26. Jahrgang.
IuL'öa, Donnerstag, den 13. April 1899
Jt£ 83
von
^Nachdruck verboten.)
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D»»ck «n» Verlag der Faldaer juitminUtewi xekrsg-S« Nr. 2 (narmoait).
von etwa dreißigtausend Thalern hatte, deren Zinsen es ihm ermöglichten, nicht nur die Land- wirthschaft mehr nebensächlich zu betreiben, sondern sich auch philosophischen Studien zu widmen.
Er hatte auf verschiedenen deutschen Universitäten studirt, mit Auszeichnung der Philosophie promovirt und würde höchstwahrscheinlich die akademische Laufbahn eingeschlagen haben, wenn es ihm nicht ein unabweisbares Bedürfniß gewesen wäre, sein Leben fern von den beengenden Verhältnissen der Großstadt und der ungesunden Luft des Binnenlandes in der frischen, freien Natur an der Küste des Meeres zu führen.
Schon während seiner Studienzeit hatten die mehrmonatllchen Ferien eines jeden Jahres, die er im Sommer wie im Winter an der Meeresküste daheim verlebte, kaum ausgereicht, ihn den Aufenthalt in der Stadt während der übrigen Zeit erträglich finden zu lasten.
Verwandte und Angehörige hatte er zwar m der Nähe seines Heimalhsortes nicht, stand aber schon seil langer Zeit in den vertrautesten Beziehungen zu dem Freunde seines Vaters, dem Oberförster von Wiesby, Herrn Kletke und dessen Angehörigen.
Oberförster Kletke war ein kräftiger ltarker Mann in den fünfziger Jahren; erwar m der ganzen Gegend wegen seines leutselrgen Wesens und seiner Wohlthätigkeit sehr beliebt. Von tter religiöser Gesinnung durchdrungen, war er nur auf das Wohl feiner Mitmenschen bedacht.
Forsberg war ein sehr thätiger, gesunder, arbeitsamer Mann, geistvoll und bei der Mischung von männlicher Willensstärke und — es laßt sich kaum anders bezeichnen — romantischer Schwär-
spalt. Garmond- zeü« oder der« Raum 15 Pf., Reklamen die Petit- zrüe 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
schärfer kennzeichnen kann. Und dennoch halten nach wie vor deutsche Parteigenossen an dem fest, was Bebel so scharf in Jena getadelt und was sein Parteigenosse Liebknecht „Bernstein- sche Dummheiten" nennt. Noch mehr: ein innerhalb der sozialdemokratischen Partei sehr angesehenes Blatt, der ,Braunschweiger Volks freund', hebt nach wie vor die Lehren Bernstein's als etwas ganz Besonderes hervor und schreibt darüber: „Das Bernsteinsche Buch wird trotz seines Charakters als Gelegenheits- schrift als Richtung gebend für die Sozialdemokratie bezeichnet werden können. . . Bernstein bietet im Grunde nichts Anderes als die nothwendiger Weise aus dem praktischen Verhalten der Partei abzuleitenden Konsequenzen. . . ! Und nicht minder ruft die Frankfurter sozialdemokratische,Volksstimme' dem Londoner Parteigenossen Bernstein Beifall zu!
Noch etwas Anderes ist bemerkenswerth in der Jenenser Rede des Herrn Bebel nach dem von ihm selbst als richtig anerkannten Berichte des .Vorwärts'. Danach hat nämlich Herr Bebel gesagt: „Die Sozialdemokratie dagegen wird kraft der Interessen derjenigen Klasse die hinter ihr steh t und die sie zu vertreten hat, unter keinen Umständen ihr Prinzip verlassen. Sie darf es nicht bei Gefahr ihrer eigenen Vernichtung." Merkwürdiges Eingeständ- niß eines Parteiführers, daß seine Partei nur die Interessen einer einzigen „Klasse" vertritt und auf diesem Grundsätze ihr ganzes Dasein aufbaut. Zum ersten also bekennt damit Herr Bebel, daß die ganze Sozialdemokratie nichts weiter ist als eine Brot- und Magenpartei für ganz bestimmte Leute. Und zum zweiten sagt er damit, daß alle anderenLeute wenn sie sich der Sozialdemokratie anschlreßen, sich und ihre Interessen dieser einzigen „Klasse" und ihren Sonderintertressenunterordnensollen. Namentlich für die kleinen Gewerbetreibenden und kleinen Bauern ist dieses offene Ge- ständr.iß des Herrn Bebel benrerkensrvrrth. Hoffentlich merken sie es sich auch wirklich, um demnächst bei geeigneter Gelegenheit guten Gebrauch davon zu machen.
Bit goliitnt Hoffnung.
Roman von W. Clark Rüssel.
Mit Genehmigung des Verfassers frei bearbeitet A. E. Wirz.
gehen solle über Garantie für Kapital und Zins des Eisenbahnbaues von Kairo nach Kapstadt.
-f- In der Presse war berichtet worden, der amerikanische Admiral Kautz habe vor den SamoaAttsektt im Hafen von Apia Forderungen an den Kapitän des deutschen Kreuzers „Falke" gestellt, die der Ehre der deutschen Flagge zu nahe getreten wären. So hieß es, Admiral Kautz habe den Kreuzer am Auslaufen verhindert und habe ihn gezwungen, einen bestimmten Platz in dem Hafen einzunehmen. Nicht ohne Berechtigung wurde in den Zeitungen darauf aufmerksam gemacht, daß ein deutsches Kriegsschiff sich nicht „zwingen" laffen dürfe. Aber es wird nunmehr in noch offiziöser Weise durch die ,Nordd. Allg. Ztg.' festgestellt, daß „an den maßgebenden Berliner Stellen von derartigen Vorkommnissen nichts bekannt ist". Wäre derlei vorgekommen, so müßte unbedingt ein telegraphischer Bericht des deutschen Kapitäns vorliegen. In London tritt nunmehr auch der deutsche Botschafter sehr energisch auf mit der deutschen Forderung, Genugthuung zu geben für die Vertrags-Verletzungen von Samoa durch britische Offiziere und diplomatische Vertreter, und es ist wohl kaum daran zu zweifeln, daß dieser energischen Haltung Deutschlands gegenüber die britische Regierung die geforderte Genugthuung geben wird — oder geben muß. Nach Londoner Drahtmeldungen vom Mittwoch hat allein die Nachricht von Deutschlands energischen Absichten in London einen so kräftigen Eindruck gemacht, daß alle die Blätter, die sonst so wacker gegen Deutschland zu Felde ziehen, einstweilen die Sprache verloren haben. In Washington wirkt anderseits Botschafter von Holleben für möglichst baldige Einsetzung und Abreise der Oberkommission für Samoa, was er schwerlich thun würde, wenn man ernstlichen Zweifel hegte an der Bereitwilligkeit Englands, die geforderte Genugthuung zu bewilligen. Auf den Samoa-Inseln selbst soll es inzwischen noch weitere Kämpfe gegeben haben. Einem Streifkorps der Engländer und Amerikaner follen die Anhänger Mataafa's übel mitgespielt haben. Nach einer bisher vereinzelten Meldung soll das Streifkorps überfallen worden fein, wobei sieben Mann desselben ge- tödtet wurden, darunter ein Offizier.
+ Am 11. April hat bekanntlich im zweiten Berliner Wahlkreise eine KrfatzrvaHk für bett Ileichstag stattgefunden, da die Wahl des freifinnigen Abgeordneten Kreitling vom Reichstage beanstandet worden war. Diesmal ist der sozialdemokratische Wahlbewerber Fischer, wie schon telegraphisch gemeldet, gleich int ersten Wahlgange mit 24,319 von 47,260 abgegebenen Stimmen gewählt worden, während bei der Wahl im vorigen Jahre eine Stichwahl nöthig war, aus der dann Herr Kreitling mit 8 Stimmen Mehrheit als Sieger heroorging. Daß es diesmal so gegangen ist, liegt ganz allein an der Saumseligkeit der bürgerlichen Wähler, und namentlich der Konservativen. Die konservativen Stimmen sind von 11,359 im Jahre 1898 auf 5266 Stimmen jetzt zurückgegangen. Ware diese Lässigkeit nicht gewesen, würde sicher wiederum eine Stichwahl erzielt worden sein; denn auch
mit Zlnkrhattmtgs-Aeilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung
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Deutsches Deich.
Berlin, 12. April.
-j- Herr Gecik Ahodes und feine Mannen haben augenscheinlich die Erfolge, die der Genannte in Berlin für seine afrikanischen Bahnpläne erzielt hat, sehr stark übertrieben so stark, daß sogar dir englische Regierung es für nöthig hält, abzuwinken. Im britischen Unterhause hat nämlich der Parlamentssekretär des Aeußeren,^Herr Brodrick, die Erklärung abgegeben, daß die Unterhandlungen des Herrn Rhodes mit der deutschen Regierung dessen eigene Unternehmung waren und nicht im Auftrage der britischen Regierung erfolgten. Immerhin ist es ein wenig auffallend, daß die deutschen Offiziösen kein Wort der Ableugnung für die englische Behauptung 'gefunden Haden, daß zu geeigneter Zeit dem deutschen Reichstage eine Vorlage zufällig verspürte indeß wenig Lust, der Zeuge ihres nochmaligen bitteren Abschiedes zu werden.
Außerdem sprach etwas so Rührendes und Feierliches aus dem gramvollen, innig-liebevollen Blicke, mit dem Forsberg an dem Mädchen hing, und der hingebenden Zärtlichkeit, mit der sie ihrerseits zu ihm aufsah, den leise geflüsterten Worten, welche sich ihr so häufig entrangen, daß es dem Doktor beinahe unpassend erschien, es als unbe- theiligter Zuschauer rnitanzusehen und anzuhören.
„Wann wollen Sie sich ans Ufer zurückrudern lassen?" fragte er, die Hand auf die Thürklinke legend.
„Bald; aber ich brauche mich nicht zu beeilen. Ich werde doch in Brunsbüttel übernachten müssen. Es wird erst nach 8 Uhr dunkel. So lange werde ich bleiben," antwortete Forsberg, beinahe bittend, als ob er fürchtete, daß Doktor Kletke sagen wollte, Agathe sei schwächlich, solch' ein Abschied aber sehr angreisend, und derselbe müßte deshalb abgekürzt werden.
Vielleicht hatte der Doktor das auch beabsichtigt; aber er sagte nichts davon, sondern bemerkte nur noch:
„Dann werde ich Sie ja vorher auch noch sehen", und verließ daraus langsam die Kajüte.
Walter Forsberg war der Besitzer eines kleinen Landgutes nahe dem Dorfe — nennen wir es Wiesby — an der holsteinischen Nordseeküste.
Er war, wie schon im Eingang erwähnt, ein großer, ernst aussehender, schöner junger Mann von beinahe dreißig Jahren, und obgleich die Mittheilung sehr prosaisch und überflüssig erscheinen mag, muß dennoch hier bemertl werden, daß er außer seinem Landsitz ei» Baarvermögen
die sozialdemokratischen Stimmen sind von 26,269 im Vorjahre auf 24,319 jetzt zurückgegangen. Die Sozialdemokraten haben also keinerlei Grund, sich mit diesem Wahlsiege zu brüsten, der für sie nichts weniger als ein Triumph ist. Aber die bürgerlichen Wähler haben unmittelbare Veranlassung dazu, sich ganz gehörig zu schämen.
* Die große Kattak-Dorkage, deren erste Lesung am Donnerstag im preußischen Abgeordnetenhause beginnt, hat auch außerhalb des preußischen Staates lebhastes Interesse für sich zu beanspruchen. Erstens handelt es sich dabei um Fragen von großer grundsätzlicher Bedeutung nicht nur für Preußen allein, sondern für alle Kulturländer. Zweitens aber hat die eigenartige Reklame dafür gefolgt, die übereifrige offiziöse Organe für diesen Gesetzentwurf gemacht haben, so namentlich die .Kölnische Zeitung', die ja in allem Ernste ausführte, hier müsse der Grundsatz gelten: Suprema lex regia voluntas — des Königs Wille ist das oberste Gesetz. Für die erste Lesung der Vorlage sind drei Tage in Aussicht genommen, lieber das endliche Schicksal derselben sind vorläufig die Meinungen ge- theilt. Aber sehr verbreitet ist die Anschauung, daß schließlich.das Herrenhaus einen Strich durch die Rechnung machen werde, auch wenn der Entwurf Annahme im Abgeordnetenhause finden sollte. Namentlich interessant wird sich die Auseinandersetzung über die Frage gestalten, ob denn wirklich der Kanalbau deswegen nothwendig sein soll, weil angeblich die Eisenbahn an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen fein soll. Die 23er» muthung wird wohl richtig fein, daß der Regierung einsoIch er Beweis nicht gelingen werde.
X Der Nomvenschwindel von Alexandria kann noch immer feine Ruhe finden. Die konservative ,Kreuzztg.' meint in einer längeren Ausführung darüber, es sei „zehnmal besser, unnöthig besorgt gewesen zu fein und unnöthige Sicherheitsmaßregeln getroffen zu haben, als einmal, wo eS darauf ankommt, unbesorgt und leichtsinnig zu verfahren." Das ist ohne Zweifel richtig. Aber es kommt ja darauf gar nicht an. Es kommt vielmehr darauf an, daß die Regierung ganz augenscheinlich nicht genügend unterrichtet war und wirklich selbst geglaubt hat, es handele sich um einen ernsthaft gemeinten Mordanschlag gegen den Kaiser. Diese ungenügende Kenn t- niß der Thatsachen ist es, welche vor allen Dingen zu tadeln ist, nicht aber die große Sorgfalt in der Behandlung von Sachen, die mit der persönlichen Sicherheit des Kaisers zu sammenhängen. Von denen, welche die Regierung hierin verthei- digen wollen, wäre es deswegen klüger gehandelt, ganz von der Sache zu schweigen, wenn sie nicht die Regierung in dem Punkte vertherdigen können, auf den es am allermeisten ankommt.
Q Der .Reichsanzeiger' bringt die übliche Zusammenstellung über die KetrieVsttttfätke der dorrt scher» KisettSahtterr mit Ausnahme der bayerischen während des Monats Februar. Danach fanden während dieses Monats 27 Entgleisungen statt, davon 11 auf freier Bahn und 16 in Stationen, ferner 8 Zusammenstöße in merei in seinem Gestchtsausdrucke von anmuthen- der Schönheit.
Seine Augen waren groß, schwarz und strahlend, zuweilen so feurig aufleuchtend, daß das Nachdenkliche, Sinnende, was sonst ihrem Blicke eigen war, ganz verschwand und man beinahe denselben Eindruck empfing, wie man aus dem tiefen Jndigoblau, der sich über die Fläche des Meeres in einer Mitfommernacht breitet, ein leuchtender Strahl phosphoreszirenden Feuers emporschießt.
Für gewöhnlich überschattete aber eine gewisse Melancholie seine Züge, und einem aufmerksamen Beobachter konnte es kaum entgehen, daß nicht nur sein Denken eine vielleicht zu einseitige Richtung verfolgte, sondern daß auch in seiner Natur mehr als ein bloßer Anflug von Mysticismus vorhanden war.
Wiesby liegt etwa eine Viertelstunde vom Meere entfernt, und gerade in dieser Gegend erstreckt sich nach beiden Seiten hin wohl eine Meile weit ein ungemein schöner sandiger Strand.
Forsberg kannte nun kein größeres Vergnügen. als hier am Strande gemächlich dahm zu schleudern, nachzudenken und zu träumen, und es verging kaum ein Tag, in dem er ju^t mety» rere ©tunoeu so verbracht hätte, wenn das Wetter es nur itgenb gestattete. .
Seine Siebe für das Meer war eine Art von Leidenschaft, aber keineswegs die Leidenschaft des Seemannes. Er empfand nicht das geringste Sehnen darnach, das Meer zu durchschiffen.
Seine Neigung folgte der Richtung, welche mehr Raum für dichterische Traume bietet, als das wirkliche Berufsleben auf dem Meere.
Forsberg hielt das Mädchen umschlungen und sie flüsterten mit einander, bis sie, infolge einer kurzen Bemerkung Doktor Kletkrs, sich mit einem tiefen Seufzer und feuchten Augen aus der Umarmung löste und mit der Mattigkeit einer Kranken wieder auf ihren Stuhl nieder ließ.
Ihr Aussehen war eben, wo sie vor Aufregung leichenblaß war und über die Trennung von ihrem Geliebten sich grämte,nichts weniger als befriedigend.
Trotzdem vermochte ihr leidender Zustand und die Betrübniß, die sie jetzt beherrschte, die Schönheit ihrer Züge nicht zu verdecken; ein bloß flüchtiger Blick auf ihre fünften, grauen Augen, ihr weiches, golden schimmerndes Haar und die Zartheit ihrer Gestalt genügte, den Beobachter wit Bewunderung zu erfüllen.
Der junge Mann ließ sich neben ihr nieder und nahm ihre Hand in die seine, während Dr. Kletke sich zurückzog und ihnen von dort aus mit von Staunen und Wehmuth gemischten Gefühlen rusah, denn hier zeigte sich chm offenbar eine Liebe, welche in ihrer Gleichgiltigkeit gegen die Beobachtung von Seiten eines Dritten und die Verlegenheit, die dies einem Zuschauer verursachen könnte,^-e volle Unbefangenheit kindlicher Unschuld
DerDoktor wußte nicht recht, ob er feine Stieftochter und ihren Verlobten allein laffen
0 Nochmals Bebel s Rede in Jena.
Nach langer Zeit hat das sozialdemokratische statiner Centralorgan .Vorwärts' sich dazu herbeiaelaffen, die Reden seines Obergenoffen Rebel in Jena und Göppingen überhaupt zu »rmabnen. Der .Vorwärts' hat damit so lange ..«artet, bis Blätter anderer Parteien auf das Schweigen des Berliner sozialdemokratischen Lenttalorgans hingewiesen haben; und hätten diese letzteren das nicht gethan, so würde der Vorwärts' vermuthlich sein Schweigen gar nicht erft gebrochen haben. Aber auch die Art und Weise, in der er das thut, ist wundersam genug, ©er .Vorwärts' bringt nämlich einige Wochen nach bet Jenenser Rede seines Obergenoffen einen Bericht" über diese Rede und fügt hinzu, Herr Bebel habe diesen Bericht „selbst als richtig anerkannt". Daran ist erstens merkwürdig, daß der Berichterstatter des .Vorwärts' anders gehört als die Leute, die auch Berichte über diese Rede an die Presse versandt haben. Aber selbst angenommen, Bebel hätte genau so sich ausgedrückt, wie der verspätete Bericht des ,Änrwärts' es wiedergibt, so bleibt noch immer des Auffälligen genug übrig.
Zunächst ist festzustellen, daß zwar Herr Bebel die Worte von „tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten" innerhalb der Sozialdemokratie wirklich nicht gesagt haben will. Aber dem Sinne nach bedeutet seine Rede ganz genau dasselbe. Er hat nämlich nach dem von ihm selbst als richtig anerkannten Berichte folgende Aeußerung gethan: „Wenn die neuerlichen, insbesondere auf eine veränderte Taktik der Partei und gegen das Programm derselben gerichteten Bestrebungen innerhalb der Partei Anerkennung finden sollten, dann würde die Sozialdemokratie von dem Tage an, wo sie auf derartige Vorschläge einginge, aufhören zu exiftiren. Die gegenwärtige Partei würde in die Brüche gehen und eine neue, weit radikalere Partei aus ihr hervorgehen," Wenn man diese Worte sich genau ansieht und bann noch immer nichts findet dabei von tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Sozialdemokratie, dann gibt es überhaupt keine Meinungsverschiedenheiten mehr auf der Welt. Manchen aber wird es überraschen, grade Herrn Bebel auf einer Spiegelfechterei mit Worten ertappt zu sehen, um nicht zu sagen Heuchelei. Denn Herrn Bebel pflegt man sonst noch immer zu denjenigen zu rechnen, die innerhalb der Sozialdemokratie bis zu gewissem Grade überzeugungs- treu vorgehen. Wenn man nun derlei Schliche schon bei Herrn Bebel findet, was muß man erst an Kniffen und Pfiffen bei den anderen Herren Genossen erwarten, wenn es sich darum handelt, Schwächen und Mängel der Sozialdemokratie vor den Augen der Welt zu vertuschen!
Also Herr Bebel hat zwar in Jena nicht unmittelbar mit Worten zugegeben, daß tiefgehende Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Sozialdemokratie bestehen. Aber in der Thal hat er die Lage innerhalb dieser seiner Partei und die Zwiste, von denen sie durchsetzt ist, so scharf gekennzeichnet, wie man sie gar nicht
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