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^"nwr paiila"■' mit Itnterßatlungs-Aeitage „IHuIIrirte Sonntags'Aeitung•6 peterszage Ne. L (Harmonie).
JuLöcl, Dienstag, den 21. Februar 1899.
26. Jahrgang.
O Paris ist ruhig!
Daß Herr Dsroulöde sich nicht dabei be- ruhiaen würde, daß er auf die Anordnung des Herrn Loubet hin am letzten Samstag aus dem Kongreßsaale im alten Königsschloffe in Versailles höflich aber bestimmt durch einige Diener hinausgeleitet wurde, konnte man von vornherein annehmen. Aber es war ebenso anzunehmen, daß seine Bemühungen, Lärm zu schlagen, vergeblich sein würden, und in der That sind alle Versuche fehlgeschlagen, Paris ein wenig in Aufruhr zu versetzen — Paris ist ruhig.
Freilich tobt die Presse zum Theil geradezu gegen den neuen Präsidenten. Ausdrücke wie „Hochverräter" sind noch lange nicht die schlimmsten, die gegen denselben gebraucht werden. Und in den späten Abendstunden am Tage nach der Wahl entstand zum Theil auf manche» Boulevards ein geradezu gefährliches Gedränge. Gegen Mitternacht von Samstag auf Sonntag wurde aber ein größeres Aufgebot von Polizisten und Militär entfaltet, und es dauerte gar Nicht lange, bis auf den Straßen wieder Ordnung herrschte, nachdem eine Anzahl der Hauptschreier verhaftet worden war. Auch Kundgebungen für den Herzog von Orleans wurden angeschlagen, aber ebenso schnell, wie diese angeklebt waren, wurden sie von der Polizei wieder entfernt. In die eigentlichen Massen des Volkes ist die Bewegung gar nicht gedrungen; und am Sonntag Nachmittag erhielt die Polizei den allerbesten Gehilfen zur Herstellung der Ordnung in einem feinen anhaltenden und durchdringenden Regen — überall und namentlich in Paris eines der besten und sichersten Mittel gegen Straßenputsche.
Man braucht kein politischer Freund des Herrn Loubet sein und muß unter den herrschenden Umständen dessen Wahl zum Präsidenten dennoch als ein angenehmes Ereigniß begrüßen. So gehören die Sympathieen der Katholiken ohne Zweifel viel mehr Loubet's hauptsächlichem Gegenkandidaten, Herrn Moline. Aber die Haupt- und Kardinalfrage ist jetzt die: welches Staatsoberhaupt Frankreichs gibt die beste Gewähr für den Frieden — und diese Frage ist durch die Wahl Loubet's in befriedigender Weise be- gntwortet. Diese Auffassung herrscht auch in Berliner Regierungskretsen durchaus vor, und so muß man, wenn auch mit einer gewissen Wehmuth, zufrieden sein mit dem, was geschehen ist. Eine Umwälzung in Frankreich und die Wiedererrichtung einer katholischen Monarchie würde nach dem Herzen Vieler — auch in Deutschland! — sein. Aber für den Frieden ist es, wie es ist, vielleicht am allerbesten.
Deutsches Deich.
Berlin, 20. Februar.
X Die Vorlage der preußischen Regierung im Herrenhause über die allgemeine Einführung des Ah«rfreitages als Feiertag in Preußen ist bekanntlich eingebracht worden, ohne daß die Regierung für nöthig befunden hätte, auch nur mit einem Worte nach der Ansicht der katholischen Bischöfe über diese Sache zu fragen. Dieses Vorgehen fordert sogar den
ftbtr, Schnürt und Mel.
Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.
Von Philipp Wasserburg (LaicuS). .
63 ------ (Nachdruck verboten.)
„Da liegt der arme Junge,' rief Jeddingen, indem er auf die Straße treten wollte. „Es war ein guter Bursche und hat sein Leben für Euch gegeben."
„Mansfeld?" sagte Gerda und eilte zu Jed- dingen, der sich über den Sterbenden herabbeußte.
„Ah," meinte Gumbert. „Der kecke Bursche, der uns bei der Flucht Gilbens half. Schade! Aus dem hätte etwas werden können!"
„Du armes Kind," sagte Gerda niederknieend, „was kann ich Dir thunen?"
ES schien, als ob bei diesen schmerzlichen Worten neues Leben in den Körper der Pagen zurückkehrte. Er öffnete nochmals die Augen und blickte Gerda fast verklärt an.
..Gebt mir Eure Hand," sagte er mit ge- brochezer Stimme „und versprecht mir, daß Ihr manchmal an mich denkt .... Hab' ich Euch nicht gesagt, daß ich für Euch sterben könnte .... Und seht .... ich habe Wort gehalten .... Gott sei mir gnädig!"
Seine Brust hob sich zu einem letzten Athem- suge, eine Blutwelle drang auS seiner Wunde, noch ein leises Röcheln, dann streckte sich der Körper des Jünglings. Seine Seele war ent- flohen.
„Da seht die Schurken! Da find welche! wieder mit ihnen!"
Tadel solcher Blätter heraus, die, wie beispielsweise die freisinnige ,Vossische Zeitung' in Berlin, der katholischen Kirche nichts weniger als freundlich gegenüberstehen. „Es ist," so schreibt in diesem Sinne das genannte kulturkämpferische Blatt, „sicherlich zu bedauern, daß der Kultusminister sich nicht mit den Bischöfen verständigt hat." Der preußische Episkopat hat beim Staatsministerium sowohl als auch besonders beim Kultusminister einen ausführlichen begründeten Protest gegen die Vorlage eingebracht.
* Das Eentrakkomitee für die cheneral- verfammkrmg der Kattzokike« Deutschlands, das bekanntlich auf der Krefelder Versammlung an Stelle des bisherigen Kommissars der Generalversammlung Fürst Löwenstein gewählt wurde und an dessen Spitze Graf DrosteVischering steht, wird Dienstag den 28. Februar im Hotel Monopol in Berlin zu einer Sitzung zusammentreten. Es wird sich da namentlich mit der Vorbereitung der nächsten Generalversammlung in Neisse beschäftigen.
• Das Kerrenhans tritt morgen (Dienstag) Nachmittags 2 Uhr zu seiner 3. Plenarsitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stehen kleinere Vorlagen. — Kardinal-Fürstbischof Kopp ist behufs Theilnahme an den Verhandlungen des Herrenhauses heute Abend in Berlin eingetroffen.
X Die Kommission deS Reichstages für die Vorberathung der Novelle zum Ileichsvank- Kesetz hat bereits mehrere Sitzungen abgehalten. Die Berathung ist bis zur Erledigung des ersten Paragraphen des Gesetzentwurfes gediehen, der von der Erhöhung des Grundkapitals der Reichsbank handelt. Stach dem Entwürfe der verbündeten Regierungen wird bekanntlich verlangt, daß dieses Grundkapital um 30 Millionen, nämlich von 120 auf 130 Millionen erhöht werde. Die Konservativen sind damit, wie ebenso bekannt, nicht einverstanden. Diese wollen die Reichsbank verstaatlichen, und in diesem Sinne brachte der konservative Abg. Graf Kanitz einen Antrag ein, wonach zwar auch das Grundkapital erhöht werden soll, aber gleich um 80 Millionen, und diese 80 Millionen sollten in 40,000 Antheilen zu je 2000 Mk. vom Reiche übernommen werden. Außerdem beantragte der freifonf, Abg, Gamp eine Erhöhung des Grund- kapitalr um ebenfalls 80 statt 30 Millionen, aber Begebung derselben in 80,000 Antheilen zu je 1000 Mk. an private Antheilnehmer. Aber die Kommission hat mit starker Mehrheit, nämlich mit 18 gegen 8 Stimmen, diese Abänderungs-Anträge abgelehnt und den ersten Paragraphen nach dem Vorschläge der Regierung angenommen. An diesem Dienstag soll die Berathung der Kommission fortgesetzt werden. Die schwierigste Frage in den ferneren Berathungen ist diejenige von den Privatnotenbanken. Aller Voraussicht nach wird da der Regierungs- Entwurf mit.seinen harten Bestimmungen über zwangsweisen Diskontsatz der Prioatnotenbanken nicht unverändert angenommen werden. Der Centrumsabg. Müller- Fulda hat einen Antrag eingebracht, wonach die neuen Anthellscheine im Wege öffentlicher Zeichnung begeben werden sollen und die Theilung des neuen Grundkapitals im Betrage von 150 Millionen Mark in 40,000 Antheile von je 3000
Es war der Schreiner Bernd Werner in Stahlhelm und Ringkragen, der in der einen Hand den abgebrochenen oberen Theil einer Hellebarde wie eine Streitaxt trug, mit der anderen auf die beiden Kürassiere deutete, die auf der Straße standen, während die Uebrigen noch im Hause Locana's waren. Hinter ihm drängte sich aus einer Nebengasse ein wilder Haufe Volkes in allen möglichen Gemässen; zehn bis zwölf Männer trugen angezündete Fackeln. ES war eine jener fanatischen Banden, die umher- zogen, Magdeburg in Brand zu setzen. Die beiden Lkürassiere erschienen ihnen als willkommene Beule und im Sturmschritt kamen sie die Straße herab.
„Zu unS!" schrieen die Kürassiere. Und im Nu waren die übrigen Gepanzerten zur Stelle, die nun die Straße absperrten.
„Mit Sott für Kaiser und Reich!" rief Sum- bert mit geschwungenem Pallasch vorspringend. Hinter ihm drein raffelte die eiserne Reihe und der wilde Haufe zerstob bet ihrem Nahen nach allen Richtungen hin.
Ei» furchtbares Krachen erschütterte die Luft. DaS brennende Dach in dem Hause Locana'S war zusammengestürzt und der nach der Straße gerichtete Giebel, der einzige Schutz gegen die brennenden Balken, neigte sich langsam vornüber.
„Zurück, wem fein Leben lieb ist!" rief Jeddingen, der daS Unheil vorausgesehen, mit seiner krähenden aller durchdringenden Stimme den Kürassiere» zu. Ein Augenblick ließ dieselben die Gefahr erkennen, in welchem sie sich Unter dem schwankenden Giebel befanden und der Letzte war kaum durch, so stürzte der Giebel donnernd auf
Mark und in 30,000 Antheile von je 1000 Mark erfolgen soll. Die Sozialdemokraten wollen beantragen, daß der Reingewinn der Antheils- inhaber herabgesetzt werde.
© Das Kapital der Gentrakgertosseu- schastskasse darf nach einem Beschluffe, den der voraufgegangene preußische Landtag in seiner letzten Tagung gefaßt hat, von 40 auf 50 Millionen Mark erhöht werden. Von dieser Ermächtigung wird nunmehr Gebrauch gemacht werden, und gleichzeitig soll vom 1. April ab der Zinsfuß der von der Kaffe zu gewährenden Kredite auf 3'/8 v. H. herabgesetzt werden. Das Verhältniß der Rückzahlungen zu den Darlehen hat sich in unserer Zeit fortgesetzt gebeffert: int ersten Geschäftsjahre wurden nur 59, im zweiten 64, im dritten 84'/, v. H. der entliehenen Summen zurückbezahlt, und dieses Verhältniß scheint fortgesetzt noch günstiger zu werden.
+ In dem neuen Entwürfe des Bundesraths über die Ileischöescha« wird vermuthlich die Behandlung von ausländischen Fleisch- waaren Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen werden. Dem Bundesrathe wird nach dem Entwürfe der verbündeten Regierungen freie Hand gelassen über die Behandlung ausländischen Fleisches und ausländischer Flelschwaaren: „Dem Bundesrathe — so heißt eS in dem Entwürfe — ist die Ermächtigung ertheilt, Fleisch, deffen Unschädlichkeit für die menschliche Gesundheit in zuverläfstger Weise im Inlands sich nicht mehr feststellen läßt, von der Einfuhr auszn- schließen und anderseits für Fleisch, das erfahrungsgemäß vermöge der Art feiner Gewinnung und Zubereitung nicht gesundheitsgefährlich ist, Erleichterungen hinsichtlich der Untersuchung zu gewähren." Diese Bestimmung in dem Entwürfe geht den Einen nicht weit genug, weil sie dem Bundesrathe vollkommen freie Hand läßt auch in der Behandlung des amerikanischen Büchsenfleisches; diejenigen Kreise aber, die vor allen Dingen das Jntereffe der Händler vertreten, also die Freisinnigen und verwandte Richtungen, sind der Ansicht, daß umgekehrt dem Bundesrathe die Ermächtigung nicht ertheilt werden dürfe, diese Einfuhr auszuschließen.
Aus dem R^tchslage.
«O 37. Sitzung vom 20. Februar.
Das Haus ist mäßig besetzt. Am Bundrsraths- tische: Nieberding.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst Wahlprüfungen.
Ohne Debatte werden entsprechend dem Anträge der Kommission 27 angefochtene Wahlen für gütig erklärt, darunter die Wahlen der Abgg. Prinz zu Hohenlohe- Schillingsfürst (kons., 10. Elsaß-Lothringen), Graf Kanitz (kons, 2. Gumbinnen), Müller-Fulda (Ctr., 1. Wiesbaden) und Dr. Endemann (ntl., 2. Kassel).
Die Wahl des Abg. Sachse (Soz., 10. Breslau) wird gemäß dem Anträge der Kommission beanstandet, ebenso die Wahl des Abg. Förster-Sachsen (kons.).
Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. Aenderungen der Civil- und der Strafprozeß- Ordnung, sowie die Bestrafung falscher unridlicher Aussagen.
Abg. Dr. Mi«1«ke« (Ctr.): Die Materie ist schon in der Kommission wie im Plenum so eingehend erörtert worden, daß ich heute im Einzelnen auf dieselbe nicht eingehen will. Nun hat die 6. Kommission an« die Straße und bildete so eine hohe Verrammelung zwischen den Kürassieren und dem Volke, das sich nach dem ersten Schrecken etwas erholt hatte und, von Bernd Werner's Vorwürfen angefeuert, wiederum gegen die sechs Mann vorrückte.
„Zurück, Kürassiere! Nehmt die drei in die- Mille!" Dagegen half kein' Sträuben mehr. Locana's Kostbarkeiten lagen unter den Trümmern vergraben, feine noch vorhandenen Vorräthe waren vernichtet. Geschäftsbücher hatte er keine mehr. Er hatte mit seiner Tochter nichts als das nackte Leben und seinen alten Buchhalter, welcher die stürmischen Tage mit ihm theilte, wie er die guten mit ihm genossen hatte. Es bedurfte nur einer Sekunde, um daS Alles vor seinem Geiste vorüberziehen zu lassen; dann trat eine Thräne in daS Auge des Uten Mannes, welcher feit dem Tode seiner Frau nicht mehr geweint' hatte, und auf die Schulter feiner Tochter gestützt, kehrte er sich langsam von den Trümmern seines Hauses und entfernte sich wankenden Schrittes mit den Panzerrettern.
Um Jeddingen kümmerte sich Niemand. Er hatte wenig verloren. Um seine Person hatte er sich nie Sorge gemacht und feinen Herrn hatte er ja doch. Leid that ihm nur der junge Mansfeld, dessen Leiche unter den brennenden Trümmern lag. Er hatte an dem kecken Wesen deS Burschen Gefallen gefunden.____________
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ES kann nicht unfereAnfgabe fei»,die EchreckenS- fctnen zu schildern, welche der Einnahme Magdeburgs folgten. Der Widerstand, den die Stadt leistete, hatte die kaiserlichen Truppen mächtig er«
läßlich der von uns eingebrachten Anträge die in der Vorlage berührte Materie schon zur Berathung überwiesen erhalten, hat die Berathung aber ausgesetzt, um zunächst die Regierungsvorlage abzuwarten. Ich beantrage daher, die Vorlage der 6. Kommission zur Vorberathung zu überweisen. (Beifall.)
Abg. ». Sakisch (kons.) erklärt sich mit der Rom» missionsberathung einverstanden, wenn er es auch lieber gesehen hätte, daß die Vorlage gleich en bloc angenommen worden wäre.
Abg. Mastermann (ntl.): Ich kann ein Bedürfnis für die Vorlage nicht anerkennen. Der Nachweis,, daß der Nacheid wirksamer gegen Meineide schütze als der Voreid, ist nicht erbracht, noch weniger kann ich. mich für die Einführung der Maffenvereidigung er» wärmen.
Staatssekretär Mieverding verwies zur Begründung der Vorlage darauf, die neue Militärstrafprozeßordnung den Nacheid eingeführt habe und daß der letztere im vorigen Jahre von einer überwältigenden Mehrheit gefordert worden sei.
Abg. Kirsch-Düsseldorf äußerte Bedenken gegen die Bestrafung auch uneidlicher falscher Aussagen und hielt die Einführung der Berufungin Strafsachen für wichtiger, als die Nacheid-Vorlage.
Schließlich wird die Vorlage der Justizkommisfion überwiesen.
Morgen: Etat. Reichsschatzamt, Zölle und Verbrauchssteuern, Stempelabgaben.
Aus -ew ßandlage.
Abgeordnetenhaus. — 24. Sitzung v. 20. Febr.
Das Haus ist schwach besetzt. Am Ministertischer Schönstedt.
Das Haus tritt in die zweite Berathung des Etats der Justizverwaltung.
Im wesentlichen führten nur die Juristen das Wort. Der Abg. Ariitt (freikons.) wünschte, der Justizminister möge die Staatsanwälte anweisen, den sozialdemokratischen Agitatoren bei den Reichstagswohlen schärfer auf die ginger zu sehen und sie namentlich aus den Wahllokalen ausweisen zu lassen.
Der Justizminister erklärte, diesem Wunsche nicht Folge geben zu können, da nach den Entscheidungen der Wahlprüfungskommission des Reichstages und des Oberverwaltungsgerichts unbescholtene Leute nicht aus dem Wahllokale ausgewiesen werden dürften.
Auf eine weitere Anregung erklärte der Justiz - Minister, daß eine Neuorganisation des Gerichtsvollzieherwesens vorbereitet werde Und voraussichtlich «ine Vorlage dem Hause noch in dieser Session zugehen werde.
Der Centrumkabgeordnete Schmitz (Düffeldorf) beklagte sich über die nicht genügende Würdigung der Justiz seitens der Finanzverwaltung, über die lieberbürbung der Richter, die sich dabei noch in das bürgerliche Gesetzbuch einarbeiten sollten, über die Zunahme der Majestäts- beleidigungsprozeffe rc. rc.
Der Justizminister bestritt, daß die Majestäts- beleidigungsprozeffe sich vermehrt hätten, in der Begnadigungsfrage würde Material bearbeitet.
Der Abg. Dr. Pilirich sprach den Wunsch aus, daß bei der Anstellung von Amtsrichtern in katholischen Gegenden möglichst solche katholischer Religion berücksichtigt werden möchten.
Morgen: Fortsetzung.
Ausland.
* Saris, 20. Febr. In der Deputirten- fammer brachte heute Ministerpräsident Dupuy für das Begräbniß deS Präsidenten Faure auf Staatskosten eine Kreditvorlage von 160,000 Fiks. ein, von denen 80,000 Frks. für die Trauerfeierlichkeiten im Auslande dienen sollen. Die Dringlichleit und sofortige Berathung werden von der Kammer beschlossen. D s j e a n t e (Soz.) verlangte, daß beim Begräbniß die Geistlichkeit völlig ausgeschlossen werde und vertheidigte seinen Unterantrag unter leb»
bittert und diese Erbitterung stieg aufs Höchste, alS sie die Stadt, deren bewegliche Habe ihnen nach dem damaligen Kriegsrecht als Beute zufiel, in Flammen aufgehen sahen. Als der Widerstand gebrochen war, begann das Plündern und inzwischen griffen die Flammen, die Niemand löschte, mit furchtbarer Gewalt um sich. Tilly ließ Generalmarsch schlagen und befahl, die Gluth zu löschen. ES ist eine eigenthümliche Ironie der Geschichte, daß Tilly, der zweihundert Jahre als der Brandstifter Magdeburg« galt, thatsächlich derjenige war, welcher das verheerende Element zu bändigen suchte. Es ist ein BeweS, welche im dreißigjährigen Kriege sonst unerhörte Manneszucht Tilly hielt, daß er seine plündernden Soldaten zusammenbrachte, und wie sehr damals die dreistündige Plünderung erstürmter Städte herrschender Kriegsgebrauch war, dem Niemand sich entziehen konnte, beweist eine Konzession Tilly'S, die er den ihn deshalb angehenden Obristen machte.
AlS nämlich Tilly Generalmarfch schlagen ließ, wurde ihm vorgestellt, daß die drei den Soldaten gebührenden Stunden erst zur Hälfte vorüber feien, und Tilly mußte sich dem Verlangen fügen, dass die andere Hälfte nach gelöschtem Brande nachgeholt würde. So sehr war das mit den damaligen Anschauungen verwachsen.
DaS Feuer wurde schließlich gelöscht, das heißt, es gelang den ungeheuersten Anstrengungen der Tilly'schen Soldaten, den Dom und einen gegen Suderburg hin gelegenen Stadttheil vor den Flammen zu schützen; daS Andere brannte auS.
Und als dann während der den Truppen noch zustehenden anderthalb Stunden geplündert werden durste, da hatte vorher Ttlly den Dom als Asyl