichend ver­breitet sein dürfte, dazu dienen werden, den Schluß des 19. Jahrhunderts und den Beginn des 20. in einer gewißen Weife zu heiligen. Wir haben hier die Ehrenbezeugungen im Auge, welche aus diesem Anlasse in allen Theilen der Erde Christus dem Heiland erwiesen werden sollen. Deshalb kargten Wir nicht mit Unserer Zustimmung und Unserem Lob für diese von privater Seite ins Werk gesetzte fromme Veranstaltung. Was Heiligeres und Heilsameres hätte in der That ins Werk gesetzt werden können? Alles das, was der Mensch im Wesentlichen verlangen, lieben, hoffen und suchen soll, liegt im eingeborenen Gottessohne, da er das Heil, unser Leben und unsere Auferstehung ist: Ihn im Stich laßen wollen, wäre gleichbedeutend damit, sich vollständig ins Verderben stürzen zu wollen. Wiewohl daher niemals die Anbetung, die Lobpreisungen, die Ehrenbe­zeugungen, die Danksagungen, welche Jesus Christus gebühren, schweigen, vielmehr ohne Unterbrechung überall wiederholt werden, so kann doch keine Danksagung und keine Ehren­bezeugung groß genug fein, als daß ihm nicht noch größere gebührte. Und gibt es denn ferner nur Wenige, die ver­geßenen und undankbaren Herzen« dem Herrn, der sie er­hält, Verachtung statt Zuneigung, Mißethaten statt Wohl- thaten zu zollen pflegen? Ganz gewiß steht das Leben einer großen Zahl im Widerspruch mit seinen Gesetzen und seinen Vorschriften und zeugt von verwerflichem und höchst undank­barem Willen. Was soll man sagen bei dem Gedanken, daß unsere Zeit gesehen hat, und da« mehr denn einmal, wie die Gotteslästerung de« Ariur über die Gottheit Jesu wieder auftauchte? Wohlan, faßet alle Muth, die Ihr der Frömmigkeit des Volkes durch diesen neuen, sehr loben«- werthen Vorschlag einen Antrieb gegeben habt; man muß ihn derart verwirklichen, daß nichts den Verlauf des Ju­biläumsjahres und die festgesetzten Feierlichkeiten stören kann.

Diese nächste Bekundung katholischen Glauben« und katho­lischer Frömmigkeit muß vor allen Dingen unser Entsetzen gegen alle jene Gottlosigkeiten zum Ausdruck bringen, welche in Unserer Zeit gezeitigt oder begangen worden sind; sie muß ferner öffentlich sühnen die Unbilden, die sich richteten gegen die göttliche Majestät Jesu Christi, und besonders die öffentlichen Schmähungen.

Wenn Wir jetzt darüber nachdenken, erkennen Wir, daß die Art der Sühne die wünschenswertheste, sicherste und klarste ist, diejenige, welche die Zeichen der Wahrheit trägt und darin besteht, die Vergehen zu bereuen, Gott um Frieden und Vergebung zu bitten und mit größerem Eifer die Pflichten zu erfüllen, welche un« die Tugend auferlegt, um so zur Erfüllung dieser so lange ganz vernachlässigten Pflichtet zurückzukehnn. Da nun in dieser Beziehung das heilige Jahr die oben erwähnten großen Vorth eile bietet, ist es augen­scheinlich paßend und nothwendig, daß das christliche Volk hoffnungrfreudig und muthig dabei mitwirke.

Aus diesen Gründen erhoben Wir Unsere Augen zum Himmel und flehten aus ganzem Herzen den erbarmungs- reichen Gott an, er möge in seiner Barmherzigkeit sich Unseren Wünschen und Unserem Beginnen gnädig erweisen, mit seiner Gnade den Geist der Menschen erleuchten und zauch ihre Herzen bewegen in seiner Güte. Unfern Vor- kgängern, den römischen Päpsten, folgend, und in Ueberein- "ftimmung mit Unfern ehrwürdigen Brüdern, den Kardinälen ■her heiligen römischen Kirche, verordnen und verkünden Wir [traft des allmächtigen Gottes, der heiligen Apostel Petrus

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hieraus auch das so starke, schier unersättliche Verlangen nach irdischen Gütern und die vollständig von Gott abgewandte, und der Erde zugekehrte Sinnesart. Es läßt sich kaum in Worten wiedergeben, wie viel Schaden aus einer so vergifteten Duelle sich bereits für die Grundlagen der menschlichen Ge­sellschaft selbst ergeben hat. Denn die jetzt so verbreitete Widerspenstigkeit der Gemüther, die scheelsüchtigen Tendenzen der Volksmassen, die drohende Unsicherheit der Lage, die Verbreitung entsetzlicher Verbrechen, sind für denjenigen, der den Ursachen derselben nachforscht, nichts anderes ein zügelloser, an kein Gesetz gebundener Kampf um Besitz und den Genuß der irdischen Güter.

Es ist also für das öffentliche und private Leben großer Wichtigkeit, daß die Menschen an ihre Pflichten

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M D»»ck und Verlag de» Auldaer trc»eudrucke»»i e peterrg-S- ß». 2 (Harmonie).

Seo Bischof, Diener der Diener Gottes, allen Gläubigen in Christo, welchen dieses Schreiben zu Gesicht kommt, Gruß ""k ®ai0^a^ri)Urtn^)ert^ geht zur Rüste, durch Gottes Rath­schluß haben Wir dasselbe fast vollständig durchlebt. Wir wollen nun nach dem Beispiele Unserer Vorgänger eme Fe - reit anord'ien, welche eine Quelle des Herls für das chrrst- liche Volk sein und gleichzeitig sozusagen die Krönung Unserer Mühewaltung im Pontifikat bilden soll. Wrr wollen von dem großen Jubiläum sprechen, welches seit unerdenklichen Zeiten seinen Platz in den Gepflogenheiten der christlichen Völker gefunden hat, und in weiser Fürsorge von Unseren Vorgängern bestätigt worden ist. Es handelt sich um eine Gewohnheit, die Wir von den Vätern übernommen haben und die die Bezeichnung heiliges Jahr führt, sei es, weil sie von einer großen Zahl religiöser Ceremonien begleitet w sein pflegt, sei es. weil es eine große Menge von Hilfs­mitteln darbietet, um die Sitten zu verbessern und die Seelen zu heiligen. Wir selbst schon haben mit Unseren eigenen Augen wahrnehmen können, welche Heilsfrüchte das letzte Jubiläumsjahr hervorgebracht hat, welches in feierlicher Weise unter dem Pontifikate Leo XII. verkündet wurde, da wir noch jung waren. Rom bot damals für öffentliche religiöse Akte eine großartige und sichere Stätte. Wir er­innern Uns nicht mir daran, sondern Wir glauben es noch fast vor Unseren Augen zu haben, wie die Pilger in Schaaren herbeiströmten, wie die Menge in Prozessionen um die er­habensten Tempel zog, wie die Kanzelredner öffentlich sprachen, wie die berühmtesten heiligen Stätten der ewigen Stadt von göttlichen Lobeshymnen widerhallten und der Papst mit seinem zahlreichen Gefolge von Kardinälen den Blicken Aller ein Beispiel der Frömmigkeit und christlicher Liebe darbot. Die Erinnerung an diese vergangenen Zeiten macht die Rückkehr zur gegenwärtigen Zeit um so bitterer. Denn alle diese religiösen Akte, welche, wenn sie ohne jedes Hinderniß vor den Augen der Bürgerschaft.von Statten gehen, in wunderbarer Weise den frommen Sinn des Volkes zu nähren und zu entfachen pflegen, sind bei der veränderten Lage der Dinge in Rom jetzt entweder ganz unmöglich, oder aber die Veranstaltung derselben ist ganz und gar von dem Gutdünken anderer abhängig. .

Aber, wie dem auch sein mag^ Gott, welcher die heilsamen Rathschläge zu segnen pflegt, wird, wie Wir hoffen wollen, Unsere Entschließung, welche nur aus Rücksicht auf ihn und seinen Ruhm unternommen ist, einen günstigen und unbe­hinderten Erfolg gewähren. In der That, was haben Wir denn im Auge und was wollen Wir? Wahrhaftig nichts weiter, wie das ewige Seelenheil zu fördern, soweit das in Unseren Kräften steht, und zu diesem Zwecke den Krankheiten des Geistes jene Heilmittel darreichen, welche Jesus Christus in Unsere Hand gelegt hat. Und das erscheint Uns nicht nur als eine Pflicht Unseres apostolischen Amtes, sondern offenbar auch als ein Bedürfniß der Zeit. Richt soll damit gesagt sein, daß dieses Jahrhundert in Bezug auf gute Werke und christliche Tugenden unfruchtbar sei. Im Gegentheil, Gottes Hilfe ist es zu danken, daß ausgezeichnete Beispiele davon in Menge vorhanden sind. Es gibt keine Art von Tugend, wie erhaben und schwierig dieselbe auch sein mag, in welcher sich viele nicht hervorthun, denn es ist eine be­sondere, von Gott ihr eingepflanzte, unerschöpfliche und be­ständige Eigenschaft der christlichen Religion, Tugenden zu erzeugen und zu nähren. Wenn man indessen den Blick in die Runde schweifen läßt und nach der entgegengesetzten Seite blickt, wie viel Blindheit begegnet man da, wie viel Ver­irrung, wie viel Menschen, welche ihrem ewigen Verderben entgegeneilen! Bitter preßt sich Uns das Herz zusammen, so oft Uns der Gedanke wiederkehrt, daß so viele Christen, angelockt von den Ungebundenheiten im Denken und Empfinden, begierig das Gift der falschen Lehren in sich aufnehmen und so zu ihrem Unglück das große Geschenk des Glaubens zer­streuen. Hieraus erklärt sich der Widerwille gegen ein christ­liches Leben und die weite Verbreitung der Unsittlichkeit,

und Paulus und in Unserem Namen das feierliche allgemeine Jubiläumsjahr und Wir wollen, daß es von jetzt an als verordnet und verkündet gelte. Es soll in dieser hl. Stadt bei dem Vigil vor dem Weihnachtsfeste des Jahres 1899 beginnen und enden mit der Vigil des Weihnachtsfestes des Jahres 1900. Möge es von glücklichem Erfolge begleitet fein zur Ehre Gottes, zum Heile der Seelen und zum Besten der Kirche! L ,r

Während dieses Jubiläumsjahres bewilligen und erteilen Wir barmherzig im Herrn einen vollkommenen Ablaß, die Vergebung und Verzeihung ihrer Sünden allen Christgläu­bigen beiderlei Geschlechtes, welche nach wahrer Reue beichten und kommuniziren und wenigstens einmal im Tage, ^0 Tage mit ober ohne Unterbrechung — ob es natürliche ober kirchliche Tage finb —, gerechnet von ber ersten Vesper jedes ^-ages bis zur vollen Abenddämmerung des folgenden Tages, andächtig die Basiliken ber heiligen Apostel Petrus und Paulus, des hl. Johannes vom Lateran unb ber hl. Maria Moggion in Rom besuchen, sofern sie bort ansässig sind. Falls sie aber von aus­wärts gefomm.n sind, mögen sie dieselben Kirchen wenigstens lOmal, wie oben angegeben, besuchen. Alle sollen aus ganzem Herzen zu Gott beten um die Erhöhung der Kirche, die Aus­rottung der Ketzer, die Eintracht der katholischen Fürsten und das Wohl des christlichen Volkes.

Weil es nun bei vielen Gläubigen Vorkommen kann, daß sie auch beim besten Willen die oben gegebenen Vorschriften gar nicht, ober doch nur zum Theil erfüllen können, mögen sie durch Krankheit ober einen anderen ausreichenden Grund in der ewigen Stadt felbst oder auf der Reife verhindert fein; so gestatten Wir diesen in Anbetracht ihres guten Willens, so viel Wir im Herrn vermögen, daß sie, nach wahrer Buße und gütiger Beickte durch die hl. Kommunion gestärkt, der oben genannten Ablässe ebenso theilhaft werden sollen, als wenn sie die von uns erwähnten Basiliken an den von Uns vorgeschriebenen Tagen selbst besucht hätten.

Euch Alle also, geliebte Söhne, wo immer Ihr fein möget, ruft Rom liebevoll zu sich heran, wenn es Euch möglich ist, zu kommen. Aber es ziemt sich für den katholischen Mann, daß er während dieser heiligen Zeit, wenn er konsequent bleiben will, nicht anders in Rom weilt, als im Schutz des katholischen Glaubens. Er muß deshalb insbesondere auf das unzeitgemäße Schauspiel der oberflächlichen unb welt­lichen Dinge verzichten und seinen Sinn mehr auf das richten, was die Frömmigkeit zu wecken geeignet ist. Vor Allem ladet ihn zu solchen Betrachtungen ein der ureigenste Charakter ter ewigen Stadt, das göttliche Wahrzeichen, das ihr aufgeprägt ist und weder durch menschliche An­schläge noch durch irgend welche Gewalt verändert werden kann. Jesus Christus, der Heiland der Welt, hat die Stabt Rom einzig und allein vor allen anderen zu einer erhabeneren und mehr als menschlichen Bestimmung auserwähU und für Sich geweiht. Er hat in ihr nicht ohne eine lange und geheimnißvolle Vorbereitung den Sitz Seines Reiches er­richtet. Dort sollte nach Seinem Willen der Thron Seines Stellvertreters für alle Zeiten stehen. Er wollte, daß das Licht der himmlischen Lehre gewissenhaft dort gehütet werden sollte und daß von dort dieses Licht wie von seinem Ursprung und seiner erhabenen Quelle sich weithin über die ganze Erde verbreiten solle, so daß, wer immer sich vom römischen Glauben trennt, sich von Christus selbst entfernt.

Die Heiligkeit Roms wird noch durch anderes vermehrt: die uralten Denkmale der Religion, die außerordentliche Er­habenheit seiner Tempel, die Gräber der Apostelfürsten, die Katakomben, in denen heroische Märtyrer ruhen. Der Gläubige, welcher die Stimmen aller dieser Denkmäler zu hören versteht, wird fühlen, daß er nicht in Rom weilt wie ein Reisender in einer fremden Stadt, sondern im Gegen­theil, daß er wie in seinem Vaterlande zu Hause ist; und unter Gottes Beistand wirb er, ein Besserer als er ge­kommen ist, zurückkehren.

Damit dieses Schreiben leichter zur Kenntniß aller Gläu­bigen komme, bestimmen wir, daß auch den Abdrücken des­selben, die von einem öffentlichen Notar unterzeichnet und mit dem Siegel einer in kirchlichem Amte stehenden Person versehen sind, dieselbe Glaubwürdigkeit zuerkannt werde, wie diesem Schreiben selbst, wenn es ausgestellt oder gezeigt würde. Es soll also Niemandem erlaubt sein, die Worte dieser Unserer Ankündigung, Veröffentlichung, Erlaubniß und Willensmeinung gewaltsam zu ändern ober sich ihnen frevelmüthig zu widersetzen. Wenn aber Jemand dies doch versuchen wollte, so wisse er, daß er den Unwillen des all­mächtigen Gottes und der seligen Apostel Petrus und Paulus sich zuziehen würde.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 11. Mai des Jahres 1899 nach der Menschwerdung des Heilandes, im zweiund- | zwanzigsten Jahre Unseres Pontifikats.

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