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mit Ilnterßattungs-Meikage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung!' petersgaüe Rf. 2 CExrrmouit).

ItuLöa, Dienstag, den 31. Januar 1899.

26. Jahrgang.

O Die Yankees und die Philippinen.

Als die Amerikaner die Waffen gegen Spanien erhoben, traten sie als „Befreier der von den Spaniern geknechteten Kubaner" auf; und wirklich hat es Leute gegeben, die an diese angebliche Befreier-Mission der Amerikaner geglaubt haben. Namentlich sind die Kubaner selbst so vertrauensselig gewesen. Ueberraschend schnell sind sie von ihrer Vertrauensseligkeit ge­heilt worden; die Aankees „befreiten" die Insel Cuba für ihren eigenen Besitz und führten, genau wie vorher die Spanier, ein militärisches Regi­ment auf Kuba ein; außerdem nahmen sie auch gleich noch die Insel Puerto Rico, obwohl deren Einwohner niemals den Wunsch geäußert hatten, von Spanien loszukommen.

Von den Philippinen war zunächst öffentlich keine Rede gewesen. Erst nachträglich erfuhr man, daß die Amerikaner mit Aguinaldo, dem Führer der aufständischen Philippiner, einen ge­heimen Vertrag geschlossen hatten, wonach die Philippiner gemeinsame Sache mit den Ameri­kanern gegen die Spanier machen sollten und die Amerikaner jenen die Gründung einer freien Philippinen-Republik für den Fall des Sieges über Spanien in Aussicht stellten. That- sächlich dachte man zunächst auch nicht an eine Besitzergreifung der Inselgruppe. Das geht her­vor aus den vorläufigen Friedensabmachungen, die am 12. August zwischen Spanien und Nord­amerika abgeschlossen wurden. Aber der Appetit kommt beim Essen; und als nun die Amerikaner erst einzuheimsen anfingen, da vergaßen sie Grundsätze, Abmachungen und gegebene Ver­sprechen, und je länger die traurige Komödie der Friedensverhandlungen in Paris dauerte, desto ungezügelter entfaltete die amerikanische Beutepolitik ihre Schwingen.

Aber mit den Philippinern haben sich die Macher der neuen „imperialistischen" Politik in "^Washington gehörig verrechnet. Diese haben ein sür halbwilde Leute ganz überraschendes Ver- fiändniß dafür entwickelt, daß die Amerikaner mit ihrer Inselgruppe eigentlich nicht das Mindeste zu thun haben, und sie haben sehr schnell erkannt, daß sie, wenn sie wollen, den Amerikanern das Leben außerordentlich sauer machen können. Und sie besitzen die hinreichende Thatkrast um das wirklich zu wollen. Sie haben den Amerikanern ganz nachdrücklichen Widerstand entgegengesetzt, und wenn die Vereinigten Staaten ihnen nicht zu Willen sind, so wird der Krieg zwischen den Amerikanern und den Philippinern genau so weitergehen, wie er vorher zwischen diesen und den Spaniern getobt hat. Aguinaldo hat mehrere Unterhändler nach Washington entsandt, und diese sollen jedem Verschleppungsversahren des Präsidenten Mac Kinley ausweichen, viel­mehr mit vollem Nachdrucke auf die unverzügliche Beantwortung ihrer Anträge bringen. Diese Unterhändler haben den Auftrag, den Ameri­kanern auf den Philippinen eine Flotten- Station anzubieten; auf keinen Fall aber soll dies die Hauptstadt Manila sein. In Manila wollen die Philippiner den Amerikanern nur eine Ueb er wachungs-Kommission für das Zoll- und Finanzwesen zugestehen, und außerdem

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Eine Erzählung aus der Beschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (LaicuS).

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Aufs Neue wurde der Jüngling durch einen Ausbruch unbändigen Gelächters Seitens des Administrators unterbrochen. Seine gute Laune war vollständig wieder hergestellt.

„Mit lautem Joho! warf ich mich mitten in's Gemenge; rechts und links sausten die Hiebe, . . . auf wen weiß ich nicht; ich fragte auch nicht viri darnach ... und als bann bie Stadtknechte Verstärkung bekamen, da gaben die Anderen Fersengeld; nur der, welcher den Bürger­meister zwischen Himmel und Erde hangen ge­sehen, war zu wüthend über den Lohn, den er empfing, um davon zu laufen; ich hielt das unter meiner Würbe, und so wurden wir auf dem Platze überwältigt. Der Dritte tief davon, war aber minder schnellfüßig, als feine Ge­noffen . .

„Woher wissen fie aber, daß Du daran be- theiligt warst?"

„O, das wiffen sie nicht. Ich hätte mit Gilden davon gehen können. Wahrscheinlich wurde später die Flucht entdeckt, und die Pslizei hat zu ihrem Nutzen die Rollen verkehrt; das kommt öfter vor. Ich wurde bei einer Rauferei gefangen. Daß ich an der Flucht Bildens be­teiligt bin, kann mir Niemand nachreden; das gestehe ich Euer Gnaden ein, weil ich mir bewußt bin, dabei Euer Jntereffe gefördert zu haben."

wollen sie nur noch zugeben, daß in vier größeren Städten der Inselgruppe gemischteGerichts- höfe eingesetzt werden zur Wahrung derJntereffen der Fremden.

Inzwischen gingen die feindseligen Bewe­gungen und Kriegsvorbereitungen auf den Philip­pinen ihren Gang, bis jetzt auf einmal Stillstand darin eingetreten ist. Man wußte zunächst nicht warum. Aber jetzt ist das bekannt geworden: ein Streik der amerikanischen Frei­willigen hindert den nordamerikanischen General Otis daran, gegen die Philippiner vorzugehen. In Manila und Kavite stehen 4000 amerikanische Freiwillige, und diesen war versprochen worden, daß sie am 25. Januar nach der Heimath zurück- gebracht werden sollten. Der 25. Januar kam heran, aber die Ablösung für diese Freiwilligen- Truppen kam nicht; und als nun General Otis 2500 Mann derselben von Manila aus nach Jlo-Jlo senden wollte, um mit Gewalt auch diese Stadt und Insel zu besetzen, weigerten sich die Truppen, diesem Befehle zu folgen. Denn ihr Dienst, so sagen sie, ist zu Ende, und sie wün­schen heimzukehren, statt noch weiter als Kanonen­futter zu dienen für die Beutepolitik Mac Kin- ley's in dem ihnen ungewohnten und verderblichen Klima der Philippinen-Inseln — eine Weigerung, die man den Leuten von ihrem Standpunkte aus sicherlich nicht verdenken kann. General Olis mußte auch nachgeben, und somit mußten sich die Amerikaner damit begnügen, vor Jlo-Jlo einige Kriegsschiffe spazieren fahren zu lassen.

Am bevorstehenden 6. Februar wird nun in Washington aller Voraussicht nach die Ent­scheidung darüber fallen, was mit den Philip­pinen werden soll. An diesem Tage muß näm­lich der Senat der Vereinigten Staaten seine Beschlüsse fassen über den in Paris ver­einbarten Friedensvertrag zwischen Spanien und Amerika, und bei dieser Gelegenheit muß also auch darüber entschieden werden, was Nord­amerika mit den Philippinen anfangen will. Es ist durchaus nicht zu sagen, wie diese Entscheidung ausfallen wird; denn nach allen Berichten ist der Gedanke völliger Besitzergreifung der Philippiner! in Nordamerika gar nicht sehr volksthümlich.

Deutsches Deich.

Berlin, 30. Januar.

X Am Kaisers Geburtstage hat der Graf Megent von Lippe-Delmotd bei einem von ihm veranstalteten Festmahle einen Trinkspruch auf den Kaiser ausgebracht, für den er auf die Zustimmung weiter Volkskreife rechnen kann. Der Graf-Regent hat in diesem Trinkspruche ebenso trefflich seiner Treue zu Kaiser und Reich Ausdruck gegeben, wie er auf der andern Seile in sehr angemessener und ruhiger Tonart auf die Berechtigung feiner Thronansprüche und auf den Entschluß hingewiesen hat, unentwegt an diesen Ansprüchen festzuhalten. „Reichsverdrossenheit und partikularistische Unterströmungen — so führte der Regent aus — haben in meinem Hause und Herzen keine Stätte" — trotz der „persönlichen Erfahrungen schmerzlicher Art," die das letzte Jahr ihm gebracht hat. „In allen Schwierig-

„Ernst," entgegnete der Brandenburger nach langem Ueberlegen, weißt Du auch, daß Du den Wachtmeister einer schweren Thal beschuldigst?"

„Das thut Ihr, fürstliche Gnaden. Ich er­zähle nur die Thatsachen, wie sie sich zugstragen haben.

„Du kennst die Verhafteten nicht?"

„Ich habe sie nie gesehen."

Der Brandenburger schüttelte den Kopf. Plötz­lich brach er aus's neue in ein unbändiges Ge­lächter aus. Se. Gnaden stellten sich in Ge­danken lebhaft die Ueberraschnng vor, die sich auf dem Gesichte dessen ausgeprägt haben mußte, der die Stadtknechte allarmiri, als er zur Be­lohnung dessen die ersten Prügel empfing.

Nachdem dieser laute Ausbruch der Heiterkeit in etwa besänftigt, hatte der Page den Rott- meister herein zu bescheiden. Derselbe erschien, die Retten in der Hand, mit welchen er den Jüngling gefesselt. Als der Brandenburger sie sah, runzelte er die Stirne.

„Ich muß Ihm bemerken," sagte er in scharfem Tone, „daß ich eS sehr mißständig finde, wenn Organe der bürgerlichen Behörde Leute aus meinem Hofgesinde in Fesseln legen. In soweit Seitens meines Pagen eine Ungehörigkeit vorliegt, be­halten wir uns vor, dieselbe in angemessener Weise zu bestrafen, hoffen aber sicher, daß etwas Derartiges nicht mehr vorkomme." bläfft Rittmeister sah den Administrator ver-

„Jetzt gehe Er, und sage Er seinem Freunde, dem Wachtmeister, er möge die beiden Leute, die er mit meinem Pagen verhaftet, unverweilt in Freiheit setzen, sonst würden seine Rapporte auf

feiten und Kämpfen . . . bewahre ich festes, ruhiges Vertrauen auf Gott, pflichtgemäßes Fest- halten an meinem Recht und unerschütterlichen Glauben an feinen Sieg." Der Regent theilte mit, daß Fürst Bismarck ihm wiederholt und gerade in den letzten Jahren feine feste lieber« zeugung von dem Rechte feines Hauses bestätigt habe. „Ob dieses Recht — so sagt der Regent — noch durch einen Akt der Landes- Gesetz­gebung ausdrücklich zu deklariren sei, ist für mich eine Sorge rein landesväterlicher Art . . . seine Familie bedürfe keines solchen gesetzgeberischen Aktes".— Entgegen anderen Meldungen erhalten sich die Gerückte, daß die Detmolder Garnison nach Osnabrück verlegt und in Detmold nur der Stamm des Regimentes bleiben solle. Es bleibt dennoch abzuwarten, ob dies richtig ist. Die zwischen Preußen und Lippe abgeschlossene Mili­tär-Konvention muß zwei Jahre vorher ge­kündigt werden, wenn einer der beiden Vertrags- Staaten die Konvention aufgehoben ober ge­ändert haben will.

© Die oberoffiziöse ,Nordd. Allgem. Ztg/ hält es für nöthig, noch einmal den Gerüchten zu widersprechen, als habe man demnächst mit dem Iiücktritte des Reichskanzlers zu rechnen. „Wir sind — so läßt sich das genannte Blatt vernehmen — zu der Erklärung ermäch­tigt, daß auch diesmal die GerÜchre über einen Kanzlerwechse! völlig unbegründet find." Die ,Nordd. Allgem. Ztg/ hätte sich das schwere Geschütz dieser hochoffiz.ösen Kundgebung sparen können. Im Ernst hat Niemand mit der Mög­lichkeit gerechnet, daß an diesen Gerüchten etwas Wahres fein könnte. Solche Kundgebungen sind eher geeignet, den Argwohn von neuem auf­kommen zu lassen, daß die Gerüchte von dem Rücktritte doch am Ende nicht ganz so grundlos waren.

□ In der Märkischen Volkszeitung' wird ein Vorschlag zur Verdeutschung des Fremd­wortes „Dormition" gemacht. Wie verlautet, wird der Verein vom hl. Lande in nächster Zeit eine Sitzung halten, in welcher über die weitere Ausgestaltung des dem Verein von Sr. Majestät Überwiesenen Grundstückes in Jerusalem Beschlüsse gefaßt werden sollen. — Hoffentlich entschließt man sich bei dieser Gelegenheit endgültig, den un­schönen sranzösischen Namen „Dormition" zu be­seitigen und durch ein deutsches Wort zu ersetzen. Freilich, es scheint fast, als ob es bei uns Deutschen ohne Fremdwörter nicht geht; haben es doch selbst die alten Stiftungen des deutschen Volkes in Rom „Anima“ und „campo Santo“ noch nicht zu deutschen Namen gebracht.Betreffsderzukünftigen Benennung des Grundstückes in Jerusalem sind ja auch schon Vorschläge gemacht worden, aber ich glaube kaum, daß „Maria Schlaf" oder „Maria Ruh" viel Beifall finden werden, wenn sie auch immerhin schöner und kürzer sind als das lateinische „dormitio“ oder gar das französische „dormition“. — Aber es gibt eine Bezeichnung, welche wegen ihres Wohlklanges entschieden den Vorzug verdient und gleichzeitig bestimmter ist, als die bisher vorge­schlagenen. Man möge doch dem Grundstück den Namen „Mariä Aeimgang" geben und man hat einen Namen, der kürzer und wohlklingender ist als der französische und der lateinische und ihre Richtigkeit geprüft werden, und er roifle am besten, was dabei herauskomme."

Der Rottmeister zog sich verdutzt zurück, nicht ohne zu bemerken, daß Mansfeld, der hinter dem Brandenburger stand und daher von diesem nicht gesehen werden konnte, ihm so weit wie möglich — die Zunge herausstreckte.

„Du, Ernst! mach mir keine solche Dumm­heiten mehr;" meinte dann der Brandenburger. „Die Sache hat mich ergötzt und im Ganzen bin ich froh, daß der Gilden außerhalb des Weich­bildes von Magdeburg ist; aber Du bist noch zu jung, um das zu beurteilen; jetzt geh', wasche Dein Gesicht und lasse Dir ein Pflaster auf das Loch im Kopfe legen, damit die Wunde nicht schwäre. Die Prügel, welche Du bet der Keilerei bekommen, die Fesseln, welche Du getragen, und daS Nachtquartier, das Du gehabt, will ich Dir als Strafe anrechnen, und so bleiben wir Dir auch des Ferneren wohl gewogen!"

Der Page neigte sich voll Anmuth und küßte die dargereichte Hand seines Gebieters, dann ging er bis zur Thüre, wo er sich nochmals um­kehrte, um sich tief zu verbeugen; darauf verließ er das Gemach.

„Herr Peter Meyer," sagte er sarkastisch zu dem Sekretarius, der im Vorzimmer über ein Pergament gebeugt an seinem Schreibtische saß, „wenn ich Euch einen Dienst bei Sr. fürstlichen Gnaden thun kann, sagt es kecklich: Dieselben haben mich eben ihres ferneren Wohlwollens »ersichert."

„Junker, Ihr habt mehr Glück als Recht und Verstand," antwortete der -Sekretarius. „Wann werdet Ihr einmal klug werden?"

uns Deutschen gewiß bald mundgerecht werden wird. — Uns scheint der Ausdruck „Mariä Heim­gang" durchaus empfehlenSwerth, er bezeichnet inhaltlich dasselbe wie Dormition und hat einen sehr gefälligen Klang, außerdem ist das Wort „Heimgehen" auch nicht neu, es wird gern dort gebraucht, wo man das traurig stimmende „Tod" oder „Sterben" nicht gern anwendet und gewisser­maßen sagen will, daß der Mensch hierauf Erden nur ein Fremdling ist und feine wahre Heimath sich im seligen Jenseits befindet. Soll das Wort sich einbürgern, so wäre es angebracht, daß gerade der „Verein vom hl. Lande" diese Schreib­weise wählt und sie allgemein empfiehlt. Die Presse muß dann das ihrige thun.

+ lieber die Stellung, welche der Bun des - rath nunmehr einnehmen wird zu dem vom Reichstage angenommenen Anträge des KentrumS auf Beseitigung des Answeisnngs - Gesetzes gegen die Jesuiten, erscheinen in der Presse verschiedenartige Nachrichten. Recht wundersam lieft sich eine Aeußerung des ,Hamb. Rorrefp/, von dem man annimmt, daß er gute Verbindun­gen hat mit amtlichen Stellen in Berlin: da wird nämlich gesagt, daß man ja vor der Rückkehr deS Jesuitenordens nicht gerade Angst zu haben brauche; aber der BundeSrath werde doch Alles beim Alten lassen müssen, da es sonst gar zu leicht so aus­sehen könnte, als weiche die Regierung v»r dem Ansturm des „Ultramontanismus" zurück! Im Gegentheil glaubt ein nationalliberales Berliner Blatt versichern zu können, daß der Bundesrath vermuthlich den zweiten Paragraphen des Jesuiten- Gesetzes fallen lassen, also die vom Reichstage ebenfalls angenommenen Anträge Rickert und Graf Simburg - Stirum gutheißen werde. AuS dem Widerspruche, der in diesen Meldungen liegt, kann man ohne Zweifel den Schluß ziehen, daß der Bundesrath noch gar nicht mit der Angelegen­heit sich befaßt hat, wie er es ja auch vorgezogen hat, sich von der Verhandlung im Reichstage über das Jesuiten - Gesetz vollkommen fern z« halten.

© Ebenso wie um dieselbe Zeit des Vor­jahres tauchen jetzt Gerüchts auf über die muth- maßliche oder sogar schon in Angriff genommene Einführung eines neuen Gewehrs in das deutsche Kriegsheer. Vor einigen Tagen wurde berichtet, daß in Danzig zwei Arbeiter der staatlichen Gewehrfabrik dort als besonderes Ge­schenk silberne Taschenuhren mit dem Wappen und Namenszuge des Kaisers bekamen, mit der Bemerkung, daß sie das Geschenk vornehmlich erhielten für ihren erfolgreichen Eifer bei den Vorarbeiten für das neue Gewehrmodell; und aus Spandau wird gemeldet, daß dort die Arbeiter der königlichen Gewehrfabrik feit einiger Zeit täglich eine Ueberftunbe machen müssen. Vom 1. April ab soll der Betrieb so eingerichtet werden, daß täglich etwa 80 Gewehre fertig ge­stellt werden könnten.

h Dem Reichstage ist nunmehr die ange­kündigte Denkschrift über die bedingte Regna- diguug zugegangen. Die Denkschrift enthält die einschlägigen Bestimmungen, die in den ein­zelnen größeren Staaten deS Reiches darüber erlassen sind, ferner die zahlenmäßigen Ergebnisse, zu denen die Anwendung dieser Bestimmungen

„Wenn mein Glück zu Ende geht," ant­wortete der Junge ÜdermÜthig und suchte sei« Gelaß auf, um sich vom Blute und Schmutz rernigen und umzukleiden.

Nachdem das zur Genüge geschehen und der Jüngling wieder sein schmuckes Ai-srhen ge­wonnen, bestätigte auch er die oft gemachte Er­fahrung, daß es den Verbrecher nach dem Schau­platz seines Verbrechens ziehe.

Aus'S Geradewohl schlenderte er durch die Straßen und ehe er es sich versah, stand er a« der Ecke der Breitegaffe und des Rathhauses und brauchte nur quer hinüber zu gehen, so konnte er sich unter die zahlreichen Menschengruppen mischen, welche den Thurm umstanden, seine Höhe mit ihren Blicken maßen und sich in äußerst ge­wagten Vermuthungen über die Ereignisse der vorhergehenden Nacht ergingen. Die glänzendsten Geschäfte machten die beiden in der Nähe liegen­den Schenken „zum Storch" und „zur RathhauS- Ecke", deren Insassen nicht Hände genug hatten, um die Gäste zu beoienen. Im Storch hatte sich zusammengefunden, was zu Gilden schwor, und dort herrschte der ungetheilt-üe Jubel über da? glückliche Entkommen, in der RathbauS-Ecke saßen die Freunde des gegenwärtigen Regimentes und dort schimpfte man in ausgiebigster Weise über die Stadtknechte, den Gefängnißwärter und die schändlichen Menschen, die sich solcher Verrucht­heit verwogen; barüber aber waren bie Parteien einig, baß ber Ausdruck des Jubels wie ber Ent­rüstung von ber Vertilgung vieler Krüge trefflichen Bieres begleitet sein mußten.

In schroffem Gegensätze zu diesem lärmenden Volke standen zwei Frauengestalten, die sich a