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Für di- A-d-ttlon Jok-S-»«, Mevate XPataelU« te Fulda.

26. Jahrgang.

Iutda, Dienstag, den 11. April 1899

Druck und Verlag der Fuldaer Acnc«or»ckcr«4 pelerrgaSe Nr. 2 (Harmonie).

bescheert."

Auch jetzt floffen Thränen, aber das Schluchzen

rufen und den stürmischen Dankesworten des wieder aufgenommenen Sohnes vermischt.

Auch Julie Bertrand nährte sich dem Jugend- geipielen, den sie nicht mehr erkannt hatte, und mit einem herzlichen Willkommengruß reichte sie ihm die Hand. Nun aber ging es an die Be- scheerung zvm Weihnachtsbaum, wo aus der kleinen, von zarten Lämmlein und anbetenden Hirten um­gebenen Krippe gar lieblich und mit verklärtem Antlitz das Jesuskindlein auf Pie glückliche Gruppe herabsah.

Ein schönerer Weihnachtsabend war wohl in keinem Hause gefeiert worden, als. in demjenigen Meinhold's.

Während Emma, Judith und Julie mit den Kindern unter dem Christbaume blieben, zogen die Männer sich in den Empfangssalon zurück, wo der Bankier über alles eingehende Aufklärung erhielt. Er erfuhr die Lebens-und Leidensgeschichte Theodors, die theilweise ungerechtfertigten An­schuldigungen gegen den Sohn, und Guido ge­stand nun auch, daß von ihm der Plan gefaßt worden sei, Theodor als Förster in die Heimath zu schicken, um die Versöhnung mit dem Vater anzubahnen, die ja nun inso allgemein beglückender Weise erfolgt war. , „ .

Die Miltheilungen des Sohnes über ferne Er­lebnisse in Amerika" riefen bei dem Vater die Er­innerung an jene Zeitungsnotiz über das unge­wöhnliche Glück der zwei süddeutschen Goldgräber ins Gedächtniß zurück. Die unbestimmte Ahnung, welche nachher, als er dem geistlichen Freunde den Einlauf des reichen Geschenkes von dem un­bekannten Geber erfuhr, in ihm aufgetaucht war, hatte ihn also doch nicht getäuscht.

Inserate: Dieetsc spalt. Garmond- zeit« oder berer Kaum 1b Pf., Re­klame» die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend- Rabatt gewährt.

stellgeld in und aus- M.övPs-

jrt täglich «nähme der und Fefer-

Versöhnung die Hand. Ihr Sohn Theodor ist es, der vor Ihnen kniet, Ihr reumüthig zurück­gekehrter Sohn, der mit seinen Kindern vom Vater Vergebung erfleht, und der seine Verirrungen schwer genug gebüßt hat."

Der Bankier sprach immer noch nichts. Er sah die Thränen, welche aus Theodors Augen strömend den Boden netzten, aber er rührte sich nicht.

Als aber die Knaben laut zu weinen anfingen, da begann es in seinem Gesichte krampfhaft zu zucken, und auch seine Augen schimmerten feucht.

Er athmete tief auf, schritt auf den Knieenden zu, schaute ihm in's Auge und zog ihn an seine Brust.

„Ja, Du bist's," flüsterte er, „jetzt erkenne ich Dich! Das also war es, was mich bei Deinem ersten Anblick so mächtig bewegt hat! Nachdem dieser hochwürdige Herr hier, gegen den Du Dich am schwersten vergingst, Dir nicht mehr grollt, verzeihe auch ich Dir von ganzem Herzen und nehme Dich als meinen wiedergefundenen Sohn ins Vaterhaus auf."

Jetzt aber wandte er sich zu den Knaben. Er nahm den Einen um den Anderen in seine Arme und küßte sie auf Augen und Mund.

„O, nun weiß ich", sagte er, warum mein Herz von dem ersten Augenblicke an, wo ihr zu mir kämet, so warm für euch schlug. Ihr seid ja die Kinder meines Sohnes, meine Kinder, durch die mir der Himmel ein nicht mehr er­wartetes Glück für den Abend meines Lebens

Ein Nnell.

Roman der Gegenwart von Max Benno.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Meinhold hatte Philipp fortgeschickt, um die mder und die Gäste zu holen, der Diener kam ier nur mit dem Geistlichen, Guido, Julien und ■tn Tiroler zurück.

Dagegen tönten auf einmal melodische Akkorde «o>n Wohnzimmer herüber und von lieblichen ^inderstimmen gesungen erklang das Lied, welches just in jener hochheiligen Nacht die Schaar der -ngel anstimmte:

„Ehre sei Gott in der Höhe

Und Friede den Menschen auf Erden."

Ja stummer Rührung lauschte Meinhold. ~ie ihm von Judith bereitete Ueberraschung rie ’e” Widerschein hoher Freude auf seinem Ge Mte hervor.

Dentsches Reich.

Berlin, 10 April.

* Der Kaiser hat aus seiner Prioatschatulle der evangelischen Kirchengemrinde zu Hanau für den Bau einer neuen Kirche eine Beihilfe von 20000 M. und der evangelischen Gemeinde zu Mellnau zum Bau eines neuen Schul-

und Wandsbeck unter der Führung des sozial­demokratischen Abgeordneten von Elm selbst die Schaffung eines solchen Vereins im größten Stile in Angriff genommen. „Konsum-, Bau- und Sparverein Produktion" soll die neue sozialdemo­kratische Schöpfung heißen, mit der die Hamburg- Altonaer Genossen wiederum mit einer alten sozialdemokratischen Ueberlieferung aufräumen und wiederum zum eignen Vortheile eines Rezeptes der „verrotteten bürgerlichen Gesellschaft" sich be­dienen. Zwar bringen die Partei-Organe .Vor­wärts' in Berlin und ,Echo' in Hamburg Kund­gebungen gegen die Vereinsgründung. Aber die Gründer kümmern sich nicht im mindesten darum, sondern gehen unbeirrt den einmal betretenen Weg weiter. Noch mehr: in der sozialdemokra­tischen Monatsschrift ,Neue Zeit' wird den Grün­dern geradezu „Schädigung der sozialdemo­kratischen Partei" vorgeworfen. Man fühlt und sagt es auch, daß es gefährlich sei, so vieles innerhalb der heutigen Wirthschaftsordnung mög­lich zu machen; es werde — so gesteht die,Neue Zeit' selbst zu — „den Glauben erwecken, daß es sich alsdann nicht mehr lohne, für die Sozialdemokratie zu wirken". Aber das hilft alles nichts: Genosse von Elm und seine Mannen arbeiten weiter an ihrem Verein „Pro­duktion" und kümmern sich nicht darum, ob die Parteileitung damit einverstanden ist oder nicht. Und in Brüssel hat die Sozialdemokratie ihr neues Maison du peuple, Volkshaus, eröffnet, ein wahrer Prachtbau wie das Heim eines Mil­lionärklubs, dem man auch wahrhaftig nicht die Spur ansehen kann von der „Verelendung der Massen". Die Brüffeler wirthschaftliche Genossen­schaft der Sozialdemokraten aber, genannt „Volksheim", hat jährlich einen Umsatz von vier Millionen Franken!

Am Ostersonntage hat in Görlitz ein Par­teitag derSozialdemokratenvonSchle- sien und Posen stattgefunden. Dort wurde viel Klage geführt über die Lauheit, die bei den letzten Wahlen für Parteizwecke in der Ar­beiterschaft sich gezeigt habe. Man erklärte dies daraus, daß die günstige Gestaltung der wirthschaftlichen Verhältnisse „bis zu einer bestimmten Grenze" auch auf die A r b e i t er­schüft ihren Einfluß ausgeübt und sie weniger zugänglich gemacht habe für die sozialdemo­kratische Bearbeitung. Das ist des Pudels Kern: wo die Unzufriedenheit fehlt, da ist es aus mit demEinflusse derSozialdemo- kratie. Zufriedene Arbeiter sind kein Futter für die Herren Genossen. Darum bekämpft man auf wirthschaftlichem Gebiete die Sozialdemokratie durch nichts besser als dadurch, daß man die Lage der Arbeiter zu ihrer Zufriedenheit zu gestalten sucht!

mit Ztnterhattmrgs-Mkage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!'

sich ein erheblicher Theil desselben der Verfrachtung durch die Kleinbahn entzieht.

Biel weniger von Bedeutung für die Rentabilität des Unternehmens halte ich die H ö h e der Anlagekosten. Es ist ja natürlich sehr erwünscht, wenn man den Kilometer billig bauen und ausrüsten kann ; aber auch bei höheren Anlagekosten wird an sich die finanzielle Rentabilität des Unternehmens durchaus nicht in Frage gestellt, wenn die übrigen Voraussetzungen zutreffen, weil bei jenen der Mehrbetrag der Verzinsung geringer ins Gewicht fällt, als die Transportmasse. Mit dem Herrn Referenten glaube ich daher, daß es sich bei allen Unternehmungen dringend empfiehlt, eine sorgfältige Prüfung der Bedürfnißfrage und der Ren­tabilitätsfrage vorausgehen zu lassen. Meine Herren! Wir müssen uns darüber verständigen, was man in solchen Fällen unter der Bedürfnißfrage ver- teht. Es ist ja klar, daß das Ideal eines Verkehrs das wäre: jede Oertltchkeitt in die Möglichkeit zu versetzen, unmittelbar mit den großen Verkehrscentren, mit dem großen Weltmarkt in direkte Verbindung zu treten. Leider ist das aber vielfach nicht zu erreichen. Es wäre eine verhängnißvolle Täuschung, die durch die natürlichen Verhältnissen gegebenen Bedingungen unbe­achtet zu lassen und ohne Rücksicht auf die Kosten unter allen Umständen dieses Ideal verwirklichen zu wollen

Meine Herren! Ich brauche weiter ein Beispiel. Die Wissenschaft ist heute z. B in der Lehre vom Pflanzenbau so weit, daß fast auf jedem Boden ;ede Frucht gebaut werden kann; es kommt nur darauf an, was es kostet. Wir haben viele Landwirthe gesehen, die ohne Berücksichtigung des Kostenpunktes so die erstaun­lichsten Erfolge erzielten gegenüber früher ganz unbe­kannten Verhältnissen und trotzdem zu Grunde gegangen sind. Das lehrt uns, daß die Ausnutzung der Technik, der Verkehrsverhältnisse und der wissenschaftlichen Er­fahrung doch immer angepaßt bleiben muß den ur­sprünglichen natürlichen Verhältnissen, sowohl des Bodens wie der Gegend. — Ich komme nun auf die zweite Frage meines mir selbst gestellten Themas: wie ist der Kletn- bahnbau vom Standpunkte der Melioration aufzu­fassen? Zweifellos ist jede Verbesserung der Verkehrs­verhältnisse eine Melioration ersten Ranges; ich gehe so weit, zu sagen, daß ich persönlich die Frage der Ver- kehrsverhältniffe für diejenige halte, welche in unserer ganzen heutigen wirthschaftlichen Entwickelung den aller­ersten Rang einnimmt. Aber auch hierbei ist die eine Erscheinung zu beachten: die Melioration bleibt nur dann eine solche, wenn sie die Kosten des Unter­nehmens wirthschaftlich in irgend einer Form lohnt. Die Kosten des Unternehmens brauchen durchaus nicht blos da als lohnend angesehen zu werden, wo 3°/o oder 3*/«°/o Zinsen und der Abtrag sich in Ueberschüssen bei der Bahnverwaltung herausrechnet;, sie können auch voll erfüllt werden durch eine Steigerung der Wohlhabenheit eines Landestheils oder durch die Entwickelung der Produktionsfähigkeit eines solchen. Das, meine Herren, kann aber weder von einer Staats­behörde, noch von der Landesverwaltung im einzelnen Falle ganz zutreffend beurtheilt werden. Ob ein solcher Fall vorliegt, das müssen die örtlichen Organe, vor allem diejenigen Instanzen wiffen, welche die Sache anregen und betreiben. Ich habe in früheren Stellungen stets die Ansicht vertreten und halte sie auch heute noch für richtig, daß die Prüfung darüber, ob eine derartige Melioration im Sinne der Hebung der Wohlfahrt im All­gemeinen angezeigt und nützlich sei, lediglich der Beur- theilung der lokalen Instanzen überlassen bleiben müsse, und daß, wenn die lokalen Instanzen diese Prüfung, wie ich annehme, nach sehr eingehender und sachverständiger Erörterung in bejahendem Sinne durch­geführt haben, die anderen Organe sich zustimmend zu verhalten hätten. Aber, meine Herren, auch hierin muß ich die dringende Warnung des Referenten wiederholen: Prüfen Sie sorgfältig und wägen Sie auch die ungünstigen Chancen. Vor allem überlassen Sie sich nicht durch einen unbestimmten Drang, die Verkehrsverhältnisse zu bessern, verleiten, ein Unter­nehmen unter Verhältnissen zu gründen, wo sich that- sächlich weder ein finanzieller noch ein Meliorations­erfolg gegeben findet. Das ist immer zu bedenken in der Welt und wird nicht geändert: Auch das Beste in der Welt kann zum Fehler werden, wenn es auf unrichtiger Grundlage auferbaut wird.

[] Widersprüche innerhalb der Sozialdemokratie.

In Jena hat, wie bekannt, Herr Bebel von den Meinungsverschiedenheiten gesprochen, die innerhalb der sozialdemokratischen Partei herrschen; und er hat hinzugefügt, daß die Möglichkeit einer vollkommenen Spaltung vor­handen sei. Er meinte, es werde sich dann eine besondere, radikalere Partei von der gegen­wärtigen Masse der Sozialdemokratie absondern, wenn deren Parteileitung beispielsweise alle die Anschauungen annehmen wollte, die der „Genosse" Bernstein in London vertritt, d. h. von der Lehre der „Verelendung der Massen", dem Zu­kunstsstaate" und allen den Dingen sich losmachen wollte, die bisher hauptsächlich der sozialdemo­kratischen Unterwühlung als Grundlage und Lock­speise dienten. Daß die Massen nicht ver­elenden, daß im Gegentheil der allgemeine Wohlstand im Wachsen ist, in Deutschland genau ebenso wie in seinem eignen Heimathlande England, das hat Herr Bernstein durch unan­fechtbare Ziffern aus der Einkommensteuer klar nachgewiesen; aber — so antwortete schmerz­bewegt dem Londoner Bernstein der Berliner „Genosse" Kautsky, was sollte wohl aus der Sozialdemokratie werden, wenn niemand mehr verelenden will? Dann, das fühlen die Herren, ist die Sozialdemokratie bankerott. Und des­halb wollen sie auf keinen Fall Herrn Bernstein recht geben, obwohl sie wegen ihrer Unwahrheit vor sich selbst erröthen müssen, wenn sie dem Londoner Parteigenossen und seinen klaren Be­weisführungen zu widersprechen suchen.

In Göppingen hat Herr Bebel auf ein Anfrage hin bestätigt, daß Meinungsverschieden­leiten innerhalb der Sozialdemokratie vorhanden ind; nur will er in Jena nicht von „tief gehen- len Meinungsverschiedenheiten" gesprochen haben. 9tim wohl, dieses kleine Spiel mit Worten wollen wir Herrn Bebel gern gönnen. Aber fühlt Herr Bebel nichts und fühlen es seine Freunde und Obergenosfen nicht mit, daß er mit dieser Wort- tiftelei ein wenig einem Minister der ge­haßten bürgerlichen Gesellschaftsord­nung ähnlich wird, der in irgend einem Parlamente durch jchleierhafte Worte eine That- fache zu leugnen sucht, die für alle Welt sonnen­klar dasteht? Mit einem Worte: fühlen die Herren „Genoffen" nicht die Heuchelei heraus, die alledem zu Grunde liegt? Und ganz auf­fällig und merkwürdig ist es, daß das sozialdemo­kratische Berliner Centralorgan .Vorwärts' die Ausführungen Bebel's ganz mit Still­schweigen übergeht. • Warum wohl?

Thatsächlich vergeht jetzt kein Monat mehr, in dem nicht irgendwo grundsätzliche Meinungs­verschiedenheiten bedeutender Art innerhalb der Sozialdemokratie auftauchen und auch sich in die That umsetzen. Ehedem verhöhnte und ver­spottete Ferdinand Lassalle den Gedanken, durch die Bildung wirthschaftlicher Genossen­schaften, beispielsweise durch Konsumvereine, dem Arbeiter billigere Lebensmittel zu verschaffen und aus den Dividenden solcher Vereine Erspar­nisse anzusammeln. Jetzt haben die Sozialdemo­kraten in Hamburg, Altona, Ottensen

X 81.

Zur Klcinbahnsragc.

cv derselben Sitzung des Kommunallandtages r^erte sich der Herr Oberpräsident Graf B)litz zu dieser Frage wie folgt:

0 t Ich habe aus den Worten des Herrn .«senden entnommen, daß er die Debatte über diese etwas ausgiebiger gestaltet zu sehen wünscht, eiaentlich nach dem Thema der Tagesordnung

-» werden sollt?. Das ist der Grund, weshalb Irnich zu derselben weniger als Staatskommissar als

der Erfahrung in meiner früheren Thatigkett und Aner sonstigen außerdienstlichen Berhaltmsse zu äußern

möchte meine Ausführungen nach zwei Rich- i..»nrtt gruppiren; die eine betrifft die f i n a n z i e l l e ente der Sache, wesentlich im Anschlüsse an den Ammtrefeicnten, und die zweite die Frage nach der Be- des Kleinbahnwesens alsLandesmelioratron. «as nun zunächst den ersten Theil betrifft, die finanzielle K-Ne der Sache, so gehen meine Erfahrungen, die, rote ^ bemerke, erheblich zurückliegen hinter der jetzigen für das Kleinbahnroesen maßgebenden Gesetzgebung, dahrn, dab Kleinbahnen überall da angebracht und finanziell a-ückett sind, wo es sich um die Beherrschung emes möalichst über das ganze Jahr sich gleichmäßig ver- tbeilenden Maffentransportes handelt oder wo die Dickiiakeit der Bevölkerung, insbesondere der industriellen Bevölkerung, groß ist und voraussichtlich die Benutzung der Kleinbahn durch letztere so stark werden wird, daß aus ibr sehr erhebliche Einnahmen erzielt werden. Ich spreche hier ganz speziell aus den Erfahrungen in zwei Gebieten, die das Kleinbahnroesen schon stark ausge­bildet hatten, ehe roir neuerdings durch die Gesetzgebung dazu angeregt roorden sind, nämlich aus den Erfahrungen in den schlesischen Jndustriebezirken, in welchen ich in den achtziger Jahren Regierungspräsident war, und aus den Erfahrungen in der Provinz Posen, wo ich Ober­präsident war.' Ueberall dort, m. H., wo die Kleinbahn die Aufgabe hat, Massengüter, seien dies Erze, Kohlen, Rüben oder sonstige derartige Produkte, aus bestimmten Bezirken an andere festliegende Verarbeitungs-Stellen abzuführen, und in Rückfracht Konsumartikel zurückzu­bringen, haben sich durchweg die Kleinbahnen als sehr nützliche, nothwendige und finanziell rentable Unter­nehmungen erwiesen. Auch Steinbrüche und Holz haben in dieser Beziehung ähnliche Erfahrungen gegeben, wenn auch nicht mit der gleichen Sicherheit, wie die erstge­nannten Artikel. Dagegen hat man die Erfahrung ge­macht, daß die Kleinbahnen dort, wo sie mehr dem täalichenSammelverkehr eines verschieden- -Mig gestalteten WirthschaftsgSbietes dienen sücn, ost finanziell nicht reüsstrt haben. Zum Theil Mt der Grund, wie der Herr Referent bereits hervor- agoben hat, darin, daß in diesen Fällen die Konkurrenz des Frachtwagens außerordentlich mitsprickt. In diesen Gebieten ist es für den einzelnen Produzenten sehr schwer erreichbar, die Wagenladungen zu füllen, dies fist aber die Voraussetzung einer vortheilhaften Benutzung der Kleinbahn. Wenn z. B. an irgend einem Punkte eine größere Mühle liegt, in welche die umliegende Gegend gewöhnt ist, ihr Getreide abzuliefern, so wird ein erheblicher Theil derjenigen Landwirthe, welcher in der Lage ist, für volle Transporte nach der Mühle die Kleinbahn zu benutzen, Vortheile von dieser ziehen; der­jenige Landwirih aber, der nicht in der Lage ist, ein größeres Quantum zu verladen, wird die Kleinbahn in den meisten Fällen nicht benutzen, er wird cs vorziehen, seine Transporte nach wie vor mit dem Frachtwagen zu bewirken, namentlich im Winter, wo die Gespann- kraft nicht anderweit dringend gebraucht wird. Solche Beispiele lassen sich in großer Zahl für die verschieden­sten Gewerbe verallgemeinern. Die Thatsachen, welche ihnen als Unterlage dienen, sind meiner Ueberzeugung »ach der Grund, weshalb in so vielen Fällen die Rentabilitätsberechnungen nicht Stich halten gegenüber den Ergehnissen bei dem Betriebe. Den Rentabilitätsberechnungen legt man oft nur ein ge­wisses Quantum Güter zu Grunde, das in einer ge­wissen Gegend produzirt und von A bis B transporiirt wird und glaubt nun, daß dieses Quantum unter allen Umständen dem neuen Unternehmen zugeführt werden »raffe, stellt darauf die Berechnung und übersieht, daß

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lieber bie Schurkereien, welche Alberto gegen ihn mit den Wechseln verübt hatte, verlor er kein weiteres Wort. Gegenüber von dem, was von den Elenden gegen Theodor gefrevelt worden, kamen sie nicht in Betracht. Er dankte dem Himmel, dessen Barmherzigkeit und Gnade doch zuletzt alles zu einem guten Ende geführt hatte. Als die Gäste das Meinhold'sche Landhaus verließen, war Mitternacht schon lange vorüber.

Nicht nur die nächste Umgebung, sondern auch weitere Kreise wurdendurchdieletztenVorkommniffe, die begreiflicher Weise nicht lange verborgen blieben, meinen förmlichen Aufruhr versetzt. Die Gemüther beruhigten sich jedoch ebenso schnell wieder, da Theodor aus seiner Zurückhaltung auch jetzt nicht heraustrat. .

Die Knaben siedelten vom Pfarrhause m das Jägerhaus über, wo ein Hauslehrer für sie au- gestellt wurde, während der Pfarrverweser den Religionsunterricht gab; dies geschah auf den besonderen Wunsch des alten Meinhold, der auf diese Weise seine Lieblinge in der Nahe behielt. , .. ...

Theodor hätte es nicht nothwendrg gehabt, in der untergeordneten Stellung zu bleiben, aber sie war ihm lieb geworden. Er versah deshalb nach wie vor den Försterdieust und beschrankte sich in der Hauptsache auf den dadurch bedingten Verkehr. Im Anker zu Jagstfeld dagegen machte er einen Ertrabesuch, wobei die Wirthiu, welche über die in der Meinhold'schen Familie vor sich gegangene Veränderung auch vollständig auf dem Laufenden war, beim Anblick ihres ehemaligen Gastes in nicht geringe Verlegenheit kam. Sie wußte noch recht gut, welch' schlimmes Urtherl

Da wurde die Thüre geöffnet und vor den Augen der Anwesenden zeigte sich ein rührendes Aild. Vor der Schwelle kniete inmitten der Minder, welche bittend ihre Händchen emporhoben, w Förster mit gebeugtem Haupte, während »mma und Judith, deren Augen voll Thränen stunden, ihre Arme um seinen Hals gelegt hatten.

*. Der geistliche Herr trat auf den Bankier zu, ?e,r sprachlos vor Verwunderung stand. Er ergriff mne Hand.

»Friede den Menschen auf Erden", wieder-

L°‘te er feierlich, „Versöhnung und Gnade! ... . .

mchen auch Sie, mein väterlicher Freund, zur der Schwestern und der Krnoer wgr mit tfreuben=