ptfantirortli»: Für die Redaktion Jos. San«, für Inserate I. Parzelle» in Fulda.
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mit Nnlerhaktungs-Meitage „Zssufirirte Sonntags-Zeitungs a». 3 (smMBi.i
Jutöa, Mittwoch, den 19. April 1899. 26. Jahrgang.
Hit golbtnt Hoffnung.
Roman von W. Clark Ruffel.
Mit Genehmigung des Verfassers frei bearbeitet von A.E. Wirz.
7 ------(Nachdruck verboten.)
Mit einemGefühl von Erschöpfung und Kummer, aus dem Forsberg entnehmen konnte, wie heftig feine Angst während der Nacht gewesen sein mußte, wachte er auf.
Er sagte sich: „Es ist nur ein Traum!"
Aber er gewann keinen Trost in dieser Betrachtung. Nein, es erhöhte vielmehr die Empfindung des Schreckens, welche die Erinnerung an das Trauwgeficht mit fich brachte, wenn er bedachte, daß die Szenen, die er erblickt hatte, auf die Dunkelheit seiner geschlossenen Augen, auf die schwarze Leinwand des Schlafes gemalt: der blaue Himmel, die blitzende Sonne, das brennende Schiff, i Gewitter und Blitz mit dem Mondlicht verbunden, das einsame Boot, die flehende Gestalt seiner Verlobten — daß diese Dinge, die jetzt, da er wach war, ihn mit ihrer harten unerbittlichen Wirklichkeit beunruhigten, die ihn im Traume in so heftige Erregung versetzt hatten.
Was bedeutete das Gesicht?
Entweder war es die Borahnung eines ent- fetzlichen Ereignisses, oder eine Ausgeburt seiner erregten Phantasie, denn das Schiff konnte noch kaum die Nordsee verlaffen haben, und der Himmel, den er erblickt hatte, war derjenige Indiens, und das Boot, das er gesehen halte, war viele Tage auf dem Meere umhergetrieben.
Wäre es möglich, daß Gott zum Menschen durch Träume spricht?
6 „Los von Rom."
Die Bewegung, welche unter dem Rufe „Los D01I Rom" in Oesterreich entfacht worden ist, findet fast mehr Beachtung, als sie verdient.
. Wenigstens ist bis zum heutigen Tage noch lange * nicht diejenige Zahl von Abtrünnigen erreicht worden, die von den Machern dieser Wühlerei bereits vor einer Reihe von Wochen als zutreffend zugegeben wurde, nämlich 10,000. In ganz Oesterreich zusammen genommen ist diese Zahl bis heute noch nicht erreicht — sicherlich kein Erfolg, auf den die Väter dieses Gedankens stolz sein können. Daß dagegen die katholischen Kirchenbehörden dennoch auf diese Wühlereien ein achtsames Auge haben und Alles thun, was in ihrer Macht steht, um den Umtrieben die Spitze zu bieten, ist ihre ganz selbstverständliche Pflicht, und es ist darum sehr unverständig, wenn kirchenfeindliche Blätter darüber spotten und schreiben: die Los von Rom - Bewegung müsse doch wohl der katholischen Kirchenleitung in Oesterreich große Furcht einjagen, denn diese wehre sich dagegen.
Bezeichnend dafür, wie wenig Eindruck im allgemeinen die Bewegung wacht, ist die Aufnahme, die sie in der Hauptstadt Wien findet. Gerade dort hatten die Macher auf große Erfolge gerechnet, und deswegen bedeutet die vollkommene Ablehnung, die die Wüblereien der Wolf, Schönerer und Genossen in Wien finden, eine recht kräftige Niederlage für diese. Die schlimmste Niederlage ist es, wenn man neben vollkommener Theilnahmelosigkeit nichts Anderes als Spott findet, und gerade diesen spendet der Wiener Straßenwitz den Los von Rom-Leuten reichlich. Selbst liberale Blätter müssen einräumen, daß die Abfalls-Bewegung in der Kaiserstadt so gut wie gar keinen Boden hat. Der derbe Wiener Volkswitz aber hat den Häuptern der Bewegung den Beinamen der „Wiedersäufer" gegeben — bester Beweis dafür, wie wenig tragisch der Wiener die Sache auffaßt.
Manche kirchenfeindliche Blätter stellen sich an, als glaubten sie wirklich daran, daß man es hier zu thun habe mit einer Bewegung, die tief im Geiste des Volkes Wurzel schlagen wolle. „Es ist gut — so läßt sich ein Berliner national- liberales Blatt aus Wien schreiben — rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen, daß man es mit einer Volksstimmung zu thun hat, die u r w L ch s i g und reißender dahinrauscht, als man ursprünglich anzunehmen geneigt war." Wie es aber in Wirklichkeit bestellt ist mit dem angeblich „reißenden Dahinrauschen", das möge man dem folgenden Berichte eines andern Berliner kirchenfeindlichen Blattes entnehmen: „Die lieber« tritts-Bewegung — so liest man da — hat neuestens Konflikte gezeitigt, welche die Förderer derselben offenbar nicht vorausgesehen haben. Bekanntlich haben die Angehörigen der katholischen Kirche (in Oesterreich! Red.) keine rvie immer gearteten Abgaben zu kirchlichen Zwecken zu entrichten . . . Dagegen erhalten sich die protestantischen Gemeinden aus sich selbst, das heißt durch die söge- nannte Kultussteuec der Gemeinde -Ange-
Daran glaubte er so fest, als an Gott selbst, aber jedes Gefühl in ihm scheute sich, diesem Gesicht eine solche Deutung zu geben, denn damit müßte er es als eine Offenbarung dessen, was geschehen sollte, als eine Stimme vom Himmel annehmen, die ihm sagte, was dem Schiffe bevorstehe und seiner Agathe, die auf demselben Schiffe sich befand.
Dagegen, es nur als einen Traum anzusehen, hieße, es seines Einflusses und seines Schreckens berauben durch eine bequeme Erklärung seiner Entstehung aus den Einbildungen und Gefühlen, die sein Gemülh erfüllt hatten, während er in der Allee verweilte, auf seinem Heimwege und als er im Bette den Gang der schimmernden Mondstrahlen beobachtete.
Er stand auf und kleidete sich an, ganz in Gedanken versunken, als sein Auge auf sein Schreibpult fiel, das in der Ecke beim Ofen stand.
Es war fortgerückt worden; ein Stuhl stand davor; eine Feder steckte im Tintenglas und auf der Unterlage lagen einige Bogen Papier.
Er schaute einen Augenblick hin, in der Ueberzeugung, daß der Tisch und der Stuhl am vorigen Abend nicht so gestanden hatten.
Er wußte auch, daß das Schreibzeug und die Feder eine Treppe tiefer, in seinem Wohnzimmer sich befanden, als er zu Bett gegangen war.
Ein Schauder durchrieselie ihn, denn in seiner jetzigen Stimmung konnte er durch eine Kleinigkeit "heftig erregt werden.
Er ging auf den Tisch zu und blickte aus das Papier.
Auf demselben sah er sicher und sorgfältig
hörigen. In einer großen Anzahl von deutschböhmischen Gemeinden haben nun jene Personen, welche zum Abfall von der katholischen Kirche und zum Uebertritte zum Protestantismus veranlaßt wurden, sich geweigert, die vorge- schriebenenKultussteuern zu entrichten." Die protestantischen Pfarrgemeinden haben nun gegen die neuen Gemeinde-Mitglieder bereits den Klageweg beidenVerwaltungsbehörden beschreiten müssen, und so etwas nennt man eine „urwüchsige und reißend dahinrauschende Bewegung". Nein, solche Leute, die nicht einmal ein paar Kronen Kirchensteuer im Jahr entrichten wollen für ihre neue Sache, sind sicherlich keine gefährlichen Fanatiker!
Deutsches Reich-
Berlin, 18. April.
+ Eine erfreuliche Meldung übermittelt der Draht aus Washington. Herr Hay, der Staatssekretär des Auswärtigen, hat eine Mahnung an die amerikanische Presse erlassen, den Samoa-Ialk in gemäßigter Tonart zu behandeln. Der Staatssekretär — so wird berichtet — verständigte die Presse davon, daß „bei der Ordnung der Samoa-Wirren keine der drei Mächte (Deutschland, England und Amerika) einen Sieg davongetragen oder eine Niederlage erlitten habe. Alle drei Regierungen seien von dem gleichen Wunsche beseelt, eine friedliche und ehrenvolle Lösung der Frage zu erlangen."
4- Seit einigen Tagen bringt das Berliner sozialdemokratische Centraloraan angebliche Mittheilungen über einen Plan, wonach die Stadl Kerki« aufhören sollte, Stadt mit Selbstverwaltung zu sein, vielmehr in einen eigenen Regierungsbezirk umgewandelt werden sollte. Die Folge davon würde unter anderem sein, daß die Stadt nicht mehr ihren Oberbürgermeister selbst zu wählen, sondern von der Regierung einen Regierungspräsidenten an die Spitze gestellt erhalten würde. Halbamtlich wird jetzt dieser Mär ein Ende gemacht mit dem Hinweise darauf, daß Niemand an eine solche Umwandlung denke. Wohl aberdenke man, wie indessen längst bekannt, an einen neuen „Regierungsbezirk Charlottenburg". Nahrung finden solche Gerüchte durch die Thatsache, daß die Berliner Oberbürgermeister-Wahl noch immer nicht bestätigt ist!
h Vermuthlich wird demnächst in den P l e n a r - berathungen des Ateichstages eine kleine Pause eintreten, um den verschiedenen Kommissionen mehr Zeit zu ihren Arbeiten zu lassen und auf diese Weise die parlamentarischen Arbeiten im ganzen besser und mehr zu fördern, als dies ohne eine solche Unterbrechung der Plenarsitzungen möglich sein würde. Dieselbe Absicht hegt man im preußischen Abgeordnetenhause.
X Heute (Dienstag) hat die Reichstags- Kommission für die drei ^okgeseHe ihre erste Sitzung abgehalten. Vorsitzender der Kommission ist Äbg. "Dr. S ch ä d l e r. Eine General- Debatte wird nicht abgehalten, aber es werden zwei Lesungen vorgenommen. Berichterstatter ist
der nationalliberale Abg. Dr. Paasche. Nach Artikel 1 soll das Porto für gewöhnliche sran- kirte Briefe bis zum Gewichte von 20 Gramm 10 Pfg. betragen, für unfrankirte Briefe soll ein „Zuschlagporto" von 10 Pfg. hinzutreten. Ein Antrag des sozialdemokratischen Abg. Dietz, dieses Porto auf 5 Pfg. festzusetzen, wurde nach kurzer Debatte abgelehnt. Nach dem zweiten Absatz desselben Artikels soll der R e i ch s k a n z l e r ermächtigt sein, den Geltungsbereich der O r t s- taxe auf die Nachbarorte auszudehnen. Es entwickelte sich darüber eine sehr aussührliche Debatte. Schließlich wurden diese beiden Absätze des ersten Artikels nach der Regierungsvorlage angenommen. Alsdann wurde die Berathung von dem dritten Absätze begonnen, der von der Zeitungsgebühr handelt, aber nach kurzer Debatte auf Mittwoch vertagt. Auf allgemeinen Wunsch sagte Direktor im Reichspostamt Krätk e zu, der Kommission eine genaue Rechnungsaufstellung zu unterbreiten.
© Oege« de« Mitterrand-Kanal haben sich erklärt die Vorstände des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirthschaftlichen Interessen der Saar-Jndustrie und der südwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller unter dem Vorsitze des Frei Herrn von Stumm. Die genannten Körperschaften befürchten, daß die Folge des Kanals eine neue Gelegenheit für die Ruhr-Industrie sein werde, die anderen Industrien zu überflügeln, und wollen die Bemühungen der Oberschlesier unterstützen, im Falle der Ausführung des Kanals eine erhebliche Ermäßigung der Bahnfrachten nach Berlin, Ostdeutschland und Antwerpen einzuführen.
* Wer kauft Waisenkinder? so fragt die ,Köln. Volksztg." Diese Frage legt eine gerichtliche Entscheidung in einer Vormundschafts- sache nahe, in welcher jetzt alle Instanzen, vom Amtsgerichte bis zum Kammergerichte, übereinstimmend erkannt haben. Der im höchsten Grade befremdende Sachverhalt ist kurz folgender: Klara W., geboren am 9. Februar 1888, Tochter eines am 14. Januar 1894 zu Köln verstorbenen katholischen Handwerkers und seiner ebenfalls katholischen Ehefrau besuchte bis zum Sommer 1898 die städtische mittlere Mädchenschule zu Köln, die bekanntlich konfessionell katholischen Charakter besitzt. Die Mutter, eine geborene Ostpreußin, war im jugendlichen Alter katholisch geworden und hatte den mittlerweile verstorbenen W. geheirathet. Das Kind stammte also aus rein katholischer Ehe und wurde auch katholisch erzogen, bis die Mutter im Sommer 1898 starb. Als Vormund nahm der Bruder der Verstorbenen, Herr K., das Kind mit nach Ostpreußen. Die Beschwerde des zuständigen katholischen Geistlichen, daß der Vormund ungesetzlicher Weise das Kind protestantisch erziehen lasse, wurde von dem zuständigen Königl. Amtsgericht zu Goldap, wie folgt, abgewiesen:
In der ... Bormundschaftssache kann Ihrem Anträge, dem Vormunde aufzugeben, für die Ertheilung des katholischen Religionsunterricht für das Mündel Sorge zu tragen, nicht ftattgegeben werden. Der Vormund hat das Kind seiner verstorbenen Schwester, welches Waise ist, nach seiner eigenen Erklärung in Pflege genommen. Für dies u Fall muß (analog der Entscheidung eines Appellationsgerichtes, Johow, Jahrbuch
für Entscheidung der preußischen Apvellationsgerichte Bd. 5, S. 38) der § 753 II 2 und § 104 Anh. z. A. L. R. für anwendbar erachtet werden, wonach dem Pflegevater die Bestimmung der Religion des Pflegekindes gebührt. Außerdem aber hat der Vormund erklärt, daß er für den Fall, daß er das Kind im katholischen Glauben erziehen müsse, sich weigern würde, das Kind ferner als Pflegekind zu behalten. Auch aus diesem Grunde tragen wir Bedenken, Ihrem Anträge stattzugeben, dadurch die Annahme des Mündels als Pflegekind durch den Vormund für die Erziehung des Kindes offenbar am besten gesorgt ist und ein Ersatz dafür sich nicht finden dürfte.
Das katholische Kind wird also — die Entscheidung des Kammergerichts ist endgiltig — protestantisch erzogen „vonRechts wegen!" Grundsätzlich findet dieser Satz auf katholische, protestantische und jüdische Kinder unterschiedslos Anwendung, praktisch dürfte es sich ganz anders gestalten. Man denke sich einmal den umgekehrten Fall: Für ein Waisenkind aus ungemischt pro« estantischer Ehe findet fich ein katholischer Vormund oder Pflegevater — ob Verwandter oder nicht, ist rechtlich ohne Belang —, der das Kind katholisch erziehen ließe und erklärte: „Wenn ich das nicht darf, dann werde ich mich nicht mehr um das Kind bekümmern" — welches Geschrei von Memel bis Trier würde ich dann über „katholische Seelenfängerei" erheben, und was würde über ein Amts-, Land« und Kammergericht gesagt und geklagt werden, das dem Begehren des Pflegevaters stattgäbe ? Es ist übrigens noch nie vorgekommen, daß ein Gericht einem katholischen Pflegevater ein ölches Recht eingeräumt hätte! Möge man sich den Fall auf katholischer Seite recht gut merken!
Aus dem Reichstage.
68. Sitzung vom 18. April.
Am heutigen Dienstag wird die erste Lesung des Fleischbeschau-Gesetzes fortgesetzt. Das Haus ist sehr mäßig, die Tribünen ebenfalls schwach besucht. Am Tische des Bundesrathes sieht man von Staatsekretären und Ministern nur den Staatssekretär Grafen Pos adowsky.
Während der Ausführungen des ersten Redners, des antisemitischen Abg. Wiektzave«, gestaltet sich mehr- ach die Szenerie im Hause ein wenig lebhaft in Folge >er burschikosen Redeweise des Sprechers. Er spricht davon, die Freisinnigen ließen sich „vor das Interesse der amerikanischen Biehimporteure spannen" und wird dafür vom Präsidenten ermahnt, nicht auf eine Partei des Hauses solche Voraussetzungen geltend zu machen. Später sprach er sogar von einem „Bülow- Schinken", den die amerikanischen Fleischhändler aus Dankbarkeit gegen den deutschen Staatssekretär des Auswärtigen so getauft hätten und wurde dafür vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. In der Sache stimmt Redner so ziemlich mit den Grundsätzen überein, die am Montag die Redner des Centrums und der Konservativen entwickelt haben: er ist für die Einführung einer obligatorischen Fleischbeschau, aber gegen verschiedene Bestimmungen dieser Regierungs-Vorlage.
Der elsässische Abg. Deksor hat wenig an der Vorlage auszusetzcn, denn sie bringt für Elsaß-Lothringen wenig Neues. Neu ist nur die Einbeziehung der Hausschlachtungen, nnd diese werden Redner und seine Freunde ablehnen. Andererseits aber empfiehlt Redner, die Untersuchungen auch auf andere Thiere auszudehnen; so leiden z. B. die Hasen oft an einer sehr gefährlichen Seuche. Auch die Bevorzugung des Auslandes bezeichnet Redner als unannehmbar und gerade für ausländisches Fletsch erscheint ihm eine recht strenge Kontrolle sehr nolhwendig.
Abg. Graf B-rnllorff-Uelzen (Deutschhannoveraner) weist darauf hin, daß die deutsche Landwirthschaft den deutschen Fleischverbrauch sehr bald würde decken können.
den mit Tinte genau gezeichneten Umriß der Insel, die er im Schlafe geschaut hatte, bis zu welcher er in. seinem Traume dem Boote gefolgt war!
Aber es war mehr als eine Skizze!
Jeder Zug, den er beobachtet hatte, die Bäume, das Gebüsch, die Vegetation, der flatternde Zug der Vögel — war hier wiedergegeben, nicht etwa oberflächlich, nein, mit der Genauigkeit, die man von der Arbeit eines Mannes erwarten konnte, der besorgt gewesen, nichts fortzulaffen, was nur einigermaßen irgend von Bedeutung erscheinen konnte oder sollte.
Forsberg drückte die Hand an die Stirne; er fürchtete, wahnsinnig zu werden.
Woran sollte er erkennen, daß das, was er vor sich sah, nicht eine Täuschung feiner Sinne sei?
Er trat ans Fenster, schnell athmend und zitternd, und sah in den Hellen Sommermorgen hinaus.
Dann kehrte er sich um und kniete nieder zum Gebet und betete so inbrünstig, daß er fühlte, daß sein Geist so klar, ruhig und ftar* war, wie immer bei der heiligen Handlung.
Er erhob sich nach einiger Zeit beruhigt und dachte jetzt schon bedeutend klarer über den Traum der vergangenen Nacht.
Aber Zittern und Aufregung ergriffen ihn von Neuem, als er die Zeichnung anblickte, denn wie kam sie dahin?
Wer hatte mit ihm zugleich das Gesicht gesehen, das er im Schlaf gehabt, und den letzten Theil desselben so sicher gezeichnet?
Er zwang sich gewaltsam, die schrecklichen und betrübenden Phantasien, die ihn beherrschten, ab
zuschütteln, und zog sich vollends an; endlich war sein Gemü.'h etwas gesammelt.
Er trat an den Tisch und war im Begriff, die Skizze zusammenzusalteu und in die Tasche zu stecken, als er, von einer Eingebung, der er nicht widerstehen konnte, getrieben, sich hinsetzte und schnell auf einen zweiten Bogen Papier alles niederschrieb, was er von seinem Traume behalten hatte; besonders genau beschrieb er das Boot und diejenigen seiner Insassen, deren er sich aus der Verschwommenheit, in der er alle menschlichen Wesen, außer Agathe und den Hochbootsmann der „Werra", gesehen hatte, erinnern konnte.
Darauf stieg er die Treppe hinab in fein 'Wohnzimmer.
Er klingelte nach seinem Frühstück, ohne zu wissen, daß er es gethan, bis seine Haushälterin mit demselben eintrat.
Sie beobachtete ihn flüchtig von der Seite, während sie den Tisch bereitete, bis sie, einen fragenden Blick in seinem Gesichte bemerkend, sagte: „Ich fürchte, Herr, Sie haben nicht besonders gut geschlafen."
„Warum meinen Sie das, Frau Goldschmidt. Sehe ich aus, als ob ich eine schlechte Nacht gehabt hätte?" fragte er mit einem schwachen, gezwungenen Lächeln, das sogleich wieder verschwand.
„Nun, nach Ihrem Aussehen konnte ich eS vermuthen, wenn »ch keinen anderen Grund hätte", sagte die Haushälterin, „aber wir hörten Sie in der Nacht in Ihrem Zimmer umher gehen und —"
Er unterbrach sie durch einen Ausruf und war im Begriff, zu sprechen, als er sich gewaltsam bezwang und, von der Anstrengung noch