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26. Jahrgang

IuLöcl, Mittwoch, den 22. März 1899

rrut end VerUs ber Jfalbaer Hctienbnderti p«iersgaise ar. 2 (barmoitu).

genannte kleine Vorlage wird nach den Osterferien zuerst zur Berathung gelangen; alsdann werden die anderen Entwürfe in derselben Reihenfolge darankommen, in der sie hier aufgeführt sind. Die drei Verkehrsgesetz?, die alle dem Postfache angehören, werden im Plenum gemeinsam zur Berathung gelangen. Man sieht, das Pensum an Arbeit, das noch im Reichstage zu erledigen ist, ist nichts weniger als klein, und dement­sprechend wird die bald nach Weihnachten auf­getauchte Annahme immer mehr zur Wahrschein­lichkeit, daß der Reichstag mit diesem ganzen Arbeitspensum bis Pfingsten nicht fertig werden und nachher nicht geschloffen, sondern nur bis zum Spätherbste vertagt werden wird. Sonst müßte ein großer Theil der am Schlüsse der Tagung geleisteten Arbeit bei dem Beginne der neuen Tagung wieder von vorn angefangen werden.

Im allgemeinen haben die Verhandlungen des Reichstages während dieses abgelaufenen Winters denselben Charakter gehabt wie die Neuwahlen, die dieser ersten Sitzungsperiode vorausgingen: den. Charakter großer Ruhe. Unruhig ging e§ im Reichstage nur zu, als bei der zweiten Lesung des Justiz-Etats vom Freiherrn v. Stumm der Spruch des Dresdener Schwurgerichtes über den Löbtauer Fall in die Debatte hineingezogen wurde, und bei der zweiten Berathung der Heeres-Vor- lage, als das Damokles-Schwert der Auflösung über dem Reichstage hing. Man darf hoffen, daß dieser gute Ton auch die ferneren Verhand­lungen im Reichstage auszeichnen wird; wenigstens ist nach der Verständigung über die Heeres-Vor- lagen nichts mehr von Konflikts-Stoff in allen den Gesetzentwürfen zu spüren, die noch der Berathung und Erledigung harren.

Was die Wirthin zum Goldenen Anker in Jagstfeld ihrem Gast über den Bankier Meinhold erzählt hatte, stimmte mit den Thatsachen so ziemlich genau überein. Nach jener entjetzlichen Katastrophe, wo der einzige Sohn aus dem väter­lichen Hause entfloh, schien die Kraft des alten Herrn für immer gebrochen zu sein. Wie sein eigener Schatten ging er einher. Der Schlag hatte ihn zu empfindlich getroffen.

Dabei blieb es nicht. Schnell nach einander wurde eine ganze Reihe von Wechseln präsentirt, von denen jeder als Aussteller den Namen Theo­dor trug. Nicht der pekunäre Verlust war es, der den alten Herrn fast zur Verzweiflung brachte, sondern der Gedanke, daß es sein eigener Sohn gewesen, von dem sein Vertrauen so schmählich mißbraucht worden war. Augenscheinlich hatten mehr als zweifelhafte Ehrenmänner bei diesen „Geschäften" die Hände im Spiel, denen man bei einer Klage seinerseits ohne Zweisel auf die Finger geklopft hätte, aber damit wäre fern Name be­schimpft worden, und das wollte er nicht.Er warf nach der Bezahlung sämmtliche Falsifikate in's Feuer.

Allmählich raffte er sich wieder auf. Sein Geschäft aber freute ihn nicht mehr. Für seine alten Schultern allein war die Bürde zu schwer, und eine fremde Kraft an sich zu ziehen, paßte ihm nicht. Mit beiden Händen ergriff et des­halb die Gelegenheit, die sich zum Verkauf seines Bankinstituts bot. Er verließ mit seinen Töchtern und dem Diener Philipp die Residenz und sie­delte in das hübsch gelegene Landgut im Neckar­thal über, das er sich kurz vorher gekauft hatte. Hier führte er ein zurückgezogenes Einsiedler­leben und sah nur selten Besuch bei sich.

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verantwortlich: Lur die Redaktion Ios. Sau«, ' für Inserate 3. par-zeller in Fulda.

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hat gestern (Dienstag) seine Pforten geschlossen, um "bis zum 11. April in die Osterferien zu gehen. Im ganzen sind 61 Plenarsitzungen ttb- gehalie« worden, die erste am 6. Dezember vorigen Jahres. Daneben haben elf Kommifsionen gearbeitet, und auch diese haben es an Fleiß nicht fehlen lassen; hat doch allein die Budget- Ao m m i s s i o n nicht weniger als vierzig Sitzungen abgehalten.

Wenn man die Frage beantworten will, was öer Reichstag in diesem seinem ersten parlamen­tarischen Winter an größeren Gesetzentwürfen verabschiedet hat, so lautet diese Antwort: von größeren Vorlagen ist bisher nur die Vorlage, oder vielmehr sind bisher nur die beiden Vor­lagen über das Heerwesen neben dem Reichs- halte vollständig erlebiat worden. Außerdem hat vollkommene Erledigung gesunden tue Vor­lage über die Einrichtung eines besondern baye­rischen Senats beim Reichs-Militär­gericht in Berlin; aber wenn dieser Vorlage auch große Wichtigkeit und ihrer Erledigung eine sehr erfreuliche Bedeutung zukommt, so kann man sie unmöglich zu den größeren Gesetzent- würfen rechnen. Die Berathung darüber war im Reichstage auch mit einer Promptheit erledigt, die für recht viele andere Dinge und ihre Be­rathung zum Muster dienen kann.

Aber sehr umfangreich ist das Gebiet der begonnenen parlamentarischen Arbeiten. Zwei Lesungen hat in der Kommission durchgemacht die vom Abg. Rintelen beantragte Justiz­novelle und zwar in Verbindung mit dem von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurse über die Ersetzung des Voreides durch den Nacheid und die Bestrafung von falschen uneidlichen Aus­sagen vor Gericht. Sogar drei Lesungen hat die dasür eingesetzte besondere Kommission mit der Novelle zum Bankgesetze vorgenommen, und diese ist so weit gediehen, daß alsbald nach den Osterferien ihre zweite Berathung im Plenum wird vorgenommen werden können. In erster Lesung ist ferner in der Kommission erledigt worden das neue Invaliden-Versicherungs- Gesetz und die sogenannte „lsx Heintze" ist von der dafür ernannten Kommission in erster Berathung in Angriff genommen worden. Außer­dem find der kommissarischen Vorberathung über­wiesen worden das Hypothekenbank-Gesetz und ebenso der Entwurf über die gemeinsamen Rechte der Besitzer von Schuldverschrei­bungen. Die beiden letztgenannten Gesetzent­würfe" sind einer und derselben Kommission zur Vorberathung überwiesen worden; diese Kom­mission wird in der ersten Woche nach der Öfter« pause zu ihren Berathungen zusammentreten.

Nicht minder umfangreich ist die Liste ber« jenigen Gesetzentwürfe, die dem Reichstage zwar vorliegen, aber im Plenum noch gar nicht zur Berathung gelangt find. Das sind die neue Novelle zum Postgesetze, die Neuordnung der Fernsprechgebühren, das Telegraphen- Wege-Gesetz, das Gesetz über die Fleisch­beschau, die neue Novelle zur Gewerbe­ordnung und die Vorlage über das Flaggen­recht der Kauffahrteischiffe. Diese letzt-

Und fast genau so stellen sich die entsprechenden Ziffern in allen anderen größeren sowohl als auch kleineren rheinischen Städten. Die Ziffern in anderen Landestheilen werden kaum anders gestaltet fein.

X Im preußischen Herrenhause hat Graf Mirbach mit Unterstützung der konser­vativen Fraktion eine Interpellation einge­bracht, die folgenden Wortlaut hat: „Wann ist eine Gesetzes-Vorlage der königl. Staatsregierung betr. ein Jideikommiß - Hesetz mit Herab­setzung des Fideikommiß - Stempels zu erwarten?" Dieser Punkt dünkt dem Grafen Mirbach der wichtigste zu fein. Die meisten an­deren Leute sind bekanntlich anderer Ansicht und rotffen, daß das Fideikommiß - Wesen in vielen anderen Punkten der Reform dringend bedarf. Aber gut ist es auf jeden Fall, daß die Sache überhaupt einmal parlamentarisch zur Sprache gebracht wird. Denn feit Jahren wird stets von Neuem eine Reform des Fideikommiß-Wefens an- gekündigt, und stets von Neuem wird die Ein­bringung dieser Vorlage dann wieder unter aller­hand Vorwänden verschoben.

X In der Budget-Kommission des Reichs­tages ist, wie erinnerlich, eine Resolution ange­nommen worden, die die Unterstützung einer deutschen Expedition «ach dem Sndpote durch das Reich befürwortet. Man nimmt an, daß die Expedition für das Jahr 1901 gesichert fei, und aller Voraussicht nach wird die Expedition unter die Leitung des Privatdozenten D r. Erich von Drygaiski gestellt werden. Der genannte Gelehrte hat schon srüher eine größere Expedition nach polaren Gegenden ausgeführt, nämlich in den Jahren 1891 bis 1893 im Auftrage der Berliner Gesellschaft für Erdkunde nach Grönland.

0 Weimar, 21. März. Jrn Großherzog- thurn Sachfen-Weirnar wird demnächst ein Minister wechsel statifinden. Staatsminister von Groß will aus seinem Amte scheiden. Als Nachfolger wird der Bezirksdirektor Dr. Eucken in Addenhausen genannt. Staatsminister von Groß hat im weirnarischen Landtage selbst An­deutungen über seinen Rücktritt gemacht.

Deutsches Derch.

Berlin, 21. März.

4- Die Kritik, die im Reichstage an den Ausschm«rku«gs-Arbeite« im Ileichstags- Hebäude geübt worden ist, Hst die gewünschte Wirkung nicht verfehlt: der Geheime Baurath W a l l o t, der Erbauer des Reichstagshauses, hat an den Staatssekretär Grafen Posadowsky und an den Grafen v. Ballestrem, den Präsidenten des Reichstages, die Mittheilung gelangen lassen, daß er auf die Leitung der Ausschmückungs-Arbeiten im Reichstagshause verzichte und das ihm über­tragene Amt mit dem bevorstehenden 1. April niederlege. Geheimrath Wallot bezog bisher für die Verwaltung dieses Amtes noch immer ein Gehalt von 10 000 Mark jährlich. Angeblich soll Herr Wallot aber Leiter des Baues des in Aussicht genommenen Präsidialgebäudes des Reichstages werden. Man kann das nach allem Voraufgegangenen kaum glauben. Sollte es so sein, so würde das eine äußerste Selbstver­leugnung des Herrn Wallot bedeuten.

0 Nunmehr, nach beendeter zweiter Etats- berathung im Reichstage, stehen die Ziffer« des Aeichsharrshattes fest. Danach stellen sich die Ausgaben nicht wesentlich anders als in dem Etatsentwurfe der verbündeten Regierungen. Es sind immerhin an Ausgaben für Heereszwecke 2,269,121 Mk. gestrichen worden, 539,527 Mk.

Ci« Butll.

Roman der Gegenwart von Max Benno.

23 ------ (Nachdruck verboten.)

Es war für den jungen Mann eine Wohl- that, daß abermals die Signalglocke ertönte und die Wirthin ihn allein ließ.

Sinnend schaute et eine Zeit lang vor sich hin. ,O Guido," flüsterte er bann, „warum beachtete ich Deine Ermahnungen unb Warnungen nicht? Du bist nun glücklich, geliebt, verehrt unb angesehen! Ich könnte es auch fein; aber ich selbst habe meine Zukunft verscherzt. Hätte ich mich boch damals in meiner rathlosen Verzweif­lung in Deine Arme geworfen, statt in diejenigen der Elenden, durch welche der unerhörte Ver- rath an mir verübt worben ist! Jetzt ists zu spät. Ich wollte Dick aussuchen unb mein Weh an Deinem treuen Freundesherzen ausweinen, aber nun sehe ich den Weg auch dahin versperrt. Ich darf nicht als ein Störer Deines Friedens und Deiner Liebe erscheinen, ich bin es der Schwester schuldig und Dir. Ich muß fort, hinaus unter fremde Menschen, muß dulden und tragen, was mir durch eignes Verschulden auf­erlegt worden ist. Aber sehen muß ich sie noch einmal, ihn und die Schwestern, unb gebe Gott, baß mich meine Hoffnung nicht täuscht."

Ec begab sich in bas Gasthaus unb theilte der Wirthin mit, baß er nach Heilbronn fahren, Abends aber wieder zurückkommen werbe.

Dann begab er sich in sein Zimmer, öffnete einen Koffer unb steckte eine Anzahl Banknoten zu sich.

Mit bem nächsten Zug reifte er ab.

Aus dem Reichstage.

61. Sitzung vom 21. März.

Aeußerlich bietet der Reichstag am Dienstag das­selbe Bild wie am Montag: mäßig besetztes Haus, stark besetzter Bundesrathsttsch. Eine Reihe von Etatsvosten ist noch zu erledigen aus verschiedenen Etats, und so­mit müssen auch die Herren anwesend sein, zu deren Ressort diese Etatsposten gehören. Man steht die Staats­sekretäre Hraf posadowsky, Irhr. von Hhlekman«, Aie-erdtrrg, von Akkow, von podviekski und den preußischen Kriegsminister von Hotzker.

Bor dem Eintritte in die Tagesordnung erhält Präsident Kraf von Mallekrein die erbetene Er- mächtigung. dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe zu dessen 80. Geburtstage die Glück- und Segenswünsche des Reichstages auszusprechen. (Der Geburtstag fällt auf den 81. März (Charfreitagj. D. Red.).

Beim Etat des Auswärtigen Amtes fragt Abg. Eugen Michter an, welches Ergebniß die Verhand­lungen mit Eecil Rhodes gehabt haben über den Bau einer Telegraphen- und Bahnlinie durch das deutsch­afrikanische Schutzgebiet und ob es wahr fei, daß die südwestafrikanifche Bahn vor Swakopmund bis Wind­hoek bis in die englischen Gebiete fortgeführt werden solle.

Staatssekretär von Dükow antwortet, alle Einzel­heiten könne er heute nicht mittheilen, da die Verhand- felbft aufhält, hat uns Karten geschickt. Du er­laubst doch, baß. . . ."

D-r alte Herr hob stirnrunzelnb ben Kopf.

„Das geht nicht," fiel er ber Tochter in's Wort. Ihr Mäbchen könnt boch nicht allein auf bas Fest, unb baß ich von solchen Belustigungen nichts wissen will, weißt Du."

„Die Base kommt aber boch mit Julie auch hin," meinte Emma kleinlaut, „unb Guibo ver­sprach schon vor einigen Wochen, baß er uns einführen wolle."

Ein Pochen an bie Thür zog bie Aufmerk­samkeit Meinhold's auf sich, so baß Emma auf ihren Einwand keine Antwort erhielt.

Er rief „Herein" unb berjenige, besten Namen soeben genannt worben war, Guibo Harras, be­trat bas Gemach.

Es war noch bie jugenblich kräftige Gestalt, wie an jenem Tage, wo er vor ber Abreise nach ber Heirnath seinem Freunbe Theobor bie wohl­gemeinten Ermahnungen gab, nur etwas ge- brungener erschien sie unb bas hübsche Gesicht umrahmte ein dichter, blonder Vollbart. Er trug ganz schwarzen Anzug und einen glänzenden Seidenhut in ber Hand.

Bei seinem Anblicke erglühte Emma bis ube i die Stirne hinauf und auch bie Wangen Guibo's färbten sich höher.

In augenscheinlicher Verwirrung grüßte bas Mäbchen unb huschte durch eine Seitenthür hinaus.

Erstaunt betrachtete ber Bankier ben jungen Mann, besten feierliche Miene ihm nicht entging.

„Was ist denn los, mein lieber Guibo," fragte er, „baß Du heute so ceremoniös unb gemessen austrittst? Das ist man boch sonst nicht von Dir

an fortlaufenben und 1,729,294 Mk. an ein­maligen Ausgaben. Außerbem ftnb 61,000 Mk. in Sübwestafrika und 400,000 Mk. bei ber elektrischen Centrale in Mühlhausen gestrichen worden. Die Summe, bie durch neue Reichs­anleihe zu decken ist, verringert sich dadurch um 2,822,601 Mk. Aber bas Etatsjahr schließt dann immer noch mit einem Fehlbet rage von 87,098,588 Mark ab, ber burch neue Reichs­anleihe gedeckt werden muß.

0 Die Kommission des preußischen Abgeord­netenhauses für die Vorberathung der Anträge Mies (Cft.) unb Weyerbusch (freikonf.) auf Entlastung ber Hausbesitzer bei ber Gebäudesteuer hat diese Anträge abgelehnt. Antrag Mies ist mit 9 gegen 4, Antrag Weyerbusch mit 8 gegen 5 Stimmen abgelehnt worden. Dagegen ist mit starker Mehrheit eine Resolution an­genommen worben, bie bie Regierung barum er­sucht, auf eine zweckmäßigere Gestaltung ber Ksmmunaken Aeöä«dester»er Deranka guufl hinzuwirken, namentlich aber auf mög­lichste Entlastung ber kleinen Haus­besitzer. Aber auch mit dieser Resolution scheint die Regierung noch nicht einverstanden zu sein. Die anwesenden Vertreter der Regierung erklärten in ber Kommission, daß ihnen diese Resolution „einerseits unnöthig, anderseits nicht unbedenklich erscheine"; sie suchten nämlich darzuthun, daß aus ber Annahme dieser Resolution „mißverständliche Auffassungen in ben Gemeinben unb Verwirrung bes Gemeinbehaushaltes" entstehen werbe. Daß sie bamit bie Mitglieber ber Kommission nicht überzeugten, geht aus ber Thatsache hervor, daß bie Resolution mit starkerMehrheit angenommen würbe.

+ Welche ungemein starken Verschiebungen unter der Wirkung ber neuen preußischen Steuer­gesetze in ber Zusammensetzung ber Wählerklaffen bei ben preußische« KornnmnalwaHke« statt­gesunden haben, bas geht recht brastisch aus einer Zusammenstellung hervor, bie ber ,Franks. Ztg/ aus ber Rheinprooinz zugesanbt worben ist. Ueberall hat sich bie Zahl ber Wähler in erster und zweiter Klaffe stark oerminbert, bie Zahl ber Wähler ber dritten Klasse demgemäß ebenso stark vermehrt — kurz man sieht ganz deutlich in klaren, unwiderlegbaren Ziffern dargestellt, wie das Verhältniß zu gunften einiger wenigen reichen Leute verschoben worden ist. In manchen rheinischen Städten beträgt neuerdings bie Zahl ber Wähler erster Abtheilung nicht mehr ein Prozent ber gesummten Wähler­schaft! Ueberall aber ist ber Prozentsatz der Wähler ber ersten unb zweiten Klaffe in ben Jahren von 1891 bis 1898 bis auf ein Drittel unb ein Viertel ber früheren Ziffern zurück­gegangen ; unb btt kämpfen „liberale“ Blätter von bem Schlage ber .Kölnischen Zeitung" mit Berserkerwuth gegen eine Beseitigung so schreien- ber Ungerechtigkeiten — eine merkwürdige Art von Liberalismus! Um ein Bild zu bekommen von der ziffermäßigen Vertheilung der Wähler auf bie einzelnen Abheilungen, genügt ein Bei­spiel. Die Anzahl ber Wähler betrug in Köln nach Prozenten

1. Klasse 2. Klasse 3. Klasse t 1891 636 =3,390/o 3233 = 17,23° o 14,897=79,38°. 133898 256 = 0,70°/. 2116= 5,77° o 34.291=93,16° o

Auck bezüglich seiner Gesinnungen gegen den verschwundenen Sohn hatte die Wirthin die Wahrheit gesagt. Es war den Töchtern und Philipp förmlich verboten, von Theodor zu sprechen, und von diesen gewarnt, ehrten auch andere diesen entschiedenen Willen des Haus­herrn . . .

Der Bankier saß beim Frühstück und durch­musterte die Zeitungen, welche der Postbote so­eben gebracht hatte. Dg fiel fein Blick attf eine Notiz' aus Amerika, des Inhalts, daß in den Felsengedwgen von zwei süddeutschen ehemaligen Forstleuten eine Goldmine von ungeheurer Er­giebigkeit entdeckt unb um einen fabelhaften Preis an ein Konsortium von Bankhäusern verkauft worben sei. Die Sache interessirte ihn als Fach­mann, sie machte aber, ba er schon mehr als einmal Gelegenheit gehabt hatte, amerikanische Uebertreibungen kennen zu lernen, keinen weiteren Eindruck auf ihn.

Die Thüre wurde geöffnet und feine älteste Tochter Emma trat ein. Sie glich einer voll entfalteten Rose, bie thausrisch vom buftenben Strauch gestückt worben ist. Sie trug Gebetbuch unb Rosenkranz in ber Hanb zum Beweise, baß ber Gottesdienst von ihr besucht worben war.

Sie grüßte ben Vater mit kindlicher Innigkeit und fragte nach einer Weile mit schelmischem Augenaufschlag:

„Papachen, hat Judith Dir noch nichts gejagt?

Der Bankier schüttelte als Antwort nur feinen Kopf.

„Ach, bas vergeßliche Ding," schmollte Emma, „morgen ist boch das Herbstfest ber grünen Stube in Heilbronn unb Kanzleiraths Julie, bie sich ba-