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M 96.

gtuföa, Freitag, den 28. April 1899.

26. Jahrgang.

0 Reiches Material für die lex Heintze

Mt einer Beilage

hat ein Mordprozeß geliefert, der nach lOtägiger Verhandlung am Dienstag vor dem Berliner Schwurgerichte beendet worden ist. Der Schneider Guth mann war angeklagt, die Dirne Singer ermordet zu haben. Die „liberalen" und beson­ders die „farblosen" Zeitungen brachten Tag für Tag spaltenlange Berichte, in denen die Einzel­heiten des Prozesses haarklein auseinandergesetzt wurden. Der Angeklagte und all die berüchtigten Personen, die als Zeugen oder Zeuginnen auf- lraten, wurden in Wort und Bild verherrlicht, und als der Gerichtshof schließlich, weil der Schmutz gar zu arg wurde, die Oeffentlichkeit ausschloß, da bedauerten diese edeln Blätter das, weil sie nun ihre Leser nicht in ausführlicher Weise über die interessanten (!!) Vorgänge im Gerichtssaale „unterrichten" (!) könnten.

Der Angeklagte wurde freigesprochen. Das Schwurgericht konnte nichts Anderes als das Nichtschuldig aussprechen, so sehr auch jeder einzelne Geschworene von tiefer Abneigung und von Abscheu gegen die Person des Angeklagten erfüllt gewesen sein mag. Denn der Schneider Guthmann ist einer der berüchtigtesten Zuhälter von ganz Berlin, und nur deswegen hatte er der Großstadt Berlin den Rücken gekehrt und wieder in seiner Vaterstadt Frankfurt a. Oder Aufenthalt genommen, weil er sich in Berlin nicht mehr sicher fühlte. Bei dem Wahrspruche, der über Leben ober Tod des Angeklagten entfcheidet, darf der Geschworene sich nicht beeinfluffen lassen durch das persönliche Gefühl, das er für den Angeklagten hegt. Verurtheilt darf nur werden, wer überführt ist, und der Schneider Guthmann ist des Mordes, dessen er angeklagt war, nicht überführt worden. Der, der diesen Mord aus­geführt hat, ist somit unentdeckt, genau so unent­deckt, wie andere Urheber von Morden geblieben find, die während der letzten Jahre in Berlin an prostituirten Dirnen verübt wurden.

Manches mag in diesem Prozesse nicht ge­nügend vorbereitet gewesen sein; und auch die Berliner Kriminalpolizei hat sich durch ihre Stellung und durch ihre Aussagen in dieser Sache sicherlich nicht mit Ruhm bedeckt, wie man dies leider von der Berliner Kriminalpolizei schon einigermaßen gewöhnt ist. Aber sehr auffällig bleibt die Thatsache doch, daß gerade solche Un- thaten unenthüllt bleiben, deren Urheber mit fast völliger Sicherheit in den Kreisen der Zuhälter zu suchen sind. Man wird leicht geneigt anzu­nehmen, daß dieses ganze verabscheuungswürdige Gesindel so rasfinirt organisirt und einexerzirt ist, daß gerade ihm oder einem Einzelnen aus dem Gesindel sehr schwer beizukommen ist; und häufig genug hört man die Vermuthung aussprechen, daß die Singer in Ausübung eines von Zuhältern verabredeten Planes ermordet worden sei, weil fie den Mörder einer früher umgebrachten Dirne gekannt und mehrfach gedroht habe damit, aus

ihrer Kenntniß heraus zur Angeberin zu werden.

Scheußliche Abgründe des menschlichen Elendes sind es, in die dieser Prozeß von neuem ein unheimliches Schlaglicht geworfen hat. Aber so scheußlich sie sind, man darf sich nicht scheuen davor, sie anzusehen. Man muß sie vielmehr genau betrachten, um sich und andere voll zu überzeugen davon, daß es allerhöchste Zeit ist, mit brennendem Schwerte erbarmungslos unter diese wüste Rotte zu fahren. Die Zuhälterei an sich muß durch das Gesetz als ein strafwürdiges Vergehen gekennzeichnet werden, und zwar je eher desto besser. Eine sehr schwere Verantwortung würden diejenigen auf sich nehmen, die durch allerhand ängstliche und bureaukratische Unent- schlofsenheiten von neuem das Zustandekommen des Gesetzes vereiteln würden, das als Novelle zum Strafgesetzbuche eingebracht und zum Kampfe wider die Unsittlichkeit aller Art bestimmt ist — eine so schwere Verantwortung, daß man meinen sollte, jeder müßte mit ängstlicher Scheu sich hüten davor, sie auf sein Gewissen zu nehmen. In diesem Sinne ist ängstliche Scheu wohl am Platze, nicht aber in dem andern, unbegreiflichen Sinne, den vom Centrum in bester Meinung beantragten und befürworteten Arbeitgeber-Para­graphen zu Falle bringen zu wollen.

Wüst waren die Einblicke, die der Prozeß gewährte in das Treiben der Welt, die aus Dirnen und Zuhältern zusammengesetzt ist — ebenso wüst die Art und Weife, wie Damen „ge­bildeter" Kreise als zahlreich vorhandene Zuhörerinnen dabei sich benahmen. Aber den wüstesten Eindruck machte vielleicht das Nach­spiel, als der Schneider Guthmann nach seiner Freisprechung das Gerichtsgebäude verließ, von seinem Frankfurter „Verhältniß" mit zärtlicher Umarmung und von einer nach Tausenden zählen­den Menge von Zuhältern und Dirnen mit johlen­dem Jubelgeschrei empfangen wurde. Als wenn ein Märtyrer nach heldenhaft überstandener Pein aus unschuldig erlittener Kerkerhaft wieder an das Licht der Sonne tritt, so gestaltete sich dieser „Empfang" des ZuhältcrS Guthmann, und die ganze folgende Nacht hindurch haben die Freuden­gelage gedauert, gleichzeitig in mehreren Wirth- schaften in der Nähe des Gerichtsgebäudes, die die „Kreise" des Guthmann zur Ehre seiner Be- steiung abhielten.

Wie lange noch wird das Auge des Ge­setzes blind bleiben gegen diese wüste Bande und ihr scheußliches Treiben?

Deutsches Deich.

Berlin, 27. April.

* Der ZLu«desr«1h hat heute (Donnerstag) wieder eine Plenarsitzung abgehalten. Ob nun in dieser der Gesetzeutwnrf zum Schutze der Arbeitswilligen eingebracht worden ist, ist zu­nächst noch nicht bekannt.

x Der sektdurstige und redelustige amerika­nische Marine-Kapitän Koghka« hat nun­mehr den Verweis erhalten, der ihm gebührt. Präsident Mac Kinley hat den deutschen Bot­schafter v. Holleben empfangen und diesem zu­

nächst die Versicherung gegeben, daß er das Be­nehmen Coghlan's mißbilligt. Der Präsident ersuchte gleichzeitig darum, dem deutschen Kaiser und der kaiserlich deutschen Regierung die Ver- stcherungen seiner fteundfchastlichen Gesinnungen zu übermitteln. Kapitän Coghlan selbst wird einen Verweis erhalten und damit wird dann dieser ganze Fall als erledigt betrachtet werden.

* Eine amtliche Meldung aus Apia vom 18. d. Mts. besagt: Nach Eintreffen der letzten Post hat das amerikanische Kriegsschiff „Phila­delphia" den Hafen von Apia verlaffen und sich nach dem amerikanischen Vertragshafen Pago- Pago begeben. Die englischen Kriegsschiffe fetzten allein die Beschießung samoanischer Stranddörfer an der Nordküste von Upolu fort. An Land finden kleine Gefechte statt. Am 17. d. Mts. kam es drei Meilen von Apia zu einem Zu­sammenstoß, der mit Rückzug der Tanuleute endigte. Tobte und Verwundete etwa 70. Kein Europäer verletzt. Eine in Reserve liegende eng- lische Abtheilung nahm am Kampfe nicht Theil.

+ Das Allerneueste zu der Beurtheilung der Frage, warum der Aesrrch des Ikeichslages im Laufe der letzten Jahre abgenommen hat, liefertdieNationalliberaleKorrefpondenz. „Es ist . . . eine Thatsache, daß die Beschluß­unfähigkeit des Reichstages chronisch geworden ist, genau seit dem das Präsidium und damit die oberste Leitung der Geschäfte in klerikale Hände übergegangen ist. . . " so schreibt das genannte nationalliberale Partei-Organ und fährt fort wie folgt: „Diese, unter der Centrums- leitung stehenden Reichstage sind es, die von diesem Uebel fortgesetzt heimgesucht werden. Diese Thatsache darf sich das deutsche Volk nicht ver­schleiern taffen, wenn es einmal besser werden foll." Wenn irgend ein kleines Preffe-Organ in irgend einem abgelegenen Winkel des Reiches derlei schreiben würde, so würde man ja ohne weiteres darüber hinwegsehen. Aber die Leitung der nationalliberalen Partei sollte doch wirklich sich ernstliche Mühe geben, dafür zu sorgen, daß ihr anerkanntes Partei-Organ sich nicht solche schauderhafte Blößen gibt und da­durch den Verdacht erweckt, als sei die ganze nationalliberale Partei-Leitung so schwach an Scharfsinn, wie die genannte Korrespondenz. Was in aller Welt Hal denn die Person des Reichstags-Präsidenten mit dem starken oder schwachen Besuche des Reichstages zu thun? lieber die Gehässigkeit, die gleichzeitig darin liegt, wollen wir schweigen. Denn an diese ist das Centrum bereits gewöhnt. Nur ein wenig mehr Geisteshelle ist der Nationalliberalen Korre­spondenz und ihrem Herausgeber in deren ur­eigenstem Interesse von Herzen zu wünschen.

-f- In konservativen Kreisen macht sich nun­mehr auch eine lebhafte Bewegung geltend dafür, den preußische« Landtag ebenfalls bis zum Herbste zu vertagen. Als Grund dafür wird angegeben, daß aus Herrenhaus-Kreisen aufs Bestimmte erklärt worden ist, man werde dort „auf keinen Fall auf eine eingehende Kommissions- Erörterung der Ausführungs-Gesetze zum Bürger­lichen Gesetzbuche verzichten". So die ,Kreuzztg/ In konservativen Kreisen möchte man bekanntlich das Bürgerliche Gesetzbuch noch nicht mit dem

neuen Jahrhundert in Kraft treten sehen, sondern erst 2 oder 3 Jahre später. Daraus erklärt sich dieser Wunsch des Herrenhauses.

+ Die Kanal Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat heute dieBerathung der wirthschaftlichen Bedeutung des Mittelland- Kanals fortgefetzt, ohne daß besonders bemerkens- werthe neue Gesichtspunkte dabei zum Vorschein gekommen sind. Minister Thielen lud die Mit­glieder der Kommission zur Besichtigung des Dort­mund - Ems - Kanals ein. Die Reise soll am Donnerstag den 4. Mai mit einem Sonder­zuge an getreten werden und die Zeitdauer von drei Tagen beanspruchen. Die Abfahrt von Ber­lin soll früh 7‘h Uhr erfolgen; die Reife geht zunächst nach Dortmund, um sich den Dortmund- Ems - Kanal anzusehen und weiterhin sich einen eigenen Einblick zu verschaffen in die wirthschaft­lichen Verhältnisse und Bedürfniffe int rheinisch- westfälischen Industrie-Bezirke. Man sollte meinen, es wisse bereits Jedermann, daß das genannte Gebiet fehr starken Verkehr und sehr dichte Be­völkerung hat. Uebrigens verdient eine Bemer­kung nachgetragen zu werden, die der freikonser­vative Abg. v. Kardorff in einer längeren Darlegung über den Mittelland-Kanal und seine Aussichten in den ,Berl. Neuesten Nachrichten' macht. ......Ich glaube kaum," so schreibt

Herr v. Kardorff, „daß es den Kommissions-Ver­handlungen gelingen wird, sie (nämlich die Be­denken gegen den Kanalbau) zu zerstreuen. Bis jetzt zählt der Mittelland-Kanal beträchtlich mehr Gegner als Anhänger."

h Die Reichstags-Kommission für die ^osinovelle hat sich heute (am Donnerstag) mit dem Zeitungstarif beschäftigt, ist aber noch nicht zu Beschlüssen gelangt. Vom Centrum nahmen sich die Abgg. Cahensly, Dasbach und Dr. Marco ur eifrig bet bedrohten In­teressen bet Zeitungen an.

X Vom amerikanische« ASchseutkeische erfährt man immer mehr hübsche Sachen. Das neueste auf biefem Gebiete ist bie Entdeckung, daß ein großer Theil des von Amerika ausge­führten „Beef" gar nicht Rindfleisch, sondern Pferdefleisch ist. In Boston und New- Ao rk wird je eine sehr große Pferdeschlächterei betrieben, deren Unternehmer eine sehr hohe Geld­summe als Bürgschaft dafür hinterlegen mußten, daß ihreErzeugniffe nicht in den Vereinigten Staaten selbst, sondern nur für bie Aus­fuhr nach bem Auslanbe abgesetzt werben. In der beutschen Regierungsprefse war vor längerer Zeit erklärt worben, man werbe auf biefen eigenthümlichen Ausfuhrartikel ein scharfes Augenmerk haben. Aber seitbem hat man nichts mehr bavon gehört, unb bie beiben Unternehmungen in Boston unb New-Aork erfreuen sich fortgesetzt eines blühenben Aufschwungs. Außerbem ist nunmehr burch bie Untersuchungen gegen die betrügerischen amerikanischen Armee-Lieferanten mit ihrem bösen „einbalfamitten Fleische" aus­drücklich festgestellt werden, daß aus den Ver­einigten Staaten unter der Marke „Beef" — zu deutsch Rindfleisch — in großen Mengen solches Pferdefleisch in Büchsen nach Deutschland ausgeführt wirb. 80,000 Centner Büchsenfleisch sinb währenb bes letzten

Die gnlbtnt Hiffmaß.

Roman von W. Start Rüssel.

Mit Geaehmizung be8 Äetfafferi frei bearbeitet von A. W. Wirz.

15 ------(Nachdruck verboten.)

»Nun messen Sie »ngesähr zweihunbert unb zehn englische Seemeilen an einer Linie entlang, die sübwestlich von tiefer Pitt Bank anfängt."

Forsberg nahm einen Streifen Papier, berechnete die erforderliche Entfernung, indem er das Papier gegen den Rand der Karte legte, wo die Parallellinien bezeichnet waren, unb brachte bann, vermi telst des nächsten der verschiedenen über bie Karten gestreuten Kreise, bas Papier in Uebereinstimmung mit bet Lage der benannten Punkte — südwest­lich.

»Nun machen Sie ein Kreuz, wo bie zwei­hundert und zehn Meilen aufhören," sagte Stein.

Dies geschah.

„Unter welchem Längegrabe ist es," fragte der Seemann, inbem er sich gerabe aufrichtete unb Forsberg ansah.

„Siebenzig Grab, breizehn Minuten östlicher Länge," erwiberte Forsberg.

„Unb bie Breite, mein Herr?"

„Zehn Grab vierzig Minuten süblicher Breite."

Stein zog ein dickes Zimmermannsblei aus feiner Westentasche, nahm bas Papier, auf bem sich bie Skizze befand, und schrieb unter die Zeichnung der Jnfel: Länge 0. siebenzig Grad dreizehn Minuten; Breite 8. zehn Grad vierzig Minuten.

«Da werden Sie den Ort finden, den Sie in

Ihrem Aufruf suchen, mein Herr, sagte er, indem er Forsberg das Papier hinschob; unb er sah sich um, als ob er seine Mütze suchte, um fortzugehen.

9. Kapitel.

Eine lange Unterrebung.

Forsberg blickte einige Minuten von der Skizze nach der Karte unb sagte bann hastig, als er be­merkte, baß Stein aussah, als ob er gehen wollte: „Sie wollen mich boch nicht verlaffen, hoffe ich; es ist erst neun Uhr. Ich habe Sie noch Über taufenb Dinge zu fragen. Wo übernachten Sie?"

„Nun, bas ist es ja eben, mein Herr," ant­wortete Stein. „Ich bin gleich nach meiner An­kunft hergekommen. Ich muß mir noch eine Unter­kunft suchen, benfe ich. Ich kenne biefe kleinen Dörfer ganz genau. Da gehen bie Leute fast mit ben Hühnern schlafen."

Forsberg sagte ihm, er möge fick setzen unb feine Pfeife stopfen, unb verließ das Zimmer. Er kehrte bald zurück unb sagte, baß Frau Golb- schmibt ihm eine kleine Bodenkammer Herrichten werde. „Hoffentlich wird sie nicht zu klein sein?" fügte er hinzu.

„Wenn sie nicht kleiner ist, als eine Koje, wird es schon gehen, ich danke für Ihre Güte. Das ist ein jämmerlicher Seemann, der sich nicht eine Schlafstube aus einem Raum von sechs Fuß Länge, bei zwei Fuß Breite unb brei Fuß Höhe machen könnte."

Diese Anorbnung war um so angenehmer, als bas Unwetter noch mehr zugenommen hatte. Winb unb Schnee schlugen an die Fenster, unb trotz des Feuers im Ofen, war es im Zimmer kühl. Fors­berg stellte eine Flasche Rum, Gläser und Wasser

auf ben Tisch unb trank selber einen Schluck, um ben alten Seemann zum Trinken zu er­muntern, fühlte sich aber außer Stanbe, zu rauchen. Er war nervös erregt unb von einer fieberhaften Ungebulb und Erwartung befallen. Jenes beinahe einem Schauer bet Furcht vergleichbare Empfinden, welches ihn erfaßt hatte, als bie Schilberung des Bootsmannes alle Einzelheiten seines Traumes bestätigte, war wieder in voller Stärke in ihm erwacht, als ihm klar wurde, daß er wie mit prophetischem Blick eine Insel geschaut, welche dieser alte Seemann mit eigenem Auge gesehen und als Schiffsbrüchiger betreten hatte.

„Können Sie sich entsinnen, wie die Insel vorn Meer her aussah?" fragte er, als fein Be­sucher stumm weiter rauchte, offenbar nur darauf wartend, wieder angeredet zu werden.

„Ja, Herr Forsberg, unb wenn ich noch fünf­zig Jahre länger lebte, würbe ich mich baran noch ebenso erinnern, wie beute. Die Zeichnung )a trifft es ganz genau. Ich sagte immer, bie Insel fehe wie ein Dromebar ohne Ohren aus, das ben Kopf halb unter Wasser unb bas Hinter- theil bis bahin, wo ber Schwanz anfängt, auch unter Wasser habe."

Er schwieg roieber eine Weile. Dann fuhr er fort: „Die Küstenhügel verlausen in einen Stranb von Korallensand, aber ich glaube, baß bie Branbung baran immer sehr stark ist, wenig­stens war die ganze Zeit über, die ich auf der Insel blieb, heftige Brandung, und bei stürmischem Wetter muß sie gewaltig stark sein. „Hier", unb babei beutete er auf eine Stelle der Zeichnung, „ist ein kleiner Wald von Kokosnußpalmen, dort ist eine offene Stelle, die, von der See aus ge­

sehen, mit Gras bewachsen zu sein scheint, wenn man aber ans Ufer kommt, sieht man, daß eS dichter niedriger Busch ist, ähnlich wie man ihn in Australien findet. Auf dieser Seite kann man nicht landen, denn die Brandung ist immer stark genug, um jedes Boot zu zerschellen."

„Wie groß ist bie Insel?"

„Ein rüstiger Mann könnte wohl, wenn er 'eine Hindernisse findet, in acht Stunden herum­gehen."

„Hat sie einen Namen?"

. „Ich glaube wohl, daß sie irgend einen Namen hat, aber wir trafen kein lebendes Wesen, welches wir hätten fragen können, nicht einmal einen Affen," meinte Stein lächelnd.

„Wie lange könnten sich Schiffbrüchige dort wohl am Leben erhalten?" fragte Forsberg.

„Wie lange ? Nun, das würde davon ab« längen, wie kräftig sie sind. Man kannSchilb- röten fangen unb Krabben, unb bann sind dir Kokosnüsse ba. Wenn bie warme Quelle, bie wir fanben, versiegt ist, kann inzwischen eine an- bere irgenbroo durchgebrochen fein. Aber wenn man genug Nüsse sammelt, hat man für das ganze Jahre ausreichend zu trinken. Das Klima, welches dort herrscht, ist von einer Art, bie mir nicht gefällt. Nachts ist es feucht und kühl unb bei Tage glühend heiß, aber es gibt genug Bäume, welche Schatten spenden und auch einige Höhlen, in denen man des Nachts trocken schlafen kann, wenn man sich von Laub unb Sträuchern ein Sager zurecht macht. Wenn Sie," und babei »lickte er forschend auf, „der Meinung sinb, baß einige Leute von bet „Werra" biefe Jnfel er­reicht haben sollten, so brauchen Sie sich keine