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— wenn's nicht mitten in der Stadt wäre, würde ich darauf schwören, es sei eine Mine."

„Eine Mine? Vater! Was ist das?"

„Sieh her, Kind," antwortete Locana, seine Tochter herbeiwinkend. „Etne Mine, das ist ge­rade ein solcher Raum, in welchen man Pulver bringt, und wenn das Pulver sich entzündet, dann reißt seine Gewalt Alles aus einander. .. Nun?"

Das letzte Wort richtete er an seinen alten Büchhalter Jeddingen, der eben eingetreten war.

„Es muß ein Teufel in die Leute gefahren sein, Herr Locana," sagte dieser. „Man müsse sich rüsten auf Tod und Leben. Eher solle ganz Magdeburg in Feuer aufgehen, als daß es die Kaiserlichen bekämen."

„WaS soll denn das aber bedeuten?" fragte Locana, auf das Treiben in der Straße deutend.

„Sie bauen Mtnen in der halben Stadt. Man erzählt sich, daß Pappenheim gestern Ver­stärkungen bekommen; andere wollen wissen, es sei die Vorhut des Tilly'scben Heeres, der den Schwedenkönig stehen gelassen, und geschworen habe, Magdeburg zu nehmen, wie er Neubran­denburg genommen."

„Woher soll man das wissen?" fragte Locana kopfschüttelnd. „Das sind Gerüchte, die erfunden sind, um die Leute toll zu machen."

„Aber die Leute werden toll davon," ant­wortete der alte Buchhalter. „Ihr solltet sie in der Nähe sehen. Jeder geberdet sich wie ein zweiter Gedeon."

„Vater, foöten wir nicht die Stadt verlassen?" fragte Gerda.

Locana schüttelte den Kopf.

uldaer

26. Jahrgang.

IuLöa, Dienstag, den 7. Februar 1899

A 30

ZnseratrrDieeii» spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechens. Rabatt gewährt.

Georg Leo v. Caprivi de Caprera de Monte- tcuculi war am 24. Februar 1831 als Sohn des Obertribunalsraths v. Caprivi zu Berlin ge­boren. Im Jahre 1849 trat er als Avantageur in das Kaiser Franz-Grenadier-Regiment ein, machte die Kriege von 1866 als Major im großen Generalstabe und 1870 als Chef des Generalstabes des 10. Armeekorps mit, wurde 1872 Oberst, 1878 Brigadekommandeur in Stettin, 1881 in Berlin und 1882 Divisionskommandeur in Mainz. Nach dem Rücktritt v. Stosch über­nahm Caprivi im März 1883 unter Beförderung zum Vizeadmiral die Leitung der Admiralität. Unmittelbar nach dem Tode Kaiser Friedrichs reichte er seine Entlassung ein und übernahm bald darauf das Kommando des 10. Armeekorps in Hannover. Nach der Entlassung Bismarcks am 20. März 1890 übernahm Graf Caprivi das Reichrkanzleramt und das preußische Minister­präsidium.

Dem Manne Caprivi waren Zeit seines Lebens die Sympathien aller gut gesinnten Men­schen zugewandt. Dies bewirkten gemeinsam sehr viele sehr vortreffliche Eigenschaften, deren der Mann Caprivi sich rühmen konnte: überaus strenge Rechtlichkeit und Biederkeit der Gesinnung, ein außerordentlich stark ausgeprägtes und ausgebil­detes Pflichtgefühl, große Einfachheit und schlichte Gradheit seines Wesens, Denkens und Auftretens, gepaart mit ungewöhnlicher Liebenswürdigkeit —

»ritd nnt> Verlag der Suldaer Aciiendruckeret p-t-rsgaii« Nr. - (Larmouie).

mit Anlerhaklnngs-Aetkage „Mustrirte Sonntags-ZeitungS‘

so gethan" werden, im Ernste aber nichts Rechtes geschehen für die Angestellten im Handelsgewerbe. Aber nun gewinnt es doch den Anschein, als wolle der Entwurf nicht so ganz inhaltlos aus­fallen; namentlich wird neuerdings berichtet, dass auch bestimmte Verordnungen über den Laden­schluß darin enthalten fein sollen. Nach diesen Berichten sollen zwar keine gesetzlichen Bestim­mungen getroffen werden, um di« Laden überall zu gleicher Zeil zu schließen; wohl aber soll nach den geplanten gesetzlichen Bestimmungen auf den Antrag von zwei Dritteln der Geschäfts­inhaber einer Gemeinde durch Anordnung der höheren Verwaltungsbehörde verfügt werden können, daß für alle oder für einzelne Zweige des Handelsgewerbes zu einer näher zu bestim­menden Zeit zwischen 8 Uhr Abends und 6 Uhr Morgens die Läden geschlossen bleiben müssen. Gleichzeitig soll verfügt werden können, daß während der Zeit des Laden­schlusses das Feilbieten von Maaren auf andere Art, auf Straßen und an öffentlichen Platzen, verboten wird. Wenn also zwei Drtttthesse der Ladeninhaber eines Ortes sich zusammen thun. Dann kann verfügt werden, daß die Laden schon um 8 Uhr Abends geschlossen werden. Außerdem aber ist nach den vorliegenden Berichten ein Mindestmaß vorgeschrieben für bte Ruhe­zeit, die den Angestellten im Handelsgewerbe gewährt werden muß. Dieses Mindestmaß soll für Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Läden zehn Stunden betragen an ununterbrochener Rahezeit nach Beendigung der Tagesarbeit, elf Stunden für Personen unter 16 Jahren und für weibliche Angestellte. Während genau be­stimmter Zeiten im Jahre sz. B- Weihnachts­zeit, Inventur rc) darf von der Ortspolizeibe­hörde eine Ausnahme von diesen Vorschrift««! gestattet werden. Die angestellten statistischen Erhebungen haben ergeben, daß gegenwärtig Die Ladenzeit nur bei 14,9 von Hundert aller Läden weniger als 12 Stunden beträgt. Aber bei nicht weniger als 45,5 v. H. aller Läden dauert jetzt die Zeit, während welcher der Laden geöffnet ist, mehr als 14 Stunden, bei 21 v. H. 16 und bei 6,5 v. H. sogar 16 Stunden und mehr. Man sieht daraus, wie außerordentlich nothwendig eilte Re­form auf diesem Gebiete unseres ge­werblichen Lebens ist.

*Das, Amts blatt veS Reichs Postamts^ veröffentlicht eine Verfügung des Staatssekretärs, wonach vom 1. März ab die Schalter Dienst stunbe« a* Sonntagen und Ieiertage« der­art geregelt werden, daß bis 9 Uhr Morgens die Dienststunden die gleichen sind wie an den Werk­tagen und von 9 Uhr ab auf eine, höchstens zwei Stunden innerhalb der Zeit von dem Schluß des Hauptgottesdienstes bis 2 Udr Nachmittags be­schränkt werden. Die Ober-Postdirektionen sind befugt, ausnahmsweise anzuordnen, daß der Dienst statt in der Mittagszeit zwischen 5 und 8 Uhr Nachmittags mindestens eine, längstens zwei Stun­den abgehalten wird.

.Q, Weimar, 6. Febr. In der heutigen ersten Sitzung des Weimarischen Landtage- ergriff vor Eintritt in die Tagesordnung Staats­minister v. Groß das Wort und erklärte, daß

tzrfckemt täglich, Au-nähme der

Sonn- und Feier­tage. B-erteljährl. Hefugsprei» ohneBn geriohn und Bestellgeld in »utba und aus­wärts lM. 50 Pf.

* Gras v. Caprivi t-

qiiAt lange nach seinem Vorgänger, dem c-r n Kami er Fürsten Bismarck, ist am Montag Vormutag 10 Uhr der frühere Reichskanzler Graf ^Caprivi auf feinem Gute Skyren bei Sroflen a. d. Oder im Alter von 68 Jahren dahinaeschieden. Niemand war auf diese Todes- Nachricht vorbereitet. Denn allgemein nahm man an, daß General v. Caprivi sich des besten Woblieins erfreue. Es scheint, daß bte vollkom­mene Stille imb Weltabgeschiebenheit, in die Graf Caprwi sich einzuhüllen verstanden hatte, auch Nachrichten über feine Erkrankung nicht in die Oeffe, tlichkeit hatten bringen lassen. Erst fetzt, aleickzeitiq mit feinem Tobe, wird bekannt, daß Graf Caprivi schon feit längerer Zeit an Herz- affettionen litt. Nur drei Tage vor seinem Tode bat der Verstorbene auf dem Krankenlager zuge­bracht Zuletzt trat Lungenödem ein; und dann ist Graf Caprivi, nachdem noch em Herzschlag hinzugetreten war, saust verschieden.

Deutsche» lUtdj-

Berlin, 6. Februar.

q Die hochw. Herren IÜischöfe Adalbert Endert von Fulda und Dominikus Willi oon Simburg waren von Berlin aus zu Sr. Eminenz Kardinal Kopp nach Breslau geresst. Von dort sind sie wieder nach Berlin zurückgekehrt und für heute (Montag) zur kaiserlichen Tafel geladen worden. Erst nachträglich wird bekannt, daß vor einigen Tagen auch Se. Eminenz Kardinal Kopp in Berlin sich aufgehalten hat und zur kaiserlichen Tafel geladen war. Der Aufenthalt Sr. Eminenz war nur kurz, )o daß verschiedene geplante Besuche Sr. Eminenz tn katholischen Instituten Berlins unterbleiben maßten.

x Der ,Kreuz-Zeitung- zufolge wird trn Reichstage durch den konservativen Abg. Grafen Kanitz eine Interpellation eingebracht werden über den Stand der handekspolitrschen Me- ziehunge« zwischen Deutschland und den einigten Staaten von W-rdamertKa. De Interpellation soll lauten: „Die Unterzeichneten erlauben sich, an den Herrn Reichskanzler folgende Anfrage zu richten: Ist der Herr Reichskanzler bereit, über den Stand d r Verhandlungen zur Regelung der handelspolitischen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und den Veremigien Staaten von Nordamerika Auskunft za geben?"

* Der Prospekt für die neuen Aeichs- ttnb preußischen Anleihen — 75 Millionen Mark 3proz. deut'che Reichsanlelhe und 125 Millionen Mark 3proz- konsolidirte preußische Staatsanleihe — ist nunmehr erschienen. Die Subskription findet am 9. Februar zum Kurse von 92 Proz. statt. Als Zeichnungsstellen fungiren die Reichshauptbank, sämmtliche Reichs- bankanstalten mit Kaffeneinrichtung, die General­direktion der Seehandlungs-Sozietät, bte beut che Bank mit ihren Filialen und eme große Anzahl Banken und Bankhäuser in Berlin und im Lande. Die Eintheilung der Stücke ist die gleiche, wie bet den früheren Emissionen. Von den zuge- theilten Beträgen sind je ein Viertel am 18. Februar und bann spätestens am 18. März, 19. April und 18. Mai abzunehmen.

ft Arn 10 Februar wirb in Berlin der Aus­schuß des Aervandes deutscher Aröeits- nachweife zu einer Sitzung zusammentreten. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung steht die Frage der ArbeitsnachweiS-Statiftif unbwieder­um bie brennende Frage der ländlichen Ar­beiter. Ohne Zweifel würde durch eine ge­eignete Organisation der Arbeitsnachweise auch ein wenig dem Mangel an ländlichen Arbeits­kräften abgeholfen werden können. Irbeitsnach- roeife, verbunden mit billiger Beförderung auf der Eisenbahn, würde hier sicherlich von großem Nutzen werden können.

-f- In der Novelle zur Gewerbeord­nung, die vom Bundesrathe vorbereitet wird, sollen auch, wie bekannt, die neuen Schutzbestim­mungen für die Angestellte« im Aaudets- gewerke enthalten sein. Die Mittheilungen, die anfänglich über diese Bestimmungen und ihren Inhalt an die Oeffentlichkeit gelangten, klangen wenig verheißungsvoll, so daß es beinahe den Anschein gewann, als solle wieder einmal „nur

verantwort»»: Lnr die Redaktion 3ok- San«, (ür Inserate I.parzeller In Saida.

das waren die persönlichen Eigenschaften des nun­mehr Dahingeschiedenen, die diesem die Herzen der Menschen im Sturme eroberten.

Dem General und dem Kanzler Ca­privi ist die Erfüllung feiner Pflichten mehr als einmal sehr schwer geworden. Zuerst schon damals, als er auf Befehl Kaisers Wilhelms des Ersten den Befehl über die neugebildete deutsche Kriegsflotte übernehmen mußte. Dieses Gebiet der Kriegsverwaltung war dem General von Caprivi bis dahin vollkommen fremd gewesen; aber mit Bewunderung muß man ihm nachrühmen, daß er mit Glanz der schwierigen Aufgabe sich erledigte.

Aber noch bei weitem schwerer war es, bte Erbschaft des Fürsten Bismarck im Kanzleramte anzutreten. Nach Bismarck Reichskanzler zu sein, war keine leichte Aufgabe, und sie war auch nichts weniger als angenehm, wie man leider sagen muß. Nicht nur an offenen und öffentlichen Angriffen gab es eine große Menge; mehr als mancher andere Staatsmann neuerer Zeiten mußte Graf Caprivi erfahren, was geheim gesponnene Jntriguen und Hintertreppen- Ränke zu bedeuten haben. General v. Caprivi befaß gar nicht den Ehrgeiz, Nachfolger des ersten Kanzlers werden zu wollen. Aber fein König, der Kaiser wollte es so; und der Verstorbene wäre eben nicht der General von Caprivi gewesen, wenn er diesem Befehle nicht Folge geleistet hätte. Er leistete ihm ebenso gewissenhaft und pünktlich Folge, wie er es auch dem anderen Befehle gegenüber that, aus dem hohen, so über­aus verantwortungsreichen Amte zu scheiden.

Das warum 29. Oktober 1894 gewesen, als Graf Caprivi aufhörte, Kanzler des deutschen Reiches zu sein. Am Tage vorher wollte der Kaiser zur Hofjagd nach Blankenburg reifen. Aber in ganz unvermutheter Weise gab er diese Reise auf und erteilte dem Kanzler Grafen von Caprivi eine Audienz, die etwa drei Viertelstunden dauerte. Niemand ahnte vorher, welche ungemeine Bedeutung diese Audienz haben sollte: in ihr bat Graf Caprivi mündlich um feine Entlassung — er selbst war wohl nicht nach dem königlichen Schlosse in der Meinung gefahren, daß es so kommen würde. Aber andere hatten das schon am Tage vor­her gewußt: am 27. Oktober war vor dem Kanzlerpalais ein Möbelwagen vorgefahren, nicht bestellt aus dem Palais selbst, sondern von einem der Feinde des Kanzlers, die im geheimen fortgesetzt gegen ihn wühlten und ihm nun durch diesen plumpen Hohn einen Aerger bereiten wollten.

Am 20. März 1890 war General v. Caprivi zum Kanzler ernannt worden. Am 18. Dezember 1891 verlieh ihm der Kaiser den Gr äsen titel wegen seiner Verdienste um das Zustandekommen der Handelsverträge mit Oesterreich, Italien und Rußland. Heute wissen wir, daß dieseHandels- öerträge uns nicht in allen Stücken zum Vortheil gereichen. Aber den Grafen Caprivi trifft dafür auch nicht der Schatten eines Vorwurfes. Und namentlich wir deutschen Katholiken werden das Gedächtniß Caprivi's stets unb auf« richtig in Ehren halten — er hat eJ um uns verdient!

Fkdtt, Lchwnl und fadttl.

Ein» Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.

Von Philipp Wasserburg (Laicus).

41 ------ «Nachdruck verboten.)

„DaS ganze protestantische Volk muß aufge­rüttelt werden fuhr Björne fort. Etwas Unerhörtes, nie DageweftneS muß geschehen--."

„Und diesen Frevel muthet der König mir zu, zu begehen!"

„Dann wär's kein Frevel, wenn eS so ge- schätze. Es wäre ein Akt der Nothwehr, ein Akt der Verzweiflung. Magdeburg wäre die erste Stadt nicht, die mit eigner Hand zur Brand­fackel griff, um dem Feinde den Besitz streitig zu mache«. Kaum siebzig Jahre ist es her, als

Zssyyi Sigeth in Brand schoß, da er es «icht mehr halten konnte, und zuletzt die Citadelle rn bte Luft sprengte. Maa betrachtet ihn nicht als Frevler, sonbern al« Helden."

„Graf Bimr . A Graf Znnyi," sagte der Obnst nachbenk. \

»Aber bas will ber König nicht, baS bient ihm nicht. . ."

„So stand's in ben Depeschen," erklärte Kaltenberg.

„Das soll geschehen," bemerkte Björne mit Rachbruck. „Ganz richtig. Magbeburg soll nieber» gebrannt werden, damit es nicht in bie Hände des Feindes fällt. Aber es soll nicht als Ruhmes- that erscheinen, sondern als Frevel. Nicht auf Eure Rechnung, sondern auf Rechnung der Kaiser­lichen, auf Rechnung ber Katholiken soll man den Brand schreiben."

„Soll ich Euch etwas sagen? Hauptmann!" „Ich höre."

„DaS letztere ist mir jedenfalls lieber. Wte stellt man sich im Hauptquartier vor, daß das geschehen soll?"

„Ihr rüstet die Stadt zur Vertheidigung bis aus'S Messer, bereitet den Straßenkampf vor, laßt Minen graben, füllt die Speicher mit Stroh, unb stellt Spritfässer dazwischen. Fanatisirt den Bürger, namentlich bie Hefe, bie nichts zu ver­lieren hat. Beruft Euch barauf, ber König komme zu Hilfe, unb wenn zuletzt bie Stabt genommen wirb, bann macht Ihr von Euren VertheibigungS- mitteln Gebrauch, unb baß man im Reiche ben Branb al« eine That ber Kaiserlichen betrachtet, mit biefer Sorge belastet sich bas königliche Hauptquartier. Wollet Ihr nur nicht wieder­sprechen."

„Ich?" rief ber Obrist mit beiben Händen abwehrend. „Gott behüte mich vor solchem Widerspruch; nach diesem Lorbeer geize ich nicht. Ich gönne ihn jedem, ber die Hand darnach ausstreckt."

„Die nöthigeu Maßregeln, damit wir im Ge­tümmel entkommen, werde ich treffen."

„Das möget Ihr, Hauptmann. Ich bin Soldat und fürchte den Tod nicht, wenn er in offener Schlacht mir entgegen tritt; aber ber Tob, umgeben von kreischenden Weibern, deren Männer und Kinder man dem Schwert, deren Habe man ber Plünderung preisgegeben hat, das ist eine andere Sache."

„Wie Ihr es auffaßt, Herr Obrist! Der Krieg ist ein schreckliches Ding. Aber bie Haupt­sache ist, daß man Sieger bleibt. Der Sieger

hat stets die gute Sache verfochten uno hat Den Krieg ritterlich und menschlich geführt, und darum hat auch unser Herrgott unter feinen Fahnen mitgekämpft. Wehe dem, Herr Obrist, der anderer Ansicht fein sollte!"

Der Hauptmann verließ mit einer leichten Verbeugung das Gemach des Obristen, unb suchte fein ei/ne« Quartier auf.

XII. Auf Tod und Leben.

Wenige Tage nach diesen Vorfällen ftanb Lo­cana int Ecker seiner Prunkstube unb schaute auf das Treiben in der Breitengaffe hinab. Es war ein Sonntag, aber man merkte von der heilig­mäßigen Stille dieses Tages nichts. Wüstes Ge­räusch drang bis herauf, woselbst Locana nur mit halbem Ohre hörte, was Gerda aus einer deutschen Ausgabe ber Postilla des Nikolaus von Lyra ihm vorlas. Schon seit Monaten fand in Magde­burg kein katholischer Gottesdienst mehr statt, und die immer noch vorhandenen Katholiken be­halfen sich mit einer Hansanbacht.

Sonst pflegte Locana solche Lesungen burch Bemerkungen zu unterbrechen, bie auf eine Er- läuterung bes Gelesenen, ober eine Nutzanwen­dung desselben hinausliefen; aber heute war der Vater sehr schweigsam, und als sie vom Buche ausblickte, gewahrte sie, wie er unverwandt auf bie Straße starrte und des von ihr Gelesenen gar nicht zu achten schien.

„Was ist Dir? Vater!" fragte Gerda.

Locana fuhr auf.

„Ich möchte wissen, was daS zu bedeuten hat," sagte er. „Sie reißen die Straße auf und bauen unterirdisch von Dielen eine Keine “