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FuldaerMZeitung

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mit NnL-rhaltungs-Meikage „Zssuflrirte Sonntags-Zeitung!'

26. Jahrgang

IuLöcr, Samstag, den. 13. Mai 1899.

M 108.

ä* Wohlsahrtspflege aus dem Lande.

Nicht allein im Osten Deutschlands gibt es eine Landarbeiterfrage, welche dort aller­dings brennend ist, sondern auch in den westlichen Gegenden besteht eine solche. Hier wie dort wächst mit der raschen Entwickelung des Verkehrs, mit steigender Verbreitung der Preffe, nicht zu­letzt mit der sozialdemokratischen Agitation die Unzufriedenheit mit den einfachen Verhältnissen des platten Landes und gibt sich in dem vielbe­klagten Zug in die Stadt, in der „Schollen­flucht" kund.

Die Gesammtbevölkerung Deutschlands ist von 1871 bis 1882 von 41058 792 auf 45 222113, von 1882 bis 1895 auf 51770 284, also um rund 10'/i Millionen gestiegen. Trotzdem und ungeachtet ihres steten und starken G burtenüber- schusses hrt die ländliche Bevölkerung in dieser Zeit nicht zugenommen, sondern noch um etwa eine Million eingebüßt.

Während im Jahre 1871 noch 63,09, 1882 noch 42,05 pCt. der Gesammtbevölkerung zur landwirthschaftlichen und 35,5 pCt. zur indu­striellen und gewerblichen Berufsgruppe zählten, ist heute das Verhältniß schon ganz und gar um­gekehrt. Auf die landwirthschaftlichen Berufs­zweige entfielen nach der Berufszählung von 1895 nur noch 35,74, auf die gewerblichen und indu­striellen dagegen bereits 39,12 pCt. Die Bevöl­kerungszunahme ist lediglich der industriellen, vornehmlich der großstädtischen Bevölkerung zu gute gekommen.

Allbekannt sind die Nothstände, die aus der zunehmenden Entvölkerung des stacken Landes hervorgehen. Wie aber kann dieser Entwicklung entgegengewirkt werden?

Wenn auch die auf den „Zug in die Stadt" gesetzten Hoffnungen sich in der Regel nicht ver­wirklichen, eines behält seine Zugkraft: Das Land ist im Großen und Ganzen nicht wie die Stadt fortgeschritten mit vielen modernen Kultur­fortschritten, die ihre Berechtigung haben, und auf welche auch das auf dem Lande Heran­wachsende jüngere Geschlecht ein Anrecht hat. Nicht also durch eigenfinniges Räsonniren über die Unzufriedenheit mit „guten alten patriarcha­lischen" Zuständen, über Vergnügungssucht usw. kann man jener Entwicklung Einhalt thun, nicht

Die hocharistokratischen Herren in der badischen ersten Kammer und die Herren Singer, Sachs und Perls in Berlin können einander brüderlich die Hand reichen!

Die deutschen Katholiken haben einen herben Ver­lust zu betrauern: in der Nacht vom 5. zum 6. Mai ist Kardinal-Erzbischof Philipp Krementz von Köln in die Ewigkeit abberufen worden — der erste von allen deutschen Bischöfen, welche unter den Drangsalen des Kulturkampfes zu leiden hatten, damals als Bischof von Ermland. Die Beisetzung fand am 12. Mai statt, Kardinal-Fürstbischof Georg Kopp von Breslau sprach die letzten Worte an der Gruft des Dahin­geschiedenen, dec deutsche Episkopat war durch viele seiner Mitglieder vertreten, im Gauzen waren 18 Bischöfe anwesend, und im Uebrigen machte sich eine Theilnahme kund, wie sie auch am Grabe eines Erzbischofs selten ist. In den Herzen der deutschen Katholiken wird der Verblichene stets einen bevorzugten Platz einnehmen.

In der holländischen zweite« Kammer hatten die katholischen Mitglieder einen Protest dagegen erhoben, daß der Papst keine Einladung zur Abrüstungs- Konferenz erhalten hat. Die Regirrung hat geant­wortet, die Liste der Einladungen sei von der russi­schen Regierung aufgestellt worden, nicht von ihr. Im Uebrigen habe der Vatikan feit 1870 überhaupt keine Einladungen mehr zu internationalen Konferenzen er­halten. Damit hat die holländische Regierung gesagt, was sie sagen konnte. Biel ist es nicht, und es trifft die Sache gar nicht; denn eine Konferenz dieser Art ist ja noch gar nicht abgehalten worden, und es ist offene Thatsache, daß die Regierungen den Papst ein­geladen haben wMen und daß dies nur unterblieb, weil die italienische Regierung hartnäckig sich dagegen widersetzte.

lieber diese italienische Regierung ist nun in­zwischen wieder eine der vielen Krisen hereingebrochen, wie sie die vollkommene innere Zerfahrenheit von Neu- Italien kennzeichnen. Das Ministerium Pelloux ist zurückgetreten vor dem Anstürme des Parlamentes gegen seine auswärtige und koloniale Politik, und wenn es auch wahrscheinlich ist, daß an der Spitze des neuen Ministeriums ebenfalls Herr Pelloux stehen wird, so muß doch dieses neue Kabinet anders zusammengesetzt fein als das alte. Auf keinen Fall bleibt Herr Kant’ varo Minister des Aeußern. Herr Canevaro war gerade der Haupttreiber gegen die Einladung des Vati­kans zur Abrüstungs-Konferenz.

Auch in Frankreich hat ein Ministerwechsel stattgesunden: Herr v. Frey einet hat das Kriegs- Ministerium aufgegeben, und an seine Stelle ist Herr CamilleKrantz getreten, bisher Minister der öffent­lichen Arbeiten. Ein Versuch der Dreyfus-Gegner, das ganze Ministerium Dupuy durch einen Ansturm in der Kammer zu stürzen, ist gescheitert'.

Besondere Dinge bereiten sich anscheinend in Süd­afrika vor: England haßt die Selbständigkeit der Transvaal-Republik und quält diese auf alle erdenkliche Weise. Diesmal aber dürfte es noch zu einer Verständigung kommen.

Wochen-Rundschau.

lRachdruck verboten.)

x Fulda, 13. Mai.

dieser Zeit steht der Reichstag unter dem Zeichen der Sozialpolitik. Und wie immer, wenn dies der Fall ist, so kann auch diesmal das Cen­trum ohne Selbstüberhebung von sich sagen, daß es am diefem Gebiete nicht nur seiner Mitgliederzahl nach die stärffte Partei des Reichstages ist, sondern auch diejenige Partei, die sich am stärksten in der Sache zeigt. Zunächst handelt es sich um den An- traq aus Errichtung von «rbeitskammern, Antrag Lieber-Hitze" in der Parlamentssprache ge­nannt. ’ Der sozialpolitische Führer des Centrums, Abg. Prof. Hitze, hatte im Sommer des vergangenen Jahres gemeinschaftlich mit dem um die Sozialpolitik ebenso hoch verdienten Fabrikbesitzer FranzBrandts in M.-Gladbach den Plan für solche Arbeitskammern in einer Generalversammlung des Verbandes katho­lischer Industrieller zum erstenmale in seiner jetzigen Gestalt entwickelt, und nun hat er die Billigung des Reichstages gesunden. Das kann man schon jetzt sagen, obwohl noch kein Beschluß darüber vorliegt, wie ja in ersten Lesungen niemals Beschlüsse gefaßt werden. Aber die Anerkennung ist — mit wenigen Ausnahmen! — dem „Anträge Lieber-Hitze" von allen Seiten in so reichem Maße zutheil geworden, daß dies thatsäch- lich einer Billigung des Antrages in aller Form gleich­kommt. Ganz ausdrücklich hat nachträglich noch das Partei-Organ der Konservativen, die .Konser­vative Korrespondenz', in unzweifelhafter Weise sest- gestellt, daß der Abg. Kropatschek, der im Reichs­tage zu der Sache und damit gleichzeitig auch für die Sache sprach, damit die Anschauung gekennzeichnet hat, die für die konservative Partei maßgebend ist. Der große Theil der Nationalliberalen steht auf demselben Standpunkte, und sogar das Berliner Organ des Herrn v o nS tumm kann insbesondere dem Cen­trumsantrage auf Errichtung von Arbeitskammern nichts am Zeuge flicken. Der Antrag ist zusammen mit einigen anderen sozialpolitischen Anträgen an die­selbe Kommission verwiesen worden, der die Novelle zur Gewerbeordnung überantwortet ist, und trotz der Weit vorgerückten Parlamentszeit ist mit Fug und Recht darauf zu hoffen, daß der Antrag noch in dieser Par­lamentszeit zu praktischen Ergebnissen führt, mindestens zu einer Resolution, in der der Bundesrath um die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfes er­sucht wird.

Auf diese Verhandlungen ist nunmehr nach einer Heinen Zwischenpause die zweite Lesung des neuen JnvalidenversicherungSgesetzesgefolgt. Die Kommission hat eine Riesenarbeit hinter sich. Dafür legen beredtes Zeugniß ab die Drucksachen, die dem Reichstage darüber zugegangen sind: der eigentliche Bericht der Kommission und der Gesetzentwurf nach den Beschlüssen der Kommission, jedes davon ein statt­licher Folioband, der eine 160, der andere 200 Druck­seiten. Aber die zweite Lesung konnte nur begonnen, nicht durchgeführt werden. Es stellte sich sehr bald Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus, so daß die Berathungen abgebrochen werden mußten; es ist noch zwnfelhaft, ob die 2. Lesung vor Pfingsten zu Ende geführt werden kann.

Mit einer wichtigen Sache hat sich das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigt, nämlich mit dem Gesetz­entwürfe über dieVersorgungderHinterbliebenen ter Volksschullehrer. Der Staat sollte nach dem Bcschluffe des Hauses in zweiter Lesung drei Bierlel zu den Kosten der Versorgung beitragen; aber tie Minister von Miquel und Dr. Bosse weigerten ßch entschieden, ihre Zustimmung dazu zu geben. In ter dritten Lesung am letzten Mittwoch ist alsdann wiederholten Widerspruches des Ministers von Miquel ein Vermittelungsantrag des Abg. Ditt- nch (Ctr.) und von Kessel (kons.) angenommen Horden, der den Staatsbeitrag für Wittwen auf 420 Mark, für Halbwaisen auf 84 und Vollwaisen auf "0 Mk. erhöht.

Wenig Ruhm hat sich die erste badische Kammer erworben. In der zweiten Kammer war der Cen- -rumsantrag auf Zulassung männlicher katholischer ~rten mit 32 gegen 25 Stimmen angenommen worden, ebenso der Antrag des konservativen Abg. v. Stock - torner, Gebrauch zu machen von der bereits be­gehenden Befugniß, männliche Orden zuzulaffen. Die erste Kammer hat sich dagegen mit starker Mehrheit den Standpunkt des kulturkämpferischen Ministers k gestellt und diesen Beschluß umgestoßen. Noch Wr: dieselbe erste Kammer lehnte mit derselben Mehrheit einen Antrag des Grafen Helmstatt ab, daß .b den badischen Geistlichen gestattet werden möge, «nerhalb ihrer dreijährigen Studienzeit eine Jesuit en - Walt zu besuchen . . . Da sind ja selbst die Preußen "fisere Menschen!

a Einen ähnlichen Ruhm hat sich die Berliner ^tadtverordneten-Bersammlung erworben: sie hat Letzten Mittwoch den Antrag ihrer Mitglieder >;achs, Singer und Perls angenommen und in resem Sinne beschlossen, die Berliner Waisenkinder u- dem katholische» Waisenhause in Pois- am herauszunehmen. Die Kaiserin hatte durch yren Oberhofmeister an den Magistrat ein Schreiben Langen lassen, in dem sie die Herren darum ersuchte, “ dieser Sache zu beschließen, was recht und billig / • • und darauf haben die freisinnigen und sozial- mokratischen Berliner „Stadtväter" diesen Beschluß Mr- ' freilich genau das Gegentheil von recht und d'llig und freisinnig ist.

von Tag zu Tag größer wurde, so entschloß sich endlich der Papst, den vermeintlichen Ablaß zur Wirklichkeit zu machen, und ließ am 22. Februar 1300 in der Peters- kirche eine Bulle verkünden, worin er für daS Jahr 1300 sowohl als auch fürjedes folgende hundertste Jahr einen vollkommenen Ablaß allen Denen ertheilte welche ihre Sünden bereuen und beichten und die Kirchen des hl. Petrus und des hl. Paulus 30 Mal, wenn sie Römer, und 15 Mal, w nn sie Auswärtige seien, be­suchen würden. Nun eröffnete sich ein nie gesehenes Schauspiel. Aus ganz Europa strömten unzählige Pilger nach Rom; kaum konnten die Straßen der Stadt die auf- und abwogenden Menschenmassen faffen; Viele wurden imGewirr erdrückt. AusDeuts chland, erzähltTrithe - mius, kamen viele Fürsten, Bischöfe, Siebte und unzäh­liges Volk. Der italienische Historiker Giovanni Billani, ein zuverlässiger Augenzeuge, der damals selbst nach Rom kam, berichtet, fortwährend hätten sich im ganzen Jahr 200,000 Pilger zu Rom befunden, die Römer und die Wallfahrer auf dem Wege hin und her ungerechnet, auch seien alle Pilger gut undszur Zufriedenheit bewirthet, die Kirchen der Apostelfürsten aber reich beschenkt worden.

Papst Clemens VI. kürzte auf Bitten der Römer, die zu diesem Behufe eine Legation an ihn nach der damaligen päpstlichen Residenz Avignon abgeordnet hatten, die Zeit von einem Jubiläum aus das andere ab und verordnete die Feier desselben je nach 50 Jahren. In der hierüber am 27. Januar 1349 erlassenen Bulle erklärte Clemens, er mache diese Gnadenkonzession aus dem unerschöpflichen Schatze der unendlichen Verdienste Jesu Christi einestheils, um den Bitten der Römer, die in ihrem und im Namen der ganzen Kirche darum ge­beten hätten, zu willfahren und die Andacht, den Glauben, die Hoffnung und die Liebe des christlichen Volkes zu erhöhen, andernfalls im Hinblick auf das jüdische, alle 50 Jahre gehaltene Jubeljahr, auf die Sendung des heiligen Geistes, 50 Tage nach der Auferstehung des Heilandes und auf andere Geheimnisse, vorzüglich aber auch deshalb, damit eine größere Zahl von Gläubigen an dem Ablaß theilnehmen könne. Die Bedingungen zur Gewinnung des Jubelablasses blieben dieselben, nur wurde noch der Besuch der Laterankirche hinzugefügt; die Gnadenzeit begann am Weihnachtstag 1349 und. dauerte bis zu demselben Feste 1350. Trotz der noch herrschenden Pest, der außerordentlichen Kälte, der schlechten Wege und anderer Hindernisse, kamen diesmal viel mehr Pilger nach Rom als beim ersten Mal.

Der Geschichtsschreiber Villani erzählt als Augen­zeuge darüber: Weil die Häuser und Wohnungen zur Aufnahme der Pilger nicht ausreichten, so brachten die Deutschen und Ungarn in großen, dicht aneinander geschlossenen Haufen die Nächte auf freiem Felde bei großen Feuern zu; in den Wirthshäusern war es den Wirthen vor der Menschenmenge oft nicht einmal mög­lich, das Geld für Bezahlung einzunehmen, und so ge­schah es oft, daß die Pilger va§ Geld auf die Tische legten und sortgingen, ohne daß es Jemand außer dem Wirth anrührte; es gab unter den Pilgern keine Streitigkeiten, sondern alle unterstützten und trösteten sich gegenseitig, und einige Räuber, welche im Gebiete Roms plündern und morden wollten, fanden durch daS gemeinschaftliche Zusammenwirken der Wallfahrer und Landleute den Tod. Die ständig anwesende Zahl der Pilger in Rom von Weihnachten bis Ostern schlägt Billani auf 1,000,000 an. Leider wurden im Gedränge oft Menschen erdrückt und die Pilger von der Habsucht der Römer stark ausgebeutet; ja, als der Kardinallegat Maßregeln ergriff, um der Prellerei Grenzen zu setzen, wurde er sogar mißhandelt. Leider sahen auch eine Menge Pilger ihre Heimath nicht wieder, indem sie auf der Reise der Pest erlagen. Unter den Theilnehmern an dem Jubiläum aus hohem Geschlecht ragt dir damals zu Rom anwesende schwedische Seherin, die hl. B r i gitta, hervor, welche durch ihr Beispiel, ihre Liebeswerke und ihre gotterleuchteten Ermahnungen großartig auf die Wallfahrer einwirkte.

Papst Urban VI. reduzirte am 14. April 1389 die Feier des Jubiläums auf den Zwischenraum von 33 Jahren, worauf 1399 sein Nachfolger Bonifaz IX. das Jubiläum eröffnete. Dieses war aber wegen des fortdauernden Schismas bet Weitem nicht so zahlreich besucht, wie die vorigen. Auch das von Papst Martin V. 1423 abzehaltene führte in Folge der Zeitumstände nicht so viele Pilger wie früher nach Rom. Dagegen strömten zu dem von Papst Nikolaus V. 1450 abgehaltenen fünften Jubiläum aus allen Ländern der Christenheit zahllose Pilgerschaaren nach Rom. Papst Paul II. bestimmte 1470 die Wiederkehr des Jubiläums auf das 2 5.Jahr, wobei es fortan geblieben ist Dies bestätigte Sixtus IV., der dann 1475 das sechste Jubeljahr feierte. Alexander VI. publizirte in neuer feierlicher Weise dreimal das von ihm 1500 gehaltene Jubiläum, wobei Pilger in großer Anzahl erschienen, und führte zuerst den Brauch der Eröffnung und Schließung der heiligen Pforte ein. Auf das von Ausländern nichl stark be­suchte achte Jubiläum unter Clemens VII. 1525 folgte das von Julius III. 1550 gefeierte, zu dessen würdiger Feier Julius mehrere Reformen in Rom vornahm und der hl. Philipp Neri mit der von ihm gestifteten Bruder­schaft der allerheiligsten Dreifaltigkeit viel beitrug. Wie im Jubeljahr unter Julins, so waren auch in dem unter Gregor XIII. 1575 zahlreiche auswärtige Pilgerschaaren in Rom anwesend, und Gregor hatte die Freude, daß sich mehrere Protestanten, welchen das erbauliche Schau­spiel der römischen JudÜäumsfeier die Augen öffnete, zum Katholizismus bekehrten.

Mit ausnehmender Feier wurde unter Clemens VIII. das elfte Jubiläum im Jahre 1600 begangen; ungeheuer war die Anzahl der Pilger; viele Protestanten, Augen­zeugen der rührenden allgemeinen Andacht, kehrten zur Kirche zurück, selbst Türken ließen sich taufen. Der Papst selber und seine Sarbinäle gaben das herrlichste Beispiel, indem sie die armen Pilger liebreich verpflegten und ihnen die Füße wuschen. Auch die folgenden Jubiläen wurden alle sehr würdig begangen und noch immer zahlreich besucht; nur das auf das Jahr 1800 treffende konnte wegen der Zeitereignisse nicht gehaltmwerden.

In einer besseren Lage befand sich Papst Leo XII., welcher 1825 das neunzehnte Jubeljahr feierte; frei­lich fanden sich jetzt nicht mehr die großen Volkerschaaren wie vormals ein; allein dies hatte zum Therl auch darin seinen Grund, daß Die Gläubigen viel mehr als früher von dem allmählich erwachsenen Jndult Gebrauch machten, wonach die Päpste nach Schließung des Jubeljahres in Rom dasselbe im darauffolgenden Jahre auf die ge- sammte Kirche auszudehnen pflegen. Papst Pius IX., welcher während seines langen Pontifikates zwei ordentliche allgemeine Jubiläen hätte halten können, war beide Male wegen der Zeitverhältnisse verhindert, ein Jubeljahr unter den üblichen Feierlichkeiten in Rom zu verkünden;

Zweites

so kann man den Wegzug vom Lande hemmen, sondern nur durch möglichste Besserung der Ver- hältnisse, welche zur Unzufriedenheit Anlaß geben. Diese wichtige soziale Aufgabe hat der „Ausschuß für Wohlfahrtspflege auf dem Lande", eine be­sondere Abtheilung der Centralstelle für Arbeiter­wohlfahrtseinrichtungen in Berlin, bei seiner Bildung im Jahre 1897 kurz in die treffenden Worte zusammengefaßt: „Was wir wünschen und wollen, ist ein organischer Ausbau des ländlichen Gemeindelebens, eine nach festen Zielpunkten arbeitende umfassende Wohlfahrtspflege auf dem Lande, um die Bevölkerungsklasfen auf dem Boden gemeinsamer und gemeinnütziger Ar­beit einander wieder näher zu bringen, die schroffen Klaffengegensätze zu mildern, zwischen Arbeitgeber und Arbeiter ein harmonisches Verhältniß herbei­führen zu helfen und alles in allem: die Liebe zur Heimath und dem heimathlichen Volksthum zu wecken und zu pflegen."

Das find die allgemeinen Zielpunkte, nach welchen die Wohlfahrtspflege auf dem Lande hin­streben muß in der Absicht, das Leben auf dem Lande so auszugestalten, daß nicht mehr der Tausch mit der Stadt über Alles begehrenswerth erscheint. Wir wollen an dieser Stelle nur noch wenige spezielle Gedanken hinzufügen.

Vor allem muß der Bauer selbst in Bezug auf seine Wirthschaft Fortschritten zugänglich sein, d;e ihm nicht nur viele Erleichterungen, sondern auch größeren Gewinn bringen. Wie oft hindert ihn nur seine stolze Abgeschlossenheit, sich mit seinen Standesgenossen in Genossenschaften zu­sammenzuschließen, sich mit den Fortschritten der Wissenschaft und Technik im ländlichen Betriebe bekannt zu machen und sich dieselben nutzbar zu machen, wozu sich ihm in landwirthschaftlichen Vereinen, bei Wander-Vorträgen u. s. w., in Än- und Verkaufs-Genossenschaften rc. so manche Ge­legenheit bietet. Und doch könnten dadurch die schon bessergestellten Landwirthe nicht nur Ure eigene wirthschaftliche Lage bedeutend heben, son­dern auch den wirthschaftlich Schwächeren, den ländlichen Tagelöhnern mit kleinem Besitz oder Pachtland u. s. w. durch den Zusammenschluß mit ihnen eine kräftige Stütze bieten und so vieles dazu beitragen, manche der abwanderungslustigen Elemente dem Lande zu erhalten und eine heil­same soziale Gliederung anzubahnen. Das Hinderniß eines Übel angebrachten „Bauernstolzes" darf da nicht mehr im Wege stehen, ebensowenig wie es eine — im guten Sinne — freiere Ge­staltung des Verhältnisses von Arbeitgeber und Arbeiter hemmen soll. Eine einseitige „patri­archalische Herrschaftsausübung" ist heute nicht mehr am Platze; dem wirthschaftlich Untergebenen darf das Gefühl der Freiheit und persönlichen Gleichberechtigung nicht verkümmert werden. Denn nicht durch Verschärfung der Zuchtmittel, z. B. der Gesindeordnung, nicht durch möglichst enge Begrenzung der Schul- und Fortbildung, gewinnt man dem Lande die Herzen seiner Söhne und Töchter. Gute Behandlung, Sorge für treffliche Bildung des Herzens und Verstandes, auch für Erholungsgelegenheit und einwandfreie Ver­gnügungen, Pflege der Nachbarschaft, überhaupt des Gemeinschaftslebens in der Gemeinde, z. B. nach der charitativen Seite hin, das sind u. a. die Mittel, um Verständniß und Liebe für das Land und seine Arbeiten zu erhalten und zu wecken. Solche Mittel muß die heute hochbedeut­same Wohlfahrtspflege auf dem Lande, deren vollständigere und speziellere Darstellung wir noch folgen lassen wollen, ins Auge zu fassen bezw. nutzbar zu machen versuchen, um der überaus schädlichen, aber durch keine, Gewaltpolitik zu hemmende Entvölkerung des flachen Landes entaegenzuwirken.

UK. Das große InbUimm im letzten Jahre des Jahrhunderts.

Unsere Gelehrten streiten schon lange darüber, wann das neue Jahrhundert beginne, mit dem Anfang des Jahres 19 00 oder des Jahres 1901, und wie man den Beginn würdig feiern könne.

Erstere Frage ist überhaupt keine Frage; ein Jahr­hundert ist bann zu Ende, wenn das ICO. Jabr voll ist und das 19. Jahrhundert geht zu Ende, wenn das 1900. Jahr voll ist —und das neue Jahrhundert beginnt eben dem­nach offenbar am 1. Januar 1901. Die weitere Frage wie mandieJahrhundertwendewürdig feiernjfönne, hat unser hl. Vater Papst Leo XIII für die ganze katholiche Kirche praktisch gelöst, indem er vielhundertjährigem Brauche folgte und für das nächste Jahr ein großes Jubiläum ankündigte. Der Ursprung dieser Art und Weise der Begehung der Jahrhundertwende ist so alt, daß man sie nicht einmal in den Akten findet. Die Ver- anlaffung aber zur Einführung des regelmäßig wiederkehrenden Jubeljahres gab das durch Aussagen uralter Leute verstärkte, mit dem Anbruch des Jahres 1300 in Rom und auswärts sich immer mehr verbrei­tende Gerücht, daß alle Hundert Jahre ein großer Ablaß zu Rom stattfinde, demzufolge mit dem Anfang des Jahres 1300 nichl bloß viele Römer, sondern auch viele auswärtige Pilger in der Peterskirche sich einfanden, um diesen Ablaß zu gewinnen. Papst Bonifaz VIII. ließ über die Sache in dem päpstlichen Archive Nachsuchungen anstellen, aber es fand sich in den alten Urkunden nichts vor. Da jedoch der Zudrang der Gläubigen zur Peterskirche